Theater

Beliebte Märchenoper wieder im Spielplan des DNT Weimar

Engelbert Humperdincks Opernklassiker „Hänsel und Gretel“ am 18., 20. 23. Dezember und 2. Januar

Engelbert Humperdincks berühmte Märchenoper „Hänsel und Gretel“, für viele Familien unverzichtbarer Bestandteil der Adventszeit, steht auch in diesem Jahr im Dezember wieder auf dem Spielplan des DNT Weimar. Ursprünglich als kleines Singspiel für den Familienkreis gedacht, gelang dem Komponisten mit diesem Bühnenwerk nach Motiven der Gebrüder Grimm ein wahrer Geniestreich. Kunstvoll kombinierte er teils auf Volksliedern beruhende, teils sie neu erfindende Melodien mit wagnerisch durchkomponiertem Stil und schuf eine abendfüllende Oper für großes Orchester. Die Uraufführung fand vor 125 Jahren, am 23. Dezember 1893, am damaligen Hoftheater in Weimar unter der Leitung von Richard Strauss statt. Seitdem erfreut sich der Klassiker ungebrochener Beliebtheit beim Publikum und gehört zum besonders gepflegten Repertoire des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar. Die aktuelle Inszenierung, die im November 2018 Premiere hatte, übernahm der für seine fantasievollen und bildgewaltigen Arbeiten bekannte Regisseur und Bühnenbildner Christian Sedelmayer. Seine Erzählung der Geschichte zeigt Hänsel und Gretel als zwei Kinder von heute, die sich in ihrem von großer Armut gezeichneten Alltag mit Phantasie und Spielfreude eine ganz eigene Traumwelt erschaffen. Von der Mutter im Zorn aus dem Haus gejagt, verirren sich die Geschwister im Wald und finden sich in einer imaginären Märchenwelt wieder. Dort geraten die beiden in die Fänge einer bösen Hexe, die sie zum Braten mästen will, aber von den Kindern mit List und Mut besiegt wird.

Nach der bereits ausverkauften Wiederaufnahme am 18.12. folgen vier weitere Vorstellungen am 20.12., 19.30 Uhr, am 23.12. 15 Uhr und 19.00 Uhr sowie am 02.01.2020, 19.30 Uhr.

Karten und Informationen unter: www.nationaltheater-weimar.de Kartentelefon: 03643.755 334

Foto: Candy Welz

 


Neue Weihnachtsgeschichte im Puppentheater Gera

Ox und Esel Puppentheater Gera

Auch in diesem Jahr präsentiert das Theater Altenburg Gera wieder ein neues Puppenspiel zur Weihnachtszeit: „Ox und Esel“ ist nach der Premiere am Samstag, 30. November um 16.00 Uhr im Puppentheater Gera am Hustav-Hennig-Platz dort zu sehen am Sa. 07.12.2019, 15:00 Uhr / So. 08.12.2019, 15:00 Uhr / Mi. 25.12.2019, 10:00 Uhr / Do. 26.12.2019, 10:00 Uhr.

Die Erzählung von Norbert Ebel für Kinder ab 5 Jahren und auch für Erwachsene wirft einen frischen, humorvollen Blick auf die Ursprünge der Weihnachtsgeschichte. In einer Art Krippenspiel werden nicht Maria und Joseph, sondern zwei Tiere im Stall zu Eltern. Ein Ochse, genannt Ox, und ein Esel lernen Herausforderungen zu meistern und Verantwortung zu übernehmen. Schließlich ist es ja unwichtig, wer das Kind großzieht, solange es Liebe und Geborgenheit erfährt. Regie führt dabei Karin Eppler. Bühnenbild und Puppen gestaltet Udo Schneeweiß. Als Puppenspielerinnen sind Marcella von Jan und Lys Schubert zu erleben.

Es ist Winter in Bethlehem und eisigkalt. Wie gemütlich ist es hingegen in dem wohlig warmen Stall, den Ox und Esel gemeinsam bewohnen. Doch die traute Zweisamkeit wird jäh unterbrochen, als Ox in seiner Futtergrippe ein wimmerndes Bündel findet – ein kleines Menschkind und das mitten in seinem köstlichen Heu! Während Ox überlegt, wie man das plärrende Baby so schnell wie möglich loswerden könnte, hat Esel Mitleid und beginnt, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um das Kleine zu kümmern. Beiläufig erzählt er Ox die Weihnachtsgeschichte, wobei ihn sein Erinnerungsvermögen ab und an trügt. Schnell wird aus dem Messias ein Matthias und aus der Maria eine Mechthild. Als es plötzlich an der Stalltür klopft, werden Esel und Ox selbst zum Teil der Geschichte. Denn jetzt müssen sie das Kind vor den Soldaten des Herrn Rodes (oder wie auch immer der hieß) beschützen. Und schnell zeigt sich, dass auch dem störrischen Ochsen das kleine Findelkind ans Herz gewachsen ist.

Anmeldung für Kindergruppen zu den Vormittagsvorstellungen (3./4./5./6./10./11./12. Dezember) über Tel. 0365 8279102, Mail tatjana.schmidt@theater-altenburg-gera.de

Zeichnung: Udo Schneeweiß


Der glattrasierte Weihnachtsmann

Ab 5. Dezember im Theater Gera
Der glattrasierte Weihnachtsmann Gera

Das turbulente wie humorvolle Theaterstück „Der glattrasierte Weihnachtsmann“ für Kinder ab 6 Jahren hat bereits im letzten Jahr das Publikum in Altenburg begeistert und ist nun ab dem 5. Dezember auch am Theater in Gera zu erleben. Vorstellungen für Familien finden am 15. Dezember um 11.00 Uhr sowie am 26. Dezember um 16.00 Uhr und 18.00 Uhr statt.

Die abenteuerliche Geschichte mit bekannten und neuen Liedern von Gerhard Schöne füllt die Zeit des Wartens auf Weihnachten mit viel Witz. Der Liedermacher Gerhard Schöne (*1952) hat mit seinen Texten und Melodien Generationen geprägt. Nicht nur Kinderlieder wie „Kinderland“, „Gab ihr Küsschen Nummer eins“ und „Der Popel“ stimmen nach wie vor Menschen fröhlich, auch seine Programme für Erwachsene spenden Hoffnung und Mut.

Kurz vor Heiligabend erhält der Weihnachtsmann eine Einladung, ein wenig Urlaub in der Südsee zu machen. Da er ohnehin zu alt und zu müde ist, beschließt er kurzerhand, Frost und Eis ade zu sagen und in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Seinen Bart rasiert er ab, um ihn seinem Nachfolger zu überlassen, denn die Geschäfte soll der jüngere Bruder übernehmen. Ungünstigerweise ist dieser aber hauptberuflich Räuber und lebt versteckt im Räuberwald. Wie soll die Postbotin Heidrun Höflich ihm also überhaupt die Nachricht zustellen, dass der Räuber nun die Aufgaben des Weihnachtsmanns übernehmen müsse? Als sich die beiden schließlich finden, stehen sie sogleich vor den nächsten Herausforderungen: Wie kann der Räuber seine neue Stelle antreten, wenn ihn doch die Polizei verfolgt? Und wie kommt man überhaupt nach Weihnachtshausen? Zum Glück treffen die beiden Alfons von der Eisenbahn, der einen Rat weiß. Mit heiterer Musik im Gepäck und der Polizei im Nacken bestreitet das ungleiche Trio tapfer seinen Weg und versucht, das Weihnachtsfest doch noch zu retten.

In der Regie von Robert Arnold und im Bühnenbild und den Kostümen von Jörg Zysik spielen: Bruno Beeke (Weihnachtsmann/ Väter), Thomas C. Zinke (Räuber), Ines Buchmann (Heidrun Höflich), Maximilian Popp ( Alfons/ Polizist), Mechthild Scrobanita (Lorietta/ Postangestellte/ Mütter), Thorsten Dara (Polizist/ Kind) und Sebastian Schlicht (Wichtel/ Polizist/ Kind).

Das Weihnachtsmärchen wird durch die Ewa Energie- u. Wasserversorgung Altenburg GmbH und die Vereinigung der Theaterfreunde für Altenburg und Umkreis e. V. unterstützt.

Anmeldung für Schulklassen zu den Vormittagsvorstellungen (5./6./9./10./11./12./13./16./17./18./19. Dezember) über 

tatjana.schmidt@theater-altenburg-gera.de

Infos und Karten in den Theaterkassen, telefonisch unter 0365 8279105 (Gera) bzw. 03447 585160 (Altenburg). Fragen Sie nach der günstigen Familienkarte!

Online unter www.theater-altenburg-gera.de sowie an allen eventim-Vorverkaufsstellen

Foto: Ronny Ristok


Musikalische Märchensatire

DNT Weimar und Theater Erfurt bringen Paul Dessaus Oper "Lanzelot" auf die Bühne
DNT Weimar Paul Dessau Lanzelot Peter Konwitschny

Mit einer Neuinszenierung der seit 1972 nicht mehr aufgeführten Oper „Lanzelot“ von Paul Dessau wagen das DNT Weimar und das Theater Erfurt eine der bedeutendsten und aufregendsten Wiederentdeckungen für das Musiktheater der Gegenwart. Das Werk basiert auf der in den 40-er Jahren entstandenen Märchenkomödie „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz, die sich als vielschichtige Parabel auf totalitäre Herrschaften und ausbeuterische Systeme und den Kampf um Befreiung von Unterdrückung lesen lässt: Den Ritter Lanzelot verschlägt es in eine Stadt, die seit Jahrtausenden von einem diktatorischen Drachen beherrscht wird. Die Menschen haben sich mit ihm einträglich arrangiert und entrichten für ihr bequemes, angepasstes Leben bereitwillig jährlich einen Tribut: die schönste Jungfrau der Stadt. Dieses Mal soll es Elsa treffen. Lanzelot, der sich in sie verliebt hat, beschließt der Tyrannei ein Ende zu setzen. Gegen den Willen der Stadtoberen und der Bevölkerung, die keinerlei Interesse an einer Änderung der Verhältnisse zeigen, nimmt er den Kampf gegen die Bestie auf und siegt. Doch die neu gewonnene Freiheit währt nur kurz. In dem entstandenen Machtvakuum schwingt sich die zweite Riege der Herrschenden zum Nachfolger des Drachens auf – bis Lanzelot schließlich zurückkehrt, um sein Werk der Befreiung zu vollenden. Von Heiner Müller Ende der 60-er Jahre im Libretto zur vielschichtigen und tiefsinnigen Märchensatire zugespitzt, für die Dessau eine sehr situative, humorvolle und zitatreiche Musik schuf, präsentiert sich der Stoff auch heute hochaktuell. Damit reiht sich die Inszenierung in den Diskurs um 30 Jahre Mauerfall ein, den das DNT Weimar für die Spielzeit 2019/2020 unter dem Motto „Blühende Landschaften“ als inhaltlichen Schwerpunkt aufgreift. Die Regie liegt in den bewährten Händen von Peter Konwitschny, der seit Jahrzehnten mit seinen Arbeiten international Maßstäbe setzt. Seine szenische Umsetzung entsteht in enger Zusammenarbeit mit Dominik Beykirch, dem Musikalischen Leiter der Produktion, und dem Ausstatter Helmut Brade.

Zum Foto: Regisseur Peter Konwitschny bei den Proben zu Paul Dessaus Oper „Lanzelot“, einer Koproduktion von DNT Weimar und Theater Erfurt. (Foto: Candy Welz)

Premiere: 23. November, 19.30 Uhr, Deutsches Nationaltheater Weimar, Großes Haus


Märchenpremiere im Theaterzelt Altenburg

Sonntag, 1. Dezember, 16 Uhr, Theaterzelt
Schneewittchen Märchentheater Altenburg

Alljährlich freut sich Groß und Klein auf die Märchenvorstellungen zur Weihnachtszeit im Theater. Weil in diesem Jahr wegen Sanierungsarbeiten das Altenburger Theater von der Innenstadt an den Waldrand umgezogen ist, entführt auch das Weihnachtsmärchen sein Publikum in den Wald. Die beliebte Geschichte „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ nach den Brüdern Grimm hat am Sonntag, 1. Dezember um 16.00 Uhr Premiere im Theaterzelt Altenburg. Das Theaterstück für Kinder ab 6 Jahren und auch für Erwachsene wird von Schauspieldirektor Manuel Kressin inszeniert. Phantasievolle Bühnenbilder und Kostüme von Mathias Rümmler verleihen dem Schauspiel eine märchenhafte Erscheinung und mit Liedern von Schauspielkapellmeister Olav Kröger wird es auch musikalisch erlebnisreich. Es spielen Nolundi Tschudi als Schneewittchen, Michaela Dazian als Königin, Markus Lingstädt als Eugen, und als sieben Zwerge geben Johannes Emmrich, Manuel Struffolino, Mario Radosin, Rebecca Halm, Christian Franke, Denis Saro und Thomas Erdinger Schneewittchen ein Dach über dem Kopf.

Eifersucht kann grausame Ausmaße annehmen. Doch wie soll man mit diesem Gefühl umgehen? Was ist eigentlich Schönheit und wer gibt das vor? Diese und weitere Fragen stellt die Inszenierung auf spielerische Weise und folgt dabei dem traditionellen Märchen:

Es war einmal ein wunderschönes Mädchen mit Haaren schwarz wie Ebenholz, Wangen weiß wie Schnee und Lippen rot wie Blut. Deshalb wurde es Schneewittchen genannt. Doch seine Schönheit brachte ihm auch Feinde. Als der Spiegel der Wahrheit Schneewittchens königlicher Stiefmutter sagt, nicht sie, sondern Schneewittchen sei die Schönste im ganzen Land, scheint das Schicksal des Mädchens besiegelt. Auf Befehlt der Königin soll Schneewittchen vom Jäger Eugen getötet werden. Doch der Mann bringt es nicht übers Herz, das Kind umzubringen und lässt es entfliehen. Nach langem Irren durch den Wald findet das Mädchen Zuflucht bei der Gemeinschaft der Zwerge. Dort hilft es den kleinen Kreaturen so gut es kann und fühlt sich bald wohl in seinem neuen Zuhause. Doch die vermeintliche Sicherheit trügt. Die böse Stiefmutter befragt erneut ihren Spiegel: „Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Und der Spiegel antwortet: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier. Aber Schneewittchen, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen, ist tausendmal schöner als Ihr.“ Nun nimmt sich die Königin selbst der Sache an…

Das Weihnachtsmärchen wird durch die Ewa Energie- u. Wasserversorgung Altenburg GmbH und die Vereinigung der Theaterfreunde für Altenburg und Umkreis e. V. unterstützt.

Weitere Familienvorstellungen: Sa. 14.12.2019, 16:00 Uhr / So. 15.12.2019, 16:00 Uhr / Mi. 25.12.2019, 16:00 Uhr

Anmeldung für Schulklassen zu den Vormittagsvorstellungen (3./4./5./10./11./16./17./18. Dezember) über Tel. 0365 8279102, Mail tatjana.schmidt@theater-altenburg-gera.de

Infos und Karten in den Theaterkassen, telefonisch unter 0365 8279105 (Gera) bzw. 03447 585160 (Altenburg). Fragen Sie nach der günstigen Familienkarte!

Online unter www.theater-altenburg-gera.de sowie an allen eventim-Vorverkaufsstellen

Foto: Ronny Ristok


Wendezeit aus dem Blickwinkel einer Komödie

„Hilfe, die Mauer fällt!“ am Theater Rudolstadt / Uraufführung
Hilfe, die Mauer fällt! Theater Rudolstadt

Rudolstadt/Saalfeld. Euphorie und Aufbruchsstimmung durchwehen Herbst 1989 Ost- wie Westdeutschland. Die Mehrheit der Menschen lässt sich vom allgemeinen Freudentaumel anstecken, ganz und gar nicht jedoch Konrad Polauke. Den geschäftstüchtigen Protagonisten in „Hilfe, die Mauer fällt!“ versetzen die Wendeereignisse, vor allem der Flüchtlingsstrom aus der DDR, eher in Panik ... Am 16. November feiert die Komödie von Karsten Laske und Steffen Mensching (Mitarbeit Michael Kliefert) anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Mauerfall am Theater Rudolstadt ihre Uraufführung. 

Konrad Polauke ist Blumenhändler Berlin-Steglitz. Seit Jahren reist er regelmäßig nach Ost-Berlin, weniger um Mokkafix-Kaffee zu schlürfen und Goldbroiler zu zerrupfen, mehr wegen der geschäftlichen und geschlechtlichen Beziehungen, die er dort unterhält bzw. die ihn dort unterhalten. Als im Sommer 1989 tausende DDR-Bürger über die ungarisch-österreichische Grenze die Flocke machen oder über Prager Botschaftszäune klettern, spürt der Florist Gefahr im Verzug. Soll sein florierendes Geschäftsmodell durch die Ausreisewelle und die Massenproteste nicht den Bach runter gehen, muss er handeln. Polauke fährt in die Hauptstadt der DDR mit der festen Absicht einiges im Nachbarland geradezurücken. Doch die Ereignisse überstürzen sich. Plötzlich ist für den Geschäftsmann nichts mehr wie früher, privat als auch politisch. Doch Polauke ist viel zu gewieft, um sich die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Mit abenteuerlichen Ideen und gefährlichen Allianzen will er selbst in den Lauf der Geschichte eingreifen! Ob ihm das gelingt?

Die Autoren Karsten Laske, Intendant Steffen Mensching und Chefdramaturg Michael Kliefert waren zu der Wendezeit allesamt Ost-Berliner und bei den Ereignissen hautnah dabei. Steffen Mensching trat sogar mit seinem Kollegen Hans-Eckardt Wenzel bei der legendären Großdemonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 auf. 30 Jahre später wagen sie sich diese drei nun an ein heißes Eisen: Die Wende als politisch-satirische Komödie. Im Kino gab es derlei Versuche bereits mehrere, im Theater waren sie eher selten. „Hilfe, die Mauer fäll!“ wirft nun einen humorvollen wie nachdenklichen Blick zurück, mit teils überraschenden Details, die das Ausmaß der Veränderungen seit jenen Jahren zeigen. Zugleich spart die Komödie nicht mit Parallelen zum Heute. Immer sind Ängste und Besitzansprüche im Spiel, wenn Menschen versuchen, Einfluss auf den Gang der Geschichte zu nehmen. Gleichzeitig zeigt das Stück, dass der innerdeutsche Zwist über den Verlauf des Einigungsprozesses frühe Ursachen hat.

Mit Markus Seidensticker in der Hauptrolle steht ein zehnköpfiges Schauspielensemble teils in mehreren Rollen auf der Bühne. Zu erleben sind Verena Blankenburg, Rayk Gaida, Philipp Haase (neu im Ensemble), Manuela Stüßer, Marcus Ostberg, Anne Kies, Johannes Arpe, Johannes Geißer und Laura Bettinger. Das Bühnenbild und die Kostüme schuf Monika Cleres, Ausstattungsleiterin des Rudolstädter Theaters und zuvor freiberuflich etwa am Schauspielhaus Hamburg und am Münchner Volkstheater tätig. Die musikalische Einstudierung der zahlreichen Lieder oblag Schauspielkapellmeister Thomas Voigt. 

8. Dezember, 15 Uhr // 21. und 31. Dezember, jeweils 19.30 Uhr

Karten: im Theater im Stadthaus an den üblichen Vorverkaufsstellen, Tel. 03672 422766 sowie online auf www.theater-rudolstadt.de

Foto: Anke Neugebauer


Opernpremiere „Ein Maskenball“ in Gera

Theater Gera Ein Maskenball

Giuseppe Verdis große italienische Oper „Ein Maskenball“ (Un ballo in maschera) fasziniert das Publikum bis heute mit scharfen Kontrasten in Handlung und Musik. Darin steht eine tragische Liebesbeziehung im Gegensatz zur strahlenden Atmosphäre am Hofe. Nun feiert die neue Inszenierung von Regisseur Jörg Behr am Freitag, 29. November 2019 um 19.30 Uhr im Theater Gera Premiere. Die Musikalische Leitung hat GMD Laurent Wagner. Bühne und Kostüme gestaltet Anna Brandstätter.

Im Mittelpunkt von Giuseppe Verdis Oper, die 1859 in Rom uraufgeführt wurde, steht eine Liebesbeziehung, die den Keim des Verhängnisses bereits in sich trägt. Der Liebe zwischen Riccardo und Amelia steht nicht nur die gültige Moral, sondern auch die Freundschaft zwischen Riccardo und Renato entgegen. Auch die durch Ulrika verkörperten okkulten Mächte bringen keine Erlösung. - Bei der morgendlichen Audienz erhalt Graf Riccardo von Oscar die Gästeliste des Maskenballs. Auf dieser findet sich auch Amelia. Mit der Gattin Renatos unterhält Riccardo eine heimliche Liebesbeziehung. Renato, eigentlich Riccardos Freund, der nichts von der Liaison ahnt, warnt diesen vor einer politisch motivierten Verschwörung. Als man dem Grafen ein Verbannungsurteil gegen die Wahrsagerin Ulrica zur Unterschrift vorlegt, beschließt Riccardo, sie zunächst heimlich aufzusuchen. Er möchte sie nach seinem Schicksal befragen.

In den Rollen spielen und singen Isaac Lee als Riccardo,  Alejandro Lárraga Schleske als Renato, Anne Preuß als Amelia, Eva-Maria Wurlitzer als Ulrica, Miriam Zubieta als Oscar, Johannes Beck als Silvano, Kai Wefer als Samuel, Ulrich Burdack als Tom sowie Florian Neubauer und alternierend Timo Rößner als Richter und Diener.

Zur Matinee am Sonntag, 24. November um 11.00 Uhr im Großen Haus des Geraer Theaters gibt Chefdramaturg Felix Eckerle zusammen mit dem Inszenierungsteam und SängerInnen Einblicke in die Szenische und musikalische Umsetzung. Der Eintritt dazu ist frei.

Foto: Ronny Ristok

Weitere Vorstellungen im Theater Gera: So. 01.12.2019, 14.30 Uhr / Fr. 27.12.2019, 19.30 Uhr / So. 15.03.2020, 14.30 Uhr

Infos und Karten in den Theaterkassen, telefonisch unter 0365 8279105 (Gera) bzw. 03447 585160 (Altenburg), online unter www.theater-altenburg-gera.de sowie an allen eventim-Vorverkaufsstellen.


Brisante Schauspiel-Premiere „Furor“ in Gera

Sonntag, 24. November, 18 Uhr, Bühne am Park Gera
Schauspiel Furor Gera

Das Theater Altenburg Gera bringt eine neue Inszenierung des Schauspiels „Furor“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz am Sonntag, 24. November um 18.00 Uhr in der Bühne am Park Gera zur Premiere. Als Auftragswerk, geschrieben von zwei der meistgespielten Dramatikern der Gegenwart, hatte das Stück im November 2018 seine vielbeachtete Uraufführung am Schauspiel Frankfurt. In „Furor“treffen zwei unterschiedliche Gesellschaftsschichten aufeinander: Die Politik sucht die Begegnung mit dem Arbeitermilieu. Dabei stoßen die Gesprächspartner immer wieder auf gegenseitiges Misstrauen, Unverständnis und Vorurteile. Das Schauspielstellt die Frage nach den demokratischen Werten und Diskussionsformen in einer Gesellschaft, die von Vokabeln wie „Lügenpresse“ und „Hate Speech“ geprägt ist und bei der die öffentliche Meinung durch die anonyme Masse im Internet produziert wird.

Regie führt Alexander Flache und für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Petra Linsel verantwortlich. In den Rollen spielen Mechthild Scrobanita als Nele Siebold, Thorsten Dara als Heiko Braubach und Adrien Papritz als Jerome.

Zweieinhalb Wochen nachdem der Oberbürgermeisterkandidat Heiko Braubach den siebzehnjährigen Enno angefahren hat, besucht er dessen Mutter Nele Siebold. Der Junge liegt noch immer mit mehrfachen Brüchen im Krankenhaus. Viel zu spät kommt daher für die Mutter der Besuch des Politikers und die damit verbundene Entschuldigung. Doch die Situation ist nicht einfach. Enno hatte Drogenprobleme und ist immer wieder bei der Polizei auffällig geworden. Entsprechend stellen die Medien den Fall des abtrünnigen, kleinkriminellen Jugendlichen dar. Frau Siebold fühlt sich in ihrer Sorge um ihren Sohn von Medien und Politik allein gelassen. HerrBraubach versucht zu vermitteln und bietet seine Hilfe an. Doch als Jerome auftaucht, nimmt die Situation eine ungeahnte Wendung. Frau Siebolds Neffe ist nämlich überzeugt, einige brisante Details herausgefunden zu haben, die das Bild von Braubachs Unschuld am Unfall erschüttern.

Am Sonntag, 24. November um 17.00 Uhr – also direkt vor der Premiere – findet ein Autorengespräch mit Lutz Hübner und Sarah Nemitz in der Bühne am Park Gera statt. Es wird moderiert von der Dramaturgin Jannike Schulte.

Foto: Ronny Ristok

Weitere Termine: Di. 26.11.2019, 19:30 Uhr / Do. 28.11.2019, 18:00 Uhr / Fr. 29.11.2019, 10:30 Uhr / Sa. 07.12.2019, 19:30 Uhr

Infos und Karten in den Theaterkassen, telefonisch unter 0365 8279105 (Gera) bzw. 03447 585160 (Altenburg), online unter www.theater-altenburg-gera.de sowie an allen eventim-Vorverkaufsstellen.


Individuum versus Gemeinschaft

Tanztheater „Face Me – Le Sacre du printemps” von Ester Ambrosino am DNT Weimar
Face me Tanztheater DNT Weimar

Welche Möglichkeiten nutzt der Mensch im digitalen Raum? Handelt er als selbstbestimmter Gestalter oder tritt er als manipuliertes Geschöpf in Erscheinung? Welche Grenzen setzt hingegen das Korsett einer archaischen, ritualisierten Gesellschaft? Ausgehend von diesen Fragen beleuchtet Choreografin Ester Ambrosino in ihrem zweiteiligen Tanztheaterabend die Handlungsspielräume des Individuums unter verschiedenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. In „Face Me“ verbindet sich die elektronisch-orchestrale Musik Michael Krauses mit Videomapping von Dirk Rauscher zu einer Bild- und Klanglandschaft, in deren Sog eine Person gerät. Wie viel ist diese bereit zu opfern, um an der medial generierten Realität teilhaben zu können?

Demgegenüber steht das rituelle Opfer in Igor Strawinskys Ballett „Le Sacre du printemps“, das Ester Ambrosino im zweiten Teil mit großem Ensemble inszeniert: Ein junges Mädchen wird für einen heidnischen Kult ausgewählt und muss sich zu Tode tanzen, um den Gott des Frühlings gnädig zu stimmen. Mit dicht verwobener Motivik und packenden Rhythmen entwickelt die Musik eine beeindruckende, berauschende Kraft, die bei der Uraufführung 1913 alle ästhetischen Sichtweisen sprengte und auch heute noch durch ihre unmittelbare Wucht fesselt. Teilen die Staatskapelle Weimar unter der Leitung von Olaf Storbeck.

Der Abend ist die zweite Produktion im Rahmen des Projekts TanzWert, mit dem das Tanztheater Erfurt, das DNT Weimar und das Theater Erfurt erstmals in Thüringen ein stabiles Netzwerk zwischen einer freien Tanzcompany und zwei strukturell fest verankerten Institutionen etablieren. Die Kooperation wird vom Freistaat Thüringen kofinanziert und durch den Fonds TANZPAKT Stadt-Land-Bund aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Sa 14.12.2019 19.30 Uhr // Fr 17.01.2020 19.30 Uhr

www.nationaltheater-weimar.de

Foto: Dirk Rauscher


Jena: Ein Schaf fürs Leben

Theaterhaus Jena Ein Schaf fürs Leben

Das Theaterhaus Jena präsentiert ab dem 6. Dezember, pünktlich zum Nikolaustag, als neues Kinder- und Familienstück für alle ab 5 »Ein Schaf für's Leben« nach dem Kinderbuch von Maritgen Matter in einer Fassung von Kerstin Lenhart.

Treffen sich ein Schaf und ein hungriger Wolf – was normalerweise bereits das Ende der Geschichte ist, stellt sich in »Ein Schaf für's Leben« als Anfang heraus. Denn das Schaf (das nicht weiß, dass es Wolfsfutter sein soll) begegnet dem Wolf mit großer Freundlichkeit und stürzt ihn so in eine tiefe Identitätskrise. Um das Schaf in Ruhe fressen zu können, lockt er es mit dem Versprechen auf »unvergessliche Erfahrungen« aus dem Stall. »Erfahrungen ... Ist das sehr weit weg?«, fragte das Schaf. »Es ist näher, als Sie denken«, sagt der Wolf, während er seine Krallen betrachtet.
Und so ziehen die zwei hinaus in die winterliche Nacht. Bei Schlittenfahrt und Seilspringen wachsen sie über sich hinaus und erleben am Ende den Beginn einer seltsamen, einzigartigen Freundschaft.

Das Schaf wird gespielt von Dominik Puhl und der Wolf von Tina Keserovic, außerdem gibt es einen musizierenden Tannenbaum (Levi Raphael). Regie führt die Kinder- und Jugendtheater-Expertin Kerstin Lenhart. Die Spieltermine finden Sie im Internet unter

https://www.theaterhaus-jena.de/ein-schaf-fürs-leben.html

Karten für dieses anührende, humorvolle, spannende und musikalische Kinder- und Familientheater gibt es in der Tourist-Information Jena. Reservierungen nimmt das Theaterhaus über tickets@theaterhaus-jena.de oder 03641/886944 entgegen.


Familienbande in Umbruchszeiten

Theateradaption von Birk Meinhardts Roman »Brüder und Schwestern« im e-werk weimar
DNT Weimar Brüder und Schwestern

Im unmittelbaren Zusammenhang zum Spielzeitmotto „Blühende Landschaften“, mit dem sich das DNT anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Mauerfall schwerpunktmäßig der deutsch-deutschen Geschichte seit 1989 widmet, steht auch der Theaterabend „Brüder und Schwestern“ nach dem Roman von Birk Meinhardt. Beginnend im Jahr 1973 im thüringischen Gerberstedt spannt die Erzählung über die Familie Werchow den Bogen bis ins neue Jahrtausend und spiegelt in den Biografien der Protagonist*innen große und kleine Ereignisse dieser Epoche. Sie erleben den Untergang 'ihres' Landes und müssen nun ihren Platz finden im neuen, größeren und lange sehr fremden Staatsgefüge, das sich 'vereintes Deutschland' nennt. In einem spielerischen und gedanklichen Experiment, das Theater, Musik und bildende Kunst live verknüpft, greift die Inszenierung von Hasko Weber schlaglichtartig ihre Geschichten auf. Diesen nähern sich die Mitwirkenden zugleich aus dem Blickwinkel ihrer ganz eigenen Erfahrungen des politischen Umbruchs in der DDR und der Ankunft im bundesrepublikanischen Alltag. Dabei werden musikalische Interventionen des Komponisten Sven Helbig ebenso ins direkte Verhältnis zum Spiel der Akteur*innen gesetzt wie ein großes Wandgemälde, das der Maler Dieter M. Weidenbach über den Verlauf der geplanten Vorstellungen als historische Zeitschneise kreieren wird. Ein in der Gesamtheit für das Ensemble und Theater außergewöhnliches Vorhaben, das an diesen besonderen historischen Moment im Herbst 1989 erinnert, der eine politische Veränderung des gesamten Weltgefüges nach sich zog und an dessen Beginn zumindest einen Augenblick lang alles auf Anfang zu stehen schien.

Foto: Candy Welz

Mi 27.11. 20.00 Uhr // So 15.12. 20.00 Uhr// So 12.01. 18.00 Uhr


Leben ist immer lebensgefährlich

Sirenengesänge von Erich Kästner im Schminkkasten Rudolstadt: Mi 25. Dezember, 20:00 Uhr
Schminkkasten Rudolstadt

Eigentlich wollte Erich Kästner nur ein bisschen berühmt werden. Das gelang ihm nicht, denn er wurde weltberühmt. Rund um den Globus verzauberte er schon zu Lebzeiten mit seinen Kinderbüchernein Millionenpublikum. Auch zahlreiche andere Schriften – Romane, Gedichte, Kabarettexte und mehr – trafen über viele Jahrzehnte den Nerv seiner Leserschaft. Diesen Kästner für Erwachsene, einen,der voller Humor und Pessimismus zugleichsteckt, gilt es am Theater Rudolstadt ab dem 7. September bei „Leben ist immer Lebensgefährlich“ im Schminkkasten wiederzuentdecken.

Während seine Kinderbücher stets von einer heilen Welt erzählen, sah Erich Kästner (1899–1974)hingegenin den anderen Texten mit sensibler Beobachtungsgabe illusionslos auf die Missstände seiner Zeit. Er richtete den Blick weniger nach innen als in die Welt. Die Helden seiner eleganten und eingängigen Verse sind die kleinen Leute, die im Straßencafé zu lange vor einer Tasse Kaffee sitzen, die Nachbarn im Mietshaus, die Begleiter im städtischen Nahverkehr. Über sie schrieb er, von ihnen wurde er gelesen.Aufrichtigkeit des Empfindens, Klarheit des Denkens und Einfachheit in Wort und Satz waren Kästners oberstes Gebot, wie er selbst formulierte.1931 stand Kästner im Zenit seines Schaffens. 1933 wurden seine Bücher von den Nationalsozialisten mit dem Vorwurf der Sittenlosigkeit und Dekadenz verbrannt. Trotz der Schreib- und Publizierverbote blieb er in Deutschland, wahrscheinlich aus Liebe und Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Mutter, der für ihn bis zu deren Tod wichtigsten Person seines Lebens. Ihr wollte er gefallen, und gefiel damit Generationen von Erwachsenen und Kindern. - Das Künstlerduo Alexander Stillmark (Regie) und Volker Pfüller (Ausstattung) hat in den vergangenen Schminkkasten-Abenden zu Wilhelm Busch, Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz bereits sein Gespür für den Humor deutscher Wortakrobaten unter Beweis gestellt. Diesmal sind es die anziehenden und warnenden Sirenengesänge von Erich Kästner – ironische und bissige Gedichte, Lieder und Prosa –, die sie für das Publikum auf ihre eigene Weise wiederentdecken. Dargeboten werden sie von drei Sirenen des Rudolstädter Theaters, den Schauspielerinnen Verena Blankenburg, Anne Kies und Ute Schmidt sowie von Schauspielkapellmeister Thomas Voigt am Klavier.

Karten an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 

Foto: Anke Neugebauer


Wir sind auch nur ein Volk

Komödie von Jurek Becker im Vogtlandtheater Plauen

Zum Jubiläum 30 Jahre Friedliche Revolution bringt das Schauspiel die Komödie Wir sind auch nur ein Volk nach den gleichnamigen Drehbüchern von Jurek Becker auf die Bühne des Vogtlandtheaters in Plauen. Regie führt Jan Jochymski, Bühnen- und Kostümbild gestaltet Ausstattungsleiterin Thurid Goertz. Jurek Becker schrieb 1994 mit Wir sind auch nur ein Volk die Fernsehserie zur Wiedervereinigung, welche noch im gleichen Jahr mit Manfred Krug verfilmt wurde. Mit scharfsinnigem Humor schaut der Autor dabei auf die Ost-West-Entfremdung, zeichnet Klischees und Vorurteile und entwirft ein herrlich ironisches Bild einer Zeit des deutsch- deutschen Kennenlernens. In der Handlung des Stückes beschließen die Sendeanstalten eine Serie über die Wiedervereinigung zu produzieren. Eine typisch ostdeutsche Familie soll gezeigt werden, mit all ihren Sorgen und Freuden. Anton Steinheim wird als Autor verpflichtet. Dumm nur, dass er noch nie Kontakt zu Bewohnern der neuen Bundesländer hatte. Eine Ostfamilie als Studienobjekt muss also her und mit den Grimms landet man dabei einen Volltreffer. Die Familie um den arbeitslosen Dispatcher Benno braucht zudem das Geld. Dieses fließt aber nur, wenn sie dem Autor auch stetig Material liefern. Und was macht man, wenn man aus seinem normalen bis langweiligen Leben nichts zu erzählen hat? Man erfindet sich einfach selbst eine DDR-Realität, die alle Klischees zu bedienen weiß ...

24. November, 18 Uhr // 25. November, 10 Uhr // 7. Dezember, 15 Uhr // 21. Dezember, 19.30 Uhr


Von der versöhnenden Kraft des Tanzes

»Zorbas / Balkanfeuer« im Westbad Leipzig / Inszenierung der Musikalischen Komödie Leipzig
Zorbas Ballettabend Leipzig Mirko Mahr

Mirko Mahr, Ballettdirektor der Musikalischen Komödie, bringt im Westbad einen tänzerischen Doppelabend mit Musik von Sirtaki bis hin zu den feurigen Klängen des Balkans auf die Bühne.

Es ist wohl eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte:  Zwei Männer, barfuß am Strand den Sirtaki tanzend, das Leben zelebrierend. Im Moment des größten Scheiterns erfahren sie eine Kraft, die sie mit allem versöhnt: den Tanz. Wie kaum eine andere Figur steht Alexis Zorbas in der oscarprämierten Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nikos Kazantzakis für den Lebenskünstler schlechthin – Instinktmensch und Freigeist. Ihm steht der verkopfte Schriftsteller gegenüber, von Selbstzweifeln geplagt, bereit sich in die tätige Arbeit zu stürzen. Vom Schicksal zusammengeführt, lassen sie sich auf Kreta nieder, wo ihnen archaische Dorfstrukturen, Ausgrenzung und Hass, aber auch Liebe und Leidenschaft begegnen. Komponist Mikis Theodorakis schuf mit seiner Filmmusik und den eigens für Hauptdarsteller Anthony Quinn erfundenen Sirtaki Klänge, die bis heute mit Griechenland und dem griechischen Lebensgefühl verbunden werden. Zwanzig Jahre nach Entstehung des Films formte Theodorakis daraus eine Ballett-Suite, die Mirko Mahr in einer gekürzten Fassung zum Ausgangspunkt seiner Choreografie nimmt. Auszüge aus der Romanvorlage liest Frank Schilcher, Sabine Töpfer singt aus der Ballett-Suite zwei Solonummern voll griechischer Melancholie. Den Abend komplettiert die Wiederaufnahme von »Balkanfeuer«. Die irrwitzige Balkanhochzeit voll Liebeschaos und Verwechslungskomik mit Balkan-Blasmusik von Fanfare Ciorcarlia und Shantel feierte 2007 im Kellertheater des Opernhauses Premiere.

Der Doppelabend »Zorbas / Balkanfeuer« ist seit »Alice im Wunderland« aus der Spielzeit 2017/18 die erste abendfüllende Neuproduktion des Balletts der Musikalischen Komödie unter der Leitung von Mirko Mahr.

Spiel mir eine alte Meldodie - »Zorbas«, Musik von Mikis Theodorakis, Balletsuite in 23 Szenen, »Balkanfeuer«, Musik von Fanfare Ciorcărlia und Shantel (vom Band) - 2-teiliger Ballettabend von Mirko Mahr

05., 06., 28., & 29. März / 29. & 30. April 2020

Foto: Ida Zenna


Faust in ursprünglicher Gestalt

Neuinszenierung von Goethes „Urfaust“ im Deutschen Nationaltheater Weimar
Urfaust DNT Weimar

Der „Faust“ ist Goethes Lebenswerk: gut 60 Jahre widmet er sich ihm - von frühen Skizzen bis zur Vollendung des zweiten Teils der Tragödie wenige Monate vor seinem Tod. Bereits 1775 bei der Ankunft des jungen Dichters in Weimar lag ein erster Entwurf vor, der als „Urfaust“ oder „Faust in ursprünglicher Gestalt“ von der Nachwelt als eigenständiges Werk anerkannt wurde. Anhand dieses Textes untersucht Regisseur Tobias Wellemeyer den für das DNT Weimar unverzichtbaren Stoff neu und stellt sich damit erstmals dem Weimarer Publikum vor. Heinrich Faust ist auch hier der gequälte Wissenschaftler, der trotz aller irdischer Gelehrtheit nicht erfassen kann, »was die Welt im Innersten zusammenhält«. In seiner Verzweiflung beschwört er den Erdgeist, um die Schranken seines Verstandes durch die Gefühlskraft des Herzens zu durchbrechen. Doch Faust muss die Begrenztheit menschlichen Verstehens erkennen. Rastlos wirft sich der junge Intellektuelle in die Welt hinein. In der jungen Margarethe glaubt er naturnahe Reinheit zu entdecken und verfällt dem Mädchen. Mephisto begleitet Faust, ist Strippenzieher und Kuppler. Doch es geht Faust bis zum Ende auch in der Liebe nur um die Überwindung seines Selbsts. Gretchen zerbricht letztlich daran, sie tötet das gemeinsame Kind und landet dafür im Kerker.

Ohne die Wette zwischen Gott und Teufel und dem Pakt zwischen Faust und Mephisto steht im „Urfaust“ die tragische Liebesgeschichte von Faust und Gretchen im Mittelpunkt des Stücks. So ist dieses Schauspiel weniger das Menschheitsdrama zwischen Himmel und Hölle, als welches die vollständige Tragödie bis heute gilt. Vielmehr liest sich der Text als Kommentar auf eine scheinbar aufgeklärte Gesellschaft, die eine verzweifeltes Mädchen als Kindsmörderin zum Tode verurteilt.

Vorstellungen: So 24.11.2019, 16.00 Uhr // Sa 07.12.2019, 19.30 Uhr // Fr 27.12.2019, 19.30 Uhr // Do 16.01.2020, 19.30 Uhr // Sa 08.02.2020, 19.30 Uhr //So 12.04.2020, 18.00 Uhr // So 19.04.2020, 19.30 Uhr // Sa 23.05.2020 // 19.30 Uhr

Foto: Candy Welz


Premiere der Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ in Altenburg

Fr 22. November und Sa 21. Dezember, 19.30 Uhr, Theaterzelt
Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel

Theresia Walsers (*1967) bitterböse Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ hat in der Inszenierung von Holk Freytag am Sonntag, 17. November um 18.00 Uhr Premiere im Theaterzelt Altenburg. Die Autorin ist eine der bekanntesten zeitgenössischen Dramatikerinnen und entfaltet in diesem Schauspiel die grotesken Weltanschauungen der unmenschlichen, einst machtvollen Diven mit vielen realen Bezügen. Bühnen- und Kostümbilder dazu entwarf Kristopher Kempf und Schauspielkapellmeister Olav Kröger begleitet die Vorstellungen live am Cembalo. In den Rollen spielen Mechthild Scrobanita als Frau Margot, Sabine Schramm als Frau Imelda, Alexandra Sagurna als Frau Leïla und Sebastian Schlicht als Gottfried.

Drei Gattinnen ehemaliger Diktatoren begegnen sich auf einer Pressekonferenz. Anlass ist die geplante Verfilmung ihrer Biografien. Eine Ähnlichkeit mit historischen Persönlichkeiten wie Margot Honecker, Imelda Marcos und Leïla Ben Ali ist dabei weder zufällig noch unbeabsichtigt. Die Damen lassen sich ihren politischen und finanziellen Hochstatus gern anmerken, fast so, als wären ihre Männer noch im Amt. Dabei sind bereits zwei Ehemänner unfriedlich verstorben und Frau Leïlas Mann steht aktuell „vor so einem grotesken holländischen Gericht“, das Anklage gegen ihn wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ erhoben hat. Vor Beginn der Konferenz plaudern und tratschen die Ladys über Partys bei Stalin, Gedichte von Mao, Schuhsammlungen und schusssichere BHs und erweisen dabei ihren Kolleginnen keinerlei Respekt. Dolmetscher Gottfried kommt ganz schön ins Schwitzen und versucht verzweifelt, durch geschickte Falschübersetzungen eine politische Katastrophe zu verhindern. Während beinahe beiläufig Themen wie Freiheit, Sehnsucht und Unterwerfung angesprochen werden, kommen immer mehr Monstrositäten zum Vorschein. Bald entwickelt sich ein fulminanter Schlagabtausch, der mehr Wahrheiten offenbart als Gottfried und den Zuschauern lieb ist.

Der Regisseur Holk Freitag inszenierte am Theater Altenburg Gera bereits das Figurentheater „Seide“. Geboren in Tübingen und aufgewachsen in Köln und Moers, studierte Holk Freytag an der Universität zu Köln Theater- und Musikwissenschaften. Von 1969 bis 1977 war er neben seiner Arbeit als Regisseur auch als Lehrbeauftragter für Medienpädagogik an der Gesamthochschule Düsseldorf tätig. 1975 gründete und leitete er das Schlosstheater Moers als Intendant. Parallel dazu arbeitete er zudem als Regisseur und Chefdramaturg in Hildesheim. 1988 wurde Holk Freytag Intendant in Wuppertal, 1996 am Schillertheater in Nordrhein-Westfalen. Von 2001 bis 2009 leitete er das Staatsschauspiel Dresden und wechselte 2010 zu den Bad Hersfelder Festspielen. Seit 2001 ist Holk Freytag Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein.

Foto: Ronny Ristok

Infos und Karten in den Theaterkassen, telefonisch unter 0365 8279105 (Gera) bzw. 03447 585160 (Altenburg), online unter www.theater-altenburg-gera.de sowie an allen eventim-Vorverkaufsstellen.


Spiegelbild einer Künstlerseele

DNT Weimar zeigt „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach: Do 26. Dezember, 18.00 Uhr

Verliebt sein ist so schön! Davon weiß auch Hoffmann ein Lied zu singen bzw. sogar drei verschiedene „Lieder“ - aber auch von den existenziellen Enttäuschungen, die auf die große Verliebtheit folgen. In Jacques Offenbachs Fantastischer Oper verliert sich der Dichter in großen Gefühlen und dunklen Trieben, mit denen er endlich bei der Frau anzukommen versucht, die all das mit ihm teilt. Drei Liebesgeschichten lässt er das Publikum miterleben: Die zu Olympia, bei der er zu spät bemerkt, dass sie keine Seele hat; die zu Antonia, mit der er vergeblich versucht in ein Spießeridyll zu fliehen, während sie von Ruhm und großen Auftritten träumt; und die zu Giulietta, der er in einem mysteriösen Bordell in Venedig begegnet und dort mit seinen Abgründen konfrontiert wird.

Christian Weise, der am Deutschen Nationaltheater Weimar bereits u.a. das Sommertheater „Reinecke Fuchs“, die Revue „Wie werde ich reich und glücklich“ und zuletzt „Macbeth“ inszeniert hat, stellt sich mit dieser Arbeit erstmals in Weimarauch als Opernregisseur vor. Seine bilderstarke, zum Surrealen neigende Sprache bildet zum Spielzeitauftakt 2019/2020 den Rahmen für eine skurrile Reise Hoffmanns durch sein überbordendes Seelenleben – begleitet von der genialen Musik Jaques Offenbachs unter der Leitung des 1. Kapellmeister Stefan Lano.

www.nationaltheater-weimar.de


Ballett „Forever Lennon“ in Gera und Altenburg

Ballett Forever Lennon

Balletturaufführungen, in denen sich das Thüringer Staatsballett dem Leben und Wirken bedeutender Künstlerpersönlichkeiten widmet, stellen immer wieder Höhepunkte im Schaffen der Compagnie dar. Silvana Schröders neues Ballett „Forever Lennon“ präsentiert die Leitideen John Lennons in der Kombination der einmaligen Ausdrucksform des Tanzes mit seiner unverwechselbaren Musik und seinen gesellschaftsrelevanten Friedensbotschaften.

Passende Livemusik liefert Johnny Silver, Gewinner des Deutschen Rock- und Pop-Preises 2017, mit seiner Band. Bühnenbilder und Kostüme hat Andreas Auerbach gestaltet. Chefchoreografin Silvana Schröder greift Themen auf, die John Lennon besonders bewegten: Jugend und Rebellion, Liebe, Freundschaft und Beziehungen, Ruhm und Selbstzweifel, Freiheit und den innigen Wunsch nach einer besseren, friedlicheren Welt. Wie kaum ein anderer Künstler verkörperte Lennon in all seiner Komplexität und Verwundbarkeit die Träume und Utopien einer ganzen vom Aufbruch beseelten Generation. Als intellektueller Provokateur wollte er mehr erreichen als Unterhaltungsmusik zu schaffen. John Lennon (1940-1980) war einer der einflussreichsten Popmusiker und Komponisten des 20. Jahrhunderts, der bis heute weltweit Menschen mit seiner Musik berührt. Der rebellische Beatle aus Liverpool schrieb gemeinsam mit seinem Bandkollegen Paul McCartney mitreißende Popsongs wie „She Loves You“, „Help!“ und „All You Need Is Love“ und löste mit der „Beatlemanie“ ein kulturelles Massenphänomen aus. 1970 zog er sich aus dem Rampenlicht zurück, lebte mit der Künstlerin Yoko Ono in New York zusammen und widmete sich aktiv der Friedensbewegung. 1980 wurde er vor seinem Haus am Central Park von einem ehemaligen Fan erschossen. Lennon hinterließ ein umfangreiches Solo-Werk, darunter den weltberühmten Titel „Imagine“.

Theaterzelt Altenburg: Do. 21.11.2019, 14:30 Uhr / Do. 19.12.2019, 19:30 Uhr / Fr. 27.12.2019, 19:30 Uhr

Infos und Karten in den Theaterkassen, telefonisch unter 0365 8279105 (Gera) bzw. 03447 585160 (Altenburg), online unter www.theater-altenburg-gera.de sowie an allen eventim-Vorverkaufsstellen.

Foto: Ronny Ristok


Vor Sonnenaufgang

Stück von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann im Theater Rudolstadt

Die Uraufführung von Gerhart Hauptmanns »Vor Sonnenaufgang« 1889 in Berlin war einer der großen Theaterskandale. Und dies, obwohl die Kritik lobend attestierte, die existierende Menschheit sei »von der Höhe bis in die grauenvollste Tiefe wahr dargestellt«. Hundertdreißig Jahre später katapultiert der österreichische Autor Ewald Palmetshofer Hauptmanns explosives Debüt in unsere aufgeheizte Gegenwart. Eine normale mittelständische Familie. Stiefmutter Annemarie Krause hält den Haushalt zusammen. Ihr Mann Egon hat seinem Schwiegersohn Thomas die Karosserie-Firma vermacht. Die älteste Tochter Martha ist hochschwanger, die jüngere, Helene, zurück im elterlichen Nest, das momentan eine Baustelle ist. Der Anbau soll für Martha, Thomas und den Nachwuchs die neue Heimstatt für eine gesicherte Zukunft sein. Als der Journalist Alfred Loth seinen Studienfreund Thomas nach zwölf Jahren ohne Kontakt erstmals wieder besucht, treten nicht nur familiäre Konflikte zutage, auch der Riss, der durch die Gesellschaft geht, wird schmerzhaft deutlich: Wohin driften wir? Existiert noch eine Bereitschaft, sich zu verständigen, über politische Differenzen hinweg? Gibt es noch einen Sonnenaufgang, der Hoffnung verheißt, oder reiben wir uns nur sinnlos aneinander auf?

Ewald Palmetshofer, Jahrgang 1974, erzeugt in seiner Neubearbeitung eine Atmosphäre des gegenseitigen Belauerns und Abtastens. Mit kunstvoll rhythmisierter, klarer Sprache lotet er die Bruchstellen unserer Zeit in den Figuren psychologisch genau aus und entfaltet eine tragische Wucht, die Hauptmanns Intention und Provokation in nichts nachsteht.

Es spielen: Matthias Winde, Ulrike Gronow, Marie Luise Stahl, Laura Bettinger, Benjamin Petschke, Joheannes Geißer, Jochen Ganser

29. November, 19.30 Uhr // 17. Dezember, 15 Uhr // Rudolstadt, Theater (im Stadthaus)