Ausstellungen

Gera: 40 Jahre Museum für Angewandte Kunst

Große Sonderausstellung "Von Art Déco bis DDR Design" bis 8. Oktober zu sehen
Gera Museum für Angewandte Kunst

Am 6. Oktober 1984 wurde in der Greizer Straße 37-39 das Museum für Kunsthandwerk, heute Museum für Angewandte Kunst eröffnet. Das 40-jährige Jubiläum ist Anlass für eine große Sonderausstellung, in der Mode, Möbel, Alltagsgegenstände und Fotografien bis hin zu Gebrauchsgrafik und Keramik aus dem eigenen Bestand die Strömungen des Zeitgeistes im 20. Jahrhunderts aufleben lassen.

Die Spanne reicht vom dekorativen, glamourösen Stil des Art déco bis zum modernen Design des Bauhauses und der funktionalen Formgestaltung von DDR-Produkten. Mit der Museumsneugründung sollte 1984 das neu errichtete Wohnquartier in der Geraer Innenstadt kulturell aufgewertet werden. Zudem wollte man das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, benannt nach einem seiner Vorbesitzer, dem Mäzen Dr. Moritz Rudolph Ferber öffentlich zugänglich machen. Mit der zweiten Sonderausstellung Kunst um 1900 wurden rückblickend die Weichen für die Entwicklung eines richtungsweisenden Sammlungsprofils gestellt. Das 20. Jahrhundert rückte in den Fokus. Schon in den 1980er-Jahren zählte zudem die DDR-Gebrauchsgrafik zu einem Schwerpunkt.

Im 20. Jahrhundert wird mit der massenhaften Verbreitung von Maschinenprodukten im Zuge der industriellen Revolution die Frage nach einer zeitgemäßen Formensprache diskutiert. Einerseits wurden standardisierte schlichte Formen als Vorlagen für die serielle Industrieproduktion gefordert. Andererseits gab es Stimmen, die sich weiterhin für die Position eines individuellen künstlerischen Stils einsetzten. Handwerker selbst sahen sich verstärkt in Richtung der Produktion repräsentativer Luxusgüter gedrängt.

Die Grenze zwischen Kunst und Design ist oft fließend, industriell hergestellte Serienprodukte und handwerkliche Unikate stehen sich gleichberechtigt gegenüber. Sie alle erzählen Geschichten – von repräsentativer Tischkultur, künstlerischen und technischen Formen, dem Beginn des Corporate und Kommunikations-Designs sowie der Massenproduktion, die gestützt wurde durch die Erfindung neuer Werkstoffe wie Bakelit oder Polystyrol. Über allem stehen in der Ausstellung dabei die Fragen: Was wollen wir kollektiv erinnern? Was sammeln und bewahren? Welche Bedeutung haben die Objekte für den Einzelnen und für die Gemeinschaft?

Katalog zur Ausstellung im Hirmer Verlag, München. Autorinnen und Autoren: Christina Bitzke, Felix Eckerle, Dirk Hoffmann, Konrad Kessler, Astrid Lindinger, Julia Ortmeyer, Miriam Poitz, Frank Rüdiger, Claudia Schönjahn, Anne-Kathrin Segler // ISBN: 978-3-7774-4334-8 Museumspreis: 24,90 € / Buchhandelspreis: 34,90 €

Mittags im Museum – Kurzführung durch die Ausstellung jeden Mittwoch, 12:30 Uhr

Öffentliche Führungen Sa 1. & 15. Juni, 14:00 Uhr / Sa 20. Juli, 14:00 Uhr / Sa 31. August, 14:00 Uhr / Sa 14. & 28. September, 14:00 Uhr

25. Museumsnacht Samstag, 10. August, ab 15:00 Uhr mit Programm für Kinder und Erwachsene

Finissage und Feier zum 40. Jahrestag der Eröffnung Sonntag, 6. Oktober

Foto: Kuratorin Anne-Kathrin Segler in der Sonderschau (Foto: Dagmar Paczulla)


Weimar: Auseinandersetzung mit Ästhetik und Strategien totalitärer Systeme

Sonderausstellung „Bauhaus und Nationalsozialismus“ und „Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ im Weimarer Quartier der Moderne
Bauhaus und Nationalsozialismus Weimar Ausstellung

79 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges markieren die Klassik Stiftung Weimar und die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora mit einer gemeinsamen Eröffnung im Weimarer Quartier der Moderne ihre Haltung im gesellschaftspolitischen Diskurs der Gegenwart. Die Ausstellung Bauhaus und Nationalsozialismus in drei Museen der Klassik Stiftung Weimar und die Eröffnung des Museums Zwangsarbeit im Nationalsozialismus laden im Wahljahr 2024 (26. Mai Kommunalwahlen, 9. Juni Europawahl sowie 1. September Landtagswahl) dazu ein, sich mit der Ästhetik und den Strategien totalitärer Systeme auseinanderzusetzen. Beide Stiftungen verstehen die gemeinsame Eröffnung auch als ihren Beitrag zu einem differenzierenden Geschichtsbewusstsein und als Botschaft der Weltoffenheit.

„Die Ausstellung Bauhaus und Nationalsozialismus ist das zentrale Ereignis im Themenjahr Auf/Bruch der Klassik Stiftung Weimar. Im Superwahljahr 2024 – 100 Jahre nach dem Rechtsruck in der Thüringer Landesregierung 1924, der zur Vertreibung des Staatlichen Bauhauses führte – widmet sich die Stiftung bewusst den existentiellen Widersprüchen des 20. Jahrhunderts und dem Kampf um Demokratie, die unsere Gegenwart zutiefst prägen. Damit zeigen wir als bedeutende Kultur- und Forschungsinstitution auch politisch Haltung“, bekräftigte Präsidentin Ulrike Lorenz anlässlich der Pressekonferenz zu Eröffnung.

An drei Orten in Weimar zeigt die Sonderausstellung Bauhaus und Nationalsozialismus auf 1.000 Quadratmetern rund 450 Kunst- und Designobjekte aus Privatsammlungen und renommierten Museen in Europa und den USA wie dem Whitney Museum oder dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Die Lebenswege der Bauhäusler*innen zeichnen ein multiperspektivisches Bild der Politik- und Gesellschaftsgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Das Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus zeigt die gesamteuropäische Dimension der NS-Zwangsarbeit in über 60 dokumentarisch und fotografisch aufbereiteten Fallgeschichten. Zwangsarbeit war das öffentlichste Massenverbrechen im Nationalsozialismus. Gezielt analysiert das Museum die problematische Beziehungsgeschichte von Deutschen und Zwangsarbeiter*innen und stellt die Frage nach den Handlungsspielräumen von Beteiligten. „Die Ausstellung greift damit über das eigentliche Thema Zwangsarbeit hinaus“, sagte Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner: „Sie zeigt die Funktionsweise einer radikal rassistisch strukturierten Gesellschaft, deren Bindekräfte Ideologien der Ungleichwertigkeit, Kriminalisierungsdiskurse gegenüber Ausgegrenzten und Verheißungen der Ungleichheit waren.“

Bauhaus und Nationalsozialismus - Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar (klassik-stiftung.de)

 


Matthijs Röling - Mythos und Natur in Bad Frankenhausen

Im Panorama Museum sind Werke des Niederländers bis 16. Juni zu betrachten
Matthijs Röling - Mythos und Natur

Die Exposition, die ca. 80 Gemälde, Zeichnungen und Skizzenbücher des niederländischen Künstlers Matthijs Röling zeigt, ist ein Kooperationsprojekt des Panorama  Museums mit dem Drents Museum in Assen (Niederlande)

Matthijs Röling (Oostkapelle, 1943) war einer der ersten Künstler in den Niederlanden, der sich für eine Rückkehr zur figurativen Kunst entschied und sich nicht der abstrakten und konzeptuellen Kunst seiner Zeit anschloss. Stattdessen sind es die klassischen Themen und Techniken, die ihn fesseln. Röling wurde auch als "jüngster der alten Meister" bezeichnet. Seine Stillleben, Porträts und mythischen Darstellungen sind von Harmonie geprägt. Über allem schwebt ein Hauch von Poesie und Intimität.

Röling ist mit der Kunst aufgewachsen. Durch Bücher, Museumsbesuche und Reisen vertieft er sich in die Kunstgeschichte. Röling lässt sich von so ziemlich jeder Kunst der Jahrhunderte inspirieren: von Renaissancemeistern wie Tizian über den französischen (Neo-)Impressionismus von Bonnard und Vuillard bis hin zu japanischer Kunst, Vermeer und Escher. Er beginnt ein Studium an den Kunstakademien in Den Haag und Amsterdam, das er aber nicht beendet, weil er mit der vorherrschenden abstrakten Kunst nicht einverstanden ist.

Matthijs Röling entwickelt sich in den ersten Jahren seiner künstlerischen Laufbahn zu einem echten Feinmaler. Er hat sich die technische Finesse angeeignet, um "alles malen zu können, was er will". Seine Selbstporträts zeigen einen selbstbewussten, aber auch neugierigen Blick. Die Gesichtszüge sind sehr präzise ausgearbeitet. Diese Technik kommt ihm auch bei seinen berühmten Kabinettbildern zugute: Stillleben in einem Holzschrank mit allerlei kuriosen Gegenständen, Textfragmenten und Trompe-l'oeil, die zusammen eine Geschichte erzählen. Auch seine anderen Stillleben sind voller Symbolik und Verweise auf eine ferne Vergangenheit oder eine Fantasiewelt. Sie bieten ein Fenster in eine andere Realität. Manchmal geht der Künstler noch einen Schritt weiter und entflieht der Realität, indem er buchstäblich in diese andere Welt eintritt. Diese Gemälde zeigen mythologische Figuren wie Faune und exotische Tiere.

Seit den 1980er Jahren malt Röling lockerer, impressionistischer, mit einer Beiläufigkeit, die mit seiner malerischen Entwicklung zu tun hat. Aber auch mit körperlichen Problemen an einer seiner Hände und einer notwendigen Operation, die feines Malen unmöglich machte. Der Pinselstrich wird wieder sichtbar. Das zeigt sich zum Beispiel in der Bilderserie des Künstlers von seinem Garten in Ezinge. Dabei lässt er sich von den Gartenbildern Gustav Klimts inspirieren. In allen Grün-, Gelb- und Blautönen malt Röling die wellenförmigen Linien der Buchsbaumhecken im Kontrast zu den wild blühenden Blumen. (Text: Annemiek Rens, Chefkuratorin des Drents Museum)

Abbildung: Matthijs Röling, Die letzten Besucher von Tivoli, 1997, Öl auf Holz, 183 x 340 cm, Drents Museum, Assen

Matthijs Röling - Mythos und Natur - www.panorama-museum.de

 


Das Ohr von Giacometti

Im Kunsthaus Apolda: „Meret Oppenheim & Friends“ / Von Wolfgang Leißling
Kunsthaus Apolda

Als „wunderschöne Garconne mischte sie schon 19jährig die Pariser Kunstwelt auf: Meret Oppenheim (1913-1985).  Nicht weinen, arbeiten!“ – so lautet das Credo für diese ungewöhnliche Frau und Muse, die als deutsch-schweizerische Malerin, Bildhauerin, Schmuck- und Kostümgestalterin international zu beeindrucken wusste. Nun kann man ihrem Werk in Apoldas Kunsthaus zusammen mit Arbeiten von Andre Breton, Jürgen Brodwolf, Marcel Duchamp, Max Ernst, Dora Maar, Rene Magritte, Man Ray und anderen ihrer Freunde begegnen.

Nachdem die schreibende und fotografieren Oppenheim das Atelier des Bildhauers Alberto Giacometti besucht hatte, schloss sie sich den Surrealisten um André Breton an und beteiligte sich an deren Ausstellungen. Dabei entstand 1933 jene berühmte Akt-Foto-Serie von Man Ray „Erotique-voile´, an die auch in der Apoldaer Schau erinnert wird.  Dies neben der von Oppenheim geschaffenen Objekten „Urzeitvenus“, dem „Ohr von Giacometti“ oder dem „Ring mit dem Zuckerwürfel“.

In jenen Jahren verband die Künstlerin mit dem Maler, Grafiker und Bildhauer Max Ernst eine Liebesbeziehung und fand sie in der italienischen Malerin Leonor Fini eine enge Freundin. Mit ihr nahm sie an den wilden Kostümfesten der Pariser Freunde teil. Fragt man heute nach einem Werk der Oppenheim, das einem spontan in den Sinn kommen könnte, dann dürfte es ihre „Pelztasse“ (1936) sein. Jene wurde „zur Inkunabel surrealistischer Objektkunst und zugleich zum erdrückenden Ruhmesobjekt der Künstlerin“.

Gern erzählt wird nämlich, dass sie mit Pablo Picasso und dessen berühmter Geliebten Dora Maar im „Cafe´ de Flore“ in Paris saß und einen Messingarmreif mit Pelzbesatz trug. Jener ließ Picasso wohl scherzen, man könne ja alles mit Pelz beziehen, woraufhin sie erwidert haben soll: „Sogar diese Tasse und Untertasse.“ Gesagt getan, eine Ikone der Moderne war geboren und damit das erste Werk einer Künstlerin, das wiederum für 200 Franken vom New Yorker Museum of Modern Art erworben wurde. Jene Tasse samt Untertasse ist zwar nicht Apolda vertreten, dafür aber die legendären „Traumzeichnungen“ dieser bekennenden Feministin.  Im Übrigen lässt sich die Oppenheim stilistisch nicht eindeutig einordnen. Was auch immer ihr Atelier verließ, erregte Aufmerksamkeit, war sie doch eine attraktive Exzentrikerin, die – wenn man so will - sogar den aktuellen Unisex-Look in ihrer Zeit vorwegnahm.

Zum Kreis der Pariser Surrealisten gehörte Dora Maar. Von ihr stammen Aufnahmen von Meret für Modemagazine. So zeigt die Ausstellung eine entspannt verführerisch im Bett posierende Oppenheim (1936). Anderweitig ins Auge fallend sind in den Etagen des Kunsthauses u.a.  Max Ernsts „Photogramm“ in Durchreibetechnik (1921) oder Marcel Duchamps Multiple-Buch zum Surrealismus (1947).

Die Apoldaer Schau erinnert zudem an die Zusammenarbeit der documenta 7-Teilnehmerin mit dem schweizer Regisseur, Bildhauer und Erfinder der Eat-Art Daniel Spoerri. So wirkte sie 1956 an dessen Inszenierung von Picassos absurdem Theaterstück „Wie man die Wünsche beim Schwanz packt“ mit, in dem sie Texte übersetzte, Kostüme entwarf und als Schauspielerin agierte.

Von Meret Oppenheim, die sich leidenschaftlich für Künstlerinnenrechte einsetzte, sind markante Zitate überliefert. So betonte sie 1975 zur Übergabe des Kunstpreises der Stadt Basel: „Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie nehmen.“  Sie bezog sich dabei nicht zuletzt auf von Äußerlichkeiten befreite Frauen und plädierte für eine die geltenden Tabus brechende Lebensweise. Ihre letzte Ruhestätte fand sie übrigens im Tessiner Künstlerdorf Carona.

Begleitprogramm

Samstag, 25. Mai, 16–24 Uhr
Lange Nacht der Museen, Weimarer Land
Ein vielseitiges Angebot von kreativen Mitmachangeboten und geführten Ausstellungsrundgängen für Groß und Klein.

Sonntag, 2. Juni, 15 – 18 Uhr (Vorbesichtigung ab 10 Uhr)
Kunstauktion - Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten…
Gemälde, Zeichnungen & Grafiken der „Leipziger Schule“, Künstler des Bauhauses und anderer internationaler Künstler u.a. Max Klinger, Gerhard Marcks, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Michael Triegel, Marc Chagall, Joan Miró, Joseph Beuys, Helge Schneider | Dr. Michael Ulbricht, Auktionator, Leipzig

Mittowch, 19. Juni, 19 Uhr
Vortrag

„Endlich! Die Freiheit!“: Meret Oppenheim als konventionssprengende, medien- und zeitübergreifende Impulsgeberin
Dr. Belinda Grace Gardner, Kunstwissenschaftlerin, Hamburg

Donnerstag, 4. Juli, 19 Uhr
Vortrag
Meret Oppenheim: Eine DIY Kosmologie
David Quigley, Merz Akademie Stuttgart

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die Plätze für die Vorträge begrenzt sind und eine Anmeldung erforderlich ist. Der Preis für Vortrag und Ausstellungsbesuch beträgt 9,- €

Ausstellung bis 18. August, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr


Ilmenau: "Goethe im Berg" - Illustrationen von Hamster Damm und Schätze der Bergbausammlung

Sonderschau bis 29. September im GoetheStadtMuseum
GoetheStadtMuseum Ilmenau

Anlässlich des 240-jährigen Jubiläums der Einweihung des Schachtes „Neuer Johannes“ durch Johann Wolfgang von Goethe auf Initiative des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach widmet das GoetheStadtMuseum Ilmenau diesem Thema eine Sonderausstellung. Sie rückt zugleich den fachlichen Aspekt dieses kühnen Unternehmens in den Mittelpunkt und bietet eine künstlerische Auseinandersetzung mit Goethes Wirken für den Ilmenauer Bergbau durch die Illustrationen von Joachim Hamster Damm. Diese gestaltete er für das Buch „Geheimnißvoll offenbar“ Goethe im Berg, geschrieben von seiner Mutter, Sigrid Damm. Es erschien 2009 im Insel Verlag. Dazu werden in der Exposition seine Vorentwürfe zu sehen sein.

Als Goethe in Amtsangelegenheiten am 3. Mai 1776 erstmals die Stadt Ilmenau betrat, stellte er fest, dass die Gegend zwar „herrlich“ war, aber die Bergbauanlagen nach einem Dammbruch vor 37 Jahren einen traurigen Anblick boten und die Bevölkerung große Not litt. Im Auftrag des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde gemeinsam mit dem sächsischen Bergbausachverständigen Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra der Wiederangriff des Bergbaus gewagt. Goethe besuchte die Bergbauanlagen im Harz und war bestrebt, auch selbst technisches Wissen auf diesem Gebiet zu erlangen.

In der Sammlung des GoetheStadtMuseums Ilmenau befinden sich kostbare, historische Veröffentlichungen, die ihm möglicherweise als Fachliteratur dienten. Neben dem Standardwerk „Vom Bergwerk“ von Georgius Agricola aus dem Jahr 1557, studierte er die Henneberger Bergordnung von 1566. Sicher waren ihm auch die Bände „Unterirdische Schatzkammer aller Königreiche und Länder“ von Franz Ernst Brückmann von 1727/1730, das Fachbuch „Schauplatz der Wasserkünste“ von 1725 oder Veröffentlichungen zum Hütten- und Schmelzwesen von Abraham Schönberg und Andreas Schlüter aus den Jahren 1692 und 1738 bekannt. In Ilmenau konnte er sich auf einen der ersten Absolventen der Bergakademie Freiberg, den Fachmann Carl Wilhelm Voigt, verlassen. Seine Publikationen zur geologischen Erforschung Thüringens und dem Ilmenauer Kupfer- und Silberbergbau eröffneten in der Fachwelt einen erweiterten Diskurs zur Erforschung der Erdgeschichte.

So hoffnungsfroh die Unternehmung begann und man 1792 nach acht Jahren das Erz in einer Tiefe von 229 Metern erreichte, so groß war die Enttäuschung, als nach geringem Ertrag und dem Bruch des Entwässerungsstollens 1796 der Ilmenauer Kupfer- und Silberbergbau für immer niedergelegt werden musste.

Goethe vermerkte bereits 1794 in seinem Tagebuch „An dem Bergbaue zu Ilmenau hatten wir uns schon mehrere Jahre herumgequält; eine so wichtige Unternehmung isolirt zu wagen, war nur einem jugendlichen, thätig-frohen Übermuth zu verzeihen.“

Goethes Interesse an Geologie, Mineralogie und Paläontologie resultierte jedoch aus dieser Unternehmung und trug zu seiner Sammelleidenschaft bei. In der Exposition werden einige für die Region typischen Gesteine und Fossilien vorgestellt. Weitere Schätze der Ausstellung sind die Bergbarte (Bergaxt) Carl Augusts von Sachsen-Weimar Eisenach aus dem Stadtmuseum Weimar und ein Glasbecher, den der Vitzeberghauptmann Trebra seinem Freund Goethe zum Geschenk machte, eine Leihgabe der Klassik Stiftung Weimar.

Geöffnet Di-So sowie an Feiertagen von 10:00 bis 17:00 Uhr

Begleitprogramm: Sonderausstellung / Ilmenau - Goethe- und Universitätsstadt

Abbildung: Joachim Hamster Damm: Eröffnung © Joachim Hamster Damm


Jena: Kunst und Nachbarschaft

Paula Gehrmann präsentiert bis 28. Juli die Ausstellung „VARIABLE“ im „Frommannschen Skulpturen Garten“ der Universität Jena
Paula Gehrmann präsentiert vom 17. Mai bis 28. Juli die Ausstellung „VARIABLE“ im „Frommannschen Skulpturen Garten“ der Universität Jena

Wie wollen wir öffentlichen Raum gestalten? Eine Antwort auf diese Frage gibt der diesjährige „Frommannsche Skulpturen Garten“ der Universität Jena. Der Garten wird vom 17. Mai bis 28. Juli 2024 von einer Skulpturengruppe der Leipziger Künstlerin Paula Gehrmann bewohnt. Ihre minimalistischen Skulpturen aus verzinktem Stahl eröffnen einen Parcours durch den Garten und unterstützen seine Idee als öffentlicher Raum.

Im Sinne des Ausstellungstitels „VARIABLE“ sind die Skulpturen modular aufgebaut und verbinden sich immer wieder neu mit den räumlichen und sozialen Kontexten, mit denen die Künstlerin in Berührung kommt. Im Garten des Frommannschen Anwesens steht die Begegnung zwischen Kunstwerk, Nachbarschaft sowie Besucherinnen und Besucher im Mittelpunkt. Die Skulpturengruppe VARIABLE bietet vielfältige Möglichkeiten, gemeinsam oder allein vor Ort aktiv zu werden: Sie können als Arbeitstisch genutzt werden, als Präsentationsfläche für Ideen und Kunst oder einfach als Ausgangspunkt, um den Garten zu entdecken und dort zu verweilen.

„Ich sehe den Kunstraum als eine Möglichkeit, gegenseitige Unterstützung und Freundschaft zu üben. Meine Arbeiten sind ein Werkzeug, um die Strukturen des Ortes greifbar, zugänglich und damit auch verhandelbar zu machen. Die Skulpturen möchten ins Gespräch kommen, Nähe provozieren, gemeinsame Aktionen anstoßen und Handlungspotenziale denkbar machen. Sie erscheinen auf den ersten Blick nüchtern und warten auf einen Dialog und auch auf den Mut der Betrachterinnen und Betrachter, zum Vorschein und in die Öffentlichkeit zu treten“, sagt die Künstlerin über ihre Skulpturen.

Spielräume zeigen

Paula Gehrmanns Installationen versuchen, denjenigen Gesprächen, Handlungen und Menschen einen Platz einzuräumen, die zum Beispiel im Ausstellungsraum oft nicht sichtbar sind. Die Künstlerin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Barrieren und Potenzialen des Kunstraumes, der möglichst vielen Menschen zugänglich sein sollte. Dafür arbeitet sie oft mit Gruppen und Individuen vor Ort zusammen.

Öffnungszeiten: Das Frommannsche Anwesen (Fürstengraben 18, 07743 Jena) ist montags bis freitags von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Programm:

Freitag, 31. Mai, ab 18 Uhr - Lange Nacht der Museen, Pop-Up-Ausstellung mit Künstlerinnen und Künstlern von KONTRAKUNST - Kuration: Juan-Carlos John

Mittwoch, 5. Juni, 15 Uhr - „Offene Werkstatt“ mit „Kultur für alle" und Christiane Tänzler (VHS Jena, Kunstwerk Jena e.V.), 16:30 Uhr Pop-Up-Ausstellung

Sonntag, 16. Juni, 12 bis 18 Uhr - Sonderöffnungszeiten zum Tag der offenen Gärten Jena

Mittwoch, 19. Juni, 16 Uhr - Pop-Up-Ausstellung Kindertagesstätte Janusz Korczak

Mittwoch, 26. Juni, 16 Uhr - Gespräch „VARIABLE – Räume für Kunst und Praxis“ mit Paula Gehrmann und Studierenden der Kunst und Politik, Prof. Verena Krieger, Prof. Tilman Reitz (Friedrich-Schiller-Universität Jena), Moderation: Ellen Engel

Mittwoch, 3. Juli, 16:30 Uhr - Führung durch die Ausstellung mit Paula Gehrmann und Kuratorin Luise Thieme

Samstag, 13. Juli 16 Uhr - Feier für alle – Programmabschluss mit Musik und Getränk

https://www.jenaer-kunstverein.de/fsg-2024-paula-gehrmann-variable/

Foto: Paula Gehrmann


Leipzig: BEFLÜGELNDES FIEBER. Jugendstil im Grassi

GRASSI Museum für Angewandte Kunst präsentiert bis 6. Oktober rund 350 Objekte namhafter Künstler und Künstlerinnen des Jugendstils
GRASSI Museum für Angewandte Kunst präsentiert ab 4. November rund 350 Objekte namhafter Künstler und Künstlerinnen des Jugendstils.

Vertreten sind Arbeiten unter anderem von Emil Gallé, Henry van der Velde, Peter Behrens und Joseph Maria Olbrich sowie bekannter Firmen und Manufakturen wie Johann Lötz Witwe, WMF, Meissen und KPM. Die Ausstellung umfasst Vasen, Schmuck und Dekor, aber auch Gegenstände des täglichen Lebens wie Geschirr und Besteck.

Eine Vielzahl der ausgestellten Werke stammt aus der Sammlung des Nürnberger Ehepaars Pese, die im Jahr 2020 als Schenkung in das Museum kam. Ergänzt wird die Schau durch Erwerbungen der letzten zwei Jahrzehnte aus dem umfangreichen Bestand des Museums. Bereits seit den späten 1890er Jahren hat das Museum Jugendstil gesammelt. Vor gut einem Jahrhundert war dies ein klares Bekenntnis zur Moderne und eine Abkehr des als verstaubt wahrgenommenen Historismus der Gründerzeit: auch Leipzig hatte das „beflügelnde Fieber“ erfasst.

Der Ausstellungstitel geht auf ein Zitat Robert Musils (1880 – 1942) zurück, der treffend die Zeit der Jahrhundertwende beschreibt, in der sich plötzlich dieses Fieber in ganz Europa ausgebreitet habe und ein Zeitenwandel stattfand. Eine Vielzahl der rund 350 ausgestellten Objekte stammt von dem Ehepaar Pese, dessen Sammlung zunächst als Leihgabe ins GRASSI Museum für Angewandte Kunst gekommen war. Im Oktober 2020 wurde sie dem Haus als Schenkung übereignet. Dr. Claus Peses Leidenschaft für den Jugendstil und den Historismus gründet auf seiner jahrzehntelangen professionellen Auseinandersetzung als Kunsthistoriker mit diesen Epochen. Fast dreißig Jahre war er im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg tätig und bearbeitete dort die schriftlichen Nachlässe aus allen Bereichen der bildenden Kunst. Bereits in seiner Dissertation (1980) beschäftigte er sich mit dem Jugendstil und spezialisierte sich dabei auf Werke, Firmen und Persönlichkeiten dieser Zeit aus seiner Heimatstadt Nürnberg. Seine Sammlung beschränkt sich aber keinesfalls auf diesen regionalen Bezug, sondern erweitert sich auf Werke aus ganz Deutschland, Frankreich, Tschechien usw. Im Jahr 2007 erschien eine umfassende Publikation zu diesem Thema. Daneben folgten weitere Publikationen, Vorträge und Essays zu den verschiedensten Bereichen der Epoche. Die Ästhetik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dessen kulturelle Phänomene wie Künstlerkolonien und die verschiedenen, teilweise gegensätzlichen Bewegungen dieser Zeit faszinierten ihn sehr und führten dazu, dass er sich auch privat mit jenen Objekten umgeben wollte. Seine gemeinsam mit seiner Frau Maria aufgebaute Sammlung beschränkt sich aber keinesfalls auf diesen regionalen Bezug, sondern erweitert sich auf Werke aus ganz Deutschland, Frankreich, Tschechien usw. Die Sammlung Pese umfasst rund 120 Positionen des Art Nouveau aus Frankreich, Belgien und Deutschland. Darunter befinden sich Werke aus Metall, Glas, Porzellan und Holz. Vornehmlich handelt es sich um Dekorationsobjekte wie Vasen, Kerzenleuchter, Plastiken oder Figuren, aber auch Medaillen, Möbel und Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Tee- und Kaffeekannen, Geschirr, Besteck oder ein erster elektrischer Heißwasserkessel sind vertreten.

Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung durch Lesungen, Stadtführungen & kreative Workshops.

Foto: Felix Bielmeier


Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche

Sonderschau im Museum Burg Posterstein bis 4. August
1000jährige Eiche Nöbdenitz

Ausgehend von der einzigartigen Nöbdenitzer Eiche (Foto: Frank Leo), die Kulturdenkmal und Naturdenkmal gleichermaßen ist, stellt die Sonderausstellung beeindruckende Uralteichen aus ganz Europa vor. Die Ausstellung nimmt ihren Ausgangspunkt im nahe Posterstein gelegenen Ort Nöbdenitz, stellt dann aber mächtige und alte Eichen aus ganz Europa vor. Ganz unterschiedlich gehen Menschen mit diesen Bäumen um, aber fast überall begegnet man ihnen mit Ehrfurcht und Faszination.

Die Sonderschau „Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche – Über den Umgang mit faszinierenden Baumdenkmalen“ ist Teil des „Thümmel-Jahres 2024“ im Altenburger, das an den Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824) erinnert. Seine Grabstätte befindet sich in den Wurzeln der 1000-jährigen Eiche von Nöbdenitz.

Egal, ob sie nun 1000 Jahre alt ist oder noch nicht ganz, die Nöbdenitzer Eiche, mit dem Grab eines Ministers in den Wurzeln, ist einzigartig. - Darüber hinaus geht es um die Frage: Was braucht es, damit Bäume heute noch so alt werden können? Eine Bildergalerie erzählt die Geschichten von 39 beeindruckenden Eichen aus ganz Europa – darunter Frankreich, England, Dänemark, Schweden, Polen und Tschechien. Dafür stellten dem Museum über 40 engagierte Baum-Liebhaber Fotos und Informationen zur Verfügung, darunter Forstwissenschaftler, Künstler, Vereine, Museumskollegen, Touristiker und Fotografen.

Darüber hinaus geht es um die Eiche als Naturdenkmal und als Lebensraum. Welche Eichen im Landkreis Altenburger Land haben das Potential dazu, so alt zu werden, wenn wir ihnen den Raum dafür lassen? Manche der vorgestellten Eichen sind Kultur- und Naturdenkmal in einem. Genauso ist es bei der Nöbdenitzer Eiche, aber auch bei der zu einer Kapelle umgebauten Eiche im französischen Allouville, der Körnereiche im tschechischen Karlsbad oder der Chrobry-Eiche im polnischen Piotrowice, deren Eicheln der Papst segnete. Die Eichengeschichten sind vielfältig. Die Ausstellung ist Teil des Thümmel-Jahres im Altenburger Land, das die Person und das Wirken des bedeutenden Staatsmannes Hans Wilhelm von Thümmel ein ganzes Jahr lang mit Veranstaltungen und Ausstellungen in den Mittelpunkt stellt. Mehr Informationen zu Thümmel gibt es in der Dauerausstellung des Museums, im Blog des Museums und im Podcast „LeseZEIT auf Burg Posterstein“.

Auf Grund der Internationalität der Eichen und der Kooperationspartner ist die Ausstellung zweisprachig, auf Deutsch und Englisch. Zur Ausstellung erscheint eine aktualisierte Neuauflage der vergriffenen Thümmel-Biografie von 2016. Die Sonderschau begleitet eine digitale Ausstellung: 

Faszinierende Baumdenkmale - Museum Burg Posterstein (burg-posterstein.de)


Tal der Burgen und Schlösser

Werke von Helmut Weller (Glauchau) bis 14. Juli im Schloss Waldenburg
Helmut Weller Ausstellung Schloss Waldenburg

Der Künstler Helmut Weller aus Glauchau lädt mit seinen Werken im Souterrain von Schloss Waldenburg Besucher dazu ein, die Burgen und Schlösser des Muldentales in Ölfarbe zu bestaunen.

Das Muldental ist bekannt für seine Vielzahl an historischen und kulturellen Schätzen. Die malerischen Burgen und Schlösser, darunter Schloss Rochlitz, die Rochsburg und natürlich Schloss Waldenburg, bieten eine einzigartige Kulisse für Kunstwerke. Die romantischen Landschaften entlang der Mulde haben schon immer Künstler inspiriert, so auch Helmut Weller. Seit Jahrzehnten schafft er Werke in Farbe, die die Schönheit und Vielfalt der Region zeigen.

Helmut Weller kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken, die mit seiner frühen Ausbildung in Mal- und Zeichenzirkeln begann und ihn schließlich zum Meister seines Handwerks machte. Im Jahr 2019 wurde ihm zu seinem 50-jährigen Jubiläum der "Goldene Meisterbrief" im Malerhandwerk verliehen, eine Auszeichnung, die seine herausragenden Leistungen und sein Engagement für die Kunst würdigt.

Die Ausstellung "Tal der Burgen und Schlösser" im Schloss Waldenburg bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Werke von Helmut Weller zu bewundern und zugleich die reiche Geschichte und Kultur des Muldentals zu erleben. Zu sehen sind Schlösser und Burgen angefangen von der Muldenquelle bei Schöneck im Vogtland bis zum Schloss Wörlitz.

Ausstellung bis 14. Juli zu den regulären Öffnungszeiten des Schlosses

Eintrittspreis 4,50 € (ermäßigt 3,50 €), inklusive Zugang zu den Dauerausstellungen Baugeschichtliche Ausstellung sowie Filmschloss Waldenburg. Alternativ ist ein Kombiticket inkl. der historischen Räumlichkeiten des Schlosses erhältlich für 10,50 € (ermäßigt 8,50 €).

Foto: © Tourismus und Sport GmbH


Weimar: Monarchisten, Demokraten, Nationalsozialisten

Handschriftliche Widmungen als Spuren der Geschichte
Weimar Studienzentrum

Was erzählen Widmungen in Büchern über die Menschen, die sie hineingeschrieben haben? Was erfahren wir über diejenigen, für die sie gedacht waren?

Die Sonderausstellung „Monarchisten, Demokraten, Nationalsozialisten. Handschriftliche Widmungen als Spuren der Geschichte“ im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek begibt sich auf eine Spurensuche. Im Fokus stehen handschriftliche Widmungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Widmungsgeber und die Widmungsempfänger gehörten den unterschiedlichsten politischen Lagern an – sie waren Monarchisten, Demokraten, Nationalsozialisten. Die Ausstellung fragt nach den personellen und historischen Kontexten der zunächst oft unspektakulär wirkenden Eintragungen. Und sie folgt den Wegen, auf denen die Bücher in jener an Auf-, Um- und Abbrüchen dramatisch reichen Zeit in die Bibliothek gelangten.

Bis 30. November, Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Platz der Demokratie 4) Mo–Fr | 9–20 Uhr, Sa | 9-17 Uhr - Eintritt frei

Foto: Studienzentrum Herzogin Anna Amalia Bibliothek (Foto: Thomas Müller © Klassik Stiftung Weimar)


Über existentielle Widersprüche und Demokratie

Klassik Stiftung Weimar im Themenjahr „Auf/Bruch“

Vor dem Hintergrund des Thüringer Wahljahres 2024 widmet die Klassik Stiftung Weimar ihr Themenjahr dem 20. Jahrhundert mit seinen radikalen Auf- wie Umbrüchen. Ausgewählte Sammlungsbestände der Stiftung werden im Kontext der historischen Wendepunkte 1924, 1933 und 1949 auf ihre Überlieferungszusammenhänge untersucht und etablierte Deutungsmuster hinterfragt. Im Fokus der Ausstellungen, Veranstaltungen und diskursiven Projekte steht jeweils die zentrale Frage, welche Verbindung Kultur und Politik immer wieder aufs Neue eingehen und welche Rolle Künstler*innen und Kunst in einer liberalen und weltoffenen Gesellschaft einnehmen können. Die Jahresausstellung der Stiftung setzt sich erstmals öffentlich mit dem Thema „Bauhaus und Nationalsozialismus” auseinander. Die dreiteilige Schau verdeutlicht die komplexe politische Geschichte des Bauhauses bis zu seiner Schließung 1933 und zeigt die äußerst unterschiedlichen Lebenswege der Bauhäusler*innen in der Diktatur. Dabei wird schnell klar, dass die Moderne niemals immun war gegenüber einer Verführbarkeit durch totalitäre Regime.

„Im Superwahljahr 2024 – 100 Jahre nach dem Rechtsruck in der Thüringer Landesregierung 1924, der zur Vertreibung des Staatlichen Bauhauses führte – wendet sich die Klassik Stiftung Weimar bewusst den existentiellen Widersprüchen des 20. Jahrhunderts zu, die unsere Gegenwart prägen. Mit dem Themenjahr ‚Auf/Bruch‘ beleuchten wir den Kampf um die Demokratie durch exemplarische Ereignisse, Persönlich­keiten und Kunstwerke. Wir fragen in Ausstellungen, Debatten, Bildungsangeboten und unserem Jahres­magazin nach der explosiven Verbindung von Kultur und Politik, Kunst und Macht – ein Thema, das gerade jetzt wieder hochbrisant wird. Damit zeigen wir als bedeutende Kultur- und Forschungsinstitution auch politisch Haltung“, so Präsidentin Ulrike Lorenz.

Die Jahresausstellung „Bauhaus und Nationalsozialismus“ vom 9. Mai bis zum 15. September untersucht erstmals die Verstrickungen des Staatlichen Bauhauses und seiner Angehörigen mit dem Nationalsozialismus nach 1933. An den drei Orten Bauhaus-Museum Weimar, Museum Neues Weimar und Schiller-Museum zeigt die Schau auf 1.000 Quadratmetern rund 450 Kunst- und Designobjekte aus Privatsammlungen und renommierten Museen in Europa und den USA.

Über viele Jahre galt das „gute“ Bauhaus als Gegenentwurf zum Nationalsozialismus – eine zu einseitige Deutung dieser Zeit. Studierende und Dozierende des Bauhauses finden sich während des Nationalsozialismus unter den Verfolgten wie auch unter den Profiteuren des Regimes. Das Museum Neues Weimar beleuchtet unter dem Titel „Politische Kämpfe um das Bauhaus 1919−1933” die künstlerischen und politischen Konflikte, die bereits mit der Gründung der Designschule in Weimar begannen und sich in Dessau und Berlin fortsetzten. Im Bauhaus-Museum Weimar geht es unter der Überschrift „Abgehängt – Beschlagnahmt – Angepasst 1930/1937” um die Beschlagnahmung der „entarteten Kunst“ 1937 und um ihre Vorläuferaktion in Weimar. Das Schiller-Museum widmet sich schließlich den Bauhaus-Mitgliedern und ihren „Lebenswegen in der Diktatur 1933−1945”Thematisiert werden die Gratwanderungen, die sie angesichts der neuen politischen Verhältnisse nach 1933 vollzogen.

Die Ausstellung wird im Rahmen eines Festakts am 8. Mai gemeinsam mit dem Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora eröffnet.

Begleitende Formate (Auswahl)

„Sophie. Macht. Literatur. Eine Regentin erbt Goethe“
Bis 15. Dezember, Goethe- und Schiller-Archiv Weimar

Die Weimarer Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde 1885 alleinige Erbin Goethes handschriftlicher Werke. Für die sichere Aufbewahrung der Handschriften wollte sie ein funktionales und zugleich würdiges Gebäude errichten lassen: das Goethe- und Schiller-Archiv. Sophie war aber nicht nur Bauherrin und Nachlassverwalterin, sondern auch Kulturpolitikerin. Sie verfolgte das Ziel, Goethes Schriften für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Ausstellung „Sophie. Macht. Literatur“ setzt sich kritisch mit den Verdiensten Sophies auseinander und fragt nach den Verbindungen von Literatur und Politik.

Weitere Informationen: www.klassik-stiftung.de/sophie

Nietzsche-Archiv

Der Schwerpunkt „Weimar und der Nationalsozialismus“ wird bis zum 1. November durch ein Angebot im Nietzsche-Archiv ergänzt: Was hat Friedrich Nietzsche mit dem Nationalsozialismus zu tun? Warum konnten sich Faschisten und Antifaschisten zugleich für ihn begeistern? Die Kabinettausstellung „Nietzsche im Nationalsozialismus“ legt dar, wie aus einem europäischen Denker ein „deutscher Prophet“ wurde. Die Präsentation stellt die widersprüchlichen Nietzsche-Aneignungen vor und fragt nach der Verantwortung des berühmten Philosophen für diesen fatalen Bruch in seiner Wirkungsgeschichte. 

Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Den Spuren einer an Auf- und Umbrüchen dramatisch reichen Zeit widmet sich die Präsentation „Monarchisten, Demokraten, Nationalsozialisten“ im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Im Fokus der Schau stehen vom 23. Mai bis zum 30. November handschriftliche Widmungen aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, deren Verfasser und Empfänger aus den unterschiedlichsten politischen Lagern stammten.

Schloss Belvedere und Liszt-Haus

Eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit der bewegten deutschen Geschichte bietet die mehrteilige Ausstellung „Olaf Metzel: Deutschstunde“. An den historischen Orten Schloss Belvedere und Liszt-Haus gehen die politischen Werke des in Berlin geborenen Bildhauers und Objektkünstlers Metzel in einen inhaltlichen und ästhetischen Dialog mit der historischen Umgebung. Die Schau bildet vom 7. Juni bis 1. November den Auftakt der neuen Reihe „Weimar Contemporary“, mit der die Stiftung ihre Aktivitäten im Bereich der zeitgenössischen Kunst bündelt. Neben eigens für Weimar entstehenden Arbeiten sowie einer neuen Version von „NSU“ (2013/24) werden Installationen zum Aufeinandertreffen von Orient und Okzident wie „Kebap Monument“ (2007) oder „Turkish Delight“ (2006) zu sehen sein.

>> Das komplette Programm des Themenjahres „Auf/Bruch“ finden Sie hier.


Gera: Ausstellung zum 8. Eb-Dietzsch-Kunstpreis

Preisträger-Werke und alle weiteren nominierten Arbeiten sind bis 31. Mai in der Sparkasse Gera-Greiz zu betrachten (Verkaufsausstellung)
Gera Eb-Dietzsch-Kunstpreis

129 junge Künstlerinnen und Künstler hatten sich für den 8. Eb-Dietzsch-Kunstpreis beworben. 60 davon wurden in einer ersten Jurysitzung für die Ausstellung und den Katalog nominiert. 

Erstmals waren auch Künstlerinnen und Künstler mit Wohnsitz in Österreich oder der Schweiz aufgerufen, ihre Werke zu präsentieren. Alle Techniken der Malerei waren beim Wettbewerb zugelassen und frei wählbar, ebenso das Thema. Das Spektrum der Einsendungen war sehr breit, angefangen von abstrakten bis hin zu detailreichen gegenständlichen Arbeiten.

Anhand der Originalwerke hatte die Jury in einer zweiten Sitzung drei gleichrangige Kunstpreisträgerinnen ermittelt: Mara Niederprüm (Halle/Saale), Jeehye Song (Düsseldorf) und Lena Dobner (Wien). Dank der großzügigen Unterstützung des Wettbewerbs durch die Sparkasse Gera-Greiz erhielten die Preisträgerinnen jeweils ein Preisgeld von 2000 Euro.

Darüber hinaus wurden zwei mit jeweils 750 Euro dotierte Sonderpreise vergeben, für besonders interessante Werke der jüngsten Künstlerin bzw. des jüngsten Künstlers: Den Sonderpreis des LIONS Club Gera erhielt Katharina Lustig (Schwerte).  Den Sonderpreis der Wohnungsbaugesellschaft "Elstertal" Gera erhielt Harine Suthan (Münster).

Alle für den 8. Eb-Dietzsch-Kunstpreis nominierten Arbeiten sind bis zum 31. Mai in der Ausstellung im Beratungscenter der Sparkasse Gera-Greiz zu sehen und können käuflich erworben werden.

Zur Ausstellung ist ein hochwertiger Katalog erschienen.

https://www.eb-dietzsch-kunstpreis.de/

Foto: Andreas Hartmann


Kunstverein Gera präsentiert Arbeiten von Stefan Vogel (Leipzig)

Ausstellung zu sehen bis bis 29. Juni
Stefan Vogel kunstverein gera

Unter dem Titel "von wegen" stellt der Kunstverein Gera das Schaffen des multimedial arbeitenden Künstlers Stefan Vogel vor.

Sprache, Text und Bild verdichten sich im Werk des 1981 geborenen Künstlers Stefan Vogel zu einem fragilen Beziehungsgeflecht aus Zeichnungen, Collagen und raumfüllenden Installationen zusammen. Die dabei entstehenden Materialbilder sind berührend direkt, ursprünglich und lassen sich als Projektionsfläche lesen, die auf ironische wie gleichsam eindrückliche Weise auf die eigene Existenz verweisen. Haare im Abfluss, leere Tablettenverpackungen, banale Gedanken und absurde Wortfindungen entwickeln im Zusammenspiel mit Baustoffen wie Beton, Silikon oder Kacheln ambivalente und sich überlagernde Gefüge, dessen einzelne Komponenten sich zu Sprachbildern voller eigenwilliger Poesie verknüpfen. Ein Erlebnis ganz besonderer Art.
Der Künstler Stefan Vogel lebt und arbeitet in Leipzig

Öffentliche Führung mit Stefan Vogel am 16. Juni, 11 Uhr 

Kunstverein Gera e.V., Markt 8/9 | 07545 Gera

Öffnungszeiten: Freitag bis Samstag 15:00 - 18:00 Uhr


Bad Elster: Kunstvolle Reise ins Unbekannte

Königliches Kurhaus zeigt bis 31. Mai Werke der thüringischen Künstlerin Anke Pradel-Schönknecht
Bad Elster Anke Pradel-Schönknecht

Die Ausstellung zeigt eine Vielzahl unterschiedlicher Reliefb­ilder und Artquilts, die durch das Spiel mit verschiedenen Strukturen gemeinsam verbunden sind und die Faszination der Künstlerin für plastische Oberflächen und formbare Materialien zeigen. Auf der Leinwand mischt die Künstlerin bevorzugt Papiere, feste Materialien, strukturierte, teilweise eigens verfremdete Stoffe und Malerei. Das Ergebnis sind phantasievolle Materialreliefs. Ihre Artquilts erlauben weniger feste Materialien, sind dafür wesentlich flexibler und verbinden eher besonders dicke und nähbare Materialien. Neben den Reliefbildern und den Artquilts komplettiert ein Kostüm die Werkschau der Künstlerin, welches ihrer 16-jährigen Tätigkeit als Kostümbildnerin am Meininger Staatstheater stammt. Die innovative Textilkunst ist für Anke Pradel-Schönknecht eine wundervolle, vielschichtige künstlerische Ausdrucksform und schickt die Künstlerin im Bearbeiten von Materialien auf eine »Reise ins Unbekannte«.

„In dieser Werkschau zeigt sich ein durchgängig kreativer Gestaltungswille, in dessen Umsetzung und Vollendung sie sich unterschiedlichster Materialien bedient.“ erklärt Ute Gallert als Ausstellungsverantwortliche der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft und fügt hinzu: „Das Spiel mit den Materialien und scheinbar unmöglich erscheinende Technikkombinationen sind für die sehr formstarke Künstlerin gleichzeitig leidenschaftliche Forschung und eine Entdeckungsreise in neue Welten.“

Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr sowie zu den Veranstaltungen im Königlichen Kurhaus Bad Elster. Der Eintritt ist frei. www.chursaechsische.de

Foto: Robert Reissner


Aus dem Dunkel der Vorzeit – Altenburgs prähistorische Sammlung in neuem Licht

Gemeinsames Ausstellungsprojekt der Altenburger Museen im Schloss- und Spielkartenmuseum
Altenburg Schloss- und Spielkartenmuseum

Im ersten großen gemeinsamen Ausstellungsprojekt der Altenburger Museen wird bei einer Sonderausstellung bis zum 10. November 2024 die archäologische Sammlung der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft im Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg präsentiert. Zahlreiche kaum mehr bekannte, doch bedeutende Exponate werden hier erstmals einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Besucherinnen und Besucher erwartet bei der Ausstellung „Aus dem Dunkel der Vorzeit – Altenburgs prähistorische Sammlung in neuem Licht“ nicht nur ein spannendes sondern auch ein lehrreiches Ausstellungserlebnis. Bereits zum Auftakt der Präsentation wird ein Eindruck vom archäologischen Schauplatz Ostthüringen vermittelt: Auf einer großformatigen Flurkarte werden archäologische Fundorte in der Region vorgestellt und damit zugleich der Reichtum prähistorischer Objekte aus dem Osterland und den umliegenden Regionen. 

Diese Objekte stellen die Basis für die – in ihrem Umfang – bisher einmalige Ausstellung dar. Neben Ausstellungshighlights wie den goldenen Lockenringen vom Altenburger Lerchenberg oder dem Hortfund von Schlöben werden auch Stücke gezeigt, die als Gebrauchsgegenstände eingeordnet werden können. Beispielsweise illustriert eine große Auswahl prähistorischer Äxte nicht nur ihren früheren Zweck, sondern auch die handwerklichen Fähigkeiten altertümlicher Zivilisationen. Der Präsentation dieser Gegenstände sowie mehrerer überregionaler Exponate, deren Entstehungszeit über mehrere tausend Jahre reicht, gingen in den vergangenen Jahren erhebliche Forschungs- und Analysearbeiten voraus. Die Ergebnisse werden nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Komplettiert wird die Ausstellung durch Leihgaben aus dem Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, der Klassik Stiftung Weimar (Goethe Nationalmuseum) und dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle.

Zugleich setzt sich die Ausstellung mit der Sammlungsgeschichte archäologischer Artefakte aus der Region auseinander. Die besondere Stellung der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes (GAGO) und ihres Mitgliedes Ernst Amende (1852-1940) wird ebenso thematisiert, wie Altenburgs zweite, von Bernhard August von Lindenau zusammengetragene, archäologische Sammlung. Außerdem wirft die Ausstellung einen Blick in die Geschichte des Schloss- und Spielkartenmuseums. Durch die Rekonstruktion des hauseigenen Depots bekommen die Besucherinnen und Besucher einen Eindruck von der Aufbewahrungspraxis im Museum. Mit etwas Selbstironie werden dabei auch die teils unorthodoxen – aus Materialmangel resultierenden – Verwahrmethoden aus der Zeit der DDR verdeutlicht. 

Den Bogen in die Gegenwart spannt die Ausstellung mit Erläuterungen zu aktuellen Funden aus dem Altenburger Land. So wurden zuletzt im Zuge von Fernleitungsarbeiten mehr als 20 Fundstellen ausgemacht, denen archäologische Untersuchungen folgten. Die Funde datieren teils bis in die Jungsteinzeit (ca. 5000 v. Chr.).

Ein eigens dafür eingerichteter Vermittlungsbereich ermöglicht es den Besucherinnen und Besuchern während des Ausstellungsaufenthaltes kreativ zu arbeiten. Nicht nur können beispielsweise Formen antiker Keramiken auf einem leuchtenden Untergrund nachgezeichnet, auch können eigene Gedanken formuliert und durch eine Zeitkapsel für die Nachwelt konserviert werden. Durch den Einsatz einer Graphic Novel und des Ausstellungsführers „Wippi“ wird der Zugang zu den Exponaten besonders für jüngere Besucherinnen und Besucher erleichtert.

Foto: Steven Ritter


Papier zum Sprechen bringen

Geschöpftes, Grafik und Collage von Marita Kühn-Leihbecher: Bis 30. Juni, Altenburg, Lindenau Museum

Zur Feier ihres 80. Geburtstages zeigt das Lindenau-Museum in einer erweiterten KUNST WAND-Ausstellung Papierarbeiten der in Mildenfurth bei Gera lebenden Künstlerin Marita Kühn-Leihbecher.

Das Schöpfen steht am Beginn eines Arbeitsprozesses, an dessen Ende sich  außergewöhnliche Kompositionen aus Material, Form und Farbe mit der Idee zu einer harmonischen Einheit verbinden. Der Einblick in die papierne Welt Kühn-L eihbechers gleicht dem Beobachten und Eintauchen in ein fragiles, aber unendlich vielseitiges Universum. Der Blick der Betrachtenden wird auf die Schichten aus Papier, die Linien und Formen gelenkt sowie zuletzt auf die feinen Verästelungen der einzelnen Fasern, die auf dem Material eine eigene Landkarte bilden. Die handwerkliche Technik des Papierschöpfens beherrscht die Künstlerin in jedem einzelnen Schritt, von der Bearbeitung
der pflanzlichen Materialien bis zur Fertigstellung eines Blattes. 

Nach dem Schöpfen beginnt die Schöpfung – von der Idee, welche Teile sich in- und übereinanderlegen, bis hin zur Sichtbarmachung dessen, was Kühn-Leihbecher beschäftigt und bewegt. Mal entscheidet sie selbst, mal das Papier -und manchmal auch der Himmel: Regentropfen hinterlassen auf dem noch nicht getrockneten Papier häufig feine Spuren. In das selbstgeschöpfte Papier baut die Grafikerin Verstecke für von ihr gefundene Papiere und Bilder, die sie faszinieren und festhalten, ein. Es entstehen Fenster mit Augen, die aus dem Blatt auf die Welt schauen. Die kurzen, oft nur aus einem Wort bestehenden Titel sind stille Wegweiser, die keine eindeutige, aber eine mögliche Richtung angeben. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.


Gera: Früher Sammler, heute Nerd

Naturkundemuseum zeigt Sonderschau zum naturkundlichen Sammeln im Wandel der Zeit / Zu sehen bis 11. August
Gera Museum für Naturkunde Ausstellung

Das Museum für Naturkunde in Gera präsentiert mit „Früher Sammler, heute Nerd“ eine neue Sonderausstellung. Dabei geht es um das Sammeln an sich, denn die Menschen begannen ihre historische Existenz als Jäger und Sammler. Das Auflesen von Nahrung oder Materialien für die Werkzeugherstellung war überlebenswichtig. Doch schon in der Steinzeit ging das Sammeln von Rohstoffen und Ideen über die primäre Versorgung hinaus, wie man anhand früher Schatzkammern, gefüllt mit steinernen Venus-Figurinen, erkennen kann. Psychologen sprechen von einem der Individualentwicklung aller Menschen eigenen Bedürfnis. Sammeln bedeutet Abstrahieren, Ordnen, Begreifen. Das Systematisieren vorgefundener Objekte schafft Übersicht in der Vielfalt und trägt zum Verständnis der uns umgebenden Lebenswelt bei.

Die Ausstellung widmet sich dem Sammeln und Bewahren naturwissenschaftlicher Objekte früher und heute. Welche Motivation stand hinter den Sammlern, in welcher Art und Weise entstanden ihre Kollektionen? Anhand von Sammlungen des Hauses wird deutlich, dass sie die Grundlage für Erkenntnisse der natur- und erdgeschichtlichen Vielfalt der Region und darüber hinaus lieferten. Ihre Pflege, Erweiterung und forschende Nutzung ist im Angesicht des weltweiten Artensterbens wichtiger denn je. Die Sammler von gestern finden ihre Nachfolger in den Nerds von morgen.

Neugierige erwartet im historischen Barockzimmer eine breite Palette von Mineralen, Gesteinen und Fossilien im Kontext der Biografien ihrer Sammler – von Bürgern Geras aus der Goethe-Zeit bis hin zu aktuellen Methoden der Präparation und Restauration. Im Foyer verweisen Paradiesvögel und Großwild-Trophäen aus der deutschen Kolonialgeschichte auf den Raubbau an der Natur aus Prestigegründen. Historische Insekten-, Pflanzen- und Pilzsammlungen können mit ihren modernen, wissenschaftlich geführten Pendants verglichen werden, indem die dahinterliegende Motivation, die verwendeten Mittel und Methoden sowie deren Ergebnisse präsentiert werden. Ein kleiner Exkurs zeigt den individuellen Werdegang vom Kastaniensammeln in der Kindheit über klassische Fehler und Irrtümer der ersten Amateursammlung bis hin zur Professionalisierung. Es werden großformatige FAQs, also häufig gestellte Fragen, zu Sinn und Nutzen privaten und wissenschaftlichen Sammelns in der heutigen Gesellschaft beantwortet und so mehr Mut zur „Nerdiness“ im positivsten Sinne gemacht.

Die Mitarbeiter des Museums für Naturkunde haben die Ausstellung in Handarbeit aus größtenteils eigenen Magazinbeständen gestaltet und mit umfangreichen Hintergrundwissen aus Historie und Gegenwart ergänzt.

Zu sehen bis zum 11. August, jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr 

Zum Foto: Der Rote Paradiesvogel Paradisaea rubra aus Neuguinea wurde im 19. Jahrhundert als Kolonialware intensiv gesammelt, um daraus Hutschmuck zu fertigen.


WIN/WIN - Die Kunstankäufe der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

16. Juni bis 4. August, Museum Gunzenhauser

Jedes Jahr erwirbt die Kulturstiftung zahlreiche Werke zeitgenössischer Bildender Kunst. Auch in diesem Jahr stehen dafür rund 160.000 Euro zur Verfügung. Ende Mai beschließt der Vorstand der Kulturstiftung auf Grundlage der Empfehlungen des Fachbeirates Bildende Kunst, welche Kunstwerke in diesem Jahr angekauft werden. Nur zwei Wochen darauf werden die Arbeiten der Öffentlichkeit in einer Ausstellung präsentiert. Erstmals wird die Werkschau mit dem Titel WIN/WIN – Die Kunstankäufe der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2024 nun in Chemnitz gezeigt.

Ziel der Kunstankäufe der Kulturstiftung ist es, Künstlerinnen und Künstler an wichtigen Punkten ihrer Karriere finanziell zu unterstützen und ihre Arbeiten öffentlich zugänglich zu machen. Voraussetzung ist, dass diese ihren Schaffensmittelpunkt oder Wohnsitz in Sachsen haben. Nach der öffentlichen Präsentation gehen die mit Mitteln des Sächsischen Landtags angekauften Werke in den Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über. 

Öffnungszeiten Di, Do–So, Feiertag 11–18 Uhr, Mi 14–21 Uhr

Führungen: info.kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de


Gera: Sven Schmidt in der Galerie M1

Sven Schmidt Ausstellung Gera

“Machen“ ist die neue Ausstellung von Sven Schmidt betitelt, die bis zum 2. Juni in der Galerie M1 am Mohrenplatz in Gera-Untermhaus sehen ist. - Sven Schmidt, 1959 in Gera geboren, absolvierte ein Designstudium an der Hochschule für Kunst und Design in Halle/Saale und war 1986 bis 1988 Meisterschüler für Malerei/Grafik bei Prof. F. Ruddigkeit, Halle/Saale. Er ist Gründungsmitglied der „M1-Kunstzone“ Produzentengalerie in Gera und des Kunstzone Gera e.V. Er lebt und arbeitet freischaffend in Gera.

Zum Foto: Angelika Steinmetz-Oppelland, Sven Schmidt, und der Schriftsteller Uwe Saeger; im Hintergrund Arbeiten von Schmidt zu Saegers Stück „Die verliebte Maus“.

Ausstellung geöffnet Di.-Fr. von 14.00-17.00 Uhr sowie Sa.-So. von 13.00-17.00 Uhr

www.schmidtart.de


Burg Posterstein – Trutzig seit 1191

Teil 1: Schlag um Schlag – Die Burg als Gerichtsort / Ausstellung im Museum Burg Posterstein
Museum Burg Posterstein Gericht Ausstellung

Die Ausstellung "Schlag um Schlag – Die Burg als Gerichtsort" ist Teil 1 der Ausstellungsreihe "Burg Posterstein – Trutzig seit 1191". Im Mittelpunkt steht die Burg als Ort, an dem Gericht gehalten und Recht gesprochen wurde. Der Burgherr war auch Richter Auf vielen Burgen war der Burgherr auch der Richter. Zumindest besaß er das Recht, über seine Untertanen zu richten. Jedes Testament, jeder Verkauf, jede Vormundschaft ging über seinen Tisch und brachte ihm Geld ein. Die Dorfordnung und die Rügegerichtsordnung regelten, was man durfte oder nicht durfte und welche Strafe man zu erwarten hatte, wenn man die Vorschriften nicht einhielt. Oberstes Gebot war, dass sich „jeder eines ehrbaren und gotteswohlgefälligen Lebens befleißigen“ sollte. Echte Postersteiner Kriminalfälle Aber auch in Posterstein hielt sich nicht jeder an geltende Gebote: Unzucht, Mord und andere Untaten kamen vor Gericht. Seit dem 16. Jahrhundert wurden professionelle Advokaten angestellt. Ihnen zur Seite standen die Laienrichter und Schöffen aus der Dorfgemeinschaft. Folter als Mittel der Beweisaufnahme war üblich. Diese so genannte „peinliche Befragung“ durfte jedoch nur angewendet werden, wenn ausreichend Indizien für die Täterschaft vorlagen.

Extra für diese Schau: Kurzfilme!

Seit 1528 gibt es Postersteiner Gerichtsbücher. Sie verraten viel über die Menschen und ihre Zeit. Spannende Fälle passierten nicht jeden Tag in Posterstein. Für die Ausstellung rollte die Historikerin Sabine Hofmann alte Gerichtsfälle wieder auf. Laiendarsteller des Traditionsvereins Altenburger Prinzenraub und der Gefolgschaft zu Posterstein spielten ausgewählte Postersteiner Gerichtsfälle nach – von Mord, Unzucht und Gewalt über Diebstähle bis hin zur Beleidigung. Regie führten Marcella von Jan und Robert Gregor Kühn. Hinter der Kamera stand der Altenburger TV-Journalist Gunter Auer. Für die musikalische Begleitung sorgte Matthias von Hintzenstern. Die so entstandenen fünf Kurzfilme werden in der Neuen Scheune, aber auch in der Ausstellung zu sehen sein. Zentraler Ort der Ausstellung ist der historische Gerichtsraum der Burg in thematisch passendem Ambiente am originalen Schauplatz. 

Die Ausstellung gehört zur zweiteiligen Ausstellungsreihe „Burg Posterstein – Trutzig seit 1191“ zum Thüringer Burgenjahr. Teil 2 heißt „Stein auf Stein – Von der Wehrburg ins Heute“ und wird ab 18. August 2024 zu sehen sein.


Auftakt für Weimar Contemporary

Klassik Stiftung Weimar startet neue Reihe am 6. Juni mit der Sonderausstellung Olaf Metzel: Deutschstunde

Zum Auftakt der neuen Reihe Weimar Contemporary zeigt die Klassik Stiftung Weimar ab 7. Juni bis 1. November 2024 die Sonderausstellung Olaf Metzel: Deutschstunde in Schloss Belvedere und im Liszt-Haus.

Der Münchner Bildhauer und Objektkünstler hat sich intensiv mit der deutschen Geschichte, ihren Um- und Aufbrüchen auseinandergesetzt. Neben eigens für Weimar entstehenden Arbeiten sowie einer neuen Version von „NSU“ (2013/24) werden in Schloss Belvedere Installationen Metzels zum Aufeinandertreffen von Orient und Okzident wie „Kebap Monument“ (2007) oder „Turkish Delight“ (2006) zu sehen sein. Seine Werke thematisieren politische und soziale Zustände und Befindlichkeiten. Sie bilden ein Angebot, sich mit der eigenen Kultur und Gesellschaft produktiv auseinanderzusetzen. Im Liszt-Haus ermöglichen bisher kaum gezeigte Zeichnungen, Entwurfsskizzen und Modelle einen biografischen Einblick in den Werkprozess des klassisch ausgebildeten Bildhauers.

Mit der Reihe Weimar Contemporary bündelt die Klassik Stiftung Weimar ihre Aktivitäten im Bereich der zeitgenössischen Kunst und rückt sie verstärkt in den Fokus. Weimar Contemporary findet an jährlich wechselnden Orten statt.


Vier Frauen. Vier Lebensläufe. Fotografieren in der DDR

Zu sehen bis 9. Juni, Chemnitz, Kunstsammlungen am Theaterplatz
Kunstsammlungen Chemnitz

Die Ausstellung präsentiert Arbeiten der vier Fotografinnen Christine Stephan-Brosch, Evelyn Krull, Gerdi Sippel und May Voigt. Die Hauptakteurinnen der Ausstellung sind verknüpft durch das Leben in der DDR und ihre Arbeit als Fotografinnen. Die Schau präsentiert dabei Werke, die bis zur politischen Wende 1989 entstanden sind, und zeigt die unterschiedlichen Perspektiven auf die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten.

Eng verbunden mit der sächsischen Kulturszene ist Christine Stephan-Brosch, die seit den 1960er Jahren eine Vielzahl an Künstler:innen porträtiert hat. Evelyn Krull überzeugt mit ihrer Sicht auf das Körperliche. Bereits in den 1970er Jahren beginnt sie Akte zu fotografieren. Gerdi Sippel hält mit ihren Fotografien verschiedene Arbeitsprozesse fest. Dunkel gehaltene Momentaufnahmen, in denen das Licht eine entscheidende Rolle spielt, prägen die Arbeiten von May Voigt. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Sandstein Verlag.

Abbildung: Evelyn Krull, Körpersprache XVII, 1986 Leihgabe Evelyn Krull © Evelyn Krull

Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Frank Krüger


Bad Elster: Textilkunst aus den Schichten der Zeit

Ausstellung mit Arbeiten von Britta Ankenbauer bis 9. Juni, KunstWandelhalle
Textilkunst Britta Ankenbauer

Bad Elster/CVG. Im Zuge des 12. KunstFestes Bad Elster ist die Ausstellung „Schichtungen“ der Textilkünstlerin Britta Ankenbauer in der KunstWandelhalle Bad Elster zu sehen. Die Leipzigerin zeigt einen Querschnitt aus 20 Jahren ihres textilkünstlerischen Schaffens.

Schichten stehen dabei im Vordergrund der künstlerischen Beschäftigung mit Themen wie Zeit, Erinnerung und Veränderung in der Natur. Dazu verwendet die Künstlerin Textilien, Papier und anderes flexibles Material. Als Besonderheit verarbeitet sie hier Fotografien, Fundstücke, aber auch Wort und Text, um diese zu fragmentieren oder zu dekonstruieren und anschließend wieder neu zu verbinden. Dabei ist ihre Kunst immer als Dialog und als Spiel mit der Zeit zu sehen, bietet die Option der Verlangsamung. Zu sehen sind Arbeiten mit intensiv bearbeiteten Oberflächen, die eine Art Patina bilden, durch die man als Betrachter erst hindurchsehen muss. Andere Werke wiederum zeigen abstrakte, landschaftlich anmutende Bildwelten ohne erkennbare Horizonte, dafür aber bestückt mit textilen Lebenswelten und Erinnerungsmotiven, Abdrucken von Spitze und weiblichen Portraits des vorigen Jahrhunderts. Weitere Objekte der eindrucksvollen Ausstellung zeigen Garne und Gewebe, die hängend oder liegend ineinander verschlungen hinter flachen, digitalisierten Abbildungen erscheinen.

„Mit ihrer Kunst schafft Britta Ankenbauer Bildwelten, die auf den ersten Blick nicht schnell lesbar sind. Erst der zweite, verweilende Blick offenbart die Details und Tiefe, diese wirken wohltuend anders“ erklärt Ute Gallert als Ausstellungsverantwortliche der Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft und fügt hinzu: „Wie ein Seismograph erforscht die Künstlerin damit oft unsichtbare Bewegungen und Zusammenhänge – als textile Schichtungen ihres künstlerischen Ausdrucks.“ 

Geöffnet Mi-So 14.00 bis 17.30 Uhr sowie an den Wochenenden zusätzlich von 9.30 Uhr bis 12.00 Uhr sowie zu den Veranstaltungen in der KunstWandelhalle 

Der Eintritt ist frei. www.kunstwandelhalle.de

Foto: Robert Reissner


Jena: Weite Horizonte bei Huber & Treff

Jena: Sibylle Prange bei Huber & Treff

Sibylle Prange liebt weite Horizonte, Wasser und hohe Himmel. Ihre Bildmotive sind erinnerte Landschaften, die sie auf Reisen erfährt und im Atelier auf die Leinwand bringt. Zwischen Melancholie und heiterer Achtsamkeit changierend, scheinen die Bilder den Betrachter aufzufordern sich des eigenen Seins zu vergewissern. Lichtreflexe zwischen Seerosenblättern, eine windschiefe Hütte oder menschenleere Straßen, die ins  Seite führen, weisen auf die Schönheit aber auch die Vergänglichkeit jedes einzelnen Momentes hin.

H&T - Berlin (huber-treff.de)


Weimar: Eine Niederländerin fördert die deutsche Kulturnation

Sonderausstellung „Sophie. Macht. Literatur“ im Goethe- und Schiller-Archiv | Bis 15. Dezember
Sophie Ausstellung Weimar

Zum 200. Mal jährt sich 2024 der Geburtstag einer außergewöhnlichen Frau: der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach. Ihr Wirken ging weit über das für Regentinnen übliche kulturelle Mäzenatentum hinaus. Mit der Initiierung der ersten Gesamtausgabe von Goethes Werken, der Weimarer Ausgabe, und der Gründung des ersten forschungsbasierten Literaturarchivs auf deutschem Boden schrieb sich die gebürtige Niederländerin unwiederbringlich in die deutsche Kulturgeschichte ein und prägte das (inter-)nationale Goethe-Bild bis heute. Die Sonderausstellung „Sophie. Macht. Literatur – Eine Regentin erbt Goethe“die bis zum 15. Dezember im Goethe- und Schiller-Archiv zu sehen ist, widmet sich kritisch den Verdiensten Sophies und fragt, in welchem Wechselverhältnis Literatur und Macht in der damaligen wie auch in der aktuellen Kulturpolitik stehen.

„Sophies Initiative, Goethes Nachlass der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zu erforschen, war entscheidend für die Anerkennung der Dichterhandschriften als UNESCO-Weltdokumentenerbe ,Memory of the World‘ 2001. Ihr persönliches und ihr finanzielles Engagement ermöglichten den Bau des Goethe- und Schiller-Archivs, das sich zu einem Zentrum für unser literarisch-kulturelles Gedächtnis des 18. und 19. Jahrhunderts entwickelt hat“, erläutert Dr. Christian Hain, kommissarischer Direktor des Archivs.

Im April 1885 erhält die bereits 61-jährige Großherzogin als Alleinerbin den handschriftlichen Nachlass Johann Wolfgang von Goethes. Bereits fünf Tage nach der Testamentseröffnung lässt Sophie die wertvollen Handschriften ins Weimarer Stadtschloss bringen. Schon im Mai steht der Masterplan der kulturpolitisch aktiven Regentin: Neben der Errichtung eines Goethe-Archivs strebt sie die Erarbeitung der ersten Gesamtausgabe von Goethes Werken und die Erstellung einer umfassenden Goethe-Biografie an. Unter dem Einfluss des Wilhelminischen Zeitgeistes, der nationale Identität nicht ohne nationale Literatur denkt, erkennt Sophie das Potential des Dichters und Geheimen Rats als geeigneter Projektionsfigur. Komplementär zur politischen Hauptstadt Berlin ist Weimar als geistiges Zentrum Deutschlands zu etablieren. Um ihre Ziele zu verwirklichen, greift Sophie hin und wieder selbst ins Forschungsgeschehen ein: so muss Herman Grimm sein Vorwort zur Goethe-Gesamtausgabe mehrfach ändern, erotische Passagen aus Goethes „Venetianischen Epigrammen“ und „Römischen Elegien“ werden vor der Veröffentlichung zurückgehalten. Nicht an der Weimarer Ausgabe beteiligten Forschern wird schließlich der Zugang zu Goethes Handschriften verwehrt, um den Exklusivanspruch des patriotischen Großprojekts nicht zu gefährden.

Die Ausstellung „Sophie. Macht. Literatur“ führt das Wirken einer Niederländerin vor Augen, die zwei der renommiertesten nationalstaatlichen Projekte zur Förderung deutscher Literatur umsetzt und größtenteils aus ihrem Privatvermögen finanziert. Einmal mehr wird damit deutlich, dass Archive und die in ihnen aufbewahrten Nachlässe auch stets gesellschaftspolitisch beeinflusste und wirkende Instanzen zur Fortschreibung des kollektiven Gedächtnisses sind.

Die nächsten Veranstaltungen im Begleitprogramm:

15. Mai | 12. Juni |  jeweils um 15 Uhr - Kurator*innenführungen

16. Mai | 17 Uhr - „Sophie in Weimar“ - Lesung der niederländischen Biografin Thera Coppens

13. Juni | 17 Uhr - „Eingeladen sind Sie ja…“ - Lesung aus den Zu- und Absagen zur Einweihung des Goethe- und Schiller-Archivs von Birgitta Assheuer (Sprecherin in Film, Fernsehen und Hörfunk)

Abbildung: Lauchert, Sophie v. SWE, © Klassik Stiftung Weimar


Bad Köstritz: Fotografien von Inesj. Plauen und Ute Reinhöfer

„Unterwegs“ bis 9. August in der Galerie „gucke“
Fotografie Inesj. Plauen

Der Titel der Ausstellung »Unterwegs« ist Programm. Die beiden Künstlerinnen zeigen Arbeiten, die auf Reisen nach Frankreich, Tschechien, Israel, Spanien, in die USA und in Deutschland entstanden sind. Im Spannungsfeld von urbanem Leben und der Einsamkeit stiller Pilgerpfade begegnen sich Motive. Einerseits gesehen und eingefroren in der Flüchtigkeit eines Augenblicks und andererseits in der Anmutung einer naturgegeben währenden Dauer. Die Ausstellung zeigt konkret, malerisch, verfremdete Zeugenschaft zweier Reisenden. Unterwegs gewesen zu sein, bekundet den Blick von Inesj. Plauen auf fremde Stadtlandschaften, auf Stadtkultur und auf der Schwelle des Eigenen. Dagegen verweist Ute Reinhöfer mit ihren zusammengesetzten Notaten auf visuelle Erzählungen von unterwegs auf Pilgerwegen, die sie durch Portugal, Spanien und Deutschland führten.

Die ausstellenden Künstlerinnen haben sich bewusst für diesen Ausstellungsort für das Medium Fotografie entschieden. Damit präsentieren sie einen spezifischen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen. Bei Inesj. Plauen umfasst dies Malerei, Grafik, Performances, Skulpturen und Installationen und bei Ute Reinhöfer gehören neben Fotografien auch Videoarbeiten, schriftstellerische Projekte sowie Collagen dazu.

Foto: Inesj. Plauen „Fotograf“, Venedig


Zwickau: Nach „Windschnittig?“ kommt „Form vollendet?“!

Sonderausstellung zu Aerodynamik und Fahrzeugdesign bis 30. Juni im August Horch Museum
August Horch Museum Zwickau

Über 20 Großexponate, eine Vielzahl an Modellen, interaktiven Displays und eine Experimentierstation beschreiben Titel und Thema. Dabei verdeutlichen einzigartige und seltene Fahrzeuge die Verbindung von Form und Luftwiderstand in verschiedenen Facetten. Inhalte und Gestaltung der Ausstellung entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Agentur ö_konzept.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird in Deutschland die Automobilproduktion langsam wieder aufgenommen. Die Aerodynamik von Fahrzeugen spielt dabei in den ersten Jahren eine untergeordnete Rolle. Vielmehr werden die in den 1930er Jahren oft noch separat angesetzten Kotflügel und Scheinwerfer nun in die Karosserie integriert, die Übergänge zwischen den drei Körpervolumen harmonisch verrundet. Die gesamte Karosserie-Außenhaut wird glattflächiger. Damit entsteht die Pontonform, die zum Credo der 1950er Jahre wird. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt die Karosserieentwicklung bis Ende der 1960er Jahre diesem Grundprinzip verhaftet. Auch beim Kleinst- und Kleinwagensegment wird von der Kundschaft meist nur die aerodynamisch schwierige Stufenheckform akzeptiert. Ausnahmen bilden allein die Leichtbaufahrzeuge ehemaliger Luftfahrtingenieure/-konstrukteure mit von Flugzeugen inspirierten stromlinienförmigen Karosserien. Der durchschnittliche Luftwiderstandsbeiwert dieser Karosserieform liegt bei 0,45 – 0,5.

Aerodynamik gewinnt erst durch die Ölkrise in den 1970er Jahren wieder verstärkt an Bedeutung und wird integraler Bestandteil bei der Fahrzeugentwicklung. Als ein effizientes Mittel zur Verbrauchsreduzierung erlangt das Thema Aerodynamik europaweite Aufmerksamkeit auch von Seiten staatlicher Regierungen, die zum Teil Forschungsprogramme finanzieren. Zahlreiche Fahrzeughersteller wie BMW, Mercedes-Benz und VW bauen in diesen Jahren eigene Windkanalzentren. Auch in der früheren Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wird auf dem Gebiet der Aerodynamik intensiv geforscht. Allerdings gelingt die Umsetzung in moderne Fahrzeuge aufgrund der vorhandenen wirtschaftlichen Probleme nicht.

Parallel dazu sorgen atemberaubende Konzeptfahrzeuge von bekannten Designbüros wie etwa Pininfarina, Bertone oder Italdesign / Giugiaro dafür, dass die Keilform zur bestimmenden Automode der 1970er und 1980er Jahre wird. Dabei ist die Keilform auch aerodynamisch effektiv, indem sie mit flacher Front und hohem Heck wie ein Spoiler Anpressdruck zwischen Fahrzeug und Straße erzeugt. Dies ist vor allem im Motorsport von großer Bedeutung, besteht eine Rennstrecke doch nicht nur aus langen Geraden, sondern auch aus engen und zum Teil schnellen Kurven.

Im Rahmen der gegenwärtigen Transformation zur Elektromobilität übernimmt die Reduzierung des Luftwiderstandes erneut eine wichtige Rolle bei der Fahrzeugentwicklung. Im Vordergrund steht die Einsparung von Antriebsenergie.

www.horch-museum.de

Foto: CITROËN CX, 1975


Jena: Caesar, Kleopatra und Co im Porträt

Bis 12. Juli: Sonderschau im Institut für Altertumswissenschaften (Fürstengraben 25) der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ausstellung Jena Institut für Altertumswissenschaften

Jena (Uni/sl) Wie sahen die römischen Kaiser aus? Welche Frisuren trugen die Kaiserinnen? Wie wurden griechische Dichter und Denker dargestellt? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Besucherinnen und Besucher der Ausstellung „Hall of Fame. Antike Porträts im Fokus“, die bis zum 12. Juli im Institut für Altertumswissenschaften (Fürstengraben 25) der Friedrich-Schiller-Universität Jena gezeigt wird. „Wir zeichnen exemplarisch die Entwicklung des antiken Porträts nach und zeigen eine Auswahl von griechischen Bildnissen bis hin zu Kaiserporträts aus dem 3. Jahrhundert nach Christus“, sagt Dr. Anne Gürlach, die als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klassische Archäologie die Ausstellung kuratiert. Die Idee und das Konzept entstanden gemeinsam mit Studierenden in einer Lehrveranstaltung. 

Keine Frauenporträts in den Jenaer Antikensammlungen 

„Die Erfindung des rundplastischen Porträts zur Darstellung von historischen Personen ist eine der großen Errungenschaften der griechischen Kunst“, sagt Dr. Anne Gürlach. Nachdem die Bronzestatuen archaischer und klassischer Zeit vorrangig Gottheiten darstellten, wurden erst seit dem 5. Jahrhundert vor Christus berühmte historische Persönlichkeiten in Marmor gezeigt. Die Römer kopierten diese Vorbilder vielfach und entwickelten die Porträtkunst intensiv weiter zur Darstellung eigener Zeitgenossen – nun nicht immer in Form von vollformatigen Statuen, sondern als rundplastische Köpfe und Büsten. In der neuen Ausstellung des Lehrstuhls für Klassische Archäologie werden vorwiegend Gipsabgüsse von diesen antiken Porträts gezeigt, die Stücke stammen aus den Sammlungsbeständen der Jenaer Universität, ergänzt um Leihgaben der Universität Leipzig. „Kurioserweise befinden sich in der Jenaer Sammlung keine historischen Porträts von Frauen“, sagt Anne Gürlach. Die Gipsabgüsse antiker Plastik kamen im 19. Jahrhundert in Europa groß in Mode – als viele der griechischen Originale und deren römische Kopien bereits über viele Museen verstreut waren. „Zu den einzelnen Exponaten gibt es spannende Geschichten zu erzählen“, sagt Anne Gürlach. Für die Gäste der Ausstellung stehen für ergänzende Informationen Tablets oder Audioguides bereit, deren Texte zu den einzelnen Objekten Studierende des begleitenden Proseminars eingesprochen haben. So erfahren Besucherinnen und Besucher Wissenswertes über die Entstehung der Porträts, über deren Rezeptionsgeschichte und natürlich über die dargestellten Personen.

Die Zuweisung der Porträts ist nicht immer einfach

Als „Hall of Fame“ sind in der Ausstellung große Namen der Antike versammelt, darunter Homer und Sappho, Perikles und Caesar ebenso wie Augustus und Kleopatra. „Inwieweit es sich tatsächlich um eine realistische Darstellung der jeweiligen Person handelt oder die Zuschreibung korrekt erfolgte, ist nicht immer sicher“, sagt Anne Gürlach. Während die Benennung mancher Bildnisse – wie etwa von Alexander dem Großen bzw. den römischen Kaisern – entweder über die zeitgenössische Münzprägung oder über Namensbeischriften gesichert ist, bleibt sie für andere Bildnisse auch noch nach Jahren der Forschung unsicher. In der Ausstellung sind die antiken Porträts thematisch und zeitlich gruppiert und werden um originale Alltagsgegenstände aus dem Leben der Porträtierten ergänzt; Karten und ein Zeitstrahl erleichtern dem Besucher die Orientierung in der „Hall of Fame“.

Unter dem Motto »Vom Feld ins Netz – Antike DIGital erleben« werden begleitend zur neuen Sonderausstellung aktuelle und abgeschlossene Forschungs- und Bildungsprojekte des Jenaer Lehrstuhls für Klassische Archäologie präsentiert: 3D-Modelle, Orthofotografien, digitale Ausstellungen, Audioguides und ein Podcast vermitteln beispielhaft Themen und Inhalte des Faches. 

Geöffnet ist donnerstags 12 bis 14 Uhr, freitags und samstags 13 bis 17 Uhr. Jeden Samstag von 15 bis 16 Uhr gibt es Themenführungen durch die Ausstellung. Der Eintritt ist kostenfrei, weitere Führungstermine für Gruppen können vereinbart werden: https://www.gw.uni-jena.de/klass-arch-sammlungen-fuehrunganfrage.

Foto: Die Kuratorin der neuen Sonderausstellung an der Universität Jena, Dr. Anne Gürlach, platziert den Gipsabguss eines Porträts der römischen Kaiserin Julia Domna. (Foto: Jens Meyer/Universität Jena)

 


Jost Heyder: Seele und Imagination – Eine Spurensuche

Werkretrospektive im Marstall in Eisenach bis 2. August
Jost Heyder Ausstellung Eisenach

Der Thüringer Künstler Jost Heyder, einer der bedeutendsten Porträtisten in Deutschland, wird siebzig. Das ist Anlass für einen Schaffensrückblick. Der Künstler lebte 16 Jahre in Eisenach. In Würdigung seines bisherigen Lebenswerkes zeigt das Thüringer Museum Eisenach die Werkretrospektive „Jost Heyder / Seele und Imagination – Eine Spurensuche / Malerei und Grafik 1980 – 2024“. Damit wird zugleich der sanierte Marstall als Ort für wechselnde Ausstellungen wieder eröffnet. Eine eindrucksvolle Auswahl von Bildnissen, Akten, figurativen Szenerien und Landschaften leitet vom 27. April bis 2. August das Jubiläumsjahr „125 Jahre Thüringer Museum Eisenach“ ein.

„Spannend für mich wird es, wenn sich aus einer Farbfläche allmählich ein Schulteransatz, eine Kerze oder ein Bühnenboden herausbilden.“ So beschreibt er den grundlegenden Schöpfungsprozess seiner Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken. Narrenfiguren in widersprüchlichen Rollen, schonungslose Selbstbildnisse, lustvoll vibrierende Akte, atmosphärische Landschaften und Stadtansichten, Augen als tiefe Tore zur Seele der Porträtierten, wildes Treiben auf farb- und formenreichen Bildbühnen strömt kraftvoll auf die Lebensbühne des Betrachters … Der Weg durch die vielgestaltige Bildwelt verführt zu einer Spurensuche nach der Handschrift des Künstlers.

Wer bin ich – Porträt-Kunst als Weg, sich selbst zu entdecken? Jost Heyder porträtierte kulturprägende Persönlichkeiten wie Hermann Hesse, Günter Grass und Bernhard Vogel ebenso wie viele Menschen in privatem Auftrag. Eine eindrucksvolle Bildnis-Auswahl des Malers macht Lust darauf, sich selbst vom Meister porträtieren zu lassen. Ein Workshop zum Porträtieren eines Modells lädt zusätzlich zum Eigenexperiment ein.

Wie lässt sich ein tragfähiges Menschen-Bild modellieren? Die vielfältigen Werkgruppen liefern sinnliche und bewegende Sinn-Bilder für ein Menschen-Modell aus Geist, Seele, Verstand, Körper und Mitwelt. Ein Ausstellungsbesuch verführt zu einer umfassenden Wesens-Schau und zu Fragen nach den ewigen Grund-Werten menschlichen Da-Seins.

Abbildung: Jost Heyder, Liegende auf rot, 2017 © Repro: Falko Behr


Chemnitz: Sieh Dir die Menschen an!

Das neusachliche Typenportrait in der Weimarer Zeit / bis 1. September, Museum Gunzenhauser

Die Ausstellung Sieh dir die Menschen an! im Museum Gunzenhauser betrachtet das neusachliche Typenporträt erstmals eingehend im historischen Kontext. Gezeigt werden zahlreiche Werke, in denen Künstler:innen wie Otto Dix, George Grosz, Jeanne Mammen und Hanna Nagel das »Typische« der porträtierten Personen in den Vordergrund stellten. Zentral bei diesem Ansatz ist die Frage: Was verrät unser Gesicht über unseren Charakter, über unser Leben und über unsere politische Gesinnung?

In der Weimarer Zeit war das Denken in Typen weitverbreitet. Überlegungen zu Physiognomie, Typenlehre und Charakterologie waren sowohl in wissenschaftlichen Veröffentlichungen, als auch in den prosperierenden Zeitungen, Filmen und in der Literatur allgegenwärtig. So auch im erstmals 1930 erschienenen Ratgeber von Gerhard Venzmer »Sieh dir die Menschen an!« – der der Ausstellung fast schon mahnend den Titel gibt. Das in Stuttgart erschienene Buch sollte laut Verlag »anschaulich die inneren Beziehungen zwischen Körperform und Wesensart des Menschen« erklären. Aus heutiger Sicht muss jedoch betont werden, dass trotz der enormen Reichweite der Publikation, die hier formulierten Thesen nicht über pseudowissenschaftliches Fabulieren hinauskamen – aber schwerwiegende Folgen hatten. Schließlich diente den Nationalsozialisten der Denkansatz als Vorlage für ihre Rassenideologie und lieferte damit ein zentrales Argument ihrer Vernichtungsmaschinerie.

Die Ausstellung nimmt den Kerngedanken des beschriebenen gesamtgesellschaftlichen Diskurses zur Zeit der Weimarer Republik in den Fokus und betrachtet ihn kritisch. Heute wird dieses Denken häufig als Kategorisierungs- und Typisierungswahn einer orientierungssuchenden Epoche bewertet. Jedoch kann schnell festgestellt werden, dass viele Stereotype und Klischees von damals bis in die Gegenwart nachwirken und weiterhin den Blick auf unser Gegenüberbeeinflussen. So schlägt die Ausstellung einen direkten Bogen in die Gegenwart mit einer eigens für die Ausstellung konzipierten Installation Alpha Dog von Cemile Sahin. Darin untersucht die Künstlerin, wie historische Methoden der Typisierung durch moderne Technologien für militärische Zwecke und zur Überwachung weiterentwickelt wurden. Dazu setzt sie sogenannte Roboterhunde ein: vierbeinige Laufroboter, die Hunden ähneln und in ihrer hochpreisigen Version mit einer KI-basierten Gesichtserkennung ausgestattet sind.

Eine Ausstellung des Kunstmuseums Stuttgart in Kooperation mit den Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser

Mehr Informationen / Begleitprogramm: www.kunstsammlungen-chemnitz.de


Sonderausstellungen auf Burg Schönfels

Traktor, Hüpffrosch, Teddybär - Kinderspielzeug in der DDR / wOOLaRT - Bilder von Barbara Haubold

Bis 18. August ist die Ausstellung „Traktor, Hüpffrosch, Teddybär - Kinderspielzeug in der DDR“ in der Unterburg des Museums zu sehen. Die Ausstellung will nicht nur nostalgische Erinnerungen wecken. Die bunte Spielwarenwelt der DDR gibt Einblick in das Selbstverständnis einer vergangenen, aber noch nicht allzu fernen Gesellschaftsordnung. Eine Gesellschaft, in der Spielzeug immer auch Spiegelbild sozialistischer Ideale, einer bipolaren Welt und der Lebenswirklichkeit in einem geteilten Land war. Mit Spielzeug aus der Sammlung Andreas Reißmann will die Ausstellung ein tieferes Verständnis für die gesellschaftlichen und politischen Dynamiken in der DDR ermöglichen. Anhand von sieben Themenkomplexen werden historische Traditionslinien nachgezeichnet, die Beziehungen zu den sozialistischen Nachbarländern diskutiert und die Ideologisierung des Spielzeugs durch Berufs- und Geschlechterrollen aufgezeigt. Seien Sie eingeladen, in Kindheitserinnerungen zu schwelgen und gleichzeitig kritisch über die gesellschaftliche Bedeutung von Spiel und Spielzeug in der nahen Vergangenheit und im Hier und Jetzt nachzudenken.

Bis zum 15. September findet im Rittersaal der Burg Schönfels die Kunstausstellung „wOOLaRT - Bilder von Barbara Haubold“ statt. Tauchen Sie ein in eine Welt der Farben, Texturen und handwerklichen Meisterwerke, die alle aus dem einzigartigen Material Wolle entstanden sind. Wolle hat eine lange Geschichte in der Welt. Seit Jahrhunderten wird sie von Künstler*innen auf der ganzen Welt als Medium für ihre kreativen Ausdrucksformen genutzt. Ihre weiche Textur, ihre lebendigen Farben und ihre Fähigkeit, Licht auf spektakuläre Weise zu reflektieren, machen sie zu einem einzigartigen Werkstoff für die Schaffung innovativer Kunstwerke. Die Ausstellung präsentiert eine facettenreiche und faszinierende Auswahl aus dem Wollbilderzyklus von Barbara Haubold. Die außergewöhnliche Künstlerin zeigt in ihren Werken sowohl zarte Landschaften als auch abstrakte Kompositionen und präsentiert somit das beeindruckende Spektrum dieses Materials. Lassen Sie sich von Barbara Haubolds Leidenschaft inspirieren und entdecken Sie Wolle neu!


Gera: Glas-Kunst und Blumenbilder im Haus Schulenburg

Sonderausstellung im Henry van de Velde Museum bis 30. September
Ausstellung Haus Schulenburg Gera

Das Henry van de Velde Museum Haus Schulenburg in Gera würdigt die Aufnahme der manuellen Glasfertigung in das Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO mit der Ausstellung Glas-Kunst und Blumenbilder. 

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen wertvolle Gläser des Historismus, des Jugendstils und des Art Deco, die den Besucher auf eine farbenfrohe Reise von 1850 bis 1940 entführen. Die gläsernen Kunstwerke stammen aus großen privaten Sammlungen – großer Dank an die Leihgeber. Sie sind sonst im Grassi-Museum Leipzig, im Bröhan-Museum Berlin oder im Driehaus-Museum Chicago zu sehen. Einen schönen Kontrast zu den leuchtenden Gläsern bilden Blumenbilder des englischen Arts and Crafts Künstlers Walter Crane und ausgewählter Künstler des 20. Jahrhunderts: Curt Hermann, deutscher Neoimpressionist, Georg Muche, seinerzeit jüngster Bauhausmeister, Otto Herbig aus dem Umfeld der Brückemaler, Hilde Linzen-Gebhardt und Frida von Düring (Weimar), Albinmüller (Künstlerkolonie Darmstadt), Dora Koch-Stetter (Ahrenshoop), Hans Rudolph (Gera).

Die traditionelle Glasfertigung gehört zum Kulturerbe der Menschheit

Anlass für die bemerkenswerte Ausstellung ist die Aufnahme der traditionellen manuellen Glasfertigung in Finnland, Frankreich, Spanien, Tschechien, Ungarn und Deutschland in die UNESCO-Welterbeliste am 6. Dezember 2023. Die Glashütte Lamberts in Waldsassen gehört zu den Initiatoren dieser Anerkennung, Lamberts ist eine von zwei Firmen weltweit, die noch mundgeblasenes Flachglas herstellen. Dieses Glas ziert die beleuchteten Zifferblätter des Big Ben in London, die Glaskunst des Rockefeller-Centers in New York, die Fenster der Dresdner Frauenkirche und das opaleszierende Oberlicht des Hauses Schulenburg.

Protagonisten der Glasgestaltung

Die Glaskunst nach 1900 erhielt enorme Impulse durch technische Innovationen bei der Glasherstellung.
Der Pariser Händler japanischer Kunst und Gründer von „Maison d'Art nouveau“ Siegfried Bing brachte Gläser von Louis Comfort Tiffany aus New York mit und hatte das Tiffany-Alleinvertriebsrecht für Europa. In Nancy stellte Emile Galle, der u. a. Zoologie und Botanik studiert hatte, seine prächtigen verschiedenfarbig überfangen, geätzten und geschliffenen Gläser, häufig mit botanisch genauen Pflanzendecoren her. 1901 gründete er mit den Glasherstellern Auguste und Antonin Daum, sowie René Lalique und Gabriel Argy Rousseau die berühmte Ecole de Nancy.
Weitere berühmte Firmen des Glashandwerks waren u. a.: Delatte – Nancy (Frankreich), die Poschingers (Bayern), die Lausitzer Glaswerke – Weißwasser (Sachsen), Loetz Witwe – Klostermühle (Böhmen), die Glasfabrik Fritz Heckert – Petersdorf (Schlesien), WMF – Geislingen (Württemberg).

Neue Prinzipien der künstlerischen Gestaltung um 1900

Unter dem Einfluss der englischen Arts and Crafts-Bewegung, der Avantgarde in Belgien und Frankreich und der wieder entdeckten japanischen Kunst befreite sich die künstlerische Gestaltung von der historisierend-naturalistischen Einengung des 19. Jahrhunderts. Der Gegensatz zwischen „Bildender Kunst“ und „Angewandter Kunst“ löste sich auf. Die freie dekorative Linie, kontrastierende Farben, Materialien und die Orientierung an den Bedürfnissen des modernen Menschen belebten Gebäude, Innenräume und Gegenstände. Die Kunst wurde „von hohem Sockel“ in das alltägliche Leben geholt. Art nouveau (Frankreich) und Jugendstil (Deutschland, Österreich) bereiteten sich innerhalb von 25 Jahren über ganz Europa aus. 1925 zelebrierte Paris die internationale Ausstellung für moderne dekorative Kunst und Kunstgewerbe – Namensgeberin von Art Deco.
Henry van de Velde formulierte in dieser Zeit die Prinzipien der „vernunftgemäßen Gestaltung“, eine Theorie des Designs, welche bis in die „Bauhausära“ und die heutige Moderne Gültigkeit hat.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10:00-17:00 Uhr, Sa/So und feiertags 14:00-17:00 Uhr

Abbildung: Jugendstilgläser Gallé, Daum u. a.

A CHAIR AND YOU

Ausstellung vom 8. Mai bis 6. Oktober im GRASSI Leipzig
GRASSI Leipzig A Chair and You

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst zeigt mit A CHAIR AND YOU eine der weltweit bedeutendsten Privatsammlungen von Stühlen, die von über 100 Künstlerinnen und Designern sowie Architektinnen und Architekten von den 1960er Jahren bis heute gestaltet wurden. Diese außergewöhnliche Schau ist einer der Höhepunkte im Jahr 2024, in dem das Museum sein 150jähriges Bestehen feiert.

Der Genfer Unternehmer und Sammler Thierry Barbier-Mueller (1960–2023) trug seit den späten 1990er Jahren unzählige innovative und außergewöhnliche Stuhlobjekte zusammen, deren skulpturaler Charakter weit über die übliche Typologie von Stühlen hinausreicht.
Die Präsentation der rund 140 Stühle wurde dem renommierten amerikanischen Regisseur und Künstler Robert Wilson anvertraut. In einer außergewöhnlichen Inszenierung lässt er die Besucherinnen und Besucher in immersive Welten eintauchen, in denen die Stühle zu Protagonisten einer Theateraufführung werden. Mit Ton, Licht und Gestaltungselementen, die an Bühnenbilder erinnern, wird eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen, in der das ikonenhafte Designobjekt Stuhl in seinen zahlreichen Variationen auf ungewohnte Weise entdeckt werden kann. Wilson hinterfragt die Objekte, macht sie sich zu eigen und haucht ihnen Leben ein, um sie selbst sprechen zu lassen.
A CHAIR AND YOU konfrontiert die Gäste mit einer „Oper“ in vier Akten und ebenso vielen Bühnenwelten – mit einer Szenografie, in der anhand der einzigartigen Sammlung von Thierry Barbier-Mueller auch die Geschichte der Kunst und des Designs von den 1960er Jahren bis heute erzählt wird.

Kuratorinnen Chantal Prod'Hom, Lausanne/ CH Charlotte Savolainen-Mailler, Genf/ CH Ausstellungsstruktur und Gestaltung Robert Wilson/ New York, USA

Ein Buch zur gesamten Sammlung ist im Museumsshop erhältlich: The Spirit of the Chair. The Chair Collection of Thierry Barbier-Mueller, Oktober 2022, Lars Mueller Publishers GmbH, 384 Seiten, 927 Abbildungen, 22x30cm (engl./ franz.)

Foto: Bright selection A, copyright Lucie Jansch


Jena: Graphic Novel Ausstellung „Drei Steine“

Provoking Panels von Illustrator Nils Oskamp bis 9. Oktober in der Villa Rosenthal

Nils Oskamp erzählt in seiner autobiografischen Graphic Novel „Drei Steine“ die Geschichte seiner Jugend in den 1980er Jahren in Dortmund-Dorstfeld, wo er Opfer rechter Gewalt wurde.

Als ein Mitschüler in der Schulklasse den Holocaust verleugnet und weitere Nazi-Parolen propagiert, lehnt sich Nils Oskamp dagegen auf und sagt ihm und seinen Mitschüler:innen klar seine Meinung. Dadurch macht er sich zur Zielscheibe der örtlichen Neonazis und es beginnt ein Kampf ums nackte Überleben.

Nils Oskamp zeigt in eindrücklichen Bildern, wie die Leher:innen und die Polizei die Bedrohung nicht ernst nehmen und auch die Familie die Gefahr nicht erkennt. Mehrfach wird er krankenhausreif geschlagen. Die Spirale der Gewalt eskaliert und gipfelt in zwei Mordanschlägen.

Nils Oskamp ist in Dortmund aufgewachsen und studierte im Ruhrgebiet Grafikdesign mit dem Schwerpunkt Illustration. Die Graphic Novel über seine Jugend, sein Leben mit der Angst und die Ohnmacht von Staat und Bevölkerung gegenüber rechtsradikaler Gewalt, ist eine beeindruckende Mahnung an alle, die den Rechtsradikalismus verharmlosen. Ein Werk, das umso bedrückender ist, da es auch dokumentiert, dass die rechte Bedrohung inmitten unserer Gesellschaft wächst.

Die Ausstellung war seit 2017 an vielen Orten in ganz Deutschland zu sehen und zeigt Original-Zeichnungen, Gemälde, Studien, Texttafeln, ein Diorama sowie eine Medienstation mit Video-, Audio- und Foto-Beiträgen.

 


Gotha: S.O.S. Grünes Herz. Unsere Natur im Wandel

Ausstellung bis 27. Oktober im Herzoglichen Museum Gotha, Ausstellungshalle

Wolf, Borkenkäfer und japanischer Staudenknöterich sind in die Ausstellungshalle des Herzoglichen Museums Gotha eingezogen – und mit ihnen viele Fragen, Informationen und Antworten rund um eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die Ausstellung „S.O.S. Grünes Herz. Unsere Natur im Wandel“, die Jahreshauptausstellung 2024 der Friedenstein Stiftung Gotha, behandelt ein globales Thema auf lokaler Ebene und nimmt dabei auch gesellschaftliche Themen in den Blick. Sie lädt die Besucher*innen auf eine Reise durch die Veränderungen unserer heimischen Landschaften und Ökosysteme ein.

Die Schau zeigt an Beispielen aus dem lokalen Umfeld Gothas, welchen Einfluss der Mensch auf seine Umwelt hat. Industriell geprägte Landschaften, Monokulturen in der Land- und Forstwirtschaft, die Begradigung und Kanalisierung vieler Fließgewässer – all das hat nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Folgen. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur seltene und gefährdete, sondern auch eingeschleppte Arten, die unsere Ökosysteme bedrohen. Natur- und Artenschutz werden als wichtige Instrumente diskutiert, aber auch die Grenzen und Perspektiven dieser Maßnahmen aufgezeigt. Verschiedene Zukunftsszenarien runden die Ausstellung ab.

Ein besonderes Highlight ist die große, zentrale Inszenierung „Moderne Natur“, die als zeitgemäßes, stilisiertes Großdiorama die Ausstellungsthemen sinnlich und visuell zugänglich macht. Hier ist auch ein filigranes Orchideenmodell zu sehen, das dank der großzügigen Unterstützung der Museumslöwen – Gemeinschaft zur Förderung des Museums der Natur Gotha e.V nun Teil der naturkundlichen Sammlung des Friedenstein ist.

In der Sonderausstellung sind rund 100 Exponate zu sehen, darunter überwiegend präparierte Tiere, Insektenkästen und genadelte Insekten, naturwissenschaftliche Modelle sowie Gemälde, Kupferstiche und Porzellan. Ergänzt werden diese durch digitale und analoge Hands-on-Stationen.


Lutherhaus Eisenach zeigt Ausstellung, die aufklärt und mahnt

Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche ‚Entjudungsinstitut‘ 1939–1945“ bis 23. Dezember zu sehen
Lutherhaus Eisenach verlängert erfolgreiche Sonderausstellung

„Angesichts der besorgniserregenden Zunahme antisemitischer Ansichten – auch in kirchlichen und akademischen Milieus – scheint unsere Sonderausstellung leider aktueller denn je zu sein“, sagt Museumsdirektor Dr. Jochen Birkenmeier. „Die bösartige Mischung aus Verschwörungsmythen, Judenhass und Pseudo-Wissenschaft zeigt im Falle des sogenannten Entjudungsinstituts beispielhaft, welche Folgen ideologische Verblendung und die Dämonisierung von Minderheiten haben können. In Zeiten wachsender Demokratieverachtung soll unsere Ausstellung deshalb weiterhin der Aufklärung und Mahnung dienen.“

Über die Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung“

Seit 2019 zeigt die Stiftung Lutherhaus Eisenach auf einer Fläche von knapp 120 Quadratmetern die Hintergründe, die Arbeit und die Nachwirkungen des 1939 in Eisenach gegründeten „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“. Im Rahmen museumspädagogischer Angebote können sich zudem Schüler- und Erwachsenengruppen unter anderem über die Wurzeln des kirchlichen Antisemitismus informieren und darüber diskutieren, wie man in der heutigen Zeit für Toleranz und Dialog einstehen kann. Bei weiteren Workshops können sich die Teilnehmer:innen in dreisprachiger Kalligraphie üben oder die Riten und Symbole des Judentums kennenlernen.

Foto © Stiftung Lutherhaus Eisenach (Sascha Willms)