Ausstellungen

Starke "Bauhausfrauen" unserer Zeit in der Kunsthalle Erfurt

Kunsthalle Erfurt Bauhausfrauen Nina Röter

Was für begabte Frauen am Bauhaus der Weimarer Republik oft nur gegen Widerstände möglich schien, ihre Formierung als selbstbestimmte, ästhetisch und ökonomisch eigenständige weibliche Persönlichkeiten, als Formgestalterinnen und freie Künstlerinnen, das ist heute Programm der modernen, geschlechtergerechten Ausbildung an der Bauhaus-Universität Weimar, der Kunsthochschule des Freistaats Thüringen. Auch den Absolventinnen sollte es unter den sozioökonomischen Rahmenbedingungen in Deutschland leichter fallen als den historischen Bauhäuslerinnen, ihre eigenen Visionen von der Selbstverwirklichung durch künstlerische und gestalterische Betätigung in eine nachhaltige Praxis zu überführen, oder? 

Um dieser Frage nachzugehen, wurden dreißig künstlerische Positionen ausgewählt, schwerpunktmäßig aus dem Studiengang Freie Kunst der Fakultät Gestaltung, die heute als Fakultät Kunst und Gestaltung auch den Studiengang Medienkunst/Mediengestaltung umfasst, geschaffen von Professorinnen, Dozentinnen, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Absolventinnen der Bauhaus-Universität Weimar, um sie in einer Ausstellung zu präsentieren. Hier steht ihr Werk pars pro toto für eine Situation, welche die künstlerische Selbstentfaltung von Frauen als eine Selbstverständlichkeit ansieht, in der gerechte Strukturen für die Entwicklung von Menschen jedweden Geschlechts zu den gesetzlich verankerten Zielen staatlichen Handelns gehören, auch wenn die Praxis noch manches zu wünschen übrig lässt. 

Die Ausstellung zeigt aktuelle Arbeiten von starken 'Bauhausfrauen' unserer Zeit: 31 Lehrerinnen und Absolventinnen der Fakultäten Kunst und Gestaltung sowie Architektur der Bauhaus-Universität Weimar werden vorgestellt. Gezeigt werden Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Video, Installation, Objekt, Dokumentation, Produktdesign und Architektur.

Abbildung: Nina Röder, Cosy under here( aus der Serie Bath in Brilliant Green), 2015, Fine Art Print,  ©Nina Röder

bauhausFRAUEN. Lehrerinnen und Absolventinnen der Bauhaus-Universität Weimar

Zu sehen bis 14. Juli 2019

Eine Kooperation der Kunsthalle Erfurt mit dem Erfurter Kunstverein e.V.

Kunsthalle Erfurt, Fischmarkt 7, 99094 Erfurt

www.kunstmuseen.erfurt.de

Öffentliche Führungen: donnerstags 23.5., 6.6., 20.6., 4.7., 19 Uhr, sonntags 5.5., 19.5., 2.6., 16.6., 30.6., 14.7., 11:15 Uhr // Sonderführungen nach Anmeldung

29. Mai, 19 Uhr Screening 1 - Verena Kyselka (Videokünstlerin und Performerin, Berlin)

5. Juni, 19 Uhr Screening 2  - Nina Lundström (Videokünstlerin, Weimar)


Von der Kunst, ein Kunstwerk zu lesen

Sommerpalais Greiz lädt zu Führungen ein: 21. und 28. Mai

Jeder kennt Kunst – Doch wie erkennt man ein Kunstwerk?
Was zeichnet Kunst aus? Handwerk, Material, Originalität, Seltenheit oder die Ausstellung des Objekts in einem Museum?

Erkenne ich eine Botschaft im Bild?
Wie kommuniziert ein Kunstwerk mit dem Betrachter? Leitet der Künstler unseren Blick?
Haben Gegenstände im Bild eine Bedeutung? Und wenn ja, welche?
Sind die dargestellten Personen real?
Sieht und fühlt jeder dasselbe, wenn er ein Kunstwerk betrachtet?

Kurze Impulsführungen sollen den Blick für die oftmals verborgene Bedeutung von Kunst schärfen. Hierzu herzlich eingeladen sind Museumsbesucher und alle Neugierigen, die Kunst für sich neu erleben möchten oder in der Mittagspause den Alltag für einige Minuten gegen eine spannende Entdeckung eintauschen wollen.

Mai 2019

dienstags | 12.30 Uhr | Dauer: ca. 15 min.
ermäßigter Eintritt: 2,– €
Café im Küchenhaus geöffnet 12.00–20.00 Uhr

21.05.2019
Der Vorgängerbau des Sommerpalais
Das erste Sommerschloss im Fürstlich Greizer Park und seine barocke Anlage

28.05.2019
Maison de belle retraite
Der Bau des Sommerpalais und seine Funktion
als Lustschloss und Rückzugsort


Neue Attraktion auf der Leuchtenburg

34 spektakuläre chinesische Keramik- und Porzellangefäße aus Privatsammlung ab sofort auf der Leuchtenburg zu sehen – ältestes Stück ist 7000 Jahre alt
Leuchtenburg Chinesisches Porzellan

„Was Kevin Costner kann, das kann ich toppen…“, dachte sich der in Rheinland-Pfalz lebende Privatsammler chinesischer Keramiken und Porzellane, Wolfgang Nolting. Inspiriert durch die Schenkung einer wertvollen Ming-Schale durch den Hollywood-Star Kevin Costner, griff der Südpfälzer aus Jockgrim, kurzerhand zum Telefon, sprach mit der Museumsdirektorin und schenkte den Porzellanwelten Leuchtenburg in den vergangenen Jahren nicht weniger als 34 kostbare Gefäße aus seiner Sammlung. Die Stücke sind ab sofort in den Porzellanwelten Leuchtenburg zu bestaunen.

Der Hollywood-Star Kevin Costner hatte der Stiftung Leuchtenburg im Jahr 2014 im Rahmen einer außergewöhnlichen Aktion höchstpersönlich eine kostbare Schale aus der kaiserlichen Ming-Dynastie überreicht. Die spektakuläre Schenkung ging damals breit durch die Medien. Als Nolting davon erfuhr, wusste er, dass auch seine Stücke in den Porzellanwelten gut aufgehoben sein würden und nahm Kontakt mit der Leuchtenburg auf. Überzeugt hatte den Porzellan-Kenner letztlich das besondere Konzept der Porzellanwelten. Museumsdirektorin Dr. Ulrike Kaiser ist hellauf begeistert: „Wir sind außerordentlich glücklich über diesen wertvollen Zuwachs in unserer Porzellansammlung und fühlen uns geehrt, dass wir diese einzigartigen Stücke nun in unserer Ausstellung präsentieren dürfen. Mit den ausgestellten Exponaten können wir der Öffentlichkeit nun erstmals die Gefäßentwicklung im Ursprungsland der Porzellan-Herstellung vor Augen führen.“
Zu den 34 Exponaten zählen absolute Kostbarkeiten, darunter ein sogenanntes „Kendi“ aus dem 16. Jahrhundert. Es stammt aus der Ming-Dynastie und war vermutlich ein Zeremonialgefäß. Ebenso spektakulär: eine über 4000 Jahre alte Schöpfkelle mit Bemalung aus der spätneolithischen Majiyao-Kultur. Das älteste Exponat, eine außergewöhnlich gut erhaltene Amphore aus der Banpo-Kultur, ist 7000 Jahre alt. „Sie ist jetzt das älteste Stück überhaupt in unserer Sammlung“, sagt Ulrike Kaiser voller Stolz.

Die 34 spektakulären chinesischen Porzellan- und Keramikgefäße werden in einem eigenen Ausstellungsbereich präsentiert und sind ab sofort für die Besucherinnen und Besucher in den Porzellanwelten Leuchtenburg zu sehen.  

Zum Foto: Chinesisches Schaumagazin - Direktorin Dr. Ulrike Kaiser platziert die historischen Stücke


TANZ! MAX PECHSTEIN

Bis 14. Juli: Sonderausstellung in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum
Max Pechstein Tänzer Ausstellung Zwickau Max Pechstein Museum

Erstmals wendet sich ein Ausstellungsprojekt der Bedeutung des Tanzes im Werk Max Pechsteins zu. Tanz, Varieté und Zirkusdarstellungen, in denen Bewegung und Unterhaltungskultur verschmelzen, werden erstmals genauer in den Blick genommen und auf ihre stilistische und inhaltliche Funktion im Schaffen des in Zwickau geborenen Künstlers befragt. Die Sonderausstellung „TANZ! Max Pechstein: Bühne, Parkett, Manege“ ist vom 6. April bis 14. Juli in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum zu sehen.

Der Tanz erlebt Anfang des 20. Jahrhundert eine ungeahnte Blüte. Als sinnliche Gegenkraft und unmittelbares Ausdrucksmedium inspiriert er die Kunst und das kulturelle Leben. Unter den Expressionisten war es vor allem auch Max Pechstein (1881-1955), der den Tanz als Inbegriff von Bewegung und individuellem Ausdruck zum wichtigen Sujet erhob. Das Thema des Tanzes durchzieht das Werk des Brücke-Künstlers, der selbst leidenschaftlich getanzt hat, wie ein roter Faden.

„…so ein Körper gibt doch mehr Anregung, als eine Landschaft es zu tun vermag,…“ (Max Pechstein 1908)

Pechstein, Mitglied der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe Brücke, lässt sich 1908 in Berlin nieder, das sich schnell zu einer pulsierenden Metropole mit einem boomenden Vergnügungsbetrieb etabliert. Vor Ort hält er das Gesehene in spontanen Skizzen fest, die ihm häufig als Vorlagen für Druckgrafiken und Gemälde dienen. Seit 1906 finden sich bei Max Pechstein Darstellungen von Tänzern auf Papier, 1909 bannt er erstmals den Tanz auf Leinwand. Noch im Spätwerk, im Jahr 1951, malt er den von seiner Südseereise inspirierten „Mondscheintanz“ in Öl. Dass die meisten Arbeiten zum Thema auf Papier ausgeführt werden, gern kleinformatig sind, im Stil einer Skizze, verdeutlicht die frische Unmittelbarkeit. Max Pechstein ist vor Ort, sitzt im Publikum, genießt den Reiz des Augenblicks. Neu für den Expressionisten ist die überaus reiche Unterhaltungskultur, die ihn nun dauerhaft umgibt. So hält er besonders bis Ende der 1920er-Jahre öffentliche Tanzvergnügen, Tänzerinnen vor Publikum und das spektakuläre Treiben in der Zirkusmanege fest.

Innerhalb der Ausstellung bildet das erste und letzte „Tanz“-Gemälde den Rahmen für weitere 5 Arbeiten in Öl, ca. 10 Aquarelle, über 35 Druckgrafiken, über 20 Zeichnungen und ca. 10, zum Teil illustrierte, Autografen des Künstlers. Durch die Verbindung der Werke Pechsteins mit ausgewählten kulturhistorischen Dokumenten, darunter 5 Fotografien und diverse groß gezogene Reproduktionen, 2 Kostüme mit Accessoires und 2 Filmaufnahmen, soll ein Nachempfinden dieser Faszination ermöglicht werden. Gerade die Darstellungen des alltäglichen, öffentlichen Tanzvergnügens wirken als anschauliche Zeitdokumente und vermitteln ein authentisches Bild der Gesellschaft und ihrer Veränderung, von Mode, Tanz und Miteinander. Zur Sonderausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm unter anderem mit unterschiedlichen Führungen und Tanzdarbietungen statt. Museumspädagogische Programme bieten Kindern und Jugendlichen eine aktive und kreative Auseinandersetzung mit der Kunst von Max Pechstein.

Abbildung: Max Pechstein, Tänzer, 1910; Privatbesitz, Foto: Dieter Otte, Hamburg; Pechstein Hamburg/Tökendorf

Termine und Themen unter www.kunstsammlungen-zwickau.de

 

 

 


Kunstverein Gera zeigt fünf junge Positionen zum Thema Bauhaus

Gruppenausstellung bis 15. Juni 2019
Kunstverein Gera Bauhaus

Das Bauhaus, getragen vom Geist des Aufbruchs, zählt zu den wichtigsten Gestaltungshochschulen des 20. Jahrhunderts. Sie war jedoch kein Institut mit einem starren Programm, sondern folgte der Idee, die Kunst aus ihrer Wirklichkeitsdistanz herauszulösen und Alltagsleben, Funktionalität und ästhetischen Anspruch zu vereinen. Mit der Rückbesinnung auf das Handwerk war die gestalterische Intention verbunden, experimentell und manuell eine neue Formensprache zu entwickeln. Durch klare Linien und Formen sollten nicht nur einzelne Objekte funktionell gestaltet werden, sondern das gesamte Umfeld im Alltagsleben der Menschen ästhetisch verändert werden. Rückblickend verstehen Teile der heutigen Künstler das Bauhaus weniger als eine stilbildende Anstalt, denn als ein kreatives Laboratorium in der Utopien und Visionen entwickelt wurden. Das Bauhaus steht daher auch heute noch ungebrochen für modernes Denken und veränderte Gestaltungsprinzipien aus konstruktiven Konturen, Gestalten und Oberflächen. 

Die Ausstellung „Die Summe seiner Teile“ widmet sich dem Thema „Bauhaus“ und präsentiert 5 junge, zeitgenössische Positionen, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus und mittels verschiedener Medien mit Ideen und Grundprinzipien auseinander setzen, die schon die Künstlern des Bauhauses beschäftigten, wie das Gestalten im Bereich der Baukunst, der Typografie, des Design sowie anderen Alltagsgegenstände als auch Arbeiten auf Papier. Gezeigt werden Werke der KünstlerInnen Britta Bogers, der Künstlergruppe MZIN sowie Arbeiten von Patricia Westerholz, Robert Vanis und Stefan Eichhorn. Die Gruppenausstellung wurde von dem in Thüringen geborenen und jetzt in Dresden lebenden Künstlers Stefan Lenke kuratiert. 

Öffnungszeiten: Do – Sa, 15-18 Uhr oder nach Vereinbarung

Sonderveranstaltungen:

SA 18. Mai, 15.30 Uhr: Kuratorenführung mit Stefan Lenke, Dresden

DI 28. Mai, 19 Uhr: VARIABLEN — Kunst für und im öffentlichen Raum — von der Idee zur Realisierung - Patricia Westerholz, Künstlerin und Mitbetreiberin der Galerie Ursula Walter, Dresden

Kunstverein Gera e.V., Markt 8/9, 07545 Gera, www.kunstverein-gera.de

   

 


Angermuseum Erfurt präsentiert: 4 "Bauhausmädels"

Kuratoren: Prof. Dr. Patrick Rössler, Universität Erfurt, Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Kunstmuseen Erfurt, Dr. Miriam Krautwurst, Kunstmuseen Erfurt / Sonderausstellung bis 16. Juni 2019

Für seine Schülerinnen repräsentierte das Staatliche Bauhaus eine entscheidende biografische Weichenstellung. Ungeachtet der schwierigen Stellung von Frauen am Bauhaus ging für sie der Eintritt in die in ihrer Zeit modernste künstlerische Ausbildungsstätte mit einem Bruch zahlreicher gesellschaftlicher Konventionen einher und war ein markantes Zeichen weiblicher Emanzipation. Die vergleichsweise freie Entfaltung in der Lern- und Lebensgemeinschaft Bauhaus und das hier vermittelte unabhängige Lebensgefühl bildeten schon in der zeitgenössischen Wahrnehmung ein bedeutsames Charakteristikum dieser Institution. Ein Beispiel ist der Artikel „Mädchen wollen etwas lernen“, der im Januar 1930 in der populären Publikumszeitschrift Die Woche erschien. Hier wurde, illustriert mit Fotografien von Schülerinnen am Bauhaus Dessau, der selbstbewusste, kreative Typus des sogenannten „Bauhausmädels“ attraktiv in Szene gesetzt.

Das Projekt 4 „BAUHAUSMÄDELS“ thematisiert das Bauhaus als Möglichkeitsraum für die künstlerische und persönliche Entfaltung der weiblichen Jugend. Dochverfolgten die sogenannten „Bauhausmädels“ nach ihrem Ausscheiden aus dem Bauhaus recht unterschiedliche Karrierewege: Wege der Selbstbehauptung in der freiberuflichen Ausübung ihrer gestalterischen Tätigkeiten, aber auch solche, die nicht oder nur zum Teil an die im Bauhaus erlernten und eingeübten Konzepte selbstbestimmter, moderner, international vernetzter Kreativität anschlossen und genauso wenig automatisch von Erfolg gekrönt waren.Ausgehend von der Frage, wie sich Frauen, die am Bauhaus studierten, nach der Ausbildung  als selbstständige Gestalterinnen etablierten und weiterentwickelten, werden exemplarisch die Wege von Gertrud Arndt, Marianne Brandt, Margarete Heymann und Margaretha Reichardt in den Blick genommen. Die Werke dieser Künstlerinnen, die jeweils wichtige Phasen ihrer Biografie mit Thüringen verbindet, repräsentieren zugleich die am Bauhaus wichtigen Gewerke Fotografie, Metall, Keramik und Textil.

Das Projekt unternimmt den Versuch, die Diskussion zum Thema Frauen am Bauhaus aus einer neuen Perspektive zu führen, die stärker die damaligen Wahrnehmungen der Protagonistinnen in den Blick nimmt. Dem „Typ des Bauhausmädels“ wird in dem Zeitschriftenartikel von 1930 eine „schlagworthafte Bedeutung im guten Sinn“ attestiert, als Etikett für „eine ganz besondere Art von Mädchen, deren Begabung künstlerische und kunsthandwerkliche Betätigung sucht.“ Der gesamte Beitrag ist ein Plädoyer für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit junger Frauen, die sich in der Arbeitswelt bewähren und damit für sich selbst sorgen können, nicht mehr auf das Wohlwollen des Mannes angewiesen sind. Insofern stand das „Bauhausmädel“ als modernes Rollenbild für eine grundsätzlich emanzipatorische Haltung; es ist aus dem Zeitduktus heraus zweifelsfrei positiv und anerkennend gemeint – und nicht zu verwechseln etwa mit der seinerzeit gebräuchlichen Anrede „Fräulein“, die als herabwertende Kollektivbezeichnung unverheirateter Frauen von Frauenrechtlerinnen schon zur Jahreswende 1929/30 konsequent abgelehnt worden war.

Selbst wenn der Begriff „Bauhausmädel“ aus heutiger Sicht und oberflächlich betrachtet etwas despektierlicherscheint – in seiner Zeit verhielt es sich durchaus anders. Anhand einer ganzen Reihe von Beispielen, vornehmlich aus den Gebieten Typografie, Design, Kunsthandwerk und Architektur wurde bereits gezeigt, wie das Bauhaus in den 1920er Jahren Markencharakter gewann; der Begriff „Bauhaus“ stand dabei jeweils als Chiffre stellvertretend für die neusachliche Modernität der Zeit, für eine oft diffuse Avantgarde-Orientierung. In diesem Sinne ist auch die Wortschöpfung „Typ des Bauhausmädels“ zu verstehen:„Sie weiß, was sie will und wird es auch zu etwas bringen.“ Eine Generation junger, risikobereiter und innovativer Frauen von internationaler Herkunft verkörperte das „Bauhausmädel“ als eine Spielart der „Neuen Frau“ der 1920er Jahre, das in seiner Generation Vorbildcharakter erlangte,und das Bauhaus (auch) in seiner gesellschaftlichen Bedeutung als Möglichkeitsraum für die künstlerische und persönliche Entfaltung einer weiblichen Jugend repräsentierte. Dieser Ruf eilte dem Bauhaus voraus und animierte wohl junge Frauen nicht nur aus Deutschland, sich an der fortschrittlichen Kunstschule zu bewerben.


„Wenn wir diesen Himmel nicht hätten“

Fritz Overbeck. Zum 150. Geburtstag / Sonderausstellung bis 10. Juni 2019 im Panorama Museum Bad Frankenhausen

Mit einer großangelegten Retrospektive feiert das Panorama Museum Bad Frankenhausen den 150. Geburtstag von Fritz Overbeck (1869-1909). In enger Zusammenarbeit mit dem Overbeck-Museum in Bremen werden 50 Gemälde und 60 Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen präsentiert, die den Betrachter mitnehmen auf eine Reise, die Lebensreise von Fritz Overbeck.

Fritz Overbeck studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und orientierte schon früh auf Landschaftsmalerei. Der künstlerische Durchbruch gelang ihm, nachdem Otto Modersohn ihn nach Worpswede gebracht hatte. Mit anderen Gleichgesinnten gründeten die beiden die Worpsweder Künstlerkolonie und gelangten 1895 auf einer ersten Ausstellung unverhofft zu Berühmtheit. 1896 entdeckte die junge Kunststudentin Hermine Rohte Bilder von Fritz Overbeck und zog daraufhin kurzentschlossen nach Worpswede, um seine Schülerin zu werden. Die beiden heirateten ein Jahr später und lebten bis 1905 in Worpswede, bis sie nach Bröcken bei Vegesack (Bremen) übersiedelten.

In der Weite der Worpsweder Moorlandschaft schuf Overbeck wunderbar atmosphärische Bilder. Auch in Bröcken blieb ihm die Natur Modell, zugleich nahm er neue Impulse auf. Seine Farbpalette frischte auf und er begann, sich mit Impressionismus und Expressionismus auseinanderzusetzen. Seine Arbeiten mit Motiven aus Sylt, Vegesack und Davos weisen eine deutlich realistischere Prägung auf als die frühen Worpsweder Werke. Das stürmische Meer, verschneite Gipfel, Frühlingsblumen, sie alle sind zum Greifen nah und unterstreichen die Meisterschaft dieses Künstlers, der 1909 mit nur 39 Jahren an einem Schlaganfall starb. (Johanna Huthmacher)

Abbildung: Sommerzeit II oder Badende Jungen an der Aue, 1908, Öl auf Leinwand, 95 x 125 cm, Overbeck-Museum Bremen


Magie der Schöpfung

Malerei von Olga Scheck auf Burg Mildenstein zu sehen
Olga Scheck Malerei Burg Mildenstein

Olga Scheck schafft stets ihre eigenen Werke in Form von Collagen, Aquarellen, Grafiken sowie Öl. Ihre Kunst weitet sich in viele Richtungen aus, ist unvorbelastet und unabhängig, je nach Betrachtungsweise und Gefühl. Das Spiel von Licht und Schatten bestimmt ihre Bilder. Die Künstlerin sieht sich sehr oft mit der Frage konfrontiert, warum so eine Vielfalt an Ausdrucksmitteln und Ausführungstechniken in ihren Werken vorzufinden ist. Die Frage ist schnell beantwortet: “Weil die Natur selbst unglaublich vielseitig ist. Deswegen hat auch jedes Motiv, jeder Moment und jedes Geschehen das Recht, individuell gestaltet und interpretiert zu werden“. Tiefer liegende Aspekte, ihre psychologischen und philosophischen Nuancen gibt Olga Scheck mittels der Kunst dem Betrachter weiter. Doch in Wahrheit spiegeln sich in Olgas Werken die Liebe und Dankbarkeit wider, jene großen Gefühle, von denen die Kunst getragen wird. Die Ausstellung ist bis zum 18. August 2019 zu sehen.

Vita Olga Scheck:
1966 geboren in Nignij Tagil, Russland
1983-1988 Tomsker Hochschule für Bauwesen, Fakultät Architektur mit Lehrfächern Malerei,
Bildhauerei, Grafik
Abschluss als Architektin
1988-1994 Architektin im Sibirischen Projektinstitut für Restaurierung von Geschichts- und
Kulturdenkmalen, Tomsk
1994 Umsiedlung nach Deutschland
1998-2002 Galerie im „Bergmanns Hof“, Waldheim
2002-2004 Architekturbüro Wetzig, Döbeln
seit 2006 Mitglied der International Federation of Artists
seit 2008 freischaffende Künstlerin
seit 2014 Galerie-Atelier Olga Scheck, Döbeln


OSTER+KOEZLE | raum+störung

Neue Ausstellung im Alten Straßenbahndepot Jena

Das Bauhaus hat weit über die Architektur hinaus gewirkt und ist bis heute ein Thema der künstlerischen Auseinandersetzung. Wie zwei bekannte Künstler das Bauhaus aktuell aufgreifen, zeigt eine neue Ausstellung der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Fotograf SG Koezle und der Maler Willy Oster präsentieren digitale Kunst, die auf Fotografien realer Räume der Bauhausarchitektur basiert. Die etwa 90 Werke umfassende Schau „OSTER+KOEZLE | raum+störung“ wird anlässlich des 100. Bauhaus-Jubiläums vom 17. Mai bis 28. Juli im Alten Straßenbahndepot Jena gezeigt.

Die künstlerischen Arbeiten von OSTER+KOEZLE gehen von realen Räumen aus, die digital so nachdrücklich verändert werden, dass Betrachter Schwierigkeiten haben, Reales von Addiertem oder Subtrahiertem zu trennen oder auch nur die Perspektive auszumachen. Das Gesehene ist praktisch nicht mehr mit dem Wissen und den Erfahrungen der Betrachter zur Deckung zu bringen.


Sprühende Farbe, leuchtend und sinnlich

Westfälischer Expressionist Peter August Böckstiegel bis 16. Juni im Kunsthaus Apolda

Vier große Ausstellungen stehen im Programm für das 25. Jubiläumsjahr des Kunstvereins Apolda Avantgarde. Insgesamt kamen über 535 000 Besucher zu den mehr 100 Ausstellungen – eingeladen von Kunstverein, Landkreis und Stadt. Nun folgen in der ehemaligen Fabrikantenvilla ab 14. April Werke von Peter August Böckstiegel (1889-1951). Jener gehört zum Kreis der „zweiten Generation“ des deutschen Expressionismus. Er schuf ein umfängliches Werk, das ihn im westfälischen Raum zum wichtigsten Repräsentanten der Klassischen Moderne macht. Zu seinem reichen OEuvre gehören Malereien, Zeichnungen, Druckgrafiken sowie Skulpturen, Mosaike und farbenfrohe Möbel. Gesammelt wurden dessen Arbeiten in Museen von Los Angeles bis Amsterdam, von Dresden bis Altenburg.

In Apolda zu sehen sind 80 Gemälde in „sprühenden Farben, leuchtend und sinnlich“, Aquarelle und selten gezeigte Arbeiten auf  Papier, darunter vollständig die  Grafikmappe „Bauernleben“. Hinter der Pforte in der Bahnhofstraße 42  wird ein detaillierter Blick auf das Werk dieses Künstlers möglich, dessen Nachlass seit 2008 von der Peter-August-Böckstiegel-Stiftung erhalten wird. Immerhin konnte im August 2018 in Werther bei Bielefeld nahe dem Geburtshaus des Künstlers das Museum seines Namens eröffnet werden. 

Das Werk dieses Expressionisten entwickelte sich nach intensiven Studien der deutschen und europäischen Kunst seiner Zeit. Schon an der Bielefeld Kunsthandwerkerschule begeisterte sich der aus kleinbäuerlichen Verhältnissen stammende junge Mann für die moderne französische Kunst und entdeckte als Vorbild den „Vater der Moderne“ - Vincent van Gogh. Besonders die Sammlung von Karl Ernst Osthaus in Hagen 1909 und die große Sonderbund-Ausstellung in Köln 1912 wurden für ihn zu einem Erweckungserlebnis. Schließlich bedeutete es eine Zäsur in seinem Leben, ab 1913 den „Brücke“-Künstlern in Dresden studierend nachzuspüren. Gleichwohl wurden jene Monate an der Kunstakademie jäh vom Fronteinsatz als Soldat unterbrochen. Dennoch vermochte er sowohl die Dresdener Zeit -  während der er unter anderem Freundschaft mit seinem späteren Schwager, dem Maler Conrad Felixmüller, schloss -  als auch jene im Krieg in Polen, Rumänien und Russland bildnerisch zu nutzen. 

Thematisch widmen sich die Gemälde des Künstlers dem bäuerlichen Leben. Es war besonders die westfälische Landschaft, die ihn zu seinen  farbintensiven Tableaus und den Druckgraphiken inspirierte. Böckstiegel widmete sich diesem Themenkreis bis zu seinem Tode. Dies unbenommen jener Jahre, da die Nazis den in zahlreichen Ausstellungen erfolgreichen Maler als „entartet“ diskreditierten. Ein schwerer Schlag für sein so produktives Schaffen war im Februar 1945 das durch eine Fliegerbombe zerstörte Dresdener Atelier. Er verlor dabei große Teile seines Frühwerks. Tief erschüttert kehrte er ins heimische Werther zurück und bezog ein Atelier am Elternhaus. Doch war es ihm dort nur kurz vergönnt, künstlerisch zu arbeiten, denn er verstarb schon 1951.

Von all dem erzählt die Apoldaer Schau dieses Vertreters des deutschen Expressionismus und der klassischen Moderne im Westfälischen. Die chronologisch gebaute Ausstellung konzentriert sich besonders auf die künstlerisch so produktiven Jahre bis 1939. Sie vereint Werke aus dem Nachlass des Künstlers sowie aus privaten Sammlungen in Ostwestfalen und Thüringen. Jene wurden zuvor im Museum Moderner Kunst Wörlen in Passau gezeigt. Die  Thüringer Premierenschau von Böckstiegel ist geöffnet bis zum 16. Juni. (Text: Wolfgang Leißling)

Abbildung: Westfälisches Dorf im Sommer, 1912, Öl auf Leinwand, Kunsthandel Henneken // Foto: Kunsthandel Henneken, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 


Uwe Klos zeigt "Naturformen"

Ausstellung vom 9. Mai bis 4. September in der Pax Bank Erfurt (Herrmannsplatz 4)
Uwe Klos Künstler Thüringen Cossengrün

Uwe Klos präsentiert in seiner Ausstellung Fotogramme von Pflanzen, die im Zyklus "Naturformen" zusammengefasst sind. Schattenbilder, die ohne Kamera und Objektiv entstehen und auf Licht und Aufnahmematerial, die beiden unverzichtbaren Faktoren einer Bildwerdung, setzen. Dabei gestalten die Schatten im besonderen Maße die fotografischen Blätter. Sie sind weiß (oder wenigstens hell), was der originellen Technik des Fotogramms entspricht. Eine spezielle Entwicklungsweise lässt in den Bildräumen Farbigkeiten entstehen, die man von der klassischen Schwarz/weiß-Fotografie nicht erwarten mag. Jedes Bild ist ein Unikat und so einmalig, wie die einzelne aufgenommene Pflanze. Diese bestimmen das Format der Fotografien: Kleine Pflanzen finden sich auf kleinen Blättern, große Pflanzen zeigen sich auf großen Formaten. Der Verzicht digitaler Methoden und die Verwendung lichtempfindlicher Papiere ist für Uwe Klos nicht nur ein Bekenntnis zum Kulturgut Fotografie, er bietet auch Möglichkeiten der Bildentstehungen auf physikalischen und chemischen Wegen, die mit digitalen Verfahren nicht zu erreichen wären. Ein willkommener Rest an Unvorhersehbarkeiten ist stets beteiligt, der diese Bilder, wie auch das Leben, bemerkenswert macht.

Abbildung: Uwe Klos "vielblütiger Salomonsiegel" aus dem Zyklus "Naturformen" 2017 

Vom 15. Mai bis 28. Juni 2019 pärsentiert die GALERIE am Hirschgarten in Erfurt Arbeiten von Uwe Klos unter dem Titel "Himmelsgegenden - Malerei und Druckgrafik" (Regierungsstraße 4)

Die Römer unterteilten ihre bekannte Welt in vier Abschnitte und nannten diese Weltgegenden oder Himmelsgegenden. Den Seefahrern, die in damaliger Zeit oft noch ins Blaue segelten, also unbekannte Weltgegenden befuhren, war diese Einordnung Sinnbild und Orientierung. Himmelsgegend ist alles; ob oben oder unten, außen oder innen. Den Freimaurern sind die Himmelsrichtungen Himmelsgegenden; den Künstlern Orte des Erfundenen und der schöpferischen Inspiration. Die "Galerie am Hirschgarten" in Erfurt stellt in der Ausstellung "Himmelsgegenden" Malerei und Druckgrafik von Uwe Klos vor und lädt ein, Wirklichkeiten kennen zu lernen, die nur in den Bildern des Künstlers existieren und dennoch aus der bekannten wie unbekannten Welt stammen könnten.

Mehr auf: http://www.uwe-klos.de/


200 Jahre „West-östlicher Divan“

Weimar: Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv zeigt „Poetische Perlen“ und ihre Entstehung

Bis zum 21. Juli ist im Goethe- und Schiller-Archiv die Ausstellung „‚Poetische Perlen‘ aus dem ‚ungeheuren Stoff‘ des Orients“ zu sehen. Zum 200. Geburtstag von Goethes „West-östlichem Divan“ widmet sich die Schau der Entstehung des mit mehr als 200 Gedichten größten Gedichtensembles in Goethes Werk. An 16 Gedicht-Beispielen zeigt die Ausstellung, wie Goethe für die Literatur und Kultur Persiens und Arabiens entbrannte, mit dem persischen Dichters Hafis in poetischen Wettstreit trat, intensive Orient-Studien betrieb, exzerpierte, entwarf und dichtete. Auch zeigt die Ausstellung, wie in das Leben des 65-Jährigen eine halb so alte Frau trat, mit der die zentralen Divan-Motive des „Liebens“ und „Singens“ nicht nur poetische, sondern auch lebensweltliche Realität wurden. Als einzige aller Frauen in Goethes Leben dichtete Marianne von Willemer kongenial „orientalisierend“ mit. 1819 erstmals erschienen, verwirklicht der „West-östliche Divan“ bis heute den kulturübergreifenden Dialog poetisch. In Zeiten, in denen weltweit die Gegensätze und Konflikte befeuert werden, ist der Divan damit ebenso aktuell wie vor 200 Jahren. Anke Bosse, Professorin an der Universität Klagenfurt und Kuratorin der Ausstellung, publiziert und forscht seit den 1980er-Jahren zu Goethes „West-östlichem Divan“, insbesondere zum Nachlass und zu Goethes Schreibprozessen.

„Poetische Perlen“ aus dem „ungeheuren Stoff“ des Orients – 200 Jahre Goethes West-östlicher Divan: bis 21. Juli 2019, Mo – Fr 8.30 – 18 Uhr, Sa – So sowie an Feiertagen 11 – 16 Uhr // Goethe- und Schiller-Archiv | Mittelsaal, Jenaer Straße 1 | 99425 Weimar

Der Eintritt ist frei.


Chic Parisien in Gera

Haute Couture zu Beginn des 20. Jahrhunderts / Neue Sonderausstellung im Museum für Angewandte Kunst bis 2. Juni 2019

Das Museum für Angewandte Kunst Gera zeigt eine neue Sonderausstellung zur Pariser Mode am Beginn des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind rund 150 einzigartige Modegrafiken, die die Modelle der Haute Couture in zeitgenössischem Kolorit darstellen, ergänzt durch fantastische Kleider und Accessoires, die einen Hauch der damaligen Zeit vermitteln. Von der traumhaft verklärten Zeit des Art Dèco geht bis heute eine faszinierende Anziehungskraft aus. Das „Goldene Zeitalter“ verbindet sich mit ausschweifenden Leben, Revue, Theater oder neuen Tanzstilen wie Charleston, Swing und Stepptanz, kurzem Rocksaum, gerade geschnittenen Kleidern, Bubikopf und Topfhüten. Mit kurzeitigen Vergnügungen entfloh man der gesellschaftlichen Realität, die von Krieg, Inflation und sozialen Krisen geprägt war. Der Modestil der 1920er-Jahre wurde weitestgehend von der damaligen Kunstmetropole Paris beeinflusst, die viele avantgardistische Künstler anzog.

Die Grundlage dieser Ausstellung sind Exponate aus den eigenen Sammlungen des Museums, die größtenteils noch nicht in der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Ergänzt wird die Schau durch Leihgaben einer hochkarätigen Privatsammlung mit Modegrafiken, Kleidern, exzellenten Kosmetikkoffern, Schuhen und Kleidern. In Kooperation mit Dozenten der TÜV-Rheinland Schule werden einige interessante Workshops angeboten. Interessierte können etwas zur Technik der Pochoir, einer speziellen Drucktechnik, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur attraktiven Wiedergabe in Journalen genutzt wurde, erfahren und anwenden. Darüber hinaus wird eine alte Handwerkskunst, die Batik, neu entdeckt und ausprobiert. Eine Führung  unter nicht alltäglichen Aspekten führt das Thema der Angewandten Kunst und der Naturkunde zusammen. Die Termine hierfür und weitere Veranstaltungen werden rechtzeitig in der Presse bekannt gegeben. Für die großzügige finanzielle Unterstützung dankt die Stadt Gera der Thüringer Staatskanzlei. Wissenschaftliche Unterstützung und fachtechnische Beratung erhielt das Projekt durch Dr. Adelheid Rasche vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und dem Sammler Moritz van Beck. Die technische Umsetzung des Ausstellungsprojektes erfolgte mit Unterstützung des Geraer Stadt- und Naturkundemuseums.

Das Museum für Angewandte Kunst Gera (Greizer Straße) hat Mittwoch bis Sonntag und an den Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Foto: Stadtverwaltung/Monique Hubka

Die großen Namen der Modebranche wie Paul Poiret, dem Modekönig am Beginn des 20. Jahrhunderts oder Madeleine Vionnet sind heute Inbegriffe für exotische Kostüme bzw. elegante Mode. Das Frauenbild änderte sich grundlegend seit Beginn des 20. Jahrhunderts, und insbesondere seit den zwanziger Jahren. Frauen gaben sich sportlich, fuhren Auto, erhielten eine berufliche Ausbildung und das Wahlrecht. Ihre neue Position erforderte auch eine andere Kleidung, die sich betont maskulin oder androgyn gab. Der neue Stil - Die Bezeichnung geht auf den Roman „La Garçonne“ von Victor Marguerite (1866 bis 1942) zurück, den er 1922 veröffentlichte und der zahlreiche Proteste und Kritiken hervorrief - vermied jede Betonung der Brust und der Hüfte. Kurzgeschnittene Haare, als Bubikopf bezeichnet, gehörten ebenso dazu wie kürzere Rocksäume oder hemdartige Kleider. Man trug unter anderem fleischfarbene Strümpfe, schminkte sich das Gesicht weiß und die Lippen rot. Monokel, lange Zigarettenspitzen und lange Perlenketten gehören zum Synonym der Mode dieser Zeit. Fransen, Pailletten, Perlen aus Glas oder Kunststoff, verzierten üppig die Tanz -und Festkleider, beispielsweise aus Seide oder Tüll, die teilweise mit Schlitzen, tiefen Brust- und Rückenausschnitten versehen, mehr preisgaben als sie verbargen. Großer Beliebtheit erfreuten sich ebenso Accessoires aus Kunststoffperlen, die man aufstickte oder webte.  – Kostbarkeiten der Schneiderkunst, denn vieles wurde in Handarbeit gefertigt, auch wenn es bereits Näh -, Strick- oder Stickmaschinen gab.

Zum Beginn der 1930er-Jahre war der Traum der Emanzipation mit der Propagierung des traditionellen Frauenbildes als Ehefrau und Mutter vorerst ausgeträumt. Der Kleiderstil wurde mit Betonung typischer Körperformen wieder femininer.

Modezeichnungen erlebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen ungeheuren Aufschwung als wichtige Grundlage zur Verbreitung neuester Entwürfe, beispielsweise in den legendären Monatszeitschriften „Vogue“ oder „Gazette du Bon“. Je rasanter die gesellschaftliche und technische Entwicklung, umso kurzlebiger wurden Modeschöpfungen und erforderten auch die schnelle Vermarktung der Entwürfe. Modezeichner dokumentieren nicht nur die exklusiven Entwürfe der Designer, sondern setzen diese künstlerisch um. Farbenprächtig, exotisch oder elegant unter Verwendung verschiedener grafischer Techniken beinhalten sie unter anderem Elemente des Jugendstils, des Art Dèco, oder des Expressionismus.

Zur Beck‘schen Sammlung gehören Zeichnungen von George Barbier, Eduardo Benito, A.E. Marty oder George Lepape, die für die bekannten Modehäuser und Designer wie Paul Poiret, Jeanne Lanvin oder Madelaine Vionnet arbeiteten. Modejournalisten und Geschäftsleute der Modebranche drängten nach Paris, um über die neuesten Kreationen informiert zu sein. Die Modehäuser der Haute Couture initiierten die ersten Modeschauen mit Mannequins und stellten mehrmals jährlich die neuen Kollektionen vor. Der Couturier nähte die Kleider nicht mehr nach den Kundenwünschen, sondern brachte seine eigenen Kreationen zu den Kundinnen. Repräsentanten aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Kunst ließen sich von den Couturiers einkleiden und wurden durch die zunehmende Anzahl von Journalen und dem aufstrebenden Medium Film zu Multiplikatoren der Mode.


Oskar Schlemmer – Das Bauhaus und der Weg in die Moderne

Gotha, Herzogliches Museum / Sonderausstellung in Kooperation mit der Staatsgalerie Stuttgart

Oskar Schlemmer (1888–1943) war einer der vielseitigsten Künstler der Moderne überhaupt. So war er als Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer, Bühnenbildner, Wandgestalter sowie als Choreograf von Tanzprojekten und Autor tätig. Diese vielen unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen führen immer einen zentralen inhaltlichen Aspekt seines Schaffens vor Augen: Die Vision einer Zukunft, in der der moderne Mensch in Harmonie mit technischen und gesellschaftlichen Neuerungen lebt. Die Kunst sollte hierzu einen entscheidenden Anteil beitragen und gesellschaftliche Wirkung entfalten. Die Fragestellungen Schlemmers, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind und auch andere Künstler der Avantgarde beschäftigten, haben bis heute nicht an Aktualität eingebüßt.

Das Bauhaus-Jubiläum 2019 ist ein Ereignis von internationaler Relevanz, dessen durch zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen in ganz Deutschland gedacht werden wird. Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha nimmt dies zum Anlass, sich mit ihrer Jahreshauptausstellung an dem Gedenkjahr zu beteiligen und einen der wichtigsten Bauhausmeister in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken. Es wird sich dabei um die erste monografische Ausstellung zu Schlemmer in den neuen Bundesländern handeln. Die Ausstellung möchte die Vielfalt der Ausdrucksformen des Künstlers vor Augen führen, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf seinem Schaffen der 20er und 30er Jahre. Hierzu gehören die Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau, die Arbeiten als Wandgestalter sowie die Projekte im Bereich von Bühne und Tanz. Ein zentraler inhaltlicher Aspekt der Kunst Schlemmers ist dabei immer die (Neu-)Verortung des Menschen in einer sich verändernden Gesellschaft – ein Thema, das dem gestressten Individuum von heute in Zeiten von Social Media, Digital Natives und Co. durchaus nicht fremd ist.

Das Herzogliche Museum Gotha lädt ein, 2019 auf Entdeckungsreise zu gehen und in die Kunst- und Gedankenwelt von Oskar Schlemmer und der Bauhaus-Bewegung vor 100 Jahren einzutauchen.

Zu sehen bis 28. Juli 2019


Intermediale Experimente am Bauhaus

Kurt Schmidt und die Synthese der Künste / Sonderausstellung in der Kunstsammlung Gera (Orangerie) bis 10. Juni 2019
Gera Bauhaus Ausstellung Kurt Schmidt

Die Kunstsammlung Gera beteiligt sich an den landesweiten Aktivitäten im „Thüringer Bauhaus-Jahr 2019“ mit einem komplexen Ausstellungs- und Katalogprojekt, in dessen Zentrum das Schaffen des 1991 in Gera verstorbenen Bauhauskünstlers Kurt Schmidt (1901-1991) steht. Dem Kunstmuseum seiner Wahlheimat Gera vertraute der Künstler noch zu Lebzeiten seinen künstlerischen Nachlass an. Das ist ein Grund, sich dem Werk von Kurt Schmidt immer wieder unter neuen Aspekten zu widmen und sein Schaffen ins öffentliche Licht zu rücken. „Das Bauhaus war eine lebendige Ideenschule, ein Experimentierfeld auf den Gebieten der freien und angewandten Kunst, der Gestaltung, der Architektur und der Pädagogik.“ – stellt Oberbürgermeister Julian Vornarb fest und betont: „Das Bauhaus kommt aus Thüringen und hat die Moderne in die ganze Welt getragen. In Weimar wurde gelehrt, aber gebaut wurde vor allem in Gera“. Auf der Suche nach innovativen Ansätzen wurde am Bauhaus mit verschiedensten Materialien und Medien experimentiert. Vor allem auf der Bühne wurde die Synthese der Künste praktiziert: Malerei, Architektur, Tanz und Musik verschmolzen im Zusammenspiel von Form, Farbe, Licht, Musik und Bewegung miteinander.

Einer der bedeutenden Protagonisten der Bauhaus-Bühne war Oskar Schlemmer und ebenso sein Schüler Kurt Schmidt, dessen Name heute weltweit mit dem Mechanischen Ballett identifiziert wird, das zu den ersten und revolutionärsten Stücken der Bauhausbühne zählt. 1923 entwickelt, wurde es im selben Jahr während des Bauhausbühnendebüts im Jenaer Stadttheater uraufgeführt. Im Mechanischen Ballett offenbart sich einerseits die Begeisterung der Bauhäusler_innen für die Technifizierung der Welt, andererseits für eine neue abstrakte Bildsprache. Die Übertragung der Konstruktionsprinzipien der Maschine auf den Tanz sowie der Verzicht auf narrative Elemente verband sich mit dem Wunsch, „bewegte Bilder“ zu schaffen. Kurt Schmidt schuf zahlreiche Arbeiten im Spannungsfeld zwischen Musik, Theater und Bildender Kunst. Wie Kandinsky, bei dem Kurt Schmidt studierte, transferiert Schmidt musikalische Strukturen in ein visuelles Konzept und dynamisiert somit den Bildraum. Schmidt lotet dabei die Grenzen zwischen dem Abstrakt-Ephemeren und dem Visuell-Statischen aus. Doch immer wieder wendet sich Schmidt auch Bühnenentwürfen zu. Die Ausstellung möchte einerseits dem Verhältnis von Musik, Theater und bildnerischem Schaffen im Werk von Kurt Schmidt nachgehen und andererseits Schmidts Œuvre im Umfeld großer Künstlerpersönlichkeiten wie Oskar Schlemmer, Paul Klee, Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy, Hans Richter oder Xanti Schawinsky, die das intermediale Experiment Bauhaus maßgeblich prägten, kontextualisieren. Zahlreiche Werke von Kurt Schmidt aus dem Bestand der Kunstsammlung Gera wurden für die Ausstellung neu gesichtet, zugeordnet und aufbereitet und können erstmals öffentlich präsentiert werden. Hervorragende Leihgaben für diese Ausstellung kommen aus renommierten Sammlungen wie der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, der Puppentheater Sammlung Dresden, der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln und aus Schweizer Privatbesitz.

Die Ausstellung wird von Dr. Claudia Tittel kuratiert und es erscheint ein 300seitiger Katalog in deutscher und englischer Sprache mit Texten u.a. von Claudia Tittel, Gerko Egert, Lars Rebehn und Torsten Blume. Das Ausstellungsprojekt entstand in Kooperation von Kunstsammlung Gera mit der Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Medien und der Bauhaus Stiftung Dessau.

Darüber hinaus wird in der Ausstellung ein modernes Format der interaktiven Kunstvermittlung anhand einer Virtuell-Reality-Installation (VR) präsentiert. Die beiden Interface-Designer Jonas Jülch (D) und Florian Froger (F) haben ein VR-Spiel zum „Triadischen Ballett“ entwickelt, indem die Besucher_innen mit den Figurinen des Triadischen Balletts interagieren und so Formen, Farben und das Verhältnis von Tanz, Bewegung und Raum hautnah erleben können.

Künstler_innen: Kurt Schmidt, Roman Clemens, Viking Eggeling, Werner Graeff, Ludwig Hirschfeld-Mack, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Fernand Léger, László Moholy-Nagy, Hans Richter, Walter Ruttmann, Xanti Schawinsky, Oskar Schlemmer, Lothar Schreyer, Kurt Schwerdtfeger, Andor Weininger


Weida ehrt Horst Sakulowski

Das Museum in der Osterburg Weida präsentiert in zwei Räumen eine ständige Ausstellung mit Werken von Horst Sakulowski
Horst Sakulowski Weida

Horst Sakulowski, 1943 in Saalfeld geboren, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig (Fachklasse für Malerei und Grafik bei Prof. Bernhard Heisig) und ist seit 1967 freischaffend in Weida tätig. Jetzt wird der Künstler mit einer ständigen Ausstellung auf der Osterburg in Weida geehrt.
„Bilder können die Welt nicht verändern, aber sie können aufrütteln, Erkenntnis vermitteln und Wesenhaftes bewusst machen, letztlich also doch zu einer Humanisierung der Wirklichkeit beitragen. Darin liegt der Wert dieser Kunst, das macht sie so unverzichtbar in einer Zeit, die dringender denn je eine neue Ethik des Miteinanders, die ein neues Leitbild wahrer Menschlichkeit braucht. Schon Clemens von Alexandrien sah den ethisch handelnden Menschen als das wahre Bild des Logos Christus, der wiederum als das Bild Gottes verstanden ist. Solch urchristliches Verständnis gehört zum integralen Bestand im Menschenbild von Horst Sakulowski.“
(Gerd Lindner, Aus „Christus und Mensch“ im Buch „Zwiegespräche“)
 
Abbildung: Horst Sakulowski, Kranke Muse, 2017/18


Nordhäuser Reichsstadtklöster – digital, lesbar und präsentabel

Nordhausen: Sonderausstellung im Museum Flohburg

Das bisher unbekannte Erbe der mittelalterlichen Klosterkultur in der Reichsstadt Nordhausen thematisiert die neue Sonderausstellung „Erbe Nordhäuser Reichsstadtklöster – digital, lesbar und präsentabel“. Die großformatigen und zum Teil aufwendig mit einer Reihe kunstvoller, farbiger Initialen und Blattwerkschmuck illuminierter Handschriften werden bis zum 9. Juni präsentiert. Die Vernissage wird von einer wissenschaftlichen Tagung im „Bürgerhaus“ begleitet.

Das Stadtarchiv Nordhausen besitzt trotz schwerer kriegsbedingter Verluste vier wertvolle liturgische Handschriften des späten Mittelalters – sogenannte Missale, das heißt Messbücher - sowie acht Pergamentfragmente aus Makulatur, die in einen ähnlichen Entstehungszusammenhang zwischen 1000 – 1500 n. Chr. einzuordnen sind. Initiiert vom Stadtarchiv Nordhausen und finanziell unterstützt von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes, Berlin, sowie der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung, Nordhausen/München, konnten wertvolle liturgische Handschriften des späten Mittelalters aus den Klöstern der Stadt komplett restauriert, digitalisiert und wissenschaftlich erforscht werden. Bei den Handschriften handelt es sich um großformatige, zum Teil aufwendig mit einer Reihe kunstvoller, farbiger Initialen und Blattwerkschmuck illuminierter Stücke. Sie waren bislang weder hinreichend noch angemessen der Forschung und Öffentlichkeit bekannt. Das lag auch am schlechten Erhaltungszustand, mangelnden Hintergrundinformationen und den speziellen Erschließungsanforderungen.

Prächtige liturgische Handschriften und bedeutsame Texte werden in der Ausstellung kompakt vorgestellt, stehen nunmehr allen interessierten Wissenschaftlern zur Verfügung und können für die Nachwelt fachgerecht aufbewahrt werden. Die Sonderausstellung zeigt sie im Kontext mit musealen Objekten mittelalterlicher christlicher Glaubenswelt. Kuratiert hat die Sonderausstellung der Historiker Prof. Dr. Hiram Kümper, Lehrstuhl für Spätmittelalter und frühe Neuzeit an der Universität Mannheim.

Eine öffentliche wissenschaftliche Tagung zum Thema wird unter Leitung des Kurators am 6. und 7. Juni 2019 im „Bürgerhaus“ stattfinden. Deren Ergebnisse werden anschließend durch eine Buchpublikation und Online-Findmittel bekanntgemacht.


Zeitgenössische Renaissance

Galerie Carqueville Gera zeigt Werke der Pariser Künstlergemeinschaft „Libellule"

Die Galerie Carqueville in Gera stellt  die internationale Künstlergruppe „Libellule – Zeitgenössische Renaissance“ vor. Gezeigt werden rund 75  Werke von 23 Künstlerinnen und Künstlern aus 13 europäischen Ländern, Kuba und Japan. Damit präsentiert die Ende 2018 eröffneten privaten Galerie des Unternehmers und Kunstsammlers Peter Carqueville die erste große Schau magischer Realisten der Gegenwart in Ostdeutschland. Gegründet wurde die Gruppe „Libellule – Zeitgenössische Renaissance“ 2004 vom tschechischen Maler und Kunstagenten Lukás Kandl und seiner Frau Françoise. „Libellule“ vereint inzwischen über  40 Künstler aus Europa,  Israel, Kuba, Mexiko, Chile oder Japan. Mit den Malern Alexandra Müller-Jontschewa und Hans-Peter Müller aus Weida gehören zwei bedeutende deutsche Vertreter dieser Kunstrichtung zur Künstlervereinigung. Erst Mitte Februar war die Künstlergemeinschaft wie jedes Jahr in der großen Kunstausstellung „Art en Capitale“ im Pariser Grand Palais vertreten. Gezeigt wurde die Kollektion des Jahres 2019 mit dem Titel „Bunch“. Seit Gründung der Gruppe stellt Lukás Kandl den Mitgliedern  jährlich eine Arbeitsaufgabe, die sowohl ein Thema als auch ein Format vorgibt. Mit den Kollektionen „Ausruf!“ und „1.000.000 Dollar“ stellt die Galerie Carqueville Gemälde zwei der ungewöhnlichsten Jahresaufgaben vor. Ergänzt wird die Präsentation durch später entstandene, große und kleinere Arbeiten zu beiden Themengruppen. 2007 galt es, unter dem Titel „Exclamation!“ (Ausruf!) ein aus zwei Bildern (180 x 60 cm und 60cm im Durchmesser) bestehendes Ensemble zu schaffen, das wie ein Ausrufezeichen aussieht. Keine andere Kollektion bisher koppelte das Thema so eng an die Form wie diese. Zwei Jahre nach der Finanzkrise von 2008 hieß das Thema „$1,000,000.00 Dollar Banknotes“. Dass Künstler aus Europa, Südamerika und Asien regelmäßig immer wieder an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten, ist einmalig in der Geschichte. Die so entstandenen Werke haben sie bereits in über 66 Ausstellungen weltweit gezeigt. Die malerischen Positionen der Künstlergruppe ist geprägt von exzellenter Beherrschung des Handwerks und dem für den magischen Realismus typischen Spiel mit Formen und Symbolen. Nicht die Abbildung platter Realität, sondern das Unbewusste, Unterbewusste, die Deutung der Zeitereignisse über Mythen, Sagen, Träume und Magie stehen im Zentrum dieser Kunstrichtung.

„Libellule – Zeitgenössische Renaissance“ geöffnet bis 9. Juni 2019, Donnerstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr, Galerie Carqueville, Humboldtstraße 26, 07545 Gera, Sonderführungen nach Terminvereinbarung

Die in der Ausstellung vertretenen Künstler: Sergei Aparin, Russland/Serbien // Anne Bachelier, Frankreich // Jean Bailly,Frankreich // Patrizia Comand, Italien // Yo Coquelin, Frankreich // Raffaele De Rosa, Italien // Zeljko Djurovic, Montenegro/Serbien // Zoran Ivanovic, Serbien // Zdenek Janda, Tschechien // Alexandra Müller-Jontschewa, Bulgarien/Deutschland // Lukás Kandl, Tschechien/Frankreich // Tomasz Kopera, Polen // Hans-Peter Müller, Deutschland // Martin-Georg Oscity, Slowakei/Deutschland // Carlos Antonio Sablon Perez, Kuba/Frankreich // Reinhard Schmid, Deutschland // Boris Schapiro, Ukraine/Israel // Yu Sugawara, Japan // Eli Tiunine, Polen/Frankreich // Petre Velicu, Rumänien/Frankreich // Pavel Zacek, Tschechien // Siegfried Zadamek, Deutschland // Olivier Zappelli, Schweiz


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Städtische Galerie ada in Meiningen

Ausstellung “Wandel Nr. 1“ - Städtische Galerie ada, Meiningen

Sebastian Bestier | Constanze Deutsch | Justus Ehras | Udo Eisenacher | Thomas Gatzemeier | Andreu Ginestet | Philipp Gloger | Elena Gluth | Nicola Hoersel | Kai Hügel | Anneliese Klinke | Thoralf Knobloch | Rainer Müller | Peter Rauscher | Bertram Riedel | Jo Siamon Salich | Udo Steinborn | Hans-Ulrich Wutzler | Arend Zwicker

Die Ausstellung „Wandel Nr. 1“ in der Galerie ada basiert fast vollständig auf den seit Februar gezeigten Ausgangspositionen beteiligter Künstler*innen, hebt aber die je einmalige künstlerische wie biografische RAUM-ZEIT-DIMENSIONIERUNG menschlichen Daseins und Schaffens noch deutlicher hervor: Wandel 1 verweist mittels anderer Werke und deren Anordnung auf Verbindungs-, Übergangs- und Bruchstellen zwischen Gesellschaft und menschlicher Selbstentfaltung: 
„Konkret geht es um Differenzen und Verbindungslinien zwischen künstlerischem Ausdruck und Historie. Letztere ist immer eine im ‚Nach-Hinein‘ mehr oder weniger faktisch unterlegte Interpretation mit oft abstrakten Über-Begriffen wie „Diktatur“, „Freiheit“, „Demokratie“ oder eben „friedliche Revolution“. Wie ‚politisch‘, ‚populär‘ oder auch ‚wirtschaftlich‘ lohnend kann/darf ‚Kunst‘ sein, ohne die lebendige menschliche Wirklichkeit aus dem Auge zu verlieren. ‘Aus dem Auge, aus dem Sinn‘ – ginge dann in Richtung ‚Selbstverlust‘, ‚Selbstaufopferung‘ oder pure ‚Selbst-Behauptung‘ bzw. hinüber in ein ‚schlicht-konfortables‘ Über-Leben ...“ (Klaus Nicolai)

Phase I: 30 Jahre Volks-Aufstand - 19 KünstlerInnen - 19 Positionen

Was war das nun 1989? Und wohin führt(e) es? Wie fand es in den Medien, in den Köpfen und letztlich tatsächlich auf den Straßen statt? Diesen Fragen ist jeder ausgesetzt, zumal im vielfach überschattenden Jubeljahr 2019 der „friedlichen Revolution“ (Helmut Kohl). Jeder Bürger wird unweigerlich in Ost und West Tatsachen, Vermutungen, Interpretationen und letztlich seinen eigenen Erfahrungen gegenübergestellt sein. Erfahrungen, die Anlass geben, sich ganz persönlich zu verhalten: „Was hat das mit mir zu tun?“ Künstler*innen sind Experten nicht nur beim (in) Frage stellen, sie erleben sich und die Welt unmittelbar durch die Schöpfung ihrer Werke hindurch.

Auf ungewöhnliche Weise Bilanz ziehen und Ausblicke öffnen ist das Ziel der Ausstellung „BilderBerg_89_BilderFlut – 19 Kunstpositionen zu 30 Jahre Volks-Aufstand“. Der dreiteilige KUNST-Zyklus versteht sich zuerst als eine Art Labor-Archäologie künstlerischer Präsenz durch den „Zeit-Geist“ hindurch. Die beteiligten ca. 19 Künstler*innen, fast ausschließlich aus dem „Osten“ der Republik, werden im ersten Teil des Zyklus ihre sinnlich-ästhetischen Ausgangspositionen als einen „BilderBerg“ zu ‚89_19‘ der Öffentlichkeit vorstellen. Sie schaffen über die ganze Palette der Bildenden Kunst, Performances und Salons unter dem Aspekt der Veränderungen der letzten dreißig Jahre andere Zugänge zu alltägliche Befindlichkeiten im vereinten Deutschland. Diese Angebote dienen einem intensiven öffentlichen Diskurs, der die künstlerische Spurensuche zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begleiten möge. (Klaus Nicolai / Ralf-Michael Seele)

Zu sehen bis 26. Juni, Mi – So, Feiertag 15:00 – 20:00
Städtische galerie ada Meiningen, Bernhardstraße 3

www.meiningen.de/Tourismus-Kultur/Kultur-entdecken/Städtische-galerie-ada

Abbildung: Sailor-Single, Studio 2018 / Foto: Clara Rosenthal


Gefäß/Skulptur - Teil 3. Deutsche und internationale Keramik seit 1946

Zu sehen bis 13. Oktober 2019 im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig präsentiert im dritten Teil seiner groß angelegten Überblicksschau auf künstlerische Studio­keramik seit 1946 rund 270 Arbeitenvon weltweit tätigen Keramikern. Bereits 2008/2009 und 2013/2014 waren in zwei umfangreichen Ausstel­lungen herausragende, oft auf großzügige Schenkungen zurück gehende Arbeiten vorgestellt worden. Auf diese beiden viel beachteten Ausstellun­gen folgten jeweils generöse private Schenkungen an das Museum. So wuchs der Bestand des Hauses nach der ersten Ausstellung um rund 3.000 Stücke, seit 2014 zählen weitere 2.000 Arbeitenneu zur Sammlung. Dadurch kann in Leipzig einerseits das Œuvre bedeutender Künstler der Keramik intensiv und detailliert dargestellt und andererseits die Vielfalt der internationalen Szene eindrücklich vor Augen geführt werden.

In der Keramik manifestieren sich die künstlerischen Entwicklungen seit derMitte des 20. Jahrhunderts vielgestaltig und imposant. Formkraft und Glasurschönheit begegnen sich. Immer wieder wird der Weg vom Gefäß zur Skulptur vollzogen oder das Verhältnis zwischen diesen beiden Möglichkeiten ausgelotet.Die Bandbreite von Keramik ist dabei enorm, dem seit frühesten Menschengedenken genutzten Material wird jeweils überraschend Neues abgewonnen. Gerade in dieser nie versiegenden Fülle, im steten Hinterfragen und Neuinterpretieren, besteht sein großerReiz. Die Ausstellung zeigt in ihrer Abfolge deutlich, dass sich die Arbeiten immer konse­quenter aus dienstbar funktionaler Attitüde heraus zu autonomen, skulptural wahr­zunehmenden Kunstwerken entwickeln, ohne dabei zwingend das Thema des Gefä­ßes aufzugeben. Sowohl für die Keramikkünstler wie für die daran Interessierten und auch die Sammler liegen zuweilen Welten zwischen jenen Objekten, die eine meisterliche Beherrschung handwerklicher Fertigkeiten der Töpferei voraussetzen, und solchen, für die das Material Ton vorrangig aus der Perspektive der bildenden Kunst heraus genutzt wird. Doch sind die Übergänge zwischen den entgegengesetzten Positionen fließend. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreiches Begleitbuch. Es setzt die Edition der zwei voran gegangenen Bestseller-Auswahlkataloge fort. Katalogbuch bei Arnold­sche ART PUBLISHERS, 544 Seiten, ca. 590 Abb., deutsch/ englisch, 58 Euro

Abbildung: Werner Bünck, Skulpturales Gefäß Hildesheim/Niedersachsen, 2010 Schamottiertes Steinzeug, geformt, aus Platten geschnitten, montiert, glasiert, transparent überglasiert H 39,5 cm, D 31,5 cm, Schenkung des Künstlers, 2012

Foto: Christoph Sandig/ Leipzig