Theater

Theater Plauen-Zwickau zeigt im Sommer neue Musicalproduktion

Theater Plauen-Zwickau sucht Statist*innen für eine Musicalproduktion

Das Musical Rock of Ages des Theaters Plauen-Zwickau wird ab dem 1. Juli im Parktheater Plauen und im Sommer 2022 auf der Freilichtbühne am Schwanenteich in Zwickau zu sehen sein. Die restlichen Vorstellungen finden bis zum 5. Juli 2021 statt. 

Ein Feuerwerk von 80er Jahre Hits! Die Geschichte spielt in L.A. Ende der 80er: Toilettenputzer Drew arbeitet im alteingesessenen „Bourbon Room“, der berühmt ist für seine Rock-Stars, die einen Haufen Groupies um sich scharen. Drew hat Hoffnung hier eine große Rockkarriere zu starten und er trifft auf Sherrie, die als Schauspielerin ebenfalls auf ihren Durchbruch wartet. Doch als zwei Unternehmer der Stadt einen neuen Zeitgeist aufdrücken und den Club schließen wollen, drohen alle Träume zu zerfallen. Von Poison über Whitesnake, Europe, Twisted Sister und Foreigner ist alles dabei, was den Musikgeschmack dieser Zeit ausmacht. 


Sommertheater statt Sommerpause

DNT Weimar verlängert seine geplante Open Air-Bespielung am e-werk weimar

In diesem Jahr schlagen das Deutsche Nationaltheater und die Staatskapelle Weimar erstmals am e-werk weimar die Bretter unter freiem Himmel auf und präsentieren dort ab 18. Juni 2021 Sommertheater. Die ursprünglich für vier Wochen geplante Bespielung des ehemaligen Industriegeländes am Kirschberg wurde bis in den August ausgedehnt, um deutlich mehr Vorstellungen und auch eine zweite Produktion anbieten zu können. „Ich kann nur sagen: Endlich! Wir werden wieder spielen und unser Publikum bei hoffentlich sommerlichem Wetter aufs Beste unterhalten“, betont Generalintendant Hasko Weber. „Darauf freuen wir uns alle!“

Das Schauspielensemble weiht die Sommertheaterbühne am 18. Juni mit einer der herrlichsten Liebes- und Verwechslungskomödien von William Shakespeare ein: „Wie es euch gefällt“. Regie führt Christian Weise, dessen kurzweilig-rasantes Sommertheater-Spektakel „Reineke Fuchs“ 2014 auf dem Theaterplatz vielen sicherlich noch bestens in Erinnerung ist. Seine Inszenierung der Geschichte um Herzensglück und Herzensleid mit all ihren Irrungen und Wirrungen, Rollenspielen und jähen Wendungen verspricht ebenfalls ein fulminanter Abend zu werden.

Nach einer ersten Vorstellungsserie dieser Produktion bis 4. Juli erobert dann auch das Musiktheaterensemble die Open-Air-Bühne und bringt mit der Staatskapelle die Mozart-Oper „Die Gärtnerin aus Liebe“ zur Aufführung. Regisseurin Verena Stoiber entführt das Publikum in ein tropisches Inselparadies, in dem die Figuren auf der Suche nach der großen Liebe reigenhaft umeinander kreisen und in einem Wechselbad der Gefühle eigene wie auch fremde Grenzen lustvoll ausloten. Die Premiere findet am 18. Juli statt, gefolgt von zehn Vorstellungen bis 1. August. Vom 12. bis 22. August steht dann erneut Shakespeares „Wie es euch gefällt“ auf dem Programm.

Karten für alle Sommertheater-Vorstellungen (Premieren: 43 Euro, danach 35 Euro) können telefonisch unter 03643 - 755 334 oder per E-Mail an service@nationaltheater-weimar.de bestellt werden.


Theater Plauen-Zwickau verschiebt Spielbeginn auf Pfingstwochenende

Nach den Beratungen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten in dieser Woche plant das Theater Plauen-Zwickau nun eine erneute Verschiebung des Spielbeginns, da nicht zu erwarten ist, dass es bereits im April möglich sein wird, die Theater zu öffnen. Avisiert ist nun der 21. Mai als Eröffnung des frisch renovierten Gewandhauses in Zwickau mit der Ballett-Aufführung Die vier fünf Jahreszeiten. Auf dem Spielplan dort werden dann weiterhin die Inszenierungen der Mozart-Oper Don Giovanni und der musikalischen Schauspielproduktion Frankenstein - Das Monster in uns stehen. In Plauen werden die halbszenische Aufführung der Operette von Franz Léhar Paganini sowie Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist Premiere haben sowie der moderierte Tanzabend Auf Abstand wieder aufgenommen werden. In beiden Städte sollen außerdem die geplanten 7. und 8. Sinfoniekonzerte, die Revuette Kind, ich schlafe so schlecht und evtl. der 11. Liederabend mit Małgorzata Pawłowskaja zur Aufführung kommen. Ab Ende Juni geht es dann ins Freie: Mit dem Kinderstück Die Kuh Rosmarie als Malzhaus Open-Air und dem Musical Rock of Ages im Parktheater in Plauen sowie der heiteren Oper Der Liebestrank auf der Freilichtbühne am Schwanenteich und Ein himmelblauer Trabant im August Horch Museum in Zwickau gibt es ein breites Angebot für alle Altersgruppen. Trotz der Verschiebung des Spielbeginns proben nun weiterhin alle Sparten mit großem Engagement die kommenden Aufführungen und hoffen darauf, dass dies nun die letzte Verschiebung war.


Der Erfurter Theatersommer e.V. ist momentan ONLINE zu erleben

Der Erfurter Theatersommer e.V. ist momentan ONLINE zu erleben

Besondere Zeiten erfordern besondere Lösungen. Natürlich würden wir viel lieber persönlich vor unserem Publikum stehen, keine Frage. Aber auch wir versuchen, zwischenzeitlich neue Wege zu gehen, um unserem Publikum nicht ganz abhanden zu kommen.
Das Theater Am Hagen musste leider das für 2021 geplante 25. Figurentheaterfestival in Straubing aufgrund der Pandemie absagen. Auch wir wären dabei gewesen. Mit einem besonderen Online-Angebot macht das Theater aus der Not eine Tugend und bietet noch bis zum 18. April 2021 eine kostenlose Mediathek mit Aufzeichnungen an.
(Infos unter www.theater-am-hagen.de)
Wir haben beim Streaming-Angebot „Figurentheater RELOADED“ mitgemacht und laden unser Publikum herzlich dazu ein, uns hier kostenfrei zu erleben.
(über den YouTube Kanal der Stadt Straubing verfügbar)

Video zur „Die Zauberflöte“: https://www.youtube.com/watch?v=Ro-nFazCJAM
Mozarts Zauberflöte in den Händen einer unerfahrenen Souffleuse!? Scheinbar schüchtern tritt sie aus dem Schatten ins Rampenlicht und präsentiert ihre Zauberflöte: verspielt, dramatisch und unwiderstehlich menschlich.

Zudem haben wir dort für unsere kleinen Gäste noch zwei Kindertheaterstücke online zu bieten:

Zum Video: „Fünf im Handschuh“ (https://www.youtube.com/watch?v=q9jrSKQADBY), 38 min, ab 3 Jahren

> Fünf bekannte russische Märchen werden mit Spiel und Musik für die Kleinsten lebendig.
Zum Video: „Tischlein deck dich“  (https://www.youtube.com/watch?v=Y-1z9n3j-Ec), 35 min, ab 4 Jahren

Kleiner Ausblick ... Unsere ERSTE PREMIERE 2021 am 28. Mai:

„Von Rosen und anderen Wundern“
Wie Blumen öffnen sich in diesem Garten der Sehnsucht vielfältige Geschichten und entfalten im Erzählen ihre Farbe, ihren Duft und ihre Schönheit. Ein Spaziergang durch eine magische Welt der Bilder, Klänge und Lebensweisheiten. Eine Offenbarung für Auge, Ohr und Herz!
Spiel: Christiane Weidringer, Regie: Harald Richter, 80 min + Pause, Innenhof Naturkundemuseum

Foto: Annette Seibt/Marion Mayer

Karten derzeit online unter https://erfurter-theatersommer.de/spielplan.html.

 


Theater Plauen-Zwickau mit digitalen Projekten

Nachdem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters Plauen-Zwickau nun seit Anfang März wieder aus der Kurzarbeit zurück im Theater sind, werden neben den Proben für die Wiederaufnahme des Spielplans auch mehrere digitale Projekte vorbereitet. So fanden letzte Woche bereits Aufnahmen von zwei Projekten des Orchesters statt: Unter der Leitung von GMD Leo Siberski wurde das Klavierkonzert Nr. 2 von Johannes Brahms eingespielt. Solist war dabei - wie bereits im November 2019 beim damaligen Sinfoniekonzert, als das Werk noch einen vollen Zuschauerraum begeisterte - der Pianist Frank Dupree, der in der Spielzeit 2019/20 als "Artist in Residence" der Clara-Schumann-Philharmoniker zu Gast war, und der in der Zeit des letzten Lockdowns eigentlich ein Sinfoniekonzert dirigieren sollte. Die Abrundung seines Zusammenspiels mit dem Orchester findet nun also in diesem Digitalprojekt statt. Die Freunde klassischer Musik werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

Etwas unkonventioneller geht es beim zweiten digitalen Orchesterprojekt zu. Eigentlich sollte sie in kurz vor dem Jahreswechsel unter Corona-Bedingungen zur Aufführung kommen: die Variation über Beethovens IX. Sinfonie, remIXed. Da auch dieses Konzert nicht stattfinden konnte, wurde das Projekt jetzt konzeptionell um einen Beitrag des Balletts erweitert, eingespielt und professionell gefilmt. Beteiligt waren dabei unter Leitung von GMD Leo Siberski Mitglieder der Clara-Schumann-Philharmoniker, eine Jazzband, bestehend aus Robert Lucaciu (Bass), Philipp Scholl (Schlagzeug), Leo Siberski (Piano und Keyboard), Peter Weller (Vibrafon), Joan Mun (Keyboard) sowie Sabrina Pankrath (Gesang). Darüberhinaus wurde ein Satz vom Ballettensemble in der Choreografie von Annett Göhre zusätzlich vertanzt.

Das Ballett unter Chefin Annett Göhre bereitet neben der Premiere von Die (vier) fünf Jahreszeiten als digitales Projekt Die Geschichte vom Soldaten von Igor Stravinsky vor, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt. Musikalisch begleitet werden sie wiederum von Mitgliedern der Clara-Schumann-Philharmoniker. Beteiligt an der Aufführung sind auch Johanna Franke und Andreas Torwesten aus dem Schauspielensemble und Michael Günther als Gast. Die Ausstattung übernimmt Annett Hunger. Wichtig war dem Theater, dass neben festen Ensemblemitgliedern auch freiberufliche Künstler an allen Projekten beteiligt sind, die von der Corona-Krise existentiell betroffen sind, und hier die Möglichkeit einer Beschäftigung erhalten. Veröffentlicht wurde das Brahms-Klavierkonzert am Ostersonntag, an dem in Zwickau normalerweise die Osternacht in der Lukaskirche stattgefunden hätte, die ja erneut der Pandemie zum Opfer fiel. remIXed soll am 17. April veröffentlicht werden, dem ursprünglich für die Gewandhaus-Wiedereröffnung geplanten Tag und ein kleines "Trostpflaster" für die erneute Verschiebung sein. Bereits wenige Tage vorher wird es ein Making-off dieser besonderen Produktion zu sehen geben. Der Zeitpunkt für die Geschichte vom Soldaten steht im Moment noch nicht fest.

www.theater-plauen-zwickau.de


Knete statt Fete: Theater Plauen-Zwickau mit Spendenaktion für Freiberufler

Mit „Knete statt Fete“ wollen die Mitarbeiter*innen des Theaters Plauen-Zwickau ihre freiberuflichen Kolleg*innen finanziell unterstützen. Nach zahlreichen Verschiebungen und Absagen in den letzten Monaten konzentriert sich die Spendenaktion auf diejenigen, mit denen das Theater seit Beginn der Pandemie gerne arbeiten wollte, aber deren Produktionen noch immer nicht stattfinden konnten. „Nun gibt es zwar wieder leise Hoffnung auf Öffnung in den nächsten Wochen, die Not der freischaffenden Kolleg*innen ist aber noch längst nicht vorbei. So wünschen wir uns, wenigstens einigen der Gäste aus allen Sparten unter die Arme greifen zu können. Jeder Euro zählt.“ Sagt Annett Göhre, Ballettdirektorin des Theaters, die gemeinsam mit Musikdramaturgin Hanna Kneißler die Aktion ins Leben gerufen hat. Die Zusammenarbeit mit freischaffenden Regisseur*innen, Kostüm- und Bühnenbildner*innen ist fester Bestandteil der Theaterpraxis und daher unverzichtbar. Allerdings haben diese im Gegensatz zu festangestellten Theaterangehörigen kein regelmäßiges Einkommen. Die Spendenaktion richtet sich an Kolleg*innen, Theaterfreund*innen und alle, die helfen können und möchten. „Ziel ist, das eingesammelte Geld nicht einer Organisation zu übergeben, sondern direkt den Menschen, die mit unseren Häusern verbunden sind.“
Eingerichtet wurde die Facebook-Seite Knete statt Fete und eine Seite bei

https://www.betterplace.me/knete-statt-fete

über die ganz unkompliziert gespendet werden kann. Dies geht aber auch direkt über ein extra dafür eingerichtetes Konto bei der Postbank München (ohne Spendenquittung): Kontoinhaber: Annett Göhre IBAN: DE18100100100545641136 Stichwort: Knete statt Fete


Theater Altenburg: Buchpräsentation zum Jubiläum

Theater Altenburg bereitet Jubiläum mit Festakt und Buchpräsentation vor

Am 16. April 1871 wurde das Herzogliche Hoftheater Altenburg feierlich eröffnet. Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg hatte den Prachtbau zu Füßen des Residenzschlosses errichten lassen. Die Aufführung von Carl Maria von Webers romantischer Oper „Der Freischütz“ zur Eröffnung bildete den Auftakt zu einem imposanten Premierenreigen. 2021 nun ist das altehrwürdige Theatergebäude wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen und die Corona-Pandemie macht Theaterveranstaltungen in klassischen Sinne undenkbar. So kann es vorerst bis Ende März gar keine öffentliche Vorstellungen am Theater Altenburg Gera geben. Dennoch soll dieses wichtige Theaterjubiläum auf besondere Art gefeiert und gewürdigt werden.

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk wird pünktlich zu 16. April 2021 die Veröffentlichung eines Buches, welches Chefdramaturg Felix Eckerle gemeinsam mit Harald Müller im Verlag „Theater der Zeit“ herausgibt. Das 150-jährige Jubiläum ist der willkommene Anlass, Rückschau zu halten, denn das Altenburger Theater schrieb bis in die jüngste Vergangenheit Geschichte und spiegelte die historischen Umwälzungen über anderthalb Jahrhunderte wider. Für das opulent bebilderte Buch haben namhafte Expertinnen und Experten sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Artikel verfasst, welche die einzigartige Theatergeschichte einer Kleinstadt schlaglichtartig beleuchten. Dabei werden auch Seitenblicke nach Gera geworfen. Mit dem Theater der Nachbarstadt ist das Altenburger Theater bereits zum dritten Mal (1876/77, 1927/28 und seit 1995) fusioniert. Eine Chronik listet nahezu sämtliche Premieren auf, die seit 1871 stattgefunden haben. Die Autoren sind Elisabeth Bauchhenß, Mona Becker, Felix Eckerle, Franziska Engemann, Klaus-Jürgen Kamprad, Ulrich Khuon, Peter Konwitschny, Frieder Krause, Roland Krischke, Lutz Mahnke, Christoph Meixner, Anno Mungen, Sophie Oldenstein, René Prautsch, Christian Repkewitz, Ronny Ristok, Michael Schindhelm, Ingo Schulze, Ulrich Sinn, Peter Sommer, Thomas Stolze und Annegret Werner. Das Buch (256 Seiten, Hardcover) kann bis zum 18. April 2021 zum Subskriptionspreis von 19,- Euro vorbestellt werden (per Mail an catharina.jacobi@theater-altenburg-gera.de).

Ab dem 19. April 2021 ist das Buch dann regulär zum Ladenpreis von 24,- Euro im Buchhandel erhältlich und ab 20. April voraussichtlich auch an den Theaterkassen.


Kein Schlussstrich!

Bundesweites Theaterprojekt mit künstlerischen und zivilgesellschaftlichen Interventionen zum NSU-Komplex

2021 jähren sich die Ermordungen von Abdurrahim Özüdoğru, Habil Kılıç und Süleyman Taşköprü zum 20. Mal. Diese Jahrestage finden inmitten einer Zeit statt, in der sich der Hass in Parlamenten wie auf der Straße wieder Bahn bricht. Die Mordserie des sog. Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) nach der Selbstenttarnung im Jahr 2011 wurde in Teilen der Öffentlichkeit als einzigartiges Phänomen rechter Gewalt wahrgenommen. Doch lässt sich heute nicht mehr leugnen, dass die Verbrechen des Trios aus Jena als Speerspitze und Vorreiter eines wiedererstarkten rassistischen, antisemitischen und sich auf vielfache weitere Arten ausdrückenden menschenverachtenden Denkens und Handelns gelesen werden müssen. Auch zehn Jahre später sind die Hintergründe des NSU-Komplex nach wie vor unklar: Die Fragen nach den Verstrickungen behördlicher Organe, nach Mitwisser- und Mittäterschaft sind – trotz des langjährigen Prozesses – nach wie vor nicht befriedigend beantwortet. Der offene und latente Rassismus in Ermittlungsbehörden, das Erstarken und die Unterstützung durch ein wachsendes rechtsextremes Umfeld (re-)traumatisieren die Betroffenen und die Familien der Opfer bis heute und halten die Angst wach, als Mensch mit (post-)migrantischer Identität, jüdische, muslimische, Schwarze, indigene Menschen und als People of Color in Deutschland nicht sicher zu sein. Bis heute fehlen den Betroffenen das Verständnis und die Empathie großer Teile der deutschen Bevölkerung: Für Nicht-Betroffene ist es schlicht nicht vorstellbar, wie ein Leben aussieht, das täglich durch Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bedroht wird. Was wir brauchen, um eine solidarische und freie Gesellschaft zu stärken, sind neben Wissen und Information über die Formen und Folgen von Rassismus insbesondere Empathie für Opfer und Betroffene sowie ein sicherer (Diskurs-)Raum für die Ängste, Erfahrungen und Anliegen von Menschen, die Rassismus erfahren. Rassistische Gewalt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen, die vereinzelt für öffentliches Entsetzen sorgt, meist aber medial unbeachtet bleibt, ist leider Alltag in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Morde an Enver Şimşek (2000), Abdurrahim Özüdoğru (2001) und İsmail Yaşar (2005) in Nürnberg, Habil Kılıç (2001) und Theodoros Boulgarides (2005) in München, Süleyman Taşköprü (2001) in Hamburg, Mehmet Turgut (2004) in Rostock, Mehmet Kubaşik (2006) in Dortmund, Halit Yozgat (2006) in Kassel und Michèle Kiesewetter (2007) in Heilbronn sowie weitere Überfälle und Anschläge, wie beispielsweise 2001 und 2004 in Köln, stehen nicht nur stellvertretend für die unzähligen Fälle rechtsextremer und rassistischer Gewalt in Deutschland nach 1945. Sie sind Sinnbild für Wegsehen, strukturelle Empathielosigkeit mit dem Schmerz der Angehörigen, Verdrängen, fehlenden Aufklärungswillen und falsche Verdächtigungen. Sie sind auch Sinnbild für den massiven Vertrauensverlust in staatliche Institutionen und Sicherheitsbehörden, von denen sich viele Menschen in Deutschland, insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte, unbeschützt und im Stich gelassen fühlen. Die Liste mit offenen Fragen im NSU-Komplex ist lang, nur unbefriedigend konnten die Untersuchungsausschüsse in Bund und Ländern sowie der Münchener Prozess, inklusive der im Frühjahr 2020 veröffentlichten schriftlichen Urteilsbegründung, Licht ins Dunkel bringen. Auf Initiative von Jonas Zipf, Werkleiter von JenaKultur (städtischer Eigenbetrieb für Kultur, kulturelle Bildung, Tourismus und Stadtmarketing) in enger Zusammenarbeit mit der Kuratorin Ayşe Güleç, den Dramaturgen Tunçay Kulaoğlu und Simon Meienreis sowie dem Soziologen Matthias Quent hat sich daher ein Kooperationsnetz von Theatern und Institutionen aus 14 Städten zusammengeschlossen, um vom 21. Oktober bis 7. November 2021gemeinsam das interdisziplinäre Theaterprojekt „Kein Schlussstrich!“ zu realisieren – mit dem Anliegen, die Taten und Hintergründe des NSU künstlerisch zu thematisieren. Beteiligt sind Akteure in den Städten, die unmittelbar vom NSU-Komplex betroffen waren und sind: die Städte, in denen zehn Bürger*innen von Rassisten ermordet wurden.

Auch jene Städte sind beteiligt, in denen die Täter*innen des NSU aufwuchsen, Aufenthalt oder Unterstützung fanden. Mit dem Vorhaben sollen die Perspektiven der Familien der Opfer und der migrantischen Communities in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht werden: Mit Theateraufführungen, musikalischen Interventionen im öffentlichen Raum, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen und Workshops möchte das Projekt die Auseinandersetzung mit dem institutionellen und strukturellen Rassismus in unserer Gesellschaft anregen. Auch die Geschehnisse und Folgen der Anschläge in Halle, Hanau und Kassel, die den Rechtsterrorismus und Rassismus in erschütternder Weise bezeugen, möchte das Projekt in den Fokus rücken.

Träger des Projekts „Kein Schlussstrich!“ ist der im September 2020 eigens gegründete Verein „Licht ins Dunkel e.V.“. Mitwirkende Institutionen sind: ASA FF e.V. in Chemnitz, Theater Chemnitz, Dietrich-Keuning-Haus Dortmund (in Trägerschaft der Kulturbetriebe der Stadt Dortmund), Landestheater Eisenach / Meininger Staatstheater, Kampnagel Hamburg, Theater Heilbronn, JenaKultur, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena (in Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung), Theaterhaus Jena, Staatstheater Kassel, Schauspiel Köln, Münchner Kammerspiele und Real München e.V., Staatstheater Nürnberg, Theater Plauen-Zwickau, Volkstheater Rostock, Theater Rudolstadt, Deutsches Nationaltheater Weimar.
Gemeinsam planen diese „ungewollt Vereinten“ für den Herbst 2021 themenbezogene Premieren und Vernissagen, die von diskursiv-künstlerischen Rahmenprogrammen flankiert werden. Die künstlerische Klammer des Projekts bilden zwei multilokale Eigenproduktionen: das musikalischperformative und partizipatorische Oratorium „MANİFEST(O)“ des Komponisten Marc Sinan und die von Ayşe Güleç und Fritz Lazlo Weber kuratierte Ausstellung „Offener Prozess“ des ASA FF. Den Vorstand des Trägervereins „Licht ins Dunkel e.V.“ bilden als Vorsitzender Jonas Zipf, Mitinitiator des Projekts und Werkleiter von JenaKultur, und Amelie Deuflhard, Intendantin von Kampnagel Hamburg. Die künstlerische Leitung des Projekts obliegt – in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der Partner*innen in den beteiligten Institutionen – den beiden Dramaturgen Tunçay Kulaoğlu und Simon Meienreis sowie der Kuratorin Ayşe Güleç. Beraten wird das Kernteam zudem von einem fünfköpfigen Beirat, für den die Autorin und Journalistin Ferda Ataman, die Comedienne und Schauspielerin İdil Baydar, die Sozialpädagogin und Leiterin des Projekts „RomaniPhen“ Isidora Randjelović sowie die Autorinnen und Soziologinnen Vanessa Eileen Thompson und Katharina Warda gewonnen werden konnten. Die Koordination, Geschäftsführung und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für „Kein Schlussstrich!“ übernehmen im Auftrag des Trägervereins Elena Krüskemper und Kristina Wydra von der Agentur Local International, Bonn.