Ausstellungen

Faszination Form und Farbe – Am Anfang war das Bauhaus

Sonderausstellung im Kunsthaus Meyenburg / Nordhausen
Bauhaus Ausstellung Nordhausen

Mit dieser Ausstellung im großen Thüringer Themenjahr zum 100. Jubiläum der Gründung des Weimarer Bauhauses widmet sich das Kunsthaus Meyenburg dessen revolutionären Ideen der Kunst, die vor allem die Architektur und das Design so nachhaltig verändert haben. „Unsere Nordhäuser Ausstellung „Faszination Form und Farbe“ hat einen eigenen Schwerpunkt, sie zeigt nicht nur Kunstwerke der eigentlichen Bauhaus-Zeit, sondern verdeutlich vor allem die Auswirkungen auf die Kunst der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart“, zeigt sich Bürgermeisterin Jutta Krauth im Rahmen der Vernissage von der Ausstellung begeistert.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die originale Bleistift-Skizze von Lyonel Feininger mit dem Motiv der Kirche „St. Blasii in Nordhausen“ aus dem Jahr 1932, die seit 2017 im Besitz des Kunsthauses Meyenburg ist. Das Kunsthaus Meyenburg präsentiert neben Feininger zahlreiche Werke der bekanntesten bildenden Künstler der Bauhaus-Epoche, wie Wassily Kandinsky und Paul Klee. In der Werkschau wird eine Vielzahl von unterschiedlichen Stilen, ob Konkrete Kunst oder Op-Art, ob COBRA-Gruppe oder Abstraktion gezeigt. Die Werke von Henri Matisse, Fernand Léger, Max Papart oder James Coignard verdeutlichen, dass die revolutionären Ideen des Bauhauses auch über die Ländergrenzen Deutschlands hinweg wahrgenommen wurden, teils als bewusste Reaktion, teils als parallellaufende stilistische Entwicklung. Der Einfluss des Bauhauses reicht bis in die Gegenwart, deshalb sind auch viele zeitgenössische Künstler von den geometrischen Formen oder den Farben des Bauhauses fasziniert.

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass im Obergeschoss des Kunsthauses die Werke der Bauhaus-Lehrer Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Josef Albers und die Werke von Bauhaus-Schülern, wie Albert Hennig, Leo Grewenig und Werner Rohde, präsentiert werden. Der Rundgang beginnt im Obergeschoss.

Unterstützt wird die Schau von der Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen, durch die Kreissparkasse Nordhausen und auch seitens der Sparkassen-Versicherung. Die Leihgaben aus der Sammlung Sundermann, Sundermann Fine Art Galerie in Würzburg, werden in dieser Ausstellung noch ergänzt durch Werke aus unserer städtischen Kunstsammlung und durch Werke der Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung.

Eintritt: 6,50 € pro Person, ermäßigt 4,50 €. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt.

Ausstellungsführungen: „Bauhaus mit Rotwein“ Abendliche Ausstellungsführung mit einem Glas Wein am 9. Oktober, 19 Uhr. Weitere Ausstellungsführungen bietet das Kunsthaus am 2. Oktober und 30. Oktober, jeweils um 15 Uhr, an.


Portraitfotos im Königlichen Kurhaus

Perry Wunderlich stellt in Bad Elster aus
Perry Wunderlich Fotografien

»Von Angesicht zu Angesicht« heißt die Schau mit Porträtfotografien von Perry Wunderlich in der Galerie des Königlichen Kurhauses Bad Elster. Der mittlerweile in Saalfeld lebende Fotograf aus der benachbarten Musikstadt Markneukirchen präsentiert damit in Bad Elster seinen fotografischen Blick in die Seele des Menschen. In seinen Portraits spiegeln sich Liebe, Glück und Trauer von Angesicht zu Angesicht als Geschichten aus dem Leben. In den Motiven taucht der Betrachter tief in die Augen von einzigartigen  Menschen und zeichnet somit Bilder voller Leben, die im Augenblick anregen, über das Leben nachzudenken. „Mit den gezeigten Beispielen gelungener, authentischer Portraitfotografie erlaubt die Ausstellung dem Betrachter somit auch einen kleinen Einblick in diese ganz individuellen Geschichten“ freut sich Ausstellungskoordinatorin Ute Gallert von der gesamtverantwortlichen Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft (CVG) und ergänzt: „Die Nähe zum Motiv mag vielleicht das fotografische Herausarbeiten des charakteristischen Wesens der zu Porträtierenden erleichtert haben. Doch jeder Mensch hat seine eigenen Besonderheiten, seine eigene Aura und dies hat Perry Wunderlich ein stückweit sichtbar gemacht, was eben die Kunst seiner Portraitfotografie ausmacht.“

Diese sehenswerte Ausstellung kann nun noch bis 1. November 2019 jeweils von Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr sowie zu den Veranstaltungen im Königlichen Kurhaus besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. www.chursaechsische.de


Auseinandersetzung mit Dörflichkeit und Urbanität

Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde zeigt Werke von Lyonel Feininger
Lionel Feininger Kunsthaus Apolda

Der deutsch-amerikanische Künstler Lyonel Feininger (1871 – 1956) war gerade einmal 16 Jahre alt, als ihn 1887 ein Ozeandampfer über den Atlantik nach Europa und ins wilhelminisch-kaiserliche Deutschland brachte. Er sollte eigentlich Violine studieren, Feininger aber wollte zeichnen. So schrieb er sich zunächst für die Zeichenklasse an der Allgemeinen Gewerbeschule in Hamburg ein und setzte sein Studium dann an der Königlichen Akademie in Berlin fort. Er erwies sich als ein aufmerksamer Beobachter, der mit wenigen Strichen Situationen und Charaktere treffend einzufangen verstand und bald Aufträge als Karikaturist für den „Ulk”, die „Lustigen Blätter” und „Das Schnauferl” bekam. Hier begann seine Karriere als einer der bedeutendsten Künstler der Moderne.

Bereits als Junge hatte er sich in den Straßen seiner boomenden Geburtsstadt New York herumgetrieben und die Menschen in der Stadt, das Treiben in den Häfen am Hudson und East River und den Bau der „Elevated Railroad“ genau beobachtet. Hier entstand seine Faszination für Konstruktion, Architektur und Lokomotiven, die ein Leben lang anhalten sollte. Die Zeiten indes, in denen seine Eltern als Musiker auf Konzertreisen waren, verlebte er bei Farmersleuten auf dem Lande in Connecticut, wo ihm die Natur, Wind und Wetter näher standen. Diese gegensätzlichen Erfahrungen von Stadt-und Landleben prägten ihn und seine Kunst lebenslang. Lyonel Feininger blieb, abgesehen von einigen Aufenthalten in Paris, 50 Jahre lang in Deutschland und verließ es erst 1937, als die Naziherrschaft ihm Leben und Arbeit in Deutschland unmöglich machten. Doch hier entwickelte er sich zu dem berühmten Maler und Zeichner, der erfolgreich in der „Berliner Secession“ ausstellte, 13 Jahre am Bauhaus in Weimar und Dessau tätig war und seine kristalline Malerei entwickelte, die 1911 durch die Begegnung mit dem Kubismus in Paris angestoßen wurde. Die noch mittelalterlich geprägten Städte wie Lübeck oder Lüneburg feuerten seine Inspiration für den „Prisma-ismus“ ebenso an wie die Schiffe und Horizonte in den Badedörfern an der Ostsee in seiner späteren transparenten Lichtmalerei. Besonders aber das Weimarer Land, diese für ihn neue „Alte Welt“, faszinierte ihn, seit er hier 1906 zum ersten Mal seine spätere Frau Julia Berg besuchte. Dörfer wie Oberweimar, Vollersroda und Gelmeroda, die er mit dem Fahrrad erkundete, fesselten seine Phantasie, und vor allem die kleine gotische Dorfkirche von Gelmeroda, die er in unzähligen Naturnotizen und Gemälden festhielt, wurde zum Symbol einer romantisch verklärten Märchenwelt, die er in seine Comic-Strips, seine Gemälde und die frühen „Mummenschanzbilder“ einfließen ließ, die von seltsam überlängten und historisch gekleideten Menschen bevölkert sind. Etwa seit Anfang der 1920er Jahre erschienen Städte und Dörfer im Lichte einer eingefrorenen Weltentrücktheit und Spiritualität. Sie bezeichnen Feiningers romantische Hinwendung zu einer Welt, die durch Massengesellschaft und Industrialisierung vor dem Untergang stand und nur noch in einer illusionären „Traumstadt“ zu finden war. Als Feininger in die USA zurückkehrte, nahm er die imaginären thüringischen Dörfer in seinem Inneren mit, auch als er eine neue Linearität in seiner Malerei entwickelte und sich New Yorker Stadtansichten widmete.

Die Ausstellung Traumstadt – Lyonel Feininger und seine Dörfer untersucht Feiningers intensive Auseinandersetzung mit Dörflichkeit und Urbanität im Kontext zunehmender Industrialisierung und Verstädterung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Präsentiert werden fast 90 Naturnotizen, Zeichnungen, Aquarelle, Druckgrafiken und Gemälde aus den Jahren 1890 bis 1955, die aus internationalen Museen und privaten Sammlungen stammen, etwa der Phillips Collection in Washington, dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York, dem North Carolina Museum of Art, Raleigh, den Harvard University Art Museums, Busch-Reisinger-Museum, Marlborough Fine Arts, London, dem Kirchner Museum Davos, den Staatlichen Museen zu Berlin, den Staatlichen Kunstsammlungen Chemnitz und der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit ca. 160 Seiten.


Bad Elster: Farbe gibt Raum

Kunstausstellung von Absolvent*innen der Akademie Faber-Castell in der KunstWandelhalle / Zu sehen bis 17. November
Faber Castell Kunst

Diese sehenswerte Kunstausstellung präsentiert unter dem Titel »Farbe gibt Raum« interessante Arbeiten von sechs Absolvent*innen der Meisterklasse Bildende Kunst an der renommierten Akademie in Nürnberg/Stein. Dabei liegt die Verbindung der gezeigten, unterschiedlichen künstlerischen Ansätze vor allem in der Definition des künstlerischen Prozesses als Kreativraum für Inspiration, Ausdruckskraft und Visualisierung. Kunst spricht, verbindet und berührt. Kunst prägt, polarisiert und beeinflusst. Damit lebt, färbt und verändert Kunst die Betrachtungsebenen und Sichtweisen. Und darum ist die Kunst so wichtig. Mit diesem gemeinsamen Kunstansatz präsentieren Simone Riedel, Beate Schmutzler, Christine von Tucher, Erika Lindner sowie Peter Berger und Hartmut Natterer ihre Kunstwerke. „Erlebbar ist hier eine Vielfältigkeit in den Ausdrucksformen und  Umsetzungstechniken, von streng geometrisch bis formauflösend, die auf mich kraftvoll, impulsiv, lebensbejahend und positiv wirkt“ erklärt Ute Gallert und führt fort: „Aber die Kunst zeigt sich dabei auch hinterfragend, manchmal konträr oder sich unterschiedlich ergänzend. Dadurch wir dieser Kunstraum bunt, so wie diese Welt und wie diese Gesellschaft – geben wir ihr den Raum, auf dass sie bunt bleiben möge!“ Die Akademie Faber-Castell in Stein bei Nürnberg ist eine Bildungseinrichtung mit Weiterbildungsangeboten und Studiengängen in den Bereichen Design, Bildende Kunst, Literarisches Schreiben sowie für kulturwissenschaftliche und kreativitätstherapeutische Fächer. Die Akademie wird von dem Unternehmen Faber-Castell getragen. Sie ist eingebunden in das internationale Netzwerk der Faber-Castell Gruppe sowie zahlreiche Partnerorganisationen im In- und Ausland.

Diese interessante Ausstellung kann bis zum 17. November 2019 jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 14.00 bis 17.30 Uhr sowie an den Wochenenden und an Feiertagen zusätzlich von 09.30 Uhr bis 12.00 Uhr sowie zu den Veranstaltungen in der KunstWandelhalle Bad Elster besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. www.kunstwandelhalle.de

Das Foto zeigt Christine von Tucher / Foto: Bernd Ratzke


Neue Heimat in Jena

In den letzten Monaten wurde das FORUM KONKRETE KUNST schrittweise von Erfurt nach Jena überführt, gesichtet und aufgearbeitet und wird nun in einer ersten Auswahl bis 20. Oktober der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das FORUM KONKRETE KUNST ist eine Sammlung von rund 150 Kunstwerken der Konkreten Kunst von knapp 100 Künstlern aus 15 Ländern, die von 1993 bis 2018 in der Klosterkirche St. Peter und Paul auf dem Erfurter Petersberg beheimatet war. Von Beginn an ging der Gedanke eines „Forums“ weit über das Ausstellen von Kunstwerken hinaus und intendierte Austausch, Begegnung und Auseinandersetzung mit einer Welt, die nach der deutschen Wiedervereinigung weit und offen war. Neben einer permanenten und sich wandelnden Ausstellung von Dauerleihgaben der Künstler fand man hierfür in den jährlich stattfindenden Symposien das passende Veranstaltungsformat. Kunsthistoriker, Künstler, Naturwissenschaftler oder auch Philosophen hielten Vorträge und regten zu Diskussionen an. Die Ergebnisse der Symposien wurden in einer Schriftenreihe publiziert und sind Zeugnis einer langjährigen, engagierten Arbeit mit der Sammlung. Durch die geplante Umnutzung der Klosterkirche St. Peter und Paul kam es schließlich im November 2016 zur Schließung der Ausstellung.

Der allseitige Wunsch, das FORUM KONKRETE KUNST im Freistaat Thüringen zu erhalten, mündete schließlich in einen gestaffelten Prozess, dessen Abschluss die Beheimatung der Sammlung in Jena ist. Für diese Wahl spricht nicht nur die aktuelle, offene und internationale Ausrichtung der Universitätsstadt, die sich auch im Ausstellungsprogramm der städtischen Kunstsammlung widerspiegelt, sondern auch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Es war Theo van Doesburg, der 1924 den Begriff der „Konkreten Kunst“ einführte und der während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus im Leiter des Jenaer Kunstvereins, Walter Dexel, einen seiner engsten Verbündeten fand. Die Freundschaft mit Walter Dexel war bis zum Ende der Weimarer Republik ein Nährboden für ein Ausstellungsprogramm, das den neuen Richtungen der Kunst – von der Abstraktion bis zu gegenstandsfreien, geistigen Manifestationen – sehr aufgeschlossen begegnete. Nirgendwo sonst in Mitteldeutschland gab es zu dieser Zeit, noch während der „Geburt“ der konkreten Kunst, eine solche Hinwendung zu dieser Art von moderner Kunst. Dass Walter Dexel hierfür kaum Lob aber viel Kritik erntete, überrascht kaum und gleicht den „Kämpfen“ um den Expressionismus, als dieser in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg das Jenaer Ausstellungsprogramm dominierte.

Für die Ausstellung wurde die Sammlung neu sortiert und wird in einer Form präsentiert, die ausgewählten Arbeiten Raum gibt und der Fülle der Sammlung gerecht wird. Perspektivisch soll die Sammlung FORUM KONKRETE KUNST als Konvolut der Kunstsammlung Jena bearbeitet, gepflegt und in temporäre Ausstellungen einbezogen werden.


humboldt4: Altenburg und die Welt

Vier Ausstellungen in vier Museen des Altenburger Landes
Humboldt Altenburger Land

2019 jährt sich der Geburtstag Alexander von Humboldts (1769–1859) zum zweihundertfünfzigsten Mal. Auf der ganzen Welt finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt, um an den Forschungs-reisenden und Naturwissenschaftler zu erinnern. Alexander von Humboldt zog seine Zeitgenossen mit seinen fesselnden Berichten von fernen Ländern in den Bann, seine naturwissenschaftlichen Forschungen regten zur Nachahmung an. Der Einfluss des großen Gelehrten reichte bis in die kleinsten deutschen Staaten und Städte. Bürger wie Regenten fühlten sich angespornt, mit der neuen Welt in Austausch zu treten, Sammlungen anzulegen, diese zu erforschen, zu zeichnen und zu publizieren. Im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg standen Franz Xaver von Zach und Bernhard August von Lindenau mit Alexander von Humboldt in direktem Austausch. Sie lieferten Karten für Humboldts Reisewerk und Lindenau schmiedete gar Pläne für eine Forschungsreise, die er mit Humboldt gemeinsam unternehmen wollte.

Die Museen des Altenburger Landes nehmen in einer gemeinsamen Ausstellungsreihe das Leben Alexander von Humboldts und sein Wirken auf die Region in den Blick. Dabei wird deutlich, dass alles mit allem in Zusammenhang steht und Humboldt immer wieder den Mittelpunkt bildet. Von ihm wurden nicht nur bedeutende Wissenschaftler der Region, wie Alfred Brehm oder Anton Goering, inspiriert, sondern auch die Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes und der Herzog von Sachsen-Altenburg. Die Ausstellungen in den Altenburger Museen und im Museum Burg Posterstein fassen das Wissen um den Universalisten und die auf sein Vorbild zurückgehenden Forschungen zusammen und erlauben einen naturwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Spaziergang durch die Region.

NATURKUNDEMUSEUM MAURITIANUM - Sammeln und Forschen im Geiste Humboldts - bis März 2020

RESIDENZSCHLOSS ALTENBURG - Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas:  Adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts - bis 3. November 2019

LINDENAU-MUSEUM ALTENBURG - humboldt4 - Altenburg und die Welt – bis 1. Januar 2020

MUSEUM BURG POSTERSTEIN - „Wem Gott will eine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“ – Aus Schönhaide nach Südamerika: Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Göring  - 1. September bis 17. November 2019

 


zur nachahmung empfohlen!

Finissage der internationale Ausstellung in Erfurt am 22. September
ZNE! Ausstellung Erfurt

Initiiert vom Beirat zur Nachhaltigen Entwicklung in Thüringen, unterstützt vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz und der Landeshauptstadt Erfurt, macht das vielfach ausgezeichnete Ausstellungsprojekt zur nachahmung empfohlen! expeditionen in ästhetik und nachhaltigkeit | ZNE! Station im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken und im Augustinerkloster Erfurt. Bis zum 22. September präsentiert Kuratorin Adrienne Goehler über 70 nationale und internationale Exponate aus Kunst, Wissenschaft, Film und Architektur. Die umfassende Ausstellung in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken und im Augustinerkloster wird begleitet von einem Dialogprogramm für alle Generationen. Regionale Unterstützung erfährt die Ausstellung durch die Erfurter Ko-Kuratorin Susanne Knorr und die Thüringer Künstler*innen Konstantin Bayer, Enrico Freitag, Michal Schmidt, Tonia Schmitz und Linda Schumann, und dem Künstlerduo Kaneko und Welz. ZNE!, als Wanderausstellung konzipiert, zeigt internationale künstlerische und erfinderische Praktiken mit alltagskultureller Relevanz; bei jeder neuen Expedition werden die Eigenheiten der lokalen, künstlerischen, wissenschaftlichen und der umweltaktivistischen Kompetenz eingeflochten. 2010 in Berlin gestartet, tourt ZNE! seither weltweit. Äthiopien, Brasilien, Chile, China, Indien, Mexiko und Peru waren unter den inzwischen 17 Stationen. 

In den vergangenen neun Jahren hat sich ZNE! zu einem globalen Inspirationsquell für die großen Fragen der Gegenwart entwickelt. „ZNE! präsentiert künstlerische Praktiken, in denen sich Erfahrungen und Arbeitsweisen von Umweltinitiativen mit Herangehensweisen von Künstler*innen verbinden“, so Kuratorin Adrienne Goehler, „und es gibt künstlerischen Positionen Raum, die sich mit ökologischen Themen wie erneuerbare Energien, Klimawandel, Re-/Upcycling und nachhaltiges Wirtschaften auseinandersetzen.“ 

Sonntag, 22.9., 14:00 – 16:30 Uhr - Finissage - Gespräche unter dem Feigenbaum: »Wachsen oder Innehalten – Wie werden wir in Zukunft leben?« Diskurs mit Adrienne Goehler, Kuratorin, Prof. Dr. Maja Göpel, Politökonomin und Dr. Peter Heller, Zukunftsforscher In Zusammenarbeit mit ThEEN e.V. und ACHAVA Festspiele Thüringen

Ausstellungsorte: Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken (mit Vorderhaus Michaelisstr.10) sowie Augustinerkloster, Augustinerstraße 10, 99084 Erfurt

www.z-n-e.info www.kunstmuseen.erfurt.de


In den Wohnzimmern der Ostdeutschen

FLOHBURG Das Nordhausen Museum präsentiert bis 30. November Fotografien von Christian Borchert
Flohburg Museum Nordhausen

Die Sonderausstellung in unserem stadthistorischen Museum FLOHBURG zeigt eine Auswahl der berühmten Familienporträts von Christian Borchert aus den Jahren 1974 – 1994. Christian Borchert fotografierte seine ersten „Familienbilder“ in den 70er Jahren. 1982-1985 entstand nach einem wohlüberlegten Konzept eine umfangreiche Serie, in der er als gewissenhafter Chronist mehr als 130 Familien in verschiedenen Regionen der DDR aus unterschiedlichen sozialen Milieus und Berufen in ihrem heimischen Umfeld porträtierte. Mimik, Gestik, Habitus, Kleidung, Ambiente sowie ergänzende Angaben zu den ausgeübten Berufen charakterisieren Familien unterschiedlichster sozialer Milieus und laden zu Vergleichen ein. 1993 besuchte er viele Familien ein zweites Mal und fotografierte sie – nach dem Untergang der DDR – erneut.

So eröffnet sich die Gesamtschau von Borcherts legendären Familienporträts das Panorama einer vergangenen Zeit. Die Fotografien sind, wie es Borchert absichtsvoll wollte, Dokumente seiner fotografischen Annäherung an die Wirklichkeit ohne Übertreibung und Effekte und zugleich einzigartige Zeugnisse der Geschichte. Eine Ausstellung ist eine Kooperation mit meinhardt medien Berlin, der Deutschen Fotothek Dresden und dem Lehmstedt Verlag Leipzig anlässlich 30 Jahre „Friedliche Revolution“.

Foto: ©Deutsche Fotothek, Christian Borchert

flohburg@nordhausen.de


Farbharmonie als Ziel

Angermuseum Erfurt zeigt bis 6. Oktober: Adolf Hölzel auf dem Weg zum Ungegenständlichen
Angermuseum Erfurt Adolf Hölzel

Der Künstler Adolf Hölzel (1853-1934) zählt zu denfrühen Protagonisten der Abstraktion undWegbereitern der Malerei der Moderne. Mit über 100 Exponaten, darunter 28 erstmalig präsentierten Werken, bietet die Ausstellung einen Einblick indie faszinierende künstlerische Vielfalt seines Œuvres. Vom Realismus und Impressionismus der frühen,im Umkreis der Künstlerkolonie Dachau entstandenen Bilderentwickelte Hölzel seine Kunst stetig weiter bis hin zu den farbkräftigenabstrakten Kompositionen seines Spätwerks, auf denen ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt. Wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation war Hölzels Schaffen von einer beständigen Lust am experimentellen Erweitern der künstlerischen Mittel und der sensiblen Reflexion über die Gesetzmäßigkeiten bildnerischen Schaffens geprägt. So erkannte Hölzel als einer der ersten Künstler das Unbewusste als Potenzial  für die bildende Kunst und entwickelte lange vor den Surrealisten ab 1898 eine eigene Form des automatistischen, gegenstandslosen Zeichnens. Als Pionier der Abstraktion wurde Adolf Hölzel zu einem der einflussreichsten Lehrer seiner Zeit. Zu seinen Schülern an der Stuttgarter Kunstakademie gehörten unter anderen Oskar Schlemmer, Ida Kerkovius, Johannes Itten und Willi Baumeister. Nach dem Ende seines akademischen Lehrberufs konzentrierte sich Hölzel auf das Pastell und steigerte mit diesem Medium die Farbigkeit seiner abstrakten Kompositionen zu intensiver Leuchtkraft und Lebendigkeit.

Dievom Museum Georg Schäfer in Schweinfurt übernommene Ausstellung folgt deneinzelnen Entwicklungsschritten von Adolf Hölzels Schaffen und macht das erstaunlich weite Spektrum seines Werks sichtbar. Dazu zählen sowohl Pastelle, Ölbilder, Collagen und Glasfenster als auch seine sogenannten Schriftsockelbilder und die bisher als bloße Fingerübungen betitelten Tuschzeichnungen. Zahlreiche Originaldokumentegeben Einblick in das Leben und Denken dieses bedeutenden Erneuerers der Malerei.

Zur Ausstellung ist im Wienand Verlag ein Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen und Beiträgen namhafter Wissenschaftler erschienen. (164 S.)

Abbildung: Adolf Hölzel (1853-1934), Ohne Titel, um 1925, Bleistift und Pastell auf Velours, 30,5 x 40 cm, Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart - Foto: Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart


Akt trifft Rumänien

Richert meets Riecher. Sonderausstellung bis 10. November im Städtischen Museum Zeulenroda
Rudolf Richard
Michael und Annett Rischer

Die gemeinsame Sonderausstellung vereint bekannte Fotokünstler unserer Region. Der Fotograf Rudolf Richert und die Fotojournalisten Micheal und Anett Rischer erschaffen in dieser Schau ein eindrucksvolles fotografisches Spannungsfeld. Während sich Rudolf Richert mit der Ästhetik der Aktfotografie beschäftigt, verbildlicht das Ehepaar Rischer die Schönheit rumänischer Landschaften und schaut auf die Gesichter dieses noch immer geheimnisvollen Landes. Die Ausstellung lebt von der klaren Auseinandersetzung zwischen Schwarz-Weiß-Fotografie und Farbaufnahmen. Die zunächst augenscheinlichen Gegensätze ziehen sich an, ergänzen einander und entwickeln für den Betrachter einen ganz eigenen Reiz. 

Großes Foto: Rudolf Richert, Auf Omas Dachboden

Kleines Foto: Michael und Anett Rischer, Kirchenburg Viscri (Rumänien)


Kay Voigtmann im Geraer Kunstverein

"Nachhut" - Ausstellung bis zum 28. September
Kay Voigtmann

Von Thomas Bender  Kay Voigtmann ist nach Erik Buchholz und Joachim B. Schulze bereits der Dritte im Bunde, dem der Kunstverein Gera in diesem Jahr anlässlich seines 50. Geburtstages eine Ausstellung ausrichtet. Damit bildet er sprichwörtlich die Nachhut, die der aktuellen Schau den Titel gibt. Mit dem Namen Voigtmann verbindet sich ein Arsenal an skurrilen, fast grotesken Wesen, die vorwiegend kleinformatige Papiere besiedeln und zahlreiche Bücher illustrieren. Trotz ihrer Vielgestaltigkeit zeichnen sie sich durch einen hohen Wiedererkennungswert aus und setzen sich unwillkürlich im Bildgedächtnis des Betrachters fest. Doch nicht nur in seinem Formfindungen wandelt Voigtmann auf ganz eigenen Pfaden. Auch die Art und Weise, wie er diese zu Papier bringt, ist ungewöhnlich, wenn er die Figuren zunächst auf handelsübliches Packpapier zeichnet, anschließend ausschneidet, um sie danach auf Transparent- oder Büttenpapier zu kleben, wo sie ihr endgültiges Habitat finden. Die Technik der Collage führt dazu, dass die Figuren stärker von ihrer Umgebung entrückt wirken, als passten sie nicht so recht hinein in die Welt, in der sie der Künstler gesetzt hat. Somit harren sie der Dinge, die da auf sie zukommen mögen, stets ein wenig skeptisch, verunsichert und leicht derangiert. Man darf also gespannt sein, auf das, was sich ab Ende August in den Räumlichkeiten des Kunstvereins Gera tummelt, seien es Begegnungen mit alten Bekannten oder Neuzugänge aus dem Voigtmannschen Universum.

Der Kunstverein lädt alle Interessierten zur Vernissage der Ausstellung am Donnerstag, den 29.8.2019 um 19.30 Uhr in die Räume am Markt 8/9 ein. Die Ausstellung kann vom 30.8. bis zum 28.09.2019 jeweils von Donnerstag bis Samstag zwischen 15.00 und 18.00 Uhr und nach Vereinbarung besucht werden. 

Abbildung: Kay Voigtmann, Igelkämmer, 2019, Handzeichnung

Öffnungszeiten: Do – Sa, 15-18 Uhr oder nach Vereinbarung

 


Kunsthalle Erfurt: Werke von Arik Brauer

ARIK BRAUER. FANTASTISCH-REALISTISCH. EIN LEBENSWERK / Zu sehen bis 27. Oktober
Kunsthalle Erfurt Arik Brauer

Im Januar 2019 feierte der österreichische Künstler Arik Brauer seinen 90. Geburtstag.  Anlass, in einer umfassenden Ausstellung auf das besondere bildnerische Werk dieses Künstlers hinzuweisen. Die Kunsthalle Erfurt widmet - im Rahmen der ACHAVA Festspiele 2019 – seinem Lebenswerk eine umfangreiche Ausstellung mit etwa 100 Gemälden, Aquarellen, Graphik und Zeichnungen aus verschiedenen Jahrzehnten des Schaffens aus dem Arik-Brauer-Museum in Wien. Es ist die einzige Ausstellung in Deutschland zum Werk von Arik Brauer in diesem Jahr.

Die Ausstellung stellt mit Arik Brauer einen Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus vor. Aber auch einen Künstler, Musiker, Autor, der in seinem Werk die jüdisch-biblischen Wurzeln seiner Familie ebenso verarbeitet wie Themen und Geschichten der muslimischen Welt, der in seinem Gesamtwerk stets für interkulturelle Verständigung und die Menschenrechte eingetreten ist. Dieses Engagement nicht nur als Künstler, sondern auch als kultureller Brückenbauer, soll hervorgehoben werden.

Arik Brauer ist ein Wiener Künstler mit jüdischen Wurzeln, der als Kind der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nur knapp entging. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und Gesang an der Musikschule der Stadt Wien. Gemeinsam mit Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden begründete er die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, als deren einer der Hauptvertreter er seit 1960 gilt. Er lebt in Wien und bei Haifa.

„In meiner Malerei gibt es keinen wirklich totalen Bruch mit der sogenannten Wirklichkeit. Ich bringe meine Phantasiewelt über Schleichwege ein, aber frei erfundene Gebilde behalten einen wahren Realitätsanspruch. Sie könnten existieren oder sie werden vielleicht einmal existieren." Arik Brauer

Abbildung: Arik Brauer, In Würde, 2008, Öl auf Hartfaserplatte, (c)Arik Brauer, Wien/Sebastian Gansrigler


Unter fremden Menschen

Das Panorama Museum Bad Frankenhausen zeigt bis zum 3. November die Sonderausstellung Werner Tübke. Von Petersburg bis Samarkand
Werner Tübke Panorama Museum Bad Frankenhausen

Am 14. September jährt sich nicht nur die Eröffnung des Panorama Museums zum dreißigsten Mal, Werner Tübke hätte am 30. Juli auch seinen neunzigsten Geburtstag gefeiert. Ein Grund mehr, ihn mit einer Sonderausstellung zu ehren, die zum ersten Mal in aller Komplexität Werner Tübkes Reisen in die Sowjetunion in den Blick nimmt. Gezeigt werden rund 140 Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen, Bilder von Land und Leuten wie auch Reflexionen über die Geschichte der Sowjetunion und die russische Literatur, die durch die Reisen erst angeregt wurden und das Erlebte in einen größeren Sinnzusammenhang bringen. Von März 1961 bis März 1962 durchquerte Werner Tübke die Sowjetunion im Rahmen einer Studienreise. Vom europäischen Norden bis in die zentralasiatischen Republiken legte er mit seiner damaligen Frau Angelika auf dem Landweg und in der Luft fast 14.000 Kilometer zurück. 1976 kehrte er im Zuge der Vorbereitungen zum Monumentalgemälde in Bad Frankenhausen nach Moskau zurück, 1977 konnte er den Kaukasus noch einmal bereisen und auch in den 1980er Jahren hatte er mehrmals Gelegenheit, die Sowjetunion zu besuchen. Schon 1961/62 fertigte Tübke zahllose Zeichnungen und Aquarelle an, die durch ihre dichte, altmeisterliche Ausführung gekennzeichnet sind. In unmittelbarer zeitlicher Folge schuf er dann unvergessliche Gemälde, die in märchenhafte Welten entführen, und ab 1966 übersetzte er seine Motive in die Radierung und die Lithografie. Die Eindrücke, die er in der Sowjetunion gewonnen hatte, ließen ihn zeitlebens nicht mehr los und finden in seinen Werken bis kurz vor seinem Tod im Jahre 2004 Widerhall. Ein anderer, ein neuer Werner Tübke begegnet uns und nimmt uns mit auf seine Reise. (Johanna Huthmacher)

Abbildung: Werner Tübke, Winter bei Leningrad, 1961, Aquarell, 17,8 x 23,8 cm, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Frankfurt (Oder) © VG Bild-Kunst Bonn, 2019

www. panorama-museum.de


Bauhaus und Bürgel

Die wechselseitigen Beziehungen der Dornburger Werkstätten und der Töpferstadt / Keramik-Museum Bürgel zeigt Sonderausstellung bis 29. September 2019
Bauhaus-Werkstatt-Museum Dornburg

Die Bauhaus-Keramik hat ihre Wurzeln maßgeblich in der Bürgeler Töpfertradition. Später, in den 1930-er und -40er Jahren finden sich deutliche Parallelen zwischen den Produkten der Dornburger Lindig-Werkstatt und den führenden Bürgeler Keramikern. 

Der Bauhaus-Werkmeister Max Krehan erhielt seine Lehre nach den Vorgaben der Bürgeler Töpferinnung und steht mit seinen frei auf der Töpferscheibe gedrehten Gefäßen streng in der Bürgeler Handwerkstradition. So fußte auch Ausbildung der Bauhäusler durch Krehan tief in der Bürgeler Töpferei. Das Erlernen der handwerklichen Fähigkeiten, des Material- und Formverständnisses geschieht durch die vielfache Wiederholung der Herstellung des gleichen, von Krehan vorgegeben Gefäßes. Die ersten wichtigen Bauhausarbeiten sind so Gefäße nach Bürgeler Muster, denen Marcks und seine Schüler eigene Dekore hinzufügen. Die Bauhaus-Keramik schlägt sich mit ihren Ideen hingegen in Bürgel zunächst kaum nieder.  Erst in den folgenden Jahrzehnten entdeckt man in Bürgel die schlichte Funktionsästhetik der Dornburger Töpferei. So findet sich nun Bürgel vieles aus dem Formenschatz und den Dekoransätzen von Otto Lindig, welcher die Bauhaus-Töpferei weiterführte.  Durch seine handwerklich bis zur Perfektion ausgearbeiteten, gedrehten Keramiken widerfuhr ihm national wie international große Resonanz. Wenn nicht direkt, so werden doch  gemeinsame  Teilnahmen an Messen und die Kenntnis seines Schaffens als Inspirationsquelle für die  Bürgeler Werkstätten gedient haben. Von dem gemeinsamen Gestaltungsverständnis zeugen zahlreiche Stücke. Eine besondere Rolle spielt die Bauhaus-Keramik dann in den 1980-er und -90er Jahren in der Bürgeler Lehrwerkstatt der Kunsthochschule Burg Giebichenstein.  Unter der Anleitung des Töpfermeisters Wolfgang Philler dienen die Bauhaus-Formen als Ausbildungsgegenstand für die Studenten.

In der Sonderausstellung „Bauhaus und Bürgel“ zeigt das Keramik-Museum eine Auswahl interessanter keramischer Gefäße, welche diese Zusammenhänge in Form und Gestalt verdeutlichen und lädt auch den Besucher zum Finden dieser Parallelen ein!  Öffnungszeiten: Di-So 11-17 Uhr

Bauhaus-Werkstatt-Museum Dornburg

In Dornburg zeigt ein neues Museum einzigartiges! Das Bauhaus-Werkstatt-Museum (ent)führt die Besucher in die letzte am authentischen Ort erhaltene Werkstatt des Bauhauses. Im Marstall der Dornburger Schlösser befand sich von 1920 bis 1925 unter Leitung des Formmeisters Gerhard Marcks mit der Töpferei zudem die einzige außerhalb Weimars gelegene Werkstatt der berühmten Kunst- und Designschule. Die kontinuierliche Weiternutzung der Töpferei, zunächst unter Leitung des Bauhäuslers Otto Lindig und ab 1949 durch die Keramikerfamilie Körting, hat dazu geführt, dass viele Teile der originalen Ausstattungen erhalten geblieben sind und nunmehr das einstige Marstallgebäude als einen Ort von großer Authentizität werden lässt und ein neues Verständnis für das Wirken des Bauhauses entstehen lässt. Die Besucher erhalten durch die zwei großen Werkstatträume einen lebendigen Eindruck der Arbeitsatmosphäre in der damaligen Bauhaus-Töpferei. Der einstige ,,Drehraum‘‘, in dem die Bauhäusler im freien Drehen auf der Töpferscheibe markante Gefäße in klar strukturierten geometrischen Formen schufen, gibt zusätzliche Informationen zu den Biografien, Arbeits- und Lebensumständen der Werkstattangehörigen. Der zweite Werkstattbereich vermittelt mit den zwei Großobjekten, der originalen Gipsdrehscheibe Otto Lindigs und Theodor Boglers, sowie der Tonaufbereitungsanlage eine der wichtigsten, produktionsbezogenen Zäsur der Ausrichtung der Bauhausproduktion: der Hinwendung von dem Drehen auf der Scheibe zur Herstellung im Gießverfahren – vom kunstgeprägten, individuellen Handwerksstück zum Designentwurf für die serienmäßige, industrielle Produktion. 

Im modernen Anbau erfahren die Besucher vieles über die Bauhaus-Ära aber auch über die folgenden Nutzungsphasen. Anhand vieler keramischer Objekten, Grafiken und Gemälden, Fotomaterial, sowie zeithistorischen Dokumenten wird ein breiter Einblick in die Geschichte und das Werk der Keramiker im Marstall gegeben. Neben den großen Bauhaus-Schauplätzen Weimar, Dessau und Berlin erlebt man hier in Dornburg den Mikrokosmos, das Experimentieren, das Arbeiten – den Weg und das Leben, das letztendlich die Bauhaus-Idee so wirkmächtig und zukunftsprägend werden ließ. Multimediale Installationen und ein museumspädagogischer Bereich (nicht nur) für Kinder bieten einen weiteren Zugang zur einstigen Bauhaus-Töpferei.

Für Besuchergruppen besteht die Möglichkeit, nach vorheriger Terminvereinbarung, geführte Besichtigungen der Werkstatt durchzuführen. Anfragen diesbezüglich bitte rechtzeitig telefonisch oder via Mail richten an 036692-37333 / verwaltung@keramik-museum-buergel.de

Bauhaus-Werkstatt-Museum Dornburg, Max-Krehan-Straße 1, 07774 Dornburg-Camburg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr

 


Tessenow-Bauten in Pößneck - undogmatisch modern

Stadt erinnert bis 10. November an den Reformarchitekten
Pößneck Sonderausstellung Tessenow

Werteorientiert und mit einer provozierenden Einfachheit – so könnte man den Architekturstil Heinrich Tessenows (1876–1950) beschreiben. Vom 18. Mai bis 10. November dieses Jahres erinnert die Stadt Pößneck anlässlich von 100 Jahren Bauhaus an den Reformarchitekten. Denn in Pößneck finden sich die umfangreichsten gebauten Zeugnisse Tessenows, der sich insbesondere auch dem Kleinwohnungsbau zuwandte. 

Sonderausstellung im Museum642

Unter dem Titel „Handwerk und Kleinstadt. Architektur der Moderne in Pößneck 1920 bis 1923“ widmet sich eine Sonderausstellung im Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte dem Wirken des Architekten. Pößneck kam dem Ideal der Kleinstadt nahe, in der Tessenow gegenüber dem Dorf und der Großstadt die größte soziale Stabilität, eine solide wirtschaftliche Basis mit dem Anspruch an Kultur und Bildung verbunden sah. Die dokumentarische Ausstellung stellt Personen und Pößnecker Projekte vor und ordnet sie in wichtige Leitlinien des Werks Tessenows ein, wie das Festspielhaus der Gartenstadt Hellerau bei Dresden oder die Umgestaltung der Schinkelschen Neuen Wache in Berlin. Geöffnet hat die Sonderausstellung zu den Museumsöffnungszeiten: Montag, Dienstag, Freitag, Samstag von 11 bis 16 Uhr, Donnerstag von 11 bis 18 Uhr sowie Sonntag von 13 bis 17 Uhr. 

Schauwohnung Tessenow – Wohnkultur um 1920

Für Pößneck sind über 80 Gebäudeentwürfe Heinrich Tessenows vom Beginn der 1920er Jahre überliefert. 75 dieser Gebäude wurden realisiert, 74 davon sind noch vorhanden, verteilt auf drei Siedlungen und verschiedene Einzelbauten. Eines dieser Objekte kann nun temporär als Schauwohnung besichtigt werden: In der Neustädter Straße 101 wird der Besucher in die Wohnkultur um 1920 zurückversetzt. 

Die Entdeckung der originalen, reichhaltig gestalteten und farbintensiven Wandfassungen im Haus im Frühjahr 2017 war eine große Überraschung sowie ein über Thüringen hinaus seltener und neuartiger Befund in einem bescheidenen Wohngebäude aus der Krisenzeit der 1920er Jahre. Das Ausstellungskonzept wurde als Abschlussarbeit an der Fachhochschule für Innenarchitektur in Lugano in der Schweiz geplant. Im Mittelpunkt steht dabei die Vermittlung der restaurierten Wohnung, in der sowohl originale Tessenow-Möbel als auch Möbel-Rekonstruktionen gezeigt werden. Die Schauwohnung kann jeweils Samstag und Sonntag von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Themenroute

Auch nach Ausstellungsende lässt sich Tessenow in Pößneck entdecken. Die Themenroute „Architektur der Moderne – Heinrich Tessenow in Pößneck“ lädt zum eigenen Erkunden ein: Wo haben sich Absichten und Handschrift des Architekten sichtbar erhalten? Wo und in welchem Ausmaß sind nutzungsbedingte Veränderungen deutlich? Und wer lieber mit fachkundiger Begleitung unterwegs sein möchte, dem sei die thematische Stadtführung zu Heinrich Tessenow empfohlen, buchbar über die Stadtinformation Pößneck. 

Abbildung: Schauwohnung Tessenow / Foto: Elia Schneider


Frank Kunert zeigt im Greizer Sommerpalais: Verkehrte Welt

Ausstellung bis 13. Oktober im Gartensaal des Sommerpalais
Frank Kunert Privatsphäre Greiz Ausstellung Sommerpalais

Frank Kunerts skurrile Bilder und Objekte erzählen von den Abgründen des Lebens. Seine Modelle sind Spiegelbilder unserer Sehnsüchte, Ängste und Nöte. Sie führen uns die Absurdität des Alltäglichen vor Augen: Die grotesken Versuche, unser Leben einzurichten, das Aussterben alter Traditionen, das Scheitern in der kleinteiligen Planung. Dies gelingt über eine unerwartete ironisch-satirische Brechung ins Absurde, bringt aber dennoch Erkenntnisgewinn und regt zum Weiterdenken und zu Diskussionen an. Und wenn die Pointe zündet, darf man auch lachen.

Abbildung: Frank Kunert, Privatspäre


Chinesische Keramik & Porzellan auf der Leuchtenburg

34 spektakuläre chinesische Keramik- und Porzellangefäße aus Privatsammlung zu sehen – ältestes Stück ist 7000 Jahre alt
Leuchtenburg Chinesisches Porzellan

„Was Kevin Costner kann, das kann ich toppen…“, dachte sich der in Rheinland-Pfalz lebende Privatsammler chinesischer Keramiken und Porzellane, Wolfgang Nolting. Inspiriert durch die Schenkung einer wertvollen Ming-Schale durch den Hollywood-Star Kevin Costner, griff der Südpfälzer aus Jockgrim, kurzerhand zum Telefon, sprach mit der Museumsdirektorin und schenkte den Porzellanwelten Leuchtenburg in den vergangenen Jahren nicht weniger als 34 kostbare Gefäße aus seiner Sammlung. Die Stücke sind ab sofort in den Porzellanwelten Leuchtenburg zu bestaunen.

Der Hollywood-Star Kevin Costner hatte der Stiftung Leuchtenburg im Jahr 2014 im Rahmen einer außergewöhnlichen Aktion höchstpersönlich eine kostbare Schale aus der kaiserlichen Ming-Dynastie überreicht. Die spektakuläre Schenkung ging damals breit durch die Medien. Als Nolting davon erfuhr, wusste er, dass auch seine Stücke in den Porzellanwelten gut aufgehoben sein würden und nahm Kontakt mit der Leuchtenburg auf. Überzeugt hatte den Porzellan-Kenner letztlich das besondere Konzept der Porzellanwelten. Museumsdirektorin Dr. Ulrike Kaiser ist hellauf begeistert: „Wir sind außerordentlich glücklich über diesen wertvollen Zuwachs in unserer Porzellansammlung und fühlen uns geehrt, dass wir diese einzigartigen Stücke nun in unserer Ausstellung präsentieren dürfen. Mit den ausgestellten Exponaten können wir der Öffentlichkeit nun erstmals die Gefäßentwicklung im Ursprungsland der Porzellan-Herstellung vor Augen führen.“
Zu den 34 Exponaten zählen absolute Kostbarkeiten, darunter ein sogenanntes „Kendi“ aus dem 16. Jahrhundert. Es stammt aus der Ming-Dynastie und war vermutlich ein Zeremonialgefäß. Ebenso spektakulär: eine über 4000 Jahre alte Schöpfkelle mit Bemalung aus der spätneolithischen Majiyao-Kultur. Das älteste Exponat, eine außergewöhnlich gut erhaltene Amphore aus der Banpo-Kultur, ist 7000 Jahre alt. „Sie ist jetzt das älteste Stück überhaupt in unserer Sammlung“, sagt Ulrike Kaiser voller Stolz.

Die 34 spektakulären chinesischen Porzellan- und Keramikgefäße werden in einem eigenen Ausstellungsbereich präsentiert und sind ab sofort für die Besucherinnen und Besucher in den Porzellanwelten Leuchtenburg zu sehen.  

Zum Foto: Chinesisches Schaumagazin - Direktorin Dr. Ulrike Kaiser platziert die historischen Stücke


Haeckels Wasserwesen

Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“ im Phyletischen Museum der Universität Jena
Phyletisches Museum Jena

Jena (US/FSU) Anlässlich des 100. Todestages von Ernst Haeckel präsentiert das Phyletische Museum der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“. Bis Ende 2020 werden über 200 lebensechte Medusen-Modelle, Original-Präparate, Fotos, Videos und Zeichnungen von Ernst Haeckel, dem Begründer des Museums, im „Medusensaal“ zu sehen sein.

Im Meeresaquarium mit 200 Ohrenquallen

Abtauchen in eine faszinierende Unterwasserwelt, das können die Besucher des Phyletischen Museums der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Sonderausstellung, die der wohl liebsten Tiergruppe von Ernst Haeckel gewidmet ist: den Medusen – oder auch Quallen. Zu sehen ist unter anderem eine einem Meeresaquarium nachempfundene Vitrine mit rund 200 Ohrenquallen. Allerdings handelt es sich bei diesen nicht um lebende oder präparierte Tiere, sondern um lebensechte Modelle aus Kunstharz. Die dänische Firma „10 Tons“ ist auf naturgetreue zoologische und botanische Modelle sowie paläontologische Rekonstruktionen spezialisiert und hat die Modelle in Kooperation mit Wissenschaftlern des Phyletischen Museums eigens für diese Ausstellung produziert. Neben dem Ohrenquallenschwarm zeigt die Ausstellung weitere Medusen-Modelle und stellt diese über 100 Jahre alten Glasobjekten der berühmten Glaskünstler Leopold und Rudolf Blaschka gegenüber. Außerdem werden Fotografien und Videos des Meeresbiologen Alexander Semenov zu sehen sein sowie bisher kaum gezeigte Objekte aus der eigenen Sammlung des Phyletischen Museums. „Wir wollen zeigen, was Ernst Haeckel so sehr an den Medusen fasziniert und wie er mit ihnen gearbeitet hat“, erläutert Museumsdirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Martin S. Fischer. Auch die Rolle von Medusen in Ökosystemen werde beleuchtet.

Haeckels künstlerische Auseinandersetzung mit den Medusen

Im Fokus stehe aber nicht nur Haeckels wissenschaftliche Arbeit, sondern auch seine künstlerische Auseinandersetzung mit den Medusen, kündigt Fischer an. So präsentiert die Ausstellung unter anderem ein überlebensgroßes Modell der berühmten Desmonema annasethe. Diese von Haeckel selbst entdeckte und beschriebene Scheibenqualle hat er in seinen „Kunstformen der Natur“ äußerst prachtvoll und vielfarbig dargestellt. Die nach seiner früh verstorbenen ersten Frau benannte Qualle ist inzwischen millionenfach reproduziert und prangt auf Postern und Büchern, ebenso auf Alltagsgegenständen wie Tassen, T-Shirts oder Tapeten. Gezeigt wird das Haeckels Darstellung nachempfundene Modell im direkten Vergleich zum originalen Typusexemplar, das mit dem Haeckelschen Kunstwerk allerdings nur wenig gemein hat. Und nicht zuletzt wird auch der Ausstellungsraum als Teil der Ausstellung zur Geltung kommen: Denn Haeckel selbst hat bei der Errichtung des Museums die Decke des Raumes mit zehn großformatigen Medusen dekorieren lassen. Einige der stark idealisierten ornamenthaften Exemplare finden sich auch als Modell oder Originalpräparat in einer der Vitrinen wieder. Auf diese Weise vermittelt die Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“ nicht nur Einblick in die faszinierende Unterwasserwelt der Medusen, sondern auch in das Werk Haeckels, in dem sich visionäre Wissenschaft und Kunst auf einzigartige Weise verbinden.

Zu sehen bis 1. November 2020 Phyletisches Museum der Universität Jena, Vor dem Neutor 1, 07743 Jena, Öffnungszeiten: Di bis Fr von 9 bis 13 und 14 bis 17 Uhr; Sa und So von 10 bis 16 Uhr 

Foto: Präparator Bernhard Bock bereitet die Nachbildung einer Fahnenqualle für die Sonderausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel" vor. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

www.phyletisches-museum.de/ausstellung-sonderausstellungen.html


Vom Glauben und Mythos einer Heiligen

Ausstellungen der Museen Schloss Voigtsberg / Oelsnitz/V.
Maria Magdalena Schloss Voigtsberg Museen Oelsnitz

Ihr Leben ist ein Mysterium. Wie bei kaum einer anderen Figur ranken sich zahlreiche Legenden und Mythen um die „Gefährtin Jesu“ und entsprechend polarisiert die Darstellung der Heiligen bis heute: Maria Magdalena. Wird manchmal ihr biblisches Auftreten als „Apostelin der Apostel“ als feministisches Vorbild gedeutet, ist sie auch oft eine Ikone der Hoffnung und Liebe und Symbol für die Kraft der Erlösung und der Liebe Gottes. Andere hingegen sehen in ihr die Jüngerin mit dem verruchten Image, die Sünderin, die „Heilige Hure“, die Jesus die Füße salbte. Wieder andere deuten sie als Geliebte oder Ehefrau Jesu und Mutter seiner Kinder. Genau diese Ambivalenz faszinierte viele Künstler in der Vergangenheit und inspiriert Kunstschaffende noch heute zu immer neuen Darstellungen. In Reminiszenz an das auf Schloß Voigtsberg dauerhaft präsentierte Ölgemälde „Heilige Maria Magdalena mit dem Salbgefäß“ aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. widmen die Museen Schloß Voigtsberg eben jener Heiligen eine eigene Ausstellung. Unter dem Titel „Maria Magdalena – Glaube und
Mythos“ verfolgt die Schau ihre Spuren, beleuchtet die historischen Hintergründe, zeigt die Wandlung in der Darstellung der Heiligen innerhalb der vergangenen Jahrhunderte und schlägt die Brücke bis zur modernen Kunst und Popkultur. So ist neben Lady Gagas opulentem Auftritt als eben jene Maria Magdalena im Musikvideo „Judas“, der Rezeption in dem Song „(I`ll never be) Maria Magdalena“ von Sandra auch moderne Installationskunst aus Litauen, Italien oder Südamerika zu erleben. Der Bereich der zeitgenössischen Kunst wird als eine Art Bestandsaufnahme aktueller Magdalenen-Darstellungen gleich zu Beginn der Ausstellung neben popkulturellen Referenzen an die Heilige – u.a. in Form von Comics, Musiktiteln oder filmischen Werken - präsentiert. Gerade in den aktuellen Interpretationen ist die große Unterschiedlichkeit künstlerischer Positionen zu beobachten, die je nach Interesse des Künstlers einem stärker religiösen, emotionalen, mythischen oder esoterischen Ansatz zuzuordnen ist. Weniger bekannt ist hier etwa auch, dass in einigen erzgebirgischen Städten Maria Magdalena als Heilige der Bergleute verehrt wurde und wird. Ihr Gedenktag wurde bereits vor 1539 sowohl in Freiberg als auch in Schneeberg als Feiertag begangen, ab 1842 wurde dieser Tag offiziell als Streittag begangen - im Gedenken an Maria Magdalena und an die vergangenen Kämpfe der Bergleute für eine
Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. In Freiberg fand zunächst 1908 der letzte Streittag statt, bis 1983 die Fachgruppe Bergbaugeschichte Freiberg die Tradition der Feier des Maria-Magdalenen-Tages wiederbelebte. Deshalb ist ein Exponat der Ausstellung auch die Darstellung von Maria Magdalena in „klassischer“ Haltung mit Salbgefäß – gerade auch in Blickbeziehung zur Darstellung auf dem Gemälde von Lucas Cranach – die in jahrelanger Arbeit entstandene Figur des Holzbildhauers Friedhelm Schelter, die Maria Magdalena als Schutzheilige der Bergleute präsentiert und von der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e.V. zur Verfügung gestellt wurde. Ein weiterer Bereich der Ausstellung, hier in den historischen Räumen der ehemaligen „Schösserstube“ mit der opulenten Deckenbemalung von 1637 korrespondierend, ist altmeisterlichen Arbeiten vorbehalten. So sind dort Werke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Godfried Schalcken oder Hendrick Goltzius vertreten, während in einem weiteren Teil altmeisterlich inspirierte Arbeiten von Werner Tübke, Michael Triegel oder Siegfried Otto Hüttengrund, der eigens für die Ausstellung ein Gemälde geschaffen hat, zu sehen sind.

Die Sonderschau, die bis 27. Oktober auf der Burganlage zu erleben ist, zeigt dabei vor allem eines: bis heute polarisiert Maria Magdalena wie kaum eine andere biblische Figur. Im Rahmen der Exposition finden Begleitangebote für alle Altersgruppen und öffentliche Veranstaltungen ergänzend statt, Stationen wie die "Puzzlewand", bei der kleine Besucher verschiedene Gemälde mit Magdalenendarstellungen zusammen setzen können, sind erlebnisorientiert konzipiert.


Georg Muche-Ausstellung in Gera

Zu sehen bis 31. Oktober im Haus Schulenburg
Georg Muche Ausstellung Gera Haus Schulenburg

Mehr als 50  Arbeitern des Malers und Grafikers Georg Muche sind auf zwei Etagen zu sehen. Darunter sind großformatige Bilder wie „Herbstblatt“ (Öl auf Leinwand 100,5 x 80,6 cm), „Gespaltener Kern“ (Öl auf Leinwand, 1951) und „Labyrinthische Spur“ (Öl auf Leinwand, 1952, 130 x 211 cm). „Georg Muche – Diaphane Malerei“ ist der Titel der Ausstellung. Neben zahlreichen kleinen und großformatigen Ölgemälden hauptsächlich aus seinen späten Jahren sind unter anderem auch kleinere Collagen aus bunten Plastikfolienstücken oder Bleistift – und Kreidestiftarbeiten zu sehen. Alle Arbeiten haben eins gemeinsam: Sie wurden in dieser Vielfalt an einem Ort noch nie so gezeigt.

Georg Muches „Diaphane Malerei“, die nach dem 2. Weltkrieg entstand, ist geprägt von sich auflösenden Geometrien. Das Leuchten der Farben wird hervorgerufen durch kontrastierende Farbfelder auf weißem Grund. Wie bei der italienischen Freskomalerei, die Muche in den 30er Jahren in Italien studierte, schimmert der weiße Grund durch die übereinandergelegten Farbschichten, die sich zu einer vegetabilen, figürlichen oder szenischen Gegenständlichkeit verdichten. Das Sehen ist nach Georg Muche nicht das Bild der Camera obscura auf der Netzhaut, sondern das, was sich damit in den Hirnspeichern der räumlichen Orientierung, der Farbverarbeitung, unserer Gedanken, Erinnerungen und Gefühle ereignet. Muches unabhängige künstlerische Haltung entfernte ihn zunehmend von der vorherrschenden abstrakten Doktrin der „Moderne“ und wird bis heute von der Kunstwelt nicht ausreichend gewürdigt. Georg Muche erkannte früh seine künstlerischen Fähigkeiten. Bis zu seinem Schulabbruch hatte Muche bereits zahlreiche Öl-Kopien großer Meister wie Rembrandt, van Gogh oder Cézanne hergestellt. Muche ging 1913 zunächst nach München, ein Jahr später nach Berlin und schloss sich dort dem avantgardistischen  Kreis um Herwarth Walden an. Er zeichnete für den „Sturm“. Ab 1916 leitet er die Sturm-Kunstschule und stellte 1916 gemeinsam mit Max Ernst, 1917 mit Paul Klee und 1918 mit Alexander Archipenko aus. Haus Schulenburg zeigt aus dieser Zeit unter anderem ein von Muche gestaltetes Titelblatt des „Sturm“ aus dem Jahr 1917. 1920 folgte Georg Muche dem Ruf von Gropius und ging an das Staatliche Bauhaus nach Weimar. Hier wurde er Formmeister der Werkstatt für Holzbildhauerei und später Formmeister der Weberei. Erst gemeinsam mit Johannes Itten, dann mit László Moholy-Nagy führte er auch Vorkurse am Weimarer und am Dessauer Bauhaus durch. Es war  Georg Muche, der auf der ersten Bauhaus-Ausstellung in Weimar 1923 mit dem Musterhaus „Am Horn“ die Architektur des Bauhauses vertrat und mit dem Stahlhaus von 1926/27 den Architekturdiskurs der 1920er Jahre beeinflusste. Nach seinem Austritt aus dem Bauhaus 1927 unterrichtete Muche an der Kunstschule von Johannes Itten in Berlin. Später lehrte er als Professor für Malerei an der Staatlichen Akademie in Breslau. Nach der Entlassung durch die Nazis verließ er Breslau, ging 1939 nach Krefeld und unterrichtete dort bis 1958 an der Höheren Fachschule für Textilindustrie als Leiter der Meisterklasse. Sein Haus und sein Atelier wurden gegen Ende des 2. Weltkrieges zerbombt, viele seiner Werke leider zerstört. Nach seinem Umzug an den Bodensee arbeitet er als freier Maler, Grafiker und Schriftsteller. 1987 starb der 1895 in Querfurt geborene Muche in Lindau. Ein bemerkenswerter Teil seines Werkes wird im Haus Schulenburg bis Ende Oktober 2019 zu sehen sein. Kuratoren der Ausstellung sind Sabine Tauscher, Doris Weiland und Dr. Volker Kielstein. Haus Schulenburg öffnet montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Von April bis Oktober finden jeden letzten Sonntag im Monat und an Feiertagen von 14 bis 15 Uhr Sonderführungen durch Haus und Ausstellungen statt.

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