Ausstellungen

Til Mette im Sommerpalais Greiz

Cartoons für die moralische Elite mit Bildung, Geld & gutem Geschmack

Gotthard-Tillmann Mette, allseits bekannt als Til Mette, wurde 1956 in Bielefeld geboren. Von 1980 bis 1985 studierte er Kunst und Geschichte in Bremen. Seine Zeichnungen wurden zu dem Zeitpunkt bereits in der Süddeutschen Zeitung und in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht. In der Bremer taz, deren Mitbegründer er im Jahr 1985 ist, erschienen seither regelmäßig seine Cartoons. Außerdem publizierte er unter anderem im englischen Punch und in den amerikanischen Funny Times. Seit 1991 sein erstes Buch mit Cartoons veröffentlicht wurde, riss die Bücherfolge nicht ab. Von 1995 an zeichnet Til Mette exklusiv für den stern. Til Mette lebte von 1992 bis 2006 mit seiner Frau in New York und New Jersey. Heute lebt der Künstler zusammen mit seiner Familie in Hamburg.

Zu sehen bis 13. Mai 2018 // Februar und März 10 bis 16 Uhr, April und Mai 10 bis 17 Uhr // Montags geschlossen, Ostermontag geöffnet


Kunstwerk zu Ehren der Heiligen Elisabeth von Thüringen erhellt den Naumburger Dom

Lichtskulptur von Philipp Schönborn zu sehen bis zum 13. Mai

Zum zweiten Mal gastiert ein Kunstwerk des Münchner Fotografen Philipp Schönborn in der Krypta des Naumburger Doms. Mit der Lichtskulptur setzt er der Heiligen Elisabeth von
Thüringen ein leuchtendes Denkmal und bietet den Dom-Besuchern im Rahmen des 25. Jubiläums der Straße der Romanik ein bedeutendes Glanzlicht mit einer besonderen Wirkung in der Dunkelheit der Krypta.
Teil der Ausstellung wird außerdem ein Konzert der Erfurter Sängerin Sabine Lindner sein. Zur Musikalischen Passionsandacht am 24. Februar 2018 ist sie mit dem Elisabethoffizium im Dom zu hören.
Das Interesse Schönborns am Leben und Wirken herausragender Frauen wandte sich 2014 Elisabeth von Thüringen zu. Besonders der Umstand, dass ihre Grablege erhalten, aber ihre Gebeine in der Reformationszeit zerstreut wurden, regte Schönborn zu dem sargartigen Schrein „Elisabeth von Thüringen“ an. Leuchtend bunte Bilder umfassen die schmale, einfache Kistenform. Sie stammen von dem mittelalterlichen Elisabethfenster aus der Marburger Elisabethkirche und wurden von dem Künstler in die Abstraktion der Unschärfe geholt. Hier wird das kurze Leben der ungarischen Königstochter Elisabeth (1207-1231) erzählt: Wie sie nach dem frühen Tod ihres Mannes dem höfischen Leben entfloh und sich der Speisung und Pflege der ärmsten und der kranken Menschen
widmete. Dem heiligen Franziskus nachfolgend, fand sie ihren Platz bei den Menschen in Not. Die Oberseite des Schreines zeigt sie auf einem Kissen ruhend in weißem Schleier. Über diesem Relief, das ihr Grab ziert, wurde die Elisabethkirche in Marburg errichtet.
Das leuchtende Kunstwerk geht auf eine mehrjährige Reise zu den Orten, an denen Elisabeth lebte oder an denen sie früh verehrt wurde. Die Reise begann am Elisabethfest 2017 im Dom zu Erfurt, wo 1235 ihre Heiligsprechung proklamiert wurde. Zweite Station (bis 13. Mai 2018) ist der Naumburger Dom, in dessen Elisabethkapelle sich die vermutlich älteste Steinfigur der Heiligen befindet.
Weitere Stationen des Kunstwerks zu Ehren der Heiligen Elisabeth von Thüringen werden u.a. die Abteikirche Sayn, die Wartburg, die Neuenburg in Freyburg (Unstrut), der Dom zu Merseburg und der Wiener Stephansdom sein.
Philipp Schönborn ist 1943 geboren, wuchs in Österreich auf und lebt heute in München. Seit den 1980er Jahren machte er sich international einen Namen als Fotograf von zeitgenössischen Kunstwerken. Schönborns künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Natur, Kunst, Religion, Licht und Farbe begann 1990. Die Form, die er dafür entwickelte, ist die Fotografie in Leuchtkästen oder Aluminiumrahmen.
Mit seiner Einzelausstellung „Heiliges Land“ im Fotomuseum Berlin 2005 wurde er als Künstler bekannt, 2017 bestritt er eine Einzelausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien.
Naumburg war bereits 2012 eine wichtige Station auf seiner Ausstellungstournee „Hildegard von Bingen“, eine der großen Frau des Mittelalters gewidmete Reise entlang der Straße der Romanik.


Tiefblaues Himmelgrün

Nicola Grabiele. Malerei & Installation / Ausstellung im Jenaer Kunstverein bis 1. März 2018

Der Jenaer Kunstverein eröffnet das Ausstellungsjahr 2018 mit einer Präsentation von Arbeiten des Schweizer Künstlers Nicola Grabiele. Grabiele zeigt in Jena neueste Arbeiten, wobei er sich bewusst auf die besonderen Bedingungen der Ausstellungsräume im historischen Stadtspeicher einlässt. Neben Landschaften auf Leinwänden wird eine großformatige Bodenarbeit zu sehen sein.
Schon lange kreist Grabieles Werk um Erinnerungen und Sehnsüchte, um Vergangenes, um Verschüttetes, um die Heimat seiner Familie, die aus Kalabrien stammt. In Winterthur geboren und aufgewachsen, ist Süditalien für ihn eine zweite Heimat. Die Utopie dieses Ortes und das Heimweh dorthin sind das zentrale Thema seiner künstlerischen Suche.
Insbesondere Grabieles Landschaften, die er auf stille Horizonte konzentriert, haben ihren Ausgangspunkt in der Frage nach den eigenen Wurzeln. Hier dominieren Blautöne als physiologisch ebenso wie symbolisch wirksame Farbimpulse. Der bildnerische Prozess wird vom assoziativen Reagieren auf Eindrücke, Sinnesanregungen und Spuren über ein bedachtsames Überlagern von Schichten entwickelt. Diese Methode hat in der Poetik- und Ästhetikgeschichte eine lange Tradition und reicht zurück bis zur Romantik.
Die Bodenarbeit „Ruhe vor dem Sturm“ bewegt sich zwischen Malerei, Grafik und Installation und ist explizit für die Ausstellung in Jena entstanden. Auf 160 Bögen Aquarellpapier hat Nicola Grabiele an verschiedenen Orten – auch in Jena – Abdrücke von Erdoberflächen genommen. Rauhe Erde ist der Ausgangspunkt der abgebildeten Strukturen. Sie bleibt lesbar und präsent. Jede Region bildet Ihre eigene Charakteristik aus. Auf dem Boden ausgelegt lassen die Blätter in ihrer Gesamtheit ein großes Bild entstehen.
Wenn der Jenaer Kunstverein mit Nicola Grabiele einen aus der Schweiz stammenden Künstler in Jena vorstellt, greift er auf eine lange Beziehung zur Schweiz und ihrer Kunstgeschichte in der Moderne zurück. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatten Schweizer Wissenschaftler wie der Rechtshistoriker Hans Fehr oder der Philosoph Eberhard Grisebach sowie Künstler wie Emil Nolde oder Ferdinand Hodler einen bedeutenden Anteil an der Profilierung des Jenaer Kunstvereins zu einer Wirkungsstätte damals aktuellster Kunst. Auf Hodler bezog sich in den 1990-er Jahren der Schweizer Bildhauer und Objektkünstler Jürgen Brodwolf. Seine Werkgruppe „Die Nacht. Hodler-Zyklus“ hat der Jenaer Kunstverein im Jahr 1997 gezeigt. Daran anknüpfend soll mit der Ausstellung von Nicola Grabiele jetzt abermals der Blick auf die zeitgenössische Kunst der Schweiz und gerichtet werden.   Nicola Grabiele lebt und arbeitet in Winterthur, einer kleinen Großstadt, die wie Jena gegen Ende des 20./Anfang des 21. Jahrhunderts einen schwerwiegenden Transformationsprozess erlebte und sich heute (mit 16 Museen) unter anderem als kulturelles Zentrum versteht. Der Kunstverein möchte Grabiele auch zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch einladen, um einen Beitrag zu Diskussion über die Bedeutung von zeitgenössischer Kunst in der Gesellschaft, in Stadt und Region abseits der großen Metropolen zu leisten.

Abbildung: © Nicola Grabiele_Mare solitario, Öl auf Lw, 60 x 80 cm 

Öffnungszeiten: Mi, Fr, Sa 12–16 Uhr, Do 12–19 Uhr  Eintritt frei

Weitere Informationen unter: www.jenaer-kunstverein.de www.facebook.com/Jenaer.Kunstverein.eV
 
Begleitveranstaltungen:
Führungen durch die Ausstellung: Donnerstag, 15. Februar, 18 Uhr; Samstag, 24. Februar, 14 Uhr sowie auf Anfrage
Finissage mit Künstlergespräch: Donnerstag, 1. März, 19 Uhr


KOMMEN UND GEHEN - 8. Triennale Sachsen-Anhalt Süd

Bis 1. April, Zeitz, Schloss Moritzburg

Die 8. Triennale "Kunst in Sachsen-Anhalt Süd" erwartet noch bis zum 1. April ihre Gäste. Mit der Triennale haben der Burgenlandkreis und der Saalekreis gemeinsam mit dem Land Sachsen-Anhalt eine Ausstellungsform geschaffen, dass diese traditionsreiche lebendige Kunstszene einer breiten Öffentlichkeit vorstellt. Sie gehört inzwischen zu den bedeutendsten Ausstellungen für Gegenwartskunst in Mitteldeutschland. Arbeiten 31 Bildender Künstler gilt es in 12 Ausstellungssälen für sich zu entdecken. In das Schloss Moritzburg sind 31 Bildende Künstler eingeladen, um aktuelle Arbeiten vorzustellen. Unter ihnen befinden sich die Altmeister Walter Weiße aus Freyburg und Hans-Joachim Hering aus Zeitz, die mit ihren Kunstwerken seit Jahrzehnten Maßstäbe setzen.
International bekannte Künstler wie Margret Weise, Hans-Christoph Rackwitz, Steffen Ahrens, Hans-Joachim Triebsch sowie Susanne und Carsten Theumer stellen teilweise neue Arbeiten aus, von denen einige durch den Triennale-Titel «Kommen und Gehen» inspiriert wurden.
Man kann sich in Zeitz aber auch von Andreas Richters Papierobjekten bezaubern lassen oder die Kunstwerke der Triennale-Debütantinnen Susanne Rothe, Undine Hannemann, Katrin Schücke und Charlott Szukala für sich entdecken.
Weitere Höhepunkte der Ausstellung sind Pauline Ullrichs große Keramikfiguren und die Porträtplastiken von Grit Berkner.
Die einflussreiche hallesche Metallerschule ist mit Werken von Rosemarie Ullrich, Andreas Freyer und Klaus-Dieter Urban vertreten; während Brigida und Wolfgang Böttcher gemeinsam mit Tim von Veh die Leipziger Schule mit exzellenter Druckgrafik repräsentieren.
Yvonne Galley-Knappe stellt modernen Schmuck aus und Christoph Schulz zeigt hinter-sinnige Keramikobjekte.
Auch von der Bandbreite und hohen Qualität der Malerei und Grafik im Süden Sachsen-Anhalts kann man sich anhand repräsentativer Bilder von Christina Simon, Christine Heinemann, Ernst-Ulrich Jacobi, Bernhard Michel, Klaus-Dieter Ullrich, Klaus Sängerlaub und Jörg Wachtel überzeugen.


10. Nordhäuser Grafikpreis der Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung

Ausstellung der Preisträger und nominierten Künstlerinnen und Künstler bis 11. März im Kunsthaus Meyenburg

Mit der Ausstellung zum 10. Nordhäuser Grafikpreis der Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung startet das Kunsthaus Meyenburg ins neue Ausstellungsjahr. Präsentiert wird ein einzigartiger Einblick in die aktuelle deutsche Grafik-Kunstszene. An der Ausschreibung haben sich in diesem Jahr 118 Künstler aus Berlin, Hamburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen beteiligt. Die Auswahl der Preisträger erfolgt in zwei Jury-Sitzungen. Die 17 für die Endauswahl nominierten Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Werke in der neuen Sonderausstellung. Die Preisverleihung findet am 17. Februar um 16 Uhr statt. „Erstmals vergeben wir einen Publikumspreis, der vom Kunsthaus Meyenburg Förderverein e.V. gesponsert wird und für den die Besucher nun in der Ausstellung voten können“, sagt Susanne Hinsching. Die Künstlerinnen und Künstler der Endauswahl sind: Philip Angermaier (Handeloh), Franca Bartholomäi (Halle), Christine Ebersbach (Wurzen), Max Eichner (Barsinghausen), Katrin König (Eisenberg), Timm Kregel (Gorsleben), Uwe Klos (Cossengrün), Dorit Lecke (Dreieich), Sibylle Mania (Weimar), Silke Miche (Berlin), Sylvia Pàzstor (Dresden), Luise von Rhoden (Halle), Masami Saito (Erfurt), Erik Seidel (Plauen), Marlene Treu (Marklohe), Carolin Weinert (Leipzig) und Tina Wohlfarth (Dresden).

„Die eingereichten Arbeiten zeigen einen sehr guten Querschnitt durch alle grafischen Techniken, von großformatigen Zeichnungen mit Graphit oder Tusche, über klein- und großformatige Radierungen, bis hin zu außergewöhnlichen unikaten Holzschnitten  sowie ungewöhnliche genreübergreifende Drucktechniken. Auch die Motivwelt der Werke ist sehr verschiedenartig und zeigt sowohl Figuratives als auch Abstraktes in unterschiedlichster Form“, erklärt Susanne Hinsching. Der Nordhäuser Grafikpreis, der im Jahr 1999 zum ersten Mal vergeben wurde, erfreue sich immer stärkerer Beliebtheit in Künstlerkreisen, was auch die große Anzahl an Bewerbungen aber vor allem die Qualität der eingereichten Arbeiten zeige. Damit werde man dem Wunsch der Künstlerin und Stifterin Ilsetraut Glock gerecht, die Kunst zu fördern und ihrer Heimatstadt Nordhausen besondere kulturelle Highlights zu ermöglichen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 

 


Fundstücke zwischen barocken Steinen

Kunstverein Eisenach e.V. zeigt in der Reihe „Künstler im Schloss“ Collagen und Mischtechniken von Karin Weinrich

Das Jahr 2018 beginnt vielfältig in den ehrwürdigen Mauern des Eisenacher Stadtschlosses. Denn vielfältig sind die Materialien die die Werke von Karin Weinrich ausmachen. Steine, Schieferstücke, Sand, Glasbruchstücke oder Zeitungsschnipsel und noch vieles mehr verarbeitete die Künstlerin in ihren Collagen, die sie ab Donnerstag im Thüringer Museum ausstellt.
Unter Eisenacher Kunstkennern schon lange keine Unbekannte mehr, freut sich die Künstlerin, mit der Ausstellung im Schloß einmal mehr das breite Spektrum ihres langen künstlerischen Schaffens zeigen zu können. Viele ihrer Werke tragen keine Titel - der Betrachter ist somit gefragt, sich auf einen Kunstspaziergang  ohne konkrete Bezugsgrenzen einzulassen. Dass es dabei viel zu entdecken gibt, davon kann jeder sich bis zum 9. Mai in der 2. Etage des Thüringer Museums am Markt überzeugen.


Niki de Saint Phalle und das Theater

At Last I Found the Treasure. Skulpturen, Installationen, Grafiken / Kunstsammlung Jena / zu sehen bis 8. April 2018

Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle – kurz Niki genannt – wird 1930 in Neuilly-sur-Seine, nahe Paris, in eine großbürgerliche, streng katholische Familie hineingeboren. Der Vater ist Franzose, die Mutter Amerikanerin. Als Sechsjährige zieht sie mit ihrer Familie nach New York. Im Alter von achtzehn Jahren heiratet sie ihren Jugendfreund, den amerikanischen Schriftsteller Harry Matthews, mit dem sie zwei Kinder hat. 1951 zieht Niki de Saint Phalle nach Paris, wo sie später Jean Tinguely kennen lernen und 1970 heiraten wird. Erste künstlerische Erfolge hat Niki de Saint Phalle mit ihren „Schießbildern“. Das sind Gipsreliefs mit eingearbeiteten Farbbeuteln, die ab 1955 entstehen und auf die sie während der Vernissagen schießt. Ab 1962 widmet sie sich einem neuen Thema, plastischen Objektbildern von Frauenfiguren, in denen sie sich auf ungewöhnliche Weise mit der Frauenrolle auseinandersetzt. Wenig später, ab 1965, entstehen die ersten „Nanas“ – Frauenfiguren mit betont üppigen und runden Formen – die die Künstlerin weltweit berühmt machen. 1966 installiert sie im Stockholmer Moderna Museet eine 29 Meter lange, liegende Skulptur mit dem Namen Hon (Sie), die durch die Vagina betreten werden kann und in deren Inneren sich unter anderem eine Bar und ein Kino befinden. 1979 beginnt sie mit dem Bau des Giardino dei Tarocchi, dem Garten des Tarot und ab 1982 entsteht in Zusammenarbeit mit Jean Tinguely der Strawinski-Brunnen vor dem Centre Pompidou in Paris. In Folge ihrer Arbeit mit Polyester und Kunstharz leidet Niki de Saint Phalle in den 1990er-Jahren an schweren Atemwegserkrankungen und zieht nach San Diego in Kalifornien, wo sie 2002 verstirbt.

1966 wird Niki de Saint Phalle von dem Regisseur Rainer von Diez nach Kassel eingeladen, um Bühnenbild und Kostüme für die Inszenierung der Lysistrata von Aristophanes am Staatstheater zu entwerfen. Sie identifiziert sich mit dem Stück, in welchem sich Frauen aus ganz Griechenland gegen ihre Männer und den Krieg verschwören. Die Künstlerin lernt das Theater auch als Ort der aktiven Beteiligung des Publikums schätzen und beginnt ein eigenes Theaterstück namens ICH zu schreiben, das dann 1968 anlässlich der documenta IV in Kassel uraufgeführt wird. In diesem Stück ergreift eine weibliche Figur namens ICH die Macht über die Menschheit, die von „Monsteranern“ repräsentiert wird. Zunächst bringt ICH als junges Mädchen ihre Eltern um, dann erreicht sie in verschiedenen Disziplinen, unter anderem als Rennfahrerin und Sängerin, Weltruhm. Schließlich heiratet ICH sich selbst und regiert die Welt. Die Inszenierung des humorvollen, erotischen, aber auch grausamen Stücks regt die Fantasie und Kritik des Publikums gleichermaßen an. Mit ihrem Stück ICH gelingt es Niki de Saint Phalle, Kunst und Theater zu vereinen. Das burleske Streben einer jungen rebellischen Frau nach rücksichtsloser Selbstverwirklichung findet viel Zustimmung, wird jedoch im konservativen Publikum weniger geschätzt. Die Ausstellung „Niki de Saint Phalle und das Theater – At Last I Found the Treasure“ würdigt erstmals Niki de Saint Phalles Arbeit für das Theater. Nahezu einhundert Objekte, Modelle, Siebdrucke, Plakate und Dokumente zeugen von der Kraft, mit der die Künstlerin die performative Kunst und das Theater der 1960er-Jahre beeinflusst hat. In der von Beate Kemfert für die Opelvillen Rüsselsheim erarbeiteten Ausstellung werden jene Impulse deutlich, mit denen Niki de Saint Phalle Kunst und Publikum auf neue Art und Weise vereinen kann. Gemeinsam mit den Kunstschaffenden der New Yorker Avantgarde, den Künstlern der Nouveaux-Réalistes in Paris und den Theaterpionieren in Kassel in den 1960er-Jahren verfolgt Niki de Saint Phalle das Ziel, der Kunst neue Möglichkeiten zu eröffnen. Das umfangreiche Ausstellungsprojekt ist in enger Kooperation mit der Niki Charitable Art Foundation in Santee, Kalifornien, USA entstanden. >>> Katalog: Deutsch/Englisch, Kehrer Verlag, Heidelberg 2016, 240 Seiten, 39,90 Euro.

Abbildung: Niki de Saint Phalle. Nana. 1970. Privatsammlung


SpielzeugDesign: Rupfentiere von Renate Müller

Zu sehen im Schlossmuseum Molsdorf (Erfurt) bis 11. März 2018

Mit einer kleinen Retrospektive wird Renate Müller, die bekannte Spielzeugdesignerin aus Sonneberg (geb. 1945), im Schlossmuseum Molsdorf gewürdigt. Müllers dem Minimalismus der klassischen Moderne verpflichteten Spieltiere und -elemente waren schon zu DDR-Zeiten beliebt und begehrt. Seit dem letzten Jahrzehnt feiern sie als farbig nun vielfältigere Designobjekte einen späten Erfolg, vor allem in den USA. Die Rupfentiere gelten heute als Designklassiker. Sie stehen in Kinderzimmern und in Lofts, in Museen wie in Praxen von Ärzten und Physiotherapeuten. Sie werden bis zur Unkenntlichkeit bespielt oder mit weißen Handschuhen angefasst. 2012 waren sie im Rahmen der Ausstellung Century of the Child im MoMA zu sehen. Nicht zuletzt über den transatlantischen Umweg haben sie ins Bewusstsein eines breiteren Publikums in Deutschland und vor allem in Ostdeutschland (zurück-) gefunden. Hier werden sich viele an ein "besonderes" Nilpferd in den Kindergärten und  Polikliniken der DDR erinnern. Die Spieltiere fielen durch ihre einfachen, klaren Formen wie durch ihre robusten Materialien Rupfen (Jute/Sackleinen) und Leder in den Grundfarben auf. Sie wirkten stabil und im übertragenen Sinne zuverlässig und gutmütig. Als Kind wusste man nicht so genau, ob man mit ihnen "bloß" spielen oder eben auch "nützlich" turnen sollte. Bis heute bieten diese "Viecher" – so werden sie von ihrer Schöpferin genannt –  kindgemäße taktile wie optische Reize, die jedoch auch Erwachsene ansprechen. Nicht nur Sammler können sich ihnen schwer entziehen. Die von Silke Opitz kuratierte Ausstellung präsentiert sowohl Vintage Tiere – jene Originale aus "alten Zeiten" – und neueste Viecher. Auch Müllers installative Arbeiten im öffentlichen Raum wie Spielplätze und Spielecken für Krankenhäuser und Museen werden dokumentarisch vorgestellt. Nicht zuletzt soll die Ausstellung der renommierten Spielzeuggestalterin damit auch auf die temporäre Nutzung des Molsdorfer Schlosses in den 1950er Jahren als Kinderheim verweisen.

Abbildung: Rupfentiere von Renate Müller, ©Renate Müller und R and Company Gallery, New York. Foto: Lutz Naumann, Coburg


Allerlei Mitgeschicktes

Goethe und Schiller-Archiv in Weimar präsentiert Briefe an Goethe und ihre Beilagen

Kupferstiche, Mineralien oder auch die Haarlocke einer schottischen Verehrerin – gewöhnliche und ungewöhnliche Gaben begleiteten häufig die an Johann Wolfgang von Goethe adressierten Briefe. Rund 20.000 Sendungen von über 3.500 Adressaten sind überliefert. Eine Auswahl präsentiert das Goethe- und Schiller-Archiv vom 19. Januar bis 22. Juli 2018 in der Ausstellung »Allerlei Mitgeschicktes. Briefe an Goethe und ihre Beilagen«. Die Sendungen in der Schau spiegeln Goethes vielfältige Interessensgebiete auf sehr persönliche Weise wider. Als unermüdlicher Sammler erwarb er unter anderem Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, forderte Gestein von der Hohen Tanne bei Ilmenau an oder bat Wilhelm von Humboldt um Handschriften historischer Persönlichkeiten und berühmter Zeitgenossen. Für den Schriftsteller Goethe ist ein Privileg Preußens gegen den Nachdruck seiner »Ausgabe letzter Hand« ausgestellt, dem schließlich sogar ein Schreiben von König Friedrich Wilhelm III. folgte. Urkunden, Gedichte, Medaillons, Handzeichnungen und Gemälde erreichten Goethe aber oftmals auch ungefragt als Geschenke und Ehrengaben. 1824 erhielt er das Modell eines Goethe-Denkmals für seine Vaterstadt Frankfurt am Main, das Bettina von Arnim entworfen hatte. Daneben finden sich einige sehr intime Sendungen, wie ein Gutachten über den Gesundheitszustand des 56-jährigen Goethe oder die Silhouette einer schottischen Verehrerin nebst Haarlocke. Kuriositäten bilden den Abschluss. So erhielt der Dichter unter anderem zwei Faschingsorden aus Dülken und ein kleines Stück Kosaken-Brot, gebacken 1818 im russischen Kasan. Die Briefe an den Dichter, das Mitgeschickte und die damit verbundenen Geschichten zeichnen ein sehr lebendiges und in Aspekten bislang unbekanntes Bild Goethes und seiner Zeit.

Zu sehen bis 22. Juli 2018 // Kuratorenführungen 11. April, 13. Juni (jeweils 16 Uhr)


Sonderausstellung im GoetheStadtMuseum Ilmenau

Wilfri(e)d Spinner - Schweizer Theologe in Japan und Thüringen. Seine Sammlung japanischer Kult- und Pilgerbilder // Zu sehen bis 25. Februar 2018

Die neue Sonderausstellung des GoetheStadtMuseums Ilmenau ist dem Schweizer Theologen und Missionar Wilfri(e)d Spinner gewidmet. Die Schau greift dabei einen speziellen Aspekt des in diesem Jahr allseits gegenwärtigen Reformationsjubiläums auf. Sie beleuchtet die spannende Geschichte evangelischer Missionsbestrebungen des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach im weit entfernten Japan am Ende des 19. Jahrhunderts. - 1885 erteilte Herzog Carl Alexander dem Theologen Wilfri(e)d Spinner den Auftrag, als Missionar nach Japan zu reisen und dort die jungen evangelischen Gemeinden in Tokio und Yokohama zu betreuen. Nach seiner Rückkehr war Spinner bis 1896 Oberpfarrer in Ilmenau und wirkte danach als Oberhofprediger bzw. als Generalsuperintendent in Weimar. Während seines Japanaufenthaltes setzte sich Spinner intensiv mit der buddhistischen Glaubenswelt auseinander und sammelte begeistert japanische Kult- und Pilgerbilder. Seine einzigartige Sammlung, die in ihrem Umfang und ihrer Struktur selbst in Japan ihresgleichen sucht, wird vom Völkerkundemuseum Zürich aufbewahrt. Dank enger Zusammenarbeit mit dem Züricher Museum werden diese Zeugnisse japanischer Alltagskultur nun erstmals umfänglich in Deutschland im GoetheStadtMuseum Ilmenau präsentiert. Gleichzeitig wird ein biografischer Abriss Wilfri(e)d Spinners gegeben, zu dem sowohl seine Missionarstätigkeit in Japan, als auch seine pfarramtlichen Pflichten in Thüringen gehören. - Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich.

GoetheStadtMuseum Ilmenau, Am Markt 1, 98693 Ilmenau, Tel.: 03677.600 210

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 – 17 Uhr, Silvester 10 – 13 Uhr geöffnet // Heilig Abend, Weihnachtsfeiertage und Neujahr geschlossen

Abbildung: Bildrolle, Die Zehn Daseinsstufen der menschlichen Seele nach der Lehre der japanisch-buddhistischen Tendai-Schule. Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Inv.-Nr. 19427


Gutes Design ist supernormal

Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt bis 6. Mai 2018: JASPER MORRISON. THINGNESS

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig präsentiert mit JASPER MORRISON. THINGNESS die erste Retrospektive des weltweit renommierten Designers Jasper Morrison (*1959 in London). Sie vereint Schlüsselmomente aus seinem mehr als 35-jährigen  Schaffen. Ob Möbel, Leuchten, Küchenutensilien, Wohnaccessoires, Kleidung oder Elektronik: Morrison setzt sich hinsichtlich Gestaltungsfragen und -umsetzungen keine Grenzen. Gutes Design ist für ihn „super­normal“. Damit prägt er ein neues Formverständnis. Für den Produktdesigner Jasper Morrison zeichnet sich gutes und langlebiges Design durch funktionale Aspekte und eine bewusste Zurückhaltung aus. Seine Entwürfe vereinen einfachste Formen mit maximalem Komfort. Mit dem Begriff „supernormal“ definiert und prägt Morrison seit 2005 seine Gestaltungsprinzipien. Für ihn sind einfache alltägliche Dinge, die durch ihre reine Form überzeugen und Funktionalität aufweisen, „supernormal“. Objekte, die sich auf Grund ihrer benutzerfreundlichen, unaufdringlichen und zeitlosen Gestaltung bewähren, ohne dass dabei überflüssiger Dekor oder extreme Formen vordergründig sind. Gleichzeitig bedeutet „supernormal“ auch eine Rückbesinnung auf ursprüngliche Grundformen. Unter diesem Credo hat er eine Reihe von Entwürfen für international bekannte Firmen wie Alessi, Cappellini, Muji, Camper, FSB, Flos, Samsung, Magis oder Vitra umgesetzt. In der Ausstellung werden in chronologischer Abfolge Stühle, Sessel, Trink­gläser, Lampen, Schuhe und Heimelektronik gezeigt. Explizit für diese Werk­schau entwarf Morrison ein einfaches und zugleich visuell ansprechendes Regalsystem. Archiv- und Bildmaterial ergänzen die Präsentation bieten Einblicke in verschiedene Zeitabschnitte.

Abbildung: Jasper Morrison, Low Pad, Cappellini, 1999, Foto: Walter Gumiero


Ruprecht von Kaufmann: „Die Evakuierung des Himmels“

Zu sehen bis 2. April 2018, Kunsthalle Erfurt

Die Kunsthalle Erfurt präsentiert unter dem Titel „Die Evakuierung des Himmels“ eine große Werkschau des Berliner Malers Ruprecht von Kaufmann. Auf vier Etagen werden rund 120 Arbeiten aus den letzten 15 Jahren zu sehen sein. In die Schau integriert ist auch eine kleine Präsentation von Materialexperimenten, die unter dem Motto „Inside the Studio“ unmittelbare Einblicke in die Arbeitsweise des Künstlers gewährt Carte Blanche für Ruprecht von Kaufmann: Der Berliner Maler hat eine persönliche Auswahl seiner Arbeiten, die zwischen 2002 und 2017 entstanden sind, für die Kunsthalle Erfurt getroffen. Thematisch geordnet, geben rund 120 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Gouachen und Skizzenbücher einen Einblick in seine Bildproduktion. Auf seinen Bildern begegnen sich Mythologie und Film, Reales trifft auf Surreales, beiläufige Beobachtungen auf große Weltentwürfe. Und über allem schwebt die Frage nach den Grenzen und Möglichkeiten der Malerei und der Selbstverortung des Malers in einer Welt, die ohnehin schon unablässig Bilder produziert. Die Filmstadt Los Angeles hat ihn geprägt. 1974 in München geboren, studierte Ruprecht von Kaufmann von 1995 bis 1997 Illustration am Art Center College of Design in der kalifornischen Metropole. Danach zog er für zweieinhalb Jahre nach New York. Seit 2003 lebt und arbeitet von Kaufmann in Berlin. Seine figurative Malerei ist häufig geprägt von einer filmischen Erzählweise, die sich jedoch nicht konkreter Vorlagen bedient. Auch die Personen auf seinen Bildern entspringen stets seiner Fantasie. Gerade auf seinen großformatigen Werken fügen sich parallele Erzählstränge aneinander und ergeben so eine fiktive Handlung, die sich erst im Kopf des Betrachters mit all ihren Widersprüchen zusammenfügt.

So etwa auf dem atelierfrischen, 7,50 x 2 Meter großen, aus fünf Paneelen bestehenden Panoramagemälde „In the House“, das einen zentralen Platz in der Erfurter Ausstellung einnimmt. Zu sehen sind verschiedene Räume eines Gebäudes, die zunächst nur  durch Spuren auf ihre Bewohner hinweisen: ein Putzeimer im Treppenhaus oder ein Overall am Kleiderhaken im Bad. Je mehr man sich mit dem Bild auseinandersetzt, um so tiefer dringt man in die inneren Räume vor: Im Schlafzimmer scheint eine Frau im Bett zu versinken, eine andere stürzt oder schwebt in einem Scherbenregen durch ein Dachfenster. Es bleibt unklar, ob das Haus ein großes, puppenstubenartig aufgefächertes Mietshaus ist, ein Bühnenbild oder nur eine Strandhütte. Surreale Momente mischen sich auch hier wieder mit realen Szenen. Mit grundlegenden Fragen wie „Was kann Malerei?“ beschäftigte sich Ruprecht von Kaufmann in den letzten 15 Jahren intensiv. Doch nicht nur auf der inhaltlichen Ebene, sondern auch in der Maltechnik geht er nahezu analytisch an malerische Fragen heran. Er unterzieht seine Figuren verunklärenden Nachbearbeitungsprozessen, etwa indem er am Ende ihre Gesichter verwischt oder mit dem Linoleummesser in sie hineinschneidet. Seit einigen Jahren verwendet er farbiges Linoleum als Malgrund für seine Ölgemälde. Einritzungen, Ausschabungen und abstrakte Strukturen setzen hier ebenso bestimmte Akzente wie dicke Farbklumpen, die der Künstler am Ende eines Maltages von der Palette schabt und mit scheinbarer Nonchalance auf die Bilder aufbringt. Diese Geste versteht er als eine Art von Tagebucheintragung. Die haptische Qualität als Charakteristikum der Malerei Ruprecht von Kaufmanns wird in der Erfurter Ausstellung besonders herausgearbeitet. Gewissermaßen als Schau in der Schau ist unter der Kapitelüberschrift „Inside the Studio“ eine Präsentation von Materialexperimenten zu sehen. Hier wird für den Besucher nachvollziehbar, wie der Maler mit Fiberglas, Seidenmalerei, Filz, Gummi oder Wachs experimentiert. Französische Comics, „Die satanischen Verse“ von Salman Rushdie oder die verschachtelten Romane von Paul Auster bilden weitere Folien für Ruprecht von Kaufmanns Malerei. Einfache Antworten auf die großen Fragen unserer Existenz sind von seinen Bildern nicht zu erwarten. Aber das wäre ja auch langweilig. Vielmehr löst die Betrachtung seiner komplexen Bilderzählungen auch beim Ausstellungsbesucher eine Art tiefgründiger Introspektion und Sinnsuche aus. Und überhaupt: Wenn der Himmel evakuiert wird, wohin gehen dann die Götter?

Konzept der Ausstellung: Ruprecht von Kaufmann und Prof. Dr. Kai Uwe Schierz


BLUMEN FLOWERS FLEURS

Ausstellung bis 14. Oktober 2018 im Leipziger GRASSI Museum

Seit jeher haben Blüten und Blätter Generationen von Künstlern und Entwerfern inspiriert. Ihre Designs begleiten und verschönern unseren Alltag. Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in seiner Ausstellung BLUMEN FLOWERS FLEURS mehr als 300 Exponate vom 17. Jahrhundert bis heute. Schwerpunkte sind Arbeiten aus der Zeit des Jugendstils von Künstlern wie Emile Gallé, Max Laeuger, Edmond Lachenal und Vilmos Zsolnay, zahlreiche Stücke aus West- und Ostasien sowie ausgewählte Meissener Porzellane aus der 2015 geschenkten Sammlung von Diethard und Regina Lübke. Die vielfältigen Formen und Farben, die sich aus der Welt der Blumen herleiten, sind geradezu unerschöpflich und immer wieder anregend für die Gestaltung neuer Muster im Geschmack der Zeit. Der Kosmos der Dekore ist dabei groß: Detailgetreue, an der Natur orientierte Blumenmalereien, neue fantasievolle Blütenschöpfungen oder ganz auf Linie und Fläche reduzierte Muster und Ornamente. Auf Gefäßen, Schmuck, Bestecken und Fliesen aus Porzellan, Glas, Keramik, Zinn, Metall und Email finden sich Seerosen und Lilien, Kornblumen und Gänseblümchen, Chrysanthemen und Päonien. Die Ausstellung ist in zwölf Stationen gegliedert und spielt mit dem Reichtum und der Vielfalt floraler Motive in Kunsthandwerk und Design. Die Themen reichen von Vergissmeinnicht und Rosen über die Inspiration Ostasiens bis hin zu Flower Power für die Tafel. Die Kombination von historischen und modernen Exponaten aus Europa und Asien lädt zu überraschenden Entdeckungen ein. Lotos und Seerosen schmücken alte chinesische Porzellane und Vasen des Jugendstils. Chrysanthemen und Päonien grüßen aus Ostasien. Dichte Blütenmuster verweisen auf Inspirationen aus dem Orient. Tulpen blühen auf Tellern, Kannen und Besteck. Vergissmeinnicht und Rosen verzieren nicht nur Tassen der Biedermeierzeit, ihre Botschaft ist bis heute aktuell. Flora, die Göttin der Blumen, schüttet ihr Füllhorn aus: Blumen, wohin das Auge schaut!


Erich Kuithan - eine Retrospektive zum 100. Geburtstag

Kunstsammlung Jena / zu sehen bis 15. April 2018

Erich Kuithan wird 1875 in Bielefeld geboren. Nach dem Tod des Vaters siedelt die Familie 1888 nach München über. Nach Erlangung des Abiturs besucht Kuithan die Zeichenschule von Ludwig Schmid-Reutte und Friedrich Fehr, wo er unter anderem die menschliche Anatomie anhand ägyptischer und frühgriechischer Skulpturen studiert. 1893 erhält er einen Studienplatz an der Akademie der Bildenden Künste in München für die Zeichenklasse von Karl Raupp. Zwei Jahre später zieht die Familie nach Schliersee in die bayerischen Voralpen. Von da aus unternimmt Kuithan mehrere Studienreisen. Erste Ausstellungen in diversen Kunstvereinen folgen. Daneben illustriert er Kinderbücher und arbeitet für die Münchner Kunst- und Literaturzeitschrift „Jugend“. Während seines Aufenthaltes in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts lernt Ludwig Pallat den Künstler kennen, woraufhin er ihn für die Position des Direktors der neu zu gründenden freien Zeichenschule im 1903 eröffneten Volkshaus Jena empfiehlt. Zwischen 1903 und 1908 leitet Kuithan die Schule, unterrichtet Zeichnen, Malen und Modellieren, und organisiert Ausstellungen mit Arbeiten der Kursteilnehmer, mit denen es ihm gelingt, die Bildende Kunst stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. In seiner Jenaer Zeit ist Erich Kuithan zudem selbst künstlerisch sehr produktiv: Inspiriert von den humanistischen Ideen Ernst Abbes, die sozialpolitische Reformen und das Auflösen erstarrter Konventionen zur Folge hatten, entstehen meist idealistische Bilder. Sie zeigen Menschen, mitunter als allegorische Gestalten, am Strand oder in Frühlingslandschaften, in denen man Landstriche des Saaletals wiedererkennen kann. Der größte Bestand seiner Werke befindet sich heute in der Kunstsammlung Jena. Kuithan fertigt nicht nur zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Illustrationen an, sondern auch Möbel, Geschirr, Kleider, Exlibris und Fresken, wie etwa im Universitäts-Hauptgebäude und im Volkshaus. Für Letzteres übernimmt er die künstlerische Ausgestaltung – neben Wand- und Deckenbildern gestaltet der Künstler den Bühnenvorhang und die Außenanlagen. Für Zeiss entwirft er 1904 den Schriftzug des ersten Warenzeichens. Im neu gegründeten Kunstverein beteiligt er sich sowohl an Ausstellungen, als auch als aktives Mitglied in dessen Vorstand. Darüber hinaus nimmt er wiederholt an kulturellen Gesellschaften in Jena teil und engagiert sich in der Ortsgruppe des Bundes für Heimatschutz. Aufgrund von Sparmaßnahmen des Trägers der Zeichenschule, der Carl-Zeiss-Stiftung, muss Kuithan 1908 kündigen. Auf Drängen der Öffentlichkeit übernimmt sein Bruder Fritz vorübergehend einige Kurse. Erich Kuithan folgt im Jahr 1911 dem Ruf an die Königliche Zeichenschule in Berlin. Von einer unheilbaren Krankheit geplagt ist er nach fünf Jahren gezwungen, seine Lehrtätigkeit als Professor aufzugeben. Er kehrt nach Jena zurück, wo er 1917 verstirbt.

Erich Kuithan ist ein Maler der Jahrhundertwende, der ohne eindeutige Zuordnung zwischen Jugendstil, Symbolismus und Expressionismus pendelt. Sein bildgewaltiges Werk ist umfangreich und besteht in der Hauptsache aus Gemälden und Zeichnungen. Der Künstler ist für die Kunstgeschichte Jenas außerordentlich bedeutsam. Katalog mit Bestandsverzeichnis der Werke in der Kunstsammlung Jena: 128 Seiten, 22 Euro.

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 10-17 Uhr, Donnerstag 15-22 Uhr, Samstag, Sonntag 11-18 Uhr, Montag geschlossen

Abbildung: Erich Kuithan: Der Frühling, 1906 ©Foto Kunstsammlung Jena