KUSPI-Blog

Wie umgehen mit dem Holocaust?

Diskussion mit Susan Neiman, Max Czollek und Peggy Piesche in der Häselburg Gera am 23. Mai

Am 23. Mai diskutiert die herausragende amerikanisch-jüdisch Philosophin Susan Neiman mit dem jungen deutsch-jüdischen Dichter und Publizisten Max Czollek in der Häselburg. Moderiert werden sie von Peggy Piesche, Abteilungsleiterin der Bundeszentrale für politische Bildung am neuen Standort Gera. Unter dem Titel „Erfolgskonzept Aufarbeitung?“ diskutieren Sie über den Umgang der Deutschen mit dem Holocaust und ob die Aufarbeitung der NS-Verbrechen ein Vorbild für andere sein kann. Grußwortredner sind Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung und Benjamin Immanuel Hoff, Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, Chef der Staatskanzlei und Antisemitismusbeauftragter der Landesregierung.

Während Max Czollek in seinen Büchern „Desintegriert Euch!“ (Hanser, 2018) und „Gegenwartsbewältigung“ (Hanser, 2020) die Aufarbeitung der NS-Zeit scharf als völlig unzureichend kritisiert, rät Susan Neiman in „Von den Deutschen lernen. Wie Gesellschaften mit dem Bösen in ihrer Geschichte umgehen können“ (Hanser, 2020) ihren US-amerikanischen Landsleuten sich bei der Aufarbeitung der Geschichte der Sklaverei ein Vorbild an den Deutschen zu nehmen.

Susan Neiman wurde 1955 geboren und wuchs in einer jüdischen Familie in Atlanta (Georgia) auf. Schon früh wurde sie mit Rassismus konfrontiert. Sie studierte Philosophie an der Harvard University und war 1989 bis 1996 Professorin an der Yale University und danach für fünf Jahre an der Universität Tel Aviv, bevor sie 2000 Direktorin des Einstein-Forums in Potsdam wurde. Im Zentrum ihrer philosophischen Forschung steht das Böse. Mit dem Werkzeug der antiken Philosophie und der Aufklärung beschäftigt sie sich mi dem Holocaust. "Susan Neimans Buch ist eine eindrucksvolle vergleichende Ethnographie der Vergangenheitsaufarbeitung. Wirksam kann ein solcher Vergleich nur werden, wenn er sich an Maßstab gebenden universellen Prinzipien orientiert. Diese Prinzipien findet Susan Neiman in der Philosophie der Aufklärung und nicht zuletzt in Kants ‚Metaphysik der universellen Gerechtigkeit‘,“ schreibt der Soziologe Wolf Lepenies in Die Welt. Susan Neiman setzte sich aktiv gegen den Irak-Krieg ein, unterstützte die Wahl von Barak Obama und ist Mitglied in der Grundwertekommission der SPD.

Max Czollek, geboren 1987 in einer deutsch-jüdischen Familie in Ost-Berlin, wurde mit seinem Manifest „Desintegriert Euch!“ (Hanser, 2018) berühmt. Ein wütendes Buch über den Umgang mit Jüdinnen und Juden in Deutschland heute. Die FAZ schreibt: "Im Zentrum des Manifestes wird mithin eine Vielstimmigkeit junger Jüdinnen und Juden in Deutschland sichtbar, die die ihnen begegnenden Erwartungen und Nachwirkungen des nationalsozialistischen Massenmords in eine Kampfansage verwandeln: Wir sind da, und wir sind viele - aber anders, als ihr denkt. Unverfroren und streitbar. Laut und sexy." Max Czollek promovierte am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU-Berlin und meldet sich regelmäßig mit literarischen und publizistischen Beiträgen oder großen kulturellen Aktionen zu Wort. Z.B. kuratierte er 2016 am Berliner Gorki-Theater den „Desintegrationskongresses“ (2016) oder 2020 die deutschlandweiten „Tage der Jüdisch-Muslimischen Leitkultur“. Er wurde 2021 mit dem Grimme Online Award und mit dem Deutschen Fernsehpreis für die beste Comedy/Late Night ausgezeichnet. 

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Jüdinnen*Juden in Gera“ und wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung, der Thüringer Staatskanzlei, im Bundesprogramm Demokratie leben! und durch die Stadt Gera. (Text: Philipp Venghaus)

Wo: Kulturhaus Häselburg, Burgstraße 12, 07545 Gera

Wann: Montag, der 23. Mai, 19 Uhr

Kontakt: contact@haeselburg.org

Website: www.haeselburg.org

Eintritt: Der Eintritt beträgt 5 €. Freier Eintritt für Schüler*innen, Studierende, Geflüchtete, ALG-Empfänger*innen und Menschen mit geringem Einkommen.


Irmgard Krüger legte jetzt ihr drittes Buch vor

Neue Geschichten und Gedichte der Autorin aus Bad Frankenhausen
Irmgard Krüger Buch

Aller guten Dinge sind drei: Nach "Großmutters Kleid" und "Blumen in meinem Leben" legte Irmgard Krüger aus Bad Frankenhausen nun ihr drittes Büchlein vor. In "Anne, Michael und die Entfernung" versammelte sie erneut Geschichten und Gedichte aus ihrer Feder, illustriert mit privaten Fotografien.
Ihre Stamm-Leserinnen und -Leser wird der Neuling ohnehin sehr freuen. Waren sie es doch, so Irmgard Krüger, "die mich zum Weitermachen ermuntert haben."

Allen anderen verspreche ich eine kleine, feine Neuentdeckung!

Recht schnell kam mir beim Lesen eine Frage in den Sinn: Warum nur habe ich, als noch Gelegenheit dazu war, meine Großeltern oder auch meinen Vater nicht viel öfter und nachdrücklicher darum gebeten, Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen? Und wenn sie es denn schon einmal taten - hatte ich dann wirklich aufmerksam zugehört?
Mir fällt nur eine Begründung für mein Versäumnis ein, die es nicht entschuldigt, aber vielleicht erklärt: Ich war damals viel zu beschäftigt mit mir und damit, meinen Platz im Leben zu finden. Jung und dumm, pflegte es meine Großmutter Gerda gern zu nennen.

Heute ist es üblich, sich durch die Welt zu klicken. Die "sozialen" Medien scheinen längst unersetzlich für uns. Dass in der Flut der Informationen am Ende nur wenige wirklich von Wert sind, wissen wir längst - und doch können wir von den Zeiträubern nicht lassen.
Wie kostbar Lebenszeit ist, und wie reizvoll, sorgfältig durchdachte Geschichten zu hören, das bringt uns Irmgard Krüger nahe.
In der Titelgeschichte etwa geht es unter der Überschrift "Auf dem Berg" um einen Besuch auf dem Kyffhäuser. Es steht zu lesen:

"Ja, warst du denn schon mal hier?" fragte ich.
"Nein, aber weißt du, wir hatten in der 5. Klasse einen sagenhaften Geo-Lehrer. Wenn der eine Landschaft geschildert hat, dann hast du danach nicht gewusst, ob du vielleicht nicht doch schon mal da warst. Vom Blick auf die Goldene Aue hat er geradezu geschwärmt!"
"Wie alt war denn dein sagenhafter Geo-Lehrer?"
"50 oder etwas darüber - er wollte immer alle Landschaften, die er besonders liebte, noch einmal aufsuchen, als Rentner, sagte er immer. Er hat es nicht geschafft. Eines Tages kam er nicht mehr - Herzversagen, aus. Bei ihm hatte ich am meisten gelernt, weil er so anschaulich sprach und weil er mir leid tat."
"?"
"Na ja, weißt du, eigentlich hörten außer mir und ein paar Leuten, denen es um die Zensuren ging, kaum einer richtig hin. Ich glaube, viele haben erst gemerkt, was sie da versäumt hatten, als er nicht mehr kam. (...)"

Irmgard Krüger ist längst im Ruhestand. Doch - gelernt ist gelernt! Die Pädagogin für Deutsch und Geschichte besitzt dazu noch großes erzählerisches Talent: Sorgsam setzt sie die Worte, formuliert klar, in kurzen, präzisen Sätzen. Ihr Ton ist unaufdringlich, leise fast. Liebevoll skizziert sie ihre Figuren, und scheut nicht davor zurück, Persönliches preiszugeben. Aus ihrer Betagtheit macht sie kein Hehl: "... ich bin längst im Winter des Lebens angekommen."

Und dann folgt auf dem Fuße dieses: "Inzwischen nutze ich ein Smartphone, Bilder werden hin- und hergeschickt und Berichte über das Leben überwinden wie von Zauberhand die Entfernungen."

Ja, so kann man es natürlich auch sehen!

(Text: Dagmar Paczulla)

Irmgard Krüger: Anne, Michael und die Entfernung - und andere Geschichten und Gedichte, JSD Verlag & Druck (Forst/Lausitz), 51 Seiten, mit Abbildungen, fester Einband, ISBN 978-3-947049-21-9


Eine Liebe in Paris – Romy und Alain

Doppel-Biographie von Thilo Wydra bei Heyne
Eine Liebe in Paris - Romy und Alain Buch

Am 29. Mai 2022 jährt sich der Todestag von Romy Schneider zum 40. Mal. Die Schauspielerin war eine der charismatischsten Stars der Filmgeschichte und ist bis heute unvergessen. Ebenfalls unvergessen ist Romy Schneiders Liebe zu ihrem Kollegen und späteren Partner Alain Delon. Die besondere Beziehung der beiden Schauspieler zeichnet Thilo Wydra in seiner 2020 erschienenen Doppel-Biographie "Eine Liebe in Paris" nach.

Sie gelten als das Traumpaar der 1960er-Jahre – Romy Schneider und Alain Delon. Als sie sich 1958 bei den Dreharbeiten der Arthur-Schnitzler-Verfilmung »Christine« erstmals in Paris begegnen, verlieben sie sich ineinander. Fünf Jahre sollte diese außergewöhnliche, von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägte Liaison dauern. Trotz Trennung standen sie vier Jahre später für den Kultfilm »Der Swimmingpool« erneut als Liebespaar vor der Kamera. Und es begann eine Freundschaft, die bis zu Romy Schneiders frühem und tragischem Tod 1982 anhielt. Als sie starb, war es Alain Delon, der sich um alles kümmerte. Sie war für ihn die Liebe seines Lebens: »Unsere Liebe hat nicht aufgehört. Sie hat sich verändert.«

Autor und Biograph Thilo Wydra hat für diese Geschichte einer großen Liebe mit zahlreichen Zeitzeugen in Frankreich und in Deutschland Gespräche geführt, Freunde und Kollegen von Romy Schneider und Alain Delon kommen ausführlich zu Wort – darunter etwa Jane Birkin, Senta Berger, Mario Adorf, Jean-Claude Carrière, Michael Verhoeven, Volker Schlöndorff und viele andere mehr. In ihren persönlichen Erinnerungen wird dieses deutsch-französische Liebespaar wieder lebendig.

Gebundenes Buch, Geb. mit SU, 352 Seiten | 13,5x21,5 cm, Illustrationen, mit Bildteil - ISBN 978-3-453-20050-0, Preis EUR 22,00 [DE] [inkl. MwSt], Verlag Heyne

Das Taschenbuch erscheint am 9. November 2022: Originalverlag: Heyne Verlag // Taschenbuch, Klappenbroschur, ca. 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, mit Bildteil - ISBN: 978-3-453-60619-7


CD-Novität im Altenburger Kamprad-Verlag

Abenteuerlich: Zur Geschichte der Walcker-Orgel in der St. Jakobuskirche zu Ilmenau / Von Dr. Eberhard Kneipel

„Es hat bisher kein Glückstern über unseren Orgeln gestanden […]. Im ganzen haben bisher in der Kirche zu St. Jacob sechs Orgeln gestanden, so daß also die jetzt erbaute die heilige Siebenzahl trägt.“ Mit zwei Sätzen hält die Festschrift zur Einweihung der Walcker-Orgel 1911 die jahrhundertelange Orgelgeschichte in der Ilmenauer Hauptkirche fest. Eine oft tragische Geschichte! Die ersten beiden Orgeln verbrannten 1603 und 1624. Die dritte hatte von 1636 bis 1751 Bestand. Der große Brand vom 3. November 1752 legte auch das im Bau befindliche und weitgehend fertige vierte Instrument in Schutt und Asche. Die 1763 eingeweihte fünfte Orgel, für den Kirchenraum eher klein dimensioniert, genügte dem anwachsenden Kirchenbesuch im 19. Jahrhundert immer weniger. Die sechste Orgel, 1857 aufgestellt und 1858 eingeweiht, erwies sich als störanfällig. Am 7. Mai 1911 war Bachs Fantasie in G-Dur das letzte auf ihr gespielte Stück.

Fünf Jahre zuvor war der Beschluss für einen Neubau gefallen. Kaufleute, Fabrikanten, Handwerker, Beamte und Bürger, außerdem viele Familienstiftungen und Kirchenkonzerte halfen, die Mittel für diese siebte Orgel aufzubringen. Das Gehäuse von 1857 blieb seiner soliden Ausführung und schönen Form wegen erhalten. Und dank der Überlegungen des Organisten Edwin Schmuck zur Disposition und Gestaltung der Orgel konnte innerhalb kurzer Zeit ein Kostenvoranschlag von der Ludwigsburger Orgelbaufirma E. F. Walcker & Cie. eingeholt werden. Schmuck hatte 1908 und 1910 auf „Orgelreisen“ Erfahrungen an neuen großen Instrumenten gesammelt und dabei sein Augenmerk auf jene Walcker-Orgeln gelegt, die in den letzten Jahren entstanden waren. In persönlichen Verhandlungen mit dem Firmenchef Oscar Walcker wurde die Orgel am 6. Dezember 1910 in Auftrag gegeben. Sie ist das Opus 1.609 und besaß drei Manuale, Pedal, 65 Stimmen und 4.958 Pfeifen. Am 9. Mai 1911 begann der Aufbau. Mit drei großen Eisenbahnwagenladungen wurde die bereits in Ludwigsburg fertiggestellte Orgel nach Ilmenau gebracht und in nur sechs Wochen montiert – eine Meisterleistung des hochqualifizierten Personals. Zu den Verbesserungen zählten der seitlich auf der Empore freistehende moderne Spieltisch mit elektrischer Traktur und ein zweiter kleinerer mit pneumatischem Anschluss am ursprünglichen Platz vor dem Orgelgehäuse. Mittels Spielhilfen und Neuerungen der französischen Bauweise ließ sich das Instrument leichter gebrauchen und klanglich vielfältiger nutzen. Die Stimmen wurden den Manualen völlig anders zugeordnet – nicht mehr dem Stärkegrad, sondern der Klangfarbe nach, wodurch jedes Manual seinen eigenen Charakter erhielt: das erste als Hauptmanual; das zweite mit zarten Begleitstimmen besetzt; das dritte, mit zahlreichem Rohrwerk bestückt, als Schwellmanual. Die Orgel kostete 25.500 Mark. Abgenommen wurde sie am 23. und 24. Juni 1911 durch den Orgelrevisor des Großherzogtums und Weimarer Stadtorganisten Hugo Hartung. Die Weihe erfolgte am 25. Juni.

Doch bald ereilte auch diese siebte Orgel das Missgeschick: 1917 wurden die Zinnpfeifen des Prospekts zu Kriegszwecken demontiert. Etwa 1930 setzte die Firma Walcker neue Pfeifen aus Zink ein und führte Arbeiten zur Nachintonation durch. Zwischen 1950 und 1959 baute die Firma Laubs (Erfurt) bei Reparaturen an Verschleißteilen einige Register um. 1961/62 lieferte die Firma Sauer (Frankfurt/Oder) einen neuen Spieltisch, in dem Teile des alten Verwendung fanden. Zehn Jahre später stellte sich heraus, dass „sämtliche Taschen, Kegel und Relaisbälgchen dringend erneuert werden müssen“. Geld und Orgelbaukapazitäten für eine Generalreparatur waren aber nicht zu beschaffen, obwohl diese immer wieder angemahnt wurde – zuletzt durch den VEB Potsdamer Schuke Orgelbau, der 1986 auf die Denkmalwürdigkeit der Orgel hinwies. Doch das Siechtum ging weiter, bis sich im April 1991 der Ilmenauer Orgelverein gründete und mit Nachdruck für den Erhalt des Instrumentes wirkte. Am 4. Dezember 1991 wurde mit der Orgelwerkstatt Christian Scheffler aus Sieversdorf ein Vertrag über die Restaurierung abgeschlossen. Scheffler erledigte die Arbeiten in St. Jakobus zwischen Februar 1992 und November 1993: Bau eines neuen Spieltisches mit moderner Elektrik, Neuverkabelung der Orgel, Ersatz fehlender oder veränderter Register nach originalem Vorbild, Rückführung der Disposition auf den Ursprungszustand, farbliche Erneuerung des Gehäuses. Danach war die Walcker-Orgel wiedergeboren und demonstrierte in voller Pracht ihre einzigartige Synthese von Hochromantik, Orgelreform und französischer Orgelbaukunst. Mit 59 Registern (plus sechs Transmissionen) auf drei Manualen und Pedal ist sie die größte romantische Orgel Thüringens. Aus Anlass des 100. Geburtstages des französischen Komponisten Olivier Messiaen wurde hier im Laufe des Jahres 2008 sein gesamtes Orgelwerk aufgeführt. 2017 erledigte abermals die Werkstatt von Christian Scheffler die bisher jüngste Überholung.

Überarbeiteter Auszug aus: Felix Friedrich/Eberhard Kneipel: Orgeln in Thüringen. Ein Reiseführer. Altenburg: Verlag Klaus-Jürgen Kamprad 2010, S. 122–125.

 


Zum Geigenolymp

David Garrets Autobiografie bei Heyne erschienen
David Garrett 2 Autobiographie Heyne

Den Weg auf den Geigenolymp hat sich David Garrett hart erarbeitet. Seine Kindheit war geprägt von Disziplin und täglicher Arbeit gemeinsam mit seinem Vater. Dieser förderte sein Talent, unterstützte ihn und war gleichzeitig ehrgeiziger Motor und Antrieb. Bereits als Zehnjähriger stand David Garrett mit den größten internationalen Orchestern auf der Bühne und spielte später, als Jugendlicher, alle bedeutenden Werke der klassischen Musik, bis er sich mit Anfang zwanzig aus der Zwangsjacke seiner Wunderkind-Existenz befreite und zum Studium nach New York ging. Dort kombiniert er erstmals virtuose Geigenmusik mit aktueller Popmusik. Damit verkörpert er geradezu exemplarisch die mühsame Suche eines jungen Menschen nachdem eigenen Weg und dem wahren Leben. Er findet für dieses Problem seine ganz eigene Lösung: völlige Hingabe an das, was ihn als Person genauso gut hätte zerstören können – die Musik.

"Wenn ihr wüsstet" beinhaltet als erste phygitale - physische und digitale - Autobiografie exklusives Bonusmaterial in Form von bislang unveröffentlichten Videos, Audiodateien und Fotos aus dem Leben von David Garrett, das die Leser*innen mittels QR Codes an den textlich dazu passenden Stellen im Buch abrufen können. Wir erleben die Welt des Ausnahmetalents aus seiner Innenperspektive: das Gute-Wahre-Schöne gepaart mit Schweiß und Tränen, unterstützt durch die Verschmelzung von Online- und Offline zu seiner ganz persönlichen, phygitalen Welt.

ORIGINALAUSGABE
Hardcover mit Schutzumschlag, ca. 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
mit Bildteil
ISBN: 978-3-453-21833-8


Dialoge mit dem Göttlichen

Die Deutsche Grammophon ehrt Sofia Gubaidulina zum 90. Geburtstag mit drei grandiosen Ersteinspielungen
Sofia Gubaidulina – Dialog: Ich und Du; The Wrath of God; The Light of the End / Vadim Repin (Violine), Gewandhausorchester Leipzig, Ltg. Andris Nelsons// Deutsche Grammophon

Sofia Gubaidulina – Dialog: Ich und Du; The Wrath of God; The Light of the End / Vadim Repin (Violine), Gewandhausorchester Leipzig, Ltg. Andris Nelsons// Deutsche Grammophon - 1 CD  00289 486145s

Von Dr. Eberhard Kneipel (unter Verwendung des Booklet-Textes von Tobias Niederschlag)

Sie wird als die Grande Dame der modernen Musik verehrt – doch sie ist keine Diva, sondern eher eine Ikone: Sie strahlt Gelassenheit und Würde aus, Verklärung und Zuversicht – und ihre Musik führt Dialoge mit dem Göttlichen.

 „Es begeistert mich immer wieder, wie Sofia Gubaidulina in ihren Werken Intellekt, Spiritualität und Sinnlichkeit miteinander vereint. Ihre Musik geht direkt unter die Haut“, schwärmt Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons von der 1931 geborenen Grande Dame der Neuen Musik. Die Zusammenarbeit der beiden begann 2017 mit der Uraufführung ihres Tripelkonzertes in Boston, und seit 2019 hat Nelsons sie gleich für mehrere Spielzeiten als Gewandhauskomponistin nach Leipzig verpflichtet.

Die Faszination der Musik der gebürtigen Tatarin, die seit fast 30 Jahren in der Nähe von Hamburg lebt, rührt nicht zuletzt von der großen Spiritualität ihrer Werke her. „Während ich komponiere, bete ich, nein, eigentlich spreche ich mit Gott“, bekennt die tiefgläubige Komponistin, und ihre Klangwelten stellen den Menschen in seiner Beziehung zu Gott in den Mittelpunkt, sie sind persönliche Dialoge mit dem Göttlichen. Dies kennzeichnet auch die drei hier zum ersten Mal eingespielten großen Orchesterstücke, die zum Spätwerk GGubaidulinas zählen. Und sie offenbaren zugleich ein weiteres faszinierendes Moment in ihren Kompositionen: die Arbeit in größeren Werkkomplexen. Eines entwickelt sich aus dem anderen, kreist um dasselbe Thema und nutzt gemeinsames Material. Die Komponistin spricht gern vom „Züchten“, und sie vergleicht sich selbst  mit einer Gärtnerin.

Das aktuellste ihrer Großwerke, das weitere Kompositionen nach sich zog, ist das Oratorium „Über Liebe und Hass“ (2016 / 18), mit dem Sofia Gubaidulina an die Menschheit appelliert, Gottes Geboten zu folgen und in versöhnender Liebe den Hass zu überwinden. Im Umfeld dieses Oratoriums entstanden auch ihr Violinkonzert Nr. 3 „Dialog: Ich und Du“ und das Orchesterwerk Der Zorn Gottes“. Das dialogische Prinzip ist dem Violinkonzert nicht bloß im Titel, sondern per se eingeschrieben: ein komplexes Zwiegespräch zwischen Violine und Orchester. Andächtig, durchgeistigt, weihevoll mit Kirchenglocken. Aus der Stille heraus eröffnet die Solovioline den immer wieder kadenzartig unterbrochene Dialog, der sich verdichtet und zu dramatischen Ausbrüchen führt – bis sich Soloinstrument und Orchester am Ende weit voneinander entfernen: Die Geige entschwindet in himmlischen Höhen, das Orchester versinkt in einem dunkel-resignierten Klanggrund. Ihr Konzert schrieb Sofia Gubaidulina für den berühmten russischen Künstler Vadim Repin, der es 2018 mit dem Dirigenten Andres Mustonen in Nowosibirsk urauffgeührt hat. Die vorliegende Aufnahme ist ein Live-Mitschnitt der deutschen Erstaufführung vom Dezember 2019 aus dem Leipziger Gewandhaus.

Gleichzeitig mit diesem Violinkonzert erarbeitete Sofia Gubaidulina auch ein neues Orchesterwerk, für das sie einen Satz des Oratoriums „Über Liebe und Hass“ (Nr. 7: Der Zorn Gottes) zu einem eigenständigen Instrumentalstück mit demselben Titel erweiterte. „Gott ist zornig, böse auf die Menschen, auf unser Verhalten. Wir haben Schuld auf uns geladen“, erläuterte sie vor der Uraufführung, die nach mehreren Anläufen im November 2020 – coronabedingt in einem Geisterkonzert ohne Publikum – im Wiener Musikverein stattfand. Das vielfältig-farbenkräftige „Dies-irae-Gemälde“ für Riesenorchester vereint wuchtigen  Blechbläser-Klang  mit dem Ausdruck von  Wut und Verzweiflung in mehreren großen Steigerungswellen, die sich am Ende im apokalyptischen Fanfaren-Jubel entladen – mit Bezug auf die gewaltige Katharsis des 1. Satzes von Beethovens „Neunter“…

Im Auftrag des Bostoner Orchesters schrieb Sofia Gubaidulina auch das dritte Werk dieses Albums, „The Light of the End“ (Das Licht des Endes), das 2003 unter Leitung des langjährigen Gewandhauskapellmeisters Kurt Masur in der Bostoner Symphony Hall zur Uraufführung kam. Die Komponistin legte diesem Werk einen physikalischen Grundkonflikt in der Musik zugrunde: die Unvereinbarkeit der Naturtonreihe mit der temperierten Stimmung. Schon zu Beginn des Werkes treffen diese Phänomene aufeinander, wenn die Naturtöne der Hörner (analog zu Wagners oder Bruckners „Natur-Lauten“ ) neben der temperierten Stimmung des Orchesters stehen.

Dieser Konflikt zieht dramatische Steigerungen sowie mystische Ausdrucks- und magische Klang-Welten nach sich und wird im Zentrum des Werkes, einem Duuett von Horn und Cello, noch einmal exemplarisch vorgeführt. Für Gubaidulina manifestiert sich in diesem Werk „die Unvereinbarkeit von Natur und realem Leben, in dem die Natur häufig neutralisiert wird. Früher oder später musste ich diesen Schmerz in einer Komposition thematisieren.“ Der Titel des Werkes bezieht sich auf dessen Schlussabschnitt, der mit funkelnden Zimbelklängen einen Schimmer der Hoffnung aufscheinen lässt…

Für Andris Nelsons war die vorliegende Aufnahme ein Lichtblick in schwerer Zeit: „Die Musiker des Gewandhausorchesters und ich haben die beiden Orchesterwerke während des Corona-Lockdowns eingespielt, und Sofia Gubaidulinas Musik hat uns hierbei viel Zuversicht gegeben. Dieses musikalische Porträt zu ihrem 90. Geburtstag wird die emotionale Kraft ihrer Musik hoffentlich auch einem größeren Publikum vermitteln.“

Dank der exzellenten Interpreten und der hervorragenden Tonaufnahmen und dank des erneuten Engagements des Labels Deutsche Grammophon für diese phänomenale Komponistin dürfte der Wunsch des Dirigenten ganz gewiss in Erfüllung gehen.


Prallvoller Sack schönster Theateranekdoten

Schauspieler Peter Bause nimmt uns mit in seine Erinnerungen
Peter Bause Man stirbt doch nicht im 3. Akt Buch

Peter Bause: Man stirbt doch nicht im dritten Akt! Erinnerungen, 336 Seiten, 12,5 x 21 cm, geb., mit Bildteil, mit Lesebändchen, Buch 22 € - ISBN 978-3-355-01912-5 // eBook 11,99 € - ISBN 978-3-355-50069-2

Aus dem Rotschopf ist ein Silberkopf geworden. Das darf auch sein, denn: »Es war alles sehr rastlos, es war alles sehr schnell! Über sechzig Jahre Beruf, und nun bin ich achtzig«, schreibt Peter Bause in seinen Erinnerungen. Und schüttet einen prallvollen Sack schönster Theateranekdoten aus, in denen seine Kollegen Herwart Grosse, Martin Hellberg, Dietrich Körner, Klaus Piontek, Ekkehard Schall, Rolf Ludwig auf und hinter der Bühne schier unglaubliche Auftritte haben. Da wird eine glanzvolle Theaterepoche lebendig. Der vielseitige Schauspieler hat in zahllosen Theater- und Filmrollen brilliert, hat große und kleine, komische und tragische Rollen – in einem Spektrum vom »Faust« bis zum »Milchmann Tevje« – gespielt und jede einzigartig und dem Publikum unvergesslich gemacht. »Über mich wurde, je nach Sympathie, böse, neidisch oder achtungsvoll gesagt: Der singt und tanzt als bunter Hund in jedem Hausflur!« Mit viel Humor und klugem Understatement schreibt Peter Bause über sein Schauspielerleben. An einem lässt dieser »bunte Hund« keinen Zweifel: Das Theater ist die Basis für seine vielgestaltige Arbeit, Theater, wie er es von der Pike auf erlernt hat und in das er seine Leser mit temperamentvoll erzählten Geschichten einlädt, die ganze Welt zu schauen!


RENEGADES. Born in the USA

Penguin Verlag veröffentlichte außergewöhnlichen Gesprächs- und Bildband von Barack Obama und Bruce Springsteen.
Renegades Born in the USA Buch Penguin Verlag

»Renegades. Born in the USA« ist ein sehr persönlicher, aufschlussreicher und unterhaltsamer Dialog zwischen Ex-Präsident Barack Obama und der Rocklegende Bruce Springsteen. Die beiden erörtern alle möglichen Themen – über ihre Herkunft und die entscheidenden Momente ihres Lebens, über Familie und Vaterschaft bis hin zur polarisierenden Politik ihres Landes und der wachsenden Kluft zwischen dem amerikanischen Traum und der amerikanischen Realität. Das mit zahlreichen Farbfotografien und seltenem Archivmaterial gestaltete Buch ist ein fesselndes und wunderbar illustriertes Porträt zweier Außenseiter – der eine Schwarz, der andere weiß –, die, wie es im Titel »Renegades« anklingt, ihren ganz eigenen, unkonventionellen Weg gefunden haben, ihre persönliche Suche nach Sinn, Identität und Gemeinschaft mit der amerikanischen Erzählung zu verbinden.

Barack Obama, Bruce Springsteen: Renegades. Born in the USA, Penguin, 978-3-328-60243-9, HC, 320 Seiten

https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Renegades/Barack-Obama/Penguin/e601343.rhd

 


Eindrucksreiche Erlebnisreise nach Serbien

Memento: Orchesterwerke von Milan Mihajlović beim Entdecker-Label cpo / Von Dr. Eberhard Kneipel
Milan Mihajlovic beim Label cpo

Milan Mihajlović: Memento. Orchestral Works. Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt, Ltg. Howard Griffiths, cpo 555.296-2

Einprägsame Themen, eindringliche Emotionen und fantasievolle Formen - Milan Mihajlović zählt zu jenen Komponisten aus Osteuropa, dem Kaukasus und den Balkanländern, die der Folklore nach wie vor Aufmerksamkeit widmen und ihr kreative Impulse abgewinnen und die so die Moderne um individuelle Facetten bereichern können. Und Mikolaj Gorecki (Sinfonie der Klagelieder), Gija Kantscheli (Vom Winde beweint) oder Wojciech Kilar (Orawa; Krzesany) haben ihn wohl zudem mental wie musikalisch ebenso inspiriert.

Schon die kontrastreichen Bagatellen für Violine, Streicher und Cembalo am Beginn dieser Werkauswahl aus den Jahren 1986-2014 oder auch der luzide Gesang der Violine samt seiner ostinaten Pizzikato-Begleitung in der Elegie für Streicher sind in der jugoslawischen Volksmusik verwurzelt: Die langsamen Sätze erinnern an die alten Liedersänger und Gusla-Spieler, die schnellen lassen den dörflichen Reigentanz Kolo aufleben. Doch solche Anklänge werden auch immer wieder verfremdet: Das Cembalo agiert nicht nur als brillanter Spielpartner, sondern auch als geräuschvoller „Störenfried“. Die üppig drapierten Folklore-Intonationen besitzen strenge Strukturen, entwickelt aus Skrjabins „mystischem Akkord“, aus Messiaens zweitem Modus sowie aus minimalen motivischen Keimzellen. Und 1983 haben die Notturni für Streichquartett und Bläserquintett eine Synthese von „polnischer Schule“ und klassizistischem Stil vollzogen.

Milan Mihajlović wurde am 3. Juli 1945 in der serbischen Hauptstadt Belgrad geboren, wo er das Gymnasium, die Musikschule und die Musikakademie besuchte, Klavier und Musiktheorie, Dirigieren und Komposition studierte und danach die gesamte akademische Laufbahn vom Assistenten bis zum Professor durchlief. Mit seinem umfangreichen Wissen und Können bringt sich der Künstler bis heute auf vielfältige Weise ins serbische Musikleben ein, und seine Werke - oft mit Preisen geehrt - erklingen auch in der Tonhalle Zürich, der New Yorker Carnegie Hall und der Berliner Philharmonie, in London, Sydney und Dijon.

Werktitel wie Melancholie für Oboe, Streicher und Klavier oder Elegie für Streicher beschreiben einen wesentlichen Ausdrucksbereich in Mihajlovićs Schaffen, indes Fa-mi(ly) für Streicher und Klavier als spielerisch elegantes Konzertstück daherkommt, das sein Kern-Intervall obendrein im Namen trägt. Märchenhaft ferne Klänge, gärende Unruhe und dramatische Steigerungen, ein Höhepunkt, der sein Pathos selbst in Frage stellt und stattdessen in einen ergreifenden Streicher-Choral und das einsame Flötensolo des Beginns mündet – das alles formt das Memento für Orchester zu einem großartigen und berührenden Ton-Poem voller Reflexionen über das Leben, das Inferno und die Ewigkeit.

Mit der deutschen Ersteinspielung dieser Werke ermöglichen das Entdecker-Label cpo und der neugierig-umtriebige Dirigent Howard Griffiths, die sechs vorzüglichen Solisten und das exzellente Brandenburgische Staatsorchester einen spannenden und lohnenden Einblick in das Schaffen von Milan Mihajlović. Und es setzt damit - nach den Raritäten der komponierenden kroatischen Gräfin Dora Pejacević und neben Orchestermusik und der populären Volksoper Ero der Schelm des Kroaten Jacob Gotovac - seine Balkan-Tour in Serbien fort. Erlebnisreich, eindrucksvoll und imponierend!


Die andere Seite

Essayband zum Phänomen der Mehrfachbegabung in den Künsten erscheint im Verlag Edition Fichter

Kürzlich erschien im Verlag Edition Fichter der Essayband „Die andere Seite“. Erstmals in diesem Umfang nimmt er das Phänomen der künstlerischen Mehrfachbegabung in Europa von der zweiten Hälfte des 18. bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Blick. Herausgeber sind Hermann Mildenberger, Annette Seemann und Stephan Dahme im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar.

Ausgehend vom Ideal der natürlichen Einheit mehrerer Begabungen im „uomo universale" der Renaissance erlangten die Mehrfachbegabungen im Zuge der Aufklärung und mit Beginn der Moderne wieder zunehmend an Bedeutung. In der Publikation betrachten mehr als 30 Autoren aus verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen diese Entwicklung anhand ausgewählter Beispiele. Malende Dichter und dichtende Maler, aber auch komponierende Schriftsteller und Maler werden mit der jeweils „anderen Seite“ ihres Schaffens und der vielfältigen Wechselwirkung ihrer Begabungen vorgestellt. Dabei eröffnet sich ein europäischer Kosmos, der von Johann Wolfgang Goethe, E. T. A. Hoffmann und Victor Hugo über John Ruskin, Wilhelm Busch und August Strindberg bis hin zu Arnold Schönberg, Wassily Kandinsky und Sophie Taeuber-Arp reicht. Abgerundet wird der opulent bebilderte Band durch einen Ausblick auf die weitere Entwicklung des Phänomens im ausgehenden 20. und frühen 21. Jahrhundert angesichts neuer, die klassischen Gattungsgrenzen sprengender künstlerischer Konzepte.

Bibliographische Angaben
„Die andere Seite“. Das Phänomen der Mehrfachbegabung in den Künsten
Herausgegeben von Hermann Mildenberger, Annette Seemann und Stephan Dahme im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar, Edition Fichter, Frankfurt am Main 2021, 432 Seiten | 200 Abbildungen
ISBN 978-3-947313-12-9, Preis: 55 Euro

Link zum Verlag: https://edition-fichter.de/produkt/die-andere-seite-mehrfachbegabungen/


Weltersteinspielung einer Rarität

Franco Alfanos „Auferstehung“ im Opernhaus Florenz / Von Dr. Eberhard Kneipel
Franco Alfanos „Auferstehung“ im Opernhaus Florenz

Eine Überraschung!? Nein - es sind derer zwei:  Ein Meisterwerk  der italienischen Oper, das seinem Schöpfer Weltruhm beschert hat und dennoch in  Vergessenheit geriet. Und eine hervorragende Inszenierung, die ohne den heute üblichen Aktualisierungsdrang und Egomanie-Wahn auf der Bühne auskommt und voll auf das Stück selbst setzt. Damit avancieren die Oper Risurezione („Auferstehung“) von Franco Alfano und deren szenische Realisierung durch Rosetta Cucchi im Teatro del Maggio Musicale Florentino zum MusiktheaterEreignis des Jahres 2020 in Florenz, und sie bieten zudem eine spannende  Weltpremiere auf Blu-ray/DVD.

Alfano ist den meisten Opernfans wohl zuerst und vor allem als jener Komponist bekannt geworden, der Puccinis unvollendete Oper Turandot (1924) auf Wunsch von Arturo Toscanini 1926  mit einer grandiosen  Schluss-Szene bedacht hat.  Sein Höhenflug aber hatte bereits zwei Jahrzehnte früher begonnen – mit der im Moskau entstandenen und 1904 in Turin uraufgeführten Oper Risurezione, die ihn schlagartig bekannt gemacht hat und deren Siegeszug bis nach New York führte.

Außerhalb Italiens weiß und kennt man freilich wenig von seinem bewegten Leben und umfangreichen Schaffen. 1875 bei Neapel geboren und 1954 in San Reno gestorben, wo er sich 1914 niedergelassen hatte, führte sein Weg durch ganz Europa, und im Musikleben Italiens hat er viele einflussreiche Position innegehabt und erfolgreich ausgeübt. Sein Werk umfasst ein gutes Dutzend Opern und Ballette sowie zwei Sinfonien, und seine Tonsprache folgt weniger dem Verismo von Puccini, Leoncavallo oder Mascagni, sondern strebt mehr Debussys impressionistischen Farbkünsten oder den modernen Klangwelten von Richard Strauss zu.

Auch seiner Erfolgsoper „Auferstehung“ nach dem gleichnamigen großen Roman von Leo Tolstoi ((1899) verleiht Alfano einen sehr persönlichen Zuschnitt: Er komprimiert Tolstois Kritik und Anklage der sozialen und politischen Missstände im russischen Zarenreich in einem erschütternden Frauenschicksal und erzählt die Geschichte einer seelischen Läuterung und Auferstehung durch die wunderbare Kraft der Liebe. Vier eindringlich kolorierte, beklemmende und am Ende lichte Bilder: das Landgut, die Bahnstation, das Arbeitslager, die Strafkolonie und die Auferstehungs-Vision des Osterfestes. Zwei beeindruckende Protagonisten: Katarina, die Glückliche, die Verlassene und Verleumdete, die trotzig Verzweifelte. Fürst Dimitri, der Verführer, der Treulose, der Büßer und Retter. Und dann ist noch eine Regisseurin am Werk, deren stringente Erzählweise, ssuggestive Bildsprache und präzise Charakterzeichnung ungemein faszinieren.

Was dabei Rosetta Cucchi mit den Hauptdarstellern Anne Sophie Duprels und Mattew Vickers szenisch grandios gelingt, das bringt Francesco Lanzillotta ebenso fulminant mit dem Orchester und dem Chor des Florentiner Opernhauses beim  musikalischen Part zustande: Eine  Sternstunde des realistischen Musiktheaters!

Franco Alfano, Risurezione / Anne Sophie Duprels und Mattew Vickers, Orchestra e Corodel Maggio Musicale Florentino, Ltg. Francesco Lanzillotta  // Dynamic / Naxos, 1 Blu-ray Video 57866


Opern-Gala in Corona-Verona

Weltstars glänzen mit Liebesduetten aus berühmten Meisterwerken / Von Dr. Eberhard Kneipel
Love Duetts Verona

Alles passt hervorragend zusammen: und beeindruckt auf wunderbare Weise. Fast so wie bei jedem jährlichen Sommer-Event! Verona – die Stadt, in deren Mauern sich die berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten abgespielt hat, die gewaltige Arena und das legendäre Festspiel-Flair. Und dazu Placido Domingo, der Star-Sänger, der als Maestro am Pult des großartigen Festivalorchesters steht und sich für seinen imponierenden Auftritt mit der Sopranistin Sonya Yoncheva und dem Tenor Vittorio Grigolo zwei nicht weniger aufregende Weltstars an seine Seite geholt hat.

Glanzstücke aus italienischen und französischen Opern  tragen sie vor, und da beginnen in Liebesduetten und Orchesterstücken von Verdi und Puccini, von Bizet, Gounod und Massenet Leidenschaften zu lodern, Schönheit aufzublühen und Stimmenzauber zu faszinieren. Romeo und Julia, Tosca und Cavaradossi, Mimi und Rodolfo, Manon, Madame Butterfly und zum Schluss die Traviata mit ihrem hinreißenden Trinklied erwecken Gefühle und Vorstellungen beim Zuhören und Zuschauen, die den Festival-Notbehelf in der Arena total vergessen machen. Anstelle gewaltiger Bühnenbilder beherrscht das weiträumig platzierte Orchester das festlich und farbenfreudig illuminierte Rund. Und mit der Meditation aus „Thais“ und ihrem traumschönen Violin-Solo oder mit dem zärtlich-ekstatischen Intermezzo aus „Manon Lescaut“ weiß es sich auch selbst wirkungsvoll in Szene zu setzen, indes ein riesengroßer roter Teppich den Auftritten der Solisten den prächtigen Rahmen bietet. Darstellerische Aktionen und filmische Einspielungen tragen dann zusätzlich zum Reiz der Klänge und Gesänge bei. Wie gesagt: Alles passt perfekt zusammen – für einen magischen Abend in der Arena di Verona. Und dank dieser brillanten Video-Aufzeichnung können auch wir dabei sein und sitzen sogar in der ersten Reihe…

Love Duets- Sonya Yoncheva, Vittorio Grigolo, Mihaela Marcu, Davide Luciano und Placido Domingo // CMajor/Naxos – 1 Blu-ray Video 757904. Laufzeit: 101 Min.

 


Kurzgeschichten aus dem Altenburger Land

"Wasserspiele. Drei historische Geschichten mit wahrem Kern aus Schlössern und Gärten im Altenburger Land"
Marlene Hofmann Kurzgeschichten Altenburger Land

Bei ihrer Arbeit im Museum Burg Posterstein begegnen Marlene Hofmann immer wieder kuriose, interessante und vor allem wahre Begebenheiten aus der Vergangenheit. Manche davon musste sie im Laufe der Jahre einfach auch literarisch und ein wenig künstlerisch bearbeiten. Denn: Wo gab es schon große Festbankette mit Musik auf im See schwimmenden Barken? Wann traf man sich zum Segeln auf dem Nöbdenitzer Teich? Und wo stand die idyllische Einsiedelei, die der bekannte schweizerische Maler, Zeichner, Radierer und Kupferstecher Adrian Zingg (1734–1816) auf einer Radierung festhielt? - Der jetzt erschienene Kurzgeschichten-Band sammelt drei Geschichten, die auf wahren historischen Begebenheiten basieren. Sie spielen in Schlössern und Gärten im 18. und 19. Jahrhundert im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg, also im heutigen Altenburger Land. Zu den Rittergütern gehörten untrennbar wunderschöne Gartenanlagen, Seen und Teiche. Zu jeder Geschichte gibt es historische Hintergrundinformationen und Aquarellzeichnungen von Marlene Hofmann. Das Büchlein knüpft an die Ausstellungsreihe „Grünes im Quadrat“ der vier Museen im Altenburger Land an. Das Museum Burg Posterstein, das Lindenau-Museum Altenburg, das Residenzschloss Altenburg und das Naturkundemuseum „Mauritianum“ zeigen 2021 je eine eigene Ausstellung zur Gartengeschichte des Altenburger Landes.

Hardcover, 104 Seiten, ISBN-13: 9783753490632, Verlag: Books on Demand, 14,99 Euro
E-Book ISBN-13: 9783754350867, Verlag: Books on Demand


Hochspannend und tiefbeeindruckend

Das SWR Vokalensemble mit seinem Konzert „Baltikum“ auf DVD / Von Dr. Eberhard Kneipel
Das SWR Vokalensemble mit seinem Konzert „Baltikum“ auf DVD

Ein exzellenter Auftritt, ein außergewöhnliches Programm und ein großartiges Erlebnis:  Diese Konzertaufzeichnung aus der Evangelischen Kirche Stuttgart-Gaisburg präsentiert den krönenden Abschluss der viel gelobten Länder-Reihe des SWR Vokalensembles durch das Baltikum.  Ein Kurztrip nach Estland, Lettland und Litauen und eine spannende Reise in die lange Geschichte der Vokalmusik dieser Region. Mit Werken, die durchdrungen sind vom zeitlosen Klang der Volksmusik, die bis in vorchristliche Zeiten zurückreicht, und mit Kompositionen, die an die faszinierenden Neuschöpfungen der 1960/70er Jahre anknüpfen. Shon damals hatte die Musik von Arvo Pärt international für Aufsehen gesorgt.

So ist es denn ganz selbstverständlich, dass deser Meister der Stille, des Wohlklangs und der Meditation, wie er gern genannt wird, mit von der Partie ist: Zwei Stücke für gemischten Chor, das jüngste „Und ich hörte die Stimme…“  aus dem Jahr 20017, schließen das  vielfarbige Programm ab. An die Traditionen livländischer Fischerlieder, gregorianischer Gesänge und italienischer Madrigale knüpfen die Vertonungen von Velio Tormis, Rytis Mazuis und Andris Dzentis an: Sie singen vom Märchen des jungen Sommers und von der Liebe zur Heimat; sie entfalten herbe Klänge und ein kunstvolles Kanon-Gefüge, und sie nehmen durch die poesievolle Ausschmückung der ausgewählten Texte für sich ein. Überall kann man da die phänomenalen Interpretationskünste des berühmten Vokalensembles und seines Leiters Marcus Creed bewundern. Und das strebt mit souveräner Leichtigkeit noch zwei weiteren Gipfelpunkten zu: „Litene“, Ballade für zwölfstimmigen gemischten Chor (1993) von Petris Vaaks, ebenfalls ein „“Altmeister“, und „Plonge“ („Tauchen“; 2005) der jungen litauischen Komponistin Juste Janulyte, die dieser Besetzung noch ein Violoncello hinzufügt.  Beide greifen mit ihren hinreißenden Klangwirkungen und monochromen Farbspielen jene Innovationen auf,  die György Ligeti und Bernd Alois Zimmermann vor einem halben Jahrhundert  zur Moderne  beigesteuert haben  Die Werke sind spektakulär, die Wiedergabe und die Wirkung ebenso - es sind schöne und nachhaltige Eindrücke, mit denen diese DVD überrascht und begeistert!

BALTIKUm – Konzertmitschnitt / SWR Vokalensemble, Markus Creed // 1 DVD Video-Album SWR Classic / Naxos; SWR 19107DVD; Laufzeit 01:222:13


Musikland Thüringen

Eine Entdeckungsreise in über 70 Orte
Musikland Thüringen

Das erste Mozartdenkmal auf deutschem Boden? Das steht in Tiefurt in Thüringen.
Das erste Musikfestival in Deutschland? Das fand in Frankenhausen in Thüringen statt.

Das Musikland Thüringen liegt nicht nur in der Mitte Deutschlands, es ist auch eine klingende Herzkammer der europäischen Musikkultur – und dies in Vergangenheit und Gegenwart. Und Thüringen ist mehr als nur ein Bach-Land. Museen, Theater und Orchester, eine vielfältige und außerordentliche Orgellandschaft, eine lebendige Festivalkultur laden zu zahlreichen Entdeckungen vom 11. Jahrhundert bis in die heutige Zeit ein. Erstmals wird nun dieses reiche Erbe und diese lebendige Gegenwart in dem Kulturführer „Musikland Thüringen“ zusammengefasst. Herausgegeben haben den Band, passend zum aktuellen Themenjahr „Musikland Thüringen“, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen zusammen mit dem Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena und dem Thüringischen Landesmusikarchiv Weimar an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.
 
Auf mehr als 200 Seiten werden aus 74 Orten in ganz Thüringen über 240 Ereignisse, Personen, Institutionen und musikalische Highlights in knappen Einträgen beschrieben und zum Besuch empfohlen. Die Autorinnen und Autoren, allesamt Kennerinnen und Kenner der lokalen Musikkultur, präsentieren zahlreiche und vielfältige Entdeckungsmöglichkeiten. Neben den musikalischen Zentren Eisenach, Erfurt, Gotha, Jena, Meiningen und Weimar lenken sie den Blick u.a. nach Apolda (Glocken), Bedheim (Schwalbennestorgel), Nordhausen (Erfindung des Pianofortes), Merxleben (Ort des Taktläutens), Sondershausen (tiefste Konzerthalle Deutschlands) und Suhl (Geburtsort des Volkslieddichters Ernst Anschütz, Komponist des Liedes „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“).
 
„Wir wollen den Zugang zur Thüringer Musikkultur für jedermann ermöglichen“, begründet Gerhard Grandke, Präsident der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, das Engagement der Stiftung. Sieben Themenartikel bieten einen Überblick über Thüringer Besonderheiten, etwa die Orgel- und Orchesterlandschaft, die Musik zu Zeiten der DDR, aber auch die zahlreichen Musikfestivals im Freistaat. Darüber hinaus gibt es – abrufbar mit dem Smartphone via QR-Code – zahlreiche Musikbeispiele, die das Musikland Thüringen auch sinnlich erfahrbar werden lassen. Adressen, Kontaktmöglichkeiten und Hinweise zu Öffnungszeiten ergänzen den Serviceteil. Das Buch, das beim Verlag „Schnell & Steiner“ erschienen ist, ist ab sofort in jeder Buchhandlung erhältlich.
 
Weitere Informationen auf der Verlagswebsite:

https://www.schnell-und-steiner.de/artikel_10183.ahtml


Trost in schwieriger Zeit

CD des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera
Philharmonisches Orchester Altenburg Gera

Die Neuinterpretation zweier Hauptwerke des polnisch-russischen Komponisten Mieczysław Weinberg (1919-1996) im Frühjahr 2019 am Theater Altenburg Gera sorgte für überregionales Aufsehen: Kay Kuntzes Inszenierung der Oper „Die Passagierin“ fand eine unerwartet große Publikumsresonanz und wurde für den Theaterpreis Der Faust nominiert. GMD Laurent Wagner dirigierte ergänzend dazu auch Weinbergs sechste Sinfonie op. 79 in der Reihe der Philharmonischen Konzerte. Das beeindruckende Konzert gemeinsam mit dem Konzertchor des Geraer Rutheneums wurde von Deutschlandfunk Kultur übertragen. Nun erscheint Weinbergs sechste Sinfonie beim Leipziger Label Klanglogo auf CD.
Wie in der Oper „Die Passagierin“, so arbeitet Weinberg auch in seiner sechsten Sinfonie seine traumatischen Erfahrungen des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs auf. Schmerzhaft waren bereits seine persönlichen Erfahrungen - dass er als junger Mann aus seiner Heimatstadt Warschau vor den Nationalsozialisten floh, rettete ihm das Leben, während seine gesamte Familie ermordet wurde, wie er Jahre später erfahren musste. Hintergrund der sechsten Sinfonie ist jedoch nicht sein persönlicher Verlust, sondern das Babi-Jar-Massaker von 1941, bei dem über 33.000 Juden aus Kiew, vor allem Frauen und Kinder, in der Babi-Jar-Schlucht erschossen wurden.  Gerade das Vergehen an unschuldigen Kindern, die eigentlich die Hoffnung der Menschen auf eine bessere Zukunft sein sollten, bewegt Weinberg in dieser Sinfonie und so appelliert er an die Verantwortung nachfolgender Generationen für eine bessere Welt und sendet versöhnliche Botschaften. Durch drei in der Sinfonie vertonte Gedichte dreier sowjetischer Schriftsteller kommen Weinbergs Intentionen auch wörtlich zum Ausdruck.

Generalmusikdirektor Laurent Wagner verabschiedete sich u. a. mit dieser CD nach sieben Spielzeiten am Theater Altenburg Gera von seiner Wirkungsstätte. Hier hat er sich neben dem Kernrepertoire auch zahlreichen „Ausgrabungen“ gewidmet: z. B. die Oper „Rübezahl und der Sackpfeifer von Neiße“ von Hans Sommer, zwei Hebräische Kammeropern von Josef Tal und Michail Gnesin oder die Jubelkantate von Albert Lortzing – allesamt ebenfalls auf CD erschienen.

Mieczysław Weinberg (1919-1996): Sinfonie Nr. 6 für Knabenchor und Orchester op. 79, Philharmonisches Orchester Altenburg Gera, Konzertchor Rutheneum, Choreinstudierung Christian K. Frank, Dirigent GMD Laurent Wagner

Die CD ist zum Preis von 17,- € zzgl. 3,- € Versandgebühr ist erhältlich unter der Mailadresse kasse@theater-altenburg-gera.de und in den Theaterkassen in Altenburg und Gera sowie im regulären Handel.


Mit Ulf und Juliane Annel rund um die Wartburg

Neues Buch in der 111-Orte-Reihe des Emons-Verlages
Mit Ulf und Juliane Annel rund um die Wartburg
Ulf Annel Juliane Annel

Ein Buch ist erschienen. Es ist das mittlerweile sechste in der 111-Orte-Reihe des Emons-Verlages. Es sind im besten Sinne Heimat-Bücher, die die Einheimischen wieder neugierig machen sollen auf ihre lokale oder regionale Umgebung. Aber auch die Touristen greifen gern zu diesen Büchern, um vielleicht noch ein bisschen mehr zu erfahren, als ihnen Wanderführer, Kunst- und Architekturführer u.ä. immer wieder anbieten.

Ziemlich in der Mitte Deutschlands thront die Wartburg: UNESCO-Weltkulturerbe, Touristenmagnet. Zieht man einen Kreis um die »Burg der Deutschen« (es reichen 30 Kilometer, ungefähr eine halbe Stunde Autofahrt), ist man erstaunt, was es alles zu entdecken gibt: zum Beispiel den Rennsteig-Startpunkt, Schlösser und künstliche Ruinen, eine Straßenbahn, die durch den Wald fährt, Skischanzen, Reste von deutsch-deutschen Grenzanlagen, das grüne Band, mehrere Mittelpunkte von Deutschland. Dazu Egon Bahrs Geburtshaus, das Haus von Romeo und Julia, die Höhle der Frau Holle, den Struwwelpeter-Park sowie den Ort, wo Luther gebohrt wurde (nicht geboren). Und man erfährt endlich, wo der Hund begraben liegt.

Die Autoren Ulf Annel (Text) und Juliane Annel (Fotos): Wir sind jedes Mal aufs Neue erstaunt, wie vielfältig Thüringer Städte und Regionen sind, wie viele interessante Orte (wenn Sie so wollen: Stellen) man finden kann und welche Geschichten zur Geschichte dieser Orte erzählt werden können. Und ich habe gemerkt, dass wir - zwei echte Erfurter Puffbohnen - immer mehr seelisch "verthüringern", je mehr wir über unsere Heimatregion, unser Bundesland erfahren. Neugier führt zu Wissenszuwachs. Wissenzuwachs führt zu engerer Bindung. Schöner Nebeneffekt unserer Arbeit an den Büchern. Von Goethe soll der Spruch stammen: "Warum denn in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!" Bei genauerem Nachforschen stellt man fest: Oh, das ist ja gar nicht von Goethe, das ist Tourismus-Werbung, angelehnt an den Dichterfürsten. Ja, warum nicht. Und zur Wartburgregion gibt es zudem einen noch viel passenderen Goethe-Spruch: "Die Gegend ist überherrlich." Na, wenn's der Geheimrat sagt ...

111 Orte rund um die Wartburg, die man gesehen haben muss | emons: (emons-verlag.com)

Ulf Annel, geboren 1955, ist eine Erfurter Puffbohne. Er studierte Journalistik, war Radioredakteur und gehört seit 1981 zum Ensemble des Kabaretts »Die Arche«/Erfurt. Er schrieb in der 111er-Reihe des Emons Verlags bereits verschiedene Bände. Die Fotografin Juliane Annel, geboren 1982 in Erfurt, studierte Pädagogik und Kunst. Nach dem Studium leitete sie Kinderateliers auf Fuerteventura und Kos und tourte durch Australien. Derzeit ist sie Lehrerin an einer freien Schule mit Montessori-Ausrichtung und Mitglied der »Imago«-Kunstschule in Erfurt. Sie fotografiert seit Schulzeiten.

Foto: privat


Geheimtipp für Wanderer in Thüringen

Regionalführer „Weidatal im Vogtland“ von Mirko Köhler
Weidatal im Vogtland Regionalführer

DAS WEIDATAL

Im Thüringischen Vogtland wurden einst mit ersten Burgen, Kirchen und Klöstern die Grundsteine für das Land der Vögte gelegt. Entlang des Flüsschen Weida sind viele dieser sagenumwobenen Orte erhalten. Beeindruckend sind die Einblicke in die Geschichte der Region, mannigfaltig die Ausblicke in ein Ensemble von Sehenswürdigkeiten und Naturerlebnissen. Ein vortreffliches Terrain, um fernab ausgetretener Pfade Orte in einem geschichtsträchtigen Landstrich zu besuchen.

DER REGIONALFÜHRER ist für Urlauber gedacht, die sich länger als einen Tag in der Region aufhalten. Es sind (fast) alle Möglichkeiten aufgezeichnet, die man vor Ort bzw. im näheren Umkreis in der Freizeit nutzen kann. Der Regionalführer beinhaltet Informationen zu Landschaft und Geschichte, Beschreibungen der Freizeitmöglichkeiten, Wanderungen Ausflugstipps und die wichtigsten Telefonnummern. Die Wanderungen sind mit roter Linie in Ausschnitten aus einer Wanderkarte nachvollziehbar. Damit sich der Nutzer gut zurecht findet, sind Hintergrundinformationen in Kästen gesetzt, und bevor eine Wanderung beginnt, gibt es einen kurzen Überblick zu Wegelänge, Wanderzeit, Varianten und Besonderheiten. Außerdem erfährt man, ob man mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Strecke bewältigen kann. Die Wanderwegsmarkierungen in der Natur führen auch durch den Text. 

www.gruenes-herz.de


Für immer schlau!

Neurowissenschaftlerin Dr. Kristen Willeumier und ihr Buch BIOHACKING FÜRS GEHIRN
Dr. Kristen Willeumir

Wissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen ab 70 oft glücklicher sind als mit 20 und Piloten ihre Bestleistung nachweislich mit 60 Jahren erreichen. Woran liegt das? Die Neurowissenschaftlerin Dr. Kristen Willeumier ist den Ursachen nachgegangen und stellt in ihrem Buch BIOHACKING FÜRS GEHIRN überraschende Lösungen für die lebenslange geistige Fitness vor. „Biohacking“ heißt der Gesundheitstrend, durch tägliche Selbstoptimierung der eigenen Lebensgewohnheiten und Ernährung sowie mit Brain-Workouts und Entspannungstechniken etwas Gutes für die eigene kognitive Gesundheit zu tun. Willeumier erarbeitete in ihrer Praxis mit Sportlern der National Football League ein Gesundheitsprogramm fürs Gehirn, von dem inzwischen nicht nur Menschen nach Hirnverletzungen profitieren. Das menschliche Gehirn kann man ohne Übertreibung als das wohl komplexeste Organ im uns bekannten Universum bezeichnen. Es lernt bis ins hohe Alter dazu und bildet immer neue neuronale Verbindungen, die uns schlauer und sogar glücklicher machen. Stress, schlechte Ernährung, zu wenig Wasser und mangelnde Bewegung sind die geheimen Intelligenz-Killer. Sie sind Ursache für emotionale Krisen, ja sogar schwere neurodegenerative
Erkrankungen. Dies weist Willeumier akribisch in ihrem neuen Buch BIOHACKING FÜRS GEHIRN nach. Und sie vermittelt gleichzeitig einen mehrstufigen positiven Ansatz, wie die Gesundheit des Gehirns und die eigenen Emotionen im Gleichgewicht bleiben.
Kristen Willeumier entführt ihre Leser in die faszinierende Welt unseres Gehirns und stellt die Hebel vor, an denen man mit ganz einfachen Mitteln ansetzt, um es langfristig leistungsfähig zu erhalten oder wieder zu heilen. Wissenschaftlich fundiert erläutert die Autorin, warum einfache Übungen, wie das Schreiben mit der linken Hand oder der Umweg ins Büro Schwung ins Hirn bringen oder Blaubeeren und dunkle Schokolade dem Ausbruch von Demenz und Alzheimer entgegenwirken können. Und: Ein Glas Wasser hilft tatsächlich gegen Übellaunigkeit. Ein Ernährungs- und Entspannungsplan sowie verblüffend einfache Brain-Workouts sorgen für eine bessere Durchblutung des Gehirns. Wer schneller und besser denken, konzentrierter arbeiten und Krankheiten vorbeugen will findet in diesem Buch die besten Ansätze für seine „grauen Zellen“.
Dr. Kristen Willeumiers Forschungsergebnisse basieren auf ihrer Arbeit mit Football-Profisportlern, die durch Verletzungen an Spätfolgen wie Unkonzentriertheit oder degenerativen neurologischen Erkrankungen litten.
Untermauert von Fallstudien ist BIOHACKING FÜRS GEHIRN ein wertvoller Ratgeber, der Mut macht, die eigene geistige Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Ihr faktenbasierter Optimismus ist wunderbar ansteckend: „Wir können jedes Gehirn besser machen, unabhängig vom Alter. Und jetzt fangen wir sofort damit an“, so die Autorin.

Das Buch: BIOHACKING FÜRS GEHIRN
Schneller und besser denken. Konzentrierter arbeiten.
Krankheiten vorbeugen.
Paperback: ISBN 978-3-96706-032-4:, 252 S., 24,95 €
Lieferbar auch:
Geb. m. SU.: ISBN 978-3-96706-033-1, 39,95 €
eBook: ISBN 978-3-96706-034-8, 19,99 €