Ausstellungen

Mädchen, Mütter, Musen … von der Bibel zum Phantastischen Realismus

Die Sommer-Ausstellung im Otto Mueller Museum der Moderne in Schmalkalden / Eröffnung: Samstag, 4. Juni, 17 Uhr
Otto Mueller Museum Schmalkalden

Das OMMM mit seinem wunderschönen Fachwerkgebäude am Altmarkt in Schmalkalden überrascht auch 2022 mit einer Sommer-Ausstellung des Besonderen. Waren es vor einigen Monaten im- und expressionistische Blumenstillleben, so sind es dieses Jahr Mädchen- und Frauen-Darstellungen.
Die Besucher erwartet vom 4. Juni bis 24. September ein Kaleidoskop der verschiedensten Kunstwerke als Radierungen, Lithographien, Zeichnungen, Pastelle und Gemälde von rund 50 Künstler*innen aus mehreren Jahrhunderten; unter anderem sind im OMMM Werke zu sehen, welche noch nie in Thüringen ausgestellt waren. So als Beispiel „Mutter & Tochter bei der Weizenernte“ von Martin Frost (Abbildung).
Die Chronologie des Themas umfasst das alte Rom Kaiser Hadrians, die Zeit Leonardo da Vincis und Albrecht Dürers, es sind Arbeiten der so bezeichneten „Deutschrömer“, von Adolph von Menzel, von Käthe Kollwitz, von Im- und Expressionisten und von Frauen und Männern mit einer Schlesischen und Breslauer Geschichte zu sehen.
Diese abwechslungsreiche Huldigung der möglicherweise besseren Hälfte der Menschheit vereint Künstler jüdischer Konfession, Maler mit einer „militaristischen“ Vita, Künstler, deren „entartete“ Bilder man geächtet und verbrannt hat oder von denen es durch die Kriege kaum noch Gemälde gibt sowie malerische „Freigeister“ und „Phantasten“.
Neben allen neun Blättern der so betitelten „Zigeunermappe“ aus einer selbst Experten kaum bekannten Sonderedition sowie weiteren Arbeiten von Otto Mueller, als Namensgeber des Museums in Schmalkalden, findet man in der diesjährigen Ausstellung mehrere seiner Weggefährten, Freunde und Bekannten mit ihren Mädchen- und Frauenbildern.

Möchten Sie wissen, wessen Muse den Vornamen Elisabeth hatte, wer oder was Andy Warhol und David Hockney inspirierte und warum Pablo Picasso im Frühjahr 1925 in Monte Carlo war? Kommen Sie nach Schmalkalden, hier erfahren Sie mehr darüber; einige der ausgestellten Werke können sogar gekauft werden. - Auf Grund einiger unglaublich fein ausgearbeiteter Graphikarbeiten und ein paar kleinerer Kunstwerke ist es evtl. überlegenswert, die Lesebrille beim Museumsbesuch nicht zu vergessen.

Das OMMM Schmalkalden punktet 2022 noch mit zwei weiteren Terminen:

Bis zum 28. Mai gibt es die Ausstellung „Einblicke I“ mit Arbeiten aus der Sammlung Dr. Mück sowie Plastiken und Skulpturen von Heike und Klaus Metz im ebenfalls sehenswerten mittelalterlichen Kellergewölbe; auch hier besteht die Möglichkeit Kunstwerke käuflich zu erwerben.

Vom 1. Oktober bis in den Dezember hinein kann man sich die Ausstellung „Szenen aus dem bürgerlichen Heldenleben“ mit Lithographien von George Grosz und mit Zeichnungen von Dieter Groß im OMMM anschauen.

Mehr dazu und zu den Öffnungszeiten gibt es über  www.om-museum.de

 


Ausstellungen der Klassik Stiftung Weimar

Ausstellungen der Klassik Stiftung Weimar

Wieland! Weltgeist in Weimar
Sonderausstellung im Goethe und Schiller-Archiv

Vor 250 Jahren kam der Aufklärer, Schriftsteller und Übersetzer Christoph Martin Wieland nach Weimar. In der Ausstellung werden Handschriften, Bücher, Alltagsobjekte und Grafiken als Zeugen seines interessanten und vielschichtigen Schaffens gezeigt.
Handschriften und Bücher, Gebrauchsgegenstände und Grafiken werden Wielands Werk und Wirken veranschaulichen. Die Pluralität und Dynamik seiner Arbeiten wird auch auf gestalterischer Ebene in der Ausstellung reflektiert. (Abbildung oben: Copyright Klassik Stiftung Weimar)
Zu sehen bis 14. August 

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/wieland/   

Sprachexplosionen - Ein Parcours durch Weimar
Sprachliche Interventionen in den Dichterhäusern, Museen und im Stadtraum

Der Parcours „Sprachexplosionen“ verbindet die kreative Sprengkraft der Literatur um 1800 mit dem Konflikt- und Eruptionspotential öffentlichen Sprechens im 20. und 21. Jahrhundert. Goethe- und Schillerhaus, Museum Neues Weimar, Nietzsche-Archiv und vor allem der Stadtraum werden mit poetischen Wortskulpturen bespielt. Die expressive Gestaltung der in Weimar geborenen und in Berlin lebenden Grafikdesignerin Ariane Spanier stellt zwischen den inhaltlich verschiedenen und an unterschiedlichen Orten aufgestellten Präsentationen eine Verbindung her.
Zu erleben bis 30. September 

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/sprachexplosionen-ein-parcours-durch-weimar/

Nietzsche-Weimar-DDR
Sonderausstellung im Nietzsche-Archiv: Zwei Italiener entdecken den echten Nietzsche
Wie Mazzino Montinari und Giorgio Colli in Weimar Fälschungen aufspürten.

Die Wechselausstellung in der Nordveranda des Nietzsche-Archivs erzählt mit ausgewählten Objekten von dem italienischen Germanisten Mazzino Montinari, der in den 1960er Jahren in Weimar arbeitete. Eigentlich hatte er gemeinsam mit seinem Lehrer Giorgio Colli nur eine Neuübersetzung von Nietzsches Schriften geplant. Doch bald fielen ihnen die umfangreichen Eingriffe und Fälschungen auf, die Elisabeth Förster-Nietzsche und ihre Mitarbeiter am Nietzsche-Archiv vorgenommen hatten. Über mehrere Jahre erarbeiten die beiden Italiener die bis heute gültige wissenschaftlich-kritische Edition von Werk und Nachlass des berühmten Denkers. Ab 1964 publizierten sie die Neuedition in Italien, Frankreich und Westdeutschland.
In der DDR hingegen war Nietzsche als Stichwortgeber der Nationalsozialisten verdächtig. Unter welchen Umständen die Edition dennoch entstehen konnte, belegt das ausgestellte Material. Die Präsentation der Fotos und Dokumente wird von einer Hörstation ergänzt, die über eine exemplarische Fälschung und deren Korrektur informiert.
Zu sehen bis 27. März 2023

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/nietzsche-weimar-ddr/

NEUSPRÈCH: Kunst wiederspricht

Sonderausstellung im Schiller-Museum
15 zeitgenössische Positionen zum Verhältnis zwischen Kunst und Sprache im Dialog mit historischen Objekten aus den Beständen der Klassik Stiftung Weimar

Im Rahmen des Themenjahres 2022 widmet sich die Sonderausstellung im Schiller-Museum der Frage, welchen spezifischen Beitrag die bildende Kunst zum Thema „Sprache“ leisten kann. NEUSPRÉCH: KUNST WIDERSPRICHT ist ein Ausstellungsprojekt der Hamburger Künstler Oliver Ross und Simon Starke. Es schließt an eine Ausstellung an, die 2020 im Zentrum für Künstlerpublikationen, Museum für moderne Kunst Weserburg, in Bremen gezeigt wurde. Für die Klassik Stiftung Weimar wurde das Konzept adaptiert und ergänzt, sodass 15 zeitgenössische Positionen, die Sprache und Schrift im Medium der bildenden Kunst behandeln, in einen Dialog mit historischen Objekten treten.
Freuen Sie sich auf poetologische Performances, Text-Bild-Kombinationen, Wand- und Bodeninstallationen, Videovorträge, Fotografien, Zeichnungen, Raumassemblagen und vieles mehr! Mit Beiträgen von Armin Chodzinski, Hans-Christian Dany, Rüdiger Frauenhoffer, Jan Köchermann, Kyung-Hwa Choi-Ahoi, Peter Lynen, dem Kollektiv reproducts, Gunter Reski, Oliver Ross, Ingrid Scherr, Aleen Solari, Simon Starke, Andrea Tippel, Annette Wehrmann sowie Jan Voss.
Zu sehen bis 10. Juli

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/neusprech/

Neue Ausstellung „Cranachs Bilderfluten"
und Wiedereröffnung des Renaissancesaals der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am 4. Juni
Die Macht der Bilder für Politik und Propaganda, Hass und Hetze, Wahrheit und Wunschträume – heute so aktuell wie vor 500 Jahren.

Gezeigt werden Objekte von internationalem Rang von Lucas Cranach dem Älteren, dem Jüngeren und ihrer Werkstatt, die zu den produktivsten der Kunstgeschichte zählt. Kein Medium, das sie nicht beherrschten, und jedes ist in der Ausstellung vertreten – Gemälde ebenso wie Grafiken, illustrierte Bücher ebenso wie Medaillen – für Cranachs Zeitgenossen alles „Bilder“. Viele tausend Bilder entstanden in der Cranachwerkstatt, mehr als je zuvor durch einen Künstler – eine überwältigende und nie gekannte Bilderflut, die im Kampf um Macht und Glauben Einsatz fanden. Diese Erfahrungen teilen wird auch heute mehr denn je und sie verbindet uns eng mit Cranachs Zeit. Für manche Exponate ist die Ausstellung eine Heimkehr – sie hingen in dem Gebäude schon vor 450 Jahren.

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/cranachs-bilderfluten/

Der erste Schriftsteller Deutschlands
Neue Ausstellung im Wielandgut Oßmannstedt ab 3. September

Als Herzogin Anna Amalia einen intellektuellen Gesprächspartner für ihren jugendlichen Sohn Carl August suchte, fiel ihre Wahl auf den damals populärsten Schriftsteller Deutschlands: Christoph Martin Wieland.
Vor 250 Jahren zog der Dichter, Übersetzer und Aufklärer nach Weimar. Hier gründete er unter anderem die Zeitschrift "Der Teutsche Merkur" - und setzte Weimar noch vor die Ankunft Goethes auf die kulturelle Landkarte Deutschlands. - Die neue Dauerausstellung in den historischen Wohnräumen des Gutshauses wird eine Einführung in Wielands Biographie und sein Werk in all seinen Aspekten bieten.

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/der-erste-schriftsteller-deutschlands/

 


Plakatkunst in Gera: La Bohème. Toulouse-Lautrec und die Meister vom Montmartre

Zu sehen bis zum 5. Juni im Museum für Angewandte Kunst Gera
„La Bohème. Toulouse-Lautrec und die Meister vom Montmartre“ im Museum für Angewandte Kunst Gera

Das Museum für Angewandte Kunst Gera präsentiert bis zum 5. Juni in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kulturaustausch in Tübingen und dem Musée d’Ixelles bei Brüssel die Ausstellung „La Bohème. Toulouse-Lautrec und die Meister vom Montmartre“. Im Mittelpunkt der Schau stehen über einhundert Hauptwerke der französischen Plakatkunst aus der sogenannten „Belle Époque“ des ausgehenden 19. Jahrhunderts, insbesondere die Werke Henri de Toulouse-Lautrecs sowie seiner Zeitgenossen Jules Chéret, Alfons Mucha, Théophile-Alexandre Steinlen und Eugène Grasset. Die opulenten, teils großformatigen Plakate lassen die pulsierende Metropole Paris und ihr Nachtleben in schillernden Farben lebendig werden.

Zu den Zeiten Toulouse-Lautrecs, am Ende des 19. Jahrhunderts wurde Werbung dank verbesserter Druckverfahren zur gefragten Kunstform. Namhafte Künstler entwarfen Plakate für Tanzlokale, Theater, Luxusgüter und Alltagswaren. Die Plakatkunst war so populär, dass man von einer „Affichomanie“, von einem Plakatwahn sprach. Das Leben in den Städten war geprägt von den Umbrüchen der Industriellen Revolution und so herrschte ein Zeitgeist, der bestimmt war von Optimismus, wirtschaftlichen Wohlstand, technologischen und kulturellen Innovationen. Die Kunstszene florierte, besonders in Paris rund um den Montmartre. Als Henri de Toulouse-Lautrec 1884 nach Paris zog, wurde er schnell zum Chronist des Pariser Lebens. Ein Maler, der die berauschende Gesellschaft einfing: Rennbahnen, Zirkuszelte, Theater und Opernhäuser, Tanzbars und Bordelle wurden zu seinem Atelier. Er zeichnete die Darsteller ebenso wie ihr Publikum – direkt, bewundernd und ungeschönt. Das vermeintlich elitäre Publikum wurde von ihm auf karikierende Weise dargestellt. Zugleich machte er die Akteure dieser Häuser zu den Stars seiner Arbeiten.

Während der Laufzeit findet jeden Mittwoch eine öffentliche Kurzführung von 12:30 Uhr bis 13 Uhr statt. Weitere Termine im Rahmen des Begleitprogramms und weitere Informationen zum Museumsbesuch unter www.museen-gera.de


Gera-Lusan in der Kunst

Christoph Liepach zeigt Ausstellung „Komplex BA 1“ in der Häselburg Gera

Der Geraer Foto-Künstler stellt vom 21. Mai bis zum 18. Juni in der Neuen Galerie für Zeitgenössische Kunst im Kulturhaus Häselburg aus. Die Ausstellung kann dank Förderung durch die Stadt Gera stattfinden.

Christoph Liepach betrachtet Architektur als Brennpunkt von Erinnerungen. Er versucht, mit seinen Fotografien ostdeutsche Identität zu rekonstruieren. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Erinnerung unweigerlich fragmentarisch ist, zeigen Liepachs Bilder Fragmente von DDR-Großwohnsiedlungen. Zum Beispiel Gera-Lusan. Hier ist Christoph Liepach aufgewachsen. Saubere Oberflächen, Zimmerecken und Tapeten bilden eine Kulisse, vor der Generationen von Menschen ihre ganz individuellen Geschichten erlebt haben. Die Arbeiten spüren dem Wandel der Zeit nach und dokumentieren die Veränderungen seit der Wendejahre.

Christoph Liepach wurde 1990 in Gera geboren. Er studierte in Dessau Leipzig Design und Kunstpädagogik und künstlerische Fotografie bei Professor Tina Bara an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig. „Komplex BA 1“ ist sein Diplomprojekt. Neben seinem Studium realisierte er zahlreiche Ausstellungen und Kataloge und veröffentlichte zahlreiche Beiträge mit Schwerpunkten auf Ostmoderne und industrielles Bauen in der DDR. 2020 kam er auf die Shortlist im Wettbewerb ›Deutschlands Schönstes Regionalbuch‹. (Text: Stefan Lesueur und Philipp Venghaus)

Wo: Kulturhaus Häselburg, Burgstraße 12, 07545 Gera

Wann: Freitag, 20. Mai, 18 Uhr

Kontakt: ngfzk@haeselburg.org

Website: www.ngfzk-gera.de




Greizer Sommerpalais: Sonderausstellung zu Ehren ihres Erbauers

La belle retraite et la belle vie. Zum Leben im Sommerpalais - Heinrich XI. zum 300. Geburtstag
Greiz Sommerpalais Ausstellung

Die Ausstellung im Sommerpalais Greiz ist dem Erbauer gewidmet. Heinrich XI. Reuß älterer Linie wurde am 18. März 1722 geboren. 1778 gelang ihm die Rangerhöhung zum Reichsfürsten durch ein kaiserliches Privileg. Schon am Ende der 1760er Jahre verlebte er erstmals den Sommer in seinem neuen Palais, das er als „Maison de belle Retraite“ – seinen schönen Rückzugsort bezeichnete. Immer wieder verbrachte auch der alternde Herrscher von nun an die Zeit von Mai bis Oktober im Sommerpalais. Hier empfing er Gäste, brach zu kleineren und größeren Reisen auf, veranstaltete Jagden, beobachtete akribisch das Wetter und verfolgte die Weltpolitik – inmitten von Blumen und Orangenbäumen des umgebenden Parks.
Die bis 12. Juni laufende Ausstellung zeigt Facetten des höfischen Lebens im Fürstentum auf – von den Haustieren im Sommerpalais bis zu seidenen Strümpfen und Zipfelmütze.

Abbildung: Das Sommerpalais mit Küchenhaus und barockem Garten, Gouache, vor 1799, Inv.-Nr. E02070

Rundgang durch die Ausstellung: So. 21.05. | So. 22.05. | jeweils 15.00 Uhr (ca. 30-40 min.), Eintritt 4 €
Abendführung: Donnerstag, 2. Juni ab 17:30 Uhr | Eintritt 4 €

Kurze Impulsführungen sollen den Blick für die oftmals verborgene Bedeutung von Kunst und Kulturgeschichte schärfen. Hierzu herzlich eingeladen sind Museumsbesucher und alle Neugierigen, die Kunst für sich neu erleben möchten oder in der Mittagspause den Alltag für einige Minuten gegen eine spannende Entdeckung eintauschen wollen:
Dienstags | 12.30 Uhr | Dauer: ca. 15 min. / ermäßigter Eintritt: 2 €  
24. Mai - Heinrich und seine Tiere
31. Mai - Rotunde im Park
7. Juni 2- Wasserkraft und Fontäne

Im Gartensaal des Sommerpalais wird bis 29. Mai die Ausstellung „Abgestempelt – Judenfeindliche Postkarten“ gezeigt. Die kostenfrei zu besichtigende Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung zeigt historische Postkarten aus der Sammlung Haney und klärt über gängige Vorurteile und deren bildliche Umsetzung auf. Das Sommerpalais weist damit auf die Kehrseite politischer Karikatur hin – den Missbrauch – und stellt die Frage nach der Verantwortung des Künstlers.

Am Beispiel der Postkarte als dem ersten modernen Massenmedium wird ersichtlich, wie harmlos erscheinende Alltagsstereotype in blanken Hass oder schlimmste Diffamierung ausarten können. Die Ausstellung verfolgt nicht nur das Ziel, etwas Vergangenes zu präsentieren, sondern möchte auch über Motive und Bildsprache aufklären, um Besucherinnen und Besucher dafür zu sensibilisieren, Antisemitismus und andere Formen diskriminierender Etikettierungen auch in der Gegenwart zu erkennen.


Angermuseum Erfurt präsentiert Einzelausstellung von Martin Furtwängler

Martin Furtwängler Ausstellung Erfurt

Aus seinem vielfältigen Werk übergab Martin Furtwängler 140 Arbeiten auf Papier als Schenkung an die Grafische Sammlung des Angermuseums. Dieses Konvolut – von Holzschnitt bis Tiefdrucktechnik, von Zeichnungen bis Radierungen – bildet einen wichtigen Teil der Ausstellung. Deren Schwerpunkt liegt auf bislang nicht gezeigten Gemälden und Zeichnungen aus dem Frühwerk von Furtwängler, die erstmals öffentlich gezeigt werden. Diese Werke werden von sehr aktuellen Arbeiten begleitet. „Der Frage nach dem roten Faden zwischen den frühen Werken und denen aus den letzten Jahren, können Besucherinnen und Besucher der Ausstellung selbst nachgehen“, bemerkt Dr. Kai Uwe Schierz. Die Schenkung von einem der „mit dieser Art von Kreativität bedeutendsten deutschen Künstler“ passt aus Schierz´ Sicht hervorragend ins Angermuseum, da dies bereits figürlich geprägte Kunst zeigt. Auch Martin Furtwängler selbst findet: „Das ist ein schöner Ort mit Verständnis für das Werk.“

Der vom Künstler gewählte Ausstellungstitel „mehr oder weniger Ich“ signalisiert einen intimen Blick auf sich selbst und in sich hinein, eine Reflexion des eigenen Werks, das sich in vielen Jahrzehnten zwischen subjektiver Geste, malerischen wie grafischen Experimenten und philosophischem Denken entwickelte.

Stilistisch stand Martin Furtwängler (geb. 1954 in Karlsruhe) in den späten 1970er Jahren, als er an der Westberliner Hochschule der Künste Malerei studierte, dem Neoexpressionismus jener Malerinnen und Maler nahe, die 1977 die Galerie am Moritzplatz gründeten – Helmut Middendorf, Rainer Fetting, Salomé und Bernd Zimmer – und als Neue Wilde bezeichnet wurden. Es ging um das eruptive Ausagieren von Emotionen und die Wiederaneignung der figürlich-expressiven Avantgardekunst im 20. Jahrhundert, wie sie die Brücke- und CoBrA-Maler hervorgebracht hatten. Furtwängler folgte früh seinen literarischen Neigungen, machte gefundene und eigene Texte zum Ausgangspunkt für Malereien, Künstlerbücher und Buchobjekte im Handpressendruck, die in zahlreichen Variationen zu einer besonderen künstlerischen Symbiose von Text und Bild verschmolzen.

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Sparkasse Mittelthüringen sowie die Kulturstiftung des Freistaates Thüringen.

Begleitveranstaltungen

„mehr oder weniger Ich“. Künstlergespräch
Dienstag, 14. Juni, 18:30 Uhr
mit Martin Furtwängler und Erik Stephan, Direktor der Kunstsammlung Jena

Eine Stunde. Ausstellungsrundgang
Dienstag, 14. Juni, 16 Uhr mit Martin Furtwängler
Sonntag, 10. Juli, 16 Uhr mit Prof. Dr. Kai Uwe Schierz

Kunstpause am Mittag – 10 Minuten Kunstbetrachtung - jeden Mittwoch 13 Uhr (kostenfrei) - Individuelle Führungen können unter 0361 655-1640 oder kunstmuseen@erfurt.de angefragt werden.

Foto: Martin Furtwängler in seiner Ausstellung „mehr oder weniger Ich“ im Angermuseum (Foto: © Stadtverwaltung Erfurt)


Porzellandesign - Piet Stockmans 2022/1999

Ausstellung im Haus Schulenburg in Gera
Gera Haus Schulenburg Austellung Piet Stockmans

Zartes, fast transparentes Porzellan in elegantem schlichtem Weiß, royalem Blau oder im Zusammenspiel von Beidem: Der Belgier Piet Stockmans präsentiert im Haus Schulenburg bis zum 15. Oktober Industrie- und Studiodesign sowie Porzellaninstallationen. - Angewandte Kunst trifft auf freie Kunst. Es ist die Faszination des Schnörkellosen, der Eleganz und der Ästhetik, es sind die Effekte des Porzellans, die Besucher staunen lassen. Die Bandbreite der Arbeiten des Ausnahmekünstlers reicht von Gebrauchsporzellan, über Porzellan für den gehobenen Standard bis hin zu Kunstobjekten.

Piet Stockmans „trifft“ Henry van de Velde

Zum Ausklang des 19. Jahrhunderts vertrat der Architekt und Designer Henry van de Velde ähnliche Vorstellungen wie Piet Stockmans heute und entwarf Gebrauchsgegenstände, die durch Funktionalität und Schönheit bestachen. Beide Künstler verbindet die Überzeugung von der Gleichwertigkeit und Einheit von freier und angewandter Kunst. Sie „treffen“ nun an einem Ort aufeinander, der passender nicht sein könnte: Haus Schulenburg Gera, denn vor mehr als 100 Jahren entwarf Henry van de Velde das Anwesen Haus Schulenburg in seiner Gesamtheit von Wohnhaus, Nebengebäude und Gartenanlage sowie allen Einrichtungsgegenständen. Es gilt als sein reifstes Werk an der Schwelle zum „Neuen Bauen“ in Deutschland.
Bereits 1999, im Rahmen des europäischen Kulturjahres, stellte Piet Stockmans im Haus Schulenburg aus. Das ist 23 Jahre her und die Rekonstruktion stand am Anfang. Die unfertigen, fast verfallenen Räume gaben der Ausstellung einen besonderen Reiz. Die originalgetreue Rekonstruktion des Gebäudekomplexes und Gartenanlage ist inzwischen abgeschlossen, was der aktuelle Ausstellung eine andere Wirkung verleiht.
Piet Stockmanns Kunst ist in den Galerien und Museen weltweit zu Hause. Seine Arbeiten sind unter anderem in London und New York zu sehen. Er arbeitete für niederländische und belgische Labels, unter anderem für Roayal Mosa. 1987 gründete er in Genk (Belgien) sein eigenes Studio. 1996 erhielt er für seine Karriere als Porzellandesigner den Henry-van-de-Velde-Preis.
In Mitteldeutschland war Piet Stockmans für „Weimar Porzellan“ in Blankenhain und für die Hochschule für Gestaltung Burg Giebichenstein tätig. In der Thüringer Manufaktur Reichenbach wird aktuell nach seinen Entwürfen produziert.

Zu sehen bis 15. Oktober, Mo-Fr 10-17 Uhr, Sa/So und an Feiertagen 14-17 Uhr

Foto: Studioporzellan aus der Ausstellung „Piet Stockmans 2022/1999“ im Haus Schulenburg, Musiksalon (Foto: Beate Arndt)

www.haus-schulenburg-gera.de


Max Pechstein als Fotograf

Ausstellung „Seegewohnheiten. Max Pechstein: Fotografie“ in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU vom 21. Mai bis 11. September

Die Ausstellung zeigt eine neue Facette von Max Pechstein (1881-1955): Erstmals wird eine breite Auswahl von ihm aufgenommener Fotografien in direkten Bezug zu seinen Werken aus dem Früh- bis Spätwerk gesetzt – darunter originale Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken. Dieser Dialog, gegliedert in verschiedene Themenbereiche, vergrößert die Geschichte des Einzelwerkes und ermöglicht einen neuen Blick auf das Gesamtschaffen des Künstlers. Im Aufeinandertreffen von Fotografien und illustrierten Briefen Max Pechsteins als eine weitere authentische Quelle, die Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt vor Ort gewähren, soll darüber hinaus eine erste Datierung der kleinformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen ermöglicht werden.

Bekannt wird Max Pechstein als Mitglied der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe »Brücke« durch seine farbintensiven Darstellungen von Mensch und Natur. Auf der Suche nach Ursprünglichkeit bereist er die Welt und lernt dabei das einfache Leben der Küstenbewohner kennen und schätzen. Anfang der 1920er-Jahre wird die Region um Leba in Hinterpommern schnell zur zweiten Heimat für den gebürtigen Zwickauer. Seine Streifzüge durch das von ihm beschriebene »blaue Ländchen« führen ihn im Sommer 1927 nach Rowe, einem kleinen Dorf etwa 30 Kilometer entfernt von Leba. Die moderne Welt scheint bis hierher noch nicht vorgedrungen zu sein. Er erschließt sich mit Faszination wie Begeisterung die Motive, die ihm Land und Leute bieten und verarbeitet die ihm vertrauten Gewohnheiten der Fischer und Bauern mit dem Pinsel, dem Stift, der Feder, dem Grabstichel, der Radiernadel – und mit seiner 6x9-Klappkamera für Rollfilm.

In einem vom Künstler selbst erstellten Album haben sich knapp 300 kleinformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen erhalten. Schnappschüsse wechseln sich ab mit Inszenierungen, Motive finden sich in serieller Folge. Das grafische Element ist dabei immer ein Faktor, sei es der sich ergebende Effekt von Licht und Schatten aus dem Schwarz-Weiß-Kontrast heraus, die Anordnung des Fotografierten oder die Wahl des Ausschnittes selbst. Das Motiv muss nicht nur vor der Linse der Kamera bestehen, sondern unbedingt vor den Augen des Künstlers.

Die Kamera ermöglicht Pechstein einen neuen Weg der Rezeption seiner gewählten Alltagswirklichkeit, fern der Leinwand oder des Papiers. So zieht er mit seiner Kamera los, wohlwissend um die begrenzte Anzahl der möglichen Aufnahmen, und schärft seinen Blick, auch wenn Unschärfe oftmals das Resultat ist. Sie passiert versehentlich oder wird bei den vor Ort entstehenden Fotografien von bewegtem Geschehen in Kauf genommen. Die Verbundenheit zu dem, was Pechstein die Kamera fotografieren lässt, ist spürbar.

Seegewohnheiten: Das sind mehr als 70 Fotografien und 35 Werke von Max Pechstein, die zusammen mit dem originalen Fotoalbum, die Besucher erwartet, der dabei entdecken kann, dass der Künstler nicht selten seine eigenen Aufnahmen als direkte Vorlagen für Arbeiten auf Papier oder Leinwand nutzte. - Eine eigens für die Ausstellung produzierte immersive Klanginstallation des multimedialen Künstlers, Komponisten und Sound Designers Max Schneider (*1974) zielt auf die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. „25 Summers at the Sea“ begreift sich dabei als akustische, zeitgenössische Intervention zum Werk Max Pechsteins und dessen regelmäßiger Sommeraufenthalte an der Küste.

Die Besucher der Ausstellung werden von einer Mehrkanal-Klanginstallation „umspült”, abstrakte sowie dreidimensionale Klangaufnahmen verweben sich zu einer Komposition, die Besucher und Raum in die Welt von Max Pechstein während seinen Sommereisen eintauchen lässt. Zusätzlich sind die Besucher eingeladen, Hörstücke auf Kopfhörern zu genießen. Gestaltet von Studierenden des Radio Art Lab der Hochschule für Grafik und Buchkunst, nehmen diese Bezug auf  Pechsteins Werk und Leben.

 


ILLUSION - Kunst trifft Natur via Augmented Reality

4. Juni bis 4. September, SPIEGEL|ARCHE in Rastenberg
Spiegelarche

Die Gruppenausstellung «Illusion» zeigt Kunstwerke via Augmented Reality (AR). Das Thema reflektiert das neue digitale Medium und unsere Klimadiskussion im freien Umfeld der SPIEGEL|ARCHE.

Die Ausstellung verbindet Digitalisierung, Klimawandel und künstlerische Freiheit. Die Freiheit der Kunst ist unantastbar, jedoch ist sie als elektronische Erscheinung vom Strom und Internet abhängig. Die Widersprüche des digitalen Seins reflektieren dabei unsere eigene Abhängigkeiten. Mit der Gruppenausstellung «Illusion» zeigen wir Künstler:innen, die sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigen. So unterschiedlich ihr Ansatz dabei ist, vereint sie alle das Medium mit dem sie arbeiten: Augmented Reality (AR). Alle AR Werke sind aktuelle Produktionen und werden hier zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt

Die Besucher:innen sind in dieser Ausstellung nicht nur aufmerksame Beobachter, sondern aktive Teilnehmer, die mit ihren Handys und Handlungen die Werke erst in Erscheinung bringen. Die SPIEGEL|ARCHE erweitert die Illusion mit ihrer Projektionsfläche, indem sie die reale Natur und Tierwelt einbezieht und selber Teil der virtuellen Kunstwerke wird.

Künstler:innenliste:
A/A, Mike Bouchet, Anne Duk Hee Jordan, Mélodie Mousset & Marta Stražičić, Dennis Rudolph, Benedikt Terwiel 

SPIEGEL|ARCHE Hinter den Kirschgärten 2, 99636 Rastenberg
www.spiegelarche.de

Zum Foto: An einem Ort der Stille in Rastenberg-Roldisleben steht die SPIEGELARCHE.
Mitten auf dem Feld zwei übereinander gestapelte verspiegelte Container. Dieser begehbare architektonische Raum öffnet sich den Menschen fünf Jahre lang für Kunstausstellungen und Installationen, interaktive soziale Projekte, Vorträge, Lesungen, Workshops und Konzerte. Themenschwerpunkte sind Region, Heimat, Ökologie, Natur, Digitalisierung und die Zukunft. Ziel ist das gemeinschaftliche Erleben eines Ortes, der für Offenheit, Toleranz und Neugierde steht. (Foto: Kerstin Pfeiffer)


Museum im Oberen Schloss Greiz erinnert an seinen Bauherren

Sonderausstellung: Heinrich XI. – Graf, Bauherr & Fürst - zum 300. Geburtstag
Museum im Oberen Schloss Greiz

Die Thüringische Residenzlandschaft ist auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe.
Ein zentraler Punkt für diese Bewerbung ist der kulturelle Pluralismus, der die Thüringische Residenzlandschaft prägte. Dies wird bis zum heutigen Zeitpunkt durch Architektur und Gartenkunst, Bibliotheken und Kunstsammlungen, Theater und Musik erlebbar.
Die Residenzschlösser in Greiz – das Obere Schloss und das Untere Schloss mit seinen Museen – verdeutlichen dies im besonderen Maße. Deshalb sind die beiden Greizer Residenzschlösser neben sieben weiteren Residenzen für die äußerst wichtige UNESCO-Welterbe-Bewerbung von Thüringen ausgewählt worden.
Die neue Sonderausstellung im Oberen Schloss Greiz bildet einen korrespondierenden Schritt auf dem gemeinsamen Weg zu diesem großen Ziel.
 
Heinrich XI. Reuss Aelterer Linie (1722-1800) prägte das Erscheinungsbild der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt Greiz als einzigartiges Beispiel kleinstaatlicher Residenzarchitektur wie kein anderer Landesherr.
Greiz verdankt ihm und seinem Repräsentationsbedürfnis barocke und klassizistische Einzeldenkmäler. Seine Begeisterung für architektonische Neugestaltungen haben sich im Oberen Schloss mit dem Back- und Waschhaus (erb. 1743), der Kanzlei (erb. 1745), dem Schanzengarten mit Pavillon (erb. 1751), der Orangerie (erb. 1757) sowie der Gestaltung der prachtvollen Räumlichkeiten des heutigen Museums im Oberen Schloss verewigt.
Andere Bauten, wie das Reithaus (erb. 1752), die Eremitage, das Tafelhäuschen, die Pfirsichblütenallee und eine Vielzahl von Blumen- und Orangengärten mussten schon im 19. Jahrhundert sowie in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts den sich verändernden Prioritäten weichen und gerieten zunehmend in Vergessenheit.
Die Sonderausstellung im Museum im Oberen Schloss schließt nahtlos an die Dauerausstellung in den Repräsentationsräumen des 18. Jahrhunderts an und  thematisiert in den historischen Räumlichkeiten der Schlosskirche, der Fürstenloge und des Fürstensaals  vorrangig die Bautätigkeit des Grafen und Fürsten an seiner Residenz – dem Oberen Schloss.
Die authentischen Räumlichkeiten des 18. Jahrhunderts bilden einen angemessenen Ausstellungsrahmen. Intensive Forschungen und Recherchen offenbaren neue Erkenntnisse zum Alltagsleben sowie zur Funktionalität einzelner Gebäude des Oberen Schlosses. Die Ausstellung vermittelt auch eine Idee von der Gestaltung und Größe der Fürstlichen  Parkanlagen, die zum Oberen Schloss gehörten.

Heinrich XI. verewigte sich auch mit der Errichtung des Sommerpalais (erb. 1768/69), der Neugestaltung des Obergreizer Lustgartens sowie der Errichtung der Rotunde (erb. 1787) für die japanische Porzellansammlung seiner Gemahlin.
Dies wird auch in der Sonderausstellung im Oberen Schloss dokumentiert, denn im 18. Jahrhundert ist das Fürstliche Residenzschloss (heute Oberes Schloss) nur im Gesamtzusammenhang mit dem damaligen Obergreizer Lustgarten (heute Fürstlich Greizer Park) sowie dem Sommerpalais als Gesamtensemble zu verstehen.
Eine weiterführende Sonderausstellung „La belle retraite et la belle vie“ im  Sommerpalais Greiz thematisiert die Interessen sowie die Alltagswelt des Grafen und Fürsten in dem authentischen, architektonisch einzigartigen Kontext der imposanten Nebenresidenz.
Die Zusammenarbeit der beiden Museen im Rahmen des 300. Geburtstages des ersten Fürsten Reuss Aelterer Linie ermöglicht den Besuchern einen tiefen Eindruck zum Leben und Wirken des Jubilars in und an seiner Residenz im 18. Jahrhundert.


Manege frei!

Das Lindenau-Museum Altenburg bis 3. Juli zu Gast im Museum Burg Posterstein
Manege frei! Ausstellung Burg Posterstein

In der hochkarätigen Kunstausstellung „Manege frei – Das Lindenau-Museum zu Gast auf Burg Posterstein“  sind 50 Werke mit Zirkus-Motiven aus der Grafischen Sammlung des Lindenau-Museums zu sehen. - Das Lindenau-Museum Altenburg zeigt Werke aus seiner Grafischen Sammlung, die den Besucher mitnehmen in eine ebenso faszinierende wie bunte Zirkus-Welt. Mit der Ausstellung „Manege frei!“ wird die langjährige Zusammenarbeit mit dem Museum Burg Posterstein fortgesetzt.

Seit der Antike kommen Menschen in einem Zirkus zusammen, um große Emotionen zu erleben. Der Zirkus, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Mit seinen exotischen Tieren, Artisten, Zauberern und Clowns zieht er von Stadt zu Stadt, um dort die Zuschauerinnen und Zuschauer in seinem großen Zelt zu empfangen.

Traumwelt im Zirkuszelt

Eine Glanzzeit erlebte der Zirkus in den 1920er-Jahren. Die Traumwelt im Zirkuszelt zog die Menschen, die in ihrem Alltag nach dem Ersten Weltkrieg viele Entbehrungen erdulden mussten, magisch an. Viele Künstlerinnen und Künstler zeigten sich fasziniert von den schillernden Farben, wilden Tieren und leicht bekleideten Damen. Die scheinbar freie, nomadische Zirkuswelt stellte einen Gegenentwurf zur urbanen Gesellschaft mit ihren Sitten und Normen dar. Das Interesse der Künstlerinnen und Künstler an dieser Scheinwelt riss auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ab. Vor allem in der DDR wurden Akrobaten, Seiltänzerinnen und Clowns unter der Hand der Künstlerinnen und Künstler zu Sinnbildern mit vielfältigen Bedeutungsschichten.

Aus den reichen Beständen der Grafischen Sammlung des Lindenau-Museums sind in dieser Ausstellung 50 Arbeiten von u. a. Alfred Ahner, Gerhard Altenbourg, Conrad Felixmüller, Hans Grundig, Josef Hegenbarth, Harald Metzkes, Otto Mueller, Max Schwimmer und Maria Uhden zu sehen. Die Werke zeigen Artisten, Clowns oder Zirkustiere auf Papier, als Radierungen, Holzschnitte und Zeichnungen, aber auch in Bronze.

Führung durch die Ausstellung mit Kurator Dr. Benjamin Rux: Sonntag, 22. Mai, 15 Uhr

Zirkuswoche für Kinder und Jugendliche mit dem Kinderzirkus Tasifan und dem studio von 13. bis 17. Juni, 15 bis 17 Uhr // Öffentliche Aufführung: Freitag, 17. Juni, 16 Uhr für Kinder und Jugendliche zwischen 7–15 Jahren, Kosten: 10 EUR/Woche // Anmeldung unter: studio@lindenau-museum.de | 03447/8955453/-451) mit Unterstützung des Landkreises Altenburger Land und des Fördervereins „Studio Bildende Kunst im Lindenau-Museum Altenburg“ e.V.

Abbildung: Rudi Lesser, Zirkus III (auch: Akrobat schön), 1926, Lindenau-Museum Altenburg, Foto: Lutz Ebhardt


Begegnung mit Street-Art-Superstar

The Mystery of Banksy – A Genius Mind - ab 20. Mai im Kunstkraftwerk Leipzig
Erfurt Banksy Ausstellung

Eine Ausstellung wie diese auf die Beine zu stellen ist kein leichtes Unterfangen. Dieser Herausforderung stellte sich der bekannte Passauer Musical-Produzent und Ausstellungsmacher Oliver Forster (COFO Entertainment). „Wir wollen Kunst zum Erlebnis machen, für jedermann sichtbar und an einem Ort zusammengebracht. Banksy ist in erster Linie ein Straßenkünstler, der für seine Graffitis bekannt ist, die er auf der ganzen Welt verteilt hat. Daneben hat er ziemlich früh angefangen, immer wieder original signierte Kunstwerke und Drucke in limitierter Auflage zu verkaufen. Die meisten davon befinden sich in Privatbesitz und sind somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Einen Original-Banksy bestaunen zu können ist also eine absolute Seltenheit. Wir versuchen nun, mit ‚The Mystery of Banksy – A Genius Mind‘ anhand originalgetreuer Reproduktionen die besten und eindrucksvollsten Motive an nur einem Ort und in einer lockeren Atmosphäre abseits des Museumsbetriebs, aber trotzdem mit hohem Qualitätsanspruch erlebbar zu machen“, so Produzent Oliver Forster.

Diese außergewöhnliche Kunsterfahrung wird kuratiert von Virginia Jean. Die junge aus England stammende und in Berlin lebende Kuratorin und Galeristin ist eine vielseitige Gestalterin und unabänderliche Kreative. Nach ihrer langjährigen Arbeit im klassischen Kunstmarkt kreierte sie zahlreiche Projekte und Ausstellungen im Bereich der Street-Art. Banksy war aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Leidenschaft für Kreativität und freie Kunst als Kommunikationsmittel seit jeher ein großer Einfluss und eine Inspiration in ihrem Leben. Sie ist eine Expertin seiner Werke und Fachfrau der Street-Art Branche.

„Banksy spricht mit seinen Schöpfungen signifikante Wahrheiten und Probleme in unserer Welt an, vor welchen wir nur allzu gerne die Augen verschließen. Ein Banksy-Werk berührt jeden und ist an jeden gerichtet, ob derjenige es will oder nicht. Genau deshalb ist es mir persönlich so wichtig, Banksys Werke auszustellen, sie der Welt zugänglich zu machen und zu zelebrieren. Banksy schreibt mit seiner Kunst Geschichte – die Geschichte, die für uns gerade Realität ist. Die Ausstellung ist ein Muss für jeden, der sich gerne mit Kunst, Politik, allgemeinem Weltgeschehen und vor allem sich selbst auseinandersetzt und einen Sinn für bitter-süße Ironie hat“, so die Kreativ-Direktorin der Ausstellung.

Tickets: unter www.mystery-banksy.com, bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und an der Tageskasse 

Foto (c)COFO Entertainment


An den Ufern ferner Zungen

Cornelia Schleime stellt im Kunsthaus Apolda Avantgarde aus
Cornelia Schleime Kunsthaus Apolda Ausstellung

Von Wolfgang Leißling  Sie trägt einen poetischen Titel, die Ausstellung von Cornelia Schleime im Kunsthaus Apolda: „An den Ufern ferner Zungen.“ Mit der 1953 in Ostberlin geborenen Malerin, Grafikerin, Performancekünstlerin, Filmemacherin und Autorin (Roman „Weit fort“) gibt sich eine der erfolgreichsten deutschen Künstlerinnen der Gegenwart ein Stelldichein im historischen Ambiente der einstigen Fabrikantenvilla. Sie bekennt: Kunst ist mir die Nummer Eins im Leben.
Die heute in Berlin und Brandenburg arbeitende Kunstprofessorin in Münster gastiert mit einer Auswahl ihrer Werke – rund 100 Arbeiten, darunter frühe Kunst aus den Jahren in der DDR. Die Hamburger Kuratorin Dr. Andrea Fromm charakterisiert: In ihren expressiven mit Acrylfarben, Schellack und Asphaltlack gemalten Bildern und aquarellierten Zeichnungen setzt sie sich mit existentiellen Themen des Lebens wie Liebe, Verrat und Enttäuschung sowie mit gesellschaftlichen Veränderungen und Rollenbildern auseinander. Dabei verbinden sich ihre Sujets mit einer persönlichen Mythologie. In ihren figürlichen und gegenständlichen Kompositionen zu Menschen und Tieren wird immer wieder auch Unbewusstes reflektiert.
Bereits während ihrer Ausbildung an der Dresdner Kunstakademie suchte die katholisch erzogene Künstlerin nach eigenen, alternativen Formen, um den Ansprüchen an ihr persönliches Lebensgefühl auszudrücken. In der Konsequenz war sie leidenschaftlich bemüht, sich kritisch über die Kunstideologie in der DDR hinwegzusetzen. Dies nicht zuletzt auch mit ihren körpermalerischen Selbstinszenierungen sowie als Sängerin der Punkband „Zwitschermaschine“. Mit dem Staat DDR wusste sie nichts anzufangen und hatte freilich das Glück, dass es ihr gelang, drei Jahre nach dem Ausstellungsverbot 1984 mit ihrem Kind in die BRD ausreisen zu können. Erst nach der Wende erfuhr sie, dass der vermeintliche Freund Sascha Anderson - ein prominent gewordener Spitzel vom Prenzlauer Berg in Berlin - auch sie im Auftrag der Stasi ausspionierte.
Die Apoldaer Ausstellung belegt sinnfällig mit teils nie gezeigten Werken, dass Cornelia Schleime In ihren oft großformatigen Gemälden sowie den Zeichnungen und Selbstinszenierungen nach Opulenz und Metaphorik strebt. Sie will u.a. mit ihren Porträts die großen Gefühle einer Frau ausdrücken und zugleich über unser Sein und Werden nachdenken. Denn „Meine Figuren“, so Cornelia Schleime, „das bin ich“. Davon konnten sich die Besucher in zahlreichen Einzelausstellungen überzeugen. Die u.a. mit dem Gabriele-Münter-Preis sowie dem Hannah-Höch-Preis geehrte Künstlerin ist mit ihren Werken in internationalen Sammlungen von Berlin bis Los Angeles vertreten.
Befragt zu ihrem Credo als Künstlerin, antwortet sie: „Die Frau sollte Herrin ihrer selbst sein, finde den Halt in dir selbst, frei von allen dogmatischen Debatten, frei von Konsens.“

Die Ausstellung ist bis zum 3. Juli Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Abbildung: Cornelia Schleime, Punkerin


Martin Voigt - Hyperborea

Neue Sonderausstellung im Panorama Museum Bad Frankenhausen bis 12. Juni
Martin Voigt Ausstellung Panorama Museum Bad Frankenhausen

Hyperborea, das sagenhafte Land des Altertums hoch im Norden, gelegen jenseits der Gebirge am Rand der einst bekannten Welt, bezeichnet einen mythischen Sehnsuchtsort als ideales Refugium unbeschwerter Existenz und Kunstübung, bei dem Phantasie und Wirklichkeit verschmelzen, Imaginationen glaubhaft werden und Reales sich verwandelt. Deshalb auch, und weil ihn die archaische Nordlandschaft in ihrer magischen Ursprünglichkeit nicht nur fesselt und fasziniert, sondern zur Metapher seines Strebens wird, präsentiert Martin Voigt die erste große Museumsschau seines noch jungen Schaffens unter dem Titel dieser paradiesischen Urheimat des Menschen, die für das Wesen seiner künstlerischen Weltvorstellungen als Ganzes steht, für die Gesamtheit seiner bildphilosophischen Manifestationen von der Landschaft über das Antlitz des Menschen bis zu ikonischen Objekten, die sich als Stillleben von überwältigender Schönheit und Morbidezza zeigen.

Die Werkschau des 1990 in Leipzig geborenen Künstlers umfasst 125 Exponate aus dem Schaffenszeitraum von 2014 bis 2021. Der gelernte Steinmetz nahm 2013 ein Studium  an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig auf, das er in der Fachklasse für Malerei und Grafik bei Prof. Annette Schröter 2018 mit Diplom abschloss. So befinden sich in der Ausstellung, die Gemälde, Zeichnungen und Radierungen zeigt, neben neusten Werken aus dem letzten Jahr auch zahlreiche Arbeiten aus der Studienzeit.

Der Zeichnung kommt im Schaffen von Martin Voigt von Anbeginn zentrale Bedeutung zu. Mehr noch: Zeichnen als praktische Tätigkeit wie geistige Konzeption ist die Grundlage seiner Kunst, es ist Entwurf und Erkenntnismittel, Übungsaufgabe und visuelles Gedächtnis, aber auch Realisat vollendet ausformulierter Bildlösungen. Anfänglich waren es hauptsächlich Graphitarbeiten, hin und wieder gemischt mit Silberstift, auch Tusche. Später finden sich zudem Rötel und schließlich Pastellkreide.

Der Ölmalerei wandte er sich verstärkt erst im Hauptstudium zu. 2015 datieren so die ersten erhaltenen Gemälde, die sich vorerst, bis kurz vor Studienende, nahezu ausschließlich auf kleinformatige Stillleben mit Vanitasmotiven beschränken. Dabei ging es ihm nicht um schön arrangierte Stillleben im klassischen Sinne, sondern um die malerische Formulierung von emblematisch verdichteten Einzelobjekten, die ihn interessierten. In der Hauptsache handelt es sich dabei um schlichte Naturobjekte, weshalb er statt von Stillleben lieber von ›Objektbildern‹ spricht. Es sind Fundstücke aus dem Wald oder aus dem Garten der Großmutter – Dinge also von einer eminent persönlichen, melancholisch-romantischen Bedeutung für ihn, die die unabwendbare Vergänglichkeit allen Seins vor Augen führen und Vanitasgedanken evozieren.

Eine Studienreise nach Norwegen (Dezember 2017 – Februar 2018) brachte ihn zurück zur Landschaft, nicht in der Grafik, die am Anfang seines Schaffens dominierte, sondern in Zeichnung und Malerei. Das Sujet dieser Werke sind trübe, unwirtliche Nordlandhabitate, deren unberechenbare Tiefe hinter undurchdringlichen Nebeln verborgen liegt, was dem Raum sichtbare Weite nimmt und eine abgeschiedene Intimität gibt, die in der Kunst wenig Vergleichbares findet. Im eigentlichen Sinne sind es gar keine Landschaften, sondern wie die Stillleben des Malers ›Objektbilder‹, wobei die Protagonisten in diesem Fall Bäume sind – dunkel-romantische Baumwelten, die etwas Auratisch-Nebulöses haben, zu dem er einen ganz eigenen, besonderen Bezug verspürt. Es sind Seinsmetaphern, Reflexionsräume existenziellen Befindens voller Nähe, die es gestatten, vollkommen von dieser ursprünglichen Andersartigkeit jenseits aller Zumutungen des Alltags aufgenommen zu werden, sich von der Außenwelt abzuschirmen und in der Malerei wie der imaginierten Natur aufzugehen.

Überschaut man das noch junge Œuvre dieses in jeder Hinsicht singulären Neuen Meisters, so offenbart sich ein überaus vielschichtiges und komplexes Universum künstlerischer und gedanklicher Gehalte, das zwei entscheidende Quellen hat, zu denen er sich als aufrichtiger hyperboreischer Geist von beeindruckender Könnerschaft und Wahrhaftigkeit rückhaltlos bekennt: »Es ist tatsächlich so, dass ich sehr viele Anregungen aus der Kunstgeschichte aufgenommen habe. Kunstgeschichte und Natur sind für mich die wichtigsten Einflüsse.« Gerd Lindner

Abbildung: Auwald am Abend, 2021, Öl auf Leinwand, Besitz des Künstlers (Foto: Björn Siebert, Leipzig)


Bilder in Öl und Acryl von Elisa Watanabe

Eröffnung am 12. Juni um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Geithain
Elisa Watanabe Ausstellung Geithain

Elisa Watanabe, geboren 1988 in Hofgeismar, zeigt vorwiegend großformatige Bilder, gemalt mit Öl und Acryl, figurativ, in ruhigen Farben und mit Gold. In Geithain hat die freischaffende Künstlerin zwei Jahre gewohnt. Viele der in dieser Ausstellung gezeigten  Bilder sind hier entstanden. Gebürtig kommt sie aus Hessen, jetzt lebt und malt sie in Zwickau. Zu sehen ist eine bildnerische Auseinandersetzung mit Themen, die das Menschsein berühren: Momente/ Gefühle des Erschöpftseins, Verlustes, Zerbruchs, der Leere… und zugleich der Hoffnung, Perspektive, Orientierung, des Aufatmens und des Erholens ... Welcher Boden bleibt, wenn es einem den Boden unter den Füßen wegzieht? Woran lohnt es sich, festzuhalten? Das sind mitunter Fragen, die in den Bildern bewegt werden. Es ist eine „Schatzsuche“ nach dem Wertvollen in jeder Tragödie, allem Schweren, in allem Wahnsinn und Unverständlichen. Wer genau hinschaut, kann das Gold entdecken. Manchmal muss man auch ein bisschen danach suchen.

Sonderöffnung anlässlich Stadtfest am 19. Juni, 15 bis 17 Uhr

Stadtbibliothek Geithain, Leipziger Str. 17 | 04643 Geithain | Tel. 034341- 43168

https://www.elisawatanabe.de/


„Micro-Folie“ - Das digitale Museum aus Frankreich zu Gast in Gera

Museum für Angewandte Kunst Gera

Das Museum für Angewandte Kunst Gera präsentiert in seinen Räumen die Medieninstallation „Micro-Folie – das digitale Museum“. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Französischen Kulturbüro Erfurt ermöglicht. Es können der Mona Lisa über die Schulter geschaut und die berühmtesten Kunstwerke aus den großen Sammlungen französischer und europäischer Museen entdeckt werden. Die Besucherinnen und Besucher können selbständig oder mit Anleitung die Sammlungen u.a. des Louvre erkunden, des Centre Pompidou, von Schloss Versailles oder von La Villette, Paris. Auch sprachlich zeigt sich die Installation Micro-Folie vielfältig. So sind die Inhalte mal auf Deutsch, Französisch oder Englisch verfasst.

Micro-Folie wurde vom französischen Kulturministerium in Zusammenarbeit mit La Villette ins Leben gerufen, einem pulsierenden Kulturzentrum in Paris, das eine breite Palette von Veranstaltungen aus Kunst und Wissenschaft veranstaltet. Diese innovative digitale Archiv- und Bildungsplattform überwindet geografische und wirtschaftliche Grenzen, um einen besseren Zugang zur Kunst zu ermöglichen. Das französische Kulturministerium strebt an, bis 2022 weltweit 1.000 Micro-Folie-Standorte einzurichten. Ziel ist es, die kulturelle und künstlerische Geschichte des Kontinents anhand von mehr als 200 multidisziplinären Werken aus renommierten Institutionen der 27 Mitgliedstaaten zu veranschaulichen. Von der Akropolis bis Versailles, von Tizian bis Van Gogh, von Mozart bis HipHop bietet diese digitale Sammlung in einem ebenso originellen wie überraschenden Dialog ein umfassendes Panorama der Werke, die Europa und den Reichtum seiner Völker geprägt haben. 

Zum ersten Mal in Deutschland und als einzige Station empfängt das Museum für Angewandte Kunst Gera dieses virtuelle Museum im Rahmen der Ausstellung „La Bohème. Toulouse-Lautrec und die Meister vom Montmartre“. Die Sonderausstellung präsentiert über 100 Hauptwerke der französischen Plakatkunst aus der sogenannten „Belle Epoque“ des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Zu sehen bis zum 5. Juni im Museum für Angewandte Kunst Gera (Greizer Str. 37). Der Zugang zu Micro-Folie ist kostenfrei. Öffnungszeiten: Di-So, Feiertag 11-17 Uhr

www.museen-gera.de

 


Huber & Treff (Jena) präsentieren: Henrik Pillwitz

Neue Arbeiten – 10. Juni bis 16. Juli
Henrik Pillwitz

Seit mehr als 20 Jahren ist Henrik Pillwitz eine feste Größe in der Leipziger Malereiszene. Seine unverkennbaren Bilder changieren zwischen Gegenstandlosigkeit und landschaftlicher Abbildung. Ob es sich um biomorphe Strukturen, um geologische Formationen oder architektonische Anordnungen handelt bleibt der Intuition des Betrachters anheimgestellt. Objektiv handelt es sich wohl um ein selbstständiges System, um Ordnungen, Zuordnungen und Verhältnisse abzubilden. - Die meist konstruktiven Kompositionen bricht Pillwitz mit sehr komplexer Farbigkeit. Manchmal wird ein schwaches Leuchten zu einer überwirklichen Vision von surrealer Qualität. Der sichtbare Malduktus macht es dem Betrachter möglich den Entstehungsprozess nachzuspüren. Mit vielschichtigem Farbauftrag von zart perlender Lasur bis zum pastosen Spachteln, der der Farbe eine räumliche Qualität gibt, laden Henrik Pillwitz Bilder auch zu einer Entdeckungsreise „en détail“ ein.
Was sein Werk ohne Zweifel großartig macht, sind das Drängen nach handwerklicher Perfektion und der hohe künstlerische Anspruch.

Immer geht es Henrik Pillwitz in seinen Arbeiten darum, welche Aussagen sich durch Farbe treffen lassen, durch ihre Schichtungen, durch die Korrespondenzen der Farbtöne, durch ihre raumbildende Anordnung.

Ohne das Wissen um das bewusste Vorgehen, die Reflexion über die malerischen Mittel und ihre bildnerischen Wirkungen kann das Werk von Henrik Pillwitz nicht verstanden werden. Er steht damit – und bekennt sich sowohl im Bild als auch im Wort deutlich dazu – in der Tradition der Leipziger Malerei. Insofern wird in seinen Bildern auch eine lokale Überlieferung transparent, ein Erbe, das über Sighard Gille, dessen Meisterschüler Pillwitz war, wiederum auf dessen Lehrer Bernhard Heisig zurückgreift. Es wird ausdrücklich auch als Verpflichtung zu einer künstlerischen Moral begriffen, wonach, bei allem Reichtum der bildnerischen Mittel, Inhalt und gedankliche Tiefe nie brillanter Wirkung oder bloßer Zurschaustellung des malerischen Handwerks geopfert werden.

Vor allem der Blick auf die Motive in ihrer künstlerisch gefassten Form vermag die Frage nach bildnerischem Interesse von Henrik Pillwitz zu beantworten. Offensichtlich ist der Blick über die Terrains immer wieder auf die starken Konturen, die großen Dominanten, die kraftvollen Strukturelemente gerichtet. Das Interesse gilt den Formen mit „plastischer Wucht“, so formuliert es Pillwitz selbst, die im Miteinander von Farbe und Komposition gestalterisch bewältigt werden. Wichtig ist aber, dass sie im Gesamtzusammenhang des umgebenden Terrains oder Areals gesehen werden. Es ist immer auch ein panoramatischer Blick, der zwar mit der Tiefenraumkonstruktion des Fluchtpunkts arbeitet, aber dabei das Fokussieren auf nur einen Blickpunkt vermeidet.

Immer wieder geht es um die Frage nach den Gesetzmäßigkeiten: nach den Erkenntnissen der Morphologie, nach dem Wesen von Gestalt und ihrer Formausprägung. Auf dem Wege dieser Untersuchungen werden gestaltbildende Prinzipien formuliert und neue, autonom entwickelte Konstrukte abgeleitet. Aber in der Arbeit von Henrik Pillwitz bleibt es nicht bei der endgültigen Lösung. Die forschende und gestaltende Ernsthaftigkeit erschließt immer wieder Neues.

Abbildung: Henrik Pillwitz - AKKAVAARA

Kunsthandlung Huber & Treff - Charlottenstrasse 19, 07749 Jena /7 Mo 10.00 - 13.00 Uhr / Do & Fr 15.00 - 18.00 Uhr / Sa 10.00 - 15.00 Uhr  und nach Vereinbarung


Follow George Grosz

Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Filme in der Kunstsammlung Jena bis 26. Juni
George Grosz Ausstellung Jena

George Grosz nimmt in der europäischen Kunstgeschichte eine wichtige Position ein. Er gehört zur Generation jener Künstler und Künstlerinnen, die zwei Weltkriege miterlebt haben und die mit ihren Werken das Geschichtsbild des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägten. Dem Bild seiner Epoche stellt Grosz ein wagemutiges, geradezu radikal-entlarvendes Werk gegenüber, das mit klarer Formensprache und ungewöhnlicher Schonungslosigkeit seiner Zeit mit künstlerischer Brillanz und einer präzisen sozialpolitischen Zustandsbeschreibung darstellt.
 
Die Ausstellung zeigt 150 Werke aus Grosz‘ wichtigsten Schaffensperioden, schwerpunktmäßig sind das Arbeiten auf Papier aus den Berliner Jahren, aber auch Blätter aus seiner Zeit der Emigration in New York und Huntington. Vor dem Hintergrund der nachhaltigen Wirkkraft seiner Werke präsentiert die Ausstellung zudem ausgewählte Positionen nachfolgender zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die eine vergleichbare Hinwendung zu gesellschaftspolitischen Themen anstreben. Dabei bilden die selten gezeigten frühen Arbeiten von Andy Warhol in Zusammenhang mit dem Life-Magazin sicherlich das erstaunlichste Bindeglied. In der Ausstellung werden – neben den Werken von George Grosz – Arbeiten folgender Künstlerinnen und Künstler gezeigt:

Micha Brendel, Birgit Brenner, Werner Büttner, Andrè Butzer, Martha Colburn, Don Doe, Neal Fox, Felix M. Furtwängler, Andy Hope 1930, Dorothy Iannone, Sebastian Jung, Jonathan Meese, Daniel Richter, Julian Röder, Julian Rosefeldt, Erik Schmidt, Dash Snow und Andy Warhol.
 
Grosz‘ Ikonografie ist von der Verarbeitung des Ersten Weltkriegs geprägt. Thematisch hielt Grosz die Welt und den Menschen im Umbruch fest: Einstürzende Häuser, Soldaten, Generäle, Kriegsversehrte, Kapitalisten, Spießer und Prostituierte, ein Panoptikum der vom Krieg Gezeichneten als auch dessen Folgen: Klassenkampf, Korruption, Vertreter der Obrigkeit und Klerikale werden sein großes Thema. Grosz‘ Werke geben Zeugnis von den Folgen des Krieges und nicht zuletzt von seinem eigenem Leben als Migrant, der vor der Gestapo in die USA floh und jedweden Faschismus an den Pranger stellte. Auch das Hinterfragen des Selbst und der Geschlechter ist ihm ein Anliegen – nicht jenseits der Politik, sondern als dessen Abbild.
 
Die mit satirischer Schärfe zugespitzten Arbeiten präsentieren Kritik, Utopien, Grotesken und die Sehnsucht nach der neuen Welt. Schon 1916 hatte er seinen Namen von Georg Groß zu George Grosz anglisiert, um seine Antikriegshaltung zu demonstrieren und die patriotische Stimmung im Kaiserreich zu konterkarieren. Mit Hilfe des in Weimar ansässigen Kunstmäzen Harry Graf Kessler war Grosz vom Kriegsdienst befreit worden. Vom Misanthropen reifte er ab dann zum politischen, zeitweise dadaistischen Agitationskünstler, der in der Weimarer Republik, auf dem Höhepunkt seiner Popularität, zum Moralisten wird und warnend den Zeigefinger hebt.
Grosz‘ Werk zeugt von einer gesellschaftspolitischen Relevanz, die bis heute beeindruckt. Eine Eigenschaft, die ihn als ‚artist‘s artist‘ prädestiniert. Die Gegenüberstellung mit zeitgenössischen Positionen wie Brenner, Meese, Rosefeldt und auch Warhol machen deutlich, welche Ikonografie nachfolgende Generationen als Strategie des Entlarvens nutzen. Die Bezeichnung von George Grosz als geistigem Mentor wird dabei von manchen Künstlerinnen und Künstlern bejaht.
Zu wenig bekannt ist Grosz‘ Wirken in der Neuen Welt, als er 1933 mit seiner Familie der Gestapo entkam und nach New York emigrierte, um dort an der Art Students League angehende Größen der aufkommenden Pop Art Generation zu unterrichten. Hervorhebenswert ist die Begegnung mit Andy Warhol, dessen Werk Grosz in einer Jurysitzung gegenüber anderen seine Zustimmung gab. Das war im Jahr 1949, in dem Warhol nach New York übergesiedelt war. In dieser Zeit entwickelte Warhol seinen Stil der Umrisslinie, bezugnehmend auf Berichterstattungen aus der Zeitschrift ‚Life‘: Eine Auswahl dieser Werke wird in der Ausstellung zu sehen sein.
George Grosz erreichte in den USA nicht die Popularität, die er kannte, aber ihm wurden auch dort regelmäßig Ausstellungen gewidmet. Seinem Sujet, den Menschen der Straße und den Medien blieb er zugewandt, veröffentlichte z.B. in der satirischen Zeitschrift ‚Americana‘, der ‚Vanity Fair‘ und der ‚Life‘. Im ‚Esquire‘ publizierte er eine politisch engagierte Serie gegen den spanischen Bürgerkrieg.
Die Ausstellung in der Kunstsammlung Jena folgt der Annahme, dass politisch motivierte Kunst bis in unsere Zeit ein wirkungsvolles und adäquates Mittel der Auseinandersetzung ist. Angesichts der Wirkung von George Grosz liegt die Vermutung nahe, dass die groteske Zuspitzung die Anschaulichkeit deutlich erhöht und den Betrachter engagiert und integriert.
Für den Glauben daran, dass „Kunst als Waffe“ tauglich ist, gibt es bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten – neben George Grosz – auch andere Beispiele. Nach dem Zweiten Weltkrieg war diese Art im Westen wenig populär und im Osten zunächst gefördert und später als Beitrag „für den revolutionären Kampf der Arbeiterklasse“ ideologisch verklammert. Zweifellos hat politische Kunst aber seit den 2000er Jahren mit nur kurzer Vorwarnzeit eine völlig neue Breite und Vielfalt erreicht. Im Hinblick auf die Indienstnahme der Kunst für die Darstellung von politischen Problemen und deren Lösungen sind die Meinungen jedoch unverdrossen gegensätzlich und die Ausstellung wird einige exemplarische Wege aufzeigen. - Die Ausstellung wird von Annette Vogel (München) und Erik Stephan (Jena) gemeinsam kuratiert.

Abbildung: Plakat © Kunstsammlung Jena


Leipzigs "Gute Stube" ist wieder geöffnet

Es ist soweit – nach langer sanierungsbedingter Schließung hat die Beletage des Alten Rathauses mit ihrem historischen Festsaal wieder geöffnet. Damit bekam die Bürgerstadt Leipzig ihre repräsentative „gute Stube“ und das Stadtgeschichtliche Museum seine ikonischen Ausstellungsräume zurück. Zur Wiedereröffnung der ständigen Ausstellung lädt das Museum am kommenden Sonntag ganztägig zu kostenfreiem Eintritt und einem speziellen Führungsprogramm ein.

Die Ständige Ausstellung und der historische Festsaal wurden besucherfreundlich umgestaltet und erstrahlen in neuem Licht. Für die umfänglichen Bauarbeiten wurden die Räumlichkeiten im Jahr 2021 geschlossen, die etwa 1200 Ausstellungsobjekte haben nun aber wieder ihren Platz eingenommen.
Dabei hat sich vor und hinter den Fassaden vieles verändert: Neue Möbel für Kassentresen und Garderobe sorgen für ein angenehmeres Willkommen und profilieren das Alte Rathaus als attraktive Begegnungsstätte der Leipziger Stadtgesellschaft und ihrer Gäste von fern und nah neu.

Die Verbesserung der Beleuchtungssituation sowie die unabdingbare elektro- und brandschutztechnische Ertüchtigung des Gebäudes einschließlich einer Erneuerung der Fensterfronten bildeten die weiteren Schwerpunkte der Sanierungsarbeiten. Dafür wurden einige hunderte Meter neue Kabel verlegt; für die denkmalpflegerisch anspruchsvollen Arbeiten war die Zusammenarbeit mit zahlreichen Gewerken erforderlich. Die Bildergalerien und Kunstschätze der Etage erstrahlen nun aber in neuem Licht und in luftigerer Positionierung; zudem machen freigelegte historische Baubefunde die Entwicklung des vom Rats- und Gerichtssitz zum modernen brandschutzertüchtigten Museumsraums 2.0 gewandelten Gemäuers erlebbar.

Im Alten Rathaus zu Leipzig wurde jahrhundertelang Stadt-, Landes- und sogar europäische Geschichte geschrieben. Im Festsaal tragen sich heute hohe Gäste in das Goldene Buch der Stadt ein. Hier wird zu Empfängen, Konzerten und Eröffnungen geladen. Zugleich ist es jener Ort, an dem die Bürgerinnen und Bürger Leipzigs sich ihrer gewachsenen Identität versichern. All diese Besucherinnen und Besucher schätzen die authentische Atmosphäre des Festsaals und der Ratsstube und werden künftig noch besser erleben können, wie diese Räume Geschichte „atmen“.


Punkt, Fläche, Strich

Literaturmuseum Romantikerhaus Jena zeigt Werke der Schweizer Grafikkünstlerin Warja Lavater (1913–2007)
Literaturmuseum Romantikerhaus Jena

Unter dem Titel "Punkt, Fläche, Strich. Warja Lavater – Künstlerbücher und Symbolnotationen" präsentiert das Literaturmuseum Romantikerhaus gemeinsam mit Carol Ribi (Berlin) eine Auswahl von Werken der Schweizer Grafikerin, Buchkünstlerin und Malerin Warja Lavater. Zum ersten Mal nach ihrem Tod wird ihr Œuvre in einer Werkschau in Deutschland gewürdigt.
 
Internationale Bekanntheit erlangte Warja Lavater mit ihrem Künstlerbuch Wilhelm Tell, das 1962 vom Museum of Modern Art in New York und von der Basilius Presse in Basel herausgebracht wurde. Wilhelm Tell ist neben zahlreichen weiteren Werken in der Ausstellung zu sehen. Diese Faltbücher enthalten allerdings keine gewöhnlichen Illustrationen, sondern Bildfolgen von abstrakten Zeichen. Dafür prägte Lavater die Begriffe Folded Stories und Imageries.
 
Noch bevor die Kunstwelt von Artists’ Books sprach, hatte Lavater das Buch als künstlerisches Experiment für sich definiert. Diese Form der Zeichenschrift erprobte sie dann über viele Jahre in den unterschiedlichsten Medien und Formaten. So sind in der Ausstellung auch Filme und Gemälde zu sehen.
 
In Lavaters Œuvre ist die großformatige Leinwand allerdings die Ausnahme. In der Ausstellung werden vier dieser raren Gemälde präsentiert, wie zum Beispiel Liberté (1972), das die schwer zu erreichende individuelle Freiheit thematisiert. Was dann? (1973)  beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Informationskanälen wie Zeitung, Radio und Fernsehen, die je nach sozialer Schicht anders rezipiert werden. Das Werk Manifestation (1968) besticht durch seine unkonventionelle Gestaltung: Es stellt eine Ansammlung von Menschen an einer Demonstration in Paris im Jahr 1968 dar, die Figuren sind dabei aus Schuhbändeln geformt.
 
Nach ihrer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich gründete die junge Warja Lavater mit ihrem späteren Lebenspartner Gottfried Honegger ein Grafik-Atelier in Zürich, das sich durch ihren Entwurf des Logos für den damaligen Schweizerischen Bankverein – der heutigen UBS – einen Namen machte. Nach dem Krieg war das Atelier des Künstlerpaars Honegger-Lavater ein Treffpunkt der Kunstszene der 1950er Jahre: Es verkehrten bei Ihnen unter anderen Le Corbusier, Max Bill und Max Frisch, aber auch Bejmanim Britten, Al Held oder Sam Francis kamen zu Besuch.
 
Zu sehen bis 24. Juli im 3. Obergeschoss des Literaturmuseums Romantikerhaus zu sehen  (Dienstag – Sonntag, 10 – 17 Uhr, Unterm Markt 12a, 07743 Jena). Erarbeitet wurde sie von der Kuratorin Carol Ribi in Zusammenarbeit mit dem Romantikerhaus. Weitere Informationen zu Eintrittspreisen und öffentlichen Führungen sind auf der Website des Romantikerhauses zu finden.


Freischaffende Künstlerin Barbara Gruß (Ilmenau) stellt in der Kulturscheune Mühlberg aus

Barbara Gruß Ilmenau Kunstausstellung

Zum Ausstellungsort: Die Kulturscheune Mühlberg liegt im Zentrum des Ortes Mühlberg unterhalb der Ruine Mühlburg und bietet Besuchern Informationen über die GeoRouten und geologischen Besonderheiten im Drei Gleichen Gebiet sowie über die Fossilien des hier verbreiteten Germanischen Muschelkalks.

GeoInfozentrum Kulturscheune Mühlberg
Thomas-Müntzer-Str. 4
99869 Drei Gleichen, OT Mühlberg

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10:00  – 17:00 Uhr

www.drei-gleichen.de


Neue Ausstellungen im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Schmuck + Image. Das Grassi schmückt / Kairos. Margit Jäschke. Schmuck Objekt Installation
GRASSI Museum Leipzig Schmuck Ausstellung

Die Ausstellung SCHMUCK + IMAGE vereint rund 300 Schmuckarbeiten von etwa 180 internationalen Schmuckgestalterinnen und Künstlern. Basis dieser Schau ist die museumseigene Sammlung. Im Fokus stehen ausschließlich Schmuckstücke, die ab 1945 in die Sammlungen des Museums kamen. Die Präsentation folgt sowohl internationalen Entwicklungen mit ihren vielfältigen Positionen als auch einer sammlungsspezifischen Geschichte, die insbesondere ostdeutsche Züge trägt.

Foto: Brosche aus der Serie FREUNDE, Otto Künzli, München, 1997, Messing, Lack, Farbe (Foto Hans Hansen, VG Bildkunst)

Rund 180 Schmuckstücke sowie 30 Objekte der Künstlerin Margit Jäschke (*1962) werden in der Schau KAIROS. MARGIT JÄSCHKE. SCHMUCK  OBJEKT  INSTALLATIONEN gezeigt. Die Hallenser Schmuckkünstlerin bezeichnet sich selbst als Wanderin zwischen den Kunstwelten. Jenseits der üblichen Grenzen von Installation, Malerei, Skulptur und Schmuckkunst hat sie ein sehr eigenständiges Werk geschaffen. Dabei verwischt sie absichtlich den Unterschied zwischen tragbarem Schmuckstück und autonomem Kunstwerk. Die Ausstellung stellt das facettenreiche und vielfach preisgekrönte Œuvre von Margit Jäschke aus den vergangenen dreißig Jahren vor.


Max Peiffer Watenphul - Vom Bauhaus nach Italien

Zu sehen bis 12. Juni im Museum Gunzenhauser in Chemnitz

Das Museum Gunzenhauser widmet einem besonders eigenwilligen Bauhaus-Schüler eine retrospektive Ausstellung: Max Peiffer Watenphul. Ursprünglich zum Juristen ausgebildet, interessierte er sich stärker noch für die Kunst und kam durch Vermittlung von Paul Klee als junger Mann ans Bauhaus. Aufgrund seines großen Talents erhielt er dort schnell Zugang zu den verschiedenen Werkstätten und entwickelte eine singuläre figürliche Stil- und Formensprache. Von der Kunstgeschichte bisher zu wenig beachtet, entdeckt die Ausstellung im Museum Gunzenhauser den Künstler neu und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf Peiffer Watenphuls exzellente Vernetzung innerhalb der künstlerischen Avantgarde in Deutschland.
Peiffer Watenphul fand zur Malerei in der Auseinandersetzung mit der Zeitschrift Valori Plastici und mit Paul Klee. Als Bauhausstudent der ersten Stunde zählte der 23-Jährige schnell zu den besonders befähigten und begünstigten Studierenden. Am Ende seines Studiums hatte er mit zahlreichen Gemälden, Arbeiten auf Papier, Emailarbeiten und Textilkunstwerken bereits ein umfangreiches Frühwerk geschaffen. Zeitgleich war er auf dem Kunstmarkt erfolgreich und konnte sich als freischaffender Künstler etablieren. Nach dem Studium folgten Jahre des Reisens, in denen er neue Eindrücke aus Ländern wie Mexiko, Frankreich und Jugoslawien in seine Bildwelt übernahm. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden die meisten seiner Bilder aus den Museen entfernt. 1946 ging er zu Fuß über den Brenner nach Venedig. Hier entstanden zahlreiche Stadtansichten, in denen Peiffer Watenphul in Umfang und Dichte eine radikal neue Auseinandersetzung mit dem Thema »Stadtlandschaft« verfolgt, das sich auch in der Verwendung ungewöhnlicher Formate niederschlägt.
Die vielfältigen Kontakte zu Künstler:innen, Galerist:innen, Literat:innen und Intellektuellen prägten sein Werk. Immer wieder drängte es ihn zum geistigen Austausch etwa mit Johanna Ey, Lyonel Feininger, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Kurt Schwitters oder Grete Willers. Die Freundschaft mit Otto Dix förderte etwa Peiffer Watenphuls Auseinandersetzung mit dem Porträt. Alexej von Jawlensky bestärkte
ihn darin, Farbe in seine Bilder aufzunehmen. Jedoch erzählt nicht nur Peiffer Watenphuls künstlerische Entwicklung und Bildsprache von Begegnungen, auch die vielen gegenseitig geschenkten Werke und Porträts weisen auf Freundschaften, enge Beziehungen und wechselseitige Wertschätzung hin.
Erstmals werden in der Ausstellung Werke der privaten Sammlung des Künstlers in den Dialog mit den Arbeiten des Künstlers gestellt. Mit 64 Gemälden und Grafiken, von internationalen Leihgebern ebenso wie aus den Beständen der Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, wird das gesamte malerische Werk des Künstlers in Chemnitz präsentiert. Anlässlich der Ausstellung erscheint
im Sandstein Verlag ein umfangreicher Katalog auf Deutsch und Englisch mit zahlreichen Illustrationen sowie Texten von Florian Korn, Anja Richter und Michael Semff.

Bauhaus Labor - »Spiel wird Fest – Fest wird Arbeit – Arbeit wird Spiel«
Parallel zur Ausstellung lädt das eigens eingerichtete Bauhaus Labor Groß und Klein zur spielerischen Auseinandersetzung mit den künstlerischen Ideen des Bauhauses und den Bildstrategien Max Peiffer Watenphuls ein.





Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meisterwerke

Zu sehen bis 21. August im Herzoglichen Museum Gotha
Gotha Verlorene Meisterwerke Restaurierung

In einer stürmischen Dezembernacht 1979 wurden aus Schloss Friedenstein fünf wertvolle Altmeistergemälde gestohlen, die erst Anfang 2020 nach Gotha zurückkehrten. Ausgehend von diesem spektakulären Verbrechen, dem größten Kunstdiebstahl der DDR, beleuchtet die große Sonderausstellung „Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meisterwerke“ die wechselhafte Geschichte der Gothaer Kunstsammlungen.

Die Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha nehmen hinsichtlich ihrer Größe und Vielfalt im mitteldeutschen Raum eine Sonderrolle ein. Aus einer jahrhundertealten fürstlichen Sammelleidenschaft erwachsen, reichen die Bestände von naturkundlichen Objekten über Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerk, Grafik, Münzen und Medaillen, antike Gegenstände, Architekturmodelle, wissenschaftliche Instrumente und Möbel bis hin zu Ethnographica und Asiatika. Flankiert werden diese Sammlungen von der Forschungsbibliothek Gotha, einer umfangreichen historischen Bibliothek mit Hand- und Druckschriften, heute selbstständiger Bestandteil der Universität Erfurt, und dem Thüringer Staatsarchiv Gotha mit zahlreichen Quellen zur Sammlungs- und Residenzgeschichte. Kunst, Natur und Wissenschaften bilden in Gotha bis heute eine integrative Einheit, die sich auf den frühneuzeitlichen Kunstkammergedanken zurückführen lässt.

Diese einst fürstlichen Sammlungen nahmen ihren Anfang mit der Einrichtung der Kunstkammer auf Schloss Friedenstein durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1601-1675) im Jahr 1653. Die nachfolgenden Fürsten erweiterten die Sammlungen stetig, sie dienten der Repräsentation, sollten aber auch Bildung und Wissenschaft fördern und waren zu diesem Zweck jedem zugänglich. Im 18. Jahrhundert wurde Gotha dann auch zu einem wichtigen Ziel für Bildungsreisende. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert begann mit dem Bau des Herzoglichen Museums die wissenschaftliche Erschließung der Sammlungen. Dem ersten 1890 in der Reyher‘schen Hofbuchdruckerei erschienenen Katalog der Gemäldegalerie von Carl Aldenhoven, dem Direktor des neu gegründeten Museums, kam dabei eine besondere Rolle zu, weil er den Gothaschen Bestand international bekannt machte.

Seit den Goldenen Zeiten mit der Eröffnung des Herzoglichen Museums 1879 mussten die Sammlungen nach 1918 und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg einschneidende Verluste hinnehmen. Drei Faktoren führten zu tiefgreifenden Reduktionen an Struktur und Substanz der Sammlungen. Zunächst war es die Herzogliche Kunststiftung selbst, die Inkunabeln der Sammlung in den Kunsthandel gab, um die Finanzierung der Stiftung zu gewährleisten. Später wurden wesentliche Sammlungsschätze nach Coburg verlagert, um diese vor dem Zugriff durch dir Rote Armee zu bewahren. Darüber hinaus kam es zu unkontrollierten Verkäufen und zu Diebstählen bis 1948. Der weitreichendste Faktor war aber der Abtransport zentraler Sammlungsteile durch die Sowjetischen Trophäenbrigaden 1946. Neben dem Museum war hiervon auch die Bibliothek betroffen.

Nach den Verlusten konnten die Sammlungen aber auch viele glückvolle Rückführungen erleben. 1958 wurden Teile der Gothaer Bestände aus der UdSSR zurückgeführt und seit den 1990er Jahren konnten die Bemühungen verstärkt werden, verloren gegangene Objekte für Gotha zurückzugewinnen. Mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Rudolf-August Oetker-Stiftung und privaten Förderern ist es über die Jahre gelungen, hochkarätige Kunstwerke wieder in die Sammlungen einzugliedern. Die jüngst erfolgte Rückkehr der fünf Meisterwerke stellt in diesem Zusammenhang einen Höhepunkt dar und lässt hoffen, dass in Zukunft weitere Inkunabeln, die für immer verloren geglaubt waren, der Öffentlichkeit in Gotha wieder präsentiert werden können.

Die Ausstellung zieht anhand von Beispielen hochkarätiger Werke der Malerei, Grafik, Numismatik und des Kunsthandwerks die abenteuerlichen und vielgestaltigen Wege der Objekte nach und zeigt die Umstände ihrer Rückkehr auf. Im Mittelpunkt stehen dabei die jüngst zurückgekehrten Gemälde des Diebstahls von 1979, die erstmals in restauriertem Zustand und in historischen Rahmen präsentiert werden. Darüber hinaus bieten historische Dokumente, von den alten Sammlungsinventaren über handschriftliche Briefe bis hin zu Stasi-Akten, den BesucherInnen die Möglichkeit, selbst auf Spurensuche zu gehen und die Geschichten der Werke nachzuvollziehen. Im Niederländer-Saal des Herzoglichen Museums ist die ursprüngliche Hängung des 19. Jahrhunderts rekonstruiert worden. Diese Petersburger-Hängung führt wie in einem Schattenkabinett vor Augen, wie erheblich die Verluste heute immer noch sind.

Ausgehend von dieser Situation arbeitet die Gothaer Provenienzforschung an einer systematischen Aufarbeitung der Verlustlinien, die neben als verschollen geltenden Objekten auch Werke betreffen, die sich heute in anderen öffentlichen oder privaten Sammlungen befinden und deren Besitzverhältnisse als gesichert gelten. Gotha kann somit exemplarisch für ein spannendes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte stehen, das bis heute nicht abgeschlossen ist.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog im Michael Imhof Verlag erschienen.

Foto: Dietrich Richter und Der alte Mann / Foto: Susanne Hörr

 


Glanzstücke der Ilmenauer Porzellanfabrik von 1871 bis 1971

GoetheStadtMuseum Ilmenau

Das GoetheStadtMuseum Ilmenau zeigt in seiner neuen Sonderausstellung eine Auswahl repräsentativer Porzellane der Ilmenauer Porzellanfabrik von Gründung der Aktiengesellschaft unter Hermann Stürcke im Jahr 1871 bis zur Entstehung des Neuwerkes zu Beginn der 1970er Jahre. Zu sehen sind Kaffee-, Mokka-, Tee- und Speiseservice von bedeutenden Modelleuren und Formgestaltern wie Max Renner, Robert Richter, Karl Kemedinger, Werner Winkler und Ilse Decho, die für die Ilmenauer Porzellanfabrik „Graf von Henneberg“ entworfen wurden und die zum Großteil als großzügige Schenkungen erst vor kurzem in die Museumssammlung gelangten. Das Museum hat von Dienstag bis Freitag von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Ab November ist für jeden ersten Montag im Monat, um 12 Uhr ein Mittagsintermezzo mit einem „Objekt des Monats“ geplant.

Nähere Infos https://www.ilmenau.de/de/freizeit/museen-und-kulturstaetten/goethestadtmuseum/sonderausstellung/