Klassik / Alte Musik

Pianist Bernd Glemser eröffnet Konzertsaison mit Brahms

18. und 19. September, Konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera
Bernd Glemser Theater Gera

Das Philharmonische Orchester Altenburg Gera unter Leitung von GMD Laurent Wagner eröffnet seine neue Saison mit dem 1. Philharmonischen Konzert am Mittwoch, dem 18., und am Donnerstag, dem 19. September jeweils 19.30 Uhr im Konzertsaal des Geraer Theaters. Dabei erklingen gleich zwei Meisterwerke von Johannes Brahms: sein Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15 und die Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68. Als Solist konnte der renommierte Pianist Bernd Glemser gewonnen werden. Er erlangte früh internationale Berühmtheit, indem er bei 17 internationalen Klavierwettbewerben hintereinander Preise gewann, u. a. beim Münchner ARD-Musikwettbewerb und beim Busoni-Wettbewerb in Bozen. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit und lehrt als Professor an der Musikhochschule Würzburg.

Johannes Brahms (1833-1897) wagte 1855 erstmals den Schritt zu einem großen Werk. Unzufrieden mit dem Resultat der Komposition einer Sonate für zwei Klaviere, versuchte er deren ersten Satz zunächst zu einer Sinfonie umzuformen, doch ein Jahr später wurde stattdessen daraus der erste Satz seines 1. Klavierkonzertes. Mit diesem huldigte Brahms seinem in der Zwischenzeit verstorbenen Mentor Robert Schumann. Er brachte es 1859 selbst unter der Leitung Joseph Joachims in Hannover zur Uraufführung. Robert Schumann bezeichnete den jungen Brahms schon 1853 als berufenes, musikalisches Genie. Erst 1862 fertigte Brahms erste Skizzen für das Werk an, welches 14 Jahre später endlich seine 1. Sinfonie werden sollte. Kritiker und Befürworter stritten sich nach der Uraufführung 1876: Jene bewerteten sie als konservativ, diese dagegen gar als Fortführung der Sinfonien Beethovens. Bis heute erfreuen sich beide Werke größer Beliebtheit.

Das Konzert setzt die Reihe „Zukunftsmusik ostwärts“ fort und wird im Programm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ vom Staatsministerium für Kultur und Medien gefördert. Vor den Konzerten gibt Dramaturgin Birgit Spörl jeweils 18.45 Uhr eine Einführung.

Kartentelefon Gera: 0365 8279105
Infos und Karten unter www.theater-altenburg-gera.de

Foto: Bernd Glemser (Foto Werner Kmetitsch)


Heinrich Schütz Musikfest beginnt am 4. Oktober

Das Programm für Gera und Bad Köstritz
RIAS Kammerchor Heinrich Schütz Fest

Eintauchen in die faszinierende Klangwelt des 17. Jahrhunderts, Konzerte mit international renommierten Künstler*innen wie dem Nachwuchs, authentische und atmosphärisch einmalige Aufführungsorte, Konzertformate, ganz nah an der historischen Aufführungspraxis oder in belebender Frische aus heutiger Perspektive konzipiert – all das verspricht alljährlich im Oktober das HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST mit seinen vier Aufführungsorten in Mitteldeutschland. Insgesamt über 600 Mitwirkende sind 2019 in den 39 Veranstaltungen zu erleben.

Das HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST 2019 wird am 4. Oktober mit Opus Ultimum im Theater Gera eröffnet: Heinrich Schütz‘ "Schwanengesang" steht im Mittelpunkt des Eröffnungskonzerts. Ganz im Sinne des Komponisten wagen sich die Interpreten – RIAS Kammerchor Berlin und Capella de la Torre an eine neue Instrumentierung, die das Werk neuartig und in reichen Klangfarben erstrahlen lassen wird. Schütz zur Seite gestellt erklingen Giovanni Gabrielis Magnificat a 14 und Instrumentalwerke von Michael Praetorius – ein beeindruckender Auftakt des diesjährigen Festivaljahrgangs unter musikalischer Leitung von Justin Doyle! Neben den renommierten Interpretinnen und Interpreten ist im Eröffnungskonzert in Gera zudem der Konzertchor des Goethe-Gymnasiums/Rutheneum zu erleben.

Freitag, 4. Oktober, 20 Uhr, Opus Ultimum, Eröffnungskonzert mit dem RIAS Kammerchor Berlin und Capella de la Torre, Theater Gera, Karten: 35,- € | 27,- € | 18,- € | 12,- € | Junior!: 5,- € 

La Lyra d‘Orfeo am 11. Oktober ist eine Hommage an den mythischen Sänger Orpheus. Die gefeierte Lautenistin Christina Pluhar und ihr Ensemble L’Arpeggiata, Stars der Alte Musik-Szene und vielfach preisgekrönt, huldigen mit ihrem Konzert in der St. Salvatorkirche den frühbarocken musikalischen Trendsettern Luigi Rossi, Marco Marazzoli und Orazio Michi. Die Sängerinnen Benedetta Mazzucato und Céline Scheen bringen Arien und Kantaten dieser drei gefeierten Komponisten des 17. Jahrhunderts zu Gehör.

Freitag, 11. Oktober, 20 Uhr, La Lyra d‘Orfeo, Arien und Kantaten, L‘Arpeggiata, Musikalische Leitung: Christina Pluhar, St Salvatorkirche, Karten: 38,- € | 32,- € | 25,- € | 12,- € | Junior!: 5,- € 

Ein ganz besonderes Konzert steht im Mittelpunkt des HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFESTS in Bad Köstritz, der Geburtsstadt des Komponisten: Im Heinrich-Schütz-Haus geht es am 12. Oktober um Liebeshändeleien. Als Schütz nach Italien kam, war die Madrigalkomödie in Mode, die frech, unangepasst und temporeich das Publikum zu unterhalten wusste. Vokalsolisten des RIAS Kammerchors Berlin zelebrieren Orazio Vecchis Tragikomödie "L‘Amfiparnaso" und dazu Schütz‘ "Italienische Madrigale" und werden auch ihr heutiges Publikum musikalisch begeistern und bestens unterhalten. Rund um dieses Konzert bringen uns Lesungen, Vorträge, Führungen und immer wieder musikalische Begegnungen Schütz, seine Zeit und seine Zeitgenossen näher: 

Das Programm 2019 in Bad Köstritz:

Sonnabend, 5. Oktober, 15.30 Uhr, Eine Reise zum Mond, Lesung von Johannes Keplers Der Traum oder Mond Astronomie, Heinrich-Schütz-Haus, Karten: 15,- € | Junior!: 5,- € 

Sonntag, 6. Oktober, 14 Uhr, Alles was Odem hat, lobe den Herrn, Sonderführung durch die Dauerausstellung im Heinrich-Schütz-Haus, Karten: 5 €

Dienstag, 8. Oktober, 14 Uhr, Singen ist besser als Weinen, Barbara Strozzi zum 400. Geburtstag, Vortrag, Karten: 3,50 € (nur Tageskasse, zzgl. 3,- € für anschließende Kaffeetafel); 18.30 Uhr, Wandelkonzert, Treffpunkt: Heinrich-Schütz-Haus, Eintritt frei

Mittwoch, 9. Oktober, 19 Uhr, Köstritzer lesen für Köstritzer, Lesung mit Prof. Ralf Georg Czapla im Dreiseitenhof der Brauerei, mit dabei: Köstritzer Flötenkinder und Gäste, Eintritt frei

Freitag, 11. Oktober, 15.30 Uhr,  Der Raupen wundersame Wandlung, märchenhafte Hommage an das Leben der Maria Sibylla Merian, ab 5 Jahren, Festsaal im Palais, Karten: 9,- € | Junior!: 5,- € 

Sonnabend, 12. Oktober, 14 Uhr, Alles was Odem hat, lobe den Herrn, Sonderführung durch die Dauerausstellung im Heinrich-Schütz-Haus, Karten: 5 €; 15.30 Uhr, Liebeshändeleien, Konzert mit Solisten des RIAS Kammerchors Berlin, Werke von Orazio Vecchi und Heinrich Schütz, Kirche St. Leonhard, Karten: 22,- € | 18,- € | 12,- € | Junior!: 5,- € 

Sonntag, 13. Oktober, 10 Uhr, Festgottesdienst mit Köstritzer Musikensembles, Kirche St. Leonhard, Eintritt frei

Abbildung: RIAS Kammerchorm Foto: Matthias Heyde

 


Ragna Schirmer spielt Clara Schumann im Schloss Altenburg

29. September, 18 Uhr
Ragna Schirmer Altenburg

Im prächtigen Festsaal des Altenburger Residenzschlosses präsentiert das Philharmonische Orchester Altenburg Gera unter der Leitung von Yury Ilinov sein 19. Schlosskonzert am Sonntag, 29. September um 18.00 Uhr. Zur Feier des 200. Geburtsjahrs von Clara Schumann wird die renommierte Pianistin Ragna Schirmer das Klavierkonzert a-Moll op. 7 von Clara Schumann geb. Wieck spielen. Ragna Schirmer ist Clara-Schumann-Expertin, Robert-Schumann-Preisträgerin und gewann als einzige Pianistin gleich zweimal den Leipziger Bachwettbewerb. Nationale und internationale Auszeichnungen sowie regelmäßige Auftritte bei so bedeutenden Festivals wie dem Beethovenfest Bonn, dem MDR-Musiksommer und den Salzburger Festspielen zeigen, wie herausragend diese Künstlerin ist.

Im Schlosskonzert erklingen außerdem „Carnaval“ op. 9 von Claras Ehemann Robert Schumann, die Streichersinfonie Nr. 5 B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy und die Ouvertüre C- Dur von dessen Schwester Fanny Hensel geb. Mendelssohn. Beide waren treue Freunde und Weggefährten von Clara Schumann.

Als berühmteste deutsche Pianistin ihrer Zeit und Ehefrau Robert Schumanns ist Clara Schumann bis heute bekannt. Anlässlich ihres 200. Geburtsjahres soll daran erinnern werden, dass sie außerdem eine begabte Komponistin und geschätztes Mitglied der musikbegeisterten bürgerlichen Gesellschaft war. Nicht nur ihr pianistisches Talent, sondern auch ihr musikalisches Fachwissen war von ihren Zeitgenossen hoch geschätzt ‒ für eine Frau in dieser Zeit keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Kartentelefon Altenburg: 03447 585160  / Gera: 0365 8279105
Infos und Karten unter www.theater-altenburg-gera.de

Foto: Ragna Schirmer © Maike Helbig


Die Wahrheitsschwestern

Neue Oper von Giordano Bruno do Nascimento wird uraufgeführt
Die Wahrheitsschwestern

In schneller Folge komponiert der Weimarer Kompositionsstudent Giordano Bruno do Nascimento neue Opern. Während erst im Oktober 2018 sein letztes Musiktheaterwerk „Global Players“ in Weimar Premiere feierte, steht schon die nächste Uraufführung bevor: Am Freitag, 25. Oktober um 19:30 Uhr im Jugend- und Kulturzentrum mon ami hebt sich erstmals der Vorhang für seine fünfte Oper „Die Wahrheitsschwestern“. Das Libretto des dreiaktigen Bühnenwerks stammt von Amanda Lasker-Berlin, Regie führt Eszter Johanna Barta.

Das Bühnenbild der „Wahrheitsschwestern“ stammt von Elif Zengin, die Kostüme entwarf Sara Drasdo. Es singen und musizieren Studierende der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und Mitglieder des Clubtheaters Weimar. Die musikalische Leitung der Uraufführung übernimmt – wie immer – der Komponist höchstpersönlich. Folgeaufführungen finden am 26. und am 27. Oktober ebenfalls um 19:30 Uhr im mon ami statt. Eintrittskarten zu 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, gibt es bei der Tourist Information Weimar sowie an der Abendkasse erhältlich.

Regisseurin Eszter Johanna Barta fasst den Opernstoff und die Handlung folgendermaßen zusammen: „Menschen kommunizieren. Über das Wetter, über die Nachbarn, über die Politik, über das neue Gesetz, das einen Streit mit dem benachbarten Ölstaat auslösen könnte. Aber es ist schon längst soweit, das Dosenobst sei nicht ohne Grund knapp, und da schlagen schon die ersten Raketen in den Regierungssitz ein. Man könne dem Untergang nur zusehen, so lange man nicht selbst plötzlich von der Welle der Fliehenden überrannt wird, die gehört haben, dass man beim Bäcker um die Ecke das letzte verbliebene Brot des Jahrhunderts kaufen könne. Tragisch. Niemand will Krieg; Familien werden auseinandergerissen, Städte werden zerstört, alles ist voller Waffen, Leid und Tod … oder doch?

Am anderen Ende der Nahrungskette stehen die drei Schwestern Meta, Etta und Verita, die Aufträge von einem Konzern in einem Land, das weit von dem Land der Rebellen und Leichen und der Sterbenden entfernt ist, entgegennehmen, für sie Wahrheitskleidung nähen und damit zu Gunsten ihrer Klienten den Lauf der Dinge beeinflussen. Hiermit hätten wir wohl auch unsere metaphorischen Sündenböcke gefunden. Wenn die Menschen das nur erkennen und sich aus ihrer eigenen Unmündigkeit befreien würden …“

Nähere Informationen: www.facebook.com/wahrheitsschwestern.oper/

Foto: Eszter Johanna Barta

 

 


Heinrich Schütz Musikfest 2019

Heinrich Schütz Musikfest

Von Dr. Christina Siegfried, Intendantin Heinrich Schütz Musikfest

„etwas neues herfürzubringen“, wollte explizit ein Heinrich Schütz, bis ins hohe und höchste Alter. Nur, ist nicht das, was er als geradezu Revolutionär-Neues hervorbrachte, für uns heute ein „Alter Hut“? – Doch woran misst sich eigentlich Moderne? Was ist Innovation?

Wolf Lotter formuliert in seiner Streitschrift für ein barrierefreies Denken als Vorbedingung, Neues willkommen heißen zu können, „die richtigen Dinge zu tun“ (im Gegensatz zu „die Dinge [nur] rich- tig zu tun“). Und er schreibt: „Wir müssen für das Neue streiten, für die Innovation in die Schlacht ziehen ... aber nicht auf Kosten all dessen, was an Gutem und Richtigen in dieser Welt vorhanden ist.“ Innovation sei das Kind einer Kultur der Neugier; das Neue komme als Widerspruch zur ‚Normalität‘ zu Welt. Und es brauche den kritischen Zweifel wie das Eingeständnis, dass die Auseinandersetzung zwischen Alt und Neu nicht zwangsweise die zwischen Jung und Alt ist. 

Schauen wir also auf den Sagittarius, der vor genau 400 Jahren seine „Psalmen Davids“ herausbrachte und sich als höchst moderner Komponist präsentierte. Bestaunen wir, wie musikalische Moderne frühbarocker Zeiten Vorbedingung wurde für eine musikkulturelle Entwicklung, die uns noch heute den Atem verschlägt, die Herzen bewegt und der Seele Nahrung gibt. Erkennen wir aber auch, dass wahre Innovatoren stets um ihre Traditionen, ihre Wurzeln wussten – und manch altes Werk sich uns heute nur erschließt, wenn wir ganz neu mit ihm umgehen. 

Freitag, 4. Oktober, 20 Uhr | Gera, St. Johanniskirche
HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST - Eröffnungskonzert: Opus Ultimum
Tickets und weitere Veranstaltungen:

 

Zum Foto: artist in residence 2019: RIAS Kammerchor Berlin, Leitung: Justin Doyle. Vor 70 Jahren gegründet, setzt der RIAS Kammerchor Berlin heute Maßstäbe in nahezu allen Bereichen der Musikkultur – von gefeierten historisch-informierten Interpretationen der Renaissance und des Barock bis hin zu anspruchsvollsten Uraufführungen, in denen die Möglichkeiten zeitgenössischer Vokalmusik ausgelotet und neu definiert werden. Auf Tourneen weltweit fungiert der RIAS Kammerchor als Kulturbotschafter Deutschlands und führt das wertvolle Erbe der deutschen Chorkultur ins 21. Jahrhundert. All diese Aspekte werden an fünf Abenden beim HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST zu erleben sein. Einer der weltweit besten Chöre beschäftigt sich intensiv mit dem ersten deutschen Komponisten von europäischem Rang: Heinrich Schütz. 


Festival Güldener Herbst 2019 - eine Vorschau

20. bis 29. September 2019

Der  GÜLDENE HERBST, das Festival für Alte Musik in Thüringen, wird in den kommenden Jahren sein Festivalformat neu ausrichten. Dabei geht um mehr Präsenz in der Festivallandschaft Mitteldeutschlands,  die Konzentration auf einzelne Konzertorte, innovative Konzertformate und ein neues Layout für das kommende Festival 2019. Unverändert bleibt dabei der wissenschaftlich-programmatische Anspruch des Festivals, Im kommenden Jahr widmen sich die Festivalmacher um Gerd Amelung und Prof. Helen Geyer dem Thema „Musik.Dynastie“; dies umfasst sowohl die höfische Musikpraxis an Thüringer Residenzen durch die jeweiligen Herrscherdynastien wie auch die vielfältigen thüringisch-mitteldeutschen Musikerdynastien wie die Bachfamilie oder den Schülerkreis Heinrich Schütz‘. Für ausgewählte Konzerte des Festivals, das vom 20. bis 29. September 2019 stattfinden wird, ist der Kartenvorverkauf bereits gestartet. Zu den in Weimar, Erfurt, Arnstadt und Auerstedt stattfindenden Konzerthöhepunkten werden bekannte Namen der Alten-Musik-Szene wie lautten compagney BERLIN, Capella de la Torre, SingerPur und Batzdorfer Hofkapelle erwartet. 

Das Eröffnungskonzert des GÜLDENEN HERBSTS 2019 in Weimar mit der lautten compgney BERLIN unter der Leitung von Wolfgang Katschner wird sich mit selten zu hörenden Entdeckungen aus dem „Altbachischen Archiv“ einer der wichtigsten Musikerfamiliendynastien Thüringens widmen: Die Familie Bach prägte mit ihrer Musik die berühmten Generationen um Johann Sebastian Bach, die seines Vaters und seiner Vorfahren, wie auch die seiner Söhne. Im Konzert werden die Motetten Johann Sebastian Bachs in ihren zeitgeschichtlichen Kontext gestellt. In der Gegenüberstellung mit Werken aus dem „Altbachischen Archiv“ wird dem Zuhörer sowohl Bachs Traditionsverbundenheit als auch seine umstürzende Innovationskraft nahegebracht. Das Leipziger Ensemble amarcord ist für den Vokalpart angefragt.

Die gesellschaftspolitische Bedeutung von Dynastien thematisiert das Konzert in der Reglerkirche in Erfurt mit Capella de la Torre. Das von Katharina Bäuml geleitete Ensemble gehört zu den führenden Interpreten von Renaissancemusik für Blasinstrumente wie Schalmeien, Dulziane und Pommer und erhielt vor wenigen Monaten den Opus Klassik. In ihrem Programm mit weitgehend unbekanntem Repertoire aus dem 16. Jahrhundert vom Hof Kaiser Karl V. und seiner Hofkapelle werden Einflüsse auf die Musikpraxis am kurfürstlich-sächsischen Hof von Friedrich dem Weisen erkundet. Ausgrabungen aus den beiden Prachtchorbüchern (Antwerpen, Paris), die Günther „der Streitbare“ von Schwarzburg- Arnstadt und Catharina von Nassau-Dillenburg anschaffen ließen, interpretiert SingerPur im Konzert in der Arnstädter Liebfrauenkirche. Während eines vorangehenden Einführungsvortrags wird der Leiter des Thüringischen Landesmusikarchivs Dr. Christoph Meixner die Codices im Original der Öffentlichkeit am Ort der Grablege des Herrscherpaars präsentieren. Günther XLI und Catherina waren mit dem europäischen Hochadel und der musikalischen Hochkultur vielfältig vernetzt.

www.Gueldener-Herbst.de


Martin Kohlstedt & GewandhausChor zu Leipzig: STRÖME

Martin Kohlstedt Gewandhaus Leipzig

Der Komponist und Pianist Martin Kohlstedt gilt als nimmermüdes schöpferisches Phänomen, das das Publikum jedes Mal aufs Neue mit musikalischen Grenzüberschreitungen konfrontiert. Doch ist es gerade diese Energie und Unberechenbarkeit, mit der er sich in den letzten sieben Jahren weltweit eine treue Fangemeinde aufgebaut hat. Seine Stücke zelebrieren die Verquickung analoger und digitaler Instrumentierung. Die modularen Strukturen verleihen ihnen ein größtmögliches Maß spontaner Freiheiten, die er bei seinen Konzerten zur Begeisterung der Zuschauer intensiv auslebt. Auf seinem kommenden Album „Ströme“ (Edition Kohlstedt / Warner Classics; VÖ: 3. Mai) arbeitet der gebürtige Thüringer erstmals mit dem GewandhausChor zu Leipzig unter der Leitung von Gregor Meyer zusammen – ein Wagnis sondergleichen, denn dass der Chor eines klassischen Konzerthauses so fundamental in die freien Assoziationen Kohlstedts eingebunden wurde, ist eine Meisterleistung. Am 8. März veröffentlichte Warner Classics die zweite Singleauskopplung „KSYCHA“, die nach einem dramatischen Sog über das Piano den nach innen gerichteten Fokus entwickelt, sich dem Chaos zu stellen.

Bei den anstehenden Konzerten in Erfurt und Leipzig werden seine modularen Kompositionen die lebendige Zusammenarbeit mit den 45 Chormitgliedern Abend für Abend neu austarieren. Was immer gegeben sein wird: der unverwüstliche Sog seiner Musik. Martin Kohlstedt ist keiner, der sich der großen Inszenierung wegen ein maßgeschneidertes Image übergeworfen hat, das Authentizität ausschließlich vorgaukelt. Es ist einfach eine andere Art, Musik zu denken und mit ihr zu kommunizieren, die ihn im wachsenden Segment der modernen Klassik mit elektronischer Infusion letztendlich so klar und deutlich herausstechen lässt. Kompositorischen Versatzstücken haucht er eine so enorme Lebenskraft ein, die den Zuhörer immer wieder mitreißt, provoziert, elektrisiert. Kollaborationen sind schon immer ein zentraler Bestandteil seines Schaffens. Um seine künstlerische Sicht einer starken Reibung auszusetzen, arbeitete er auf zwei Rework-EPs genreübergreifend mit Künstlern wie Hundreds, Christian Löffler, Douglas Dare, FM Belfast und Dwig zusammen. Mit „Ströme“ verfolgt er weiter konsequent seine Auffassung musikalischer Kreation fernab opportunistischer Trends. Sowohl für Martin Kohlstedt, als auch für den GewandhausChor und seinen Leiter Gregor Meyer stellen Album und Tournee eine Herausforderung experimentellen Charakters dar. So agiert der Chor zum Beispiel ohne klassische Notation, aber mit Raum für individuelles Ausgestalten. Das Ergebnis ist pure Dynamik voller monumentaler Verwerfungen und zarter Annäherungen, aber befreit von jeder Angst, was Klassik sein darf.

17. Dezember 2019, Erfurt, Alte Oper // 9. Februar 2020, Leipzig, Gewandhaus

Karten: bei allen bekannten Vorverkaufsstellen, Tickethotline 0341.98 000 98 und unter www.mawi-concert.de

Foto: Martin Kohlstedt (Fotocredit J-Konrad-Schmidt)