Ausstellungen

Kunstmuseen Erfurt präsentieren: Siegfried Körber. Elementares

Aquarelle und Zeichnungen / 10.09.-26.11.2017 Schlossmuseum Molsdorf

Frankreich, Italien, Ungarn - Professor Siegfried Körber hat in seinem Leben viel gesehen. Seine Lehr- und Wanderjahre verbrachte der 1937 geborene in Dresden, Berlin und Prag. Nach Studien an der Fachschule für Angewandte Kunst in Potsdam, Pädagogikstudium an der Hochschule in Erfurt und Universität Leipzig, und Grafikstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Dr. Theo Richter wirke er vierzig Jahre lang als Hochschullehrer in Erfurt.
Nach der Wende zog es ihn wieder in die europäische Ferne. 1993 war er u.a. Gastkünstler im Beckmann-Atelier der Villa Romana in Florenz.
Heute lebt der bildende Künstler  in dem verträumten Thüringer Ort Hohenfelden und ist seit 2011 Mitglied der sehr präsenten lokalen Künstlergruppe Hohenfelden. Sein Schaffen ist eng mit den älteren Thüringer Landschaftsmalern wie Otto Paetz (1914-2006) und Otto Knöpfer (1911-1993) verbunden – er aktualisiert deren künstlerische Perspektiven auf Natur und Landschaft und bevorzugt wie seine Vorgänger die unmittelbare Begegnung mit der Landschaft en pleinair. Dabei schuf er jedoch kaum Gemälde, sondern kultivierte die Techniken der Kreidezeichnung und des Aquarells. Die künstlerischen Traditionslinien fortschreibend, begibt sich auch Siegfried Körber seit Jahrzehnten hinaus in die freie Natur. Die möglichst unmittelbare Erfahrung ihrer Kräfte und flüchtigen Erscheinungen „en plein air“ ist bis heute ein zentraler Antriebspunkt seiner Produktivität geblieben.
Anlässlich des 80. Geburtstages von Siegfried Körber würdigt die Ausstellung der Kunstmuseen Erfurt im Schloss Molsdorf "Elementares" seine unermüdliche Kreativität.
Die Ausstellung wird Samstag, den 9. September, 16 Uhr, in Anwesenheit des Künstlers eröffnet und präsentiert bis zum 26. November Zeichnungen und Aquarelle.


Eigene Welten kreiert

Panorama Museum Bad Frankenhausen zeigt bis 22. Oktober: Woldemar Winkler – Schattenströme

Von Johanna Huthmacher  
Mehr als achtzig Jahre währte das Wirken von Woldemar Winkler (1902-2004). Der vielseitige Künstler hinterließ eine Fülle an Zeichnungen, Collagen, Assemblagen, Aquarellen, Druckgrafiken und Gemälden, die sich zwischen Neuer Sachlichkeit, Spätimpressionismus, Surrealismus, Informel und der fantastischen Kunst bewegen. In einer groß angelegten Retrospektive präsentiert das Panorama Museum neunzig Arbeiten aus der gesamten Schaffenszeit des Künstlers.
In der ersten Hälfte der zwanziger Jahre studierte Winkler an der Dresdner Kunstgewerbeakademie bei Prof. Carl Rade Malerei; ab 1928 war er selbst als Lehrer an einer privaten Akademie für Zeichnen und Malen tätig, bis er 1941 zum Kriegsdienst verpflichtet wurde. In der Frühzeit experimentierte er mit den unterschiedlichsten Stilen, zugleich zeichnete sich bereits eine Vorliebe für das Fantastische ab, die das Werk ab 1947 maßgeblich prägen sollte.
Aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, siedelte sich Winkler nicht in Dresden, sondern in der Nähe von Gütersloh an, wo er bis zu seinem Tod als freischaffender Künstler und Kunsterzieher wirken sollte. In der ländlichen Isolation schuf er sein Hauptwerk, nicht zuletzt inspiriert durch zahlreiche Reisen nach Frankreich, Spanien, Italien und die USA. Über den Umweg über Frankreich, wo Winkler in den sechziger Jahren zuerst Anerkennung fand, wurde sein Werk, das sich jeder vorschnellen Einordnung verweigert, auch in Deutschland bekannt.
Von Fundstücken ausgehend kreierte Winkler eigene Welten, mal mehr, mal weniger dem Gegenstand verpflichtet. Farbflächen schrauben sich in Gezeichnetes, Zeitungsausschnitte wechseln sich ab mit erfundenen Gestalten, Tieren, Menschen, Pflanzen. Stofffetzen setzen farbliche Akzente, Puppenarme ragen aus dem Bild, Baumwurzeln werden zur Plastik. Der Trauer über die Trennung von Dresden begegnen heitere Bilder, der Tod steht neben dem schreiend bunten Leben, morbide Gebilde schockieren und immer wieder blickt der Schalk um die Ecke.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Christoph Winkler, Sepp Hiekisch-Picard, Gerd Lindner, Michael Nungesser und Johanna Huthmacher.
Öffnungszeiten: Di bis So 10 – 18 Uhr, Juli und August auch Mo 13 – 18 Uhr

Abbildung oben:
Luxusmuschel, 1966, Radierung, aquarelliert, 34,2 x 45,0 cm, Woldemar-Winkler-Stiftung der Sparkasse Gütersloh



Gerhard Marcks und sein Freundeskreis

Weimarer Auftakt zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum zeigt ungewöhnliche Positionen im und nach dem Bauhaus

Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) gehörte 1919 zu den ersten Lehrern am Bauhaus in Weimar und trat dort wie kaum ein zweiter Künstler für die Erneuerung aller Künste durch das Handwerk ein. Um Marcks bildete sich ein Netzwerk treuer Mitstreiter, die dieses künstlerische Selbstverständnis über Schulen und Gemeinschaften bis weit über Europa hinaus verbreiteten. Unter dem Titel »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« präsentiert die Klassik Stiftung Weimar vom 17. August bis 5. November 2017 gemeinsam mit dem Gerhard-Marcks-Haus in Bremen erstmals eine umfassende Ausstellung zu diesem einzigartigen Künstlerkreis. Sie eröffnet damit einen neuen Blick auf ein Bauhaus jenseits von Industrie und Typisierung.
»Wir zeigen Gerhard Marcks nicht von ungefähr als ersten großen Beitrag Weimars im Hinblick auf das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses 2019«, betont Wolfgang Holler, Generaldirektor Museen der Klassik Stiftung Weimar. »Nach dem Zweiten Weltkrieg war die erste von den Kunstsammlungen zu Weimar veranstaltete Bauhaus-Ausstellung 1958 in der Kunsthalle am Theaterplatz, dem jetzigen Bauhaus-Museum, Gerhard Marcks gewidmet. Nun präsentiert die Klassik Stiftung in ihrer letzten großen Bauhaus-Ausstellung vor der Eröffnung des neuen Bauhaus-Museums diesen außerordentlichen Künstler.« Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen, unterstreicht: »Es ist wichtig, Marcks in diesem Kontext zu sehen. Man kennt ihn als figürlichen Bildhauer und die wenigsten verstehen den Bezug zum Bauhaus.«
Gerhard Marcks zählte neben Ernst Barlach, Georg Kolbe und Wilhelm Lehmbruck zu den bedeutendsten figürlich arbeitenden Bildhauern in Deutschland. 1919 von Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus Weimar berufen, leitete er als Formmeister von 1920 bis 1924 die Keramikwerkstatt in Dornburg. Mit seinen Schülerinnen und Schülern, wie der Keramikerin Marguerite Friedlaender-Wildenhain (1896–1985), dem Silberschmied Wolfgang Tümpel (1903–1978) oder dem Maler Johannes Driesch (1901–1930), suchte Marcks nach einer Synthese von Keramik, Plastik und Malerei, um die getrennten Sphären der Kunst und des Lebens zu versöhnen. Die einsetzende Ausrichtung des Bauhauses auf die Herstellung von Prototypen für die industrielle Produktion lehnten Marcks und sein Kreis als Anhänger des traditionellen handwerklichen Ethos ab und nahmen den Umzug des Bauhauses nach Dessau zum Anlass, eigene Wege zu gehen.
Mit über 200 hochkarätigen Exponaten, darunter Skulpturen, Zeichnungen, Gemälden und Keramiken, zeichnet die Ausstellung die gemeinsamen Anfangsjahre in Dornburg nach, begleitet die Künstler und ihren fruchtbaren Ideenaustausch nach der Bauhauszeit und über die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft hinweg bis in die USA. Höhepunkte sind insbesondere die »Abstrakte Figur« von Oskar Schlemmer, das Relief »Frau und Säugling« von Gerhard Marcks sowie Keramiken von Marguerite Friedlaender-Wildenhain aus Kalifornien und Metallobjekte von Wolfgang Tümpel.
Essentiell für die Konzeption der Ausstellung waren die Forschungsergebnisse des DFG-Projekts »Bewegte Netze. Bauhaus-Angehörige und ihre Beziehungsnetzwerke in den 1930er- und 1940er-Jahren« der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und der Universität Erfurt. Eine in diesem Rahmen entstandene interaktive Medienstation sowie fotografische und filmische Dokumentationen machen den künstlerischen Ideentransfer des Freundeskreises bis zu Marcks‘ Tod 1981 greifbar.
Ein umfassendes Rahmen- und Vermittlungsprogramm flankiert die Schau. Unter anderem führen Künstler, Kunsthistoriker und Handwerker die Besucher in drei dialogischen Gesprächsrundgängen durch die Ausstellung. Für die ganze Familie bietet das »Formlabor« Gelegenheit, ausgehend von den Exponaten eigene Kannen, Becher und Vasen zu entwerfen.
Das Formlabor in Weimar ist ein Projekt des Programms Bauhaus Agenten – eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes und der Klassik Stiftung Weimar / bauhaus museum weimar, der Stiftung Bauhaus Dessau und des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin.
Die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, den Freistaat Thüringen, die Art Mentor Foundation Lucerne, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Sparkasse Mittelthüringen.
Nach Ende ihrer Weimarer Laufzeit ist die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« vom 26. November 2017 bis 4. März 2018 im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen zu sehen.

»Wege aus dem Bauhaus.
Gerhard Marcks und sein Freundeskreis«
Zu sehen bis 5. November 2017
Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5 ||99423 Weimar
Di, Mi 10–18 Uhr | Do 12–20 Uhr | Fr–So 10–18 Uhr
www.klassik-stiftung.de/marcks

Abbildung: Gerhard Marcks in seinem Berliner Atelier in Nikolasee, 1939-1942, Fotograf unbekannt, Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen, © VG Bild-Kunst Bonn, 2017


Von der Mythologie bis in die Cyberwelt

8. Höhler Biennale in Gera bis 15. Oktober steht unter dem Thema „SCHATTENwelt“

Von Dagmar Paczulla
Seit der Premiere dieser einzigartigen Schau für Installationskunst (2003) in Gera hat die Höhler Biennale stetig an nationaler und internationaler Aufmerksamkeit gewonnen. Für die 8. Auflage dieser Kunstschau wurden Ideen für 68 Arbeiten eingereicht; 24 davon sind nun in drei Höhlern am Geraer Markt zu betrachten. Beteiligt sind 25 Künstler aus Deutschland, Belgien, Spanien, Südkorea und Finnland.
Zur SCHATTENwelt gesellen sich diesmal (überirdische) LICHTblicke:
Am Markt 15 erwartet die Besucher im temporären Kunstkaufhaus eine Verkaufsausstellung mit Arbeiten der teilnehmenden Künstler. Sie präsentieren weitere Werke aus ihrem Schaffen auch im Kunstareal auf dem Geraer Schloss Osterstein (im Eintrittspreis inbegriffen). Für den 15. und 29. September sind ab 20 Uhr Licht- und Fassaden-Installationen am Markt angekündigt.
Kuratiert wurde die Schau von Sven Schmidt und Winfried Wunderlich (beide Gera). Beide Künstler waren vor vierzehn Jahren auch maßgebliche Ideengeber dafür, in den einstigen Bierhöhlern Kunst zu zeigen. – Ein waghalsiges Unterfangen in mehrfacher Hinsicht.
Zum einen herrscht ein feucht-kühles Klima in dem Labyrinth aus Gängen mit Rundbögen und Querverbindungen, bis zu elf Meter tief unter der Altstadt. Was für den Besucher in sommerlicher Hitze eine Wohltat, ist den Kunstwerken nun weniger zuträglich. Sie werden deshalb nicht nur eigens für diese Schau konzipiert und angefertigt – sie „überleben“ ihr Dasein in der Geraer Unterwelt meist auch nicht. – Also hier und nur hier hat der Kunstinteressierte die Gele-
genheit, sie anzuschauen! Und dabei seinen Gedanken nachzuhängen. Das kann man hier ausgezeichnet; die Objekte sind wie geschaffen dafür, ins Philosophieren zu kommen ...
Zum anderen ist es dem Veranstalter, dem Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler, und Projektleiterin Dr. Gitta Heil erneut gelungen, ein finanzielles Fundament für die Höhler Biennale zu
gießen. Dazu tragen allen voran die Stiftung „Lebendige Stadt“ Hamburg, die Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Sparkasse Gera-Greiz, die Thüringer Staatskanzlei und die
Kulturstiftung Thüringen bei, die Stadt engagiert sich mit Sachleistungen, und auch private Spenden gab es.
Zum vierten Mal stiften die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Sparkasse Gera-Greiz den Deutschen Installationskunstpreis in drei Kategorien. Die Schirmherrschaft für die 8. Höhler Biennale hat Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee übernommen.

Zur Abbildung unten:

In der Tiefe, jenseits des geschäftigen städtischen Treibens, ertastet der Blick des Betrachters künstlerische Objekte.
>>> »Tanz im Tuonela« nennt Hanna Järvenpää ihre Installation: „Tuonela ist das Totenreich in
der finnischen Mythologie. Nach dem Ableben sind manche denkwürdigen Momente unseres Lebens durchaus in der Lage, das Leben der Hinterbliebenen leuchtender zu gestalten. Die Unterwelt ist innerhalb von uns allen und kann ein Ort des friedlichen Nachdenkens sein. Dies ermöglicht eine Aufwertung des Lebens und mindert die Angst vor dem Tod.“


Sommerschau zeigt „Außenseiterkunst“

BELLA ITALIA. Das Museum Haus Cajeth Heidelberg zu Gast im Lindenau-Museum Altenburg

Verführerische Frauen, Tiger und Wölfe, die liebliche Landschaft der Po-Ebene, Fassaden der Renaissancestadt Sabbioneta, Christus und Marx friedlich auf einem Bild vereint. Die thematische Bandbreite der sieben italienischen Künstler aus dem Museum Haus Cajeth in Heidelberg ist gewaltig. Sie alle aber haben eines gemeinsam. Sie hatten kaum oder gar keine Schulbildung, waren einfache Arbeiter oder galten in ihrer Heimatstadt als verrückt.
Trotzdem hat jeder von ihnen einen Weg zur Kunst gefunden und oft erst im hohen Alter begonnen zu malen: mit Ruß oder Buntstiften, Öl- oder Acrylfarben auf Leinwand, Sperrholz, Papier oder Karton. Entstanden sind einzigartige, berührende Bilder, die oftmals neben den Werken der berühmten Maler des 20. Jahrhunderts bestehen können.
Über viele Jahrzehnte hat der aus Leipzig stammende Egon Hassbecker (1924-2013) mit seiner Lebensgefährtin Barbara Schulz in ganz Europa Bilder der sogenannten Außenseiterkunst gesammelt. Seit 1982 wird diese Sammlung Hassbecker, die mehrere tausend Werke zählt, im Museum Haus Cajeth in Heidelberg gezeigt.
Zu sehen bis 15. Oktober
Begleitprogramm
Donnerstag, 21. September, 18.30 Uhr
Vortrag zum Weltalzheimertag: Psyche und Kunst. Anmerkungen eines Psychiaters I Martin Sandlaß, Klinik für Psychiatrie,  Psychotherapie und Psychosomatik Altenburg
Donnerstag, 5. Oktober, 18.30 Uhr
Vortrag: Primitiv oder gelehrt?  
Künstlerleben in der italienischen Renaissance I Dr. Benjamin Rux
Sonntag, 15. Oktober, 15 Uhr
Konzert: Bella Italia - eine Zeitreise durch fünf Jahrhunderte; italienischer Gitarrenmusik I Maximilian Mangold, spielt Werke von Francesco da Milano, Mauro Giuliani, Domenico Scarlatti, Niccolò Paganini und Mario Castelnuovo-Tedesco
Führungen:
Sonntag, 20. August, 15 Uhr (mit Dr. Benjamin Rux)
Sonntag, 1. Oktober, 15 Uhr (mit Dr. Roland Krischke)


Nach den Polen kommt das Koma

Gera: Neue Ausstellung in der Galerie M1 am Mohrenplatz

Bis zum 10. September zeigt die Produzentengalerie M1 am Geraer Mohrenplatz die Gruppenausstellung „Koma“ mit nationalen Gästen. „Wie in den vergangenen Jahren, soll auch diese Ausstellung sich kritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen. Die zunehmende Individualisierung und soziale Unterschiede führen zu einer Spaltung der Gesellschaft. Diese Situation ist geprägt von Kommunikationslosigkeit, vielfältigen Ängsten, Radikalisierung und mangelnder Bereitschaft zur Lösung von Aufgaben (Integration, Zustand EU, Kulturabbau, Gebietsreform u.ä.). Aber auch die künstlerische Verarbeitung von Empfindungen oder Gedanken zu individuelle Krisen können Thema des Beitrages sein.“ …so lautete die Aufgabenstellung in der Ausschreibung. Man darf also gespannt sein, wie jeder der teilnehmenden Künstler sich zu diesem Thema positioniert und welches Gesamtbild letztlich entstehen wir. Eins dürfte aber jetzt schon klar sein: Kunst überwindet das Koma!
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13.00-18.00 Uhr
Sonnabend bis Sonntag 12.00-18.00 Uhr

Bild oben: Arbeit von Sven Schmidt, 2017, Lacktechnik auf Holz


In memoriam Klaus Vonderwerth

Karikaturenausstellung im Greizer Sommerpalais bis 3. Oktober 2017

Klaus Vonderwerth (1936-2016) erfuhr eine Berufsausbildung zum Gebrauchswerber in Berlin (Ost) und studierte anschließend an der Meisterschule für Graphik und Buchgestaltung in Berlin (West). Von 1959 an war er als freischaffender Graphiker, Buchillustrator und Plakatgestalter in Berlin (Ost) tätig. Von 1970 an beschäftigte er sich zunehmend mit satirischer Zeichnung und Druckgraphik. Sein satirisches Lebenswerk gelangt nun durch sein Vermächtnis und die großzügige Schenkung seiner Witwe Cleo-Petra Kurze in das Satiricum im Sommerpalais Greiz. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl sowohl seines satirischen Werkes als auch seines graphischen Schaffens – wie z. B. die Illustrationen zum Traumzauberbaum.


Aktuelles Fahrrad-Design

Sonderschau im GRASSI Museum Leipzig

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt eine Ausstellung zu aktuellem Fahrrad-Design. Über 60 Fahrradmodelle aus den vergangenen zehn Jahren und Rad-Prototypen aus Europa und Übersee vermitteln ein Bild der heutigen Radkultur. Eine sich verändernde urbane Mobilität und Innovationen rund um Technik, Material und Design haben die Gestaltung und Ausstattung von Fahrrädern in kürzester Zeit enorm verändert. Die Ausstellung zeigt gegenwärtige Strömungen der neuen Radkultur auf. Vorgestellt werden u.a. Lastenräder aus Dänemark und Falträder aus Großbritannien, Modelle aus Bambus und Carbon sowie Räder mit extrem leichtem Titanrahmen aus den USA, puristische Singlespeeds mit Zahnriemenantrieb oder aufsteckbare Motoren, die jedes herkömmliche Rad in ein E-Bike verwandeln. Während technische Innovationen das Fahrraddesign in den vergangenen Jahren  rasant verändert haben, steht auch eine Neubewertung des Fahrradfahrens an sich im Fokus. Sie macht sich an einer verkehrspolitischen Neuorientierung fest, in der das Fahrrad eine gewichtige Rolle spielt, wenn es um die Lösung massiver Verkehrsprobleme geht. Wir erleben heute eine Veränderung der Mobilität, die mit einem Trend zum Fahrrad einhergeht und sich vor allem im urbanen Raum abzeichnet. Fahrraddesign bedeutet daher nicht nur die Gestaltung der äußeren Erscheinungsweise und die Weiterentwicklung technischer Lösungen, sondern vor allem das Verstehen und Eingreifen in die gelebte Umwelt. Letztlich steht es für die Frage, in welcher Welt wir heute leben wollen. Die Ausstellung reflektiert unterschiedliche Aspekte der urbanen Fahrradnutzung -mit dem Stadtraum und seiner Fahrradinfrastruktur als Ausgangspunkt. Für Pendler und Kurzstreckenfahrer gibt es heute zahlreiche Anreize, auf das Fahrrad umzu¬steigen. Auch Transport ist längst nicht mehr nur Domäne des Automobils. Ein weiterer Fokus richtet sich auf die zunehmende Individualisierung und Kultivierung des Fahrradfahrens. Zum Fahrrad als Medium der künstlerischen Auseinandersetzung ist es hier lediglich ein kleiner Schritt. Fahrradfahren als Chance der Teilhabe an Mobilität für Alle ist ebenso Thema wie letztlich die Frage, wie das Fahrrad der Zukunft aussehen wird. - Zur Ausstellung gibnt es ein Begleitbuch im Hirmer Verlag München.

Abbildung: Faltrad „Strida“ von Ming Cycle (Taiwan) Copyright: MSA GmbH


Harald Reiner Gratz' Blick auf Legenden

Angermuseum Erfurt: Luthers Stein in Schmalkalden und andere Merkwürdigkeiten der deutschen Geschichte / Bis 3. September 2017

Das Angermuseum stellt mit dieser Ausstellung  einen Künstler der Gegenwart vor, der sich malernd und zeichnend auch mit Luthers Geschichte und Geschichten beschäftigt hat: Harald Reiner Gratz (*1962) aus Schmalkalden.
Den expressiven wie auch figürlichen Traditionen der deutschen Malerei folgend, wendet er sich in seinem Schaffen als Maler und Grafiker immer neu und aus einer radikal subjektiven Perspektive verschiedenen Ereignissen und Protagonisten der Geschichte zu – und all den Geschichten in dem Konstrukt, das wir Geschichte zu nennen gewohnt sind, eingeschlossen Mythen, Legenden und Märchen, aber auch filmische und theatralische Bearbeitungen.
Zu Martin Luthers Leben und Wirken gibt es neben archivalisch Belegtem zahlreiche legendäre Episoden der Biografie oder ganze Erzählungen, die bis ins 20. Jahrhundert hinein untrennbar mit dem populären Bild von Luther verschmolzen wurden.
In 52 Gemälden, 34 Zeichnungen und 11 Druckgrafiken spinnt Harald Reiner Gratz die Fäden der Geschichten weiter und verknüpft sie mit seinen ganz persönlichen Visionen zur deutschen Geistesgeschichte, in denen nicht selten die Zeiten und Akteure wechseln und Unerwartetes wie in einem Märchen aufeinanderprallt. Dabei dient ihm der markante Schauspieler Heino Ferch als „Verkörperer“ von Protagonisten jener Geschichten und als Widerstand aus dem Jetzt, den der Maler seinem munter quellenden Bilderstrom bewusst
entgegensetzt. Aktualität in die Geschichte und ihre vielen Geschichten zu bringen, sie für sich und unsere Zeit zu übersetzen, dieser Intention folgt Harald Reiner Gratz nun schon viele Jahre.
Abbildung: Harald Reiner Gratz, Der Schwur, 2016, Öl auf Leinwand, 170 x 170 cm

Foto: Ines Ulbrich, Schmalkalden


Philip Oeser (1929 - 2013) Von Nordhausen nach Weimar

Malerei. Zeichnung. Grafik – Ausstellung im Kunsthaus Meyenburg, Nordhausen

Die Ausstellung im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen präsentiert 105 Kunstwerke des bekannten deutschen Malers und Graphikers Philip Oeser, der als Helmut Müller am 1. Juni 1929 in Nordhausen geboren wurde. Nach dem Studium in Weimar und Berlin ließ er sich 1957 zunächst freischaffend in Westberlin nieder. 1961 kehrte er nach Thüringen zurück und nahm eine Stelle als Gemälderestaurator am Angermuseum in Erfurt und 1964 an den Staatlichen Kunstsammlungen Weimar an. Erste Einzelausstellungen folgten Mitte der 1960er Jahre mit Materialdrucken, Monotypien und Collagen in der Erfurter Ateliergemeinschaft. Seine ersten Gemälde entstanden bereits 1959. 1974 wurde Philip Oeser zum Chefrestaurator der Kunstsammlungen zu Weimar ernannt. Neben seiner Tätigkeit als Restaurator, für die er u.a. 1972 den Kunstpreis der Stadt Weimar für die Restaurierungsarbeiten an Cranach-Gemälden erhielt, war Oeser ab 1977 freiberuflich als Maler und Grafiker in Weimar tätig. 1990 war er auch Gründungsmitglied von D 206, DIE THÜRINGER SEZESSION. Am 3. Januar 2013 starb Philip Oeser in Weimar-Taubach. Die retrospektive Ausstellung zeigt erstmals in seiner Geburtsstadt Nordhausen einen umfassenden Einblick in das umfangreiche und sehr vielfältige OEuvre des Künstlers, das reich in seiner eigenen Bildsprache ist. Philip Oeser schöpfte seine Ausdrucksformen vor allem in unterschiedlichen, für sich entwickelten Drucktechniken – wie Materialdruck, Monotypie, Collage oder Copygrafie. Auch seine Stilistik ist sehr vielfältig und reicht von starkfarbigen abstrahierten Gemälden, z.B. das „Stilleben mit zerteilten Fischen und Hummer“, 1965, oder dem „Selbstporträt“ von 1958 bis zu filigranen und detailreichen Handzeichnungen – wie dem Porträt „Erschöpfte Schülerin“ oder „Die 9. Schenke“. Seine Copygraphien und Collagen, wie die Serien „Tagebuch“ und  „Wegekreuz“, lassen den Betrachter tief in die Gedanken- und Erlebniswelt des Künstlers eintauchen. Seine Faszination an Formen und Strukturen kann man an vielen Werken nachvollziehen, in denen der Künstler sich mit Federn, Fossilien oder Holzmaserungen auf unterschiedlichste Weise auseinandersetzt. Eine besondere Bereicherung der Ausstellung bieten auch die dreidimensionalen Assemblagen, in denen Oeser Gefundenes und Neugeschaffenes miteinander kombiniert und so Neues erschafft, z.B. „die Tochter des Hofuhrmachers“ aus dem Jahr 1973 oder das Objekt „Panharfe“ von 1981.

Die Ausstellung ist bis zum 27. August im Kunsthaus Meyenburg zu sehen.        


Salvador Dali - eine Sonderschau in Glauchau

Zu sehen bis 1. Oktober 2017 im Schloss Hinterglauchau

28 Jahre nach dem Tod des extrovertierten Salvador Dali gilt der spanische Meister heute als eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten weltweit. Paris, Barcelona, Berlin – wo auch immer Dali Ausstellungen stattfinden sorgen die Ereignisse für eine wahrhaftige „Dali-Manie“.
Dali zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er war eng verbunden mit den „Traumwelten“ von Siegmund Freud, gilt als Hauptvertreter der surrealistischen Kunst und Erfinder der paranoiden-kritischen Methode in der bildenden Kunst.
Die Glauchauer Ausstellung zeigt ein umfangreiches Werk an Illustrationen aus den verschiedenen Schaffensperioden des Meisters. Es werden mehr als 100 Arbeiten aus den bekannten Zyklen „Don Quichotte de la Manche“, „Le Songes de Pantagruel“, „Die Göttliche Komödie“ u.v.a.m. zu sehen sein. Die Arbeiten stammen aus dem Besitz einer Privatsammlung.


Eine Ausstellung, nicht nur für Kinder

Pippi Langstrumpf, Michel & Co. auf Schloß Voigtsberg in Oelsnitz zu erleben bis 10. September auf der altehrwürdigen Burganlage

In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag einer der bekanntesten Kinderbuchautorinnen zum 110. Mal: Astrid Lindgren. Zahlreiche Menschen wuchsen mit den Geschichten von Pippi Langstrumpf, den Kindern aus Bullerbü, Michel aus Lönneberga oder Ronja Räubertochter auf. Unvergessene Figuren wie der Affe „Herr Nilsson“ oder die bekannten Rumpelwichte treffen in der Ausstellung „Pippi, Michel, Ronja & Co. - Astrid Lindgren“ in den Museen Schloß Voigtsberg ab 25. Juni auf die interessierten Besucher. Dabei sind Lindgrens Werke in keinem anderen Land der Welt so erfolgreich gewesen wie in Deutschland – nicht einmal in ihrem Heimatland Schweden. Dabei ist die Ausstellung nicht nur für Kinder, sondern für die ganze Familie konzipiert. Während Erwachsene das Leben der Schriftstellerin und die Entstehungs-geschichte ihrer Werke kennen lernen, haben Kinder die Möglichkeit, mit Hilfe von Hörbüchern, Filmen, Puzzles und vielem mehr in die Welt der Figuren einzutauchen. Einen besonderen Aspekt der Exposition bildet dabei die Illustration der Bücher, die Generationen von Leserinnen und Lesern inspirierte. Neben Originalzeichnungen aus den im damaligen Westdeutschland erschienenen Werken, wurden auch Illustrationen bekannter Künstler der ehemaligen DDR in die Ausstellung eingebracht – denn der politischen Führung in Ostdeutschland waren Lindgrens Charaktere wohl suspekt: insgesamt wurden nur vier ihrer Bücher veröffentlicht. So bildet die Ausstellung einen Bogen zum auf Schloß Voigtsberg befindlichen „Illusorium“, hat doch die Künstlerin und bekannte Kinderbuchillustratorin Regine Heinecke ebenfalls eine Illustration zu „Ronja Räubertochter“ geschaffen.


Volksbank Gera zeigt Werke von Hans-Peter Müller und Alexandra Müller-Jontschewa

„Jenseits von Gut und Böse“ zu sehen bis 31. August

In der Hauptgeschäftsstelle Gera der Volksbank eG Gera • Jena • Rudolstadt ist bis zum 31. August die Ausstellung „Jenseits von Gut und Böse“ von Hans-Peter Müller und Alexandra Müller-Jontschewa zu sehen. Hans-Peter Müller und Alexandra Müller-Jontschewa gehören zur zweiten Generation der Leipziger Schule. Ihr künstlerischer Weg findet sich zwischen Symbolismus, Surrealismus und magischem Realismus. Beide arbeiten ausschließlich figurativ und beherrschen das großformatige Tafelbild ebenso wie die Miniatur.
Mystisches Denken ist bildhaftes Denken. Es fasziniert das Künstlerehepaar so sehr, dass sie daraus ihre Motive gewinnen, sie mit altmeisterlicher Technik und Präzision ausführen. Vor einiger Zeit schrieb Bärbel Roick dazu in der Ostthüringer Zeitung: „Das scheinbar absurde Nebeneinander völlig wesensfremder Gegenstände und Motive, das lustvolle Spiel mit dem Vieldeutigen und Irrationalen, die schier überbordende Detailversessenheit und die magische Aura des virtuos beherrschten altmeisterlichen Stils – das ist es, was den Betrachter be- und verzaubert.“
Dies wird auch in den neuesten Werken deutlich, die in der Volksbank eG anlässlich des 75. Geburtstages von Hans-Peter Müller von beiden Künstlern zu sehen sind.
Zur Ausstellung ist ein 48-seitiger Katalog in deutscher und französischer Sprache erschienen, der während der Ausstellung für 10 Euro erhältlich ist. Der Erlös kommt dem Förderverein des Goethegymnasiums / Rutheneum seit 1608 (Gera) zugute.


Blick in das Kunsthaus Tiefer Keller Merseburg

Seit im Februar 2006 die Domgalerie Merseburg in einem historischen Gebäude im ältesten Teil der Stadt Merseburg ihre erste Ausstellung präsentierte, hat sich in und um das alte Gemäuer einiges getan. Im Rhythmus von sechs Wochen finden hier Ausstellungen von Künstlern meist aus dem mitteldeutschen Raum statt. Die Genre sind vielfältig und reichen unter anderem von Porzellan (Kathi Zorn) über Malerei (Iris Band) bis hin zu Grafiken ( Christoph Rackwitz, Elisabeth Shaw).
Im Haus befindet sich ein Rahmenservice. Der Chef des Hauses, Holger Leidel, kümmert sich höchstpersönlich darum, dass alles „im Rahmen“ bleibt. Im Kunst-Shop können die Gäste in Ruhe stöbern, bis sie das Richtige gefunden haben. Beliebt ist der hochwertige Schmuck von Kerstin Bieler, einer Goldschmiedin aus dem Norden  Sachsen-Anhalts.
Interessant ist auch der Untergrund des Gebäudes. Der Name „Tiefer Keller“ existiert nicht von ungefähr. Ein weit verzweigtes Kellersystem, durch das es mittlerweile eine ca. 1-stündige  Führung gibt, lockt zusätzlich viele Besucher an. Unter der Schirmherrschaft des Merseburger Kunstvereins e.V. wurden die historischen Gewölbekeller wieder zugänglich gemacht.
Natürlich gibt es auch hier Kunst zu bewundern –  Chimären an den Wänden (Jan Thomas) oder interessante Skulpturen am unterirdischen Brunnen beeindrucken die Gäste.
Man könnte noch viel erzählen, zum eigenen Weinberg, zum hier kreierten Merseburger Kellerbräu und und und.....
Am besten, Sie sehen sich das Ganze einmal selbst an!
Aktuelle Sonderausstellung: Chimären. Keramische Plastiken und Arbeiten auf Papier von Heinke Binder & Frank Brinkmann
zu sehen bis 14. September 2017 im Kunsthaus Tiefer Keller (Tiefer Keller 3 / 06217 Merseburg)
www.domgalerie-merseburg.de


Jugendstil - eine Epoche, drei Sammlungen

Zu sehen bis 15. Oktober im Schlossmuseum Arnstadt

Der Jugendstil fasziniert – immer noch und immer wieder. Im Vergleich zu anderen Kunstepochen umfasst der Jugendstil nur etwa zwei Jahrzehnte und ist doch sehr facettenreich. Jugendstil ist nicht nur – wie oft beschrieben – eine „Stilrichtung im Kunstgewerbe“. Der Jugendstil oder Art nouveau oder Sezessionstil ist Ausdruck eines Lebensgefühls.
Die Ausstellung im Schloßmuseum Arnstadt beschäftigt sich sowohl mit dem Zauber dieser Kunstepoche, doch geht es in der Exposition genauso um die Frage: Warum sammelt man diese Objekte und wer sammelt sie. Im Fokus stehen zwei Privatsammlungen - eine ist entstanden aus der Freundschaft zwischen dem Künstler Josef Uhl (1877-1945) und dem Arnstädter Hermann Minner (1884-1956). Die Sammlung stellt ein geschlossenes Grafikkonvolut dar.
Die zweite Privatsammlung, die Sammlung Hühn, hat ihre Anfänge in der DDR und wächst bis in die heutige Zeit beständig weiter. Antrieb des Sammelns ist hier die Begeisterung für diese Epoche und deren spezieller Ästhetik, die Suche nach dem Besonderen. Der Jugendstil erlebt erst seit einigen Jahren seine Renaissance. Doch diese Sammlung entstand, als Jugendstilobjekte gering geschätzt wurden. Sie umfasst ein breites Spektrum an Materialgruppen – Glas, Porzellan, Zinn, Möbel, Bücher etc. und ist nicht auf spezielle Manufakturen oder Künstler festgelegt. Leitfaden der Sammlung ist die künstlerische Qualität des Entwurfs und die überzeugende Ausführung.
Die dritte Sammlung ist die des Schloßmuseums Arnstadt und steht für das institutionelle Sammeln. Dieses Konvolut ordnet sich ein in einen großen Gesamtbestand und bildet nur einen Teil des Sammlungskonzeptes des Schloßmuseums Arnstadt ab.
Die Ausstellung konzentriert sich auf Objektgruppen wie: Grafik, Gläser von Daum, Tiffany, Gallé u.a., Porzellan, Keramik, Metallarbeiten wie das bekannte Kayserzinn aber auch Möbel und Bücher bis hin zu alltäglichen Gegenständen wie Zigaretten- oder Kakaodosen.
Ausstellungsgespräche und Führungen: 15. September und 13. Oktober jeweils 14.30 Uhr

Abbildung oben: Fledermausleuchter, Kayserzinn, Entwurf Hugo Leven, Zinn gemarkt, vor 1904

Abbildung unten: Stangenvase, Daum, Nancy, Glas geätzt, um 1900


Eingehüllt in Kunst

Multimediale Ausstellung „Monet2Klimt“ in Dresden bis Ende des Jahres verlängert

Die multimediale Ausstellung „Monet2Klimt“ präsentiert noch bis Ende Dezember 2017 bekannte Werke von Claude Monet, Vincent van Gogh und Gustav Klimt auf dem Gelände der Zeitenströmung (Königsbrücker Straße 96, Halle 7B) in Dresden. Auf einer 360°-Leinwand können die Besucher von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 Uhr bis 19 Uhr, einen völlig neuen Einblick in das künstlerische Schaffen der dr ei Maler erleben.
Die 45-minütige Show stellt selbst kleinste Details der Bilder heraus und animiert diese zu immer neuen Collagen. Unterlegt von klassischer Musik, die größtenteils aus der Entstehungszeit der Gemälde stammt, werden einzelne Bilder stimmungsvoll in Szene gesetzt. Bekannte Melodien, etwa Bedřich Smetanas „Die Moldau“ oder Ludwigs van Beethovens Vertonung der „Ode an die Freude“, lassen den Besucher tief in die Atmosphäre vergangener Zeiten eintauchen: Monets Blumenmeer, untermalt von einem seichten Klangteppich, wandelt sich in wenigen Minuten zu einem übergroßem Totenkopfdetail aus Klimts Arbeit „Tod und Leben“, begleitet mit bedrohlich-dramatischen Tönen.
Bewusst will die Ausstellung kein kunsthistorisches Museum sein, sondern sie stellt die Wirkung der Malerei in den Mittelpunkt. „Unsere Gäste sollen die Kunst richtig wahrnehmen. Sie sollen sich auf die vielfältigen Farben und Formen einlassen. Aus diesem Grund haben wir drei Künstler ausgesucht, deren Werke perfekt für die Leinwand sind“, erklärt der Projektmanager der veranstaltenden RENAISSANCE GmbH, Anthony Stavchanskyy. „So nah wie bei uns kommen sie den Gemälden in keiner Galerie. Im Original sind es kleine Bilder, bei uns sehen sie diese 3 mal 6 Meter groß“, berichtet Stavchanskyy. Besonders für Besucher, die sich bisher wenig mit den Klassikern der bildenden Kunst auseinandergesetzt haben, ist diese Ausstellungsweise interessant. Auf Anfrage können Interessierte ausführliche Informationen zu den Künstlern und den gezeigten Werken via E-Mail erhalten.
Das nun verlängerte Programm hält auch einige Neuerungen bereit: Die Ausstellung kann zusätzlich immer freitags von 19 Uhr bis 24 Uhr besichtigt werden. „Das ist ein besonderes Angebot, gerade für die arbeitende Bevölkerung und junge Menschen, die unter der Woche weniger Zeit haben. Im Gegensatz zu klassischen Kunstausstellungen können sich unsere Gäste auch gern ein Glas Wein oder Bier mitbringen und es sich gemütlich machen. Wenn sie alles in Ruhe auf sich wirken lassen wollen, können sie gut zwei Stunden bei uns verbringen“, erklärt Stavchanskyy. Zudem wird am Freitagabend nur der halbe Eintrittspreis erhoben. Neu ist auch ein Kombi-Ticket mit der benachbarten Ausstellung der Terrakotta-Armee. Dieses ist zum Vorteilspreis von 19 Euro vor Ort erhältlich. Alle Tickets (außer das Kombi-Ticket) können auch auf der Homepage (www.monet2klimt.de), bei Eventim (www.eventim.de) und allen anderen bekannten Vorverkaufsstellen erworben werden. Der Eintritt beträgt an Wochentagen 10,50 Euro (ermäßigt 9 Euro, Kinder 6 Euro), an Wochenenden bezahlen Erwachsene 12 Euro (ermäßigt 10 Euro, Kinder 7 Euro).
Weitere Infos: www.monet2klimt.de


16. Erfurter Schmucksymposium: RE/FORMATION

10. September – 29. Oktober 2017 Ausstellung in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken in Erfurt

Das Erfurter Schmucksymposium – kurz ESS – fand seit 1984 alle zwei Jahre statt. Nach dem 30-jährigen Jubiläum im Jahr 2014 wurde (auch aufgrund einer Neuausrichtung und der bisherigen Parallelität mit der artthuer – Kunstmesse Thüringen) eine dreijährige Pause beschlossen, um nun im Jahr 2017 das Symposium in guter Tradition und mit neuem Esprit fortzusetzen.
Im Mittelpunkt des Symposiums steht die gemeinsame Arbeit und das Entwickeln neuer Projekte. Die Ergebnisse des 14-tägigen Arbeitsaufenthaltes von zehn Künstlerinnen und Künstlern in den Künstlerwerkstätten der Stadt Erfurt – hier gibt es neben Schmuckarbeitsplätzen und einer geräumigen Werkstatt die Möglichkeit zum großformatigen Emaillieren – werden im Anschluss in einer Ausstellung präsentiert.
Die international zusammengesetzte Gruppe, zu der auch immer der*die vorherige Erfurter Stadtgoldschmied*in zählt, zeigt zeitgenössische Schmuckkunst zum Thema RE/FORMATION. Ausgehend von dem 500-jährigen Jubiläum der christlichen Erneuerungsbewegung unter Martin Luther setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums damit auseinander, was dieser Begriff heute für sie bedeutet. Zu erwarten sind zehn unterschiedliche persönliche Positionen des Reformgedankens, unter anderem in Form von fertigen Werkstücken, Arbeitsproben, Skizzen und Dokumentationen von Prozessen.
Die Zusammenstellung der Teilnehmenden wurde wie immer von der Projektgruppe unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien vorgenommen. Das Symposium kann für die Künstler*innen eine wichtige Station in ihrer Vita bedeuten. Es versteht sich u. a. als Plattform für Erfahrungsaustausch, Kontaktbörse und als Starthilfe für junge Künstler*innen. Es bezieht Künstler*innen vom Rand Europas mit ein, die in der internationalen Szene eher weniger Beachtung finden aber viel zu sagen haben. So treffen 2017 in Erfurt fünf verschiedene Nationalitäten aufeinander, erfahrene Schmuckmacher*innen auf Junge, Kunst auf Design, Mode auf Handwerk und Alltag auf Besonderes. Aus der Arbeit am anderen Ort und dem Erfahrungsaustausch in gleichberechtigter Vielfalt wird kreative Kraft geschöpft.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer/Participants of the symposium
1.  Eunmi Chun, Südkorea/South Korea - jewellery
2.  Bettina Dittlmann, Deutschland/Germany - jewellery
3.  Bernhard Elsässer, Deutschland/Germany - design lab | conceptual fashion
4.  Anne Lengnink, Deutschland/Germany - jewellery
5.  Selen Özus, Türkei/Turkey - jewellery
6.  Mandy Rasch, Deutschland/Germany - jewellery
7.  Karola Torkos, Deutschland/Germany - jewellery
8.  Martin Verner, Tschechien/Czechia - jewellery
9.  Maria Militsi, Griechenland/Greece/Großbritannien/UK - jewellery
10. Monique Weinert, Deutschland/Germany – blog writing
Das ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUM bietet den teilnehmenden Gästen und dem interessierten Publikum zahlreiche Möglichkeiten der Anregung und Begegnung. Für die Künstler*innen werden Exkursionen organisiert, die eine Vertiefung in das Thema der Reformation ermöglichen. Hier bieten sich zahlreiche Ziele in Erfurt und Mitteldeutschland an.
Zu verschiedenen Veranstaltungen (siehe Programm) und an einem Tag der offenen Tür laden wir alle Bürger*innen in die Werkstätten ein. Interessierte Künstler*innen aus der Region, Vertreter der Presse und anderer Medien werden immer gern zum Austausch empfangen.
Den wissenschaftlichen Abschluss des 14-tägigen Symposiums bietet ein Kolloquium, das am Nachmittag vor der Ausstellungseröffnung in der Begegnungsstätte kleine Synagoge stattfindet. Die Ausstellung der Arbeitsergebnisse ist dann in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken in Erfurt zu sehen. Sie wird von allen Symposiumsteilnehmer*innen gemeinsam entwickelt und aufgebaut, jedoch vom Projektteam kuratiert. Spannende, ungewöhnliche Präsentationen sind zu erwarten und ausdrücklich gewünscht, bietet doch das ESS explizit den Ort für künstlerische Arbeit frei von kommerziellen Zwängen.
Erstmals gibt es eine Kooperation mit dem internationalen Schmucksymposium im Tschechischen Turnov und dem dortigen Veranstalter, dem Museum des Böhmischen Paradieses. Es findet ein Austausch der Arbeitsergebnisse beider Symposien statt. Ab dem 09.09.2017 sind also Schmuckstücke von zehn weiteren internationalen namhaften Künstlerinnen und Künstlern im Krönbacken zu sehen. Die Gäste sind: Violeta Adomityté (LT), David Bielander (CH/DE), Helen Britton (AU/DE), Veronika Gocová (CZ), Jorge Manilla (MX/BE), Martin Pouzar (CZ), Philip Sajet (NL/DE), Edu Tarín (ES), Marcela Steffanová (CZ), Petra Zimmermann (AT)
Im Jahr 2018 wird die Projektgruppe des ESS mit den Ergebnissen vom September 2017 nach Turnov reisen. Dort wird eine gemeinsame Ausstellung mit dem Turnov Symposium 2018 stattfinden.
2017 wird das Schmucksymposium zum ersten Mal von einem Internet-Blog begleitet. Die Bloggerin Monique Weinert aus Erfurt ist Teil der Gruppe und wird tagaktuelle Beiträge erstellen. Unter der Adresse www.erfurterschmucksymposiumblog.wordpress.com kann gelesen werden, wie sie das Geschehen in den Künstlerwerkstätten erlebt.
Außerdem wird die vorhandene Website www.erfurter-schmucksymposium.de weiter betreut und aktualisiert sowie die Facebook-Präsenz www.facebook.com/ErfurterSchmucksymposium aufrechterhalten.

Abbildung: Blick ins Atelier


Meiningen: RE:FORMATION – JETZT HIER …

Gruppenausstellung in drei Wandlungen / Bis 24. September 2017 in der Städtischen Galerie ada in Meiningen

Von Ralf-Michael Seele / Dr. Klaus Nicolai Welche Reformation steht heute hier an? Wie kann sich der Mensch den lokalen und globalen Alltagsanforderungen gleichermaßen anpassen oder diese wieder an sein natürliches Da-Sein? Die Stadt Meiningen nimmt das historische Ereignis „der Reformation“ und deren Gedenken zum Anlass, um darüber hinaus die überzeitlichen und allgemein-menschlichen Dimensionen eines Re-formierens und den dahinter liegenden Prozess bildnerisch aufzugreifen.
Bis 24. September 2017 zeigt die Städtische galerie ada Meiningen die Gruppenausstellung RE:FORMATION – JETZT HIER … Dem täglichen Wandel folgend, wird der Ausstellungs-Zeit-Raum in ein Kunst-Labor verwandelt. In diesem Zeit-Raum wechseln drei Mal das Thema und damit die Exponate. Die Betrachter können sich über die teilweise interaktiven und akustischen Raum-Installationen mit ihren Gefühlen, Sinnen und Gedanken selbst erforschen. Der erste Teil wird am 10. Juni um 16:00 eröffnet und widmet sich der Künstlerischen Existenz als Selbstschöpfung. Vorgestellt werden 6 Künstler, bei denen die künstlerische Arbeit mit dem Alltag untrennbar verschmilzt, die ihr Lebensumfeld selbst bildnerisch gestalten und sich extreme äußere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit schaffen oder diese aufsuchen. Eva Warmuth und Franz Probster Kunzel, beide aus der Landwirtschaft kommend, gestalten ein Wechselspiel zwischen Galerie-Innenraum und Park-Außenraum. Darin flechten sie eigenständige Kunstwerke ein. Michael Hoepfel beschäftigte sich auf ausgedehnten Reisen mit russischer und armenischer Ikonenmalerei. Neben Ikonen zeigt er als avantgardistischer Medienkünstler eine 3-D-Animation sowie transorganische künstliche Wesen. Konrad Henker gestaltet eine Installation mit Grafiken von Gletschern, Teilen seiner Hochgebirgs-Ausrüstung sowie Ton- und Videoaufzeichnungen. Dieser Raum lässt den existenziellen Zusammenhang vom druckgrafischen Arbeiten, Überleben in eisigen Höhen und ganzheitlichen Selbst-Wahrnehmen in der Welt aufscheinen. Im letzten Raum werden drei Gemälde von Elke Dämmrich Ausgangspunkt wie Bestandteil einer von Klaus Nicolai gestalteten Altarsituation, die Bild, Abbild, Schrift, Klang und heilig profane Alltäglichkeit verbindet. Die abstrakt-konkreten wie auch farbintensiv-floralen Malereien bringen ein von Südfrankreich – die Wahlheimat der Dresdner Künstlerin – geprägtes Lebensgefühl nach Südthüringen.
Das Meininger Kunst-Labor provoziert Fragen nach der ewig anstehende Re-formation. Auch durch Industrie 4.0 herausfordert, stehen die Menschen vor der ewigen Suche nach dem Grund des eigenen und kollektiven Seins. Re-Formieren wird als allgemeiner individueller und gesellschaftlicher Bewusstseins- und Kultur-Prozess im Sinne von Innehalten, Rück-Besinnen, Erneuern, Neubestimmen, Neubewerten, Neuerfinden … – „mentaler Reboot, mentales Reset“ begriffen. In der Computersprache erfolgt ein Zurücksetzen [»reset«], wenn zu viele Fehler ein Gerät so sehr verlangsamt haben, dass es nicht mehr funktioniert. Ist es Zeit für ein kompromissloses Zurücksetzen von festgefahren Mustern im Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Handeln? Ist die künstlerische Da-Seinsweise die dem menschlichen Wesen gemäßeste? Drückt das normativ „normale“ zivilisatorische Hamster-Rad mit der herrschenden einseitig rational-technokratischen Arbeit nur eine grundlegende Abspaltung aus?
Die ersten Führungen durch diese Ausstellung im Wandel erwarten am 11. Juni um 11 und 16 Uhr ihre Gäste. Die Ausstellung erfolgt in enger Kooperation mit dem Kirchenkreis Meiningen und der Evangelischen Landeskirche. Aktuelle Informationen sind unter www.meiningen.de abzufragen.

Abbildung: Elke Dämmrich  Bucht, Öl auf Leinwand, 55 x 60 cm, 2008


Kunst trifft Industrie

Leuchtenburg-Ausstellung bis Ende September

Das ist mal ein erfrischender Zugang zum Alltagsthema Porzellan. So gab es Porzellan selten zu sehen. Sieben junge DesignerInnen & KünstlerInnen hatten nun schon das 5te Mal die Möglichkeit, sich gestalterisch, experimentell aber auch designorientiert mit dem Werkstoff Porzellan auseinanderzusetzen.
Das Projekt nennt sich „Spielraum 125 - Kunst trifft Industrie“ und fand anlässlich des 125jährigen Jubiläums der Porzellanherstellung in Triptis bei Eschenbach Porzellan satt.
Im Arbeitszeitraum von vier Wochen » 15. August - 09. September 2016 « standen den sieben TeilnehmerInnen in der Produktionsstätte und dem integrierten Künstleratelier der Eschenbach Porzellan Group - Neue Porzellanfabrik Triptis GmbH diverse Arbeitsmaterialien und -möglichkeiten zur Verfügung um kreative & innovative Wege im Umgang mit dem Material „Porzellan“ zu veranschaulichen. Die Kreationen können sich sehen lassen und wer weiß, ob wir eines der Werke irgendwann mal am Tisch bei uns zu Hause haben werden.
Die Ausstellung „Sielraum 125“ findet in verschiedenen Räumen der Leuchtenburg, z.B. im mystischen Weinkeller und vor allen in der neuen Porzellankirche, statt. Der Eintritt zur Ausstellung ist im allgemeinen Eintritt inkludiert.
Öffnungszeiten für die Burg, die Porzellanwelten und die „Spielraum 125 Ausstellung“: tgl. 9 bis 19 Uhr, Leuchtenburg, 07768 Seitenroda
www.leuchtenburg.de


Frühchinesische Keramik im GRASSI

Die Sammlung Heribert Meurer / Zu sehen bis 14. Oktober im GRASSI Museum Leipzig

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in seiner prachtvollen Art déco-Pfeilerhalle mehr als 200 Objekte frühchinesischer Keramik. Der Großteil stammt aus der Sammlung des Stuttgarter Kunsthistorikers und Sammlers Dr. Herbert Meurer, weitere Stücke aus der Sammlung des Museums ergänzen diese Schau. Neben die zum Teil mehr als 3000 Jahre alten frühchinesischen Keramiken treten etwa 100 Keramiken des 20. und 21. Jahrhunderts.
Das Museum erhält mit der Eröffnung der Ausstellung die umfassende und qualitätvolle Sammlung frühchinesischer Keramiken aus der Zeit zwischen der Zhou- bis zur Yuan-Dynastie (ca. 1050 v. Chr. bis 1368 n. Chr.) aus den Händen des süddeutschen Sammlers Heribert Meurer als Schenkung. Diese Sammlung bereichert und ergänzt die bisherigen Museumsbestände vortrefflich. Ursprünge und Entwicklung von Keramik und Porzellan sind anhand dieser Kunstobjekte vorzüglich
nachvollziehbar.
Die Zeitspanne, die in der Ausstellung präsentiert wird, stellt für China die „goldene Zeit der Keramikentwicklung“ dar. Hier ist die Vielfalt an keramischen Erzeugnissen, Variationen und Glasuren enorm und die technische Entwicklung für die damaligen Zeitverhältnisse beeindruckend. Viele der frühchinesischen Gegenstände nehmen moderne Formen und Glasuren vorweg. Vor allem die Tang-, Song- und Yuan-Glasuren wirken heute mit ihren Laufglasuren, minimalistischen und eleganten Formen zeitlos.
Zu den frühchinesischen Keramiken sind daher Arbeiten einiger zeitgenössischer Keramikkünstler wie z.B. Richard Bampi, Horst Kerstan, Lucie Rie, Karl und Ursula Scheid und Ralf Busz in Beziehung gestellt. Einflüsse frühchinesische Keramik und Referenzen an diese werden bei diesen Künstlern unverkennbar deutlich.
Chinesische Keramik wurde in China schon relativ früh gesammelt und zum Teil als hohe Kunst am Kaiserhof wahrgenommen. Zwischen einzelnen chinesischen Produktionsorten gab es dabei deutliche Unterschiede in Qualität und Ausführung. Lediglich einige Orte verfügten über das Privileg, für den Kaiser produzieren zu dürfen.
Anlass der Ausstellung ist die Schenkung seiner Sammlung an das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig. Von 1971 bis 2004 war Dr. Heribert Meurer als Referent der Mittelalter-Sammlung am Württembergischen Landesmuseum Stuttgart tätig. Seit 1973 sammelte der Kunsthistoriker zunächst zeitgenössische, seit Anfang der 1980er Jahre auch ostasiatische Keramik.
Zur Ausstellung erscheint ein Bestandskatalog bei Arnoldsche Verlag (312 Seiten, ca. 680 Abbildungen, 78 Euro)
www.grassimuseum.de

Abbildung groß: Seladonschale, Johannes Gebhardt, Steinzeug, gedreht, verformt, modelliert, mehrsichtig
matt glasiert, 1980. Schenkung aus der Sammlung M. und G. Czichon, 2005. Foto: Helga
Schulze-Brinkop

Abbildung klein: Reiterin (Grabbeigabe), China, Tang-Dynastie (618–907). Schenkung Dr. Heribert
Meurer, 2017. Foto: Paul Altmann


KUNST.ORT.KINO

Historische Publizistik und aktuelle künstlerische Positionen / Zu sehen in der Kunsthalle Erfurt bis 17. September 2017

Seit es das Kino gibt, haben sich auch Künstler und Künstlerinnen mit diesem Ort, dem Medium Film und ihren populären Mythen auseinandergesetzt. Anlässlich des100-jährigen Gründungsjubiläums der UFA stellt KUNST.ORT.KINO historischen Plakaten, Aushangfotos, Filmprogrammen, Büchern und Zeitschriften neuere Werke zeitgenössischer Künstler und
Künstlerinnen gegenüber, die in ihren Gemälden, Skulpturen, Fotografien, Installationen und Videos mit Material aus dem Bereich Kino arbeiten. Im Spannungsfeld zwischen Geschichte und Gegenwart thematisiert KUNST.ORT.KINO die vielfältigen Beziehungen zwischen den beiden Welten. Präsentiert werden Arbeiten von Candice Breitz, Bjørn Melhus, Richard Thieler, Isabell Heimerdinger u.v.a.
Die Kunsthalle Erfurt ist für diese Ausstellung ein prädestinierter Ort, als Roland-Theater hat sie selbst bis 1959 Kinogeschichte geschrieben, die in einer separaten Abteilung aufgearbeitet wird.

Abbildung: "Lucrezia Borgia", Erstauffuehrungsplakat von Theo Matjeko, Ufa 1922


Das abgekupferte Werk als Verkaufsschlager

Schabkunstporträts nach Joshua Reynolds / Ausstellung im Sommerpalais Greiz bis 10. September 2017

Was fasziniert uns an einem fremden Porträt und was veranlasst uns zum Kauf?
Diese Frage wurde im London des 18. Jahrhundert mit der enthusiastischen Rezeption des zeitgenössischen Bildnisses und einer rasant wachsenden Auflage tausender grafischer Porträtreproduktionen beantwortet, die als Verkaufsschlager den lokalen Kunstmarkt eroberten.
Die Ausstellung zeigt das Phänomen eines plötzlichen Trends, einer bis dahin nie dagewesenen kurzzeitigen Beliebtheit von grafischen Blättern in der sogenannten Schwarzen Manier. Und sie erzählt die marktstrategischen und finanziellen Erfolgsgeschichten von Verlegern, Stechern und Händlern, in dessen Mittelpunkt immer wieder ein Name kursiert: Joshua Reynolds.
Als einer der erfolgreichsten Maler seiner Zeit traf Reynolds den Geschmack seiner Auftraggeber und fertigte etwa zweitausend Porträts an.
In der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz werden die gefragten und vielgekauften Reproduktionsgrafiken in Schabkunst erstmals unter dem Aspekt eines florierenden Absatzmarktes ausgestellt. Die Exponate spiegeln das Lebensgefühl einer Gesellschaftsschicht wieder, die London künstlerisch und wirtschaftlich inspirierte.