KUSPI-Blog

Mit der Haltung eines Rappers

Am 7. September veröffentlicht Chilly Gonzales „SOLO PIANO III“, den Abschluss der Solo Piano-Trilogie

Der aus Kanada stammende und in Europa lebende Pianist, Entertainer und Grammy-Gewinner Chilly Gonzales ist für den innigen Klavierklang seiner Erfolgsalben Solo Piano und Solo Piano II ebenso bekannt wie für seine Selbstdarstellung auf der Bühne und seine Kompositionen für preisgekrönte Stars. "Gonzo", wie ihn engste Weggefährten nennen, strebt stets danach, ein Mann seiner Zeit zu sein. Er nähert sich dem Klavier mit klassischer und jazz-musikalischer Ausbildung – aber mit der Haltung eines Rappers. Mit über 27 Stunden hält Chilly Gonzales den Guinness-Weltrekord für das längste Solokonzert. Er spielt und schreibt Songs unter anderem mit Jarvis Cocker, Feist und Drake. Mit Never Stop komponierte Chilly Gonzales einen weltweiten Hit für Apple anlässlich der ersten Werbekampagne für das iPad 2. 2014 gewann er einen Grammy für seine Zusammenarbeit mit Daft Punk auf deren Album des Jahres und veröffentlichte den Buch-Bestseller Re-Introduction Etudes mit leicht spielbaren Klavierstücken. Auf seinem letzten Album, Chambers, widmete sich Chilly Gonzales einer modernen Interpretation von Kammermusik. Gonzales ist auch als Rundfunksprecher und “musikalischer Wissenschaftler” hoch angesehen, so z.B. in seiner erfolgreichen Web-Serie Pop Music Masterclass (WDR in Deutschland, CBC in Kanada), der Dokumentation Classical Connections für BBC Radio 1, The History of Music auf Arte sowie der monatlichen, zweistündigen Radioshow Music's Cool with Chilly Gonzales auf Apple Music Beats1: Anhand des Werkes eines stellvertretenden Künstlers führt Gonzales' einzigartige Analyse den Hörer hinter die Theorie und den Spaßfaktor eines kompletten musikalischen Genres. Er schreibt Gastbeiträge für Zeitungen und Magazine (u.a. für The Guardian, i-D Magazine, Clash Magazine) und beteiligt sich an Konferenzen mit Grundsatzreden sowie an Preisverleihungen (u.a. für Die Zeit, Orange, JUNO-Awards).

Am 20. September startet der Kinofilm Shut Up and Play the Piano, eine künstlerische Retrospektive unter der Regie von Philipp Jedicke, die auf der Berlinale ihre Premiere hatte. Sie folgt dem Künstler aus seiner kanadischen Heimat in die Berliner Szene der 90er Jahre und über Paris in die größten Konzerthäuser der Welt, wobei man sich dem Künstler in einem ständigen Wechsel aus neuesten Interviews und Konzertmitschnitten sowie fiktivem Material aus den unterschiedlichsten Zeiträumen nähert. Der Film stellt auch die Weggefährten vor, die immer wieder mit Gonzales zusammengearbeitet haben, u.a. Peaches, Leslie Feist und Produzent Renaud Letang.

Zuletzt wagte sich Chilly Gonzales an eine weitere Form des Unternehmertums: Als Höhepunkt seiner langjährigen Lehr-Erfahrung eröffnete er seine eigene Musikschule – The Gonzervatory. Während des einwöchigen Musik- und Performance-Workshop in Paris konnten sieben ausgewählte Stipendiaten erforschen, was Musikalischer Humanismus und Publikumspsychologie bedeuten – und was es im Jahre 2018 heißt, ein auf der Bühne performender Musiker zu sein. Nach intensivem Coaching, Meisterkursen und Proben gaben die jungen Musiker ein Konzert für 1500 Fans; Chilly Gonzales selbst fungierte als Master of Ceremony. Der Gonzervatory Workshop und das Konzert wurden live auf dem europaweiten Fernsehsender Arte Concert gestreamed – mit einer rekordverdächtigen Zuschauerzahl (zweithöchste jemals erzielte Quote für ein Konzert bei Arte). Die Ausgabe 2019 ist bereits in Planung. 


Deutscher Multimediapreis mb21

Noch bis zum 20. August können sich junge Medienmacherinnen und Medienmacher bis 25 Jahre an dem Bundeswettbewerb beteiligen. Neben der Teilnahme am Medienfestival in Dresden winken Preisgelder in Höhe von über 10.000 Euro.

Digitale Medien sind ein fester Bestandteil des Lebens, insbesondere für junge Menschen. Smartphones, das Internet und etliche Social Media-Plattformen bestimmen das Handeln und die Kommunikation in unserem Alltag. Wir sind aber nicht nur Nutzer, sondern auch Erfinder medialer Produkte. Neue Medien bieten viele Möglichkeiten zur kreativen Aneignung und technischen Weiterentwicklung und gerade jüngere Generationen experimentieren fortlaufend damit. Wie vielfältig diese Möglichkeiten sind, zeigt der Deutsche Multimediapreis mb21 im inzwischen 20. Jahr. Seit 1998 zeichnet der Wettbewerb digitale, netzbasierte und interaktive Arbeiten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. Egal ob Website, Blog oder Video-Kanal, Spiel, App oder Software, Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi: Alle jungen Medienmacherinnen und Medienmacher, die sich spielerisch und kreativ mit digitalen Medien befassen, können noch bis zum 20. August 2018 über die Website www.mb21.de am Wettbewerb teilnehmen. Neben den Preisen in verschiedenen Altersgruppen winken auch Sonderpreise für digitale Spiele, mobile Anwendungen, Medienkunstprojekte aus der Schule sowie zum aktuellen Jahresthema „Zukunftsmusik“. Insgesamt werden Geld- und Sachpreise im Wert von über 10.000 Euro vergeben. Die besten Arbeiten aus dem Wettbewerb werden zum Medienfestival nach Dresden eingeladen und dort präsentiert.

Forum für digitale Medienkultur von Kindern und Jugendlichen

Als Forum der jungen digitalen Medienkultur möchte der Deutsche Multimediapreis mb21 Kinder und Jugendliche im aktiven Medienumgang fördern und ihre kreativen Ideen und Arbeiten würdigen. Er wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Landeshauptstadt Dresden sowie weiteren Partnern gefördert. Veranstalter des Wettbewerbs sind das Deutsche Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF) sowie das Medienkulturzentrum Dresden.


Sardellen Salat sehr gut

Im Rahmen der Thüringer Tischkultur 2018 zeigt das Goethe- und Schiller-Archiv erneut Kochbücher, Rezepte und Menükarten aus dem 18. und 19. Jahrhundert

»Englischer Puting«, »Gutt Hammel fleisch« oder »Hobelspäne« – vom 3. August bis 16. Dezember 2018 gibt das Goethe- und Schiller Archiv der Klassik Stiftung erneut einen Einblick in die Küchen- und Esskultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Handgeschriebene Rezepte aus den Familien Goethe, Schiller, Arnim und Nietzsche sind in der Ausstellung »Sardellen Salat sehr gut« ebenso zu sehen wie kunstvoll illustrierte Menükarten aus der herzoglichen Hofküche, eine eilige Weinbestellung Christoph Martin Wielands und natürlich die Anleitung zu einem »Mittel gegen den Magenkrampf«. Neu in der Schau ist das Kochbuch »Oekonomische Recepte« aus der Familie Kirms-Krackow, in dem sich auch ein Rezept für »Göthe-Plätzchen« findet. Die Wiederaufnahme der Ausstellung »Sardellen Salat sehr gut« erfolgt im Rahmen der Thüringer Tischkultur 2018. Der Eintritt ist frei. In den traditionellen familiären Rezeptsammlungen ging es nicht nur um die Zubereitung von Speisen und Getränken. Auch die Herstellung von Tinten, dekorativem Tafelschmuck, Hausmedizin oder Pflegemitteln wurde von Generation zu Generation weitergegeben. So zeigt die Ausstellung unter anderem eine Anleitung August von Goethes für die korrekte Zubereitung englischer Schuhwichse. Den Familienkochbüchern, meist in Mundart, flüchtig und orthographisch frei niedergeschrieben, standen veröffentlichte Werke wie »Der neue Apicius« von René François le Goullon gegenüber. Der Küchenmeister der Herzogin Anna Amalia publizierte in diesem Taschenbuch seine »Grands Diners« mit auserlesenen Spezialitäten sowie prachtvollen Tafelarrangements und erlangte damit weit über Weimars Grenzen hinaus Berühmtheit. »Menus à la Goullon« wurden noch lange nachgekocht, wie ein Speisezettel von 1873 in der Ausstellung bezeugt. Gleichzeitig gibt die Schau mehrere Beispiele für Rechnungs- und Bestellvorgänge, die die Hauswirtschaft sowie die Vorlieben der Weimarer Größen amüsant illustrieren. So orderte Franz Liszt 1883 einen großen Posten Braunschweiger »Conserven« unter anderem mit marinierten Austern, Mocturtle-Ragout in Madeira sowie »Compôt-Früchten in Zucker« – und ließ sich gleich noch »zwei Scheeren zum Öffnen der Dosen« beilegen. Christoph Martin Wieland sandte im Herbst 1806 notgedrungen eine Eilbestellung an die Erfurter Weinhändler Ramann, da die bei ihm einquartierten napoleonischen Husaren bereits ein »paar Dutzend Flaschen« geleert hatten. Goethe wiederum ließ sich von der Dresdner Nudelmühle regelmäßig mit »Makkaroni« versorgen, die er sich bisweilen nach der morgendlichen Buchweizengrütze zu späterer Tageszeit gönnte. – Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Ausstellung vom 3. August bis 16. Dezember 2018

Mo – Fr 8.30 – 18 Uhr | Sa – So sowie an Feiertagen 11 – 16 Uhr | Eintritt frei

Goethe- und Schiller-Archiv (Mittelsaal), Jenaer Straße 1, 99425 Weimar


Lara Loft und Fishc0p auf der MAG Erfurt 2018

Vom 5. bis 7. Oktober wird Lara als Teil der MAG Erfurt ihre positive Energie an die Besucher abgeben!

Ihre Stimme kennt jeder und mit ihren Videos erobert sie gerade das Internet im Sturm: Mit mehr als 100.000 Abonnenten auf YouTube ist Lara Loft inzwischen nicht mehr wegzudenken – kein Wunder, denn das Multitalent ist nicht nur Synchronsprecherin, Sängerin und Moderatorin, sondern auch als Let’s Playerin und Livestreamerin ein Zuschauermagnet auf Twitch und YouTube. Vom 05. - 07. Oktober wird Lara als Teil der MAG Erfurt ihre positive Energie an die Besucher abgeben! Fishc0p ist der Strahlemann der deutschen Let’s Player-Szene und ebenfalls auf der MAG Erfurt 2018 am Start: Mit mehr guter Laune als alle Happy Hippos zusammen sind seine Livestreams eine fantastische Mischung aus kreativem Chaos und Zwerchfellattacken im Minutentakt – der perfekte Gast für die MAG!

ARTE ist offizieller Partner und Aussteller der MAG
Das Team der MAG ist außerdem sehr stolz und glücklich, ARTE als offiziellen Partner und Aussteller der MAG Erfurt 2018 begrüßen zu dürfen. Hierzu Adrien Larouzée, Leiter des Bereichs Games und Web: “Zum ersten Mal ist ARTE stolzer Sponsor der MAG Erfurt und vom Indie Arena Booth! Wir können gar nicht darauf warten, mit euch die Talente und Kreativität der Indie Games Szene zu feiern.” 

Bewerbung für den Indie Arena Booth auf der MAG hat begonnen
Auf 500 Quadratmetern entsteht in der Halle 1 der Messe Erfurt der Himmel auf Erden für alle Indie-Fans – und Entwickler können sich jetzt noch mit ihren innovativen Ideen und coolen Konzepten für die MAG Erfurt 2018 bewerben. Neben stark reduzierten Stand-Preisen können Indies auch direkt an die Besucher ihre Games und Merch verkaufen. Hier ist der Link zur Anmeldungt: https://indiearenabooth.de/apply/mag

Der große Erfolg geht weiter - Court of Fables X MAG präsentieren Game of Frills
Auf der Magnology 2017 in Hamburg war Game of Frills bereits ein gigantischer Erfolg - klar, dass dieses Event der Superlative auch auf der MAG Erfurt 2018 auf keinen Fall fehlen darf. Wie im Vorjahr wird es deshalb wieder einen exklusiven Lolita-Bereich mit Ehrengästen sowie einzigartige Leckereien, die einem königlichen Festmahl in nichts nachstehen, geben. Weiteres Highlight ist natürlich das spannende Unterhaltungsprogramm, das neue Maßstäbe setzen wird. Tickets für “Court of Fables X MAG präsentieren Game of Frills” gibt es unter https://www.eventbrite.de/e/court-of-fables-x-mag-prasentieren-game-of-frills-tickets-45141007970

Drei Tage lang buntes Programm, das in der großen Tea-Party am Sonntag, den 07.10.2018, gipfelt, machen die MAG Erfurt 2018 zu einem Pflichttermin für alle Lolitas - und natürlich sind auch alle namhaften Lolita Brands dabei:

  • Atelier Pierrot
  • Triple Fortune
  • Angelic Pretty
  • Le Petit Four
  • Mystic Alice
  • Tanita Behrendt
  • Kreativmiez
  • Loliya
  • Pierre de Lune

Neue MAG Homepage online 
Alle Infos zur MAG Erfurt 2018 gibt es natürlich auch auf der komplett neugestalteten und optimierten Website, die jetzt noch einfacher zu navigieren ist und auf der sämtliche Details leicht zu finden sind: http://mag-con.de. Dort findet Ihr auch alle Informationen zu unseren tollen neuen Aussteller und Stars. Das Line Up wächst von Woche zu Woche!

Noch mehr Infos zu den Tickets findet Ihr unter: http://mag-con.de/tickets


Das kleine Buch der Thüringer Trachten

Buchpremiere: Freitag, den 3. August, 18 Uhr, Wechmar, Landhaus Studnitz

Zwei junge Leute, sie mit Goldhaube in weißen Taft gehüllt, er im schwarzen Bratenrock mit Dreispitz reicht ihr den Myrrtenkranz, zieren den Buchtitel. Sie kommen aus Oberdorla, dort wo der Dorfanger am größten ist. Im RhinoVerlag in Ilmenau ist mit diesem Bild in der Reihe der Westentaschen-Bibliothek das kleine Buch „Thüringer Trachten“ erschienen. Autor ist Thüringens „Trachtenmann Nummer Eins“ Knut Kreuch, der vor genau 20 Jahren sein erstes Buch über die Kleidung des Freistaates „Trachtenland Thüringen“ vorlegte. Nun hat Kreuch eine neue Form gefunden, um Tracht dem Menschen ans Herz zu legen. „Ich wollte gern eine kleine Form, die in jedes Trachtenkörbchen, jede Manteltasche oder sogar ins Strumpfband passt. Wir sind in unseren Trachten jährlich viele Kilometer als Botschafter unserer Heimat unterwegs und da muss man ganz praktisch auch immer etwas dabei haben, was die Leute von uns zu Hause behalten“ so der seit Jahrzehnten für die Heimat- und Trachtenpflege engagierte ehrenamtliche Landesvorsitzende.

Auf 92 Seiten erzählt Autor Knut Kreuch ohne Anzüglichkeiten den Weg von den alten Kleiderordnungen zur Tracht, verfolgt die Geschichte der Thüringer Tracht und der ersten Vereine und er nimmt seinen Leser mit auf Wanderschaft durch die Thüringer Trachtenlandschaft sozusagen von Verein zu Verein. Abschließend klärt er auf, wie man im Jahr 2018 eine Tracht bekommt. Man merkt, das Buch hat ein Trachtenträger geschrieben, es sprüht von der Liebe zum historischen Gewand, von der Geschichte, die sich mit jedem einzelnen Kleidungsteil verbindet. Das Buch bleibt natürlich aktuell, es ist kein Geschichtsbuch für Leute von Gestern, es zeigt Menschen, die im 21. Jahrhundert gern ihre Trachten tragen in allen Regionen Thüringens. Auf 92 Seiten illustrieren 43 farbige Aufnahmen die Pracht und Vielfalt der Thüringer Trachtenlandschaft. „Das kleine Buch ist einmalig für die Trachtenlandschaft in Deutschland“ freut sich Landesgeschäftsführerin Eva Kowalewski „bisher hat kein Landesverband ein so handliches Buch über seine Trachten und Trachtengeschichte.“ Und sie fügt hinzu „….aber ich bin sicher, dem Thüringer Beispiel werden in Kürze, viele folgen!“ Das Buch ist zum Preis von 5,95€ ab sofort in allen guten Buchhandlungen erhältlich.

 


Weltverbesserer und Idealist

Zum 20. Todestag von Gerhard »Gundi« Gundermann erscheinen im August Buch, Film und Soundtrack

DAS BUCH
Gerhard Gundermann (1955-1998) war Baggerfahrer und Liedermacher, Genosse und Rebell, Offiziersschüler und Befehlsverweigerer, Spitzel und Bespitzelter. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser wusste. Ein Zerrissener. Er drängte immer nach vorn und eckte immer an. Menschen wie ihn gibt es selten, aber überall.

Das Buch enthält viele bisher unveröffentlichte Texte und Fotos, Briefe und Erinnerungen, Dokumente und Interviews. Zugleich gibt es Einblick in die Entstehungsgeschichte des großen Kinofilms GUNDERMANN, der noch einmal neu auf ein verschwundenes Land blickt. Es ist nicht zu spät dafür. Es ist an der Zeit. „Manchmal fallen mir ein paar musikalische Takte ein, ich erinnere mich an eine Zeile und suche nach dem Kontext. Das ist nicht immer einfach, weil Gundermann die sprachlichen Bilder oft wechselt, scheinbar wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Eben noch ‘schickt dein Magen den Schnaps zurück’ und in derselben Strophe ‘liegt [dein Herz] blank’ ‘und dir fall’n die Tassen aus dem Schrank’. Es geht hin und her bei ihm und ganz woanders hin (...) Mit diesem Lesebuch möchten seine Autoren, Fotografen und der Herausgeber eine Biografie vorstellen. Ganz und gar nicht vollständig. Wie kann es anders sein? Und auch nicht zwingend chronologisch. Eher mäandernd, mal hier-, mal dorthin schweifend. Da stehen Briefe neben Erinnerungen, Dokumente neben Interviews, Fotos neben Berichten. Für die einen Stützen des Gedächtnisses, für die anderen Flügel der Fantasie. Daneben gibt es Lücken und Löcher. Die sind schnell bemerkt und nur langsam oder eben gar nicht zu schließen. Beispielsweise haben wir uns mit den neunziger Jahren nicht so intensiv beschäftigt, vor allem weil diese Zeit in anderen Publikationen und im Internet gut dokumentiert ist.
Gundermann zuzuhören, seiner Kindheit in Weimar und Hoyerswerda nachzuspüren, seine Sehnsucht nach dem verlorenen Vater zu ahnen, seinen ewigen Kampf zu verstehen, seinen glühenden Idealismus zu erkennen und seine an glücklichen Tagen rastlose Suche nach Liebe zu bemerken, mag unsere Neugier wecken auf einen Menschen aus unserer Nähe.“ (Aus dem Vorwort von Herausgeber Andreas Leusink.)

DER FILM
Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor wirft Regisseur Andreas Dresen in dem Film GUNDERMANN einen Blick auf das Leben von Gerhard „Gundi“ Gundermann, einem der prägendsten Künstler der Nachwendezeit. Er starb 1998, mit gerade einmal 43 Jahren. Das Drehbuch stammt von Laila Stieler. Die Hauptrolle spielt Alexander Scheer, der alle Lieder im Film selbst eingesungen hat. Anna Unterberger steht als seine Frau Conny
Gundermann vor der Kamera und in weiteren Rollen sind unter anderem Axel Prahl, Thorsten Merten, Bjarne Mädel, Milan Peschel, Kathrin Angerer und Peter Sodann zu sehen. (Pandora Film)

Kinostart: 23. August
www.gundermann-derfilm.de

Zeitgleich zum Kinostart erscheint der grandiose Soundtrack des Films: 18 Gundermann Songs, die zu Volksliedern wurden – berührt, weitergeführt und neu interpretiert vom Musiker und Sänger Alexander Scheer.


Max Mutzke: Mit COLORS zurück zum Soul!

Am 28. September erscheint bei Sony Music das neue Album

Mit seinem Album „Colors“, das am 28. September bei Sony Music erscheint, setzt Max Mutzke selbstbewusst einen neuen, internationalen Standard für die deutsche Soulmusik und qualifiziert sich als Marvin Gaye seiner Generation mit eigener künstlerischer Vorstellung.
Das Motto ist „Back to Soul“. Das Ergebnis ist ein Stück Unvergänglichkeit, eine klingende Zeitreise durch die unterschiedlichsten Facetten von R’n’B und Soul.
Mit analogen Instrumenten und in wochenlanger Detailarbeit haben Max Mutzke und seine Mitmusiker aus legendären Hip-Hop-Nummern von Superstars wie Grandmaster Flash, De La Soul, Warren G. oder Mary J. Blige neue, krachende Neo-Soul-Hymnen gemacht - gemischt und gemastered von Grammy-Gewinner und D’Angelo Producer Russell Elevado.
Mit seinen Coverversionen zeigt Max Mutzke was wirklich in ihm steckt und agiert auf Augenhöhe mit den Originalinterpreten. Mit viel Herzblut und Sachverstand hat er die Originaltitel seziert und neu arrangiert und ganz selbstverständlich die Soul- und Motown-Wurzeln des Hip-Hops freigelegt. So hat man diese Tracks noch nie gehört.
Unter den zwölf Stücken auf „Colors“ finden sich auch zwei neue Songs und ein Cover des Protestsongs „Everyday People“ von Sly & the Family Stone. Einen ersten Vorgeschmack auf das neue Album liefert bereits am 20. Juli der Track „Augenbling“, eine kongeniale Interpretation des legendären Seeed-Hits von 2012.
Max Mutzke gehört zweifellos zu den besten deutschen Pop- und Soulsängern. Mit seiner kraftvollen Stimme kann er mühelos jedes Genre bedienen. „Welt hinter Glas“ aus seinem letzten Studioalbum „Max“ war ein Pop-Radio-Hit, mit der NDR Radiophilharmonie lässt er mit Standards wie „Me & Mrs. Jones“ die große Tradition amerikanischer Jazzorchester aufleben und mit seiner Band monoPunk kann es ganz schön funky werden. „Jeder weiß, dass Max ein unfassbarer Sänger ist, aber das, was da jetzt passiert, hat noch keiner erlebt“, so Bassist Danny Samar. „Wir haben es echt geschafft, all diese Farben aus ihm rauszuholen.“ Gemeinsam mit dem Keyboarder Maik Schott und Drummer Tobias Held begleitet Samar den Sänger aus dem Schwarzwald seit mittlerweile sieben Jahren. Neu im Team ist der Toningenieur Torsten Eichten, der Betreiber des Hamburger Studios Granny’s House. „Die Art, wie wir hier arbeiten, ist die Art, wie jeder gern arbeiten würde“, gibt Max Mutzke zu. Die Band wohnt im Studio, kocht gemeinsam, widmet sich den ganzen Tag der Musik und alles wird mit analogen Originalinstrumenten eingespielt.
Vielleicht ist „Colors“ genau deswegen das Album, an dem man im Herbst 2018 nicht vorbeikommt. „Colors“ bringt die Farben des Souls zurück in eine manchmal ganz schön graue Welt.

MAX MUTZKE - ALBUM: COLORS, Sony Music, VÖ: 28. September 2018, CD, 180g-Vinyl, Download, Streaming, www.sonymusic.de


Neues Album von Monophonist

"Über die Freiheit der praktischen Unvernuft" erscheint am 7. September (Laut Records & Artist Station Records/Soulfood)

MONOPHONIST sind das, was im ersten Titel Hauptstrom des neuen Albums über jemand anders gesagt wird: Ein Hybrid, ein Bastard, der sein Leben lang Hardcore, Punk und Rock 'n' Roll zerkaut und sich dann an Jazz, Surf und Country verschluckt hat. MONOPHONIST schreiben Texte, die dem Ohr schmeicheln, aber in der Magengegend brennen, wenn der Sinn ankommt. MONOPHONIST wollen den Welle-Teilchen-Dualismus für Musik: Sie soll gleichzeitig zu 100% das Gehirn kitzeln und zu 100% im Körper Vollgas geben, sie soll das Herz zum Lachen bringen und trotzdem einen Sprengsatz in uns zünden.
Gestartet sind MONOPHONIST als Kölner Band in 2012, wobei Jonathan Hoffmann schon ab 2009 Musik für diese Band geschrieben und produziert hat. Nach der ersten Produktion fand sich das Personal zusammen, es gab erste Konzerte, eine Tour mit PANZERBALLETT und einen Auftritt auf dem Euroblast Festival. Es folgte das erste Album in voller Länge und ein Projection Mapping Konzert, bei dem dreidimensionale Bühnenelemente und eine Leinwand mit Projektionen bespielt wurden, die mit der Musik eine Ton-Bild-Einheit ergaben. Es folgen weitere Konzerte und Einladungen zur Kölner Musiknacht und zum KLAENG Festival.

Nach drei Jahren Komposition und einem halben Jahr Produktion ist die vierte Veröffentlichung Über die Freiheit der praktischen Unvernunft von MONOPHONIST bereit zum Abfeuern. Die Produktion wurde wieder von Jonathan Hoffmann selbst durchgeführt, der schon für die Produktion der Debut-EP Bilanz 2010 und des Albums Personalunion Auszeichnungen vom Verband deutscher Tonmeister bekam. Eine weitere Auszeichnung bekam dieses Album schon im voraus: Veröffentlichung und Tour werden vom Musikfonds gefördert, dem neugegründeten Zusammenschluss verschiedener großer Musikinitiativen.

Bandmitglieder:

Thomas Sauerborn: Schlagzeug, perkussive Elektronik, Stimme, Studium am CvA Amsterdam und an der HfMT Köln. Masterstudium am RMC Kopenhagen (Schlagzeug), tätig als Musiker und Musiklehrer (Köln)
Kenn Hartwig: E-Bass, Kontrabass, Studium an der HfMT Köln (Kontrabass/E-Bass)
tätig als Musiker und Programmierer (Berlin/Köln)
Daniel Hölscher: E-Gitarre, Jazzgitarre, Studium am MGI Köln (Jazzgitarre), Diplom-Studium (FH) Ton- und Bildtechnik an der RSH+FH Düsseldorf, Hauptfach Jazzgitarre, tätig als Kreativer und Technischer Leiter des PRG Lab (Düsseldorf)
Jonathan Hoffmann: Stimme, Saxophon, elektronische Klangerzeugung, Diplom-Studium (FH) Ton- und Bildtechnik an der RSH+FH Düsseldorf, Hauptfach Saxophon, tätig als Musiker, Komponist und Toningenieur (Köln)
www.monophonist.de


Zweiter Konzert-Marathon mit Stardirigent Valery Gergiev

Sinfonien, Konzerte und Kantaten von Sergej Prokofjew als eindrucksvolle DVD-Edition bei Arthaus Musik / Von Dr. Eberhard Kneipel

Schon einmal hatte Valery Gergiev mit einem Konzert-Marathon für Staunen und Bewunderung gesorgt. Das war 2013/14, als er mit einem Großaufgebot an Top-Interpreten aus St. Petersburg nach Paris gereist war,  um im legendären Salle Pleyl  innerhalb kürzester Zeit alle  Sinfonien und Konzerte von Dmitri Schostakowitsch aufzuführen. Dieses Ereignis ging via Fernsehen um die Welt, und Arthaus-Musik hat die hochkarätigen Aufnahmen, die Werk-Kommentare Gergievs und eine Filmbiografie über Schostakowitsch in einer einzigartigen audiovisuellen Edition veröffentlicht – 2015, zu Ehren des 40. Todestages dieses Komponisten, den Penderecki einmal „den wohl größten des 20. Jahrhunderts“ genannt hat 

Als dann im April 2016 der Stardirigent, das Orchester und der Chor des Mariinsky-Theaters sowie zahlreiche handverlesene russische Solisten zum zweiten Marathon antraten, entfesselte das Energiebündel Gergiev nochmals einem unglaublichen Kraftakt: Zwei Tage reichten aus, um das Publikum in St. Petersburg und in Moskau mit allen Sinfonien, Konzerten und chorsinfonischen Werken von Sergej Prokofjew zu begeistern. Es wurde ein Fest zum 125. Geburtstag dieses anderen Giganten der sowjetischen Musik. Wieder liefen die Konzerte über den Bildschirm, und man wünschte sich Gleiches wie bei Schostakowitsch. Jetzt ist es soweit: Arthaus Musik hat das Warten belohnt und trumpft nun mit der exklusiven Prokofjew-Edition auf. 

Der Komponist, der 1891 als Sohn eines Landwirts in der Ukraine geboren wurde und 1953 in Moskau starb, hat in St. Petersburg Musik studiert und nach 1918 lange Zeit in den USA und in Paris gelebt; 1936 kehrte er in sein Heimatland zurück. Sein Schaffen ist umfangreich und vielfältig und sucht sich den eigenen Weg zwischen Modernismus und Volksverbundenheit. Mit dem Geniestreich der Symphonie classique errang Prokofjew  1917 Weltruhm, den Opern wie „Die Liebe zu den drei Orangen“ und „Krieg und Frieden“, die Ballette „Romeo und Julia“ und „Cinderella“, Konzerte und Sinfonien, Filmmusik und das musikalische Märchen „Peter und der Wolf“ vermehrt haben. In den Sinfonien 2, 3 und 4 näherte er sich 1925-30 dem Expressionismus an, die Fünfte –„Auf die Größe des menschlichen Geistes“ – wurde am 3. Januar 1945 unter seiner Leitung uraufgeführt und gilt als seine bedeutendste Sinfonie, und die melodisch schöne Siebte widmete er 1952 der Jugend seines Landes. Und auch wenn die Kantate „Alexander Newski“ (1939) oder das Oratorium „Iwan der Schreckliche“ (1942-45) historische Themen abhandeln, ist der Gegenwartsbezug dieser Werke unüberhörbar, indes die scheinbar propagandistische Kantate zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution eher ein kühnes Experiment als eine politische Manifestation darstellt.... Ungeachtet seiner Meisterwerke und hochgeehrt, wurde aber auch Prokofjew 1948 ein Opfer von Anfeindungen und Restriktionen der dogmatischen Kulturpolitik Schdanows. 

„Heftig und verzaubernd“ empfindet Valery Gergiev die Eindrücke, die er schon als Klavierschüler vom Leben und Schaffen des Komponisten empfing. Heftig und verzaubernd wirkt auch die Prokofjew-Edition: Heftig, indem sie die sieben Sinfonien, die acht Konzerte für Klavier, für Violine und für Violoncello, die Skytische Suite und die Kantaten und Oratorien großartig präsentiert und zugänglich macht... Verzaubernd, weil die Solisten und Instrumentalisten die Musik wunderbar zum Klingen bringen. Ob Sänger wie Olga Borodina oder Igor Morozov, Pianisten wie Daniel Trifonov oder Denis Matsuev, der Geiger Leonidas Kavakos, der Cellist Alexander Ramm – sie sind alle begnadete Künstler mit legendärem Ruf. Und Gergiev ist ihr Meister -  die treibende Kraft...  

Begleitet wird dieser Aufführungs-Marathon durch ein umfangreiches Booklet und die Filmdokumentation „Prokofjew: Auf dem Weg“ von Anna Matison, die einen innigen Blick auf das Leben, das Werk und in das Tagebuch des Musikers wirft. Und am Ende tun sich die  Prallelen zwischen dem großen Komponisten und Russlands berühmtesten Dirigenten auf – überraschend und faszinierend ... 

Prokofjev, Complete Symphonies & Concertos / Scythian Suite „Ala & Lolly“/ Seven, they are Seven / Cantata for the 20th Annversary of the October Revolution/ Alexander Nevsky / Ivan the Terrible. Arthaus Musik, 109 329 (7 DVDs) / 109 330 (4 Blu-ray) / Laufzeit: 785 min.


Entdeckungen per pedes, Pedal und Paddel

Welches Schloss ist voller Eier? Wieso gibt es ein Zahnbürstendenkmal? Und wo kann man mit dem Kanu fast bis ans Bett fahren? Entdecken Sie Spannendes, Skurriles und Schönes entlang der Unstrut – 111 Orte, die Sie überraschen werden. Auf knapp 200 Kilometern durch Thüringen und Sachsen-Anhalt schlängelt sich die Unstrut. An ihren Ufern fanden einst große Schlachten statt – heute ist die Flusslandschaft ein interessantes Freizeitgebiet. Ein Radweg erstreckt sich von der Quelle bis zur Mündung, die angrenzenden Städte und Orte sind voller Sehenswürdigkeiten und locken mit vielen Überraschungen. Auch Spaziergänger und Paddler kommen hier auf ihre Kosten. Ulf Annel lädt in seinem neuen Erlebnisführer zu 111 Erkundungen in der Flussgegend ein. Fotografin Juliane Annel hat alle Orte wunderbar eingefangen. Naturfreunde, Sportler und Anhänger von Kultur und Kunst werden in dem Band viele Tipps für Unternehmungen finden und Spannendes, Schönes und Skurriles sehen und erleben. Der Neugier sind keine Grenzen gesetzt, denn es gibt viele Wege entlang der Unstrut.

Ulf Annel: 111 Orte an der Unstrut, die man gesehen haben muss / mit zahlreichen Fotografien von Juliane Annel, Köln: Emons Verlag 2018, 240 Seiten, ISBN 978-3-7408-0347-6


Zauberhaft und einzigartig

Die Violinkonzerte von Karol Szymanowski und Mieczyslaw Karlowicz / Von Dr. Eberhard Kneipel

Faszinierend – die Werke, die Künstler, die Tonaufnahme. Längst schon hat Chandos mit seinen Einspielungen der Sinfonien von Szymanowski und der Tondichtungen von Karlowicz Pionierarbeit geleistet und für viel Aufsehen gesorgt. Mit den Violinkonzerten der beiden gelingt dem Label nun eine weitere erlebnis- und erkenntnisreiche Präsentation. Und auch da zeigen sich diese Komponisten als die herausragenden Vertreter der progressiven Gruppe „Junges Polen“ am  Beginn und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beide haben den Absprung aus provinzieller Enge gewagt. Beide haben lange im Ausland gelebt, dort reiche Erfahrungen gesammelt und den Anschluss an die internationale Moderne gefunden. Und beide haben erstmals seit Chopin der Musik ihres Heimatlandes Weltgeltung verschafft und auch den nachfolgenden Generationen Wege und Ziele des Fortschritts gewiesen. Und wenn Karol Szymanowski seine Kunst als „Improvisationen eines Wanderers, der immer weiter zu neuen Ufern und Kontinenten strebt“ empfand, so trifft das nicht minder auf das Schaffen von Mieczyslaw Karlowicz zu. Dessen Violinkonzert A-Dur – 1902 entstanden und ein Jahr später unter seiner Leitung in Berlin mit dem Philharmonischen Orchester uraufgeführt – steht am Anfang einer verheißungsvollen Entwicklung, die durch den Lawinen-Tod des 33-jährigen 1909 in der Tatra ihr tragisches Ende fand. Womöglich hätte Karlowicz sonst mit seinen einzigartigen sinfonischen Dichtungen und Orchesterwerken Szymanowski den Rang abgelaufen. Wagners „Ring“, Tschaikowskis Melancholie und die Klangraffinessen von Strauss, aber auch die polnische und die litauische Volksmusik legten den Grund seines Schöpfertums, das sehr schnell zu individuellem Ausdruck fand. Und das frühe dreisätzige Violinkonzert, das vernehmlich an Tschaikowskis Meisterwerk anschließt, erhält durch die herrlichen lyrischen Melodien des Nebenthemas im 1. Satz, in der Romanza und im Mittelteil des Finales seinen besonderen Reiz.

Szymanowskis Konzerte markieren hingegen verschiedene Stationen seines Weges, und sie spiegeln zudem die europäische Musikentwicklung zwischen Spätromantik, Folklorismus und Neuer Sachlichkeit wider. Es scheint, als gäben sich Debussys Faun und Strawinskis Feuervogel, Skrjabins Ekstasen und die Leuchtkraft von Strauss, die Stimmen der Natur und die Tänze der Bergbauern ein Stelldichein. Das 1. Konzert (1916) ist SzymanowskiVerklärte Nacht – geheimnisvoll schimmernde, vielfarbig schillernde und sinnlich schwelgende Klänge, inspiriert von Tadeusz Micinskis Gedicht Mainacht. Klarer in der Form, härter im Ton und vitaler im Rhythmus zeigt sich dann das 2. Konzert. Ihm verlieh der legendäre Geiger Pawel Kochánski ebenfalls seinen Feinschliff, und er hat dieses letzte große Werk des Freundes auch 1933 in der Warschauer Philharmonie uraufgeführt. Auch jetzt sind die Interpreten ein Glücksfall für diese drei beeindruckenden Konzerte! Jasmin Littles ebenso fulminantes wie feinsinnigen Spiel imponiert mit jener „atemberaubenden Virtuosität“ und „glühenden Hingabe“, für die sie weltweit gerühmt wird. Und das BBC Symphony Orchestra öffnet mit Edward Gardner am Pult aufs Neue wie von Zauberhand die wundervollen Klangwelten dieser beiden polnischen Genies ...

Karol Szymanowski/Mieczyslaw Karlowicz: Violin Concertos; Jasmin Little (Violine), BBC Symphony Orchestra, Ltg. Edward Gardner // Chandos 1 SACD CHSA 5185


Bald Start der 2. Sommerakademie in der Häselburg Gera! Jetzt anmelden!

In einer Dunkelkammer arbeiten, einen Film drehen, ein eigenes Kunstwerk erschaffen – die Gelegenheit dazu bietet die 2. Sommerakademie der Häselburg Jugendlichen und jungen Erwachsenen vier Wochen lang vom 09.07.-10.08.2018 in den Sommerferien. Alle, die Freude am kreativen Arbeiten haben und neue Techniken erlernen wollen, können sich ab jetzt anmelden. Zur diesjährigen Sommerakademie hat die KiM – Kultur in Mitteldeutschland – gGmbH vier international erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler eingeladen, neun Workshops in den Sommerferien in den neu errichteten Kursräumen durchzuführen. In den Workshops können die Teilnehmenden in der Dunkelkammer mit Licht „malen“, einen Film drehen oder ein eigenes Kunstwerk gestalten. Die Sommerakademie setzt sich mit dem Thema „Orient und Okzident“ auseinander und mit der Frage, was die beiden Kulturkreise voneinander unterscheidet. Was glauben wir übereinander zu wissen, was wissen wir wirklich? Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit den Mythen der westlichen Welt und des Orients, mit der eigenen Kultur und mit fremden Kulturen. Die Berliner Künstlerin Katja Schütt wird die Teilnehmenden in ihrem Fotogramm-Workshop „Dingwelten“ in die magische Welt der Dunkelkammer einführen. Durch direkte Belichtung werden die Lieblingsgegenstände der Teilnehmenden einen weißen Abdruck auf dem Fotopapier hinterlassen. So werden die Dinge in ein anderes Licht getaucht, sodass die Geschichten der Dinge – ihre Biografie – neu „beleuchtet“ und somit zu neuem Leben erweckt werden.
Im Freie Kunst-Workshop „Die Welt als Schnittmuster“ gehen die Teilnehmenden mit der syrischen Grafikdesignerin Dona Abboud eine Woche lang auf mediale Spurensuche. Sie werden untersuchen, wie Bilder unser Denken, unsere Identität beeinflussen und was sie uns über uns und andere erzählen. Material aus Zeitungen, aus Nachrichten- und Fotoportalen oder aus sozialen Netzwerken wird zum Ausgangspunkt für ein neues Ganzes – eine Collage. Gemeinsam mit dem Videokünstler Thomas Taube und dem Klangkünstler Gregor Pfeffer erleben die Teilnehmenden des zweiwöchigen Film-Workshops „Bilder im Fluss“ wie ein Film entsteht. Sie entwickeln zusammen Ideen, verarbeiten Mythen und Realitätsfetzen, Wahrheiten und Lügen, Bilder und Worte zu einem eigenen Kurzfilm. Mit Kamera, Smartphone und Mikro sammeln sie Videos und Sounds, lernen den Umgang mit professionellem Filmequipment und experimentieren in der Postproduktion mit Schnitt und Sounddesign.
Die Sommerakademie richtet sich an alle, die ihr schöpferisches Potential entdecken oder ausbauen möchten. Schülerinnen und Schüler, Studierende, junge Berufstätige und Auszubildende, Gersche und Menschen aus aller Welt sind eingeladen in neun verschiedenen Workshops unter professioneller Leitung neue künstlerische Techniken kennenzulernen.
Anmeldung: per E-Mail über contact@haeselburg.org
Teilnahmebetrag: „Dingwelten“ 50 €, „Die Welt als Schnittmuster 50 €, „Bilder im Fluss“ 120 €
Termine:
„Dingwelten”/Fotogramm-Workshop
Workshop 1 09.07-13.07.18 Mo-Fr, 10 -13 Uhr
Workshop 2 09.07-13.07.18 Mo-Fr, 17 -20 Uhr
Workshop 3 16.07-20.07.18 Mo-Fr, 10 -13 Uhr
Workshop 4 16.07-20.07.18 Mo-Fr, 17 -20 Uhr
“Die Welt als Schnittmuster“/Freie-Kunst-Workshop
Workshop 5 16.07.-20.07.18 Mo-Fr, 10 -13 Uhr
Workshop 6 16. 07-20.07.18 Mo-Fr, 17 -20 Uhr
Workshop 7 23.07.-27.07.18 Mo-Fr, 10 -13 Uhr
Workshop 8 23.07-27.07.18 Mo-Fr, 17 -20 Uhr
“Bilder im Fluss”/Film-Workshop
Workshop 9 30.07.-10.08.18 Mo-Fr 10-18 Uhr
Veranstaltungsort:
Häselburg – Zentrum für Kunst, Kultur und Kreativität
Eingang Florian-Geyer-Str. 17
07545 Gera
Tel. 0365-72 27 81 92


Open Your Ears - Wege zur Neuen Musik

Arthaus Musik präsentiert die legendäre Sendereihe mit den großen Vertretern der Nachkriegsmoderne / Von Dr. Eberhard Kneipel

Der Dirigent Gerd Albrecht war nicht nur ein Meister des Taktstocks, er war auch ein Pionier der Musikvermittlung. Er hat sich für die neue Musik und deren Schöpfer engagiert und den Reiz und die Möglichkeiten des Mediums Fernsehen für sich entdeckt. Er wollte seinen Beitrag zur musischen Bildung leisten, die er im Argen fand, und er besaß das rare Talent, die Welt der Töne feinsinnig und verständlich zu erklären und erlebbar zu machen. Solcherart motiviert und befähigt, initiierte er im Januar 1986 die Fernsehreihe „Wege zu Neuer Musik“, für die er den Sender Freies Berlin und das Deutsche Symphonie-Orchester als Partner gewinnen konnte. Bis März 1995 stellten sie gemeinsam vierzehn Veranstaltungen auf die Beine. Dann begann die Quote zu herrschen, und die preisgekrönte Reihe  entfiel; sie geriet aber nicht in Vergessenheit und hatte 2010 - 2012 ihr Revival „Ganz Neu – Ganz Nah“ mit dem Rundfunk- Sinfonieorchester Berlin. „Mich hat die Begegnung mit den Komponisten fasziniert, die Diskussion zwischen einem primär schöpfenden und einem  nachschöpfenden Menschen kann unglaublich spannend sein.“ 

Gerd Albrecht hatte den Wunsch, diese Gesprächskonzerte seinen Hörern auf Dauer zugänglich zu machen. Und der hat sich Jetzt erfüllt: Dank der großzügigen Förderung durch die Commerzbank-Stiftung liegen eine DVD-Edition mit sechs Veranstaltungen aus den Jahren 1986 -2011 und ein dickes Begleichbuch vor. Krzysztof Penderecki und Hans Werner Henze, György Ligeti und Maurico Kagel, Isang Yun und Jörg Widmann sind die Komponisten. Sie zählen zu den bedeutendsten der Zeit. Sie besitzen Individualität, ihre Musik sucht Öffentlichkeit und Resonanz; sie bleibt nicht hermetisch abgezirkelt. Auch die Titel ihrer Werke sprechen. Sie erwecken Neugier und verraten Vielfalt. Sie bieten Zugang und liefern Assoziationen. Und sie verweisen auf die Technik und den „Inhalt“ des Komponierten: Partita für Cembalo, Elektrogitarre, Bass-Gitarre, Harfe, Kontrabass und Orchester – Barcarola für großes Orchester  - San Francisco Polyphony für Orchester - Quodlibet für Frauenstimme und Orchester nach Französischen Chansontexten aus dem XV. Jahrhundert – Muak. Tänzerische Fantasie für großes Orchester – Elegie für Klarinette und Orchester.                     Facetten dieser Klangwelten zwischen Ost und West, zwischen Avantgarde und Neoromantik, zwischen Klassik und Exotik fördert dann der Dirigent mit seinen Musikern und Gesprächspartnern zutage: Sie lüften  Werkstatt-Geheimnisse und bieten Innenansichten. Genial: Henzes Welt- und Werkerklärung anhand seiner Barcarola. Und am Ende liegt ein reizvolles Panorama neuer Musik vor dem Betrachter: Zeitdokumente von außerordentlichem Wert; Filmmaterial, das diese großen Nachkriegskomponisten live zeigt. 400 Minuten dauern die Aufzeichnungen, und die 200 Seiten des attraktiven Buches „Annäherung an die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts“ haben namhafte Autoren unserer Tage geschrieben. Das einzigartige „Komplett-Angebot“ ist eine Freude für Musikfreunde, und dem Dirigenten Gerd Albrecht (1935–2014) setzt es ein ein schönes Denkmal.

Open Your Ears – Wege zur Neuen Musik. Gerd Albrecht dirigiert und erläutert Penderecki, Henze, Ligeti, Kagel, Yun und Widmann //  Arthaus Musik / 6 DVDs  / 109 085


Spektakuläre Zeitreise

Daniel Hopes „Journey to Mozart“ bei der Deutschen Grammophon

Von Dr. Eberhard Kneipel   Es sind nicht nur Saitenglanz oder Seelenzauber, mit denen der Violinvirtuose beeindruckt und in Atem hält. Auch seine originellen Programm-Ideen verschaffen ihm Aufmerksamkeit und Aufsehen: Wo und wann Daniel Hope auftritt, welche Einspielung er gerade absolviert hat - stets ist er mit einem Event der Extraklasse zur Stelle. Da macht auch sein Album „Journey to Mozart“, das die Deutsche Grammophon in aller Schönheit präsentiert, keine Ausnahme. Es ist für eine Überraschung gut und hält doch an allem fest, was Hopes Markenzeichen ist: Geigenspiel vom Feinsten und feinste Stückauswahl auch! Eine Schippe freilich vermag er dennoch draufzulegen. Die wahrlich spannende Entdeckungsreise zu Mozart und um Mozart herum unternimmt Hope zusammen mit dem Zürcher Kammerorchester, dessen Musikdirektor er seit 2016 ist. Ein Spitzenteam also, das der Geiger quasi als Reiseleiter hin zu exquisiten Orten und zu herrlichen Panoramablicken führt ...

Es sind viele persönliche Erinnerungen, die ihn mit Wolfgang Amadeus Mozarts Musik verbinden, und er hat zudem das Gespür dafür, wie stark dieser Komponist seine Zeit empfunden und geprägt hat und bis heute nachwirkt. Da wird Hopes Entdeckungsreise gleichsam zu einer Reise durch die Musikgeschichte – und eine Erlebnisreise ist sie allemal!

Ihren Ausgang nimmt sie mit dem „Tanz der Furien“ und dem „Reigen seliger Geister“ bei Christoph Willibald Gluck und dessen bahnbrechender, 1762 in Wien uraufgeführter Oper „Orfeo ed Euridice“. Statt höfischer Zeremonie aufwühlende Dramatik und empfindsame Melodien. Das Violinkonzert G-Dur von Joseph Haydn, Ende der 1760er Jahre für den Ersten Geiger der berühmten Hofkapelle des Fürsten Esterházy entstanden, fasziniert durch Erhabenheit und Eleganz – es besitzt jene klassische Vollkommenheit, die auch der langsame Satz aus dem Violinkonzert D-Dur von Josef Myslivecek zeigt. Dieser böhmische Musiker erscheint hier ebenso als Überraschungsgast wie der deutsche Geiger, Impressario und Komponist Johann Peter Salomon, der sich mit einer bezaubernden Mozartnahen Romanze von 1818 vorstellt. Und Mozart selbst, das Genie ? Alles, was Hope als „etwas Überirdisches, Unberührbares, nahezu Unerreichtes und doch so Menschliches“ bewundert und verehrt, bringt er im Violinkonzert Nr. 3 G-Dur und im Adagio E-Dur herrlich zum Klingen - Werke, die Mozart während der 1770er Jahre in Salzburg komponiert hat und die nun im perfekten Zusammenspiel von Geige und Orchester den schönen Höhepunkt der Reise bilden. Den turbulenten Schlusspunkt setzt dann der „Türkische Marsch“ in Hopes Orchestergewand und mit allerhand Schlagzeugwirbel.

Die vielen musikalischen Verwandtschaften, die das sorgsam gestaltete Programm offenbart, lassen auch das neue, emanzipierte Lebensgefühl bürgerlicher Künstler und deren individuelles Umfeld nicht im Verborgenen. Die Musiker haben einander gekannt und geschätzt, sie waren befreundet und haben sogar miteinander gespeist -  zumindest Mozart und Gluck  ... So kann auch diese neue Einspielung mit erstaunlichen Erlebnissen und Entdeckungen überraschen. Und am Ende weiß man mal wieder:  Mozart ist immer eine Reise wert!

Daniel Hope & Zurich Chamber Orchestra, Journey to Mozart // Deutsche Grammophon/ Universal Music International, 1 CD 479 837 6

 


Tanz auf dem Vulkan

Krzysztof Urbanski und das NDR Elbphilharmonie Orchester mit Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ / Von Dr. Eberhard Kneipel

Das Eröffnungsprogramm war spektakulär! Chefdirigent Thomas Hengelbrock und das Elbphilharmonie Orchester zelebrierten die Weihe des Hamburger Konzerthauses im Januar 2017 mit einem frappierenden Raritäten-Mix aus alter und neuer Musik - der Saal wurde zum akustischen Experimentalstudio, und die prominenten Premierengäste waren eher befremdet als begeistert. Bald darauf reihte sich Krzysztof Urbanski in den Reigen der Gratulanten und Festivitäten ein: Der junge Pole, seit 2015 Erster Gastdirigent des Orchesters und weltweit auf Achse, machte seinen Auftritt in der „Elphi“ ebenfalls zum Ereignis und bewies auch da seine Klasse - mit ungeheuerem Elan und überbordender Vitalität, mit Gespür für das Außergewöhnliche und die Fähigkeit, selbst schwierigste Stücke in all ihren Facetten zu erfassen und zum Klingen zu bringen. Und so sorgte er denn auch mit einem Jahrhundertwerk für Furore, mit Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“, dem berühmten „Frühlingsopfer“ ... 

1913 hat diese Ballettmusik einen Skandal ausgelöst. Da prallte das archaische Opferritual der „Bilder aus dem heidnischen Russland“ mit der mondänen Lebewelt der Pariser Hautevolee zusammen – und viele empfanden das als Widerhall und Vorschein der Krisen und Katastrophen ihrer Zeit, der Kriege und Aufbrüche dieser Epoche. Für den Komponisten war das Stück die „leuchtende Auferstehung der Natur“, die „Erweckung neuen Lebens“, gar die „Auferstehung der ganzen Welt“ ...

Urbanski reflektiert das auf seine Weise: „Strawinsky erfand eine neue Sprache. Le Sacre ist für mich keine Partitur, sondern ein Gemälde. Auf jeder Seite sehe ich Matisse, Gaugin, die Fauve-Maler. Es ist eine Explosion von Farben, Emotionen und Überraschungen. Wenn man das Stück nicht kennt, weiß man nie, was passieren wird.“ 

Er aber weiß, was passieren wird, und er vermag es, seine Musiker derartig zu elektrisieren und die Hörer so in Hochspannung zu versetzen, dass die Wiedergabe einzigartig wirkt. Sein Geheimnis: Er hat die Noten genauestens gelesen und verinnerlicht, und er spielt den Reiz und die Kraft von Kontrasten voll aus: Nicht nur das Dynamit der brodelnden Rhythmen und Metren der Kampfspiele oder im Tanz der Erde und im Opfertanz zündet Urbanski mit Vehemenz – empfindsam bringt er auch die kristallene Lyrik der Frühlingsbilder zum Leuchten, lässt die alten Volksweisen aufblühen und taucht tief in die Magie der geheimnisvollen Kreise der Mädchen und der Anrufung der Ahnen ein. Am Ende scheint er selbst dieser Klangorgie zu erliegen – da tanzt er am Dirigentenpult entrückt und ekstatisch mit ...

Dass man dies alles so intensiv miterleben kann, ist das Verdienst von Alpha Classics. Das Label hat seiner exzellenten Studio-Aufnahme von „Le Sacre du Printemps“ eine Blu-ray als Bonus mitgegeben - den Mitschnitt des Konzertes vom Februar 2017 in der Elbphilharmonie. Und da bleibt nichts zu wünschen übrig: ein faszinierender Klangraum, ein charismatischer Dirigent und spannende Bilder von den vielen Mitwirkenden, die bei diesem Tanz auf dem Vulkan souverän und mit Hingabe Schwerstarbeit leisten. So, als sei alles nur ein leichtes Spiel ...

Strawinsky, Le Sacre du Printemps / NDR Elbphilharmonie Orchester, Krysztof Urbanski // Alpha Classics, 1 CD & 1 Blu-ray, Alpha 292


Belcanto-Oper als Psycho-Thriller

„Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti am Königlichen Opernhaus in London / Von Dr. Eberhard Kneipel

Man kann staunen, darf sich wundern oder tut sich schwer: Die Aufführung von Gaetano Donizettis berühmter tragischer Oper „Lucia di Lammermoor“ am Royal Opera House hat große Begeisterung ausgelöst und manches Fragezeichen gesetzt. Ob der Jubel zwischen den Szenen und besonders am Schluss aber wirklich dem „Bühnen-Event“ insgesamt galt oder ob er vielleicht doch zu allererst die musikalischen Glanzleistungen honoriert hat – wer weiß das schon so genau ... Denn die Inszenierung von Katie Mitchell wirkt in ihrer Personenführung und Bildsprache überaus ambitioniert und ziemlich gewöhnungsbedürftig - sie zeigt mehr als die Story bietet. Die dreht sich um die Fehde zwischen den schottischen Clans Lammermoor und Ravenswood. Lord Enrico will dem einflussreichen Arturo seine Schwester zur Frau geben, um sich dadurch Macht und Existenz zu sichern. Lucia liebt aber Edgardo, den Todfeind der Familie, und widersetzt sich der Heirat. Rachegetrieben zerstört der Bruder mit Intrigen und Gewalt Lucias Liebestraum. Und als der untreu geglaubte Geliebte wieder vor ihr steht und sie des Verrats bezichtigt, wird Lucia wahnsinnig und stirbt. Treu folgt Edgardo ihr in den Tod. Auch seine Seele schwebt himmelwärts. Geister, Gräber und alte Gemäuer befördern die Gruselstimmung ... 

Um ein feministisches Statement bemüht, verlegt Katie Mitchell die Handlung von 1700 ins Viktorianische England des 19. Jahrhunderts - in eine Zeit der Reformen und des Kampfes um Frauenrechte. Dazu führt sie – nicht immer  überzeugend – einen zusätzlichen Handlungsstrang ein, der die Qualen und Wirren Lucias ins Extrem steigert und zeigt: nächtliche Liebeswonne am Brunnen, Schwangerschaft und Fehlgeburt, die mörderische Hochzeitsnacht und der Liebestod in der Badewanne. Das sind mitunter makabre Bilder – naturalistisch krass, voller Blut, Obsessionen und Todesvisionen. Was die Szenerie aber außergewöhnlich und spannend macht und den Ruf der vielerorts gepriesenen  Regisseurin bestätigt, sind die modernen Split-Screen-Techniken: Das zweigeteilte Bühnenbild führt die Handlung zeitgleich parallel - es erhellt Hintergründe und deutet Vorgänge psychologisch. Da ist für Fantasie viel Raum ... 

Solisten, Chor und Orchester und der Dirigent Daniel Oren - ein Spitzenensemble – setzen Mitchells Intentionen mit Verve um, und sie brillieren hinreißend mit Donizettis wunderschöner Musik: Arien und Duette vom Feinsten, das herrliche Sextett, die Hochzeits-Chöre und die Wahnsinns-Arie (mit Glasharmonika – Klänge wie aus einer anderen Welt!). In der Rolle der Lucia ist die Weltklasse-Sopranistin Diana Damrau eine Traumbesetzung: intensives Spiel und souveräne Belcanto–Kunst. Auch die Männergesellschaft, der Widerpart dieser aufbegehrenden (und hier alles andere als somnambulen) Frau, lässt es bei Gesang und Darstellung an Bravour nicht fehlen. Fesselnd und geheimnisvoll agiert Rachael Llyod als Alisa – ein „Schutzengel“ der Liebenden wie Wagners Brangäne. Was also erklingt, ist in jedem Moment eine Freude. Was die Bühne anbietet, darüber lässt sich räsonieren. Dank Warner Classics erhält nun auch der interessierte Opernfan auf DVD oder Blu-ray starke Eindrücke von dieser Londoner Aufführung aus dem Jahr 2016. Und kann mitreden - so oder so ... 

Gaetano Donizetti, Lucia di Lammermoor / Dirigent Daniel Oren, Regie Katie Mitchell / Royal Opera House Covent Garden // Warner Classics 1 Blu-ray Disc 0190295792022; Laufzeit 153 min. + 2 Dokumentationen


Lohnende Ausgrabung - spannende Wiederbegegnung

Weinbergers Oper„Wallenstein“ und Korngolds Streicher-Serenade beim Entdecker-Label cpon / Von Dr. Eberhard Kneipel

Nicht immer sind Ausgrabungen Glücksfälle, und manche der aufgespürten Stücke wären besser in der Versenkung verblieben anstatt Theaterbühnen, Konzertsäle oder die Tonträgerlandschaft zu bevölkern. Bei der Musikalischen Tragödie „Wallenstein“ von Jaromir Weinberger ist das anders: Jahrzehntelang stand sie völlig im Schatten seiner Volksoper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“, die 1927 mit sensationellem Erfolg im Prag am Tschechischen Nationaltheater zur Uraufführung kam. Von „Wallenstein“ hingegen blieb nicht die geringste Ahnung. Als es dann 2009/10 in Altenburg und Gera zur deutschen Erstaufführung kam, war das Erstaunen über ihre musikdramatischen Qualitäten groß. Und es verwunderte noch mehr, dass keine Einspielung auf CD oder DVD existierte. Diesen Mangel hat das Entdecker-Label cpo jetzt mit der beeindruckenden Ersteinspielung von 2012 aus dem Wiener Konzerthaus. behoben. Die aber zeigt auch: Die Anforderungen dieser Oper an eine Bühne und an ein Ensemble sind so riesig, dass auch ihretwegen dem Werk die Verbreitung versagt blieb. „Neben einem großen Chor und Orchester kommen noch zahlreiche Bühnenmusiker hinzu, die wiederum in drei Gruppen aufgeteilt sind, bis hin zu einer Tafelmusik mit Cembalo, einer großen Militärkapelle und Trompeten. Weinberger lässt in jedem der sechs Bilder einen anderen Stil zur Geltung kommen, dabei reicht seine schier unbeschreibliche Vielfältigkeit von der Operette, der Atonalität, Klängen der Volksmusik bis hin zum romantisch verästelten Kontrapunkt, wodurch man fast den Eindruck bekommt, es handele sich um mehrere Komponisten", erläutert der RSO Wien-Chefdirigent Cornelius Meister. Er selbst erweist sich freilich als der rechte Mann, diese verblüffende Vielfalt zu bändigen und die großen Historienbilder und eindringlichen Porträts nach Friedrich Schillers Dramatischem Gedicht zu einem faszinierenden Ganzen zu formen. Roland Trekel und Martina Welschenbach führen das großartige Ensemble an, dem die Aufnahme-Technik und die Tonträger-Produktion höchste Aufmerksamkeit und größtes Können widmen. 1937 war die Oper in Wien uraufgeführt worden, ein Jahr später floh der Komponist vor den Nazis in die USA. Dort verließ ihn der Erfolg, er litt unter seiner Vertreibung, und 1967 nahm er sich, einundsiebzigjährig, das Leben ...                                                                     

Auch Erich Wolfgang Korngold fand in den USA Zuflucht hatte in Hollywood Erfolg, konnte aber nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa kaum wieder Fuß fassen. Auch er ein Enttäuschter, ein Vergessener. Aber auch er ein Komponist, der mit seiner Oper „Die tote Stadt“ und dem Violinkonzert vor fast 20 Jahren im Geraer Spielpan vertreten war. Und bereits in den 1990ern hatte ihm das Label cpo eine CD-Serie gewidmet. jetzt sorgt es mit einem Frühwerk und einem Spätwerk auf der neuen Silberscheibe wieder für Aufsehen ... Sein Streichsextett begann Korngold im Sommer 1914 zu komponieren. Da arbeitete der Siebzehnjährige zugleich an seiner zweiten Oper „Violanta“, war international etabliert und galt als das Wunderkind seiner Zeit. Der Dirigent Hartmut Rohde hat nun das Stück für sein HFM Leopoldinum Orchester arrangiert und präsentiert die vier Sätze elegant, verspielt, gefühlvoll und farbenreich im Klang. Dreißig Jahre später, im Exil und nach einem schweren Herzanfall, konzipierte Korngold während der langen Zwangspause im Krankenhaus  ein Werk für Streicher. Auf Notenpapier gebracht, lag dann mit der Symphonischen Serenade B-Dur op. 39 eine Komposition vor, die zu den besten und einfallsreichsten seiner späten Jahre zählt. Er hatte sich selbst übertroffen und seine Schaffenskraft nochmals überzeugend unter Beweis gestellt - allen seinen Befürchtungen zum Trotz ...

Jaromir Weinberger, Wallenstein, Musikalische Tragödie in sechs Bildern / Trekel, Welschenbach, Lukas, Kirch / Wiener Singakademie, ORF Radio-Symphonieorchester Wien; Ltg. Cornelius Meister //cpo, 2CDs 777 963-2

Erich Wolfgang Korngold, Symphonic Serenade op. 39; Sextett op. 10 / NFM Leopoldinum Orchestra; Ltg. Hartmut Rohde // cpo, 1CD 555 138-2