Theater

Spannender Opernthriller

Premiere von Puccinis „Tosca“ am 9. März im DNT Weimar

Mit einer Neuinszenierung von Giacomo Puccinis „Tosca“ kehrt eines der spannendsten, musikalisch und emotional mitreißendsten Werke der Opernliteratur auf die Bühne des Deutschen Nationaltheaters Weimar zurück.

Die Sängerin Floria Tosca ist mit dem Maler und Oppositionellen Mario Cavaradossi liiert. Als dieser dem politisch Verfolgten Cesare Angelotti zur Flucht verhilft, geraten die Liebenden ins Visier des sadistischen Barons Scarpia. Der Polizeichef, der Rom mit seiner Willkürherrschaft kontrolliert, ermittelt als Vertreter des Kirchenstaats im Fall Angelotti. Dabei hat er aber nicht allein dessen Verhaftung im Sinn, sondern verfolgt gleichzeitig eigene Gewaltfantasien. Durch die Folter Cavaradossis will er nicht nur an ein Geständnis gelangen, sondern auch Tosca zum Sex zwingen. Um ihren Geliebten zu retten, willigt sie verzweifelt in den Handel ein und die Tragödie nimmt ihren Lauf...

Puccini und seine Librettisten verdichten in dem 1900 uraufgeführten Werk Liebe, Religion und Macht zu einem atmosphärisch dichten und spannungsgeladenen Psychothriller. In atemlosen, beinahe filmisch ineinander geschnittenen Szenen zeichnen sie messerscharf die Charaktere der Protagonisten und entwickeln einen temporeichen Sog der Gewalt. Die musikalische Leitung der Neuproduktion liegt in den Händen des 1. Kapellmeisters Stefan Lano. Regie führt DNT-Generalintendant Hasko Weber, der damit seine Auseinandersetzung mit dem Musiktheater fortsetzt. In seiner Inszenierung befragt er die Rituale und Verhältnisse der religiös geprägten Gesellschaft, in der Scarpias Machtmissbrauch möglich wird.

Abbildung von Candy Welz


Schräge Komödie mit kosmischer Dimension

Coline Serreaus Erfolgsstück „Hase Hase“ am Theater Rudolstadt

Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Davon kann auch Familie Hase ein Lied singen. Ihre ganze Welt scheint in Chaos zu versinken. Wie aber selbst das kleinste Fünkchen Hoffnung ungeahnte Kräfte freisetzen kann, zeigt die französische Autorin und Filmemacherin Coline Serreau in ihrer schrägen Komödie „Hase Hase“. Als Neubearbeitung kürzlich mit Starbesetzung in Berlin aufgeführt, feiert sie am Theater Rudolstadt am 16. März ihre zweite Premiere.

Nach unzähligen Turbulenzen wiegt sich Familie Hase endlich in sicherem Fahrwasser. Ihre Welt ist in Ordnung, auch wenn der Gerichtsvollzieher schon vor der Tür steht. Nur der kleinste Sohn hat Ärger mit seiner Französischlehrerin, Papa ist seltsam verschwiegen und Bébert, der Medizin studiert, beklagt sich über die Nachtdienste auf der Intensivstation. Doch Mama Hase hat den Laden wie immer im Griff. Dann aber überschlagen sich die Ereignisse. Sohn Jeannot stürzt herein, von der Polizei verfolgt; die Töchter kommen wenig später, weil ihre Paarbeziehungen gerade krachen gehen; Vater gesteht, er ist arbeitslos, Hase Hase ist vom Gymnasium geflogen, und dann kommt es zu einem gigantischen Finanz-Crash. Das ganze Land wird unter Polizeiaufsicht gestellt. Womit niemand rechnet, ist, dass die Familie Hase einen fantastischen Rettungsplan ausheckt, dass man gegen Mutter Hases große Liebe sowieso nichts machen kann und dass Hase Hase, der Sohn mit den vorstehenden Zähnen, ein Außerirdischer ist.

Coline Serreau hat ihre Anarcho-Komödie aus dem Jahre 1986 für die Gegenwart leicht überarbeitet. Damals wie heute ist das schräge Stück mit kosmischer Dimension ein humorvolles Plädoyer für die Überlebenskunst in finsteren Zeiten, für das Überwinden von Verzweiflung und die Lust am Lachen.

Am Rudolstädter Theater liegen Inszenierung und Ausstattung in den Händen von Alejandro Quintana und Henrike Engel, die dort zuletzt mit „Der Meister und Margarita“ eine eindrucksvolle Aufführung schufen. Auf der Bühne zu erleben sind: Laura Bettinger, Verena Blankenburg, Hans Burkia, Johannes Geißer, Ulrike Gronow, Anne Kies, Jakob Köhn, Robert Naumann, Marcus Ostberg, Benjamin Petschke, Ute Schmidt, Markus Seidensticker, Marie Luise Stahl und Matthias Winde.

Nach der Premiere am 16. März, um 19.30 Uhr im Theater im Stadthaus sind die nächsten Aufführungen am 24. März, um 18 Uhr, am 26. März, um 15 Uhr und am 5. April, um 19.30 Uhr. Karten sind an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich.

Foto: Lisa Stern


Theater Hof: Zwei Kammeropern verheißen Spannung

Hans Gefors Märchenoper für Erwachsene „Schattenspiele“ (nach Hans Christian Andersens wundersamer Geschichte „Der Schatten“) sowie der Opernkrimi „Der Leuchtturm“ des preisgekrönten Komponisten Peter Maxwell Davies – vereint in einem spannenden Kammeropernabend – feiern am 16. März im Großen Haus des Theaters Hof Premiere. Regie führt der ehemalige Intendant Uwe Drechsel.
Ein Gelehrter verliert seinen Schatten, weil er sich von der Poesie hat verführen lassen. Einige Zeit später bekommt er Besuch: Es ist sein Mensch gewordener Schatten, welcher nun Gewalt über den Gelehrten gewinnt, bis er ihm sogar das „Du“ verbietet. – Die meisten Märchensammlungen verschweigen Hans Christian Andersens Geschichte „Der Schatten“. Der schwedische Komponist Hans Gefors konnte 2005 mit großem Erfolg seine Oper „Schattenspiele“ an der Oper Malmö in Kooperation mit dem Theater Lübeck zur Uraufführung bringen. Das Theater Hof ist das erst zweite deutsche Theater, das seinem Publikum diese Märchenoper für Erwachsene präsentieren wird.
Im zweiten Teil des Abends wird der Opernkrimi „Der Leuchtturm“ zu erleben sein. Dabei steht das unaufgeklärte Verschwinden dreier Leuchtturmwärter während einer Sturmnacht im Mittelpunkt; eine Geschichte, die auf einen historischen Vorfall im Jahr 1900 in Schottland zurückgeht. Die ausdrucksstarke Kammeroper des britischen Komponisten Peter Maxwell Davies, der mit vielen Auszeichnungen gewürdigt wurde, entwickelte sich seit ihrer Uraufführung 1980 zu einem Welterfolg.
Nächste Vorstellungen: 20. März, 23. März, 31.März, jeweils 19.30 Uhr
Einführungsvortrag jeweils 18.45 Uhr


Internationale Koproduktion „Clowns“ am Theater Altenburg

Internationale Gemeinschaftsprojekte sind dem Schauspielensemble von  Theater&Philharmonie Thüringen ein besonderes Anliegen. So entsteht aktuell eine außergewöhnliche Stückentwicklung zusammen mit dem Teatrul National „Marin Sorescu“ Craiova (Rumänien). Die Premiere und zugleich Uraufführung von „Clowns“ findet am Sonntag, 17. März um 18.00 Uhr im Großen Haus des Altenburger Theaters statt.
Schauspielerinnen und Schauspieler aus Rumänien und Deutschland gehen dabei gemeinsamen Fragen nach: Wie wollen wir Europa, wie unsere Welt gestalten? An welche Grenzen stoßen wir dabei und wie können wir sie überwinden?
Das Choreografenduo Vlasova/ Pawlica erarbeitet dazu eine Crossover-Performance, die sich Elementen des physical theatres sowie des Tanzes und der Pantomime bedient. Bühnen- und Kostümbilder entwirft Michaela Kirsche.
Eine bunte Truppe Clowns findet sich in einem leeren, verlassenen Raum wieder. Gemeinsam versuchen sie, ihr Zuhause aufzubauen. Doch der Schein der vermeintlichen schöpferischen Freiheit trügt. Figuren mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln, Sprachen und Biografien treffen aufeinander. Tradierte Werte und Verhaltensmuster sind tief in ihnen verankert. So steht z. B. der philosophische Weißclown in der Hierarchie über dem dummen August. Mechanismen im Denken zu überwinden, sich wieder neu und ohne Vorurteile kollegial zu begegnen, ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Die Freiheit muss sich erkämpft, Grenzen müssen überwunden oder neu gesetzt werden, um das gemeinsame Ziel zu erreichen: Mit einer kunstvollen Darbietung wollen alle das Publikum verzaubern. Die Clowns wollen neue Farben in die alte Welt bringen und das Leben zelebrieren.

Dieses chancenreiche Miteinander trotz unterschiedlicher Voraussetzungen ist auch ein Sinnbild: Während Deutschland 2017 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von 39.500 € vorweisen konnte und damit auf Platz 8 im Ranking der EU-Staaten landete, belegt Rumäniens Wirtschaftskraft mit 9.600 € BIP pro Kopf Platz 27 der 28 EU-Staaten. Auch die kooperierenden Städte sind divers: Das 180 km westlich von Bukarest gelegene Craiova zählt knapp 300.000 Einwohner und damit über 100.000 Einwohner mehr als Gera, Altenburg und das Altenburger Land zusammen.
Das Teatrul National „Marin Sorescu“ ist kulturelles Zentrum der Stadt. Gut vernetzt im In- und Ausland, Ausrichter eines bedeutenden Shakespeare-Festivals und langjähriges Mitglied der European Theatre Convention, kann das Theater auf eine 165-jährige Geschichte zurückblicken.

Mit der Inszenierung wird die neue Programmreihe „Heimat Europa“ fortgesetzt. Hier richtet sich der Blick auf Europa von Deutschland und Rumänien aus, das von Januar bis Juni 2019 die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

Auf der Bühne zu erleben sind Theodora Balan, Ionut-Daniel Banica, Ines Buchmann, Thorsten Dara, Johannes Emmrich, Daria Ghi?u, Petri ?tefanescu und Ioachim Zarculea.

Einblicke in die Inszenierung gibt vorab Dramaturgin Svea Haugwitz im Gespräch mit dem Regieteam und Darstellern zum Theaterfrühstück am Sonntag, 10. März 2019 um 11.00 Uhr im Heizhaus Altenburg. Der Eintritt dazu ist frei.

Weitere Vorstellungen im Theater Altenburg:
Di. 19.03.2019, 11.00 Uhr
Do. 21.03.2019, 19.30 Uhr (zum günstigen Jokerpreis)
Fr. 22.03.2019, 19.30 Uhr
Sa. 30.03.2019, 19.30 Uhr
So. 31.03.2019, 18.00 Uhr (zum letzten Mal in Altenburg)

Samstag, 2. März 2019, 19 Uhr im Paul-Gustavus-Haus Altenburg
Bergfest „Clowns“ mit Balkanbeats und rumänischem Kochen
In der Mitte der sechswöchigen Probenzeit laden die Schauspielerinnen und Schauspieler aus Altenburg/ Gera und Craiova alle Interessierten zum gemeinsamen Kochen, Kennenlernen und Feiern ein.

Foto: Ronny Ristok


Vom menschlichen Zusammenleben

Theaterhaus Jena feiert im März zwei Premieren

Das Theaterhaus Jena präsentiert ab dem 15. März „Ich bereue“, ein Stück für zwei Schauspieler und einen Musiker von und mit Walter Bart, Matijs Jansen und Oliver Jahn (Musik). Wie in vielen der bisherigen Arbeiten auch haben die Kollektivist*innen von Wunderbaum den Diskurs mit Menschen vor Ort gesucht – dieses Mal mit Menschen, die ihre politischen oder persönlichen Entscheidungen bereuen. Es erwartet uns eine Art Lebensbeichte, ein innerer Monolog über die Tragweite von persönlichen, subjektiv
motivierten, anonymisierten (Wahl)-Entscheidungen für die Zukunft des menschlichen Zusammenlebens.

In „Nackt“ widmet sich die Regisseurin und Performerin Lizzy Timmers (die am Theaterhaus bereits den Abend „Deutschkurs“ konzipierte und dort auf der Bühne steht) dem Thema „30 Jahre Mauerfall in den Schlafzimmern“. Für den Abend stellt sie den nackten Körper ins Zentrum ihrer Untersuchungen, als Objekt von Begierde ebenso wie unschuldige Körperlichkeit. Inspiriert wurde die Holländerin durch einen niederländischen
Zeitungsartikel, der sich dem viel gepriesenen Sexualleben der DDR-Bürger widmete. Daraus ergaben sich für sie und ihre Mitstreiter*innen Fragen wie: Was sind die Gründe dafür, dass angeblich Ostdeutsche bessere Beziehungen und besseren Sex hatten als Westdeutsche? War es die FKK-Bewegung, die nicht vorhandene Porno-Industrie oder die finanziell unabhängige Frau? Was hatten die ostdeutsche FKK-Bewegung und die westdeutschen sexuellen Befreiungsaktionen der 68er-Bewegungen gemeinsam? „Nackt“ steht ab dem 26. März auf dem Spielplan, auf der Bühne zu erleben sind Pina  Bergemann, Henrike Commichau, Mona Vojacek Koper, Hanneke van der Paardt, Leon Pfannenmüller und Charlotte Puder. Konzept und Regie: Lizzy Timmers.


Roland May inszeniert Schauspiel von Brecht

Premiere für Die heilige Johanna der Schlachthöfe am Theater Plauen-Zwickau

Die Fleischfabrikanten Mauler und Lennox befinden sich im Wirtschaftskrieg: Immer neu unterbieten sie sich beim Verkauf ihrer Fleischkonserven, bis Lennox schließlich seine Fabrik schließen und seine Arbeiter vor die Tür setzen muss. Das ruft die Schwarzen Strohhüte auf den Plan: Sie wollen den Arbeitern in ihrer Not Gott wieder näherbringen. Dabei entscheidet Johanna von den Schwarzen Strohhüten, dass sie den Ursachen der sozialen Ungerechtigkeit auf den Grund gehen möchte. Sie wendet sich an Mauler und führt ihm das Elend der Arbeiter vor Augen. Als die Schwarzen Strohhüte dann jedoch einen Deal mit den Unternehmern eingehen möchten, um ihre Miete bezahlen zu können, entscheidet Johanna: Sie macht keine Kompromisse …
Mit „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ stellt Bertolt Brecht die Auswirkungen wirtschaftlicher Machtkämpfe auf die Situation der Arbeitnehmer dar und demaskiert die
Mechanismen kapitalistischer Marktwirtschaft. Das in den Jahren 1929 bis 1931 entstandene Theaterstück hat damit bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt.
Regie führt Roland May. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Roland May Generalintendant und Schauspieldirektor am Theater Plauen-Zwickau. Hier hatte er u. a. erfolgreich  Premiere mit Inszenierungen von Tosca, Tannhäuser, Nathan der Weise, Maria Stuart, Der Auftrag, Medea und zuletzt Drei Schwestern und German History. Der Deutschland-Abend mit Texten von Heiner Müller gewann 2018 gleichberechtigt mit „Das große Heft“ (Staatsschauspiel Dresden) den Sächsischen Theaterpreis.

Premiere in Plauen: 23. März, 19.30 Uhr, Vogtlandtheater // Weitere Vorstellungen:
30. März, 5. April und 31. Mai, jeweils 19.30 Uhr
Premiere in Zwickau: 26. April, 19.30 Uhr, Malsaal // Weitere Vorstellungen: 4. Mai,
19.30 Uhr, 12. Mai, 15 Uhr


Kampf um begehrten Posten

Jörg Steinberg inszeniert „Die Grönholm- Methode“ am Theater Naumburg

Das Stück von Jordi Galceran erzählt von der unerbittlichen Konkurrenz zwischen Arbeitssuchenden und hinterfragt gleichzeitig sehr unterhaltsam den Wahn um die „Resource Mensch“: Vier Bewerber haben sich zur Endrunde eines Auswahlverfahrens für eine attraktive Managerposition eingefunden. Sie werden mit einer höchst ungewöhnlichen Bewerbungssituation konfrontiert: Es gilt, unterschiedliche Aufgaben zu lösen, wobei die Vier ganz auf sich gestellt sind. Jeder einzelne muss sich bewähren, ohne wirklich zu wissen, mit welchem Ziel die Aufgaben gestellt wurden oder was von ihnen erwartet wird. Schon die erste Aufgabe sät Misstrauen: Unter den Bewerbern scheint sich ein Vertreter der Personalabteilung zu befinden. Beim Kampf um den begehrten Posten, der immer ungewöhnlichere Mittel fordert, wird auch das Privatleben der Bewerber nicht ausgespart …

Premiere: 8. März, 19.30 Uhr, Naumburg, Theatersaal


»Die Welt auf dem Monde« in Bad Elster

29. März, 19.30 Uhr, König Albert Theater.

Wie kann es drei befreundeten Opernprotagonisten gelingen, einem betuchten Alten die Einwilligung zur Hochzeit seiner beiden Töchter abzuringen und ihm bei dieser Gelegenheit auch noch das Dienstmädchen, auf das er selbst ein Auge geworfen hat, abspenstig zu machen? Indem dem Gutgläubigen, dank eines Wundermittels, eine Reise zum Monde
vorgegaukelt wird … Dass Joseph Haydn seinen Bewunderer Mozart auch als Opernkomponist beeinflusst haben dürfte, zeigt dieses himmlische Werk: Zauberhaft und voll heiterer Poesie entfaltet Haydn in seiner Komischen Oper „Die Welt auf dem Monde“ eine vergnügliche Magie. Eine Aufführung des Nordharzer Städtebundtheaters Halberstadt zu den 15. Chursächsischen Mozartwochen.
Karten: Tel. 037437.53 900


Hemmungsloser Wohnzimmerkrieg

DNT Weimar spielt ab 30. März Yazmina Rezas Erfolgsstück „Der Gott des Gemetzels“

Zwei Paare treffen aufeinander, um über einen gewaltsam ausgegangenen Streit ihrer Kinder zu beratschlagen – auf den »zivilisierten Umgang miteinander« ist doch schließlich Verlass. So statten die Reilles den Houillés einen Besuch ab. Doch nach anfänglichem Smalltalk ist die bürgerliche Familienidylle passé: Persönliche Konflikte treten zu Tage und münden schließlich in einer Entfesselung menschlicher Affekte. Der sonst so friedvolle Michel Houillé entpuppt sich als Kleintierhasser; Alain Reille, der unentwegt telefoniert, lebt als skrupelloser Geschäftsmann in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt. Und während er sich, zum Leidwesen seiner Frau Annette, keinerlei Konventionen verpflichtet fühlt, beansprucht die vom Weltschmerz geplagte Veronique Houillé die Repräsentation unserer Grundwerte für sich: Recht und Moral sollen das Zusammenleben bestimmen.Yasmina Rezas 2006 uraufgeführte Komödie zeigt mit voller Wucht und bösem Witz, was passiert, wenn der ›Gott des Gemetzels‹ über die Vernunft siegt. Die junge Regisseurin Swaantje Lena Kleff, die am DNT Weimar unter anderem das »Vierte Reich« zur Uraufführung brachte, wird Rezas Erfolgsstück für die Große Bühne inszenieren.


Monumentaloper „Oedipe“ in Altenburg

Premiere im Großen Haus das Altenburger Landestheaters: Sonntag, 24. Februar, um 18.00 Uhr. Weitere Vorstellungen: Freitag, 1. März um 19.30 Uhr sowie die letzte Aufführung am Donnerstag 28. März um 14.30 Uhr.

Atmosphärisch dicht und farbenprächtig erzählt Enescu einen unsterblichen Menschenmythos: die Geschichte des Ödipus von der Geburt bis zum Tod. Das 1936 in Paris uraufgeführte Meisterwerk geriet in den Schatten des 2. Weltkriegs und wurde seither nur sehr selten aufgeführt. Die neue Thüringer Inszenierung schufen Kay Kuntze als Regisseur, Duncan Hayler als Ausstatter für Bühne und Kostüme sowie Laurent Wagner als Musikalischer Leiter. Für die anspruchsvolle Titelpartie wurde der Franzose Sébastien Soulès engagiert. Die monumentale Komposition des Rumänen George Enescu (1881-1955) basiert auf den antiken Dramen „Oedipus Tyrannos“ und „Oedipus auf Kolonos“ von Sophokles, geht jedoch recht frei mit den Vorlagen um. So beginnt die Oper bereits bei Ödipus’ Geburt; eine besondere Bedeutung kommt auch dessen Begegnung mit der Sphinx zu. „Oedipe“ gilt als das Meisterwerk Enescus. Die Oper, so der Komponist, muss „ihren Schwung behalten. Kein Pathos, keine Wiederholungen, kein unnötiges Geschwätz. Die Handlung muss sich schnell entwickeln.“ Quelle seines Kompositionsstils ist die Volksmusik seiner rumänischen Heimat. Dies manifestiert sich in einer ständig changierenden Melodie, Harmonie und Klangfarbe, die den Hörer von Anfang bis Ende einnimmt. „Ödipus“ ist der Enthüllungskrimi in der griechischen Mythologie: Ein Orakel verkündet, dass der Sohn des Lajos seinen Vater töten und seine Mutter heiraten wird. Die entsetzten Eltern lassen den Neugeborenen mit zusammengebundenen Füßen in der Wüste aussetzen. Er wird aber von einem Hirten gerettet und nach Korinth gebracht, wo er als Sohn des Königs aufwächst. Als Ödipus das Orakel von Delphi aufsucht, wird auch ihm das Schicksal geweissagt, den Vater zu töten und die Mutter zu ehelichen. Um dem zu entgehen, flieht er von seinen vermeintlichen Eltern aus Korinth und trifft dabei auf seinen leiblichen Vater Lajos, den er nach einem heftigen Streit im Kampf tötet. Er befreit Theben von der grausamen Sphinx und heiratet die Witwe des Lajos, seine Mutter, mit der er vier Kinder zeugt. Anzeichen verdichten sich, dass sich der einstige Orakelspruch erfüllt haben könnte. Unerbittlich forscht Ödipus nach der Wahrheit. Als er die Zusammenhänge begreift, sticht er sich die Augen aus. Mit seiner Tochter Antigone begibt er sich auf eine lange Wanderschaft.

In den Partien: Sébastien Soulès als Ödipus, Béela Müller als Jokaste, Johannes Beck als Kreon, Kai Wefer als Theiresias,  Ulrich Burdack als Hohepriester/ Phorbas/ Wächter, Frank Ernst als Hirte,  Timo Rößner als Laios, Heain Youn (Mitglied Thüringer Opernstudio) als Sphinx/ Merope, Alejandro Lárraga Schleske als Theseus, Miriam Zubieta als Antigone. Der Opern-, Kinder- und Jugendchor singt in der Einstudierung von Gerald Krammer. Es tanzt das Kinder- und Jugendballett von Theater&Philharmonie Thüringen. Die Aufführung erfolgt in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Karten an der Theaterkasse, Telefon 0365-8279105 oder 03447-585160, online buchen unter www.tpthueringen.de

(Fotos: Ronny Ristok)


Premiere: Das Schloss Dürande

8. März, 19.30 Uhr, Meininger Staatstheater

 "So lebe und liebe! Bis du sattgeküsst."

Eichendorffs Novelle handelt von einer romantischen Revolutionsgeschichte, in der sich der Sohn des Herzogs, Graf Armand, in die Schwester des herzoglichen Jägers Richard verliebt. Eine Liebe über Klassenschranken hinweg ist nicht akzeptabel und muss geheimgehalten werden. Als Richard die Liebe entdeckt, möchte er verhindern, dass der Graf seine Schwester zur Hure macht und schickt sie ins Kloster. Graf Armand geht in die Hauptstadt und verheiratet sich doch, lebt ein luxuriöses, dekadentes Leben. Doch die verliebte Schwester des Jägers verkleidet sich als Junge, um ihm zu folgen. Nach der Revolution ist das Schloss der Adelsfamilie Dürande zerstört. Zu spät sieht Richard ein, dass sein Verhalten den Untergang nur beschleunigt hat.

Die Oper wurde 1943 in Berlin uraufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet sie in Vergessenheit. Erst jetzt wurde in einem Projekt der Hochschule der Künste und der Universität Bern das stark nationalsozialistisch geprägte Libretto restauriert und durch Originaltexte von Joseph Eichendorff wieder aufführbar gemacht. Die Musik zur Oper gehört zum Wunderbarsten, was Schoeck geschrieben hat. Es gilt als sein geheimes Hauptwerk, dessen Tonsprache nur mit Richard Strauss zu vergleichen ist.


„Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ in Gera

Theresia Walsers (*1967) bitterböse Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ hat in der neuen Inszenierung von Holk Freytag im Großen Haus der Bühnen der Stadt Gera am Freitag, 15. Februar um 19.30 Uhr Premiere. Die Autorin ist eine der bekanntesten zeitgenössischen Dramatikerinnen und entfaltet in diesem Schauspiel die grotesken Weltanschauungen der unmenschlichen, einst machtvollen Diven mit vielen realen Bezügen.

Drei Gattinnen ehemaliger Diktatoren begegnen sich auf einer Pressekonferenz. Anlass ist die geplante Verfilmung ihrer Biografien. Eine Ähnlichkeit mit historischen Persönlichkeiten wie Margot Honecker, Imelda Marcos und Leïla Ben Ali ist dabei weder zufällig noch unbeabsichtigt. Die Damen lassen sich ihren politischen und finanziellen Hochstatus gern anmerken, fast so, als wären ihre Männer noch im Amt. Dabei sind bereits zwei Ehemänner unfriedlich verstorben und Frau Leïlas Mann steht aktuell „vor so einem grotesken holländischen Gericht“, das Anklage gegen ihn wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ erhoben hat. Vor Beginn der Konferenz plaudern und tratschen die Ladys über Partys bei Stalin, Gedichte von Mao, Schuhsammlungen und schusssichere BHs und erweisen dabei ihren Kolleginnen keinerlei Respekt. Dolmetscher Gottfried kommt ganz schön ins Schwitzen und versucht verzweifelt, durch geschickte Falschübersetzungen eine politische Katastrophe zu verhindern. Während beinahe beiläufig Themen wie Freiheit, Sehnsucht und Unterwerfung angesprochen werden, kommen immer mehr Monstrositäten zum Vorschein. Bald entwickelt sich ein fulminanter Schlagabtausch, der mehr Wahrheiten offenbart als Gottfried und den Zuschauern lieb ist.

Der Regisseur Holk Freitag inszenierte bei Theater&Philharmonie Thüringen bereits das Figurentheater „Seide“. Geboren in Tübingen und aufgewachsen in Köln und Moers, studierte Holk Freytag an der Universität zu Köln Theater- und Musikwissenschaften. Von 1969 bis 1977 war er neben seiner Arbeit als Regisseur auch als Lehrbeauftragter für Medienpädagogik an der Gesamthochschule Düsseldorf tätig. 1975 gründete und leitete er das Schlosstheater Moers als Intendant. Parallel dazu arbeitete er zudem als Regisseur und Chefdramaturg in Hildesheim. 1988 wurde Holk Freytag Intendant in Wuppertal, 1996 am Schillertheater in Nordrhein-Westfalen. Von 2001 bis 2009 leitete er das Staatsschauspiel Dresden und wechselte 2010 zu den Bad Hersfelder Festspielen. Seit 2001 ist Holk Freytag Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein. Bühnen- und Kostümbilder zu „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ entwirft Kristopher Kempf und Schauspielkapellmeister Olav Kröger begleitet die Vorstellungen live am Cembalo. In den Rollen spielen Mechthild Scrobanita als Frau Margot, Sabine Schramm als Frau Imelda, Alexandra Sagurna als Frau Leïla und Sebastian Schlicht als Gottfried.

Freitag, 22.02.2019, 19.30 Uhr // Samstag, 23.02.2019, 19.30 Uhr // Sonntag, 07.04.2019, 14.30 Uhr

Karten im Besucherservice, unter 0365 8279106 sowie online www.tpthueringen.de

Abbildung: Figurinen bzw. das Kostümbild-Konzept von Kristopher Kempf

 


Neuinszenierung von Schillers "Wilhelm Tell" am DNT Weimar

Der Apfelschuss und die Sprichwortsammlung – das ist Friedrich Schillers »Wilhelm Tell«. Mindestens 40 Sentenzen sind zu geflügelten Wortenavanciert und der deutsche Dichter hat der Schweiz ihren Nationalhelden in Verse gegossen. Doch was ist diese Dichtung? Ein Revolutionsdrama? Oder bringt nur der im Alleingang vollzogene Tyrannenmord wirkliche Änderung der Verhältnisse hervor? Schiller entwirft drei Handlungsstränge: Der Titelheld weigert sich, den auf dem Markt provokant installierten Hut des brutalen Burgvogts Gessler zu grüßen. Um ihn zur Räson zu rufen, zwingt dieser Tell einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen. Das Ungeheure gelingt – und erlässt Gessler wissen, dass ein zweiter Pfeil ihn getötet hätte, wäre der Schuss missglückt. Die Todfeindschaft ist damit besiegelt.Parallel proben die Schweizer den Widerstand gegen die Habsburger. Am Rütli soll der Grundstein für eine Eidgenossenschaft, die erste verfassungsgebende Versammlung Europas, gelegt werden. Und dann gibt es noch die konfliktreiche Beziehung zwischen Berta von Bruneck und Ulrich von Rudenz, die in verschiedenen politischen Lagern stehen und ihre Liebe auf den Prüfstein legen müssen. Seit der Uraufführung 1804 in Weimar wird um die Deutungshoheit dieses Schauspiels gestritten: Mal diente es der eigenen nationalen Bestätigung, mal begleitete es, als Revolutionsstück gelesen, gesellschaftliche Umbrüche. Nun unternimmt Hausregisseur Jan Neumann denVersuch, Schillers »Wilhelm Tell« auf seine gegenwärtige Aktualität zu untersuchen.

3. März, 16 Uhr, 23. März, 11. April, 3. Mai und 12. Juni, jew. 19.30 Uhr, Deutsches Nationaltheater, Großes Haus
Kartentelefon 03643.755 334 www.nationaltheater-weimar.de

Foto: Candy Welz


„Die große Reise“ zurück im Puppentheater Gera

Seit Oktober 2014 hat das Puppentheater von Theater&Philharmonie Thüringen „Die große Reise“ nach dem Roman von Jorge Semprún im Repertoire. Infolge der aufwendigen Bühnengestaltung – das Publikum besteigt einen Waggon und bekommt eine Zugfahrt imaginiert – steht die berührende Inszenierung von Stefan Wey immer in einer Aufführungsserie auf dem Spielplan im Haus am Gustav-Hennig-Platz. - „Diese Nacht hört aber auch gar nicht auf“, sagt der Junge aus Semur zu seinem Kumpel Gérard, der mit ihm und 118 anderen politischen Häftlingen eingepfercht in einem Viehwaggon steht. Sie befinden sich, von Hunger und Durst geschwächt, auf dem Abtransport nach Deutschland. Dass das Ziel das Konzentrationslager Buchenwald sein wird, wissen sie noch nicht.

Im Wechsel von Erlebnis- und Reflexionsebenen – zwischen Wirklichkeit und Fiktion –  erzählen die Darsteller Marcella von Jan, Lys Schubert, Sabine Schramm und Lutz Großmann mit den faszinierenden Mitteln des Puppentheaters Semprúns bewegende Geschichte: er wurde aus Frankreich ins KZ Buchenwald deportiert. Die tagelange Reise im Waggon bietet die Möglichkeit einer Projektionsfläche für die vielfältigen persönlichen Erlebnisse vor und nach Buchenwald, die der Zuschauer durch ein Wechselspiel von Vor-und Rückblenden unmittelbar mitverfolgt.

Jorge Semprún (1923-2011) wurde in Madrid geboren und musste bei Beginn des Spanischen Bürgerkrieges ins Exil fliehen. Er lebte in Paris, nahm an der Résistance teil und wurde 1943 in das KZ Buchenwald deportiert. Erst 17 Jahre nach der Befreiung des Lagers bricht er sein Schweigen und veröffentlicht sein erstes Buch, „Die große Reise“, das bislang in dreizehn Sprachen übersetzt wurde.

Die nächsten Abendvorstellungen: Di. 5.3. 18.00 Uhr, Mi. 6.3. 18.00 Uhr, Sa. 9.3. 19.30 Uhr, Fr. 15.3. 18.00 Uhr, Sa. 16.3. 19.30 Uhr

Karten an der Theaterkasse, Telefon 0365 8279105, online unter www.tpthueringen.de

Foto: Stephan Walzl


Eine musikalische Wiederentdeckung nach 235 Jahren

Cherubinis Inka-Oper „Idalide“ / 15. und 16. März, jeweils 19.30 Uhr, Saalfeld, Meininger Hof

Beethoven und Brahms bewunderten ihn, dann geriet der Komponist Luigi Cherubini lange Zeit in Vergessenheit. Auch seine Oper „Idalide oder Die Jungfrau der Sonne“ verschwand nach ihrer Uraufführung 1784 für 235 Jahre von den Bühnen dieser Welt. Jetzt feiert sie am Theater Rudolstadt ihre Wiederentdeckung – eine Deutsche Erstaufführung. Die Handlung der Oper ist konfliktgeladen und ein zu Cherubinis Zeiten beliebter Stoff: Die schöne Inka-Priesterin Idalide verliebt sich in den spanischen Eroberer Enrico – eine Liebe, die nicht sein darf. Doch als bei einem Erdbeben der Sonnentempel zerstört wird, ändert sich alles. In letzter Sekunde gelingt es Enrico, seine Geliebte aus den Trümmern zu retten. Ihr Glück ist nur von kurzer Dauer, denn die gemeinsame Flucht aus dem Inkareich wird entdeckt und Idalide, die ihr Gelöbnis gebrochen hat, zum Tode verurteilt.

Regisseur Viktor Vysotzki – er inszenierte u. a. am Mariinsky-Theater St. Petersburg – holt die Geschichte aus dem 16. Jahrhundert ins Heute. Während das Bühnenbild von Ausstattungsleiterin Gretl Kautzsch zeitlos bleibt, spielen ihre Kostümentwürfe mit farbenprächtigen historischen Versatzstücken. Auf der Bühne agiert ein hochkarätiges Sängerinnenensemble mit Katharina Borsch in der Titelrolle und Lena Spohn als Enrico. In weiteren Partien sind Martha Jordan, Daria Kalinina, Josefine Göhmann und Jochen Ganser als Sprecher zu erleben. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Chefdirigent Oliver Weder. Es spielen die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt.

Karten an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich. Zu jeder Aufführung wird 30 Minuten vor Beginn eine Stückeinführung angeboten.

Foto: Lisa Stern


Eine Gesellschaft im Umbruch

Das DNT Weimar bringt Döblins Roman »November 1918« als gemeinsame Arbeit von Schauspiel, Musiktheater und Staatskapelle Weimar auf die Bühne

Die Novemberrevolution 1918, über deren Deutung und Wirkung bis in die Gegenwart gerade auch mit Blick auf das Jubiläumsjahr schriftlich und mündlich viel debattiert wurde, hat kaum ein anderer Autor so umfassend und vielfältig beschrieben wie Alfred Döblin. In seinem vierbändigen Romanepos „November 1918“ verweben sich Zeit-, Individual- und Politikgeschichte zu einem einerseits monumentalen, andererseits immer wieder sarkastisch-ironisch gebrochenen Panorama: Berlin taumelt. Kriegsniederlage und Revolution bringen das gesamte Gefüge des Staates ins Wanken. Linke und rechte Kräfte liefern sich politische Machtkämpfe, die immer wieder um die Galionsfiguren Friedrich Ebert, Paul von Hindenburg, Karl Liebknecht oder Rosa Luxemburg kreisen. Das geschlagene Militär lauert indessen auf seine Wiederkehr, während die Kriegsgewinnler schamlos zwischen allen Fronten agieren. In dieses Chaos kehren die Soldaten Bekker und Maus, verletzt und traumatisiert, heim. Doch wo tut sich in der krisengeschüttelten Stadt eine neue Lebensaufgabe auf? Und hat die Hoffnung auf den ›süßen Frieden‹, die Becker umtreibt, Bestand? André Bücker, Regisseur und Intendant des Theaters Augsburg, dient Döblins Roman als Vorlage für eine Produktion, in der Schauspiel, Musiktheater und Staatskapelle Weimar zu einer gemeinsamen Erzählform finden. Stefan Lano wird dabei nicht nur als musikalischer Leiter dem Abend seine Prägung geben, sondern auch als Komponist. Seine Musik steht neben der Musik dieser Zeit. „November 1918“ ist dabei nur scheinbar eine Reise in die Geschichte, sondern führt unübersehbar mitten hinein in die Debatten unserer Gegenwart.

21. März, 19.30 Uhr - Deutsches Nationaltheater Weimar, Großes Haus

Die Geschichte vom Soldaten

In den Meininger Kammerspielen auf dem Spielplan

Gelesen, gespielt und getanzt. In zwei Teilen. Musik: Igor Strawinsky (1882-1971) / Dichtung von Charles Ferdinand Ramuz

Der Soldat lässt sich auf einen Handel mit dem Teufel ein – er tauscht seine Geige gegen ein Buch, dessen Kenntnis reich macht. Zwar wird er reich, aber auch sehr unglücklich. Als der König die Hand seiner Tochter demjenigen verspricht, der die kranke Prinzessin heilt, werben Teufel und Soldat mit ihrem Geigenspiel um die junge Frau. Der Soldat hat Glück – doch ist dieses nicht von langer Dauer.

Das Märchenmotiv des Glücksverlangens wird hier ganz konkret auf die historische Situation gegen Ende des Ersten Weltkriegs bezogen. Igor Strawinsky befand sich in finanziellen Schwierigkeiten und suchte nach einem Weg, trotz der äußeren Umstände ein Werk zu schaffen, das ohne allzu großen organisatorischen Aufwand im Rahmen einer Wandertournee aufführbar war. Er verzichtete auf Gesang, bezog aber Pantomime und Tanz mit ein. Die Handlung ist in eine Stationenfolge aufgelöst, in die ein Erzähler eingreift. Der lakonisch harte ‚Sound’ wird von nur sieben Instrumentalisten erzeugt. Auf das Wesentliche konzentriert, ist „L’histoire du soldat” ein Schlüsselwerk der Neuen Musik. Doch DIE GESCHICHTE VOM SOLDATEN lässt sich auch als die Geschichte von allen Soldaten aller Zeiten lesen. Für den Kriegsheimkehrer ist die Welt nicht mehr so, wie sie vorher war – er bringt den Krieg mit nach Hause – die Kämpfe werden weiter geführt, im Äußeren wie im Inneren. Die Inszenierung zeigt den in der Kriegsmaschinerie gefangenen und traumatisierten Soldaten, der versucht Idealbilder von Männlichkeit und gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen. Die dem Märchen immanente Einteilung der Welt in Gut und Böse wird aufgebrochen, anstelle von Erzähler, Teufel und Soldat agieren die drei Schauspieler als drei Aspekte eines Soldaten, der Täter, Opfer und Beobachter zugleich ist. - Der Regisseur Brian Bell wurde in Lubbock, Texas, geboren. Nach Abschluss des Schauspielstudiums an der University of North Texas spielte er am Theater an der Parkaue und unternahm seine ersten Regieversuche in der Berliner Freien Szene. Ab 2006 war er als freier Regisseur und Schauspieler in Chicago tätig. 2017 inszenierte er am Nationaltheater Weimar und am Theater Ingolstadt.

Do 28. Februar, 19.30 Uhr  // Mi 20. März, 19.30 Uhr

Foto: Liebig


Experiment des Begehrens

DNT Weimar vollendet mit einer semiszenischen Produktion von Mozarts „Così fan tutte“ seinen Da Ponte-Zyklus

Monogamie – kann das funktionieren? Ist Treue nur ein märchenhafter Begriff für alle, die es nicht besser wissen? Für den angegrauten Philosophen Don Alfonso in Mozarts Oper „Così fan tutte“ steht jedenfalls fest: die ›Frauen‹ sind untreu, ohne Zweifel und ausnahmslos. Mit seiner scharfen These provoziert er zwei Soldaten, die sich – in ihrer Ehre gekränkt – auf eine Wette einlassen: Innerhalb eines Tages soll am Beispiel ihrer eigenen Beziehungen der Beweis für die Theorie erbracht werden. Auf dem Spiel steht eine ordentliche Summe Geld. Was folgt ist eine von Don Alfonso inszenierte Versuchsanordnung, die zur Operation am offenen Herzen wird. Unter dem Vorwand in den Krieg zu ziehen, verlassen die Männer ihre Verlobten Fiordiligi und Dorabella und kehren als Fremde verkleidet zurück. Spätestens als sie ihre Verführungskünste auf die Frau des jeweils anderen anwenden, stellt sich die Frage, wer eigentlich wen betrügt. 

Nach der „Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“ entwarfen Mozart und sein kongenialer Librettist Da Ponte in ihrer dritten gemeinsamen Arbeit erneut ein gewieftes Tableau. Eingebettet in überragende Ensemblemusik, in der jede Seelenregung meisterhaft und mit tiefsinnigem Witz ausgeleuchtet wird, entfaltet sich ein Experiment des Begehrens. Regisseurin Nina Gühlstorff und ihr Team lassen es im konzertanten Setting beginnen, in das nach und nach die Szene hereinbricht und die vermeintliche Normalität in Frage stellt. Mit der semiszenischen Produktion von „Così fan tutte“, die am 12. Januar unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Karabits im Großen Haus Premiere feierte, hat das DNT Weimar nun alle Da Ponte-Opern Mozarts wieder im Repertoire.

Zu Ostern am 20., 21. und 22. April sowie am 13., 14. und 15. Juni sind diese auch an drei Tagen hintereinander zu erleben. Mozart-Spezial: Beim Kauf aller Vorstellungen des jeweiligen Zyklus spart man 30 % gegenüber dem regulären Kartenpreis.

Foto: Candy Welz

 


Opernpremiere „Die Passagierin“ in Gera

Theater&Philharmonie Thüringen setzt seine Programmreihe „Wider das Vergessen“ fort und bringt mit „Die Passagierin“ eine tiefgründige Oper von Mieczyslaw Weinberg auf die Bühne. Premiere hat die Inszenierung von Kay Kuntze (Generalintendant) in der Ausstattung von Martin Fischer und unter der musikalischen Leitung von GMD Laurent Wagner am Freitag, 8. März 2019 um 19.30 Uhr im Großen Haus des Geraer Theaters.
Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) komponierte die Oper 1968 nach dem gleichnamigen Roman der polnischen Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz (*1923). Das Werk handelt von Schuld und der Unmöglichkeit ihrer Verdrängung, aber auch von der Verantwortung nachfolgender Generationen, die Erinnerung an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wachzuhalten. Zugleich geht es um die zeitlose Kraft der Liebe und der Musik.
Im Jahr 1960 begeben sich der bundesdeutsche Diplomat Walter Kretschmar und seine Frau Lisa an Bord eines Ozeandampfers, der sie nach Südamerika bringen soll. Bei einem Spaziergang auf dem Deck fährt Lisa plötzlich der Schrecken in die Glieder, meint sie doch in einer anderen Passagierin Martha wiederzuerkennen, ehemals jüdische Gefangene im KZ Auschwitz. Dort war Lisa einst als Aufseherin tätig. Böse Erinnerungen ergreifen sie. Walter jedoch weiß nichts von der dunklen Vergangenheit seiner Gattin.
Die szenische Uraufführung 2010 in Bregenz fand international große Beachtung; in Ostthüringen wird die bislang fünfte Inszenierung zu erleben sein.
In den Rollen singen Annette Schönmüller als Lisa, János Ocsovai als Walter, Anne Preuß als Marta, Alejandro Lárraga Schleske als Tadeusz, Miriam Zubieta als Katja, Juliane Bookhagen als Krystina, Jolana Slavíková als Vlasta, Dilara Bastar als Hannah, Judith Christ als Bronka, Sujin Bae als Yvette, Ina Westphal als Alte Frau, Kai Wefer als 1. SS-Mann/ Steward, Ulrich Burdack als 2. SS-Mann, Florian Neubauer als 3. SS-Mann, Ugur Okay als Älterer Passagier und Madeline Hartig als Kapo/ Oberaufseherin. Es singen der Opernchor von Theater&Philharmonie Thüringen und Chorgäste. Es musiziert das Philhamonische Orchester Altenburg-Gera.
 
Einblicke in die Inszenierung gibt vorab Chefdramaturg Felix Eckerle im Gespräch mit dem Regieteam zur Matinee am Sonntag, 3. März 2019 um 11.00 Uhr im Konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera. Der Eintritt dazu ist frei.
Begleitend zur Produktion wird vom 3. März bis 2. April 2019 im Spiegelfoyer des Geraer Theaters die Ausstellung „Zofia Posmysz – Auschwitz und Literatur“ (konzipiert vom MOCAK Museum für Gegenwartskunst Krakau) gezeigt.
 
Weitere Vorstellungen im Theater Gera:
So. 10.03.2019, 14:30 Uhr
So. 17.03.2019, 16:00 Uhr
Di. 02.04.2019, 18:00 Uhr
Fr. 17.05.2019, 19:30 Uhr
So. 19.05.2019, 14:30 Uhr
 
Die Inszenierung wird nur in dieser Spielzeit und ausschließlich in Gera gezeigt. Um Zuschauern aus Altenburg den Besuch zu erleichtern, wird ein Bustransfer am 17.03. und am 17.05. angeboten. Eine Voranmeldung dazu ist erforderlich und kann an der Theaterkasse erfolgen.

Foto: Ronny Ristok


Schwarzwaldmädel in Meiningen

Die beliebte Operette „Schwarzwaldmädel” spielt in einem reichen, alemannischen Schwarzwalddorf, das immer mehr Touristen anzieht. Der Organist der Dorfkirche, ein älterer Herr, hat sich in das junge Dienstmädchen Bärbele verliebt. Als zwei Fremde ins Dorf kommen, sieht er bald, dass sie keine normalen Besucher sind, sondern auf der Flucht hier strandeten. Das Libretto beschreibt die Probleme von Ausgrenzung aufgrund von Armut und Herkunft. Es verwebt diese Motive in eine turbulente Liebesgeschichte rund um die Frage: Was ist gesellschaftlich inakzeptabler – die Liebe zwischen einem jungen Mädchen und einem alten Mann oder die Liebe zwischen einem einheimischen Mädchen und einem Fremden auf der Flucht? Diese Problematik löst sich erst, nachdem die Geschichte am Ende durch das Wunder einer unerwarteten Erbschaft Gleichheit in der Gesellschaft herstellt. - Die Operette „Schwarzwaldmädel” steht in der Tradition der großen Liebesoperetten des 19. Jahrhunderts. Jessel erweist sich in diesem Singspiel als Komponist von Rang, als Könner, der mit Fantasie und Geschmack liebenswerte Melodien schafft, die in der Opernwelt als Ohrwürmer gelten. - Der Berliner Regisseur Tobias Rott inszenierte in Meiningen schon Erfolgskomödien wie „Viel Lärm um nichts” und zuletzt „Die bessere Hälfte”. Seine Meininger Inszenierung von Dario Fos „Bezahlt wird nicht” wurde zum internationalen Komödienfestival nach Brno, Tschechien, eingeladen. In Eisenach inszenierte er die Operette „Im weißen Rössl” und bei den Domfestspielen Bad Gandersheim das Musical „Maria, ihm schmeckt’s nicht”.

19. März 2019, 14.30 Uhr // 21. April 2019, 19.00 Uhr // 12. Mai 2019, 19.00 Uhr // 2. Juni 2019, 15.00 Uhr
Karten: Tel. 03693/451-222 und 451-137, E-Mail: kasse@meininger-staatstheater.de

Werbefoto: Marie Liebig