Ausstellungen

100 Jahre Bauhaus | KunstForum Gotha

Das Bauhaus wirbt – Neue Typographie und funktionales Grafikdesign in der Weimarer Republik / 1. März bis zum 12. Mai 2019

Im Jahr 2019 feiert Deutschland das Jubiläum „100 Jahre BAUHAUS“ und auch im KunstForum Gotha wird dieses Thema aufgegriffen. Den Anfang macht die Ausstellung „Das Bauhaus wirbt – Neue Typographie und funktionales Grafikdesign in der Weimarer Republik“, die vom 1. März bis zum 12. Mai 2019 im Kunst­Forum Gotha zu sehen ist und vom Freistaat Thüringen gefördert wird. Das Bauhaus war deutschland- und weltweit die erste Einrichtung, die ihre Drucksachen nach den Prinzipien der Neuen Typographie gestaltete und es entstand dabei eine Fülle von Werbe- und Informationsmaterialien. Die Ausstellung präsentiert zahlreiche dieser originalen Druckbelege aus der Zwischenkriegszeit. Neben Broschüren, Plakaten, Prospekten und Faltblättern zeigt sie auch die Ausstrahlung auf die Buchgestaltung und das Zeitschriftenlayout anhand einer Fülle von Schutzumschlägen und Illustriertentiteln. Ein Ausblick dokumentiert anhand ausgewählter Beispiele, wie diese Gestaltungsprinzipien in anderen Staaten aufgegriffen, selbst unter dem NS-Regime angewendet wurden und sich bis in die Gegenwart erhalten haben.

Das KunstForum Gotha befindet sich in der Querstraße 13-15 in 99867 Gotha und hat von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen in der Zeit von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt in die Ausstellung kostet 4,00 €, ermäßigt 3,00 €. Weitere Informationen unter: www.kunstforum-gotha.de.


Farbenfroh und überraschend

Die Bauhäuslerin Ida Kerkovius / Sonderausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde bis 31. März zu sehen

Für die Kunstwelt  ist das Jahr 2019 ein ganz besonderes: denn am 1. April 1919 öffnete das Staatliche Bauhaus Weimar als erste Designschule seine Pforten für männliche und weibliche Studierende. Und es kamen bis 1925 mehr als 1250 junge Leute aus 29 Ländern. Mitunter  war jeder zweite Lernende weiblich. An eines dieser sogenannten Bauhausmädels erinnert das Kunsthaus Apolda bis 31. März: Ida Kerkovius.

Wir sprachen mit den Kuratoren Dr. Andrea Fromm und Tom Beege über die Ausstellung „Sie ist ganz Kunst“ .

Weshalb fiel Ihre Wahl auf  die 1879 in Riga geborene und 1970 in Stuttgart verstorbene Malerin sowie Gestalterin von Bildteppichen und Glasfenstern?

Gerade weil Ida Kerkovius in den vergangenen Jahren etwas in den Hintergrund geraten ist, wollen wir  diese außergewöhnliche Künstlerin dem Publikum wieder näher bringen. Sie  besitzt eine Ausnahmestellung in der Kunst der Moderne. Zeitlebens verfolgte sie Gegenständliches und Abstraktes parallel zueinander und vermischte sogar beides auf ihren Bildern, so dass ein einzigartiges, enorm vielseitiges Werk  entstand. Vor allem die Ausdruckskraft ihrer Farben ist einzigartig. Tatsächlich gehörte Ida Kerkovius in den 1950er und 1960er Jahren zu einer der begehrtesten Malerinnen Deutschlands und war eine Schülerin des ehemaligen „Wiener Secessionisten“ Adolf Hölzel. Zum Bauhaus kam sie  1920.

Für Ida Kerkovius bedeuteten die Semester in Weimar zugleich Wiederbegegnungen mit den Bauhausmeistern Oskar Schlemmer und Johannes Itten.  Konnte sie trotzdem eine der emanzipierten jungen Wilden an der Ilm sein?

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Ida Kerkovius wie Gabriele Münter oder  Paula Modersohn-Becker zu jener Generation von emanzipierten Frauen, die sich sowohl künstlerisch als auch persönlich über gesellschaftliche Konventionen und malerische Traditionen hinwegsetzten. Sie  lebte immer jenseits des  bürgerlichen Rollenverständnisses als Ehefrau und Mutter. Sie stellte ihre Kunst über alles. Als sie 1908 an die Stuttgarter Akademie wechselte, wurde sie schnell Hölzels Meisterschülerin sowie Assistentin. Sie gehörte als 41-jährige  jener  ersten Generation von Bauhaus-Frauen an, die  eine abgeschlossene Berufsausbildung vorwiesen. Am Bauhaus konzentrierte sie sich ganz auf den Unterricht von Itten, Klee und Kandinsky sowie auf die  Teppichweberei bei Gunta Stölzl. Als sie im Sommer 1923 das Bauhaus verließ,  hatte sie  sich mit der Teppichweberei eine wichtige Einnahmequelle geschaffen, um als  selbständige Frau agieren zu können.

Wie sinnlich soll das Leben der von den Nazis mit Ausstellungsverbot belegten  Künstlerin erzählt werden?

Die Ausstellung wird den Lebensweg und die künstlerische Entwicklung nachvollziehen und  in eine sehr farbenfrohe Welt voller Überraschungen entführen. Ida Kerkovius‘ Malerei ist sehr sinnlich und  stark emotional: Ihre Bilder bewegen durch leuchtende, expressive Farben, wunderbare Landschaftsmotive und überraschende Kontraste in den abstrakteren Werken. Überdies wird die Ausstellung durch ein hochkarätiges Begleitprogramm ergänzt: So wird ein  Stölzl-Nachkomme, Christoph Stölzl, einen Vortrag über die Frauen am Bauhaus halten und  ist ein Film aus den 1960er Jahren über sie  zu sehen.

Mit dem Bauhaus, das dem Dekorativen abschwor, wurde die Welt neu gedacht. Konnten sich die damit verbundenen Karriereträume von Ida Kerkovius erfüllen?

Im  Bauhaus nahm die künstlerische Karriere von ihr  erst richtig Fahrt auf, und es erfüllten sich für sie Träume  wie die Teppichweberei. Als Malerin aber auch private Mal- und Zeichenlehrerin hatte sie sich vom Bauhaus  einen Anschluss an aktuelle Tendenzen in Kunst und Kunstpädagogik erhofft, um neue Impulse für ihre  Malerei und den eigenen Unterricht zu erlangen. Sie  wurde mit Theorien und Unterrichtsmethoden konfrontiert, die ihr Verständnis von Form und Farbe enorm bereicherten.

Legendär waren die Feste der Bauhäusler in Weimar – Krawatte und Korsett waren verpönt. Werden diese lockeren Abende im Kunsthaus eine Rolle spielen?

In  ausführlichen Briefen an ihre Freundin und Galeristin  Hanna Bekker vom Rath, berichtet Ida Kerkovius nur spärlich von Bauhaus-Festen, obwohl dort auch in ihrer Zeit  die alljährlichen Laternen-, Sonnenwend-, Drachen-  und Weihnachtsfeste zu den Höhepunkten des Jahres gezählt haben dürften. Begeistert berichtete sie vom Weihnachtsfest 1921, als im stimmungsvoll hergerichteten Oberlichtsaal Paul Klee zusammen mit seiner Frau Kammermusik gespielt habe. Besonders freute sie, dass Klee 1923 einen Teppich bei ihr bestellte.

Die Ausstellung ist eine Premiere für Thüringen, denn eine Personalschau mit dieser vielfach geehrten Altmeisterin gab es hier doch nie, oder?

Es ist nach unserem Wissen die erste Kerkovius-Ausstellung  in Thüringen. Mit ihr kommt bis 31. März das Werk dieser Ausnahme-Künstlerin zum Bauhaus-Jubiläum wieder ins Weimarer Land. Die Ausstellung „Sie ist ganz Kunst‘. Ida Kerkovius – ein Schülerin des Bauhauses“ ermöglicht zum ersten Mal eine Retrospektive nahe jenes Ortes, an dem sie ihre wichtigsten Inspirationen erhielt. Über 20 Leihgeber stellten die Werke  zur Verfügung. Zur Ausstellung erscheint ein farbenfroher Katalog mit 124 Seiten und etwa 75 Abbildungen sowie fundierten Texten, die Leben und Werk der Künstlerin beschreiben und die Stellung der Frauen am Bauhaus Weimar intensiv beleuchten.

Die Fragen stellte Wolfgang Leißling

Abbildung: Figürliche Komposition mit Sonne, 1958, Öl auf Leinwand, 52 x 42 cm, © Hamburger Kunsthalle (Plakatmotiv)

 


Gera feiert 100 Jahre Bauhaus

Stadt mit großer Kunst- und Architekturtradition im Aufbruch

Gera als die Stadt in Thüringen mit den meisten Denkmalen des Neuen Bauens der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts begeht das 100. Bauhaus-Jubiläum mit einem umfangreichen und attraktiven Festprogramm. Neun Ausstellungsvorhaben, eine Konzertreihe, Mitmach-Projekte, Stadtrundfahrten und geführte Stadtrundgänge bieten das ganze Jahr über viele Gelegenheiten für Gäste und Einheimische, diesen großen Schatz an Architektur und Kunst zu erleben. Im Zentrum der Feierlichkeiten stehen zwei Persönlichkeiten, die mit einem großen Anteil ihres Lebenswerkes die Stadt bereicherten: Der Architekt Thilo Schoder und der Bauhauskünstler Kurt Schmidt. Beiden sind jeweils große Ausstellungsvorhaben gewidmet, bei denen die beteiligten Museen, die Kunstsammlung Gera/Orangerie, das Museum für Angewandte Kunst Gera und das Haus Schulenburg konzeptionell zusammenarbeiteten. Auch das Theater Altenburg-Gera leistet mit einer am „Mechanischen Ballett“ von Kurt Schmidt orientierten Performance und den „Bildern einer Ausstellung“ von Kandinsky/Mussorgsky einen wichtigen Beitrag zum Jubiläumsjahr in Thüringen und mit Gastspielen in Berlin, Dessau und Darmstadt.

Auch der Lehrer Thilo Schoders und Wegbereiter des Weimarer Bauhauses, Henry van der Velde, wird in dem von ihm geschaffenen Haus Schulenburg ausführlich gewürdigt. Der Kunstverein Gera e. V., dessen Vorgängerinstitution in den zwanziger Jahren bekannteste zeitgenössische Künstler wie z. B. Käthe Kollwitz und Paul Klee in Gera präsentierte, wird mit einer Ausstellung von vier zeitgenössischen Positionen seiner Tradition gerecht. Möglichkeiten des aktiven Gestaltens bietet der Verein Kunstschule e. V. in verschiedenen Workshops und auch der Verein Kunstzone Gera e. V. beteiligt sich in seiner Freiluft-Galerie am großen Jubiläum. Die Häselburg - Neue Galerie für Zeitgenössische Kunst  wird mit der vierteiligen Ausstellung „Bauhaus.Lines“ die Weiterentwicklung der Bauhaus-Konzepte in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts betrachten.

Eine Konzertreihe mit acht Kammerkonzerten wird schließlich das Spannungsverhältnis von Bauhaus, Architektur und Musik auf eine besondere Weise in authentischen Räumen untersuchen. So entsteht ein vielfarbiges Kaleidoskop von bildender Kunst, Architektur und Musik, das die Zugehörigkeit Geras zu den wichtigen Kulturstädten Deutschlands eindrucksvoll nachweis

Ausstellungen und Veranstaltungen im Bauhausjahr 2019 in Gera:

Ausstellung Kunstsammlung Gera, Orangerie:

„Intermediale Experimente am Bauhaus. Kurt Schmidt und die Synthese der Künste“

22.03. - 10.06.2019

Bühnen der Stadt Gera:

„Das Triadische Ballett“

Gastspiel des Bayerischen Junior Ballett München

22.03. 2019, 20.00 Uhr, Großes Haus

bewegte.bauhaus.bilder

„Bilder einer Ausstellung“

Formensport. Eine Tanzperformance frei nach dem „Mechanischen Ballett“

23.03. 2019, 17.00 Uhr, Bühne am Park

05.04. 2019, 20.00 Uhr, Bühne am Park

Austellungen Haus Schulenburg:

Thilo Schoder, Schüler und Freund Henry van der Veldes“

14.10.2018 – 15.02.2020

Henry van der Velde, Wegbereiter des Bauhauses und Grenzgänger der Moderne“

15.03.2019 – 15.02.2020

Georg Muche, Diaphane Malerei

Hundert Jahre Bauhaus- Hundert Exponate aus privaten Sammlungen

12.05. - 30. 10.2019

Ausstellungen Museum für Angewandte Kunst:

Thilo Schoder und Kollegen. Bauten der Moderne in Gera“

03.07. - 22.09. 2019

„Aktuelles Design in Thüringen“

07.10. - 29.02.2020

Ausstellung Kunstverein Gera:

Die Summe seiner Teile- eine Ausstellung zum Bauhausjahr 2019

25.04. - 08.06. 2019

Freiluftgalerie Saller Carree, Verein Kunstzone:

„Bauhausjahr, zentrumsnah...“

ab Mai 2019

Ausstellungen Häselburg, Neue Galerie für Zeitgenössische Kunst:

„Bauhaus.Lines“, Ausstellungsserie

15.02. - 31.12.2019

Konzertreihe:BauHausMusik“

8 Konzerte ab 30.03. - 08.11.2019 einschließlich Ausstellung „Weiße Stadt Tel Aviv“ und Jubiläum 90 Jahre Handelshof im Hauptgebäude der Sparkasse

Stadtführungen zu Bauten der Moderne in Gera

Ganzjährig

Kunstschule Gera e. V. in der Häselburg:

100 Jahre Bauhaus - WIR BAUEN MIT 

Kurse ganzjährig buchbar

 


Farbe, Form, Struktur, Multi-Media

Auftakt der Ausstellungsreihe BAUHAUS.LINES in der Neuen Galerie für Zeitgenössische Kunst in der Häselburg / Gera

Die vierteilige Wechselausstellung „BAUHAUS.LINES“ startete am 15. Februar mit „Part I, COLORS: Rot.Gelb.Blau“. Anlässlich des 100-jährigen Bauhausjubiläums findet in der Neuen Galerie für Zeitgenössische Kunst in der Häselburg Gera ein Dialog zwischen internationalen und regionalen Künstler_innen statt. Die von Dr. Claudia Tittel kuratierte Schau schlägt Brücken zwischen weltweit renommierten Werken aus den 1960er Jahren bis heute. Die in vier Teile unterteilte Ausstellung BAUHAUS.LINES untersucht das künstlerische Erbe des Bauhauses. Dabei zeigen vier Ausstellungen die Entwicklungslinien und Impulse, die das Bauhaus in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts setzte – vom Colorfield Painting (Farbfeldmalerei), der Konkreten Kunst, Minimal Art bis zur Op Art, abstrakten Fotografie und Videokunst. Die Reihe fragt, wie aktuell das Bauhaus hundert Jahre nach seiner Entstehung ist, möchte dabei aber auch eine kritische Perspektive einnehmen und den Mythos Bauhaus reflektieren.

BAUHAUS.LINES, Part I, COLORS: Rot.Gelb.Blau widmet sich den Farbkonzepten des Bauhauses. Farbe bildete einen Hauptschwerpunkt in der künstlerischen Lehre am Bauhaus, nicht nur aufgrund ihrer Bedeutung für die abstrakte Bildform, sondern als grundlegendes Gestaltungselement. Während die Künstler_innen des Bauhauses ihre Farblehre an die Erziehung des Menschen für eine bessere Welt koppelten, vermieden die Maler_innen der Farbfeldmalerei jeglichen gesellschaftlichen oder ikonographischen Bezug. Vielmehr untersuchten sie das emotionale Potenzial der Farbe. Mit Rupprecht Geiger, Imi Knoebel, Max Bill und Richard Paul Lohse versammelt die Ausstellung
herausragende Vertreter der abstrakten Malerei in der Neuen Galerie für Zeitgenössische Kunst der Häselburg und ist damit ein Höhepunkt im Bauhaus-Jahr.
Künstler_innen PART I: Max Bill (CH). Bob Bonies (NL). Winfried Gaul (D). Gotthard Graubner (D). Rupprecht Geiger (D). Herrmann Glöckner (D). Bernd Hahn (D). IMI Knoebel (D), Richard Paul Lohse (CH). MAUSER (D). Manfred Luther (D). Ida Maibach (CH). Ben Muthofer (D). Georg Karl Pfahler (D). Tom Prochnow (D). Maria Schicker (D). Diet Sayler (RO)

Die Abbildung zeigt eine Arbeit von Winfried Gaul.

BAUHAUS.LINES, Part I - COLORS: Rot.Gelb.Blau
bis 7. April 2019
Jeden Donnerstag 17 Uhr: Kunststück der Woche
Führungen für Gruppen und Schulklassen möglich. Termine nach Vereinbarung.
Ausstellungsbegleitende Kurse für Schüler_innen bietet die Kunstschule Gera vor Ort an.


Hildebrand Gurlitt, Albert Hennig und das Bauhaus

Zu sehen bis 10. März in den Kunstsammlungen Zwickau - Max-Pechstein-Museum

Das Bauhaus revolutionierte die freien und angewandten Künste, die Architektur, die Gestaltung und die Pädagogik wie keine andere Ausbildungsstätte im 20. Jahrhundert. Als „Staatliches Bauhaus“ 1919 in Weimar gegründet, als „Hochschule für Gestaltung“ in Dessau und bis zur erzwungenen Auflösung 1933 als private Lehranstalt in Berlin wirkte das Bauhaus als innovative Experimentierstätte wie wirkungsmächtige Ideenschmiede. In nur 14 Jahren beeinflusste das Bauhaus Künstler, Architekten, Gestalter und Kulturvermittler für Generationen. Anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums würdigen die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum in einer Ausstellung mit Fotografien und Dokumenten das Wirken zweier Persönlichkeiten, deren Schaffen mit dem Bauhaus verbunden ist: Hildebrand Gurlitt und Albert Hennig.

Hildebrand Gurlitt

Hildebrand Gurlitt (1895-1956), erster Direktor des Zwickauer Museums, nahm bereits 1925, kurz nach seinem Amtsantritt, Kontakt zum Bauhaus in Dessau auf. Mit Begeisterung für die neue Ästhetik organisierte er hier nicht nur Ausstellungen und Vorträge, sondern beauftragte 1926 das Bauhaus mit einer Farbgestaltung des neu zu strukturierenden Museums. Auch in der Gestaltung der Werbegrafik orientierte sich der junge Museumsdirektor am Bauhaus. So sorgte das im September 1925 erschienene Veranstaltungsprogramm aufgrund seiner Typografie in der lokalen Presse für Aufmerksamkeit: „Senkrecht gestellte Schriftzeilen wirken als Blickfang. Daran angefügte Hauptzeilen erwirken eine sachliche Raumaufteilung und sind Signalarmen vergleichbar. Ein scheinbarer Wirrwarr klärt sich als sichere Lösung für gute Übersichtlichkeit auf. Stark betonte Punkte vermitteln die Beziehungen der Satzgruppen zueinander. Entwurf und Ausführung hat die Firma Förster u. Borries in seinem Verständnis gelöst. Museumsdirektor Dr. Gurlitt hat diese vom Bauhaus Dessau ausgehende Satzbaukunst – Schriftsatzkonstruktion – für die Ankündigung seines Winterprogramms der Museumsarbeit gewählt.“ In der Ausstellung wird die Kooperation Gurlitts mit dem Bauhaus anhand von Ausstellungsfotos, Dokumenten und Schriftstücken, u. a. mit Moholy-Nagy, den Bauhaus-Meistern Klee, Kandinsky oder Feininger anschaulich gemacht. Eine wegweisende Ausstellung zur „Neuen Reklame“, die Gurlitt 1927 organisiert hat und bei der das Bauhaus maßgeblich beteiligt war, kann anhand von Fotografien aus dem Museumsarchiv erstmals vorgestellt werden. Bis zu seiner Entlassung im Frühjahr 1930 bemühte sich Hildebrand Gurlitt um den Aufbau einer Sammlung mit Werken der Moderne. Aufgrund des schmalen Budgets beschränkten sich die Erwerbungen vorwiegend auf Papierarbeiten oder Reproduktionen aus dem Piper-Verlag. Die Sammlung ergänzte er jedoch mit Leihgaben von Künstlern, aus Galerien, Museen oder von Privatsammlern. Er beabsichtigte im Museum „einen Überblick über alles Wichtige, was es zur Zeit an lebender Kunst in Deutschland gibt, in Leihgaben zu zeigen.“ Neben den Künstlern des Expressionismus zeigte er ebenso „die Führer der abstrakten Kunst, Kandinsky, Feininger, Klee, Muche, Moholy“. Die Erwerbungen Gurlitts, die mit dem Bauhaus verknüpft sind, fielen 1937 auch in Zwickau der nationalsozialistischen Beschlagnahmungsaktion zum Opfer. Nur drei Holzschnitte des Bauhaus-Meisters Lyonel Feininger sowie die vierte Mappe der Bauhaus-Drucke italienischer und russischer Künstler sind mit dem von Feininger entworfenen Titelblatt und einigen Grafiken als künstlerische Zeugnisse erhalten und in der Ausstellung zu sehen.

Albert Hennig

Albert Hennig (1907-1998) wurde 1907 in Leipzig geboren. Ende der 1920er-Jahre begann er, in Leipziger Arbeitervierteln zu fotografieren: auf dem Gelände der Großmarkthalle, in der Armenspeisegaststätte „Suppenschmiede“, vor dem Arbeitsamt in der Gerberstraße und bei politischen Veranstaltungen oder bei Arbeiten im öffentlichen Raum. Mit der Serie „Kinder der Straße“ bewarb sich Hennig 1932 am Bauhaus in Dessau, mit der Absicht, „Reklamemann“ zu werden. Seit Ende der 1970er-Jahre werden Hennigs Fotografien als Zeugnisse dieser Kunstepoche gewürdigt. Weithin bekannt waren 45 Motive, die der Künstler als sein fotografisches Werk betrachtet wissen wollte und in unterschiedlichen Mappenwerken zusammengestellt hatte. Im 2008 von den Kunstsammlungen übernommenen Nachlass des Künstlers haben sich jedoch rund 420 Fotografien - als Abzüge, Glasplattennegative oder Rollfilme - erhalten, die mit Fördermitteln der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen erworben werden konnten. 2015 wurden sie in einem größeren Forschungs- und Ausstellungsprojekt zur Arbeiterfotografie ausgewertet und dokumentiert (in Kooperation mit dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. Dresden, der Deutschen Fotothek Dresden und den Zwickauer Kunstsammlungen). Einige Fotografien Albert Hennigs ließen sich seiner Zeit als Student am Bauhaus in Dessau und dann in Berlin 1932/33 zuordnen. Hierzu gehören die Ansichten der Gebäude, wie die Glasfassade des Werkstattflügels oder Balkone des Prellerhauses. Studien von Textilien, die Arrangements von Zitronen, Puppenköpfen oder Zusammenstellungen verschiedener Gegenstände sind Übungsaufgaben aus dem Kurs des Fotografielehrers Walter Peterhans. Neben Dokumenten aus Hennigs Bauhaus-Zeit, wie Vorlesungsmitschriften, Briefen oder dem Bauhaus-Zeugnis, sind weitere, über 30 noch nie gezeigte Vergrößerungen zu sehen, die von den in der Zwickauer Sammlung befindlichen Negativen aus den Jahren 1928 bis 1933 angefertigt wurden.

 


11. Landesfotoschau Thüringen in Erfurt zu sehen

Galerie Waidspeicher, zu sehen bis 10. März 2019

Zum 11. Mal seit 1994 veranstaltet der Landesverband Thüringen der Gesellschaft für Fotografie eine Landesfotoschau, die Ergebnis eines Wettbewerbs ist. Aus über 1500 Einreichungen von Profi- und Amateurfotografen hat eine Jury die besten Beiträge ausgewählt, die nun im Rahmen der Ausstellungstournee durch Thüringen präsentiert werden. In Erfurt ist die Landesfotoschau zu Gast in der Galerie Waidspeicher. Die breite Spanne der ausgestellten Arbeiten reicht von Porträt- und Streetfotografie über Landschafts- und Architekturfotos bis hin zu Tierbildern. 76 Einzelbilder und 6 Serien von 65 Fotografinnen und Fotografen werden gezeigt, darunter die Preisträgerfotografien von Franziska Barth, Raik Behr, Ulrich Seehagen und Tim Gassauer (Jugendpreis). Die Ausstellung wird in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken, Michaelisstrasse 10, bis zum 10. März präsentiert.

www.kunstmuseen.erfurt.de

Abbildung: Tim Gasshauer, Vogelfrei, Jugendpreis


Aus Sachsen

Zeitgenössische Malerei und Grafik aus der Sammlung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung

Bis zum 22. April stellen die Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz ihre neue umfangreiche Dauerleihgabe der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Chemnitz vor. Fünf Gemälde und über einhundert Arbeiten auf Papier aus den Jahren von 1979 bis 2001 zeigen eine beeindruckende Vielfalt künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten. Von den 64 in Sachsen lebenden oder dort geborenen Künstlerinnen und Künstlern bilden diejenigen aus den Zentren Chemnitz, Dresden und Leipzig einen Schwerpunkt. Sie setzen mit ihren sowohl abstrakten als auch gegenständlichen Werken wichtige Akzente in der zeitgenössischen Kunst. Konzipiert wurde die Kollektion im Jahr 2001 von Prof. Dr. h. c. Werner Schmidt (1930–2010), dem langjährigen Direktor des Dresdener Kupferstichkabinettes, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und Gründungspräsidenten der Sächsischen Akademie der Künste. Der Aufbau dieser Sammlung war ein Zeichen der Wertschätzung der überwiegend in Sachsen wirkenden Künstlerinnen und Künstler in einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Brüche die Kunst und Kultur im Osten Deutschlands prägten. In der Ausstellung wird neben der Malerei vor allem das breite Spektrum der grafischen Techniken, wie Radierung, Lithografie, Collage, Holzschnitt, Serigrafie, Präge- und Siebdruck deutlich. Es sind Werke von Künstlern zu sehen, die in einer bewegten Zeit kontinuierlich und unbeirrt ihren persönlichen künstlerischen Überzeugungen gefolgt sind.


BilderBerg_89_BilderFlut

Städtische Galerie ada in Meiningen zeigt: 19 Kunstpositionen zu 30 Jahre Volksaufstand

Was war das nun 1989? Und wohin führt(e) es? Wie fand es in den Medien, in den Köpfen und letztlich tatsächlich auf den Straßen statt? Diesen Fragen ist jeder ausgesetzt, zumal im vielfach überschattenden Jubeljahr 2019 der „friedlichen Revolution“ (Helmut Kohl). Jeder Bürger wird unweigerlich in Ost und West Tatsachen, Vermutungen, Interpretationen und letztlich seinen eigenen Erfahrungen gegenübergestellt sein. Erfahrungen, die Anlass geben, sich ganz persönlich zu verhalten: „Was hat das mit mir zu tun?“ Künstler*innen sind Experten nicht nur beim (in) Frage stellen, sie erleben sich und die Welt unmittelbar durch die Schöpfung ihrer Werke hindurch.

Auf ungewöhnliche Weise Bilanz ziehen und Ausblicke öffnen ist das Ziel der Ausstellung„BilderBerg_89_BilderFlut – 19 Kunstpositionen zu 30 Jahre Volks-Aufstand“.Der dreiteilige KUNST-Zyklus, welcher am Samstag, den 23. Februar 2019 um 16 Uhr in der Städtischen Galerie ada Meiningen eröffnet wird, versteht sich zuerst als eine Art Labor-Archäologie künstlerischer Präsenz durch den „Zeit-Geist“ hindurch. Die beteiligten ca. 19 Künstler*innen, fast ausschließlich aus dem „Osten“ der Republik, werden im ersten Teil des Zyklus ihre sinnlich-ästhetischen Ausgangspositionen zu ‚89_19‘ der Öffentlichkeit vorstellen. Sie zeigen Objekte, Gemälde, Grafiken, Raum-Installationen und Fotografien. Kunst-Aktionen und Salons für einen intensiven öffentlichen Disput begleiten die künstlerische Spurensuche zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Im zweiten und dritten Teil ist der Zyklus bis zum 23. Juni räumlich wie inhaltlich an weiteren besonderen Orten Meiningens präsent. Zur Eröffnung von „BilderBerg_89_BilderFlut“ am 23. Februar wird die Mit-Ausstellerin Elisabeth Rosenthal aus Berlin eine Performance in der Städtischen galerie ada Meiningen präsentieren.Da sich das Kunst-Projekt als Work-in-progress entfaltet, bieten sich die elektronischen Medien für die Kommunikation. Veranstaltungen, Reaktionen, Neuigkeiten siehe: http://www.meiningen.de/Tourismus-Kultur/Kultur-entdecken/Städtische-galerie-ada

Klaus Nicolai / Ralf-Michael Seele

Abbildung: Sailor-Single, Studio 2018 / Foto: Clara Rosenthal


Zimelien. Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart aus dem Bestand der Kunstsammlung Gera

Bis 24. Februar 2019 präsentiert die Kunstsammlung Gera in fünf Themenkomplexen insgesamt 52 Werke der Malerei, Druckgrafik und Plastik. Die in Gera lebende Lyrikerin und Autorin Annerose Kirchner verfasste zu den einzelnen Abschnitten der Ausstellung literarische Kostbarkeiten

In der neuen Sonderausstellung präsentiert die Kunstsammlung Gera im Südflügel und im Mittelpavillon der Orangerie bis zum 24. Februar 2019 die Schau Zimelien vom Mittelalter bis zur Gegenwart“. Das Wort Zimelien hat seinen Ursprung im griechischen Wortschatz und bedeutet „Kleinod“ oder „Kostbarkeit“. Der Begriff fand vorwiegend in Büchersammlungen Verwendung. Damit wurden aber auch Einzelstücke aus kirchlichen und weltlichen Schatz- und Wunderkammern bezeichnet. Mit dem klangvollen, heute nur noch selten gebrauchten Ausdruck lässt sich die Intension des Ausstellungsprojektes fassen: eigene, im wörtlichen Sinne verstandene, Kostbarkeiten aus der Sammlung ins öffentliche Licht zu rücken.

Die nach der Wiedereröffnung nunmehr zweite Ausstellung in der Orangerie widmet sich erneut dem eigenen Sammlungsbestand und verdeutlicht die Fülle und Vielfalt des Kunstbesitzes der Stadt Gera. Mit ihren zirka 11.000 Objekten ist die Museumssammlung von mittlerer Größenordnung. Ihre heterogene Zusammensetzung liegt in ihrer Sammlungsgeschichte begründet. Hervorgegangen aus verschiedenen Institutionen und Stiftungen aus dem zu Ende gehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert vereinigt sie ein Inventar an Gemälden, Zeichnungen, Druckgrafik und Plastik. Den Schwerpunkt bilden die Exponate des 19./20. Jahrhunderts, ein kleiner Teil stammt aus der Zeit zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhunderts. Erst in den 1980er Jahren wurde mit der Sammlung „Handzeichnung“ ein eigenständiger Bestandskomplex angelegt. Trotz aller differenten Inventarkategorien beherbergt die Sammlung neben Otto Dix noch weitere bedeutende Künstlernamen. Diese Werke finden ihre Präsentation in den wiederkehrenden themenspezifischen Bestandsausstellungen der Kunstsammlung Gera. Im Dialog mit weniger bekannten und selten gezeigten Exponaten aus der Sammlung wird es möglich, neue Sichtweisen und Erlebnisräume zu schaffen. Die Ausstellung „Zimelien“ präsentiert im Südflügel insgesamt fünf Themenkomplexe mit insgesamt 52 Werken der Malerei, Druckgrafik und Plastik. Hierbei werden die Einzelbereiche weit gefasst und spielen mit dem Begriff „Leben“. Die Bandbreite reicht von Lebenswegen und Lebensschicksalen über Lebenslust bis hin zu Lebenserfahrung. Die in Gera lebende Lyrikerin und Autorin Annerose Kirchner verfasste zu den einzelnen Abschnitten der Ausstellung literarische Kostbarkeiten, welche das Ansinnen auf besondere Weise erläutern. Ihre poetisch einfühlsamen Texte begleiten den Besucher durch die Ausstellung.

Vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart wird den Wandlungen, Veränderungen und Stimmungen des Lebens nachgegangen. Vertreten sind unter anderem Werke folgender Künstler: Peter Breuer, Lucas Cranach d. Ä., Giovanni Battista Piranesi, Frans Hals, William Hogarth, Franz von Lenbach, Francisco de Goya, Kurt Günther, Erika Streit, Alfred Hrdlicka, Gerda Lepke, Karl Weschke, Horst Sakulowski u.a. Die Räume im Mittelgeschoss der Orangerie widmen sich der Kunst der Klassischen Moderne. Die Geraer Sammlung verfügt über einen beachtlichen Schatz an Grafiken von Künstlern aus der Zeit zwischen 1900 bis 1925. Dieses Konvolut mit Arbeiten auf Papier ist seit 1949 im Bestand des Museums. Darunter sind große Namen vertreten wie u.a.: Max Beckmann, Lyonel Feininger, Conrad Felixmüller, Erich Heckel, Wilhelm Lehmbruck, Käthe Kollwitz, August Macke, Otto Mueller, Emil Nolde, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff. Die Kunstsammlung Geraist Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet.


Winken und Warten. Ein Welt-Bild aus Glas und Licht

Kunstsammlung Jena zeigt Werke von Gerd Sonntag

Gerd Sonntag wird 1954 in Weimar geboren und wächst in Jena auf. Hier besucht er die Volks-Kunst-Schule in Jena, währenddessen er bereits seine künstlerischen Fähigkeiten bildet. 1973 findet eine erste Personalausstellung im Stadtmuseum Jena statt, die zugleich seine letzte Ausstellung in der DDR bis 1985 bleiben soll. 1977 übersiedelt Sonntag nach Berlin und wird wenig später Meisterschüler bei Theo Balden an der Akademie der Künste. Als freischaffender Maler gehört Gerd Sonntag fortan zu jenen, die ein eigenes Werk entwickeln und damit ganz offen die Formvorstellungen des ostdeutschen Kulturbetriebs brüskieren.

Gerd Sonntag ist einer von jenen Wenigen, die bereits Ende der 1980er-Jahre auch internationale Erfolge verbuchen können – ihm werden Ausstellungen in London und New York eingerichtet und das Netz seiner Sammler ist ebenfalls weit ausgelegt. Das Kraftzentrum seiner Kunst liegt zunächst in der Malerei. Sonntag durchschreitet die Klassische Moderne wie ein Lehrbuch: Nach den Franzosen, vor allem Picasso, folgen die Expressionisten. Große Bilder, Farbflächen und Körper, die als Zeichen persönlicher Bewegtheit keiner Beschreibung folgen – und auch keiner Ideologie. Seit etwa 10 Jahren verarbeitet Sonntag Hüttenglas zu Skulpturen, die in ihrer Art und Ausstrahlung einzigartig sind. Die Arbeiten, zumeist Köpfe, werden in aufwändigen Arbeits- und Schmelzprozessen hergestellt und durchlaufen mehrere Brennzyklen. Die Werke bestechen nicht nur durch das ungewöhnliche Material, sondern auch durch die Farbigkeit und die feinteilige Art der Bemalung. Die Drähte, welche die Glasteile während der Brennprozesse fixieren, sind notwendige Zutat und bilden zugleich ein filigranes Netzwerk, dass die Köpfe durchädert. - Die Ausstellung ist als Werkschau konzipiert und zeigt neben den Glasarbeiten auch zahlreiche Bilder des Malers Gerd Sonntag, der nicht nur zu den bedeutendsten Malern des Prenzlauer Berges gehörte und sich nunmehr eine eigenständige Position erarbeitet hat, die vielerorts Anerkennung erfahren hat.

Zu sehen bis 14. April 2019

Abbildung: Gerd Sonntag, Großes Blaues, 2010, GlasV


FOOD FOR YOUR EYES

Kunsthalle Erfurt zeigt: Internationale Food-Fotografie heute / zu sehen bis 31. März 2019

Längst ist die Modefotografie keine rein angewandt-kommerzielle Angelegenheit mehr. Künstler wie Jürgen Teller haben dem Genre eine unerwartet künstlerische Note verliehen, indem er die Standards verließ und höchst ungewöhnliche Perspektiven auf Models und Mode entwarf.  Ähnliches gilt auch für einen anderen Bereich der angewandten Fotografie: das Fotografieren von Speisen und deren Zutaten für die Werbung, für Kochbücher etc. Auch hier hat die Zahl der Fotografen und Fotografinnen zugenommen, die sich an künstlerischen Bildlösungen orientieren und auf unerwartete Ansichten von Lebensmitteln und ihrer Verarbeitung setzen.  Weltweit das einzige seiner Art ist das „Food Photo Festival“ in Vejle, Dänemark. Das von dem deutschen Foodfotografen Günter Beer ins Leben gerufene und organisierte „Foodphoto Festival“ mit Vorträgen, Kursen und Ausstellungen  ist Treffpunkt  der besten Foodfotografen und Foodstylisten, Artdirektoren, Kochbuchautoren, Foodjournalisten sowie von interessierten Besuchern aus aller Welt. Zur internationalen „Food Photo Festival Biennale“ 2017 begrüßte Veranstalter und Kurator Günter Beer über 200 der besten Foodfotografen aus 26 Ländern zu Austausch und Werkschau. Von Pop-Art über klassische Foodfotografie bis hin zu Kurzfilmen reichte das Spektrum. Zwei Preise wurden auf dem Festival vergeben: Carmen Troesser (USA) wurde mit dem Preis "Foodphoto 2017" ausgezeichnet. Der Preis "Food Feature" wurde dem Film "Hungry" von Maisie Crow (USA) zugesprochen. Aus den Präsentationen dieser Biennale ist die Ausstellung „FOOD FOR YOUR EYES“ hervorgegangen. Kuratiert von Günter Beer umfasst die opulente Schau  fotografische Abzüge von 18 Fotografen sowie eine Multimediaarbeit.

Kuratorenführungen mit Prof. Dr. Kai Uwe Schierz; 14. Februar, 19 Uhr | 17. Februar, 11.15 Uhr

www.kunstmuseen.erfurt.de

Foto: Jonathan Gregson Rhubarb, © Jonathan Gregson


Gefäß/Skulptur - Teil 3. Deutsche und internationale Keramik seit 1946

Zu sehen bis 13. Oktober 2019 im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig präsentiert im dritten Teil seiner groß angelegten Überblicksschau auf künstlerische Studio­keramik seit 1946 rund 270 Arbeitenvon weltweit tätigen Keramikern. Bereits 2008/2009 und 2013/2014 waren in zwei umfangreichen Ausstel­lungen herausragende, oft auf großzügige Schenkungen zurück gehende Arbeiten vorgestellt worden. Auf diese beiden viel beachteten Ausstellun­gen folgten jeweils generöse private Schenkungen an das Museum. So wuchs der Bestand des Hauses nach der ersten Ausstellung um rund 3.000 Stücke, seit 2014 zählen weitere 2.000 Arbeitenneu zur Sammlung. Dadurch kann in Leipzig einerseits das Œuvre bedeutender Künstler der Keramik intensiv und detailliert dargestellt und andererseits die Vielfalt der internationalen Szene eindrücklich vor Augen geführt werden.

In der Keramik manifestieren sich die künstlerischen Entwicklungen seit derMitte des 20. Jahrhunderts vielgestaltig und imposant. Formkraft und Glasurschönheit begegnen sich. Immer wieder wird der Weg vom Gefäß zur Skulptur vollzogen oder das Verhältnis zwischen diesen beiden Möglichkeiten ausgelotet.Die Bandbreite von Keramik ist dabei enorm, dem seit frühesten Menschengedenken genutzten Material wird jeweils überraschend Neues abgewonnen. Gerade in dieser nie versiegenden Fülle, im steten Hinterfragen und Neuinterpretieren, besteht sein großerReiz. Die Ausstellung zeigt in ihrer Abfolge deutlich, dass sich die Arbeiten immer konse­quenter aus dienstbar funktionaler Attitüde heraus zu autonomen, skulptural wahr­zunehmenden Kunstwerken entwickeln, ohne dabei zwingend das Thema des Gefä­ßes aufzugeben. Sowohl für die Keramikkünstler wie für die daran Interessierten und auch die Sammler liegen zuweilen Welten zwischen jenen Objekten, die eine meisterliche Beherrschung handwerklicher Fertigkeiten der Töpferei voraussetzen, und solchen, für die das Material Ton vorrangig aus der Perspektive der bildenden Kunst heraus genutzt wird. Doch sind die Übergänge zwischen den entgegengesetzten Positionen fließend. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreiches Begleitbuch. Es setzt die Edition der zwei voran gegangenen Bestseller-Auswahlkataloge fort. Katalogbuch bei Arnold­sche ART PUBLISHERS, 544 Seiten, ca. 590 Abb., deutsch/ englisch, 58 Euro

Abbildung: Werner Bünck, Skulpturales Gefäß Hildesheim/Niedersachsen, 2010 Schamottiertes Steinzeug, geformt, aus Platten geschnitten, montiert, glasiert, transparent überglasiert H 39,5 cm, D 31,5 cm, Schenkung des Künstlers, 2012

Foto: Christoph Sandig/ Leipzig


Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft

Sonderschau im Grassimuseum Leipzig bis 17. März 2019

Wohnraum ist eine knappe Ressource – das wird in den letzten Jahren immer deutlicher. Die Immobilienpreise in den Metropolen steigen und klassische Konzepte des Wohnungsbaus werden dem Bedarf nicht mehr gerecht. Diese Herausforderungen haben eine stille Revolution in der zeitgenössischen Architektur ausgelöst: das Bauen und Wohnen im Kollektiv. »Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft« ist die erste Ausstellung, die dieses Thema umfassend beleuchtet und räumlich erfahrbar macht. Anhand von Modellen, Filmen und begehbaren Wohnsituationen im Maßstab 1:1 präsentiert sie neben einer Vielzahl von Beispielen aus Europa, Asien und den USA auch zehn Hausprojekte aus der wachsenden Stadt Leipzig. Historische Vorläufer veranschaulichen zugleich die Geschichte der gemeinschaftlichen Architektur – von den Reformideen des 19. Jahrhunderts bis hin zur Hippie- und Hausbesetzerszene, die mit dem Slogan »Make love, not lofts« antrat. Eine Ausstellung des Vitra Design Museum Weil am Rhein, kuratiert von Ilka und Andreas Ruby sowie EM2N.

www.grassimuseum.de


Nachfolger des Bauhauses - Zwei Künstlergenerationen in der DDR

Ausstellung in Haus Schulenburg (Gera)

Nach Schließung des Weimarer Bauhauses gingen mehrere Bauhäusler an die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Eine Generation später entwickelte Lothar Zitzmann, der ab dem 1960er Jahren dort eine Professur für das künstlerische Grundlagenstudium innehatte, eine eigene Gestaltungslehre, die das Programm aus der Bauhauszeit weiterentwickelt. Zahlreiche Kunststudenten wurden daran geschult. Doch auch an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und an anderen Orten wirkten in den Nachkriegsjahren Bauhäusler, die Einfluss auf die Ausbildung nahmen. Dort ausgebildete bildende Künstler, Bildhauer, vor allem aber Formgestalter fühlten sich in ihrer Arbeit als unmittelbare Nachfolger des Bauhauses. Auf der Suche nach einer eigenen Formensprache schufen sie abstrakte, konkrete oder konstruktivistische Werke. Bei der Auswahl der Künstler für die Ausstellung „Nachfolger des Bauhauses“ geht Museumsdirektor Volker Kielstein einer eigenen biografischen Spur nach. Zu Beginn der 1960er Jahre lernte er in Dresden den Bildhauer und Grafiker Max Lachnit kennen. Aus der Begegnung im Atelier erwuchs eine intensive Beziehung zu verschiedenen Künstlern aus dem Umkreis, darunter Klaus Dennhardt, der die Lachnitsche Druckwerkstatt übernahm. Begeistert von der Experimentierfreude nicht angepasster Künstler gab das Ärzteehepaar Kielstein in den 1980er Jahren eine Dresdner Grafikmappe mit Arbeiten von Dennhardt, Pukall, Bonk, Gebhardt u.a. in Magdeburg heraus. Enge Verbindungen gab es zur „Galerie Oben“ (Chemnitz), zur „Galerie am Sachsenplatz (Leipzig), zur „Burg Galerie“ (Halle), zur „Galerie Arkade“ (Berlin) und zur „Galerie am Markt“ (Gera). Dort wurden Künstler präsentiert, die vom sozialistischen Realismus entfernte Positionen vertraten. Die Ausstellung in den Räumen und im Park des Henry van de Velde-Museums Haus Schulenburg spannt den Bogen von den 1950er Jahren bis in die heutige Zeit. Vorgestellt werden Arbeiten der Maler und Grafiker Ingo Kirchner, Günter Hornig, Peter Sylvester, Veit Hoffmann, Jürgen Schieferdecker, Hermann Glöckner, Dieter Tucholke und Friedrich Kracht, des Metall- und Emaillegestalters Hartmut Senf, des Baugestalters Bruno Groth, der Textilgestalterin Margitta Leihbecher sowie Plastiken von Max Lachnit, Volkmar Kühn, Frithjof Kühne, Ralph Eck, Thomas Lindner, Robert Krainhöfner und weiterer Künstler.

Bis 31. März 2019 öffnet Haus Schulenburg montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags 14 bis 16.30 Uhr. Weitere Öffnungszeiten sind nach Absprache möglich. Neuigkeiten gibt es auf www.haus-schulenburg-gera.de, Facebook, Twitter und Instagram.

Abbildung: Begegnung mit ungewissem Ausgang. Bronzen von Volkmar Kühn (Mildenfurth)


»… immerwährend auf dem Papier zu verweilen«

Kunstsammlung Jena zeigt bis 14. April 2019: Venedig, Florenz, Neapel 1877. Eine Reise nach Italien

Die Geschichte der Fotografie hat viele Anfänge. Einer von ihnen liegt in Italien – genauer am Comer See. Dort begann nicht nur eine der klassischen Routen der Grand Tour sondern auch die Fotografie auf Papier. „An einem der ersten Oktobertage des Jahres 1833“, berichtet William Henry Fox Talbot, „beschäftigte ich mich an den lieblichen Ufern des Comer Sees damit, Skizzen anzufertigen, oder, wie ich besser sagen sollte: Ich versuchte sie anzufertigen, leider nur mit dem geringstmöglichen Ergebnis. Danach dachte ich daran, es erneut mit einer Methode zu versuchen, die ich mehrere Jahre zuvor probiert hatte. Diese Methode bestand darin, eine Camera obscura zu nehmen und das Abbild der Gegenstände auf ein Stück durchsichtiges Papier zu projizieren, das auf eine Glasscheibe im Brennpunkt des Instruments gelegt wird. Auf diesem Papier sind die Gegenstände deutlich zu sehen und können mit einem Zeichenstift einigermaßen genau, wenngleich nicht ohne Zeitaufwand und Mühe, auf das Papier durchgepaust werden. Ich hatte diese einfache Methode bei früheren Besuchen in Italien in den Jahren 1823 und 1824 ausprobiert. Das brachte mich dazu, über die unnachahmliche Schönheit jener von der Natur gemalten Bilder nachzudenken, welche die gläserne Linse der Camera obscura in ihrem Brennpunkt auf das Papier projiziert – märchenhafte Bilder; Schöpfungen eines Augenblicks, und dazu bestimmt, ebenso schnell dahinzuschwinden. Während dieser Überlegungen kam mir die Idee, wie reizvoll es sein müßte, könnte man diese über­natürlichen Bilder veranlassen, sich selbst dauerhaft abzudrucken und immerwährend auf dem Papier zu verweilen! Und warum sollte das nicht möglich sein? Fragte ich mich.“ Wie wir wissen, wurde es tatsächlich möglich – nicht zuletzt dank Talbots Erfindung.

Italien wird in dieser Erinnerung gleich mehrfach erwähnt, und immer geht es darum, aus Eindrücken dauerhafte Bilder zu machen. War man unterwegs, so war die Mobilität das eine, die imaginäre Dauer das andere. Zurück in der Heimat sollte neben den flüchtigen Erinnerungen auch etwas Dauerhaftes im Reisegepäck sein: Bilder. Italien war schon für Talbot und später auch für viele hunderttausende Reisende aus aller Welt eine touristische Destination und das beliebteste Reiseland des 19. Jahrhunderts überhaupt. Es ist das Land, in dem Zitronen blühen, die Antike in die abendländische Geschichte hineinragt und die Renaissance unübersehbar die Gegenwart prägt. Reisende brachten nicht selten aufwendige Alben mit Originalfotografien mit nach Hause, die in wunderbaren Ansichten die wichtigsten Etappen ihrer „Grand Tour“ versammelten.

Die „Grand Tour“, die begüterte Reisende im 19. Jahrhundert unternahmen, war ein Bildungsparcours, der darauf zielte, aus Ansichten Einsichten zu machen und die Geschichte von der Antike bis in die Gegenwart Revue passieren zu lassen. So wie Dramen einem bestimmten Schema folgen, gilt das auch für Reisen: Auf der Bühne des kulturbeflissenen Besuchers Italiens erscheinen die wichtigsten Etappen der Kulturgeschichte in einer geordneten Folge. Am Ende einer solchen Reise blieben viele Erinnerungen und vielleicht sogar Notizen und Erwerbungen, aber höchst selten eine Fotografie, die man selber angefertigt hätte. Die Reisefotografie im Italien des 19. Jahrhunderts zeigt (und dies nicht nur dort) eine touristisch aufbereitete, systematisch erfasste und geordnete Welt. Nichts ist dort wirklich überraschend – außer die oft berückende Schönheit der Aufnahmen. Die Fotografien zeigen eine aus den Zeitläufen herausgenommene Welt, in der die Zeit längst zum Raum geworden ist. Von der Antike bis zu den Monumenten der zeitgenössischen Baukunst kann man sich auf gebahnten Wegen blätternd und betrachtend fortbewegen und sich dabei gelassen und geruhsam in den Bildern und Erinnerungen verlieren. Am Ende wird man nicht nur sich, sondern auch die Vergangenheit wiederfinden.

Die Ausstellung zeigt rund 150 Fotografien aus Italien, darunter viele der noch heute beliebten Reiseziele. Ihre Autoren sind einige der bekanntesten damals in Italien tätigen Fotografen, die hier gleichsam ihre Stadt porträtieren: Carlo Naya (Venedig), die Gebrüder Alinari (Florenz) und Giorgio Sommer (Neapel mit Umgebung). Die Bilder der Ausstellung werden kommentiert und durch Dokumente und Texte aus der Zeit um 1876/77 ergänzt. Auf diese Weise kann man mit dem Blick des Fotografen durch ein Italien des 19. Jahrhunderts reisen, der ein überzeitlich gültiges Bild zeichnete, was die noch heute andauernde Faszination Reisender an diesem Land verdeutlicht.

Die Ausstellung knüpft an die seit den Tagen Goethes in Deutschland breit verwurzelte Italien-Sehnsucht an und zeigt die Bilder berühmter Ateliers in Kombination mit Texten aus einem frühen Baedecker-Reiseführer aus dem 19. Jahrhundert. Hier kann – neben dem Genuss an den Bildern – Blickwinkeln und Ursachen dieser so tief verwurzelten Sehnsucht nachgespürt werden. Hinzu kommt, dass es sich um historische Dokumente handelt, die nicht nur Veränderungen, sondern auch die sich wandelnde Sicht auf die Zeugnisse der Geschichte beschreiben.

Abbildung: Giorgio Sommer, Mangiatori di Maccheroni, um 1870, Fotografie

 


Ein besonderes Kapitel regionaler Glasgeschichte

Die Dunkle Pracht – Kunstglas der 1950er Jahre aus dem Thüringer Wald / Sonderausstellung bis 3. März 2019 im GoetheStadtMuseum Ilmenau

Von Böhmen ausgehend entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Zierglasproduktion, die nicht mehr darauf abzielte, in erster Linie feines klares Glas herzustellen, sondern farbigen Gläsern den Vorzug gab. So entstand unter anderem das Schwarzglas. Es wird auch als Stein- oder Hyalithglas bezeichnet. Genau genommen ist dieses Glas jedoch nicht schwarz, sondern dunkelviolett. Es wird mit Mangan so eingefärbt, dass eine nahezu opake Oberfläche entsteht. Nach dem zweiten Weltkrieg wanderten viele Vertriebene aus dem Sudetenland nach Thüringen aus und brachten ihre Kenntnisse zur Farbglasherstellung und Veredlung mit in die neue Heimat. Zum Repertoire ihrer Produktpalette gehörten auchSchwarzglasobjekte. Sie wurden vor allem in den 1950er und 1960er Jahren in Wasungen, Meiningen, Arnstadt, Zella-Mehlis und Ilmenau hergestellt. Die Dekore in Email-, Silber- und Goldmalerei entsprechen dem Geschmack der Zeit. Vielfach handelt es sich um geometrische, eher abstrakte Motive. Die Formen lehnen sich zum Großteil noch an die Vorbilder der 1920er und 30er Jahre an. Die umfangreiche Sonderausstellung des GoetheStadtMuseums Ilmenau stellt Schwarzglasvasen von neun verschiedenen Herstellern vor. Durch die Präsentation der Privatsammlung von Dr. Thomas Müller aus Telgte kann ein besonderes Thema regionaler Glasgeschichte erstmals sichtbar gemacht werden. In der Exposition sind mehr als 125 Vasen mit 110 verschiedenen Mustern aus Schwarzglas zu bewundern.

Zur Abbildung: Ziervase, VEB Kunst- und Gebrauchsglas Gehren / aus der Sammlung von Dr. Thomas Müller aus Telgte. Foto: Glasmuseum Frauenau


Einblick in facettenreiches Lebenswerk

Keramik-Museum Bürgel zeigt bis 31. März 2019 Arbeiten von Wilhelm Löbers (1903-1981)

Zum Auftakt des Bauhaus-Jahres 2019 widmet das Keramik-Museum Bürgel dem Werk Wilhelm Löbers (1903-1981) eine Ausstellung, einem der begabtesten und vielseitigsten Bauhaus-Schüler der Dornburger Keramikwerkstatt. Schon früh zeigt sich ein breites künstlerisches Interesse und Talent. In der Dornburger Bauhaus-Werkstatt beschäftigt sich Löber neben der Töpferei, wie der Formmeister der keramischen Abteilung Gerhard Marcks, auch mit Holzschnitten und Plastiken. Nach dem Weggang des Bauhauses aus Weimar legt er zunächst, als letzter der Bauhaus-Töpfer, noch seine Gesellenprüfung ab und erhält dann Anstellung an der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. 1929 geht er an die Kunstschule Burg Giebichenstein, um bei Marcks als Meisterschüler Bildhauerei zu studieren. In der Folge gestaltet er Denkmäler und Brunnen für den öffentlichen Raum, die teilweise heute noch zu sehen sind. So schuf Löber unter anderem den Goethebrunnen in Ilmenau, den Fischbrunnen auf dem Barther Marktplatz und die mächtigen Moschusochsen-Gruppen aus Klinker und Bronze im Rostocker Zoo und dem Berliner Tierpark. Der in Thüringen geborene Keramiker und Bildhauer war einer der Begründer der Fischland-Keramik (1956) und später der Rügen-Keramik (1966) mit ihren unverwechselbaren, dekorativen Gebrauchskeramiken in aufwändiger Aufglasurmalerei und Ritztechnik. Die Sonderausstellung bietet einen Querschnitt des sehr facettenreichen Lebenswerkes von Wilhelm Löber. Immer wieder probierte er sich an neuen Techniken und Materialien aus. Er sah sich selbst immer als Bildhauer. Neben vielseitigen Kunstkeramiken und Keramikskulpturen gibt es deshalb auch ein großes Potpourri aus Porzellan, Holzskulpturen und Holzschnitten sowie Kupfertreibarbeiten und Bronzen zu sehen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr Dezember bis Februar Dienstag bis Sonntag 11 bis 16 Uhr Auf Anfrage sind Sonderöffnungen möglich. Führungen nach Voranmeldung.

www.keramik-museum-buergel.de