Klassik / Alte Musik

Schumann-Fest "CLARA 200“ in Zwickau

6. bis 16. Juni
Schuman-Fest Clara 200 Zwickau 2019

„Clara 200“ ist das Motto des Schumann-Festes vom 6. bis 16. Juni. Es ist Höhepunkt eines ganzjährigen Veranstaltungsangebotes, mit dem die Robert-Schumann-Stadt Zwickau den 200. Geburtstag der genialen Gattin des romantischen Komponisten feiert und zugleich ihr Leben und Werk in den Fokus stellt. Clara Schumann, geb. Wieck (1819–1896), war eine erfolgreiche Pianistin und Komponistin. Sie arbeitete zudem als Klavierpädagogin, Konzertveranstalterin, Herausgeberin und Professorin für Klavier. 1832 trat sie erstmals in Zwickau auf und heiratete 1840 den dort geborenen Komponisten Robert Schumann. Im Jahresverlauf 2019 erklingt ihr gesamtes kompositorisches Werk. Passend zum Thema „Clara 200“ werden vor allem Künstlerinnen zu erleben sein, die wie Clara Meisterinnen im Fach Klavier sind: die rumänisch-französische Pianistin Mara Dobrescu, Ragna Schirmer (Zwickauer Schumann-Preisträgerin 2019), Konstanze Eickhorst oder Natalia Ehwald (einst Preisträgerin des Kleinen Schumann-Wettbewerbs). Das Repertoire reicht bis hin zu Orchesterkonzert, Kammermusik, Solo- und Chorlied. Überhaupt ist das Programmspektrum mit Konzerten, Puppen- und Musiktheater, Ausstellungen, Ballett sowie Vortrag breit gefächert. Es gibt Erst- und Uraufführungen, beispielsweise von Clara Schumanns heutiger Komponisten-Kollegin Charlotte Seither. Ihre im Auftrag des Theaters Plauen-Zwickau (im Verbund mit anderen Schumann-Städten) entstandene Komposition „Sie, die spricht“ wird im Eröffnungskonzert am 6. Juni 2019 im Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“ erklingen. Auch 2019 wird ein allseits beliebter Publikumsmagnet nicht fehlen: das romantische Lichterfest rund um den Schwanenteich. Dazu sind Jung und Alt am Freitag, dem 14. Juni, eingeladen. Schirmherr des Schumann-Festes ist der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Michael Kretschmer. Gefördert werden das Schumann-Fest Zwickau und die Meisterkurse von der Sparkasse Zwickau sowie vom Kulturraum Vogtland-Zwickau.

Internationale Meisterkurse

Zu den vom Zwickauer Geiger Elin Kolev initiierten und als Projektleiter betreuten Meisterkursen vom 6. bis 10. Juni im Rahmen des Zwickauer Schumann-Festes haben sich 26 Teilnehmer u. a. aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen, Lettland, Italien, Kanada, Japan, Südkorea angemeldet. Die japanische Mezzosopranistin Mitsuko Shirai, die 1982 mit dem Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau ausgezeichnet wurde und vor wenigen Monaten die Ehrendoktorwürde der University of Victoria in Kanada erhielt, leitet den Meisterkurs Gesang. Erstmals in Zwickau zu Gast sein werden der israelische Geiger Yair Kless, der den Meisterkurs im Fach Violine leitet, und der russische Pianist Pavel Gililov, langjähriger Vorsitzender des Bonner Beethoven-Wettbewerbs, als Leiter des Klavier-Meisterkurses. Der geplante Violoncellokurs wird wegen zu geringer Anmeldezahl nicht stattfinden. Im Robert Schumann Konservatorium, der Galerie am Domhof und dem Bürgersaal im Rathaus werden von Donnerstag, 6. Juni, bis Sonntag, 9. Juni, jeweils vormittags die Solounterrichte stattfinden, die Kammermusikkurse an den Nachmittagen. Auf dem Kursprogramm stehen Werke von Robert und Clara Schumann, aber auch von anderen Komponisten und Komponistinnen. Die Kurse sind öffentlich, der Eintritt ist frei. Abschlusskonzerte sind für Pfingstmontag, 10. Juni, 11 Uhr, auf Schloss Planitz und 17 Uhr, auf Schloss Osterstein, geplant (Eintritt jeweils 5 Euro, ermäßigt 3 Euro).

Foto: Ragna Schirmer gibt ein Konzert am 9 Juni um 19.30 Uhr im Schumann Haus Zwickau. Foto: Maike Helbig

Tickets und weitere Informationen zum Schumann-Fest: Robert-Schumann-Haus Zwickau, Hauptmarkt 5, 08056 Zwickau, Tel. (0375) 83 44 06

Di–Fr 10 bis 17 Uhr, Sa–So 13 bis 17 Uhr, Mo geschlossen

www.schumann-zwickau.de


Pianist Frank Dupree wird Artist in Residence in der Spielzeit 2019/20 am Theater Plauen-Zwickau

Frank Dupree Theater Plauen-Zwickau

Erstmalig wird es in der kommenden Spielzeit am Theater Plauen-Zwickau einen Artist in Residence geben. Im Mittelpunkt der Konzert-Saison 2019/20 wird ein junger Ausnahmekünstler stehen: der Pianist Frank Dupree, der das Plauener und Zwickauer Publikum im 5. Sinfoniekonzert im März 2018 durch seine Interpretation von George Gershwins Klavierkonzert begeisterte. Und nicht nur das Publikum - auch GMD Leo Siberski war so hingerissen von der großartigen Leistung, und beide Künstler verstanden sich auf Anhieb so gut, dass beim Mittagessen am nächsten Tag die Möglichkeiten einer weiteren engen Zusammenarbeit sondiert wurden, und die Idee des Artist in Residence entstand. Darunter ist ein Konzept zu verstehen, das es Künstlern erlaubt, ihre kreativen Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum an einem Ort auszuüben. Der Residenzkünstler bekommt damit die Gelegenheit, einen lebendigen Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern vor Ort zu pflegen und die Menschen vor Ort, einen besonders begabten Künstler kontinuierlich zu erleben. Mit Frank Dupree wurde dafür jetzt für Plauen und Zwickau ein Pianist gewonnen, der international für Aufsehen sorgte, als er 2014 zum einzigen Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs gekürt wurde. Er ist außerdem Gewinner des Opus Klassik Preises 2018 in der Kategorie "Konzerteinspielung des Jahres" (20./21. Jahrhundert) und Carl-Heinz Illies-Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben. Er ist des Weiteren auch ausgebildeter Jazz-Schlagzeuger und Dirigent. So gewann er 2012 den Internationalen Hans-von-Bülow Wettbewerb für sein Eigendirigat von Beethovens Klavierkonzert. Als Dirigent assistierte er Sir Simon Rattle, François-Xavier Roth und Mario Venzago. Frank Dupree wird seit seinem sechsten Lebensjahr von Prof. Sontraud Speidel unterrichtet und gefördert. 2018 absolvierte er sein Studium an der Hochschule für Musik Karlsruhe im Master-Studiengang Klavier. Das Theater Plauen-Zwickau freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit diesem Ausnahmetalent und die gemeinsamen Konzerte für das Plauener und Zwickauer Publikum.

Foto: Sebastian Heck


200 • CLARA BAD ELSTER!

Kultur- und Festspielstadt feiert das Clara-Schumann-Jahr 2019

Bad Elster/CVG. Im Jahr 2019 feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag der Pianistin und Komponistin Clara Schumann. Neben den Zentren des Jubiläumsjahres in Leipzig und Zwickau wird auch Bad Elster als mitteldeutsche Kultur- und Festspielstadt dieses Jubiläumsjahr mit ausgewählten Veranstaltungen begleiten, da auch hier Verknüpfungen zu dem berühmten Schumanns aus Zwickau bestehen.

„Neben der familiären Verbindung von Clara zu ihrem aus Plauen stammenden Großvater Gotthold Tromlitz spielt die Familie Schumann im Vogtland und in Bad Elster nicht nur im Klassikrepertoire kontinuierlich eine Rolle. So haben wir bereits im Robert-Schumann-Jahr 2010 hier in Bad Elster einen »Liebesweg« als offiziellen Wanderweg zwischen den Städten Aą (CZ) und Bad Elster entwickelt“ erklärt GMD Florian Merz als geschäftsführender Intendant der gesamtverantwortlichen Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft und führt aus: „Hintergrund ist die Tatsache, dass Robert Schumann auf diesem Weg zu seiner früheren Verlobten Ernestine von Fricken ins böhmische Aą reiste, worüber er in Briefen auch seiner späteren Frau Clara berichtete. Zudem waren sich der Elsteraner Musikdirektor Christoph Wolfgang Hilf und Clara Schumann auch persönlich gut bekannt.“

Eröffnet wird der Veranstaltungsreigen anlässlich des 123. Todestages der Jubilarin am Montag, den 20. Mai im König Albert Theater Bad Elster mit einem romantischen Liederabend von der vogtländischen Sopranistin Michéle Rödel und dem Pianisten Radim Vojíř aus Cheb (CZ). Schon zwei Tage später, am 22. Mai, wird die Pianistin und Ur-Ur-Urenkelin Clara und Robert Schumanns, Heike-Angela Moser, mit dem italienischen Pianisten Davide Osellame dem Theater in Bad Elster mit einem Klavierkonzert zum 105. Geburtstag gratulieren. Höhepunkt des Clara-Schumann-Jahres in Bad Elster ist dann das große Eröffnungskonzert der 19. Chursächsischen Festspiele an ihrem 200. Geburtstag: Am 13. September wird dann die Chursächsische Philharmonie auf historischen Instrumenten der Klassik gemeinsam mit der polnischen Pianistin Natalia Lentas am Hammerflügel unter der Gesamtleitung von GMD Florian Merz mit Werken von Clara Schuman, Felix Mendelssohn Bartholdy und dessen älterer Schwester Fanny Hensel Clara’s 200. Geburtstag im König Albert Theater höchst musikalisch feiern.

Weitere Jubiläumsveranstaltungen in den Königlichen Anlagen Bad Elsters sind ein Chorkonzert des Zwickauer Singkreises (26.05.), der Klavierabend „Geliebte Clara“ am Vorabend ihres Geburtstages (12.09.), eine Festspiel-Matinee am 16. September und ein historischer Vortrag über das Leben der berühmten Komponistin von Dr. Thomas Synofzik (Robert-Schumann-Haus Zwickau) am 19. September. Beendet wird das Clara-Schumann-Jahr in Bad Elster mit einem festlichen Jahresabschlusskonzert der Chursächsischen Philharmonie am 29. Dezember im König Albert Theater Bad Elster.

Die Kombination der Angebote macht dabei den besonderen Flair Bad Elsters aus: Heute eine Wanderung auf dem „Liebesweg“, morgen die große Welt der Romantik im König Albert Theater und danach Entspannung pur mit den hervorragenden Wohlfühlangeboten im hist. Albert Bad bzw. der Soletherme & Saunawelt Bad Elster - so schweben Körper und Geist auf anspruchsvolle Weise! Alle Infos: 037437/ 53 900 | www.chursaechsische.de

Das Foto zeigt RadimVojir und MicheleRödel (©PetraMateijkova)


Amerikanische Klassiker zum Saisonausklang

9. Philhamonisches Konzert der Vogtland Philharmonie: 22. Mai, 19.30 Uhr, Reichenbach/V., Neuberinhaus // 24. Mai, 19.30 Uhr, Greiz, Vogtlandhalle

Die Rhapsody in Blue ist nicht nur das neben Porgy and Bess populärste Werk George Gershwins, sondern der Broadway-Klassiker überhaupt. Mit seiner Uraufführung in der Aeolian Hall in New York begann 1924 sein Siegeszug auf die Konzertbühnen der Welt. Der berühmte Bandleader und selbsternannte ‚King of Jazz’ Paul Whiteman konnte Gershwin einst dafür gewinnen, ein Jazz-Stück für klassisches Orchester zu schreiben. Mit Unterstützung des Whiteman-Arrangeurs Ferde Groféaus generierte Gershwin das geniale Sternwerk authentischer Jazz-Sinfonik. Bis heute ist es in seiner vitalen Frische und Ungezwungenheit unerreicht und steht nun im Mittelpunkt des neunten Sinfoniekonzertes der Vogtland Philharmonie. Der für den Solopart gewonnene, rumänische Pianist Csíky Boldizsár ist einer der populärsten Künstler seines Landes. Er konzertierte mit allen Sinfonieorchestern Rumäniens, absolvierte mehrere CD-, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen, war Juror nationaler und internationaler Musikwettbewerbe und hielt selbst Meisterkurse im In- und Ausland.

Doch zu Beginn des Konzertes stellt die Philharmonie zunächst faszinierende Musik aus Lateinamerika vor: den temperamentvollen Danzòn Nr. 2 des zeitgenössischen mexikanischen Komponisten Arturo Márques. Er schrieb einige solcher Tänze, doch dieser wurde weltweit populär, als ihn das Simón Bolívar Youth Orchestra Venezuelaals Paradestück auf seiner Europatour 2007 präsentierte. Zu diesen beiden Highlights passend, erklingt im Ausklang des Konzertabends eine Orchestersuite der populärsten Sinfonischen Tänze eines anderen Broadway-Klassiker; der West Side Story Leonard Bernsteins. Das Konzert steht unter der Stabführung von GMD Stefan Fraas. Die Einführungsgespräche mit Dr. Wolfgang Horlbeck finden wie gewohnt um 18.45 Uhr im jeweiligen Haus statt, die Reichenbacher Konzertbusse verkehren unverändert, in Greiz gilt der Fahrplan des PRG im Stadtverkehrsowie ein Fahrpreis von einem Euro bei Vorzeigen der gültigen Eintrittskarte.

Karten: Neuberinhaus (03765-12188) sowie in der Vogtlandhalle (03661-62880) oder der Tourist-Info Greiz (-689815)


Angela Wiedl auf Tournee: Festliche Kirchenkonzerte

Angela Wiedl Festliches Kirchenkonzert

„Ich glaube an Gott“, so der Titel und dieses Kirchenkonzertes, und Angela Wiedl meint sehr wohl, was sie da behauptet. Tief verwurzelt in ihrem Glauben, nimmt die Sängerin daraus die Kraft, um für alle Schicksalsschläge gewappnet zu sein und ihre grundsätzlich optimistische, lebensbejahende Grundeinstellung zu behaupten. Da bei einer so kreativen Sängerin, die seit dem 11. Lebensjahr auf der Bühne steht, eine ganze Menge hochkarätiger Lieder zusammenkommt, war es wahrlich schwierig, die besten für dieses Konzert auszuwählen: „Für di stell i a Kerzerl auf“, „Wenn’s der Herrgott so will“ oder „La Passionata“ werden in neuem Arrangements ebenso zu hören sein wie das unter die Haut gehende „Ave Maria“ oder von Brahms „Guten Abend, Gute Nacht“. Schon als Kind hatte sich Angela Wiedl gemeinsam mit ihrer Familie als umjubelte Volksmusiksängerin und Jodlerin etabliert. Nach zahllosen erfolgeichen Alben weiß ihre stetig wachsende Fangemeinde auch die große musikalische Bandbreite der 4-Oktaven-Vokalistin zu schätzen. Ausgezeichnet wurde sie u.a. mit der Goldenen Stimmgabel, der Hermann-Löns-Medaille und dem ECHO. Sie überzeugt nun besonders mit ihren emotionalen Kirchenkonzerten. „Ich freue mich über meine Kirchenkonzerte, weil die Musik für mich letzten Endes auch eine Kraftquelle ist.“

29. Mai, 19:30 Uhr Halle (Saale) Ulrichkirche 2. Juni, 17:00 Uhr Rodewisch St. Petri Kirche 28. August, 19:30 Uhr Freiberg Nicolaikirche 31. August, 17:00 Uhr Köthen St. Agnus Kirche 1. September, 17:00 Uhr Kraftsdorf St. Peter & Paul Kirche

Karten: an allen bekannten VVK-Stellen

Foto: Veranstalter


Festival Güldener Herbst 2019 - eine Vorschau

20. bis 29. September 2019

Der  GÜLDENE HERBST, das Festival für Alte Musik in Thüringen, wird in den kommenden Jahren sein Festivalformat neu ausrichten. Dabei geht um mehr Präsenz in der Festivallandschaft Mitteldeutschlands,  die Konzentration auf einzelne Konzertorte, innovative Konzertformate und ein neues Layout für das kommende Festival 2019. Unverändert bleibt dabei der wissenschaftlich-programmatische Anspruch des Festivals, Im kommenden Jahr widmen sich die Festivalmacher um Gerd Amelung und Prof. Helen Geyer dem Thema „Musik.Dynastie“; dies umfasst sowohl die höfische Musikpraxis an Thüringer Residenzen durch die jeweiligen Herrscherdynastien wie auch die vielfältigen thüringisch-mitteldeutschen Musikerdynastien wie die Bachfamilie oder den Schülerkreis Heinrich Schütz‘. Für ausgewählte Konzerte des Festivals, das vom 20. bis 29. September 2019 stattfinden wird, ist der Kartenvorverkauf bereits gestartet. Zu den in Weimar, Erfurt, Arnstadt und Auerstedt stattfindenden Konzerthöhepunkten werden bekannte Namen der Alten-Musik-Szene wie lautten compagney BERLIN, Capella de la Torre, SingerPur und Batzdorfer Hofkapelle erwartet. 

Das Eröffnungskonzert des GÜLDENEN HERBSTS 2019 in Weimar mit der lautten compgney BERLIN unter der Leitung von Wolfgang Katschner wird sich mit selten zu hörenden Entdeckungen aus dem „Altbachischen Archiv“ einer der wichtigsten Musikerfamiliendynastien Thüringens widmen: Die Familie Bach prägte mit ihrer Musik die berühmten Generationen um Johann Sebastian Bach, die seines Vaters und seiner Vorfahren, wie auch die seiner Söhne. Im Konzert werden die Motetten Johann Sebastian Bachs in ihren zeitgeschichtlichen Kontext gestellt. In der Gegenüberstellung mit Werken aus dem „Altbachischen Archiv“ wird dem Zuhörer sowohl Bachs Traditionsverbundenheit als auch seine umstürzende Innovationskraft nahegebracht. Das Leipziger Ensemble amarcord ist für den Vokalpart angefragt.

Die gesellschaftspolitische Bedeutung von Dynastien thematisiert das Konzert in der Reglerkirche in Erfurt mit Capella de la Torre. Das von Katharina Bäuml geleitete Ensemble gehört zu den führenden Interpreten von Renaissancemusik für Blasinstrumente wie Schalmeien, Dulziane und Pommer und erhielt vor wenigen Monaten den Opus Klassik. In ihrem Programm mit weitgehend unbekanntem Repertoire aus dem 16. Jahrhundert vom Hof Kaiser Karl V. und seiner Hofkapelle werden Einflüsse auf die Musikpraxis am kurfürstlich-sächsischen Hof von Friedrich dem Weisen erkundet. Ausgrabungen aus den beiden Prachtchorbüchern (Antwerpen, Paris), die Günther „der Streitbare“ von Schwarzburg- Arnstadt und Catharina von Nassau-Dillenburg anschaffen ließen, interpretiert SingerPur im Konzert in der Arnstädter Liebfrauenkirche. Während eines vorangehenden Einführungsvortrags wird der Leiter des Thüringischen Landesmusikarchivs Dr. Christoph Meixner die Codices im Original der Öffentlichkeit am Ort der Grablege des Herrscherpaars präsentieren. Günther XLI und Catherina waren mit dem europäischen Hochadel und der musikalischen Hochkultur vielfältig vernetzt.

www.Gueldener-Herbst.de


Martin Kohlstedt & GewandhausChor zu Leipzig: STRÖME

Martin Kohlstedt Gewandhaus Leipzig

Der Komponist und Pianist Martin Kohlstedt gilt als nimmermüdes schöpferisches Phänomen, das das Publikum jedes Mal aufs Neue mit musikalischen Grenzüberschreitungen konfrontiert. Doch ist es gerade diese Energie und Unberechenbarkeit, mit der er sich in den letzten sieben Jahren weltweit eine treue Fangemeinde aufgebaut hat. Seine Stücke zelebrieren die Verquickung analoger und digitaler Instrumentierung. Die modularen Strukturen verleihen ihnen ein größtmögliches Maß spontaner Freiheiten, die er bei seinen Konzerten zur Begeisterung der Zuschauer intensiv auslebt. Auf seinem kommenden Album „Ströme“ (Edition Kohlstedt / Warner Classics; VÖ: 3. Mai) arbeitet der gebürtige Thüringer erstmals mit dem GewandhausChor zu Leipzig unter der Leitung von Gregor Meyer zusammen – ein Wagnis sondergleichen, denn dass der Chor eines klassischen Konzerthauses so fundamental in die freien Assoziationen Kohlstedts eingebunden wurde, ist eine Meisterleistung. Am 8. März veröffentlichte Warner Classics die zweite Singleauskopplung „KSYCHA“, die nach einem dramatischen Sog über das Piano den nach innen gerichteten Fokus entwickelt, sich dem Chaos zu stellen.

Bei den anstehenden Konzerten in Erfurt und Leipzig werden seine modularen Kompositionen die lebendige Zusammenarbeit mit den 45 Chormitgliedern Abend für Abend neu austarieren. Was immer gegeben sein wird: der unverwüstliche Sog seiner Musik. Martin Kohlstedt ist keiner, der sich der großen Inszenierung wegen ein maßgeschneidertes Image übergeworfen hat, das Authentizität ausschließlich vorgaukelt. Es ist einfach eine andere Art, Musik zu denken und mit ihr zu kommunizieren, die ihn im wachsenden Segment der modernen Klassik mit elektronischer Infusion letztendlich so klar und deutlich herausstechen lässt. Kompositorischen Versatzstücken haucht er eine so enorme Lebenskraft ein, die den Zuhörer immer wieder mitreißt, provoziert, elektrisiert. Kollaborationen sind schon immer ein zentraler Bestandteil seines Schaffens. Um seine künstlerische Sicht einer starken Reibung auszusetzen, arbeitete er auf zwei Rework-EPs genreübergreifend mit Künstlern wie Hundreds, Christian Löffler, Douglas Dare, FM Belfast und Dwig zusammen. Mit „Ströme“ verfolgt er weiter konsequent seine Auffassung musikalischer Kreation fernab opportunistischer Trends. Sowohl für Martin Kohlstedt, als auch für den GewandhausChor und seinen Leiter Gregor Meyer stellen Album und Tournee eine Herausforderung experimentellen Charakters dar. So agiert der Chor zum Beispiel ohne klassische Notation, aber mit Raum für individuelles Ausgestalten. Das Ergebnis ist pure Dynamik voller monumentaler Verwerfungen und zarter Annäherungen, aber befreit von jeder Angst, was Klassik sein darf.

17. Dezember 2019, Erfurt, Alte Oper // 9. Februar 2020, Leipzig, Gewandhaus

Karten: bei allen bekannten Vorverkaufsstellen, Tickethotline 0341.98 000 98 und unter www.mawi-concert.de

Foto: Martin Kohlstedt (Fotocredit J-Konrad-Schmidt)