KUSPI-Blog

Hochspannend und tiefbeeindruckend

Das SWR Vokalensemble mit seinem Konzert „Baltikum“ auf DVD / Von Dr. Eberhard Kneipel
Das SWR Vokalensemble mit seinem Konzert „Baltikum“ auf DVD

Ein exzellenter Auftritt, ein außergewöhnliches Programm und ein großartiges Erlebnis:  Diese Konzertaufzeichnung aus der Evangelischen Kirche Stuttgart-Gaisburg präsentiert den krönenden Abschluss der viel gelobten Länder-Reihe des SWR Vokalensembles durch das Baltikum.  Ein Kurztrip nach Estland, Lettland und Litauen und eine spannende Reise in die lange Geschichte der Vokalmusik dieser Region. Mit Werken, die durchdrungen sind vom zeitlosen Klang der Volksmusik, die bis in vorchristliche Zeiten zurückreicht, und mit Kompositionen, die an die faszinierenden Neuschöpfungen der 1960/70er Jahre anknüpfen. Shon damals hatte die Musik von Arvo Pärt international für Aufsehen gesorgt.

So ist es denn ganz selbstverständlich, dass deser Meister der Stille, des Wohlklangs und der Meditation, wie er gern genannt wird, mit von der Partie ist: Zwei Stücke für gemischten Chor, das jüngste „Und ich hörte die Stimme…“  aus dem Jahr 20017, schließen das  vielfarbige Programm ab. An die Traditionen livländischer Fischerlieder, gregorianischer Gesänge und italienischer Madrigale knüpfen die Vertonungen von Velio Tormis, Rytis Mazuis und Andris Dzentis an: Sie singen vom Märchen des jungen Sommers und von der Liebe zur Heimat; sie entfalten herbe Klänge und ein kunstvolles Kanon-Gefüge, und sie nehmen durch die poesievolle Ausschmückung der ausgewählten Texte für sich ein. Überall kann man da die phänomenalen Interpretationskünste des berühmten Vokalensembles und seines Leiters Marcus Creed bewundern. Und das strebt mit souveräner Leichtigkeit noch zwei weiteren Gipfelpunkten zu: „Litene“, Ballade für zwölfstimmigen gemischten Chor (1993) von Petris Vaaks, ebenfalls ein „“Altmeister“, und „Plonge“ („Tauchen“; 2005) der jungen litauischen Komponistin Juste Janulyte, die dieser Besetzung noch ein Violoncello hinzufügt.  Beide greifen mit ihren hinreißenden Klangwirkungen und monochromen Farbspielen jene Innovationen auf,  die György Ligeti und Bernd Alois Zimmermann vor einem halben Jahrhundert  zur Moderne  beigesteuert haben  Die Werke sind spektakulär, die Wiedergabe und die Wirkung ebenso - es sind schöne und nachhaltige Eindrücke, mit denen diese DVD überrascht und begeistert!

BALTIKUm – Konzertmitschnitt / SWR Vokalensemble, Markus Creed // 1 DVD Video-Album SWR Classic / Naxos; SWR 19107DVD; Laufzeit 01:222:13


MakerSpace-Angebote in der Geraer Stadt- und Regionalbibliothek

Die Geraer Bibliothek erweitert ihren Service und bietet ab sofort digitale MakerSpace-Angebote an. Ein MakerSpace ist eine Kreativwerkstatt für analoge und digitale Angebote, bei denen sich Bürgerinnen und Bürger selbstständig betätigen oder an neuen Technologien ausprobieren können. Angesprochen werden mit diesem neuen Angebot alle Nutzerinnen und Nutzer der Bibliothek. Zum Start wurde eine Digitalbar eingerichtet, an der Videos von alten VHS-Kassetten, Fotos, Schallplatten und Musikkassetten digitalisiert werden können. Darüber hinaus gibt es ein speziell für Kinder geschaffenes Robotik-Angebot, bei welchem Medienkompetenz spielerisch vermittelt wird. So können Interessierte beispielsweise mit Hilfe kleiner automatischer Bienen Programmieren lernen oder mit einem Löffelklavier Töne erzeugen.

Möglich wurde die Umsetzung der MakerSpace-Angebote durch eine Spende der Sparkassenstiftung Gera-Greiz im Wert von 3.000 Euro an den Bibliotheksförderverein „Buch und Leser e.V. Gera“.


Wer will schon in den Süden

Anthologie des Friedrich-Bödecker-Kreis für Thüringen e.V. zum Jubiläum freut sich auf viele Leser!

Ein Tipp von Ulf Annel - Der Friedrich-Bödecker-Kreis für Thüringen e.V. freut sich, dass er als Initiator und Herausgeber einer Anthologie aus Anlass des 30-jährigen Gründungsjubiläums allen ein Lesefest bereiten kann. Hier das Buch:

Wer will schon in den Süden
Ein Junge mit froschgrüner Anglerhose, ein Schneekönig, der schwer an einem Schlitten zieht, eine Wäschetrommel, die vorzulesen beginnt – in jeder Geschichte, in jedem Gedicht wird der Tag zu einem besonderen Tag. Mauersegler, Monster und Järv, der Vielfraß, erleben kleine und große Abenteuer, die Sehnsüchte wecken und das Glück suchen. Mit tiefem Ernst oder mit Augenzwinkern.
Entstanden ist ein wunderbares Buch für kleine und große Kinder. Über vierzig Autorinnen und Autoren haben die Texte geschrieben. Neun Illustratorinnen und Illustratoren dazu originelle Bilder gezeichnet. Auch die Erwachsenen werden das Buch nicht aus der Hand legen wollen. Ein Familien-Buch zum Vorlesen, Nachdenken, Lächeln und Vergnügen.
ISBN: 978-3-945605-47-9, Preis: 14,90 €
Das Buch kann in der lokalen Lieblingsbuchhandlung ooder direkt beim Verlag Tasten & Typen per Mail an verlag-tasten-und-typen@t-online.de erworben werden.


Julia Kulewatz: Orkaniden

Julia Kulewatz: Orkaniden

Von Stephan Herbst  Vor wenigen Tagen ist mit den Orkaniden der Thüringer Autorin Julia Kulewatz ein, wie ich meine, hochinteressanter und vielversprechender, die Grenzen der Sprache auslotender Lyrikband erschienen. Dazu in einem noch recht jungen Verlag, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur die Thüringer Literaturlandschaft zu erweitern und zu bereichern. In den Gedichten werden einerseits aktuelle, andererseits den Menschen schon seit langem angehende Themen aufgegriffen, die mit klassischen lyrischen Motiven zusammenkommen. Man stellt sich in Krisenzeiten wie diesen vielleicht (zu Recht, zu Unrecht?) die Frage: Wozu Lyrik? Auf diese Frage gibt die Einleitung, geben aber auch die Gedichte selbst eine treffsichere Antwort.

Darüber hinaus finden sich im Buch Illustrationen der Künstlerin Jantien Sturm, einer Urgroßnichte Karl Mays, die dem Leser sinnstiftend zusätzliche Interpretationshorizonte öffnen. Das Gedicht "Social Plastic" sowie die dazugehörige Illustration werden demnächst in der Krefelder Joseph-Beuys-Ausstellung gezeigt.

Die Orkaniden können im lokalen Buchhandel oder direkt beim Verlag über die Homepage erworben werden. https://www.kul-ja.com/onlineshop/orkaniden.-sturmgedichte/

kul-ja! publishing - der Verlag mit dem Kulibri. Motto: Wir machen "kule" Bücher: https://www.kul-ja.com/


Die kleinen Rhinos im Frühjahr 2021

Rhino Verlag 2021

In diesem Jahr haben die kleinen Rhinos besondere Titel von bekannten Autoren zu bieten.
Der Erfurter Kabarettist Ulf Annel entführt in die Wirren der deutschen Sprache und zeigt mit seinem biografischen Buch über den Kabarettisten Christian Morgenstern, dass auch schon vor rund 100 Jahren die Probleme in der Welt dieselben waren wie heute.
Köchin Tanya Harding zaubert wieder Köstliches auf den Frühstückstisch: Internationale Brotaufstriche treffen auf deutsche Brotkultur. Einfach nachzukochen mit vielen interessanten Hintergrundinformationen zu Rezepten und Zutaten.
Kräuterfrau Elvira Grudzielski widmet sich dieses Mal dem Lavendel. Seine besondere heilende Wirkung und sein Duft haben sich über Jahrtausende hinweg bewährt. Das kleine Lavendelbuch bietet eine Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten, Dekoideen und Kochrezepte mit Lavendel an.
Der Erfurter Historiker Dr. Steffen Raßloff widmet sich mit seinem Band „Barbarossa“ ganz dem Stauferkaiser Friedrich I. und stellt ausführend dar, wie sich der historische Barbarossa im Laufe der Geschichte zur Sagengestalt wandelt.

Die Rhino Westentaschen-Bibliothek: Die „Kleinen Rhinos“ sind kleine, feine Geschenkbücher mit einem breiten Themenspektrum und vermitteln prägnante, kurzweilige und anschaulich bebilderte Informationen. Dazu zählen Ratgeberbücher aus dem Bereich Gesundheit und Essen, aber auch Bücher mit unterhaltend-informativem Charakter oder regionalen Themengebieten mit überregionaler Ausstrahlung sowie der Regionalgeschichte.

Verlagsgruppe grünes herz | Die deutsche Sprache ist ein Witz (vggh.de)

entführt Menschen jedes Alters auf die Wortspielwiese. Ganz nebenbei ist es auch ein Beitrag, um die sehr harsch geführten Diskussionen um die "politische Unkorrektheit" unserer Sprache ein wenig zu entschärfen. Mit Humor geht vieles besser, leider nicht alles.

Und das andere

Verlagsgruppe grünes herz | Christian Morgenstern (vggh.de)

ist nach dem kleinen Ringelnatz-Buch (Nr. 41) und dem Tucholsky-Büchlein (Nr. 67) ein weiteres, um die kabarettistischen Vorfahren und ihr Werk auf kurzweilige Weise ins Heute zu holen. (Ulf Annel)


Faszinierende Persönlichkeit

Klaus-Werner Haupt: Francesco Algarotti. Gelehrter - Connaisseur – Poet
Klaus-Werner Haupt: Francesco Algarotti. Gelehrter - Connaisseur – Poet

Softcover, 104 Seiten, ISBN: 978-3-86397-140-3

https://www.bertuch-verlag.com/544-0-Francesco-Algarotti.html

Algarotti war Sohn eines venezianischen Unternehmers, Newtonianer und Locke-Anhänger, Mitglied der Londoner Royal Society, eine Empfehlung Voltaires. Im Auftrag des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. bereiste er Italien und brachte Kunstwerke wie z. B. „Das Schokoladenmädchen“ nach Dresden. In Preußen berät der Connaisseur Friedrich II. in Sachen Kunst, Musik und Architektur und bereichert dessen Tafelrunde auf Schloss Sanssouci. Algarottis Verse, Essays und Aphorismen besangen die Schönheit der Künste und vermittelten zwischen den Kulturen. Ihn faszinierte die Gemeinsamkeit von Wissenschaft und Kunst. In der Wiederbelebung der Antike sah er eine Quelle für die Erneuerung von Architektur, Malerei, Musik und Literatur. Bereits 1764 wurden seine gesammelten Werke publiziert, im folgenden Jahr erschienen seine Pensieri diversi (Vermischte Gedanken, 1765), von denen Kostproben in diesen Band eingestreut sind. Mögen sich die Leserinnen und Leser selbst ein Bild von dieser faszinierenden Persönlichkeit machen.


Musikland Thüringen

Eine Entdeckungsreise in über 70 Orte
Musikland Thüringen

Das erste Mozartdenkmal auf deutschem Boden? Das steht in Tiefurt in Thüringen.
Das erste Musikfestival in Deutschland? Das fand in Frankenhausen in Thüringen statt.

Das Musikland Thüringen liegt nicht nur in der Mitte Deutschlands, es ist auch eine klingende Herzkammer der europäischen Musikkultur – und dies in Vergangenheit und Gegenwart. Und Thüringen ist mehr als nur ein Bach-Land. Museen, Theater und Orchester, eine vielfältige und außerordentliche Orgellandschaft, eine lebendige Festivalkultur laden zu zahlreichen Entdeckungen vom 11. Jahrhundert bis in die heutige Zeit ein. Erstmals wird nun dieses reiche Erbe und diese lebendige Gegenwart in dem Kulturführer „Musikland Thüringen“ zusammengefasst. Herausgegeben haben den Band, passend zum aktuellen Themenjahr „Musikland Thüringen“, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen zusammen mit dem Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena und dem Thüringischen Landesmusikarchiv Weimar an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.
 
Auf mehr als 200 Seiten werden aus 74 Orten in ganz Thüringen über 240 Ereignisse, Personen, Institutionen und musikalische Highlights in knappen Einträgen beschrieben und zum Besuch empfohlen. Die Autorinnen und Autoren, allesamt Kennerinnen und Kenner der lokalen Musikkultur, präsentieren zahlreiche und vielfältige Entdeckungsmöglichkeiten. Neben den musikalischen Zentren Eisenach, Erfurt, Gotha, Jena, Meiningen und Weimar lenken sie den Blick u.a. nach Apolda (Glocken), Bedheim (Schwalbennestorgel), Nordhausen (Erfindung des Pianofortes), Merxleben (Ort des Taktläutens), Sondershausen (tiefste Konzerthalle Deutschlands) und Suhl (Geburtsort des Volkslieddichters Ernst Anschütz, Komponist des Liedes „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“).
 
„Wir wollen den Zugang zur Thüringer Musikkultur für jedermann ermöglichen“, begründet Gerhard Grandke, Präsident der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, das Engagement der Stiftung. Sieben Themenartikel bieten einen Überblick über Thüringer Besonderheiten, etwa die Orgel- und Orchesterlandschaft, die Musik zu Zeiten der DDR, aber auch die zahlreichen Musikfestivals im Freistaat. Darüber hinaus gibt es – abrufbar mit dem Smartphone via QR-Code – zahlreiche Musikbeispiele, die das Musikland Thüringen auch sinnlich erfahrbar werden lassen. Adressen, Kontaktmöglichkeiten und Hinweise zu Öffnungszeiten ergänzen den Serviceteil. Das Buch, das beim Verlag „Schnell & Steiner“ erschienen ist, ist ab sofort in jeder Buchhandlung erhältlich.
 
Weitere Informationen auf der Verlagswebsite:

https://www.schnell-und-steiner.de/artikel_10183.ahtml


Polnische Meisterwerke

Tondichtungen von Karlowicz und Konzertstück von Chopin beim Label Dux / Von Dr. Eberhard Kneipel
Tondichtungen von Karlowicz und Konzertstück von Chopin beim Label Dux / Von Dr. Eberhard Kneipel

Mieczyslaw Karlowicz: Symphonic Poems/ Fryderyk Chopin: Allegro de concert. Konrad Binienda (Klavier), Royal Philharmonic Orchestra, Ltg. Grzegorz Nowak. Dux/note 1 music; 1CD Dux 1621

Eine traurige Geschichte: Gerade zu jenem Zeitpunkt, an dem Mieczyslaw Karlowicz als ein führender Kopf der Gruppe "Junges Polen" in Erscheinung trat und seine Musik nun auch in der Heimat Resonanz und Anerkennung erlangt hatte, fand sein Leben ein jähes Ende. Am 8. Februar 1909 wurde der 33-Jährige bei Zakopane, dem Refugium der modernen Literaten und Musiker Polens, auf einer einsamen Skiwanderung in der Tatra von einer Lawine verschüttet. Die letzte seiner sechs Tondichtungen Episode auf einen Maskenball op.14, die seit 1904 entstanden waren und denen er sein außerordentliches Renommee verdankt, blieb unvollendet. 1913 hat sie dann sein Mitstreiter, der Komponist und Dirigent Grzegorz Fitelberg, fertiggestellt und uraufgeführt.

Seine musikalische Ausbildung hatte Mieczyslaw Karlowicz, der am 11. Dezember 1876 als Kind einer begüterten und gebildeten litauisch-polnischen Adelsfamilie geboren wurde, vor allem während der vielen und oft langen Aufenthalte in Deutschland erhalten: Heidelberg (Geigenunterricht), Dresden (Kreuzschule), Leipzig (Dirigieren bei Arthur Nikisch).  Auch als er sich nach 1900 im Warschauer Musikleben engagierte, blieb er ein Pendler (München, Nürnberg), bis er 1906 nah Zakopane zog, um in der magischen Bergwelt und unter Gleichgesinnten Ruhe und Inspiration zu finden. Prägend aber wurden vor allem die Berliner Jahre 1895-1901 durch den gründlichen und vielseitigen Kompositionsunterricht bei Heinrich Urban, das pulsierende Musikleben und die nachhaltigen Einflüsse von Wagner, Bruckner und Strauss  und durch die Kontakte zu den Konzertmeistern der Berliner Philharmoniker, die sein Instrumentationstalent gefördert und die Uraufführung vierer Werke bewirkt haben – darunter die Sinfonie Wiedergeburt op. 7 und das Violinkonzert op. 8, die noch  ganz im Bann von Tschaikowski stehen.

In Karlowiczs Meisterwerk op. 12 Stanislaw und Anna Oswiecim, der polnischen Travestie von Romeo und Julia nach einer alten Legende von einer unglückseligen Geschwisterliebe, kulminieren die kunstvoll entwickelten und verflochtenen Themen der Leidenschaft, der Zärtlichkeit und des Unheils in einer erschütternden Trauermusik.

Und die beiden folgenden Werke tragen die tiefe Melancholie der Erzählungen Drei Begegnungen und Eine unerwiderte Liebe von Iwan Turgenjew, dem Lieblingsschriftsteller des Komponisten, in sich.

Rauschende Ballmusik, wehmütige Walzer-Reminiszenzen und eine lange, trostlose Kantilene zeichnen die Episode auf einem Maskenball nach - Klänge voller inbrünstiger Sehnsucht und bitterer Enttäuschung.

Und Eine traurige Geschichte op. 13, die Präludien für die Ewigkeit, ist von Todesahnungen durchzogen – ein gedankenschwer und ausweglos kreisender Monolog, dem ursprünglich ein Pistolenschuss ein Ende setzen sollte…

Mit virtuosem Glanz, Balladen-Ton und Nocturne-Zauber setzt Frydeeryk Chopins Allegro de Concer op. 46 (1841) einen vitalen Kontrast zu dieser düsteren Fin-de-Siècle-Atmosphäre.  Der polnisch-amerikanische Pianist Konrad Binienda, dem das Stück seine Orchesterfassung verdankt, imponiert mit einem brillanten und feinnnervigen Auftritt. Auch Grzegorz Nowak und das Royal Philharmonic Orchestra erweisen sich als exzellente Interpreten dieser faszinierenden Partituren – Schade nur, dass die Tonaufnahme ihrem außerordentlichen Höhenflug nicht immer adäquat folgt…

 


Trost in schwieriger Zeit

CD des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera
Philharmonisches Orchester Altenburg Gera

Die Neuinterpretation zweier Hauptwerke des polnisch-russischen Komponisten Mieczysław Weinberg (1919-1996) im Frühjahr 2019 am Theater Altenburg Gera sorgte für überregionales Aufsehen: Kay Kuntzes Inszenierung der Oper „Die Passagierin“ fand eine unerwartet große Publikumsresonanz und wurde für den Theaterpreis Der Faust nominiert. GMD Laurent Wagner dirigierte ergänzend dazu auch Weinbergs sechste Sinfonie op. 79 in der Reihe der Philharmonischen Konzerte. Das beeindruckende Konzert gemeinsam mit dem Konzertchor des Geraer Rutheneums wurde von Deutschlandfunk Kultur übertragen. Nun erscheint Weinbergs sechste Sinfonie beim Leipziger Label Klanglogo auf CD.
Wie in der Oper „Die Passagierin“, so arbeitet Weinberg auch in seiner sechsten Sinfonie seine traumatischen Erfahrungen des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs auf. Schmerzhaft waren bereits seine persönlichen Erfahrungen - dass er als junger Mann aus seiner Heimatstadt Warschau vor den Nationalsozialisten floh, rettete ihm das Leben, während seine gesamte Familie ermordet wurde, wie er Jahre später erfahren musste. Hintergrund der sechsten Sinfonie ist jedoch nicht sein persönlicher Verlust, sondern das Babi-Jar-Massaker von 1941, bei dem über 33.000 Juden aus Kiew, vor allem Frauen und Kinder, in der Babi-Jar-Schlucht erschossen wurden.  Gerade das Vergehen an unschuldigen Kindern, die eigentlich die Hoffnung der Menschen auf eine bessere Zukunft sein sollten, bewegt Weinberg in dieser Sinfonie und so appelliert er an die Verantwortung nachfolgender Generationen für eine bessere Welt und sendet versöhnliche Botschaften. Durch drei in der Sinfonie vertonte Gedichte dreier sowjetischer Schriftsteller kommen Weinbergs Intentionen auch wörtlich zum Ausdruck.

Generalmusikdirektor Laurent Wagner verabschiedete sich u. a. mit dieser CD nach sieben Spielzeiten am Theater Altenburg Gera von seiner Wirkungsstätte. Hier hat er sich neben dem Kernrepertoire auch zahlreichen „Ausgrabungen“ gewidmet: z. B. die Oper „Rübezahl und der Sackpfeifer von Neiße“ von Hans Sommer, zwei Hebräische Kammeropern von Josef Tal und Michail Gnesin oder die Jubelkantate von Albert Lortzing – allesamt ebenfalls auf CD erschienen.

Mieczysław Weinberg (1919-1996): Sinfonie Nr. 6 für Knabenchor und Orchester op. 79, Philharmonisches Orchester Altenburg Gera, Konzertchor Rutheneum, Choreinstudierung Christian K. Frank, Dirigent GMD Laurent Wagner

Die CD ist zum Preis von 17,- € zzgl. 3,- € Versandgebühr ist erhältlich unter der Mailadresse kasse@theater-altenburg-gera.de und in den Theaterkassen in Altenburg und Gera sowie im regulären Handel.


Mit Ulf und Juliane Annel rund um die Wartburg

Neues Buch in der 111-Orte-Reihe des Emons-Verlages
Mit Ulf und Juliane Annel rund um die Wartburg
Ulf Annel Juliane Annel

Ein Buch ist erschienen. Es ist das mittlerweile sechste in der 111-Orte-Reihe des Emons-Verlages. Es sind im besten Sinne Heimat-Bücher, die die Einheimischen wieder neugierig machen sollen auf ihre lokale oder regionale Umgebung. Aber auch die Touristen greifen gern zu diesen Büchern, um vielleicht noch ein bisschen mehr zu erfahren, als ihnen Wanderführer, Kunst- und Architekturführer u.ä. immer wieder anbieten.

Ziemlich in der Mitte Deutschlands thront die Wartburg: UNESCO-Weltkulturerbe, Touristenmagnet. Zieht man einen Kreis um die »Burg der Deutschen« (es reichen 30 Kilometer, ungefähr eine halbe Stunde Autofahrt), ist man erstaunt, was es alles zu entdecken gibt: zum Beispiel den Rennsteig-Startpunkt, Schlösser und künstliche Ruinen, eine Straßenbahn, die durch den Wald fährt, Skischanzen, Reste von deutsch-deutschen Grenzanlagen, das grüne Band, mehrere Mittelpunkte von Deutschland. Dazu Egon Bahrs Geburtshaus, das Haus von Romeo und Julia, die Höhle der Frau Holle, den Struwwelpeter-Park sowie den Ort, wo Luther gebohrt wurde (nicht geboren). Und man erfährt endlich, wo der Hund begraben liegt.

Die Autoren Ulf Annel (Text) und Juliane Annel (Fotos): Wir sind jedes Mal aufs Neue erstaunt, wie vielfältig Thüringer Städte und Regionen sind, wie viele interessante Orte (wenn Sie so wollen: Stellen) man finden kann und welche Geschichten zur Geschichte dieser Orte erzählt werden können. Und ich habe gemerkt, dass wir - zwei echte Erfurter Puffbohnen - immer mehr seelisch "verthüringern", je mehr wir über unsere Heimatregion, unser Bundesland erfahren. Neugier führt zu Wissenszuwachs. Wissenzuwachs führt zu engerer Bindung. Schöner Nebeneffekt unserer Arbeit an den Büchern. Von Goethe soll der Spruch stammen: "Warum denn in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!" Bei genauerem Nachforschen stellt man fest: Oh, das ist ja gar nicht von Goethe, das ist Tourismus-Werbung, angelehnt an den Dichterfürsten. Ja, warum nicht. Und zur Wartburgregion gibt es zudem einen noch viel passenderen Goethe-Spruch: "Die Gegend ist überherrlich." Na, wenn's der Geheimrat sagt ...

111 Orte rund um die Wartburg, die man gesehen haben muss | emons: (emons-verlag.com)

Ulf Annel, geboren 1955, ist eine Erfurter Puffbohne. Er studierte Journalistik, war Radioredakteur und gehört seit 1981 zum Ensemble des Kabaretts »Die Arche«/Erfurt. Er schrieb in der 111er-Reihe des Emons Verlags bereits verschiedene Bände. Die Fotografin Juliane Annel, geboren 1982 in Erfurt, studierte Pädagogik und Kunst. Nach dem Studium leitete sie Kinderateliers auf Fuerteventura und Kos und tourte durch Australien. Derzeit ist sie Lehrerin an einer freien Schule mit Montessori-Ausrichtung und Mitglied der »Imago«-Kunstschule in Erfurt. Sie fotografiert seit Schulzeiten.

Foto: privat


Geheimtipp für Wanderer in Thüringen

Regionalführer „Weidatal im Vogtland“ von Mirko Köhler
Weidatal im Vogtland Regionalführer

DAS WEIDATAL

Im Thüringischen Vogtland wurden einst mit ersten Burgen, Kirchen und Klöstern die Grundsteine für das Land der Vögte gelegt. Entlang des Flüsschen Weida sind viele dieser sagenumwobenen Orte erhalten. Beeindruckend sind die Einblicke in die Geschichte der Region, mannigfaltig die Ausblicke in ein Ensemble von Sehenswürdigkeiten und Naturerlebnissen. Ein vortreffliches Terrain, um fernab ausgetretener Pfade Orte in einem geschichtsträchtigen Landstrich zu besuchen.

DER REGIONALFÜHRER ist für Urlauber gedacht, die sich länger als einen Tag in der Region aufhalten. Es sind (fast) alle Möglichkeiten aufgezeichnet, die man vor Ort bzw. im näheren Umkreis in der Freizeit nutzen kann. Der Regionalführer beinhaltet Informationen zu Landschaft und Geschichte, Beschreibungen der Freizeitmöglichkeiten, Wanderungen Ausflugstipps und die wichtigsten Telefonnummern. Die Wanderungen sind mit roter Linie in Ausschnitten aus einer Wanderkarte nachvollziehbar. Damit sich der Nutzer gut zurecht findet, sind Hintergrundinformationen in Kästen gesetzt, und bevor eine Wanderung beginnt, gibt es einen kurzen Überblick zu Wegelänge, Wanderzeit, Varianten und Besonderheiten. Außerdem erfährt man, ob man mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Strecke bewältigen kann. Die Wanderwegsmarkierungen in der Natur führen auch durch den Text. 

www.gruenes-herz.de


Poesie aus einem blühenden Refugium

Gedichte und Geschichten von Irmgard Krüger (Bad Frankenhausen)
Irmgard Krüger

Viel gibt es zu erzählen, wenn man wie Irmgard Krüger auf ein langes Leben zurückblickt. "Die alte Frau auf dem Titelbild mit dem Rollator, voll bepackt mit Blumen, das bin ich..." schreibt sie zu ihrem neuen Buch. Bad Frankenhausen ist ihre Wahlheimat geworden, hier brachte sie nun erneut Erinnerungen zu Papier. Diesmal ranken sich wortwörtlich ihre Gedanken um Blumen und Bäume: Die Birke, die sich mit dem Winter vermählt hat. Die Seerose im Miniteich... Aber auch an ihren "Italienischen  Momenten" lässt uns Irmgard Krüger teilhaben, und am Treiben ihrer drei Katzen. 

"Gartengestaltung liegt mir fern", bekennt die Autorin. "Und dennoch fordert mich das Gärtchen heraus mit einem unausgesprochenen Ehrgeiz: Stets etwas Blühendes sollte da sein, vom zeitigen Frühjahr bis zu den ersten Frösten. Da unten auf diesem Stückchen Land gibt es ein Füllhorn an Schönheit, Freude und ständigen Überraschungen..." (...)

"Es gibt auch Pflanzen, die mir sagen: Hallo, du musst noch durchhalten, ich zeige dir meine Blüte erst nächstes Jahr."

Aus dem botanischen Füllhorn schöpfte sie die Anregungen zu den kurzen Geschichten und Gedichten. Sie nimmt uns mit auf eine poesievolle Reise, macht uns das Geschenk einer Mußestunde. Stilvoll umrahmt wird ihr literarisches Schatzkästchen von Abbildungen künstlerischer Arbeiten, die Freunde für das Büchlein zur Verfügung stellten. Ein sorgsam, ja liebevoll zusammengestelltes Almanach. Eine kleine, feine Lektüre für Leserinnen und Leser, die Freude an Blumen, an Reisen, vor allem aber an den kleinen Glücksmomenten im Leben zu teilen vermögen.  

Die Autorin: Irmgard Krüger (*1938) war viele Jahre Lehrerin für Deutsch und Geschichte in Forst/Lausitz. Heute, mittlerweile selbst Ur­groß­mutter, lebt sie mit ihrem Mann in Bad Frankenhausen (Kyffhäuser).

Irmgard Krüger: Blumen in meinem Leben. Von der Rosenstadt in die Fliederstadt. JSD Verlag und Druck. ISBN 978-3-947049-12-7


Licht und Schatten der Provinz

Der aktuelle Roman von Volker Müller (Greiz)
Volker Müller Greiz Buch Abschied von Sontamur
Volker Müller: Abschied von Sontamur, Roman, Engelsdorfer Verlag; Taschenbuch, 320 Seiten; Art.Nr.: 978-3-96145-930-8 - Externer Link zum E-Book

Ist es ratsam oder überhaupt zu verantworten, als Helden für einen Roman, der mehrere Epochen der Entwicklung eines Landes beleuchten will, einen Mann zu nehmen, der nichts weniger als blanker Durchschnitt ist? Als Wissenschaftler, Ehemann, Liebhaber, Zeitgenosse, Nachbar, Freund. Andererseits: Lässt sich ein besserer Held denken? Jener mittlere Typ schwebt schließlich nicht himmelhoch über uns, erschlägt uns nicht mit seinen Visionen und Heldentaten, lässt uns nicht vor Neid erstarren, macht uns nicht kleiner, als wir uns ohnehin schon fühlen. Nein, ihm können wir die Hand reichen. Und alles, was sich Gutes über ihn sagen lässt, könnte auch uns zukommen. Außerdem ist es nicht uninteressant, wie sich ein Nicht-Großer oder Nicht-Starker durchs Leben schlägt. Es kann sogar höchst spannend sein. Und dann gibt es ein Drittes zu bedenken: Alles fließt, nichts bleibt, wie es ist. Im Wechsel der Zeiten kann, was einmal als nicht gerade aufregend oder vorwärtsweisend galt, nach und nach geradezu atemberaubend an Statur gewinnen. Das alles wäre zu bedenken, bevor jemand den Stab bricht über Hans Berg, die Hauptfigur in Volker Müllers Dreiteiler „Abschied von Sontamur“, den einst intensiv mit Energiefragen befassten Physiker, der mit seiner Frau Julia nach Jahrzehnten der Hauptstadt Mantribur den Rücken kehrt, eines in den heimatlichen Bergen ererbten Hauses wegen ...

Volker Müller: Ich wollte keinesfalls ein Klagelied auf die Provinz schreiben. Die Auseinandersetzung des Helden mit Vergangenheit und Gegenwart soll etwas Packendes, vielleicht sogar Ermutigendes, Vorwärtsweisendes bekommen. Und die Provinzstadt Sontamur wird reichlich Licht und Schatten, bei aller kritischen Sicht der Dinge also auch manches Anziehende haben. Natur, Kunst, Musik, das sogenannte schwache Geschlecht – vornan Bergs reizvolle, lebenslustige Frau Julia – stehen von der künstlerischen Gewichtung her ebenbürtig neben den Zeitproblemen. Über das Ehepaar Berg begegnet der Leser einer Fülle von Menschen, Schicksalen, einprägsamen Konstellationen.

Der Autor: Volker Müller, geboren 1952 in Plauen, aufgewachsen in Hohndorf bei Elsterberg. 1970 Abitur in Greiz. Studium an der Pädagogischen Hochschule Erfurt/Mühlhausen in der Fachrichtung Deutsch/Russisch. Nach drei Pflichtjahren im Schuldienst bis 1989 vorwiegend als Musiker tätig. Von 1990 bis 1996 Redakteur bei einer Tochterzeitung der „Frankenpost“. Seit 1998 freier Journalist und Autor.

Bücher über Bach, Fontane, Mozart, Tschechow, Schumann und die Greizer Literaturszene. Außerdem die Prosabände Das Galakonzert, Kormorane und Blondinenrettung, der Roman Corvette Menz, die Lyrikbände Einen Taubenflug groß ist meine Stadt und Vergessene Zentimeter, das gemeinsam mit Peter Zaumseil gestaltete Kunstbuch Lob der Bäume sowie der Stückeband Im wunderschönen Monat Mai und der Essayband Quartett für die Ewigkeit. Der 2008 erschienene Band Das Galakonzert kam 2018 unter dem neuen Titel Bäume malen im November in einer verbesserten Fassung heraus. Zwei Schriftstellerstipendien des Freistaats Thüringen. Vogtländischer Literaturpreis 2018.


Räume für die Fantasie

Weimar: Hochschul-CD „Diversity“ präsentiert neue Songs aus dem Bereich Jazz und Improvisierter Gesang
HfM Weimar CD Diversity

Der englische Begriff „Diversity“ wird meist mit „Vielfalt“ übersetzt – ist jedoch noch viel weitreichender: Er bezeichnet den wertschätzenden, bewussten und respektvollen Umgang mit Verschiedenheit und Individualität in unserer Gesellschaft. Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar versteht ihre Internationalität auch als ein Bekenntnis zur Vielfalt. Und so ist es naheliegend, dass die neue Hochschul-CD aus dem Bereich Jazz und Improvisierter Gesang den Titel „Diversity“ trägt. Auf der vom Tonstudio der Hochschule nach aktuellen Standards der Studiotechnik produzierten CD versammeln sich acht Songs, die unter der Federführung der Professoren für Improvisierten Gesang, Jeff Cascaro und Michael Schiefel, entstanden sind. „Es sind Songs voller Leichtigkeit und Ironie, verträumt oder eindringlich voller Soul“, erklärt der Weimarer Professor für die Geschichte des Jazz und der populären Musik, Martin Pfleiderer. „Melancholischer Folk, nur vom Klavier begleitet oder a cappella aufgefächert, steht neben surrealen Gesangsimprovisationen, die der Fantasie neue Räume eröffnen.“

Die Songs tragen poetische Titel wie „Utopia“, „Dream“ oder „Sunflower Blues“, andere heißen „Attraction of the unknown“ oder „When I fall in love“. Ergänzt werden sie um das Instrumentalstück „Spiekeroog“ für Gitarre, Trompete, Synthesizer, Schlagzeug und Bass. Das Schlussstück der CD ist das traditionelle slowakische Lied „Rosu dejte, o nebesa“ in einem Arrangement von Winnie Brückner: Es singt das Vokalensemble Euphonics der Weimarer Musikhochschule.

„Wir erleben auf dieser CD eine Vielfalt der Stimmen und Stimmungen, Themen und Musikgenres, vokalen Ausdrucksweisen und Gefühle“, so Prof. Pfleiderer. „Sie ist ein Zeugnis der musikalischen Imaginationskraft und des erstaunlichen künstlerischen Selbstvertrauens der jungen Musikerinnen und Musiker.“


Online-Anthologie: Das gestohlene Jahr

Sechzehn Thüringer Autorinnen und Autoren über das Leben und Schreiben in besonderer Zeit

Wer hat uns das Jahr 2020 gestohlen? — War es das verhängnisvolle Virus? Die Corona-Politik? Waren wir selber unfähig, auf eine plötzlich veränderte Welt angemessen zu reagieren? Vielleicht war es auch keine verlorene Zeit? — In der Online-Anthologie »Das gestohlene Jahr« berichten sechzehn Thüringer Autorinnen und Autoren, wie sie die zurückliegenden Corona-Monate subjektiv erfahren haben: Geglückte und abgesagte Lesungen. Die plötzliche, gar nicht so unangenehme Stille. Dieses sonderbare Gefühl: aus der Zeit gefallen sein. Leben am Rande einer versunkenen Stadt. Das Schweben zwischen digitalen und realen Wolken. Maskenpflicht. Geschlossene Cafés und geschlossene Toiletten. Geplatzte Pläne. Neue Chancen.

»Das gestohlene Jahr« — Notizen, Texte und Bilder von Mitgliedern des Thüringer Schriftstellerverbandes: Sechzehn Stimmen, sechzehn Stimmungen aus dem Jahr der positiven Abstriche und gestrichenen Termine. Und der Wiedergeburt des Fortsetzungsromans ....
Die Online-Anthologie »Das gestohlene Jahr« finden Sie unter: 2020.literathuer.org


Eine einzigartige Edition

Arthaus-Musik präsentiert Valery Gergjevs grandiosen Bruckner-Zyklus aus der Stiftsbasilika St. Florian in Linz / Von Dr. Eberhard Kneipel
Arthaus Bruckner Zyklus

Anton Bruckner: THE SYMPHONIES • THE STORY • THE FILM - Arthaus Musik, 4 Blu-ray Dsc und 6 DVDs, Katalognummer: 109400 / Laufzeit: 631 Min. (Symphonien), 58 Min. (Doku Eng­lisch), 56 Min. (Doku Deutsch)

Die Warteschlange war lang – selbst Rezensenten mussten sich einreihen und in Geduld üben. Hält man dann aber die exklusive Geschenk-Box in den Händen, wird bereits das Öffnen zum Erlebnis: Edel ihre Ausstattung mit schwarzem Samt, darinnen sechs DVDs und vier Blu-ray Discs mit der Gesamtaufnahme der neun Sinfonien, eine Film-Dokumentation und zwei kleine feine Bücher in deutscher bzw. englischer Sprache über den Lebens- und Schaffensweg des Komponisten und voller Informationen über die eingespielten Werke. Und obenauf liegt ein Faksimile des Lebenslaufs von Anton Bruckner (1824-1896), den er 1876 eigenhändig zu Papier gebracht hat.

Das alles lässt sich freilich ohne Superlative nicht beschreiben, so abgenutzt sie auch sein mögen: Es ist die aufwändigste und spektakulärste Gesamteinspielung, die es je gab – aus der Hand eines Dirigenten! Nach Schostakowitsch und Prokofjew tritt Valery Geregiev dafür zu seinem dritten Marathon an; dieses Mal nicht mit seinen Petersburger Musikern in Paris oder in den Musik-Metropolen Russlands, sondern mit den Münchner Philharmonikern in der Stiftsbasilika St. Florian in Linz. Und auch da kann der russische Maestro mit einem exzellenten Klangkörper aus dem Vollen schöpfen – zu den Bruckner-Festspielen 2017, 2018 und 2019 – im imposanten Prachtbau, der zur letzten Wirkungs- und Ruhestätte des österreichischen Sinfonikers wurde.

Das mit Hingabe, Präzision und Klangkultur spielende Orchester und der umsichtig aufs Detail achtende und intensiv weite Spannungsbögen aufbauende Gergiev lassen hier, dem Ort entsprechend, die großen und großartigen Werke in all ihrer Schönheit und Eigenart aufblühen. Bruckner hatte sich nicht am Wettlauf um die Erbfolge des Sinfonikers Beethoven beteiligt. Sein Denken kreist um Natur und Glaube, um Mensch und Gott. Seine Musik ruht in sich, sie kennt weder dramatische Gegensätze und Entwicklungen noch innere Zerrissenheit und die verzweifelten Kraftanstrengungen der Welt und von Zeitgenossen wie Brahms oder Mahler. Komplex und kontrastreich ist sie aber sehr wohl. Die wenig bekannten ersten beiden Sinfonien in c-Moll mit ihren luziden Bläser-Soli, ausdrucksvollen Melodielinien und mächtigen Akkordblöcken, die wie Orgelregister klingen, legen den Bauplan fest, den die nachfolgenden erweitern, bereichern und differenzieren werden: Die Anfangs- und die Final-Sätze voller Kraft und Dynamik, thematischer Varianten und gewaltiger Bläser-Gipfel. Die langsamen Sätze voller Ruhe, Innigkeit und kantablem Wohllaut. Und die Scherzo-Sätze spielerisch, unruhig, geheimnisvoll und mit Mittelteilen, in denen Volkslied und Volkstanz anklingen. Die 3. Sinfonie steht mit ihren Zitaten und ihrer Widmung dem verehrten Richard Wagner nahe Die romantische „Vierte“ ist die populärste des Komponisten; die 5. Sinfonie überwältigt durch ihre Bläser-Choräle; der hellen „Sechsten“ folgt die düstere Trauermusik auf Wagners Tod in der „Siebten“. Der Riesenbau der 8. Sinfonie wird durch ein Finale gekrönt, das die Hauptthemen aller vier Sätze in sich vereinigt. Und die „Neunte“ ist „Dem lieben Gott“ gewidmet und blieb unvollendet – der letzte Satz fehlt…

Es sind unbeschreibliche musikalische Schätze, die sich dem Hörer in diesen Aufführungen erschließen – und an deren Faszination hat auch die vielfältige Sprache der Bilder ihren Anteil: Nicht nur, dass die Kameras die „Arbeit“ des Orchesters – die konzentrierten Gesichter der Musikerinnen, das feine Zusammenspiel der Instrumente, das eindrucksreiche Ganze – aus neuen, völlig ungewohnten Blickwinkeln und Perspektiven zeigen. Sie rücken zudem die farbigen Deckengemälde und vergoldeten Engelsfiguren, die Bildhauerkünste, das kostbare Schnitzwerk und die wuchtigen Säulen und Portale ins Gesichtsfeld des Betrachters. Und sie entdecken Korrespondenzen zwischen dem Orchesterklang und dem prächtigen Orgelprospekt, dem verklärten Altarbild und dem majestätischen Kirchenraum…

Doch das ist nicht alles! Zu diesem „Gesamtkunstwerk“ trägt auch noch hochwertiges dokumentarisches und biografisches Material bei: der 60-minütige Film „Anton Bruckner – Das verkannte Genie“ des Regisseurs Reiner E. Moritz unter Mitwirkung international bedeutender Künstlerpersönlichkeiten sowie das 120-seitige Buch „Vom Werden eines Genies“ der Bruckner-Expertin Elisabeth Maier. Und zu guter Letzt kommt die große Orgel ins Spiel, an der Bruckner gewirkt hat und unter der er begraben liegt: Zwanzig Minuten lang improvisiert Martin Haselböck über ein Thema aus der 2. Sinfonie und schließt damit diese einzigartige Edition ab, für die sich das Label Arthaus Musik wiederum mit einem hochkarätigen Team von Produktionsfirmen zusammengetan hat.

Am Ende bleibt nicht der kleinste Wunsch offen! Auch für Valery Gergiev nicht: Bruckners Sinfonien, im 21. Jahrhundert als Zyklus aufgeführt, laden zu einer interessanten und bereichernden Reise ein.“  Das Seinige dazu hat er getan – eindringlich und überzeugend! Geduld in der Warteschlange hat sich also gelohnt…


Verhängnisvolle Runst

Eisenacher Autor Steffen Schulze zur Veröffentlichung seiner zweiten Pepe-Kurzgeschichte
Steffen Schulze Autor Eisenach

Eisenach: In diesen Tagen ist mit „Verhängnisvolle Runst“ die zweite Kurzgeschichte um den Militärpolizisten Pepe S. Fuchs des Eisenacher Autors Steffen Schulze als Ebook erschienen.

„Ich wollte schon immer mal den Rennsteig in eine Handlung einbinden“, sagt Schulze. „Eine mehrtägige Wanderung letzten Sommer hat schließlich den endgültigen Anstoß gegeben.“ Wie schon in der Abenteuer-Reihe um den Feldjäger Fuchs, in der mittlerweile bereits fünf Bände im Principal Verlag erschienen sind, muss der in Erfurt stationierte Oberfeldwebel Pepe selbst in seiner Freizeit alle Kräfte aufbieten, um eine Katastrophe abzuwenden. Die entspannte Runst scheint in ein Desaster zu münden, als er mitten im Wald auf eine verängstigte junge Frau stößt. „Dieses Mal habe ich mir Hilfe für die Cover-Gestaltung gesucht“, verrät Schulze weiter. „Ich bin sehr froh, dass ich eine talentierte junge Künstlerin für das Projekt gewinnen konnte.“ Wenn „Verhängnisvolle Runst“ ebenso viel Anklang beim Leser findet wir der Vorgänger „Fahnenflucht“, kann sich Schulze durchaus vorstellen, die Kurzgeschichten-Reihe weiterzuführen.

Zum Autor: Der Hobby-Autor Steffen Schulze wurde in der Niederlausitz geboren und wohnt seit 2000 in der Wartburgstadt Eisenach. Sein erstes Buch „Im Bann des Jonastal“ hat er 2007 als Selfpublisher veröffentlicht. Sieben Jahre später wurde seine Ausdauer und Hartnäckigkeit mit einem Verlags-Buchvertrag belohnt. „Der Motorradpfarrer und die Millionenbeichte“, eine Geschichte um einen Eisenacher Priester in Gewissensnöten, wurde vom Highlights Verlag angenommen. Kurz darauf erhielt Schulze vom Principal Verlag den Zuschlag, seine Abenteuer-Reihe um den Feldjäger Pepe S. Fuchs zu veröffentlichen. Mittlerweile ist mit dem „Mythenjäger“ der bereits fünfte Band erschienen. Immer wieder widmet sich der Freizeit-Autor auch Kurzgeschichten, wie zum Beispiel „Briefgeheimnis“. Damit schaffte er es 2018 bei einem Schreibwettbewerb von BoD und Libri ins Finale der besten Zehn.

Aktuelle Infos: www.lovelybooks.de/autor/Steffen-Schulze und unter www.facebook.com/Schulze.Eisenach/

Abbildung - Quelle: Diana Schulze


Für immer schlau!

Neurowissenschaftlerin Dr. Kristen Willeumier und ihr Buch BIOHACKING FÜRS GEHIRN
Dr. Kristen Willeumir

Wissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen ab 70 oft glücklicher sind als mit 20 und Piloten ihre Bestleistung nachweislich mit 60 Jahren erreichen. Woran liegt das? Die Neurowissenschaftlerin Dr. Kristen Willeumier ist den Ursachen nachgegangen und stellt in ihrem Buch BIOHACKING FÜRS GEHIRN überraschende Lösungen für die lebenslange geistige Fitness vor. „Biohacking“ heißt der Gesundheitstrend, durch tägliche Selbstoptimierung der eigenen Lebensgewohnheiten und Ernährung sowie mit Brain-Workouts und Entspannungstechniken etwas Gutes für die eigene kognitive Gesundheit zu tun. Willeumier erarbeitete in ihrer Praxis mit Sportlern der National Football League ein Gesundheitsprogramm fürs Gehirn, von dem inzwischen nicht nur Menschen nach Hirnverletzungen profitieren. Das menschliche Gehirn kann man ohne Übertreibung als das wohl komplexeste Organ im uns bekannten Universum bezeichnen. Es lernt bis ins hohe Alter dazu und bildet immer neue neuronale Verbindungen, die uns schlauer und sogar glücklicher machen. Stress, schlechte Ernährung, zu wenig Wasser und mangelnde Bewegung sind die geheimen Intelligenz-Killer. Sie sind Ursache für emotionale Krisen, ja sogar schwere neurodegenerative
Erkrankungen. Dies weist Willeumier akribisch in ihrem neuen Buch BIOHACKING FÜRS GEHIRN nach. Und sie vermittelt gleichzeitig einen mehrstufigen positiven Ansatz, wie die Gesundheit des Gehirns und die eigenen Emotionen im Gleichgewicht bleiben.
Kristen Willeumier entführt ihre Leser in die faszinierende Welt unseres Gehirns und stellt die Hebel vor, an denen man mit ganz einfachen Mitteln ansetzt, um es langfristig leistungsfähig zu erhalten oder wieder zu heilen. Wissenschaftlich fundiert erläutert die Autorin, warum einfache Übungen, wie das Schreiben mit der linken Hand oder der Umweg ins Büro Schwung ins Hirn bringen oder Blaubeeren und dunkle Schokolade dem Ausbruch von Demenz und Alzheimer entgegenwirken können. Und: Ein Glas Wasser hilft tatsächlich gegen Übellaunigkeit. Ein Ernährungs- und Entspannungsplan sowie verblüffend einfache Brain-Workouts sorgen für eine bessere Durchblutung des Gehirns. Wer schneller und besser denken, konzentrierter arbeiten und Krankheiten vorbeugen will findet in diesem Buch die besten Ansätze für seine „grauen Zellen“.
Dr. Kristen Willeumiers Forschungsergebnisse basieren auf ihrer Arbeit mit Football-Profisportlern, die durch Verletzungen an Spätfolgen wie Unkonzentriertheit oder degenerativen neurologischen Erkrankungen litten.
Untermauert von Fallstudien ist BIOHACKING FÜRS GEHIRN ein wertvoller Ratgeber, der Mut macht, die eigene geistige Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Ihr faktenbasierter Optimismus ist wunderbar ansteckend: „Wir können jedes Gehirn besser machen, unabhängig vom Alter. Und jetzt fangen wir sofort damit an“, so die Autorin.

Das Buch: BIOHACKING FÜRS GEHIRN
Schneller und besser denken. Konzentrierter arbeiten.
Krankheiten vorbeugen.
Paperback: ISBN 978-3-96706-032-4:, 252 S., 24,95 €
Lieferbar auch:
Geb. m. SU.: ISBN 978-3-96706-033-1, 39,95 €
eBook: ISBN 978-3-96706-034-8, 19,99 €


Gefeierte Autobiografie

BECOMING - das Buch der ehemaligen First Lady der USA, Michelle Obama, bisher weltweit in mehr als 15 Millionen Exemplaren verkauft

BECOMING, internationaler Nummer 1-Bestseller und Autobiografie der ehemaligen First Lady der USA, Michelle Obama, wurde jetzt von der Penguin Random House Verlagsgruppe in einer neuen Ausgabe veröffentlicht. Die Neuigkeit wurde in einem besonderen Video von Michelle Obama auf Social Media geteilt.
Die Ausgabe für junge Leser*innen ist für Jugendliche ab 13 Jahren bearbeitet und umfasst ein eigenes Vorwort der Autorin sowie drei farbige Bildstrecken. Das Hardcover erscheint bei cbj, einem Verlag der Penguin Random House Verlagsgruppe. Der Ladenpreis beträgt 20,00 € [D], 20,60 € [A] und 28,90 CHF.

In BECOMING – Erzählt für die nächste Generation erzählt Michelle Obama einer neuen Generation ihre ganze Geschichte mit der bekannten Aufrichtigkeit und Offenheit. Sie teilt ihre Erfolge und Triumphe, verschweigt aber auch Rückschläge, Verletzungen und Herausforderungen nicht, mit denen sie auf ihrem Weg fertig werden musste. Auf diese Weise lädt Michelle Obama ihre Leserschaft zu der Erkenntnis ein, dass niemand perfekt ist und dass der Prozess des Werdens zählt. Außerdem verrät sie, dass man niemals damit fertig ist, sich selbst zu finden. Indem sie ihre eigene Story so kraftvoll erzählt, fragt sie junge Menschen: Wer seid ihr und was wollt ihr werden?

Wie Michelle Obama in ihrem Vorwort zur Ausgabe für junge Leser*innen schreibt: “Als ich in den 1960er und -70er Jahren in der South Side von Chicago aufwuchs, waren meine Eltern, Marian und Fraser Robinson, immer aufrichtig zu meinem Bruder Craig und mir. Nie beschönigten sie bittere Wahrheiten oder präsentierten uns die Wirklichkeit in einem falschen, freundlicheren Licht – weil sie wussten, wir würden damit klarkommen. Mit demselben Respekt möchte ich euch begegnen.
 
Deshalb verspreche ich euch, meine Geschichte in ihrem ganzen beeindruckenden Auf und Ab zu erzählen – angefangen in der Zeit, als ich vor meiner Vorschulklasse mit einer Frage zu kämpfen hatte, über meinen ersten Kuss bis hin zur Verunsicherung, die ich als Jugendliche empfand. Später kamen Dinge dazu wie die Turbulenzen auf einer Wahlkampftour oder die einzigartige Erfahrung, als ich der englischen Königin die Hand schüttelte. (…) so hoffe ich, dass ihr, wenn ihr meine Geschichte lest, auch über eure eigene nachdenkt – weil sie das schönste Geschenk ist, das ihr je besitzen werdet.” 

Weitere Informationen zu den Büchern finden sich unter www.randomhouse.de


East West Symphony "Hiwar/Dialog"

Neue CD mit Ensemble MASAA und der Jenaer Philharmonie (Leitung: Bernd Ruf)
East West Symphony Ensemble Masaa und Jenaer Philharmonie

In einer Zeit, in der durch politische Polarisierungen, technologische Umwälzungen und gesundheitlich motivierte Isolierungen der Dialog zwischen den Menschen, den Parteien, den Institutionen rapide abkühlt, ja, partiell einfriert, schicken das Ethno-Jazz Ensemble MASAA und der Dirigent Bernd Ruf ihren Aufruf zum Dialog in die Welt: Wacht auf! Steht auf! Sprecht miteinander! Christen, Juden und Muslime, Jazzer und Klassiker, Alte und Junge.
In zwölf Tracks – zehn arabische und ein französischer Song sowie ein Instrumentaltitel – umspinnen sich arabische Ornamentik und abendländische Sinfonik, grooven Band und Orchester unter Bruckner‘schen Bläsersätzen und stellen dabei immer den Menschen in den Vordergrund: Das Individuum Mensch im Dialog mit der Gemeinschaft.
Der Dialog ist musikalisch spürbar durch das Musizieren auf Augenhöhe von Orchester und Band. Sie übernehmen wechselnd die Gesprächsführung, stimmen ein, widersprechen, finden zu gemeinsamen Statements. Gesang, Trompete, Perkussion und Klavier verbinden sich dabei sensibel mit dem Orchesterklang.

Mitwirkende

Jazz Ensemble MASAA - Rabih Lahoud, Gesang - Marcus Rust, Trompete und Flügelhorn - Demian Kappenstein, Drums & Percussion - Clemens Poetzsch, Piano - Jenaer Philharmonie, Dirgent: Bernd Ruf

Während das Album noch in der Besetzung mit Clemens Poetzsch am Klavier entstanden ist, spielt die Band seit 2018 mit Reentko Dirks an der Gitarre. Für die Konzerte mit Orchester werden zukünftig beide Musiker mit auf der Bühne stehen.    

VÖ: 15. Januar Label: gpARTS, Vertrieb: Edel Distribution / digtal: Kontor New Media

Zum Reinhören

https://www.amazon.de/Symphony-Masaa-Jenaer-Philharmonie-Bernd/dp/B08PMF9131/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=bernd+ruf+hiwar&qid=1610465862&quartzVehicle=4152-1420&replacementKeywords=bernd+hiwar&sr=8-1


Bezaubernde Geschichte für Kinder

Comic Manufaktur in Gera zeichnet, textet, druckt und animiert auch Ihren individuellen Comic.
Regenbogentiger Comic Gera

Corona hat neben vielen Einschränkungen tatsächlich auch Gutes hervorgebracht: Zeit, um kreativ zu werden. Diese Erfahrung hat auch Lutz Piller (Gera) gemacht. Er fand endlich die Zeit, sagt er selbst, um die Idee zu einer Geschichte in Worte zu fassen. Herausgekommen ist nun "Regenbogentiger", eine Geschichte für Kinder (ab 3 Jahren, empfehle ich). Erzählt wird die Story von einem kleinen (namenlosen) weißen Tiger, der feststellt, wie bunt die Welt um ihn herum ist. Nur er ist offenbar der Einzige, der keine Farben hat. Und so wünscht er sich nichts sehnlicher, als auch so schön bunt zu sein! Ein Mädchen schließlich erfüllt ihm seinen Wunsch. Seine Farbenpracht allerdings ist nicht von Dauer ... Am Ende lautet die Botschaft: Du bist schön, genau so, wie du bist.

Zauberhaft illustriert wurde die kleine, herzerwärmende Story von Rainer Bartossek. Mit witzigem wie liebevollem Strich, so dass die detailfreudigen Zeichnungen immer wieder zum Entdecken einladen. Meine Empfehlung! (Dagmar Paczulla)

Lutz Piller über die Comic Manufaktur: "Unser Team produziert für Sie als Business- oder Privatkunden individuelle Handmade-Comics (von der Portrait-Karikatur über Cartoons bis zum Comic-Heft). Als Werbemittel und Merchandise, als besonderes Giveaway, privates Geschenk oder als außergewöhnliche Visitenkarte - unsere Comics werden zu jedem gewünschten Anlass garantiert nachhaltig beeindrucken. Unser Team besteht aus ambitionierten und professionellen Zeichnern, Karikaturisten, Grafikern, Textern und Videoproduzenten."

Mehr Infos unter: https://www.comic-manufaktur.de/


Quasthoff sings Mahler

Quasthoff sings Mahler

QUASTHOFF SINGS MAHLER
Eine der letzten Produktionen Thomas Quasthoffs mit klassischem Repertoire.
Enthält Gustav Mahlers Kindertotenlieder, Anton Weberns sechs Stücke für Orchester op. 6 und Richard Strauss‘ Also sprach Zarathustra, op. 30.

Mit dem siebten Sinfoniekonzert unter Maestro Zubin Mehta und dem Bariton Thomas Quasthoff leitete die Staatskapelle Dresden ihre Mahler-Feier zum 150. Geburtstag des Komponisten im Jahr 2010 ein. Thomas Quasthoff hat inzwischen in der Jazzmusik seine neue Berufung gefunden. Umso mehr freut es mich, Ihnen mit unserer neuen Veröffentlichung eine der letzten Produktionen des Sängers mit klassischem Repertoire vorstellen zu dürfen. Die soeben erschienene Blu-ray

QUASTHOFF SINGS MAHLER

dokumentiert eindrucksvoll den krönenden Abschluss einer einzigartigen Musikkarriere im Klassikbereich.

Gustav Mahler, dessen Liedschaffen ab 1900 von Texten Friedrich Rückerts bestimmt war, komponierte seine Kindertotenlieder in den Jahren 1901 und 1904. Seine Frau Alma konnte bereits damals nicht verstehen, dass ihr Mann derart düstere Texte vertonte, während seine beiden Kinder vergnügt im Garten spielten. Die Tatsache, dass die gemeinsame Tochter Maria-Anna nur drei Jahre später an Diphtherie starb, scheint in diesem Zusammenhang beinahe tragisch-prophetisch. „Bei den Kindertotenliedern ist es natürlich die Thematik, die die Stücke zu einer sehr extrem intimen und schwierigen Interpretation werden lassen“, so Thomas Quasthoff in einem Interview.

Thomas Quasthoff ist einer der herausragenden und gleichzeitig vielseitigsten Sänger unserer Zeit. Als Liedsänger gilt er bis heute als international vielbeachteter Ausnahmekönner, der es stets versteht, verschiedenstes Repertoire diffizil und feinfühlig zu interpretieren. Allein drei seiner zahlreichen CD-Einspielungen wurden mit einem Grammy ausgezeichnet, was bisher keinem anderen deutschen Künstler gelingen konnte.

Der Dirigent Zubin Mehta zählt seit Jahren zu den herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Musikwelt. Bereits mit 25 Jahren konnte der gebürtige Inder in Zusammenarbeit mit den Berliner und Wiener Philharmonikern sowie dem Israel Philharmonic Orchestra sein außergewöhnliches Talent unter Beweis stellen. Auch mit der Staatskapelle Dresden pflegt Mehta seit vielen Jahren ein außergewöhnliches Verhältnis. Immer wieder gab er gefeierte Gastspiele in der sächsischen Landeshauptstadt und bewies sich dabei als glänzender Interpret eines weitreichenden Repertoirespektrums.

Neben den Kindertotenliedern präsentiert die Sächsische Staatskapelle Dresden auch Anton Weberns „Sechs Stücke für Orchester“ op. 6 und Richard Strauss‘ wohl bekanntestes Werk, „Also sprach Zarathustra“. Anton Weberns Schicksal, der seine Mutter 1906 im Alter von 23 Jahren verlor, beeinflusste sein weiteres Schaffen auf eine Art und Weise, die ihn trotz aller musikalischer Unterschiede – Webern war Anhänger der Wiener Schule, Mahler hatte die Grenzen der Tonalität zeitlebens nie zu überschreiten gewagt – mit dem Komponisten der Kindertotenlieder verbindet. 

Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ hingegen steht in einer ganz anderen Tradition und darf wohl vollkommen zurecht als imposant vibrierender Orgelpunkt mit aufsteigender Trompetenfanfare, der das Mahlerjahr 2010 stilgerecht einleitete, beschrieben werden.


Musik der Seele

Das Berlin Recital von Yuja Wang bei der Deutschen Grammophon / Von Dr. Eberhard Kneipel

Yuja Wang mag Russen. Die Weltklasse-Pianistin, die in Peking geboren wurde und im Alter von sieben Jahren ihren ersten Unterricht erhielt, die als Vierzehnjährige in das prestigeträchtige Curtis Institute of Music in Philadelphia aufgenommen wurde und der 2007, noch als Studentin, beim Boston Symphony Orchestra mit Tschaikowskis b-Moll-Konzert der internationale Durchbruch gelang, hatte Lehrer, die aus der legendären russischen Klaviertradition hervorgegangen sind und von Giganten des Klavierspiels wie Alfred Cortot und Vladimir Horowitz, Artur Schnabel und Isabelle Vengerova beeinflusst waren. Technische Bravour, emotionaler Tiefgang und reiche Fantasie sind das Erbe, das Yuja Wang von ihnen empfing und  das sie nun souverän verwaltet. Die russische Musik hat ihr eine innere Welt erschlossen, und die russische Musik – in China weit verbreitet und gut bekannt - war es auch , die ihr den Zugang zur westlichen Klassik öffnete. 

Russische Romantik und moderne Miniaturen aus dem späten 20. Jahrhundert füllen denn auch ihr Berlin Recital, das sie im noblen Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie live eingespielt und das die Deutsche Grammophon veröffentlicht hat. Live – das liebt sie besonders. Und die Werke – die liegen ihr am Herzen: „Die russischen Stücke bringen irgendwie alle Emotionen heraus, die Gefühle der Sehnsucht in uns. Wir fühlen uns durch und durch menschlich durch sie. Aber gleichzeitig erscheinen sie überlebensgroß. Sie handeln von etwas, das gewaltiger ist als wir, dabei bleiben sie zugleich unterhaltsam fürs Publikum. Die Komponisten sind sehr unterschiedlich, das wird deutlich, wenn man mein neues Album hört.“

Grandios der Beginn, überwältigend der Schluss! Sergej Rachmaninows berühmtes Prélude g-Moll – ein pianistisches Feuerwerk: kraftvoll, ungestüm, stolz. Eingebettet eine schöne, wunderbar aufblühende Melodie. Solche Kontraste zeigen auch die beiden Bilder-Etüden. Die eine unruhig wogend und turbulent; die andere verhalten und nachdenklich. Und das Prélude Opus 32/10 komplettiert den romantischen Stimmungszauber durch wehmutsvolle Töne. Gänzlich anders dann die Welt der 10. Sonate von Alexander Skrjabin. Mystisch. Rätselhaft. Dissonante Klangreize und chromatische Leuchtkraft. Virtuoses Glitzern und ein impressionistisch anmutendes Flirren, Ein Schwirren und Hüpfen der Töne, das den Beinamen „Insekten-Sonate“ einsichtig macht. Die Vielschichtigkeit und Vielfalt von Rhythmen, Klängen und unablässig fließenden Verläufen formen die drei ausgewählten Etüden des Ungarn György Ligeti – brillante Miniaturen, die für die Pianistin alles andere als spielerische „Kleinigkeiten“ sind. 

Und dann die 8. Klaviersonate B-Dur von Sergej Prokofjew, die letzte seiner „Kriegssonaten“, die Emil Gilels im Dezember 1944 uraufgeführt hat. Mit ihr reiht sich Yuja Wang in die Reihe ihrer Vorbilder Gilels und Swjatoslaw Richter ein. Und Richter hat diese großartige und erhabene Musik auch beschrieben: „Sie enthält ein ganzes Menschenleben mit all seinen Widersprüchlichkeiten … einen Reichtum wie ein Baum, dessen Zweige die Last der Früchte zu tragen haben.“ Lyrische Themen und philosophische Reflexionen, eine elegante Tanz-Episode, die in Franz Schuberts Ländler-Welt entführt, Sarkasmen und Ironie und ein kraftvoll zielstrebiges Voranschreiten, das am Schluss an den  nachdenklichen Beginn erinnert, umfassen einen Kosmos des Geistes und der Seele. Und Yuja Wang bringt das alles  in ihrem Berliner Album zum Klingen – hinreißend und authentisch. Sie kennt die russische Seele ... 

Abbildung: Yuja Wang, The Berlin Recital: Rachmaninow, Skrjabin, Ligeti, Prokofjew //Deutsche Grammophon, 1 CD 483 6280


Ein Kleid, ganz aus Schnee

Petra Elsner über: Märchenhafte Geschichten von Ingrid Annel
Ingrid Annel

Was für eine wundervolle Idee, alte Märchen einfach weiter zu erzählen. Da entdeckt ein Hase in einem alten Märchenbuch den peinlichen Wettkampf eines Artgenossen, der vor Zeiten von einem Igelpärchen gelinkt wurde. Was für ein Skandal! Deshalb fordert nun auch Hase Hubert das benachbarte Igelpaar zu einem ehrenrettenden Wettkampf hinaus und: scheitert. Gold- und Pechmarie verwandeln sich ins Gegenteil und die sieben Zwerge haben uns doch glatt den achten und neunten Zwerg verschwiegen.
Autorin Ingrid Annel schreibt ganz in der Tradition der großen Märchenerzähler und entstaubt dafür alte Legenden. Ihre Geschichten beginnen dort, wo die Hausmärchen der Gebrüder Grimm mit ungewissem Ausgang in „Der goldene Schlüssel“ enden. Sie macht daraus drei Schlüssel und schickt mit diesen drei Brüder auf den Weg, die passende Tür zum Glück zu finden. Dabei verrät sie ganz beiläufig, dass das Glück für jeden anders aussieht. Wie wahr und erzählt wird nicht nur in „Drei Schlüssel zum Glück“ vollkommen ohne erhobenen Zeigefinger.

Ingrid Annel pflegt einen klaren, ganz schnörkellosen Erzählstil, überrascht mit witzigen Pointen und unerwarteten Wendungen. Nicht immer führen ihre Geschichten in ein Happy End. Dort, wo es die Helden gierig umtreibt, landen sie im auch schon einmal in einem Desaster. So wie beispielsweise in „Das Gold vom Himmel herunter“, in dem ein TV-Bericht von einem Mädchen berichtet, dass wirklich alles verschenkte und dafür Taler von den Sternen bekam. Alle, die diese Sendung sahen, versuchten es dem Sterntalerkind gleich zu tun, sie verschenkten, was sie besaßen. Und die Sterne? Sie wunderten sich nur über die vielen Nackten dort unten auf der nächtlichen Waldlichtung.
Wunschträume enden nicht selten in Schall und Rauch. In der titelgebenden Geschichte wünscht sich eine afrikanische Prinzessin „Ein Kleid, ganz aus Schnee“. Niemand kann es ihr bringen, kein Prinz, kein Edelmann. Aber mit der Hilfe eines klugen Kochs findet sie zu ihm, für einen Lebensmoment. In „Irmelind und die sieben Zwerge“ schafft die Autorin aus einem Märchen-Cocktail einen ganz abenteuerlichen Plot, der Zwerge in sondersame Liebhaber verwandelt, nur damit die junge Frau ihren Prinzen bekommen kann. Insgesamt hat Ingrid Annel mit diesem zauberhaften Buch eine herzerfrischende Märchenlektüre geschaffen, die ich hier gerne weiterempfehle. (Petra Elsner)

„Ein Kleid, ganz aus Schnee“ von Ingrid Annel, erschienen 2019 im Verlag TASTEN & TYPEN, Bad Tabarz, Hardcover mit Umschlag, 240 Seiten. Preis: 19,80 Euro, ISBN 978-3-945605-39-4

Quelle: https://www.schorfheidewald.de/rezensionen/ein-kleid-ganz-aus-schnee/


Höllenlärm und Himmelsmusik

Die Staatskapelle Weimar unter Kirill Karabits feiert ihren Hausgott Franz Liszt
Staatskapelle Weimar

Franz Liszt: Dante-Sinfonie; Tasso, Lamento e Trionfo; Künstlerfestzug / Kirill Karabits, Staatskapelle Weimar // audite, 1 CD97.760; 79:02 Min.

Von Dr. Eberhard Kneipel   Das Paradies wollte er komponieren, und eineMulti-Media-Show sollte es werden: Ankühnen Plänenhat es Franz Liszt nie gemangelt. Bei der Dante-Sinfoniescheitertensie. Doch schon,als der berühmte und umschwärmte Klaviervirtuose1848 in Weimar Hofkapellmeister wurde, beflügelte er die Kunstwelt mit seinen zukunftweisenden Ideen und romantischen Visionen. Als Dirigent trat erfür die progressivenZeitgenossen ein, fürWagner, Berlioz,Schumann…Und als Komponist „erfand“ er die einsätzigesinfonische Dichtung und bedachte die neue Gattung mit 13Beiträgen. Poesie,Dramatik, Natur, Malerei und Philosophieboten die Stoffe für diese Orchesterstücke, denenoftnur ein einziges Themazugrunde liegt. Die meisten von ihnen entstanden in Weimar – hier lagen Vorlagen und Anlässe in der Luft. Und für die Aufführungen hatte Liszt seine Kapelle, deren Nachfahren ihn nun wieder mit einer schönen CD feiern: Siezeigtvieles von dem, was das kreativeWeimarer Jahrzehnt hervorgebracht hat,und wir treffendabei sogar auf die Ersteinspielungdes„Künstlerfestzuges“ von 1859.  Zum 100. Geburtstag von Friedrich Schillerkomponiert,klingt hier auchdas Hauptthema der Tondichtung „Die Ideale“ (nach Schiller) an.

Schwerpunkt der opulenten Aufnahmen st die Sinfonie zu Dantes „DivinaCommedia“ – nach dem „Faust“ von Goethe war „Die göttliche Komödie“ das andere große Weltgedicht, dem Liszt eine Programm-Sinfonie gewidmet hat; sie schildert  den Wegdes Dichters durch die drei Bezirke des Jenseits: Hölle, Fegefeuer, Paradies … Diese fünfzig Minuten Musik bietenKirill Karabits und der Weimarischen Staatskapelle die großartiggenutzte Gelegenheit, Hochspannung zu erzeugen und Ausdrucksvielfalt zu demonstrieren. Der Dirigent ein Musikdramatiker und Klangmagier par excellence; das Orchester ein brillanterund hingebungsvollmitspielender Partner, dem sich im Finale Frauenstimmen des Opernchores und der Knabenchor der Jenaer Philharmonie hinzugesellen.

Im 1 Satz „Inferno“ beschwören Posaunen und Trompeten Grauen und Hoffnungslosigkeit in der „Stadt der Schmerzen“ herauf und lösen das infernalische Tosen aus: Raserei und Dissonanzen, grelle Schreie und furchterregende Seufzer. Dann eine berückende Liebesszene: das unglückselige, zu ewiger Buße verdammte Paar Paolo und Francesca da Rimini, deren innige Zuneigung allen Qualen trotzen will. Diabolisches Gelächter ist die Antwort, und der Höllenlärm kehrt wieder…

Ätherisch zart, fließend und weihevollbeginnt der 2. Satz „Purgatorio“ - am Ort der Verklärung und Verinnerlichung folgt einer Lamento-Fuge die Läuterung der Seelen. Immer heller und lichter werden die Töne, ein ferner Chor stimmt das „Magnificat“ an: Lobpreisen des Herrn, Rettung der Sünder und ein strahlendes „Halleluja“.

Liszt hatte einen grandiosen Schluss gewollt – wie in Beethovens „Neunter“. Wagner riet ihm ab, das Paradies sei nicht in Töne zu fassen, die Dichtung sei zuschwach, und Liszt entschied sich für das schlichtere „Magnificat“. Bei der Uraufführung am 7. November 1857 im Königlichen Schauspielhaus Dresden wollte dann der dirigierende Komponist die Dichtung und die Töne mit Gemälden von Buonaventura Genelli bebildern. Auch das blieb nur ein kühne Idee - das Gesamtkunstwerk realisierte dann ein anderer: Richard Wagner mit seinen Musikdramen.

„Tasso“, die sinfonischeDichtung Nr. 2, entstand zum 100. Geburtstag von Johann Wolfgang Goethe und erklang erstmals bei der Festaufführung des Stückes am 28. August 1849. Liszt stand im Weimarer Theater am Pult – und seine Absicht, „in Tönen die große Antithese des im Leben verkannten, im Tode aber von strahlender Glorie umgebenen Genius zu schildern“, hatte er mit größter Konsequenz und Anschaulichkeit verwirklicht. Ein Thema - derTrauergesang eines venezianischen Gondolieres in der Bassklarinette - und dessen Verwandlungengestaltendas Werk: Es führt von Klage und Aufbegehren über Trauer, Siegesgewissheit und nochmaliges Lamento hin zu Menuett-Grazie und Triumph-Trompeten. Wirkung stellt sich da wie von selbst ein. Insgesamt freilich sind die Interpreten mit großer Leidenschaft und Sorgfalt am Werk,und das Label audite tut das Seine, um diese zweite Liszt-Einspielung der Weimarer als Hochglanz-Aufnahme zu präsentieren. Eine feine Symbiose...

 

 


Ein magischer Würfel

Hinreißende Klänge und hochkarätige Interpretationen / Dr. Eberhard Kneipel über die Claudio Abbado Edition bei EuroArts
Claudio Abbado EuroArts

Dieser wundervolle Würfel dient nicht magischen Tricks oder faulem Zauber – dieser wundervolle Würfel zieht magisch an und verzaubert ungemein: Mit seinen 25 DVDs präsentiert er die Kunst eines Dirigenten, der zu den größten seiner Zunft zählt: Claudio Abbado. Am 20. Januar 2014 ist der Maestro in Bologna gestorben, seine Ausstrahlung und seine Nachwirkung aber sind nicht verblichen. Anlässlich des 5.Todestages würdigt EuroArts Abbado nun mit diesem außergewöhnlichen Großprojekt, das die faszinierende Vielseitigkeit  des Künstlers noch einmal lebendig werden lässt. Sein Name steht für Gründergeist, Aufbruch und Innovation - das Festivalorchester Luzern, das Mozart-Orchester und das Gustav-Mahler- Jugendorchester sowie seine großartige Förderung junger Musiker und Musikerinnen künden davon. Und sein Name steht für hingebungsvolle und inspirierende Dirigate, für Charisma und Suggestionskraft - für Konzerte der Spitzenklasse, bei denen die Begeisterung beim Musizieren nicht nur zu hören ist, sondern sich auch in den Gesichtern widerspiegelt. Eine Freude für den Zuschauer ...

Die ersten fünf DVDs dokumentieren Abbados musikalisches Leben, seine Probenarbeit und seine künstlerischen Projekte, zu denen auch der 2011 gegründete Coro Papageno zählt: Inhaftierte singen miteinander, und das gemeinsame Singen soll gegenseitiges Zuhören und Respektieren befördern. Und auch die nächste DVD, der Auftakt zu einer Weltreise durch das Repertoire und in berühmte Konzertsäle, stellt mit dem programmatischen Titel „Prometheus“ und mit Werken von Beethoven, Liszt, Skrjabin und Nono Abbados humanistisches Engagement und seine künstlerische Progressivität unter Beweis...

Groß ist die Zahl berühmter Solisten, Chöre und Orchester, mit denen der Dirigent zu erleben ist. Und exklusiv sind die Orte, an denen musiziert wird: die Waldbühne und die Philharmonie in Berlin, der Salzburger Dom und der Wiener Musikverein, die Suntoory Hall in Tokio und  das Teatro Massimo in Palermo, das Vasa Museum Stockholm und die Accademia Nationale di Santa Cecilia in Rom. Und auch die Anlässe sind vielfältig: Europa-Konzerte und Gastspielreisen, Silvesterkonzerte und Waldbühnenauftritte und das Festival in Luzern ... 

Sucht man freilich in dieser Fülle hochkarätiger Aufführungen den ganz besonderen Höhepunkt, dann wird die Wahl zur Qual: Mozarts Requiem oder Mahlers „Auferstehungs-Sinfonie“, Bachs „Brandenburgische Konzerte“ oder Beethovens Sinfonien, die „Italienische Nacht“ in der Waldbühne oder die Verdi-Gala am Silvesterabend 2000 oder auch die beiden Aufführungen von Mahlers „Vierter“ aus dem Festspielhaus in Luzern ... 

Und dann finde ich mit der 24. Platte doch noch meine Favoriten: Sergej Prokofjews hinreißend-geniales 3. Klavierkonzert C-Dur mit der Weltklasse-Pianistin Yuja Wang und Gustav Mahlers jugendlich-triumphale „Erste“ mit Claudio Abbado und seinem Luzern Festival Orchester – ein Auftritt aus dem Jahr 2005, dessen Eindruck lange anhalten wird. Und das ist bei den Rückert-Liedern und der  „Vierten“ von Mahler mit ihrem Lobgesang auf die himmlischen Freuden der Musik nicht viel anders. Diese 25. DVD ist die letzte Aufnahme mit dem Maestro ... Berührend!

Und so wird jeder seine eigenen Erlebnisse finden und Eindrücke sammeln können – der magische Würfel hat eben viele Facetten und nicht nur sechs Seiten zu präsentieren ...

ABBADO – 25 DVDs, aufgenommen 1996-2014; Laufzeit 37 Stunden // EuroArts DVD - 880242574787


Aus der Geschichte des Thüringer Porzellans

"Kleines Thüringer Porzellanbuch" in der Reihe der "Kleinen Rhinos"
Kleines Thüringer Porzellanbuch

Kaolin, Feldspat und Quarz - drei Zutaten, die ein ganz besonderes Material entstehen lassen: das Porzellan. Weiß und strahlend kann es sein, ganz zart und filigran, besonders groß und robust, unglaublich hart und zickig. Porzellan prägte wie kein anderer Industriezweig das Land Thüringen. Feine Porzellanspitze trifft auf Unverwüstliches,  echte Handarbeit auf hochmoderne Fertigung, Strohblumendekor auf getauchtes Silber. In Thüringen lebt eine über 260-jährige Tradition fort. Im "Kleinen Thüringer Porzellanbuch" stellen die Autorinnen Dr. Ulrike Kaiser und Ilka Kunze anschaulich die heute existierenden Betriebe, Künstler und erlebbaren historischen Stätten vor. Einblicke in alte Porzellanmarken werden ebenso geboten wie Ausblicke auf überraschend Modernes: Hätten Sie gewusst, dass am Steg der Wünsche Scherben Glück bringen, dass man in Thüringen sogar mit Porzellankochtöpfen kocht oder wie gut eine Bratwurst vom Porzellangrill schmeckt?

Das Buch ist der Band 83 aus der inzwischen fast 85-bändigen Rhino Westentaschen-Bibliothek. Die "Kleinen Rhinos" sind kleine, feine Geschenkbücher mit einem breiten Themenspektrum und vermitteln prägnante, kurzweilige und anschaulich bebilderte Informationen.

Das Büchlein ist im Onlineshop der Leuchtenburg und des Rhino-Verlages erhältlich: https://leuchtenburg.ticketfritz.de/ | https://shop.vggh.de/RhinoVerlag/


Thüringens finstere Geheimnisse

»Jägerstein«: Kriminalroman des Thüringer Filmregisseurs Rolf Sakulowski
Jägerstein Buch Rolf Sakulowski

Rolf Sakulowski: Jägerstein, Thüringen Krimi, Broschur, Köln: Emons Verlag 2020, Originalausgabe, ISBN 978-3-7408-0817-4, 448 Seiten, € [D] 14,00 € [A] 14,40. Auch als E-Book erhältlich

Im Thüringer Wald wird ein Erfurter Investor Opfer eines Heckenschützen. Als sich herausstellt, dass die tödliche Kugel aus dem Blei eines gestohlenen Kirchenkreuzes gegossen wurde, ist der junge Historiker Jonas Wiesenburg gefragt. Denn die Indizien erinnern an die jahrhundertealte Legende von den sogenannten Freikugeln, die um Mitternacht im Pakt mit dem Teufel gegossen werden und die ihr Ziel niemals verfehlen. Doch die Zeit drängt: Der Täter schlägt erneut zu, und schnell wird klar, dass niemand
vor ihm sicher ist …

Ein alter Aberglaube, ein junger Historiker und ein geheimnisvoller Schütze, der immer sein Ziel trifft
Mit »Das Feengrottengeheimnis« und »Die Gloriosa-Verschwörung« hat der gebürtige Thüringer Filmregisseur Rolf Sakulwoski bereits zwei beeindruckende Kriminalromane veröffentlicht, in denen er gezeigt hat, wie spannend die Kombination von regionaler Historie, lokalen Legenden und Fiktion sein kann. In »Jägerstein« bekommt es sein Protagonist Jonas Wiesenburg, nun mit einem besonders kniffeligen Fall zu tun. Weil das Rätsel um die grausamen Taten in der Gegenwart alleine nicht gelöst werden kann, führen ihn die Ermittlungen erneut tief in die Vergangenheit des Landes. Dabei spielt der Glaube an die sagenumwobenen Freikugeln aus dem 17. Jahrhundert eine zentrale Rolle, die niemals ihr Ziel verfehlen. Sakulowski gelingt es eindrucksvoll die historischen Motive und Versatzstücke in die Jetztzeit zu transponieren und mit einem packenden Krimiplot zu verweben. Auf 448 Seiten entfaltet sein Roman eine faszinierend vielschichtige und mitreißende Handlung, die tief in die Region eingebunden ist. Unterhaltsam und bildgewaltig gibt das Buch der alten Legende einen neuen literarischen Rahmen und erzählt gleichzeitig einen packenden Krimi mit Tiefgang.

Nach einer Assistenzzeit im ehemaligen DEFA-Studio für Dokumentarfilme studierte Rolf Sakulowski an der Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« in Potsdam-Babelsberg. Seit mehr als 20 Jahren dreht der erfahrene Regisseur und Autor Filme im In- und Ausland. Daneben gibt er Filmseminare und arbeitet zu Themen polizeilicher Krisenintervention.



Beherzte Bekenntnisse – fesselnde Eindrücke

Patricia Kopatchinskajas neues Album „Time & Eternity“ bei Alpha Classics / Von Dr. Eberhard Kneipel
Patricia Kopatchinskaja Time & Eternity

„Time & Eternity“ – der Titel ist Programm! Nicht, dass die Aufführung eine Ewigkeit währte und die Zeit stehen bliebe. Das auch. Und ist gewollt! Denn „diese Musik ist aus dem Blut und den Tränen gequälter Seelen entstanden; einem unterdrückten Schrei, murmelnden Stimmen in der Stille größter Angst, Kriegslärm in einer improvisierten Kadenz ... Sie handelt von unserer Vergangenheit und unserer Zukunft.“ 

Die Worte mögen pathetisch klingen, das Thema Ewigkeit und Endlichkeit aber verlangt Haltung, fordert Innehalten, Nachenken, Einsicht, Engagement. Und da erweist sich die phänomenale Patricia Kopatchinskaja mit bravouröser Technik, sensibler Ausdruckskunst und ungewöhnlichen Programmideen wieder einmal als Ausnahme-Künstlerin: Für ihr neues Konzept-Album setzt sie auf die vorzügliche Camerata Bern als Partner, und ihre  Werkauswahl spannt einen weiten Bogen über 600 Jahre Musikgeschichte: Zeit und Ewigkeit aus immer anderen Perspektiven. 

Ein jüdischer Kantor, ein polnischer Prediger und ein russisch-orthodoxer Priester tragen Gebete vor – Worte der Versöhnung, der Vergebung, der Hoffnung. Ein  Chor singt das Revolutionslied „Unsterbliche Opfer“, das der Toten des Petersburger Blutsonntags von 1905 gedenkt, und danach die anrührende Weise „Zwei Herzen“. Streichorchesterfassungen des Kyrie aus der Messe de Nostre Dame des Mittelalter-Komponisten Guillaume de Machaut und von Chorälen aus Kantaten und Passionen von Johann Sebastian Bach werden beziehungsvoll in die Musikfolge eingefügt, deren moderne Endpunkt sind die Stücke „Kol Nidre“ von John Zorn und „Crux“ von Lubos Fiser.        

Im Zentrum aber stehen zwei große Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts. Der Münchener Komponist Karl Amadeus Hartmann (1905-1963), der sich in den Jahren des Hitler-Faschismus „der inneren Emigration in Deutschland zugehörig“ fühlte, schrieb sein Konzert für Solo-Violine und Streichorchester „Musik der Trauer“ in den ersten Kriegsmonaten 1939 und legte 1959 eine revidierte Fassung als Concerto funèbre vor. Die Entstehungszeit und die  Haltung der Musik machen die Distanz ihres Schöpfers zum allgemeinen Kriegsrummel offensichtlich: Aufgewühlte und aufbegehrende schnelle Mittelsätze mit Trauermarsch-Intonationen und einem jüdischen Lied-Zitat werden von zwei Chorälen umrahmt: Zu Beginn die trotzige Hussiten-Melodie „Die ihr die Streiter Gottes seid“. am Ende das Lied „Unsterbliche Opfer“ als langsamer Marsch … Deutlicher konnte sich Hartmann wohl kaum zu den Kämpfern gegen die Gewaltherrschaft und „für kommendes Recht“ bekennen. Das hat er auch mit anderen Stücken bewiesen, und so war er auch folgerichtig 1961 am Gemeinschaftswerk „Jüdische Chronik“ von Boris Blacher und Hans Werner Henze und den DDR-Komponisten Paul Dessau und Rudolf Wagner Régeny beteiligt. 

Der Schweizer Frank Martin (1890-1974) schrieb das Konzert „Polyptyque“ kurz vor seinem Tod für den weltberühmten jüdischen Geiger Yehudin Menuhin. Inspiriert wurde die Musik durch sechs Bilder aus der Passionsgeschichte, die Duccio di Buonisegna 1308 - 1311 im byzantinischen Stil für den berühmten Altar „Maestà“ in Siena gemalt hat und die auch im attraktiven CD-Booklet zu sehen sind. Das Geschehen zwischen Palmsonntag und Auferstehung klingt in vielfarbigen und eindringliche Tongemälde wieder: prächtig und jubelnd, tobend und grausam, kontemplativ und verzweifelt, am Ende glorios. 

Dem Hörer macht es die Fülle des Programms nicht ganz leicht, doch er wird erlebnisreich belohnt: Ausdrucksstarke, bildhafte Musik. Eine bewundernswerte engagierte Geigerin. Ein Auftritt, der sich von der Routine und dem Blendwerk des Kulturbetriebes wohltuend unterscheidet. Am besten man zündet eine Kerze an, schiebt die Platte in den Player und verinnerlicht eine zeitlang die Ewigkeit ...Das erhellt nicht nur trübe November-Tage!

Time & Eternity / Patricia Kopatchinskaja, Camerata Bern // Alpha Classics / Outhere Music, 1 CD Alpha 545, Laufzeit 77 Min.


Liebeslust und Liebesfrust – alles nur ein Spiel?

Diana Damrau und Jonas Kaufmann singen Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ / Von Dr. Eberhard Kneipel
Diana Damrau Jonas Kaufmann Italienisches Liederbuch

Ein Operngenie wäre er gern gewesen; der letzte große Liederkomponist des 19. Jahrhunderts ist er geworden – ein Großmeister der kleinen Form. Und wenn er die schönen Verse „Auch kleine Dinge können uns entzücken,/ auch kleine Dinge können teuer sein./ Bedenkt, wie gern wir uns mit Perlen schmücken;/ sie werden schwer bezahlt und sind nur klein.“  an den Anfang seines „Italienischen Liederbuches“ stellt, so können sie sowohl als Motto dieser wunderbaren Miniaturensammlung als auch als Essenz eines ganzen Künstlerlebens gelten. Doch Hugo Wolf, 1860 in Windischgrätz geboren und 1903 bei Wien in geistiger Umnachtung gestorben, war so glücklich nicht, wie manche seiner Melodien klingen - sein Schaffen fand bei den Zeitgenossen selten jene Resonanz, die es verdient hätte. Das ist auch bei seinem letzten großen Meisterwerk nicht anders, dem „Italienischen Liderbuch“ (1891/92). Diese 46 Gesänge - Florentiner Volksdichtung von Paul Heyse poesievoll in deutsche Verse übertragen - sind jene kleinen Kostbarkeiten, die immer neu „entzücken“ – vor allem mit solchen Interpreten, wie sie das Label Erato im Live-Mitschnitt aus dem Alfred-Krupp-Saal der Philharmonie Essen präsentiert. Sie sorgen für schönsten Perlenglanz ...

Diana Damrau und Jonas Kaufmann sind die deutschen Superstars der internationalen Opernszene, und ihre Auftritte auf den großen Bühnen der Welt begeistern Millionen - ihre Kunst umfasst aber auch die intimen Momente des Liedes, Beide singen nun gemeinsam Hugo Wolfs romantischen Liderzyklus und finden an der Seite ihres großen Klavierpartners Helmut Deutsch ihre ganz individuelle Interpretation: Die fast vier Dutzend Momentaufnahmen von vielen Facetten der Liebe werden zum Zwei-Personen-Drama. Schwärmerei, zärtliche Annäherung, Verführung, Misstrauen, Eifersucht, Streit, Verzeihung, Beschimpfung, Kränkung und erneute Versöhnung: Schier unendlich sind die Spielarten der Liebe. Hinreißend ist es, wie der poetische Reichtum in den beiden Stimmen widerklingt. Ein klarer, anmutiger und inniger Sopran, dem Koketterie und Übermut, Zorn und Spott nicht fremd sind. Ein schwärmerischer Tenor, dessen wunderbar beseeltes Timbre eine ganze Welt an Gefühlen einfängt und in sich trägt. Und am amüsierten Gemurmel und Lachen des Publikums merkt man, dass der Pianist nicht nur perfekt bei seiner Sache ist, sondern auf eigene Weise auch zur Szenerie auf der Liederbühne beiträgt. Die Liebes-, Spott- und Streit-Dialoge gestalten Damrau und Kaufmann ideenreich als wirkungsvollen Handlungsablauf: Ihre Neugruppierung der Lieder schafft größere Bögen, macht einzelne, höchst intensive Momente zu ganzen Szenen und legt eine nie dagewesene Dramatik frei. Elegant und  voller Vitalität! Die drei Künstler machen den Witz, den Pointenreichtum, die Ironie und den expressiven Gehalt dieser Lieder von Hugo Wolf zu einem beglückenden Erlebnis: Die kleinen Dinge entzücken über alle Maßen! Und Hugo Wolf hat dann doch noch eine große Oper komponiert: „Der Corregidor“. Sie wurde 1896 erfolgreich in Mannheim uraufgeführt; die Wiener Hofoper hatte kein Interesse gezeigt ...

Hugo Wolf, Italienisches Liederbuch / Diana Damrau, Sopran; Jonas Kaufmann, Tenor; Helmut Deutsch, Klavier // Warner Classics/ Erato, CD 0190295658683; TT 76:34


Wie wir Arbeit, Familie und Gesellschaft neu denken müssen

The Road to Somewhere – der Bestseller erstmals in aktualisierter deutscher Ausgabe
David Goodhart

The Road to Somewhere. Wie wir Arbeit, Familie und Gesellschaft neu denken müssen. Paperback: ISBN: 978-3-96706-018-8, ca. 340 S., 24,95 €,  Lieferbar auch:
Gebunden m. Schutzumschl.: ISBN 978-3-946014-80-5, 39,95 €, eBook: ISBN 978-3-96706-020-1, 19,99 €

Dieses Buch ist notwendiger denn je, wenn wir nach dem Covid-19-Schock umdenken und eine neue, bessere Gesellschaft schaffen wollen. Nicht nur als Deutsche, sondern als Europäer. - In ihm entführt uns David Goodhart in die Welt, die wir vor der Corona-Krise kannten. In die Welt, von der wir glaubten, dass Globalisierung und Wirtschaftsliberalismus weiter fröhlich nebeneinander existieren könnten bis ans Ende aller Tage. Doch der Schein trog. Längst hatten sich die westlichen Gesellschaften in zwei politische Lager geteilt, deren verbissenes Ringen weltweit zu populistischen Gegenschlägen führte, von denen Trump, der Brexit oder die AFD die sichtbarsten sind. David Goodhart führt uns in zwei Lager: Das der global und mobil denkenden Anywheres, die zwei Jahrzehnte die politische Agenda bestimmten. Und das der verwurzelt in Begriffen wie Familie, Heimat und Nation denkenden Somewheres. Während die Krise schonungslos den Kritikern von Hyper Mobilität und Just-in-time recht zu geben scheint, plädiert Goodhart dafür, dass es nur einen Weg gibt, um umzudenken: Indem wir endlich die Kluft zwischen Somewheres und Anywheres schließen. Der Populismus, so schreibt David Goodhart, „ist auch sehr modern: Seit dem Ende des real existierenden Sozialismus ist er das politische Instrument der weniger Erfolgreichen in den im historischen Vergleich immer noch extrem reichen und blühenden Gesellschaften, um die Erfolgreichen, die Bildungseliten, zu bändigen und auf den Boden zurückzubringen.“
Goodharts Thesen sind so schlüssig wie unbequem: Es muss Schluss sein mit der Dominanz der Anywheres. Wir müssen auch auf die vernünftigen Somewheres achten. Wir müssen die betriebliche Ausbildung im Ansehen der universitären gleichstellen. Frauenquote in Führungspositionen als politisches Programm ist Unsinn. Wir müssen den
Frauen, die sich für die Familie entscheiden, ebenso viel Achtung entgegenbringen wie den Frauen, die sich für die Karriere entscheiden. Wir müssen die Unternehmen zwingen, zunächst die eigenen Leute wieder anzustellen (vor allem die Jugendlichen) statt auf ein Heer von Osteuropäern zurückzugreifen. Migration muss auf ein vernünftiges Maß begrenzt werden. Denn Firmen haben zuviel Hunger nach kompetenten Arbeitskräften mit niedriger Lohnerwartung – das hat die Schieflage erst verursacht.
„Letztlich inspiriert nichts die Intoleranten zu mehr Toleranz als ein Überfluss an gemeinsamen und einigenden Überzeugungen, Ritualen, Institutionen und Vorgehensweisen“, so David Goodhart.

Der Autor: David Goodhart: Nach dem Eton-College studierte David Goodhart Politik an der York University. Er begann seine journalistische Karriere bei der Yorkshire Evening Post und wechselte im Anschluss zur Financial Times, für die er zwölf Jahre lang in den Ressorts Wirtschaft und Politik arbeitete. Von 1988 bis 1991 war er Deutschland-Korrespondent und gründete 1995 das politische Magazin Prospect. Er arbeitet für BBC Radio, The Guardian, The Indipendent, Times und Financial Times. Seine Werke The British Dream und The Road to Somewhere wurden internationale Bestseller.



Wir hoffen doch immer, dass Liebe gelingen kann.

Das Buch von Dr. Barbara von Bechtolsheim „Beziehungskünstler“ betrachtet auf unterhaltsame Weise 16 berühmte Künstlerpaare und zeigt, wie deren Beziehung Kunst hervorgebracht hat.
Beziehungskünstler Buch

Beziehungskünstler. Wie kreative Paare die Liebe meistern Dr. Barbara von Bechtolsheim Hardcover, 224 Seiten, 24,00 € (D) Zahlreiche s/w und Farbfotos, ISBN 978-3-86497-533-2 

Was war besonders beglückend und bereichernd in der Beziehung, etwa bei Rosa Lay und Neo Rauch, Joan Baez und Bob Dylan, Marilyn Monroe und Arthur Miller? Wie haben Ingeborg Bachmann und Paul Celan Rivalität und Berühmtheit, Alltag und Verlust in künstlerische Arbeit übersetzt? „Beziehungkünstler“ erzählt vom Mut zur Liebe und geht der Frage nach, wie uns diese Geschichten inspirieren können...

Die romantische Liebe, so wie sie uns in der Werbung präsentiert wird, entspricht kaum der Realität. Liebe, so Barbara von Bechtolsheim in ihrem neuen Buch „Beziehungskünstler“, liegt darin, „die Schönheit im Wesen des Anderen zu sehen und zu erspüren. Das bedeutet auch, keine Perfektion zu erwarten, sondern eine lebendige Beziehung“. Um sich dem vielschichtigen und teils flüchtigen, teils lebenslangen Weg der Liebe anzunähern, hat sie Künstlerpaare und -Beziehungen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart untersucht. Herausgekommen ist ein weises Buch voller Inspirationen und Überraschungen zum ältesten Gefühl der Welt.

16 Künstlerpaare aus den Bereichen Musik, Kunst und Literatur stellt die Autorin vor, darunter Ingeborg Bachmann und Paul Celan, Zelda und Scott Fitzgerald sowie Rosa Loy und Neo Rauch. Was kann man also von Künstlerpaaren wie Marilyn Monroe und Arthur Miller oder Joan Baez und Bob Dylan lernen? Dass Kreativität auch die Liebe beflügelt! Es ist ihr untrennbar miteinander verwobener Lebensweg, der neugierig macht auf ihre Beziehung, auf die Leidenschaften und Irrwege dieser Künstlerpaare. In ihren Beziehungen werden sie daher für Leser menschlich und man erhält einen Eindruck von Leben und Schaffen, aber auch Lieben und Leiden außerordentlicher Menschen.

Die Literaturwissenschaftlerin Barbara von Bechtolsheim zeigt die Künstler in all ihrer Verletzlichkeit. „Unter diesem Eindruck habe ich auch gespürt, wie enorm viel Kraft und Inspiration von jedem Paar ausgeht, wenn man sich wirklich darauf einlässt“, so die Autorin. Paare, die gemeinsam in eine Richtung schauen, statt sich selbst permanent zu reflektieren, haben in der Liebe mehr Chancen, gehen kreativer mit der eigenen Beziehung um und finden Gemeinsamkeiten und Eingebung im Tun des anderen, sie wachsen miteinander und aneinander, so das Fazit der Autorin. Und so bietet „Beziehungskünstler“ nicht nur einen Einblick in menschliches und künstlerisches Miteinander, sondern regt dazu an, kreativ mit der eigenen Beziehung umzugehen und nicht zuletzt, Musik, Kunst und Literatur als verbindend in die Gemeinsamkeit hineinzuholen.

„… Anregungen für unsere eigene Liebesbeziehung“, so beschreibt Alain de Botton (The School of Life) dieses Buch in seinem Vorwort.