Theater

Herzschmerz in Sommerhitze

Letzte Premiere der aktuellen Spielzeit am DNT Weimar: Patrick Marbers „Drei Tage auf dem Land“ am 30. Mai 2019 im Großen Haus
Deutsches Nationaltheater Weimar Drei tage auf dem Land

Ein heißer Sommer auf dem Lande: Gutsbesitzer Arkadij bewirtschaftet ein weitläufiges Grundstück in der Einöde und lebt dort mit seiner Ehefrau Natalja, Pflegetochter Vera und dem gemeinsamen Sohn Kolja. Dessen neuer Hauslehrer Beljajew bringt die Ödnis des Landlebens, die vor allem Natalja nervt, gehörig in Bewegung. Denn nicht nur sie verliebt sich in den 20 Jahre jüngeren Angestellten, auch Vera verfällt ihm. Ihr wiederum macht ein reicher, aber einfältiger Nachbar Avancen. Beljajew vergnügt sich derweil mit dem Hauspersonal, doch eine Affäre mit der Hausherrin ist auch nicht zu verachten. Rakitin, eng befreundet mit der Familie und seit Jahren unglücklich in Natalja verliebt, darf im allgemeinen Gebalze nur noch als sarkastischer Zuschauer agieren.

In Patrick Marbers Stück kreisen verliebt-verlorene Seelen umeinander und suchen ihr persönliches Glück stets im Anderen statt in sich selbst. Die Figuren leiden unter schrecklicher Langeweile und erhoffen sich in der Schwärmerei einen Ausweg. Und das alles in sengender Hitze. Die Bearbeitung von Iwan Turgenjew 1855 veröffentlichtem Drama „Ein Monat auf dem Lande“ lebt von Leichtigkeit, Humor und Mitgefühl für die Figuren, denn »jeder ist ein Witz, den er selbst nicht versteht« – und darüber lässt sich sehr gut lachen. Juliane Kann, die u. a. am Badischen Staatstheater Karlsruhe und am Staatsschauspiel Dresden arbeitet, stellt sich mit dieser Inszenierung erstmals als Regisseurin am DNT Weimar vor.

Nächste Vorstellungen: 7 . Juni, 19.30 Uhr // 23. Juni, 18.00 Uhr, 4. Juli, 19.30 Uhr

Motivabbildung: Candy Welz

Mehr Termine und Karten: www.nationaltheater-weimar.de


Theater Hof zeigt "Das Geheimnis der drei Tenöre"

Komödie von Ken Ludwig
Theater Hof  Das Geheimnis der drei Tenöre Premiere Komödie von Ken Ludwig

Der Tenor ist die aufregendste Stimmgattung. Tenöre werden vergöttert. Tenöre singen selbst in vorgerücktem Alter die liebestrunkenen Partien potenter junger Kraftprotze. Das hohe C macht uns kirre. Oder wie der Sängerarzt Aribert Stampa erkannte: Der empfangende Zuhörer „wird in seiner Mitte angerührt...“

Eine Hotel-Suite, drei Tenöre, zwei Ehefrauen, drei „Liebschaften“ - und ein Olympiastadion voller Opernfans. Paris in den 1930er Jahren, die Bühne ist bereitet für das Konzert des Jahrhunderts - solange Produzent Henry Saunders den liebeshungrigen italienischen Star-Tenor Tito Merelli und seine heißblütige Ehefrau Maria im Zaum hält. Loderndes Temperament, folgenschwere Verwechslungen, dramatische Eifersuchtsanfälle und stürmische Bettgeschichten sorgen dafür, dass die Redewendung „the show must go on“ eine neue Bedeutung bekommt.

Vorstellungen: Mi 22. Mai, So 02. Juni, Sa 08. Juni, So 16. Juni, Fr 21. Juni, So 23. Juni, jeweils 19.30 Uhr

Infos und Karten: www.theater-hof.de


Die Geschichte vom Soldaten

Zusätzliche Vorstellungen in den Kammerspielen des Meininger Staatstheaters
Meininger Staatstheater

Von Publikum und Presse wurde die eindringliche Inszenierung von Strawinskys DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN nach der Dichtung von Charles Ferdinand Ramuz begeistert aufgenommen. Drei Schauspieler und sieben Musiker bringen das Werk unter der Regie von Brian Bell und der musikalischen Leitung von Mario Hartmuth in einer hochkonzentrierten Intensität auf die Bühne der Meininger Kammerspiele.

Der Soldat lässt sich auf einen Handel mit dem Teufel ein – er tauscht seine Geige gegen ein Buch, dessen Kenntnis reich macht. Zwar wird er reich, aber auch sehr unglücklich. Als der König die Hand seiner Tochter demjenigen verspricht, der die kranke Prinzessin heilt, werben Teufel und Soldat mit ihrem Geigenspiel um die junge Frau. Der Soldat hat Glück – doch ist dieses nicht von langer Dauer... - Das Märchenmotiv des Glücksverlangens wird hier ganz konkret auf die historische Situation gegen Ende des Ersten Weltkriegs bezogen. Igor Strawinsky befand sich in finanziellen Schwierigkeiten und suchte nach einem Weg, trotz der äußeren Umstände ein Werk zu schaffen, das ohne allzu großen organisatorischen Aufwand im Rahmen einer Wandertournee aufführbar war. Er verzichtete auf Gesang, bezog aber Pantomime und Tanz mit ein. Die Handlung ist in eine Stationenfolge aufgelöst, in die ein Erzähler eingreift. Der lakonisch harte ‚Sound’ wird von nur sieben Instrumentalisten erzeugt. Auf das Wesentliche konzentriert, ist „L’histoire du soldat” ein Schlüsselwerk der Neuen Musik.

Doch DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN lässt sich auch als die Geschichte von allen Soldaten aller Zeiten lesen. Für den Kriegsheimkehrer ist die Welt nicht mehr so, wie sie vorher war – er bringt den Krieg mit nach Hause – die Kämpfe werden weiter geführt, im Äußeren wie im Inneren. Die Inszenierung zeigt den in der Kriegsmaschinerie gefangenen und traumatisierten Soldaten, der versucht Idealbilder von Männlichkeit und gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen. Die dem Märchen immanente Einteilung der Welt in Gut und Böse wird aufgebrochen, anstelle von Erzähler, Teufel und Soldat agieren die drei Schauspieler als drei Aspekte eines Soldaten, der Täter, Opfer und Beobachter zugleich ist.

Der Regisseur Brian Bell wurde in Lubbock, Texas, geboren. Nach Abschluss des Schauspielstudiums an der University of North Texas spielte er am Theater an der Parkaue und unternahm seine ersten Regieversuche in der Berliner Freien Szene. Ab 2006 war er als freier Regisseur und Schauspieler in Chicago tätig. 2017 inszenierte er am Nationaltheater Weimar und am Theater Ingolstadt.

Sonntag, 9. Juni, 19.00 Uhr

Foto© Marie Liebig

Karten sind an der Theaterkasse vor Ort, unter Tel. 03693/451-222 und -137 sowie www.meininger-staatstheater.de erhältlich.

 


Geheimnisse sind Lügen

Uraufführung der Oper „The Circle“ von Ludger Vollmer nach dem Roman von Dave Eggers im DNT Weimar
Oper The Circle Deutsches Nationaltheater Weimar Premiere

Wohin steuert unsere Gesellschaft, wenn wir uns unkritisch den Möglichkeiten des digitalen Zeitalters hingeben? In seinem 2013 entstandenen Bestseller „The Circle“ entwarf Dave Eggers ein bedenklich realistisches Zukunftsszenario, in dem ein allmächtiger Internetkonzern Schritt für Schritt die Kontrolle über sämtliche Lebensbereiche übernimmt. Alle persönlichen Daten sind in einem Account vereint, über den sämtliche Aktivitäten im Netz laufen. Alle Informationen über jede*n Einzelne*n aber auch Erfahrungen und Erlebnisse sind jederzeit allen zugänglich bzw. sollen aktiv geteilt werden: Vollständige Aufgabe der Privatsphäre zugunsten einer optimierten Gesellschaft, die sich in absoluter Transparenz gegenseitig kontrolliert und dadurch selbst reguliert. Eine Welt, die nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer ist. So die Vision des ‚Circle‘, der auch Mae erliegt. Die junge Frau hat einen der begehrten Jobs in dem angesagten Unternehmen, einer Mischung aus Google, Facebook, Amazon und Co., bekommen. Voller Begeisterung für die sich ihr bietenden Möglichkeiten macht sie schnell Karriere und wird schon bald zur Vorzeigefigur der Firmenphilosophie: „Geheimnisse sind Lügen. Sharing is Caring. Privatsphäre ist Diebstahl.“ Doch um welchen Preis…

Dave Eggers provoziert zum Nachdenken darüber, welche Opfer der technologische Fortschritt und die Errungenschaften des Internets von den Menschen fordern und wie weit jede*r Einzelne von uns bereit wäre zu gehen. Darum kreist auch die auf seinem Roman basierende, gleichnamige Oper des Komponisten Ludger Vollmer und seiner Librettistin Tiina Hartmann, die das DNT Weimar in inhaltlicher Verbindung zum Spielzeitmotto „Neuer Mensch“ in Auftrag gegeben hat. Mit einer energiegeladenen, klaren Musiksprache, die das Publikum emotional involviert und ganz direkt mit ihm kommuniziert, spitzt das Werk die dramatischen Potentiale der Handlung zu. Die musikalische Leitung der mit Spannung erwarteten Uraufführung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Kirill Karabits. Regie führt Andrea Moses, die sich in ihren Arbeiten immer wieder mit gesellschaftlichen Problematiken auseinandersetzt.

24. Mai, 19.30 Uhr // 9. Juni, 18 Uhr // 20. Juni, 19.30 Uhr 

Motivabbbildung: Candy Welz

Mehr Termine und Karten: www.nationaltheater-weimar.de


Ballett „Forever Lennon“ in Gera

Ballett Forever Lennon Theater Gera

Balletturaufführungen, in denen sich das Thüringer Staatsballett dem Leben und Wirken bedeutender Künstlerpersönlichkeiten widmet, stellen immer wieder Höhepunkte im Schaffen der Compagnie dar. In Silvana Schröders neuem Ballett „Forever Lennon“ dreht sich nun alles um John Lennon. Premiere ist am Freitag, 3. Mai 2019 um 19.30 Uhr im Großen Haus des Geraer Theaters. Die passende Livemusik liefert Johnny Silver, Gewinner des Deutschen Rock- und Pop-Preises 2017, mit seiner Band. Bühnenbilder und Kostüme gestaltet Andreas Auerbach.

Chefchoreografin Silvana Schröder greift Themen auf, die John Lennon besonders bewegten: Jugend und Rebellion, Liebe, Freundschaft und Beziehungen, Ruhm und Selbstzweifel, Freiheit und den innigen Wunsch nach einer besseren, friedlicheren Welt. Wie kaum ein anderer Künstler verkörperte Lennon in all seiner Komplexität und Verwundbarkeit die Träume und Utopien einer ganzen vom Aufbruch beseelten Generation. Als intellektueller Provokateur wollte er mehr erreichen als Unterhaltungsmusik zu schaffen. John Lennon (1940-1980) war einer der einflussreichsten Popmusiker und Komponisten des 20. Jahrhunderts, der bis heute weltweit Menschen mit seiner Musik berührt. Der rebellische Beatle aus Liverpool schrieb gemeinsam mit seinem Bandkollegen Paul McCartney mitreißende Popsongs wie „She Loves You“, „Help!“ und „All You Need Is Love“ und löste mit der „Beatlemanie“ ein kulturelles Massenphänomen aus. 1970 zog er sich aus dem Rampenlicht zurück, lebte mit der Künstlerin Yoko Ono in New York zusammen und widmete sich aktiv der Friedensbewegung. 1980 wurde er vor seinem Haus am Central Park von einem ehemaligen Fan erschossen. Lennon hinterließ ein umfangreiches Solo-Werk, darunter den weltberühmten Titel „Imagine“.

Im Theater Gera: Fr 31.05.2019 / 19:30 Uhr // Sa 29.06.2019 / 19:30 Uhr // So 30.06.2019 / 14:30 Uhr

Zu vielen Terminen sind nur noch Restkarten erhältlich!

Kartentelefon Gera0365 8279105 // Infos und Karten unter www.tpthueringen.de

Foto: Ronny Ristok


Andreas Rosar inszeniert Verdis Oper "Aida" am Vogtlandtheater

Theater Plauen-Zwickau, Aida

Ägypten führt gegen seinen Nachbarn Äthiopien Krieg. In Folge eines siegreichen Feldzugs wird die äthiopische Prinzessin Aida an den ägyptischen Hof verschleppt und muss der Pharaonentochter Amneris als Sklavin dienen. Trotz der Feindschaft ihrer Völker verlieben sich Aida und der ägyptische Feldherr Radames ineinander. Radames, der Amneris versprochen und zwischen seiner Loyalität zu seinem Volk und seiner Liebe hin- und hergerissen ist, will mit Aida fliehen und verrät ihr dabei kriegswichtige Pläne. Radames‘ Verrat wird von der eifersüchtigen Amneris aufgedeckt. Er wird dazu verurteilt, lebendig eingemauert zu werden. Freiwillig folgt ihm Aida in den Tod.
Ganz im Stile der in der Mitte des 19. Jahrhunderts populären Grand opéra kontrastiert Giuseppe Verdi in seiner Partitur spektakelhafte Massenauftritte wie den berühmten Triumphmarsch mit intimen, fast kammermusikalisch anmutenden Szenen. Er entwirft ein feines musikalisches Psychogramm seiner drei Hauptfiguren vor dem breiten Hintergrund eines Krieges. 

Zum Regisseur Andreas Rosar a.G.

Bereits während seiner Studien der Theologie, Philosophie und Germanistik in Mainz und Rom wandte sich der gebürtige Saarländer dem Theater zu. Er assistierte in der Folge Regisseuren wie Frank Castorf, Peter Konwitschny, Thomas Schulte-Michels, Beat Wyrsch und anderen. Engagements als Regieassistent und Abendspielleiter führten ihn unter anderem ans Saarländische Staatstheater, an die Bayerische Staatsoper, das Theater Biel Solothurn und das Bergen Festival in Norwegen. Andreas Rosar hat in den vergangenen Spielzeiten unter anderem Mozarts Così fan tutte am Theater Münster, Domenico Cimarosas Matrimonio segreto am Theater Trier sowie die Uraufführung von Edward Rushtons Kammeroper Apartment (Gare du Nord Basel) inszeniert. Am Theater Biel Solothurn, dem er während mehrerer Spielzeiten verbunden war, brachte er unter anderem auch die Schweizer Erstaufführungen von Georg Friedrich Händels Ezio sowie Josef Myslivečeks Antigona auf die Bühne. Antigona gastierte im Rahmen des ARMEL Opera Festivals mit großem Erfolg am Ungarischen Nationaltheater Szeged. Die Produktion wurde mit dem ARTE France Audience Award als beste Produktion des Festivals 2011 ausgezeichnet und erhielt zudem eine Nominierung im Jahrbuch der Opernwelt. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit den Bayreuther Festspielen, bei denen er seit 2009 an Tristan und Isolde (Christoph Marthaler), Lohengrin(Hans Neuenfels) und Der Ring des Nibelungen (Frank Castorf) als Spielleiter und Regieassistent mitgewirkt hat. In der Spielzeit 2018/19 erarbeitet er außerdem Händels Rinaldo für Brig Barock im Schloßhof des barocken Stockalperpalastes in den Walliser Alpen sowie Offenbachs La Vie Parisienne am Theater Trier.

Nächste Vorstellungen: 28. Mai, 19.30 Uhr // 8. Juni, 19.30 Uhr // 10. Juni, 18 Uhr

Karten: Tel. 03741 2813-4847/-4848 und service-plauen@theater-plauen-zwickau.de

Das Foto zeigt Radames (Wonjong Lee) und seine Tochter Amneris (Johanna Brault)

Foto: Copyright © Sermon Fortapelsson


Musiktheater mit Puppenspiel: „Der Kaiser von Atlantis“

Theater Gera Der Kaiser von Atlantis

Viktor Ullmann (1898-1944) komponierte das Spiel in einem Akt „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. Zum 75. Todesjahr des Komponisten wird das Werk bei Theater&Philharmonie Thüringen in Zusammenarbeit der Sparten Musiktheater und Puppentheater nun von Kai Anne Schuhmacher inszeniert und kommt am Samstag, 4. Mai 2019 um 19.30 Uhr in der Bühne am Park des Geraer Theaters zur Premiere. Die musikalische Leitung übernimmt Takahiro Nagasaki. Bühne und Puppen gestaltet Udo Schneeweiß, Hedda Ladwig entwirft die Kostüme dazu. Es singen Alejandro Lárraga Schleske (Kaiser), Johannes Beck (Lautsprecher), Ulrich Burdack (Tod), Florian Neubauer (Harlekin), Gustavo Mordente Eda (Soldat), Sujin Bae (Bubikopf) und Judith Christ (Trommler). Als Puppenspieler treten Sabine Schramm, Tobias Weishaupt und Leonti Usolzew auf.

Die Kammeroper ist mehr als nur ein zeitgeschichtliches Dokument, weil sie zeitlose ethische, philosophische und religiöse Themen behandelt: Wie ist das Verhältnis des Individuums zur Mehrheit? Welche Strukturen bestimmen das Leben? Was ist der Sinn des Lebens? Und welche Rolle spielt dabei der Tod? - Die holzschnittartige Anlage der Figuren und die parabelhaft offene Form prädestinieren dieses Werk geradezu für eine Interaktion von Puppenspiel und Musiktheater.

Zur Handlung: Der Tod ist in Lethargie verfallen und ergeht sich in nostalgischer Verklärung vergangener Kriege. Der Trommler, Werkzeug des Kaisers Overall, proklamiert den totalen Krieg. Der Kaiser wiederum setzt dabei die Mitwirkung des Todes voraus. Dieser jedoch fühlt sich gegen seinen Willen vereinnahmt und tritt in den Streik. Über den Lautsprecher erfährt Overall, dass die Menschen nicht mehr sterben können. Das Land versinkt im Chaos. Im Moment des Zusammenbruchs seiner Herrschaftsordnung begegnet der Kaiser dem Tod. Dieser schlägt ihm einen Handel vor: Er sei bereit, sein Handwerk wieder auszuüben, wenn der Kaiser einwilligt, als Erster zu sterben.

Die Produktion ist Teil der Reihe „Wider das Vergessen“. Foto: Ronny Ristok

In der Bühne am Park in Gera: Do 30. Mai, 18:00 Uhr (im Rahmen des Festivals 90 Jahre Puppentheater Gera)

Infos und Karten: www.tpthueringen.de


Uraufführung der Satire „Als der Herzog über den Herzog herzog“ in Altenburg

Theater Altenburg Gera Als der Herzog über den Herzog herzog

Schauspieldirektor Manuel Kressin ist Autor der Satire „Als der Herzog über den Herzog herzog“, welche am Sonntag, 12. Mai 2019 um 18.00 Uhr zur Uraufführung im Heizhaus des Altenburger Theaters kommt. In der Programmreihe „Heimat Europa“ taucht das Schauspiel in die Parallelwelt wilder Verschwörungstheorien, schrulliger Spinner und alternativer Fakten, die sich letztendlich doch nicht vollkommen von der Realität verschließen kann. Nach „Barbarossa ausgeKYFFt“ beweist Manuel Kressin ein weiteres Mal sein Talent zu bissigen Dialogen und absurden Überhöhungen, bei denen er geschickt historische Figuren, aktuelle politische Themen und eine kräftige Portion Humor verbindet.

Das Stück wird inszeniert von Caro Thum. Bühnenbilder und Kostüme gestaltet Anike Sedello. In den Rollen spielen Thomas C. Zinke, Michaela Dazian, Markus Lingstädt, Manuel Struffolino und Mechthild Scrobanita.

Und das ereignet sich: Karl-Heinz steckt in einer Lebenskrise. Er fühlt sich unnütz. Als seine Oma stribt, lässt er sich beurlauben und beginnt zu Hause mit der Ahnenforschung. Da stößt er auf eine Lücke im Stammbaum und es erhärtet sich der Verdacht, dass es ein unausgesprochenes Geheimnis in seiner Familie gibt. Zeitlich passt diese Lücke genau in das sagenumwobene Liebesleben des letzten Herzogs von Altenburg. Aus einem anfänglichen Verdacht wird schnell Gewissheit: Karl-Heinz ist der letzte noch lebende uneheliche Nachfahre des Herzogs – und das, allein das, scheint seine Bestimmung zu sein! Kurzerhand ruft Karl-Heinz sein eigenes Reich aus. Die Verwaltungsarbeit ist nicht leicht und schon bald gewährt er mit Nora auch dem ersten Flüchtling Asyl. Doch innen- und außenpolitische Konflikte sind schnell aufgetan, denn Karl-Heinz‘ Nachbar hat auch einen Staat ausgerufen, in welchem dieser als Souverän regiert. Im Handumdrehen befindet sich Karl-Heinz in einem Machtgerangel voller Intrigen von nahezu weltpolitischer Bedeutung.

Foto: Ronny Ristok

Weitere Termine im Heizhaus Altenburg: So. 26. Mai, 18:00 Uhrm// Fr. 31. Mai, 19:30 Uhr

Kartentelefon Gera: 0365 8279105 / Altenburg: 03447 585160

Infos und Karten unter www.tpthueringen.de


Performance mit Tanz, Musik und Sprache

„On the Edge“ im Deutschen Nationaltheater Weimar
On the edge Deutsches Nationaltheater Weimar

»On the edge« reflektiert Begegnungen: Tanz trifft auf Schauspiel. Sprache trifft auf Bewegung. Frau trifft auf Mann. Und Mann trifft auf Frau. Was haben sie einander mitzuteilen und auf welche Art und Weise tun sie dies? Die Darsteller*innen streiten und lieben sich, erfinden und positionieren sich stets neu, sie entdecken die Ausdrucksformen ihres Gegenübers und kreieren miteinander etwas Neues: eine Performance mit fünf Tänzer*innen und fünf Schauspieler*innen, die von der verbindenden Kraft lebt, die der Kunst innewohnt. Hasko Weber, Generalintendant des DNT, und Andris Plucis, Chefchoreograf und Leiter des Balletts Eisenach, haben diesen besonderen Abend inszeniert, der nun ab 11. Mai 2019 auch im DNT Weimar zu erleben sein wird.

1. und 21. Juni, jeweils 19.30 Uhr

Foto: Carola Hoelting

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Operette „Der Vogelhändler“ kommt nach Gera

Premiere am Freitag, 24. Mai 2019 um 19.30 Uhr im Großen Haus
Der Vogelhändler Operette Theater Gera

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr in Altenburg kommt Bernhard Stengeles Inszenierung von Carl Zellers Klassiker „Der Vogelhändler“ nun auch ins Theater nach Gera. 

1891 in Wien uraufgeführt, erfreut sich Carl Zellers (1842-1898) „Der Vogelhändler“ dank turbulenter Handlung, wirkungsvoller Chorensembles und volksliedhaft-einschmeichelnder Melodien wie „Grüß euch Gott, alle miteinander“, „Ich bin die Christel von der Post“ oder „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ bis heute großer Beliebtheit. Eine besondere Komik entsteht, wenn die höfisch-aristokratische Welt der Kurpfalz auf das Milieu eines Bauerndorfes trifft und jeder die anderen hinters Licht führen oder deren wahre Neigungen und Absichten ergründen möchte. Bernhard Stengele – 2012 bis 2017 Schauspieldirektor bei Theater&Philharmonie Thüringen – brachte diesmal als Gastregisseur mit seiner Affinität für Komik und Milieustudien die Volksoperette in der Bühnen- und Kostümausstattung von Kristopher Kempf und Emilia Schmucker schwungvoll auf die Bühne.Die musikalische Leitung hat Thomas Wicklein.Der Opernchor singt in der Einstudierung des Chordirektors Gerald Krammer.

In den Partien: Anne Preuß als Kurfürstin Marie, Judith Christ als Hofdame Adelaide, Johannes Beck als Baron Weps, Timo Rößner als Graf Stanislaus, Kai Wefer als Süffle, Ulrich Burdack als Würmchen, János Ocsovai als Adam, Miriam Zubieta als Christel, Florian Neubauer/ Gustavo Mordente Eda als Schneck, Katharina Hentschel und Claudia Müller als Kellnerin Jette sowie lris Eberle und Katharina Hentschel als Frau Nebel.

Zur Handlung: In einem pfälzischen Dorf am Rhein herrscht große Aufregung: Der Kurfürst hat sich zur Jagd angesagt. Er möchte ein Wildschwein erlegen und eine Jungfrau empfangen. Mit beidem kann die frivole Gemeinde nicht dienen. Der Jägermeister des Kurfürsten ist bereit, gegen ein hohes Bestechungsgeld dem Kurfürsten ein zahmes Hausschwein und eine Witwe vorzuführen. Da wird die Jagd abgesagt. Der Jägermeister, der das Geld nicht zurückgeben möchte, stellt seinen Neffen als Kurfürsten vor. Währenddessen trifft die Kurfürstin ein, um – als Bauernmädchen verkleidet – ihren Gatten „in flagranti“ zu erwischen. Gleichzeitig kommt der Tiroler Vogelhändler Adam an, um seine Braut Christel zu besuchen. Diese wiederum möchte beim Kurfürsten eine Stellung für Adam erbitten. Ein fröhliches Spiel der Verwechslungen, Eifersüchteleien und Liebe beginnt …

Weitere Termine im Theater Gera: Sa. 25.05.2019 / 19:30 Uhr // So. 26.05.2019 / 14:30 Uhr // So. 02.06.2019 / 14:30 Uhr

Kartentelefon Gera0365 8279105 / Altenburg03447 585160

Infos und Karten unter www.tpthueringen.de

Foto: Ronny Ristok


Experiment des Begehrens

DNT Weimar vollendet mit einer semiszenischen Produktion von Mozarts „Così fan tutte“ seinen Da Ponte-Zyklus

Monogamie – kann das funktionieren? Ist Treue nur ein märchenhafter Begriff für alle, die es nicht besser wissen? Für den angegrauten Philosophen Don Alfonso in Mozarts Oper „Così fan tutte“ steht jedenfalls fest: die ›Frauen‹ sind untreu, ohne Zweifel und ausnahmslos. Mit seiner scharfen These provoziert er zwei Soldaten, die sich – in ihrer Ehre gekränkt – auf eine Wette einlassen: Innerhalb eines Tages soll am Beispiel ihrer eigenen Beziehungen der Beweis für die Theorie erbracht werden. Auf dem Spiel steht eine ordentliche Summe Geld. Was folgt ist eine von Don Alfonso inszenierte Versuchsanordnung, die zur Operation am offenen Herzen wird. Unter dem Vorwand in den Krieg zu ziehen, verlassen die Männer ihre Verlobten Fiordiligi und Dorabella und kehren als Fremde verkleidet zurück. Spätestens als sie ihre Verführungskünste auf die Frau des jeweils anderen anwenden, stellt sich die Frage, wer eigentlich wen betrügt. 

Nach der „Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“ entwarfen Mozart und sein kongenialer Librettist Da Ponte in ihrer dritten gemeinsamen Arbeit erneut ein gewieftes Tableau. Eingebettet in überragende Ensemblemusik, in der jede Seelenregung meisterhaft und mit tiefsinnigem Witz ausgeleuchtet wird, entfaltet sich ein Experiment des Begehrens. Regisseurin Nina Gühlstorff und ihr Team lassen es im konzertanten Setting beginnen, in das nach und nach die Szene hereinbricht und die vermeintliche Normalität in Frage stellt. Mit der semiszenischen Produktion von „Così fan tutte“, die am 12. Januar unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Karabits im Großen Haus Premiere feierte, hat das DNT Weimar nun alle Da Ponte-Opern Mozarts wieder im Repertoire.

13., 14. und 15. Juni // Mozart-Spezial: Beim Kauf aller Vorstellungen des Zyklus spart man 30 % gegenüber dem regulären Kartenpreis.

Foto: Candy Welz

 


Schräge Komödie mit kosmischer Dimension

Coline Serreaus Erfolgsstück „Hase Hase“ im Theater Rudolstadt

Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Davon kann auch Familie Hase ein Lied singen. Ihre ganze Welt scheint in Chaos zu versinken. Wie aber selbst das kleinste Fünkchen Hoffnung ungeahnte Kräfte freisetzen kann, zeigt die französische Autorin und Filmemacherin Coline Serreau in ihrer schrägen Komödie „Hase Hase“.

Nach unzähligen Turbulenzen wiegt sich Familie Hase endlich in sicherem Fahrwasser. Ihre Welt ist in Ordnung, auch wenn der Gerichtsvollzieher schon vor der Tür steht. Nur der kleinste Sohn hat Ärger mit seiner Französischlehrerin, Papa ist seltsam verschwiegen und Bébert, der Medizin studiert, beklagt sich über die Nachtdienste auf der Intensivstation. Doch Mama Hase hat den Laden wie immer im Griff. Dann aber überschlagen sich die Ereignisse. Sohn Jeannot stürzt herein, von der Polizei verfolgt; die Töchter kommen wenig später, weil ihre Paarbeziehungen gerade krachen gehen; Vater gesteht, er ist arbeitslos, Hase Hase ist vom Gymnasium geflogen, und dann kommt es zu einem gigantischen Finanz-Crash. Das ganze Land wird unter Polizeiaufsicht gestellt. Womit niemand rechnet, ist, dass die Familie Hase einen fantastischen Rettungsplan ausheckt, dass man gegen Mutter Hases große Liebe sowieso nichts machen kann und dass Hase Hase, der Sohn mit den vorstehenden Zähnen, ein Außerirdischer ist. - Coline Serreau hat ihre Anarcho-Komödie aus dem Jahre 1986 für die Gegenwart leicht überarbeitet. Damals wie heute ist das schräge Stück mit kosmischer Dimension ein humorvolles Plädoyer für die Überlebenskunst in finsteren Zeiten, für das Überwinden von Verzweiflung und die Lust am Lachen. Am Rudolstädter Theater liegen Inszenierung und Ausstattung in den Händen von Alejandro Quintana und Henrike Engel, die dort zuletzt mit „Der Meister und Margarita“ eine eindrucksvolle Aufführung schufen. Auf der Bühne zu erleben sind: Laura Bettinger, Verena Blankenburg, Hans Burkia, Johannes Geißer, Ulrike Gronow, Anne Kies, Jakob Köhn, Robert Naumann, Marcus Ostberg, Benjamin Petschke, Ute Schmidt, Markus Seidensticker, Marie Luise Stahl und Matthias Winde.

Di 2. Juli, 15:00 Uhr, Rudolstadt, Theater im Stadthaus

Karten Tel 03672.422766

Foto: Lisa Stern


Schillers "Wilhelm Tell" am DNT Weimar

12. Juni, 19.30 Uhr, Weimar, Deutsches Nationaltheater, Großes Haus

Der Apfelschuss und die Sprichwortsammlung – das ist Friedrich Schillers »Wilhelm Tell«. Mindestens 40 Sentenzen sind zu geflügelten Wortenavanciert und der deutsche Dichter hat der Schweiz ihren Nationalhelden in Verse gegossen. Doch was ist diese Dichtung? Ein Revolutionsdrama? Oder bringt nur der im Alleingang vollzogene Tyrannenmord wirkliche Änderung der Verhältnisse hervor? Schiller entwirft drei Handlungsstränge: Der Titelheld weigert sich, den auf dem Markt provokant installierten Hut des brutalen Burgvogts Gessler zu grüßen. Um ihn zur Räson zu rufen, zwingt dieser Tell einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen. Das Ungeheure gelingt – und erlässt Gessler wissen, dass ein zweiter Pfeil ihn getötet hätte, wäre der Schuss missglückt. Die Todfeindschaft ist damit besiegelt.Parallel proben die Schweizer den Widerstand gegen die Habsburger. Am Rütli soll der Grundstein für eine Eidgenossenschaft, die erste verfassungsgebende Versammlung Europas, gelegt werden. Und dann gibt es noch die konfliktreiche Beziehung zwischen Berta von Bruneck und Ulrich von Rudenz, die in verschiedenen politischen Lagern stehen und ihre Liebe auf den Prüfstein legen müssen. Seit der Uraufführung 1804 in Weimar wird um die Deutungshoheit dieses Schauspiels gestritten: Mal diente es der eigenen nationalen Bestätigung, mal begleitete es, als Revolutionsstück gelesen, gesellschaftliche Umbrüche. Nun unternimmt Hausregisseur Jan Neumann denVersuch, Schillers »Wilhelm Tell« auf seine gegenwärtige Aktualität zu untersuchen.

Kartentelefon 03643.755 334 www.nationaltheater-weimar.de

Foto: Candy Welz


Schwarzwaldmädel in Meiningen

2. Juni, 15.00 Uhr

Die beliebte Operette „Schwarzwaldmädel” spielt in einem reichen, alemannischen Schwarzwalddorf, das immer mehr Touristen anzieht. Der Organist der Dorfkirche, ein älterer Herr, hat sich in das junge Dienstmädchen Bärbele verliebt. Als zwei Fremde ins Dorf kommen, sieht er bald, dass sie keine normalen Besucher sind, sondern auf der Flucht hier strandeten. Das Libretto beschreibt die Probleme von Ausgrenzung aufgrund von Armut und Herkunft. Es verwebt diese Motive in eine turbulente Liebesgeschichte rund um die Frage: Was ist gesellschaftlich inakzeptabler – die Liebe zwischen einem jungen Mädchen und einem alten Mann oder die Liebe zwischen einem einheimischen Mädchen und einem Fremden auf der Flucht? Diese Problematik löst sich erst, nachdem die Geschichte am Ende durch das Wunder einer unerwarteten Erbschaft Gleichheit in der Gesellschaft herstellt. - Die Operette „Schwarzwaldmädel” steht in der Tradition der großen Liebesoperetten des 19. Jahrhunderts. Jessel erweist sich in diesem Singspiel als Komponist von Rang, als Könner, der mit Fantasie und Geschmack liebenswerte Melodien schafft, die in der Opernwelt als Ohrwürmer gelten. - Der Berliner Regisseur Tobias Rott inszenierte in Meiningen schon Erfolgskomödien wie „Viel Lärm um nichts” und zuletzt „Die bessere Hälfte”. Seine Meininger Inszenierung von Dario Fos „Bezahlt wird nicht” wurde zum internationalen Komödienfestival nach Brno, Tschechien, eingeladen. In Eisenach inszenierte er die Operette „Im weißen Rössl” und bei den Domfestspielen Bad Gandersheim das Musical „Maria, ihm schmeckt’s nicht”.

Karten: Tel. 03693/451-222 und 451-137, E-Mail: kasse@meininger-staatstheater.de

Werbefoto: Marie Liebig


Hisst die Segel auf!

Oper Leipzig zeigt Richard Wagners »Der fliegende Holländer«

»Traft ihr das Schiff im Meer an, blutrot die Segel, schwarz der Mast?« - Die Neuinszenierung von Richard Wagners »Der fliegende Holländer« feierte an der Oper Leipzig Premiere. Sie markiert einen weiteren Meilenstein in Vorbereitung auf die Opernfesttage »Wagner 22« der Musikstadt Leipzig im Sommer 2022. Die Oper verfolgt unter der Leitung von Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer das ehrgeizige Ziel, bis dahin alle Opern Richard Wagners – inklusive seiner Frühwerke – im Repertoire zu führen und sie im Juni/Juli desselbigen Jahres in der Reihenfolge ihrer Entstehung innerhalb von dreieinhalb Wochen zur Aufführung zu bringen.

Zahlreiche Legenden ranken sich um die Gestalt des bleichen Seemanns: Bis in alle Ewigkeit ist der fliegende Holländer – gesungen von Iain Paterson, der in der vergangenen Saison u.a. als Wotan im Leipziger »Ring« auf der Bühne stand –  dazu verdammt, auf seinem Geisterschiff die Weltmeere zu durchsegeln, ohne Rast, ohne Ziel. Nur einmal alle sieben Jahre darf er an Land, um dort Erlösung zu suchen: in einem »Weib, das bis in den Tod getreu ihm auf Erden«. Die Kapitänstochter Senta – interpretiert von Christiane Libor, gefeierte Wagner-Interpretin und häufiger Gast der Oper Leipzig – glaubt sich auserkoren, diesen Fluch zu brechen. Als ihr Vater Daland (Randall Jakobsh) mit einem geheimnisvollen Fremden an seiner Seite von See zurückkehrt, erkennt sie sofort den Verdammten aus jener düsteren Seemannsballade, die ihr schon die Amme Mary (Karin Lovelius) vorsang, und bricht auch die letzten Brücken zum vorgezeichneten Leben mit ihrem Verehrer Erik (Ladislav Elgr) ab.

Mit dem Einbruch des Übersinnlichen und der dämonischen Naturgewalten in die Realität knüpfte Richard Wagner in seinem 1843 uraufgeführten »Der fliegende Holländer« an die Tradition der schauerromantischen Oper an und beschritt mit dem Erlösungsmotiv einen Weg, der für seine folgenden Musikdramen bestimmend werden sollte. Das stürmische Wogen des Meeres, wilde Seemannschöre und die zentrale Ballade Sentas verdichtet Wagner zu einem atmosphärischen Thriller, der vom ersten Ton an in Bann zieht. Regisseur Michiel Dijkema, der bereits mit seinen bewegenden Arbeiten an »Tosca«, »Faust« und »Rusalka« das Leipziger Publikum begeisterte, erzählt in seiner Inszenierung der romantischen Oper von zwei Außenstehenden, von der Suche nach Heimat, aber auch von der drängenden Sehnsucht nach dem Anderen, die selbst den Tod nicht scheut. Wagner wurde in Heinrich Heines »Memoiren des Herren von Schnabelewopski« zum ersten Mal 1837/38 auf die Sage vom »Fliegenden Holländer« aufmerksam. Dijkema integriert Auszüge dieses Werks in seine Regie und erzählt seinen Holländer als ausstattungsgewaltige Geschichte in einem imposanten Bühnenbild, das sichtbar vor dem offenen Bühnenhintergrund installiert ist. Die Kostüme, die sowohl Entstehungszeit der Oper widerspiegeln, als auch der Geisterwelt eindrucksvoll Kontur verleihen, stammen von Jula Reindell. Am Pult des Gewandhausorchesters steht Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer.

Weitere Aufführungen: 30. Mai / 10. Juni 2019 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn)

Foto: Tom Schulze


Eine Frage des Gewissens

Dominik Buschs Kammerspiel „Das Recht des Stärkeren“ auf der Studiobühne des DNT Weimar

Regisseurin Nadja arbeitet an einem Dokumentarfilm über die brutale Umsiedlung der kolumbianischen Landbevölkerung als Folge des örtlichen Steinkohleabbaus. Die Vertreibungen vor Ort werden durch paramilitärische Gruppen kontrolliert, die mit blutrünstigen Methoden Angst und Schrecken in der Region verbreiten und ganze Dörfer dem Erdboden gleichmachen. Àlvaro, einer der ehemaligen Kämpfer, ist bereit vor der Kamera auszusagen. Denn an der Rohstoffgewinnung in den Minen sind maßgeblich europäische Konzerne beteiligt. Nadja ist überzeugt, dass auch die schweizerische Firma ihres Vaters die Ausbeutung mit zu verantworten hat und stellt ihn zur Rede. Das Gespräch nimmt jedoch nicht die von ihr gewünschte Wendung. Kurz darauf erfährt sie, dass Àlvaro seine Aussage zurückziehen will. Nadjas Arbeit ist damit in Gefahr. Eben noch in der Lage ihrem Vater fehlende Moral zu unterstellen, sieht sie sich plötzlich mit der Frage konfrontiert, was mehr zählt: Menschliche Verantwortung oder ein künstlerischer Auftrag? Gibt es ein ›Recht des Stärkeren‹? Und folgt daraus eine höhere Handlungskompetenz? In seinem 2017 entstandenen Kammerspiel, das DNT-Hausregisseur Jan Neumann auf der Studiobühne inszeniert, veranschaulicht Dominik Busch eindrücklich, welches moralische Vakuum aus solcherart Weltbetrachtung entstehen kann.

24. Mai, 8. und 26. Juni, jeweils 20 Uhr


Roland May inszeniert Schauspiel von Brecht

Die heilige Johanna der Schlachthöfe: 31. Mai, 19.30 Uhr, Vogtlandtheater Plauen

Die Fleischfabrikanten Mauler und Lennox befinden sich im Wirtschaftskrieg: Immer neu unterbieten sie sich beim Verkauf ihrer Fleischkonserven, bis Lennox schließlich seine Fabrik schließen und seine Arbeiter vor die Tür setzen muss. Das ruft die Schwarzen Strohhüte auf den Plan: Sie wollen den Arbeitern in ihrer Not Gott wieder näherbringen. Dabei entscheidet Johanna von den Schwarzen Strohhüten, dass sie den Ursachen der sozialen Ungerechtigkeit auf den Grund gehen möchte. Sie wendet sich an Mauler und führt ihm das Elend der Arbeiter vor Augen. Als die Schwarzen Strohhüte dann jedoch einen Deal mit den Unternehmern eingehen möchten, um ihre Miete bezahlen zu können, entscheidet Johanna: Sie macht keine Kompromisse …
Mit „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ stellt Bertolt Brecht die Auswirkungen wirtschaftlicher Machtkämpfe auf die Situation der Arbeitnehmer dar und demaskiert die
Mechanismen kapitalistischer Marktwirtschaft. Das in den Jahren 1929 bis 1931 entstandene Theaterstück hat damit bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt.
Regie führt Roland May. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Roland May Generalintendant und Schauspieldirektor am Theater Plauen-Zwickau. Hier hatte er u. a. erfolgreich  Premiere mit Inszenierungen von Tosca, Tannhäuser, Nathan der Weise, Maria Stuart, Der Auftrag, Medea und zuletzt Drei Schwestern und German History. Der Deutschland-Abend mit Texten von Heiner Müller gewann 2018 gleichberechtigt mit „Das große Heft“ (Staatsschauspiel Dresden) den Sächsischen Theaterpreis.


Spannender Opernthriller

Puccinis „Tosca“ im Deutschen Nationaltheater Weimar

Mit einer Neuinszenierung von Giacomo Puccinis „Tosca“ kehrte eines der spannendsten, musikalisch und emotional mitreißendsten Werke der Opernliteratur auf die Bühne des Deutschen Nationaltheaters Weimar zurück.

Die Sängerin Floria Tosca ist mit dem Maler und Oppositionellen Mario Cavaradossi liiert. Als dieser dem politisch Verfolgten Cesare Angelotti zur Flucht verhilft, geraten die Liebenden ins Visier des sadistischen Barons Scarpia. Der Polizeichef, der Rom mit seiner Willkürherrschaft kontrolliert, ermittelt als Vertreter des Kirchenstaats im Fall Angelotti. Dabei hat er aber nicht allein dessen Verhaftung im Sinn, sondern verfolgt gleichzeitig eigene Gewaltfantasien. Durch die Folter Cavaradossis will er nicht nur an ein Geständnis gelangen, sondern auch Tosca zum Sex zwingen. Um ihren Geliebten zu retten, willigt sie verzweifelt in den Handel ein und die Tragödie nimmt ihren Lauf...

Puccini und seine Librettisten verdichten in dem 1900 uraufgeführten Werk Liebe, Religion und Macht zu einem atmosphärisch dichten und spannungsgeladenen Psychothriller. In atemlosen, beinahe filmisch ineinander geschnittenen Szenen zeichnen sie messerscharf die Charaktere der Protagonisten und entwickeln einen temporeichen Sog der Gewalt. Die musikalische Leitung der Neuproduktion liegt in den Händen des 1. Kapellmeisters Stefan Lano. Regie führt DNT-Generalintendant Hasko Weber, der damit seine Auseinandersetzung mit dem Musiktheater fortsetzt. In seiner Inszenierung befragt er die Rituale und Verhältnisse der religiös geprägten Gesellschaft, in der Scarpias Machtmissbrauch möglich wird.

27. Juni und 5. Juli jeweils 19.30 Uhr 
www.nationaltheater-weimar.de

Abbildung von Candy Welz