Ausstellungen

11. Landesfotoschau Thüringen in Erfurt zu sehen

Galerie Waidspeicher, 19. Januar bis 10. März 2019

Zum 11. Mal seit 1994 veranstaltet der Landesverband Thüringen der Gesellschaft für Fotografie eine Landesfotoschau, die Ergebnis eines Wettbewerbs ist. Aus über 1500 Einreichungen von Profi- und Amateurfotografen hat eine Jury die besten Beiträge ausgewählt, die nun im Rahmen der Ausstellungstournee durch Thüringen präsentiert werden. In Erfurt ist die Landesfotoschau zu Gast in der Galerie Waidspeicher. Die breite Spanne der ausgestellten Arbeiten reicht von Porträt- und Streetfotografie über Landschafts- und Architekturfotos bis hin zu Tierbildern. 76 Einzelbilder und 6 Serien von 65 Fotografinnen und Fotografen werden gezeigt, darunter die Preisträgerfotografien von Franziska Barth, Raik Behr, Ulrich Seehagen und Tim Gassauer (Jugendpreis). Die Ausstellung wird am Samstag, dem 19. Januar, 17 Uhr in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken, Michaelisstrasse 10, eröffnet und bis zum 10. März präsentiert.

www.kunstmuseen.erfurt.de

Abbildung: Tim Gasshauer, Vogelfrei, Jugendpreis


FOOD FOR YOUR EYES

Kunsthalle Erfurt zeigt: Internationale Food-Fotografie heute / 20. Januar – 31. März 2019

Längst ist die Modefotografie keine rein angewandt-kommerzielle Angelegenheit mehr. Künstler wie Jürgen Teller haben dem Genre eine unerwartet künstlerische Note verliehen, indem er die Standards verließ und höchst ungewöhnliche Perspektiven auf Models und Mode entwarf.
Ähnliches gilt auch für einen anderen Bereich der angewandten Fotografie: das Fotografieren von Speisen und deren Zutaten für die Werbung, für Kochbücher etc. Auch hier hat die Zahl der Fotografen und Fotografinnen zugenommen, die sich an künstlerischen Bildlösungen orientieren und auf unerwartete Ansichten von Lebensmitteln und ihrer Verarbeitung setzen. 

Weltweit das einzige seiner Art ist das „Food Photo Festival“ in Vejle, Dänemark. Das von dem deutschen Foodfotografen Günter Beer ins Leben gerufene und organisierte „Foodphoto Festival“ mit Vorträgen, Kursen und Ausstellungen  ist Treffpunkt  der besten Foodfotografen und Foodstylisten, Artdirektoren, Kochbuchautoren, Foodjournalisten sowie von interessierten Besuchern aus aller Welt. Zur internationalen „Food Photo Festival Biennale“ 2017 begrüßte Veranstalter und Kurator Günter Beer über 200 der besten Foodfotografen aus 26 Ländern zu Austausch und Werkschau. Von Pop-Art über klassische Foodfotografie bis hin zu Kurzfilmen reichte das Spektrum. Zwei Preise wurden auf dem Festival vergeben: Carmen Troesser (USA) wurde mit dem Preis "Foodphoto 2017" ausgezeichnet. Der Preis "Food Feature" wurde dem Film "Hungry" von Maisie Crow (USA) zugesprochen. Aus den Präsentationen dieser Biennale ist die Ausstellung „FOOD FOR YOUR EYES“ hervorgegangen. Kuratiert von Günter Beer umfasst die opulente Schau  fotografische Abzüge von 18 Fotografen sowie eine Multimediaarbeit.

Eröffnung: Samstag, 19. Januar, 19 Uhr

www.kunstmuseen.erfurt.de

Foto: Jonathan Gregson Rhubarb, © Jonathan Gregson


Paul Citroen. Der Mensch vor der Kunst

Ausstellung bis 10. Februar 2019 im Panorama Museum Bad Frankenhausen

Zum Bauhaus-Jubiläum 2019 zeigt das Panorama Museum Bad Frankenhausen Werke des Bauhaus-Schülers Paul Citroen (1896-1983). Paul Citroen begann seine künstlerische Ausbildung schon in jungen Jahren und lernte in Berlin die verschiedenen Avantgarden kennen. Die entscheidenden Impulse für seine weitere Entwicklung aber bekam er am Bauhaus in Weimar, wo er von 1922 bis 1924 studierte. Unter dem Eindruck des Gelernten gründete er 1933 mit Charles Roelofsz die Nieuwe Kunstschool in Amsterdam, eine private Kunstakademie, die sich am Weimarer Vorbild orientierte und ehemalige Mitstreiterinnen und Mitstreiter als Lehrkräfte versammelte. Ab 1935 wirkte Citroen als Dozent an der Kunstakademie Den Haag und blieb auch dort dem Bauhaus weiter verpflichtet.

Obschon sich Citroen auch anderen Themen widmete, lag sein Fokus immer auf dem Bild des Menschen. Als er starb, hinterließ er mehr als 7000 Porträts, die seinen engsten Vertrauten ebenso galten wie befreundeten Größen aus Kunst und Kultur. Wie die Lebensalter durchwandelte er verschiedene Schulen und Stile, malte, zeichnete, collagierte und fotografierte er. Er streifte Expressionismus und Dada, verfing sich im Bauhaus, experimentierte mit Neuem Sehen und Neuer Sachlichkeit, um schließlich zur offenen Malweise der späten Jahre zu finden. Immer wieder fertigte er auch Selbstbildnisse an, die sich wie ein roter Faden durch sein Werk ziehen und besser noch als jedes Tagebuch Auskunft geben über seine künstlerische Entwicklung und seine Gemütslage, aber auch über die Zeitumstände, in denen er lebte. Zugleich zeugen die Bilder vom tiefen Wunsch, eine Spur zu hinterlassen in der Welt. „Da ich ein Porträtist bin, steht mir der Mensch vor der Kunst“ – gemäß diesem Motto präsentiert die Ausstellung in Kooperation mit dem Museum de Fundatie in Zwolle und Heino/Wijhe, Niederlande, den Künstler vor, in und mit der Kunst, mit 84 Werken aus rund 60 Jahren. Zur Ausstellung erscheint eine Monografie mit einer Einführung von Ralph Keuning und Gerd Lindner und Texten von Paul Citroen, Johanna Huthmacher, Anke Blümm, und Feico Hoekstra. (Johanna Huthmacher) 

Zur Abbildung: Paul Citroen, Porträt von Heinz Aron, 1922, Öl auf Leinwand (Marouflé), 40 x 32 cm, Museum de Fundatie (Sammlung der Provinz Overijssel), Zwolle und Heino/Wijhe, Niederlande © VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Fotoausstellung des litauischen Fotografen Antanas Sutkus in Erfurt

Seine erste Kamera kaufte sich Sutkus als Kind. Eigentlich hatte er auf ein Fahr-rad gespart, aber das Geld, das er beim Torfstechen mit der Mutter verdiente, reichte nicht. Heute zählt er zu den großen humanistischen Fotografen der Welt. Dabei sind es fast ausschließlich Menschen, die ihn als Motiv interessieren. Mit geduldigem Blick wartet er, bis sein Gegenüber unverstellt in die Kamera blickt.
Bekannt wurde er mit seinen Aufnahmen von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir 1965. Der französische Philosoph schreitet auf dem Foto durch die weiße Leere des Sandes gegen den Wind an. Die Fotografie geriet zum Symbol des existenziellen Kampfes der Natur mit dem Individuum. Thomas Mann beschrieb 1931 die Dünen um das damals noch ostpreußische Nidden, wo er ein Ferienhaus besaß, als elementar und fast beklemmend: „Alles ist weglos, nur Sand, Sand und Himmel.“
Große Worte fand auch Sartre, als er die Dünen Nidas, so heißt der Ort bis heute, durchstreifte. Er fühle sich so, als ob er im Vorhof des Paradieses stehe, bemerkte der weltberühmte Intellektuelle, und fügte hinzu: „Zum ersten Mal sind die Wolken unter meinen Füßen.“ Das Bild ist aus der Ikonografie der modernen Fotografie nicht wegzudenken; inzwischen erinnert sogar eine bronzene Nachbildung an der Stelle der Aufnahme an Sartres Visite.
Doch auch wenn Sutkus immer wieder Prominente – vor allem aus seiner Heimat – fotografierte, gehörte sein Augenmerk dem einfacheren Volk. In den 1950er Jahren begann er, die Menschen in ihrem Alltag zu begleiten. Litauen war damals Teil der UdSSR. Die komplizierte gemeinsame Geschichte mit den Russen emp-fanden viele seiner Landsleute als fremdbestimmt und Unterdrückung. Nach sei-nem Journalistikstudium an der Universität Vilnius entfernte sich Sutkus, desillusioniert vom sowjetischen System, seiner Propaganda wie der heimischen (Kunst-) Bürokratie, von der offiziellen Widergabe der Lebensumstände im Baltikum. 1976 begann er an seinem Zyklus „Menschen in Litauen“ zu arbeiten, einer direkten wie einfühlsamen Dokumentation des Lebens in seiner Heimat.
Mit seinen Schwarz-Weiß Aufnahmen zeichnet Sutkus gleichsam ein Bild der realen Welt. In seiner kompromisslos formalen wie inhaltlichen Gestaltung wird eine Menschlichkeit sichtbar, die bis heute von sprechender Aktualität ist. Er zeigt die Widrigkeiten des Lebens, wie auch dessen bescheidene Freuden.
Sutkus, Mitbegründer der „Litauischen Gesellschaft für Fotografie“, wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2017 mit dem Erich Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Seine Bilder gehören zu den Sammlungen von Museen in Paris, New York, London und Stockholm.

„Antanas Sutkus“ - Fotoausstellung des „Erfurter Salon der Kunst“ in Kooperation mit dem Evangelischen Kunstdienst Erfurt e.V. vom 28.11.2018 bis 25.01.2019 im Kultur: Haus Dacheröden, Anger 37, 99084 Erfurt Montag bis Freitag 12 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr Der Eintritt ist frei.

Abbildung unten: J. P. Sartre And Simone de Beauvoir in Lithuania, Nida, 1965_(c) Antanas Sutkus


Burg Posterstein – eine Burg für die ganze Familie!

Burg Posterstein lädt mit interaktiven und anschaulichen Stationen für Kinder dazu ein, die Geschichte spielerisch zu erkunden – von den Rittern bis in die Zeit der Salondamen. Es gibt besondere Ferienprogramme, Angebote für Schulen und die Möglichkeit, hier seinen Kindergeburtstag zu feiern.

Bis 6. Januar zu sehen: Europäische Weihnachtskrippen und Adventskalender – Traditionelle Weihnachtsausstellung

Thematisch lehnt sich die Ausstellung in diesem Jahr mit europäischen Weihnachtskrippen und Adventskalendern ans Jahresthema #SalonEuropa an. Es sind Krippen und Weihnachtsschmuck aus neun europäischen Ländern zu sehen. Die Krippen sind aus Gips, Stroh, Keramik, Glas, Papier und Holz, der Schmuck aus Lebkuchen, Stroh und Perlen. Gezeigt wird erstmals eine Auswahl der über hundert Adventskalender, die eine private Sammlerin dem Museum 2018 geschenkt hat. Die Kalender stammen alle aus der deutschen Nachkriegszeit, einige zeigen Burgen und Schlösser der Region. Die 800 Jahre alte Burg ist wie immer festlich geschmückt.

Bis 4. Januar: Was machten Tiere in der Burg? Weihnachtsferien auf Burg Posterstein Das Wort „Ritter“ kommt von „Reiter“ und klar, Ritter und Pferde gehören zusammen. Aber welche anderen Tiere lebten auf einer mittelalterlichen Burg? Die Frage stellte uns Jonathan (4 Jahre) zu unserer Familienausstellung „Die Kinderburg“. Wir nehmen die Weihnachtsferien zum Anlass, der Sache auf den Grund zu gehen.

Schatzsucherprüfung „Gab es Tiere in der Burg?” mittwochs, jeweils 10.30 + 14.30 Uhr / Dauer: ca. 20 Minuten Zum normalen Eintritt kommt pro Familie eine „Geisterkarte“ in Höhe von 2 Euro. / Voranmeldung nicht notwendig. Kleine Schatzsucher-Prüfungen für Familien mit Kindern zum Thema „Gab es Tiere in der Burg?” finden am Mittwoch 2. Januar, 10.30 Uhr und 14.30 Uhr, statt. Eltern und Großeltern sind herzlich eingeladen, mitzukommen oder sich während der Schatzsuche in Ruhe die Ausstellung anzusehen oder einen Kaffee zu trinken.


Womit unsere Urgroßeltern spielten

Sonderausstellung des Museums im Unteren Schloss Greiz: Historisches Spielzeug von 1900 bis 1930

Winterszeit ist Zeit zum Spielen. Und gerade in unserer digitalen Zeit können Spielzeuge der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern neu entdeckt werden. Uromas und Uropas Kinderzeiten scheinen lange her zu sein, aber ihre Spielzeuge verkörpern liebgewonnene Erinnerungen und sind uns somit immer noch vertraut und wohlbekannt.

Welche Wünsche hatten unsere Urgroßeltern, welche haben Kinder und Erwachsene heute? Eisenbahn, Teddy, Puppenstube, Puppen oder Socken und Pudelmütze? - Lieblingsspielzeuge erzählten zu allen Zeiten ihre eigene Geschichte – illustrieren Kulturgeschichte, Moden, Zeitgeist und Zeitgeschmack.  Spielzeuge sind der Spiegel des alltäglichen Lebens. Sie reflektieren Geschichte, technische Entwicklungen und sich verändernde Lebenssituationen. Das Spielen diente schon immer zur Vorbereitung auf das Erwachsenendasein, welches sich in einem ständigen Wandel befindet. Womit unsere Urgroßeltern spielten, zeigen die Exponate in der neuen Sonderausstellung im Museum im Unteren Schloss Greiz. Eine große, vielfältige Auswahl an Exponaten aus dem Bestand der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz werden die kleinen und die großen Besucher begeistern.  Bei den historischen Eisenbahnen spannt sich der Bogen von Lokomotiven mit Dampfmaschinenantrieb über schwungradbetriebene Lokomotiven bis hin zu elektrisch angetriebenen Spielzeuglokomotiven. Die rasanten, technischen Entwicklungen und Neuerungen des 20. Jahrhunderts werden durch diese Modelle eindrucksvoll erlebbar. 

Und ein Novum hat die neue Sonderausstellung auch zu bieten. Die Spielzeuge aus der Zeit zwischen 1900 und 1930 werden nicht wie bisher üblich als thematischer Block präsentiert. Vielmehr sind sie als Zeitzeugen in die bestehende Dauerausstellung und die schon vorhandenen Sonderausstellungen integriert, sind somit zeitweiliger Bestandteil derselben.

Zum Foto: Die Ausstellung möchte generationsübergreifend Erinnerungen wecken und zu gemeinsamen Spiel anregen, sagt Museumsleiter Rainer Koch.


Gefäß/Skulptur - Teil 3. Deutsche und internationale Keramik seit 1946

Zu sehen bis 13. Oktober 2019 im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig präsentiert im dritten Teil seiner groß angelegten Überblicksschau auf künstlerische Studio­keramik seit 1946 rund 270 Arbeitenvon weltweit tätigen Keramikern. Bereits 2008/2009 und 2013/2014 waren in zwei umfangreichen Ausstel­lungen herausragende, oft auf großzügige Schenkungen zurück gehende Arbeiten vorgestellt worden. Auf diese beiden viel beachteten Ausstellun­gen folgten jeweils generöse private Schenkungen an das Museum. So wuchs der Bestand des Hauses nach der ersten Ausstellung um rund 3.000 Stücke, seit 2014 zählen weitere 2.000 Arbeitenneu zur Sammlung. Dadurch kann in Leipzig einerseits das Œuvre bedeutender Künstler der Keramik intensiv und detailliert dargestellt und andererseits die Vielfalt der internationalen Szene eindrücklich vor Augen geführt werden.

In der Keramik manifestieren sich die künstlerischen Entwicklungen seit derMitte des 20. Jahrhunderts vielgestaltig und imposant. Formkraft und Glasurschönheit begegnen sich. Immer wieder wird der Weg vom Gefäß zur Skulptur vollzogen oder das Verhältnis zwischen diesen beiden Möglichkeiten ausgelotet.Die Bandbreite von Keramik ist dabei enorm, dem seit frühesten Menschengedenken genutzten Material wird jeweils überraschend Neues abgewonnen. Gerade in dieser nie versiegenden Fülle, im steten Hinterfragen und Neuinterpretieren, besteht sein großerReiz. Die Ausstellung zeigt in ihrer Abfolge deutlich, dass sich die Arbeiten immer konse­quenter aus dienstbar funktionaler Attitüde heraus zu autonomen, skulptural wahr­zunehmenden Kunstwerken entwickeln, ohne dabei zwingend das Thema des Gefä­ßes aufzugeben. Sowohl für die Keramikkünstler wie für die daran Interessierten und auch die Sammler liegen zuweilen Welten zwischen jenen Objekten, die eine meisterliche Beherrschung handwerklicher Fertigkeiten der Töpferei voraussetzen, und solchen, für die das Material Ton vorrangig aus der Perspektive der bildenden Kunst heraus genutzt wird. Doch sind die Übergänge zwischen den entgegengesetzten Positionen fließend. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreiches Begleitbuch. Es setzt die Edition der zwei voran gegangenen Bestseller-Auswahlkataloge fort. Katalogbuch bei Arnold­sche ART PUBLISHERS, 544 Seiten, ca. 590 Abb., deutsch/ englisch, 58 Euro

Abbildung: Werner Bünck, Skulpturales Gefäß Hildesheim/Niedersachsen, 2010 Schamottiertes Steinzeug, geformt, aus Platten geschnitten, montiert, glasiert, transparent überglasiert H 39,5 cm, D 31,5 cm, Schenkung des Künstlers, 2012

Foto: Christoph Sandig/ Leipzig


Früher war alles besser

„Die Welt von gestern“ präsentiert sich im Lindenau-Museum (Altenburg) in der Kunst des 19. Jahrhunderts

Das Lindenau-Museum in Altenburg zeigt aus seinen reichen, teilweise restaurierungsbedürftigen Beständen  kaum bekannte Landschaften und Genrebilder, aber auch Darstellungen biblischer und mythischer Geschichten und vergisst dabei nicht die in Altenburg tätigen Maler der Zeit.

Im zweiten Obergeschoss des Museums werden zurzeit in großer Dichte Werke mehrerer Künstlergenerationen präsentiert, die einen oder gar zwei Weltkriege miterlebt haben oder von deren Nachwirkungen noch betroffen waren. In das darunterliegende Geschoss zieht nun die Kunst des noch „heilen“ 19. Jahrhunderts, die in der Sammlung des Lindenau-Museums mit zahlreichen Gemälden und Zeichnungen vertreten ist. - Das sogenannte lange 19. Jahrhundert dauerte von der Französischen Revolution 1789 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. In diesen 125 Jahren wurden alle Weichen für die Welt, wie wir sie kennen, gestellt. Ungebremste Industrialisierung, das Erwachen nationaler Ideologien und heroische Umdeutungen der Geschichte stehen neben Romantik, biedermeierlichen Rückzugsgedanken und der Sehnsucht nach einer idealisierten Ferne.Und auch wenn sie schon damals nicht das war, was wir nostalgisch in sie hineinlegen, bezaubert uns die Welt von gestern. - Wenn wir heute auf Gemälde mit Szenen aus dem Mittelmeerraum blicken, können wir die gegenwärtige Flüchtlingskatastrophe nicht ausblenden. Wenn wir Waldidyllen betrachten, haben wir die durch den Klimawandel verursachten Naturkatastrophen vor Augen. So ist der Blick auf Malerei und Grafik des 19. Jahrhunderts ambivalent. - Der Ausstellungstitel verweist auf das gleichnamige, weltberühmte nostalgische Erinnerungsbuch „Die Welt von Gestern“ von Stefan Zweig. In dem 1942 erschienenen Werk beschrieb Zweig im erzwungenen Exil die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg durchaus subjektiv als „das goldene Zeitalter der Sicherheit“. Die Ausstellung zeigt anhand von 49 Gemälden, 28 Zeichnungen sowie einigen Druckgrafiken und plastischen Arbeiten Beispiele für die Kunststile des Klassizismus, der Romantik, des Biedermeier, des Realismus und des frühen Impressionismus. Sie erzählt zugleich einen Teil der Sammlungsgeschichte des Lindenau-Museums und zeigt wie eng viele Künstlerbiografien mit Altenburg verbunden sind. Gezeigt werden unter anderem Werke von Carl Gustav Carus, Filippo Agricola, Ludwig Doell, Gotthardt Kühl, Karl Moßdorf, Ferdinand von Rayski, Ludwig Richter, Albert Rieger, Théodore Rousseau und Hans Thoma.

RESTAURIERUNGSPATEN GESUCHT

Zahlreiche der Werke, die für „Die Welt von gestern“ aus dem Museumsdepot geholt wurden, bedürfen einer Restaurierung. Die Mittel des Lindenau-Museums reichen dafür in keiner Weise aus, einen eigenen Gemälderestaurator hat das Museum nicht. Deshalb sind Restaurierungspaten herzlich willkommen. Wer sich dazu entschließt, zugunsten eines Bildes, dessen Bedarf hier in der Ausstellung ausgewiesen ist, zu spenden, hilft der Sammlung sehr. Selbstverständlich können sich Unterstützer auch mit Teilbeträgen beteiligen und erhalten in jedem Fall eine Spendenbestätigung und eine Nachricht, sobald die Restaurierung vollendet ist. Wenn gewünscht, wird der Name des Spenders oder der Spenderin in der Museumsdokumentation dauerhaft vermerkt.

Führungen:

Dienstag, 1. Januar 2019, 15 Uhr: „Mein Verstand liegt in einer Flasche auf dem Mond“ – Zauberwelten der italienischen Literatur mit Dr. Roland Krischke

Sonntag, 20. Januar 2019, 15 Uhr: Sehnsucht nach Italien - mit Angelika Forster

Familienführung

Sonntag, 13. Januar 2019, 10.30 Uhr: Dietrich, Moßdorf, Richter und Pech – die Lehrer der Lindenauschen Malschule - mit Angelika Forster, Jacqueline Glück

Lesung

Freitag, 1. Februar 2019, 18.30 Uhr: Der andere Lindenau - mit Bernhard Stengele

 

 

 


Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft

Sonderschau im Grassimuseum Leipzig bis 17. März 2019

Wohnraum ist eine knappe Ressource – das wird in den letzten Jahren immer deutlicher. Die Immobilienpreise in den Metropolen steigen und klassische Konzepte des Wohnungsbaus werden dem Bedarf nicht mehr gerecht. Diese Herausforderungen haben eine stille Revolution in der zeitgenössischen Architektur ausgelöst: das Bauen und Wohnen im Kollektiv. »Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft« ist die erste Ausstellung, die dieses Thema umfassend beleuchtet und räumlich erfahrbar macht. Anhand von Modellen, Filmen und begehbaren Wohnsituationen im Maßstab 1:1 präsentiert sie neben einer Vielzahl von Beispielen aus Europa, Asien und den USA auch zehn Hausprojekte aus der wachsenden Stadt Leipzig. Historische Vorläufer veranschaulichen zugleich die Geschichte der gemeinschaftlichen Architektur – von den Reformideen des 19. Jahrhunderts bis hin zur Hippie- und Hausbesetzerszene, die mit dem Slogan »Make love, not lofts« antrat. Eine Ausstellung des Vitra Design Museum Weil am Rhein, kuratiert von Ilka und Andreas Ruby sowie EM2N.

www.grassimuseum.de


Nachfolger des Bauhauses - Zwei Künstlergenerationen in der DDR

Ausstellung in Haus Schulenburg (Gera)

Nach Schließung des Weimarer Bauhauses gingen mehrere Bauhäusler an die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Eine Generation später entwickelte Lothar Zitzmann, der ab dem 1960er Jahren dort eine Professur für das künstlerische Grundlagenstudium innehatte, eine eigene Gestaltungslehre, die das Programm aus der Bauhauszeit weiterentwickelt. Zahlreiche Kunststudenten wurden daran geschult. Doch auch an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und an anderen Orten wirkten in den Nachkriegsjahren Bauhäusler, die Einfluss auf die Ausbildung nahmen. Dort ausgebildete bildende Künstler, Bildhauer, vor allem aber Formgestalter fühlten sich in ihrer Arbeit als unmittelbare Nachfolger des Bauhauses. Auf der Suche nach einer eigenen Formensprache schufen sie abstrakte, konkrete oder konstruktivistische Werke. Bei der Auswahl der Künstler für die Ausstellung „Nachfolger des Bauhauses“ geht Museumsdirektor Volker Kielstein einer eigenen biografischen Spur nach. Zu Beginn der 1960er Jahre lernte er in Dresden den Bildhauer und Grafiker Max Lachnit kennen. Aus der Begegnung im Atelier erwuchs eine intensive Beziehung zu verschiedenen Künstlern aus dem Umkreis, darunter Klaus Dennhardt, der die Lachnitsche Druckwerkstatt übernahm. Begeistert von der Experimentierfreude nicht angepasster Künstler gab das Ärzteehepaar Kielstein in den 1980er Jahren eine Dresdner Grafikmappe mit Arbeiten von Dennhardt, Pukall, Bonk, Gebhardt u.a. in Magdeburg heraus. Enge Verbindungen gab es zur „Galerie Oben“ (Chemnitz), zur „Galerie am Sachsenplatz (Leipzig), zur „Burg Galerie“ (Halle), zur „Galerie Arkade“ (Berlin) und zur „Galerie am Markt“ (Gera). Dort wurden Künstler präsentiert, die vom sozialistischen Realismus entfernte Positionen vertraten. Die Ausstellung in den Räumen und im Park des Henry van de Velde-Museums Haus Schulenburg spannt den Bogen von den 1950er Jahren bis in die heutige Zeit. Vorgestellt werden Arbeiten der Maler und Grafiker Ingo Kirchner, Günter Hornig, Peter Sylvester, Veit Hoffmann, Jürgen Schieferdecker, Hermann Glöckner, Dieter Tucholke und Friedrich Kracht, des Metall- und Emaillegestalters Hartmut Senf, des Baugestalters Bruno Groth, der Textilgestalterin Margitta Leihbecher sowie Plastiken von Max Lachnit, Volkmar Kühn, Frithjof Kühne, Ralph Eck, Thomas Lindner, Robert Krainhöfner und weiterer Künstler.

Bis 31. März 2019 öffnet Haus Schulenburg montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags 14 bis 16.30 Uhr. Weitere Öffnungszeiten sind nach Absprache möglich. Neuigkeiten gibt es auf www.haus-schulenburg-gera.de, Facebook, Twitter und Instagram.

Abbildung: Begegnung mit ungewissem Ausgang. Bronzen von Volkmar Kühn (Mildenfurth)


Museum für Angewandte Kunst Gera zeigt Fotografien von Aenne Biermann

Sonderausstellung bis 17. Februar 2019 – Auftakt für das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus 2019

Das Museum für Angewandte Kunst Gera präsentiert bis 17. Februar 2019 eine hochkarätige Einzelausstellung der international bekannten Fotografin Aenne Biermann (1898-1933), die in den 1920er-Jahren zu eine der innovativsten Lichtbildnerinnen Deutschlands avancierte und neben dem Architekten Thilo Schoder oder dem Maler Kurt Günther dem Künstlerkreis angehörte, deren Wirken weit über die Stadt Gera hinausreichte. Gleichzeitig stellt diese Schau einen Auftakt für das 100. Bauhausjubiläum 2019 dar, ergänzt von weiteren attraktiven Ausstellungen in den Geraer Museen.

Die in Goch am Niederrhein geborene Aenne Biermann fand durch ihre Heirat mit dem Geraer Kaufhausbesitzer Herbert Biermann Anfang der 1920er Jahre in der ostthüringischen Stadt eine neue Heimat. In ihrem Haus im Stadtteil Untermhaus schuf sie zwischen 1927 und 1929 den entscheidenden Teil ihres fotografischen Schaffens. Ihre Beschäftigung mit dem Medium Fotografie begann bereits mit der Geburt der beiden Kinder Helga (1920) und Gerd (1923). Früheste belegte Fotografien stammen aus dem Jahr 1921 und dokumentieren mit Sensibilität und Gespür das Heranwachsen ihrer Kinder. Um 1927 lernte die Autodidaktin den Geraer Lehrer und leidenschaftlichen Geologen Rudolf Hundt kennen, der sie bat, möglichst detailgetreue und scharfe Aufnahmen von Mineralien und Steinen anzufertigen. Aenne Biermann stellte sich dieser Herausforderung und beschäftigte sich intensiv mit den technischen und ästhetischen Möglichkeiten für die Anfertigung hochwertiger Bilder. In den folgenden Jahren entstanden Fotos, die nicht allein durch ihre Gegenstandbezogenheit und Wiedergabetreue beeindrucken. Außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte aber auch das fotografische Erfassen alltäglicher Gegenstände und Gegebenheiten zeugen von ihrer individuellen Suche nach dem charakteristischen Selbstverständnis der Fotografie in jener Zeit. Isoliert von den großen Kunstzentren des Landes wuchs in der Beschaulichkeit der thüringischen Provinz eine fotografische Begabung heran, die sich, ohne dies vordergründig anzustreben, den fortschrittlichen Tendenzen der Neuen Sachlichkeit und der Neuen Fotografie annäherte. Die heute international beachtete Fotografin verstarb 1933 an den Folgen einer unheilbaren Krankheit. Ihre Œuvre ist wahrscheinlich zu großen Teilen vernichtet. Die Negativsammlung, die nach der Flucht ihrer Familienangehörigen aus Nazideutschland nach Palästina verschickt werden sollte, wurde konfisziert und ist bis heute nicht auffindbar. Mehr als 3000 Negative sind verschollen. Nur einige Hundert nachweisbaren Papierabzüge sowie sehr wenige Negative sind in Museen und Privatsammlungen zu finden. Umso mehr ist das Museum für Angewandte Kunst Gera stolz darauf, eine der umfangreichsten Sammlungen an Fotografien der Lichtbildnerin zu bewahren. Diese themenspezifische Sammlung ist dem Engagement vieler Partner zu verdanken. Der Freistaat Thüringen sowie die Kulturstiftung der Länder und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ermöglichten 1998 bzw. 2001 durch Ankäufe bzw. durch Dauerleihgaben eines größeren Konvolutes diesen Bestand, der ergänzt wird durch Stiftungen aus privaten Sammlungen.

Die in der Exposition präsentierten Bilder entstanden zwischen 1926 bis 1932. In diesen sechs Jahren hatte sich Aenne Biermann von einer engagierten Familien- und Freizeitfotografin zu einer der bemerkenswertesten Lichtbildnerinnen jener Jahre entwickelt, deren Arbeiten sich maßgeblich an der Entwicklung einer modernen Bildsprache des Mediums Fotografie in der damaligen Zeit orientierten. Die thematische Vielfalt der etwa 140 ausgestellten Fotografien umfasst Aufnahmen von Pflanzen und Mineralien, Landschafts- und Architekturfotos, Stillleben und Porträts, aber auch Mehrfachbelichtungen und Montagen. Alle gezeigten Exponate stammen aus der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Gera, dem Stadtarchiv Gera, dem Museum für Naturkunde Gera, dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, der Galerie Kicken Berlin sowie zwei weiteren Privatsammlungen. - Aenne Biermann ist als Künstlerin in Gera nicht vergessen. So trägt beispielsweise die Volkshochschule ihren Namen. Die Stadt Gera lobt gemeinsam mit der SV SparkassenVersicherung alle zwei Jahre den Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie aus. Er hat sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Fotografiepreise – vor allem auch für junge Fotografen – in Deutschland entwickelt. Zum Gelingen des Projektes tragen der Freistaat Thüringen, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die SV SparkassenVersicherung sowie die Sparkasse Gera-Greiz durch ihr Engagement wesentlich bei. Ohne diese Unterstützung wäre die Realisierung der Ausstellung nicht möglich gewesen. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

Zum Foto: Kurator Frank Rüdiger stellt die neue Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst vor. (Foto: Stadtverwaltung Gera/Melanie Siebelist)

 


Winken und Warten. Ein Welt-Bild aus Glas und Licht

Kunstsammlung Jena zeigt Werke von Gerd Sonntag

Gerd Sonntag wird 1954 in Weimar geboren und wächst in Jena auf. Hier besucht er die Volks-Kunst-Schule in Jena, währenddessen er bereits seine künstlerischen Fähigkeiten bildet. 1973 findet eine erste Personalausstellung im Stadtmuseum Jena statt, die zugleich seine letzte Ausstellung in der DDR bis 1985 bleiben soll. 1977 übersiedelt Sonntag nach Berlin und wird wenig später Meisterschüler bei Theo Balden an der Akademie der Künste. Als freischaffender Maler gehört Gerd Sonntag fortan zu jenen, die ein eigenes Werk entwickeln und damit ganz offen die Formvorstellungen des ostdeutschen Kulturbetriebs brüskieren.

Gerd Sonntag ist einer von jenen Wenigen, die bereits Ende der 1980er-Jahre auch internationale Erfolge verbuchen können – ihm werden Ausstellungen in London und New York eingerichtet und das Netz seiner Sammler ist ebenfalls weit ausgelegt. Das Kraftzentrum seiner Kunst liegt zunächst in der Malerei. Sonntag durchschreitet die Klassische Moderne wie ein Lehrbuch: Nach den Franzosen, vor allem Picasso, folgen die Expressionisten. Große Bilder, Farbflächen und Körper, die als Zeichen persönlicher Bewegtheit keiner Beschreibung folgen – und auch keiner Ideologie. Seit etwa 10 Jahren verarbeitet Sonntag Hüttenglas zu Skulpturen, die in ihrer Art und Ausstrahlung einzigartig sind. Die Arbeiten, zumeist Köpfe, werden in aufwändigen Arbeits- und Schmelzprozessen hergestellt und durchlaufen mehrere Brennzyklen. Die Werke bestechen nicht nur durch das ungewöhnliche Material, sondern auch durch die Farbigkeit und die feinteilige Art der Bemalung. Die Drähte, welche die Glasteile während der Brennprozesse fixieren, sind notwendige Zutat und bilden zugleich ein filigranes Netzwerk, dass die Köpfe durchädert. - Die Ausstellung ist als Werkschau konzipiert und zeigt neben den Glasarbeiten auch zahlreiche Bilder des Malers Gerd Sonntag, der nicht nur zu den bedeutendsten Malern des Prenzlauer Berges gehörte und sich nunmehr eine eigenständige Position erarbeitet hat, die vielerorts Anerkennung erfahren hat.

Zu sehen bis 14. April 2019

Abbildung: Gerd Sonntag, Großes Blaues, 2010, GlasV


»… immerwährend auf dem Papier zu verweilen«

Kunstsammlung Jena zeigt bis 14. April 2019: Venedig, Florenz, Neapel 1877. Eine Reise nach Italien

Die Geschichte der Fotografie hat viele Anfänge. Einer von ihnen liegt in Italien – genauer am Comer See. Dort begann nicht nur eine der klassischen Routen der Grand Tour sondern auch die Fotografie auf Papier. „An einem der ersten Oktobertage des Jahres 1833“, berichtet William Henry Fox Talbot, „beschäftigte ich mich an den lieblichen Ufern des Comer Sees damit, Skizzen anzufertigen, oder, wie ich besser sagen sollte: Ich versuchte sie anzufertigen, leider nur mit dem geringstmöglichen Ergebnis. Danach dachte ich daran, es erneut mit einer Methode zu versuchen, die ich mehrere Jahre zuvor probiert hatte. Diese Methode bestand darin, eine Camera obscura zu nehmen und das Abbild der Gegenstände auf ein Stück durchsichtiges Papier zu projizieren, das auf eine Glasscheibe im Brennpunkt des Instruments gelegt wird. Auf diesem Papier sind die Gegenstände deutlich zu sehen und können mit einem Zeichenstift einigermaßen genau, wenngleich nicht ohne Zeitaufwand und Mühe, auf das Papier durchgepaust werden. Ich hatte diese einfache Methode bei früheren Besuchen in Italien in den Jahren 1823 und 1824 ausprobiert. Das brachte mich dazu, über die unnachahmliche Schönheit jener von der Natur gemalten Bilder nachzudenken, welche die gläserne Linse der Camera obscura in ihrem Brennpunkt auf das Papier projiziert – märchenhafte Bilder; Schöpfungen eines Augenblicks, und dazu bestimmt, ebenso schnell dahinzuschwinden. Während dieser Überlegungen kam mir die Idee, wie reizvoll es sein müßte, könnte man diese über­natürlichen Bilder veranlassen, sich selbst dauerhaft abzudrucken und immerwährend auf dem Papier zu verweilen! Und warum sollte das nicht möglich sein? Fragte ich mich.“ Wie wir wissen, wurde es tatsächlich möglich – nicht zuletzt dank Talbots Erfindung.

Italien wird in dieser Erinnerung gleich mehrfach erwähnt, und immer geht es darum, aus Eindrücken dauerhafte Bilder zu machen. War man unterwegs, so war die Mobilität das eine, die imaginäre Dauer das andere. Zurück in der Heimat sollte neben den flüchtigen Erinnerungen auch etwas Dauerhaftes im Reisegepäck sein: Bilder. Italien war schon für Talbot und später auch für viele hunderttausende Reisende aus aller Welt eine touristische Destination und das beliebteste Reiseland des 19. Jahrhunderts überhaupt. Es ist das Land, in dem Zitronen blühen, die Antike in die abendländische Geschichte hineinragt und die Renaissance unübersehbar die Gegenwart prägt. Reisende brachten nicht selten aufwendige Alben mit Originalfotografien mit nach Hause, die in wunderbaren Ansichten die wichtigsten Etappen ihrer „Grand Tour“ versammelten.

Die „Grand Tour“, die begüterte Reisende im 19. Jahrhundert unternahmen, war ein Bildungsparcours, der darauf zielte, aus Ansichten Einsichten zu machen und die Geschichte von der Antike bis in die Gegenwart Revue passieren zu lassen. So wie Dramen einem bestimmten Schema folgen, gilt das auch für Reisen: Auf der Bühne des kulturbeflissenen Besuchers Italiens erscheinen die wichtigsten Etappen der Kulturgeschichte in einer geordneten Folge. Am Ende einer solchen Reise blieben viele Erinnerungen und vielleicht sogar Notizen und Erwerbungen, aber höchst selten eine Fotografie, die man selber angefertigt hätte. Die Reisefotografie im Italien des 19. Jahrhunderts zeigt (und dies nicht nur dort) eine touristisch aufbereitete, systematisch erfasste und geordnete Welt. Nichts ist dort wirklich überraschend – außer die oft berückende Schönheit der Aufnahmen. Die Fotografien zeigen eine aus den Zeitläufen herausgenommene Welt, in der die Zeit längst zum Raum geworden ist. Von der Antike bis zu den Monumenten der zeitgenössischen Baukunst kann man sich auf gebahnten Wegen blätternd und betrachtend fortbewegen und sich dabei gelassen und geruhsam in den Bildern und Erinnerungen verlieren. Am Ende wird man nicht nur sich, sondern auch die Vergangenheit wiederfinden.

Die Ausstellung zeigt rund 150 Fotografien aus Italien, darunter viele der noch heute beliebten Reiseziele. Ihre Autoren sind einige der bekanntesten damals in Italien tätigen Fotografen, die hier gleichsam ihre Stadt porträtieren: Carlo Naya (Venedig), die Gebrüder Alinari (Florenz) und Giorgio Sommer (Neapel mit Umgebung). Die Bilder der Ausstellung werden kommentiert und durch Dokumente und Texte aus der Zeit um 1876/77 ergänzt. Auf diese Weise kann man mit dem Blick des Fotografen durch ein Italien des 19. Jahrhunderts reisen, der ein überzeitlich gültiges Bild zeichnete, was die noch heute andauernde Faszination Reisender an diesem Land verdeutlicht.

Die Ausstellung knüpft an die seit den Tagen Goethes in Deutschland breit verwurzelte Italien-Sehnsucht an und zeigt die Bilder berühmter Ateliers in Kombination mit Texten aus einem frühen Baedecker-Reiseführer aus dem 19. Jahrhundert. Hier kann – neben dem Genuss an den Bildern – Blickwinkeln und Ursachen dieser so tief verwurzelten Sehnsucht nachgespürt werden. Hinzu kommt, dass es sich um historische Dokumente handelt, die nicht nur Veränderungen, sondern auch die sich wandelnde Sicht auf die Zeugnisse der Geschichte beschreiben.

Abbildung: Giorgio Sommer, Mangiatori di Maccheroni, um 1870, Fotografie

 


Ein besonderes Kapitel regionaler Glasgeschichte

Die Dunkle Pracht – Kunstglas der 1950er Jahre aus dem Thüringer Wald / Sonderausstellung bis 3. März 2019 im GoetheStadtMuseum Ilmenau

Von Böhmen ausgehend entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Zierglasproduktion, die nicht mehr darauf abzielte, in erster Linie feines klares Glas herzustellen, sondern farbigen Gläsern den Vorzug gab. So entstand unter anderem das Schwarzglas. Es wird auch als Stein- oder Hyalithglas bezeichnet. Genau genommen ist dieses Glas jedoch nicht schwarz, sondern dunkelviolett. Es wird mit Mangan so eingefärbt, dass eine nahezu opake Oberfläche entsteht. Nach dem zweiten Weltkrieg wanderten viele Vertriebene aus dem Sudetenland nach Thüringen aus und brachten ihre Kenntnisse zur Farbglasherstellung und Veredlung mit in die neue Heimat. Zum Repertoire ihrer Produktpalette gehörten auchSchwarzglasobjekte. Sie wurden vor allem in den 1950er und 1960er Jahren in Wasungen, Meiningen, Arnstadt, Zella-Mehlis und Ilmenau hergestellt. Die Dekore in Email-, Silber- und Goldmalerei entsprechen dem Geschmack der Zeit. Vielfach handelt es sich um geometrische, eher abstrakte Motive. Die Formen lehnen sich zum Großteil noch an die Vorbilder der 1920er und 30er Jahre an. Die umfangreiche Sonderausstellung des GoetheStadtMuseums Ilmenau stellt Schwarzglasvasen von neun verschiedenen Herstellern vor. Durch die Präsentation der Privatsammlung von Dr. Thomas Müller aus Telgte kann ein besonderes Thema regionaler Glasgeschichte erstmals sichtbar gemacht werden. In der Exposition sind mehr als 125 Vasen mit 110 verschiedenen Mustern aus Schwarzglas zu bewundern.

Zur Abbildung: Ziervase, VEB Kunst- und Gebrauchsglas Gehren / aus der Sammlung von Dr. Thomas Müller aus Telgte. Foto: Glasmuseum Frauenau


Zwickau: Sonderausstellung zum Gedenken an 150 Jahre August Horch

Zu sehen bis 27. Januar 2019

August Horch, der am 12. Oktober seinen 150. Geburtstag begangen hätte, ging es zeit seines Lebens um praktische Nachfolgeverbesserungen am Automobil. Er war nicht der Erfinder des heute so selbstverständlichen Fortbewegungsmittels, aber er hat bessere Gebrauchseigenschaften für seine Fahrzeuge umgesetzt und damit dem Automobilbau in frühester Entwicklungsphase ganz entscheidende Impulse verliehen. Seinen Leitsatz, dass er „unter allen Umständen nur große, starke und gute Wagen bauen wolle“, hat Horch zielgerichtet verwirklicht. Als er 1896 das erste Mal mit einem Automobil in Berührung kam, war die Erfindung gerade zehn Jahre alt. Das Auto steckte in den Kinderschuhen und war im Grunde eine Kutsche mit Verbrennungsmotor. August Horch erfand das Auto nicht - aber er war einer der Ingenieure der ersten Stunde, die den Motorwagen bei der Evolution zum Automobil begleiteten.

Neugier und Erfindergeist führten Horch 1896 mit "Papa Benz" zusammen, der in Mannheim bereits Motorwagen bauen ließ. Nach nur vier Monaten übertrug dieser Horch bereits den Betrieb des Motorwagenbaus, was Horch u.a. verantwortlich machte für die Produktion des Vélo, des ersten, serienmäßig hergestellten Automobils der Welt. Auch gegen den Widerstand der Firmenchefs wollte er noch leistungsfähigere Modelle entwickeln. Er stieß an Grenzen. 1899 macht sich Horch deshalb in Köln-Ehrenfeld selbstständig und meldete bald sein erstes Patent an: Ein Abreißgestänge, das das Anspringen der Fahrzeugmotoren erheblich beschleunigte. Ein Jahr später war der erste eigene Wagen von August Horch fahrbereit. Mit unermüdlichen Schaffensdrang gelang es Horch im Dezember 1900, einen "Phaeton" mit stoßfreiem Motor auf die Straße zu bringen. Er fuhr damit nebst Gattin und seinem Meister am 23. Dezember 1900 durch Köln. Doch zu einer Serienfertigung reichte das Startkapital nicht aus. Nur sechs Mobile des 5 PS starken Fahrzeuges wurden im ersten halben Jahr verkauft. In Köln hatte Horch mit seinem Unternehmen keine Zukunft. Es mangelte an Fläche und an Investoren. Im letzten Moment vor der Pleite kam Hilfe aus Sachsen, wo das Potenzial in Horchs Entwicklungen erkannt wurde. 1902 wurde in einer leerstehendend Spinnerei, mit 8 Arbeitern beginnend, bald der neue Zweizylindermotor zur Serienreife geführt. Auf Anraten des Rechtsanwaltes Dr. Stöss übernahm August Horch zwei Jahre später in Zwickau die stillgelegte Segeltuchweberei Wächter & Zeuner in der Crimmitschauer Straße 49. Mit offizieller Handelsregisterummeldung vom 30. September 1904 erhielt die Bergbaustadt ein neues Unternehmen, das in späteren Jahren den Namen dieser Stadt in spektakulärer Weise in alle Welt tragen sollte. Mit einer treuen Stammbelegschaft aus früheren Tagen und seinem Freund Hermann Lange wandte sich August Horch sofort nach der Gründung seiner neuen Firma (die lateinische Entsprechung seines Nachnamens brachte AUDI hervor) einer Neukonstruktion zu, dem Typ 10/22 PS, der bereits ein Jahr später fahrbereit auf den Rädern stand. Weiterentwickelt zum Typ B mit 28 PS Bremsleistung, startete Horch damit 1911 bei der Oesterreichischen Alpenfahrt, dem bedeutendsten Automobilsportwettbewerb vor dem I. Weltkrieg. Er errang dabei den Sieg in der Einzelwertung. Auch 1912 und 1913 blieb dem Audi-Team der Erfolg treu.

Von August Horch hat wenig Materielles die Zeit überdauert. Diese Sonderausstellung will sich dem Menschen August Horch nähern - wohlwissend um die bescheidenen Quellen. Der Aufbau ist chronologisch und folgt den markanten biografischen Meilensteinen und Wendepunkten. Begegnen Sie August Horch an sieben Stationen seines Lebens!


Sprachblätter – poésie spatiale.

Kunstsammlungen Chemnitz zeigen Werke von Carlfriedrich Claus und Ilse und Pierre Garnier

Die Kunstsammlungen Chemnitz bewahren in der Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv den Gesamtnachlass dieses Ausnahmekünstlers. Bis zum 6. Januar 2019 ist im Museum am Theaterplatz eine Ausstellung der ungewöhnlich engen und produktiven Freundschaft zwischen Carlfriedrich Claus und dem französischen Künstlerpaar Ilse und Pierre Garnier gewidmet. Gezeigt werden rund 180 Werke aus fast vier Schaffensjahrzehnten, zudem Briefe, Künstlerbücher, Mappen und Künstlerzeitschriften. Eine großzügige Schenkung von fünf originalen Mappenwerken an das Carlfriedrich Claus-Archiv durch Violette Garnier, Tochter von Ilse und Pierre Garnier, wird erstmals öffentlich präsentiert.
Carlfriedrich Claus (1930–1998) arbeitete in Annaberg-Buchholz – fern der Kunstzentren, aber durch Berlin-Reisen gut informiert – in den 1950er-Jahren an Experimenten, die gegen Ende des Jahrzehnts in eine herausragende Synthese aus Geschriebenem und Gezeichnetem mündeten. Diese Werke, Überlagerungen minutiöser Schriftkritzel und gestischer Mikrospuren, nannte er „Sprachblätter“. Claus leistete damit einen Beitrag zu einer internationalen Kunstströmung, die als visuelle Poesie noch im Entstehen begriffen war. Seine „Sprachblätter“ wurden in internationale Ausstellungen wie „Skripturale Malerei“ (Berlin-West 1962) oder „Schrift und Bild“ (Amsterdam und Baden-Baden 1963) einbezogen. Erste Veröffentlichungen folgten in den Katalogen zu diesen Ausstellungen sowie in einschlägigen Avantgardezeitschriften („nota“, „Diskus“, „manuskripte“) und Publikationen („movens“, 1960). Aufgrund dieser Beiträge wurde er zunehmend öffentlich wahrgenommen. Das Künstlerpaar Ilse Garnier (*1927) und Pierre Garnier (1928–2014) nahm im Herbst 1963 brieflich Kontakt zu ihm auf. Die beiden lebten als Künstler und Übersetzer in Amiens/Frankreich und arbeiteten wie Claus im Spannungsfeld von Bild Texten und Text-Bildern. Ihre die Fläche besetzenden Wörter und Zeichengruppen ermöglichen in Verbindung mit den prägnanten Titeln eine poetische Differenziertheit und eine Offenheit, die über konventionell verbale Mitteilungen weit hinausgeht. Als Herausgeber der Zeitschrift für experimentelle Literatur „Les Lettres“ setzte sich Pierre Garnier für die internationale Vernetzung dieser neuen Kunstströmung ein. Ihre Gemeinsamkeit sah er in einer Tendenz zur Verräumlichung, die durch neue Verfahren wie Überlagerung oder Durchdringung bildlicher und sprachlicher Zeichen entstand. Kenntnisreich publizierte er über Carlfriedrich Claus und besuchte ihn gemeinsam mit Ilse nach dem Bau der Mauer 1964 im Erzgebirge. Eine intensive Künstlerfreundschaft entfaltete sich, deren Zeugnisse Gegenstand der Ausstellung sind. Ein umfangreicher Briefwechsel zwischen Ilse und Pierre Garnier und Carlfriedrich Claus aus den Jahren 1963 bis 1998, der im Carlfriedrich Claus-Archiv der Kunstsammlungen Chemnitz aufbewahrt wird, spiegelt die ästhetischen Debatten der Zeit, zeithistorische Ereignisse und nicht zuletzt die menschliche Dimension dieser Freundschaft wider. Anhand der „Sprachblätter“ von Claus und den Bildgedichten der Garniers wird der fruchtbare Austausch zwischen den Künstlern ebenso deutlich wie die ästhetische Spannweite der visuellen Poesie. Eine Edition des Briefwechsels zwischen Ilse und Pierre Garnier und Carlfriedrich Claus ist in Vorbereitung und wird während der Ausstellung vorliegen.



Einblick in facettenreiches Lebenswerk

Keramik-Museum Bürgel zeigt bis 31. März 2019 Arbeiten von Wilhelm Löbers (1903-1981)

Zum Auftakt des Bauhaus-Jahres 2019 widmet das Keramik-Museum Bürgel dem Werk Wilhelm Löbers (1903-1981) eine Ausstellung, einem der begabtesten und vielseitigsten Bauhaus-Schüler der Dornburger Keramikwerkstatt. Schon früh zeigt sich ein breites künstlerisches Interesse und Talent. In der Dornburger Bauhaus-Werkstatt beschäftigt sich Löber neben der Töpferei, wie der Formmeister der keramischen Abteilung Gerhard Marcks, auch mit Holzschnitten und Plastiken. Nach dem Weggang des Bauhauses aus Weimar legt er zunächst, als letzter der Bauhaus-Töpfer, noch seine Gesellenprüfung ab und erhält dann Anstellung an der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. 1929 geht er an die Kunstschule Burg Giebichenstein, um bei Marcks als Meisterschüler Bildhauerei zu studieren. In der Folge gestaltet er Denkmäler und Brunnen für den öffentlichen Raum, die teilweise heute noch zu sehen sind. So schuf Löber unter anderem den Goethebrunnen in Ilmenau, den Fischbrunnen auf dem Barther Marktplatz und die mächtigen Moschusochsen-Gruppen aus Klinker und Bronze im Rostocker Zoo und dem Berliner Tierpark. Der in Thüringen geborene Keramiker und Bildhauer war einer der Begründer der Fischland-Keramik (1956) und später der Rügen-Keramik (1966) mit ihren unverwechselbaren, dekorativen Gebrauchskeramiken in aufwändiger Aufglasurmalerei und Ritztechnik. Die Sonderausstellung bietet einen Querschnitt des sehr facettenreichen Lebenswerkes von Wilhelm Löber. Immer wieder probierte er sich an neuen Techniken und Materialien aus. Er sah sich selbst immer als Bildhauer. Neben vielseitigen Kunstkeramiken und Keramikskulpturen gibt es deshalb auch ein großes Potpourri aus Porzellan, Holzskulpturen und Holzschnitten sowie Kupfertreibarbeiten und Bronzen zu sehen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr Dezember bis Februar Dienstag bis Sonntag 11 bis 16 Uhr Auf Anfrage sind Sonderöffnungen möglich. Führungen nach Voranmeldung.

www.keramik-museum-buergel.de


Back to Paradise - Meisterwerke des Expressionismus

Sonderausstellung bis 6. Januar 2019 in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum

Die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum zeigen in einer Sonderausstellung bis 6. Januar 2019 über 120 Meisterwerke des Expressionismus. Die Ausstellung führt wichtige Werke aus der Sammlung Häuptli im Aargauer Kunsthaus und der Sammlung im Osthaus Museum Hagen zusammen. Das Institut für Kulturaustausch Tübingen initiierte und organisierte diese außergewöhnliche Schau. - Im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Konservatismus und voranschreitender Industrialisierung entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum die Strömung des Expressionismus. Das Aufbegehren gegenüber bürgerlichen Normen schlug sich in der Kunst als visuelle Revolte nieder.

Eine junge Avantgarde von Künstlern wagte kurz nach 1900 den Aufbruch in die Moderne. Ihre kraftvolle Bildsprache war unmittelbarer Ausdruck eines individuellen Lebensgefühls. Als Gegenentwurf zur europäischen Zivilisation ersehnten sie den Einklang von Mensch und Natur. Auf der Suche nach dem Paradies strebten die Expressionisten nach Ursprünglichkeit in neuen Lebens- und Identitätsmodellen. In den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU ist die Zusammenführung der Schätze zweier Museen zu sehen, die aus Privatsammlungen expressionistischer Kunst stammen. Die ausgestellten Gemälde und Grafiken von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Otto Mueller, Emil Nolde und weiteren bedeutenden Künstlern geben einen in solcher Dichte und Qualität seltenen Überblick über das expressionistische Schaffen in Deutschland von 1905 bis 1938. Die Schau bietet eine wohl ziemlich einmalige Gelegenheit, sich mit dieser für die gesamte Moderne bis zur Gegenwartskunst so außerordentlich wichtigen und einflussreichen Stilrichtung der Malerei des Näheren zu befassen. In der Ausstellung sind hochkarätige Werke der berühmten Künstlervereinigungen des deutschen Expressionismus mit ihren farbintensiven Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken vertreten. Einen Schwerpunkt bilden die Künstler der Brücke mit Kirchner, Pechstein, Heckel, Mueller, Schmidt-Rottluff und Nolde. Aus den Reihen der Neuen Kunstvereinigung München und der Gruppe Blauer Reiter sind Kandinsky, Macke, Marc, Münter und Jawlensky zu sehen. Hinzu treten u. a. Arbeiten von Beckmann, Bötticher und Rohlfs, der eng mit Karl Osthaus in Hagen, einem der wichtigen frühen Förderer der Expressionisten, befreundet war. - Aber auch in anderen Regionen Deutschlands streben Künstler – wie etwa in München der Blaue Reiter oder wie Emil Nolde und Christian Rohlfs - nach einer Kunst, deren Inhalt auf subjektiver Erfahrung beruht. Dazu lösen sie sich von traditionellen Bildformeln und bedienen sich einer direkten und expressiven Bildsprache. Dynamische Strichführungen und Farbflächen charakterisieren ihre Werke. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Osthaus Museum Hagen und dem Aargauer Kunsthaus Aarau. Das Institut für Kulturaustausch initiierte und organisierte diese außergewöhnliche Schau. Zur Ausstellung ist im HIRMER Verlag ein umfangreich bebilderter Katalog erschienen. Die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU bieten zudem ein umfangreiches Begleitprogramm an. Themen und Termine sind unter www.kunstsammlungen-zwickau.de zu finden.

 

 

 


Analog & Schwarzweiß

Fotografie in Westdeutschland 1945 – 2000 aus der Sammlung Schupmann // Zu sehen bis 6. Januar 2019, Kunsthalle Erfurt

Mit über 200 Aufnahmen von 48 Fotografen aus der Sammlung Schupmann zeigt die Ausstellung  die Entwicklung der künstlerischen Schwarzweißfotografie in Deutschland. Vertreten sind Fotografen, die sich in den Jahren von 1950 bis ca. 1990 als stilbildend erwiesen haben. Arbeiten von Robert Häusser, Peter Keetman, Hilmar Pabel, Otto Steinert, Will McBride,Barbara Klemm, Bernd und Hilla Becher, Stefan Moses, Floris M. Neusüss, Andreas Müller-Pohle, Heinz Hajek-Halke, Gottfried Jäger u.a.

Michael Schupmanns Sammlung zeigt exemplarisch: Wege, Richtungen, Tendenzen, wie sie die westdeutsche Fotografie nach 1945 eingeschlagen hat. Dabei ist das Spektrum breit. Es reicht von der Sachaufnahme eines Willi Moegle bis zum ikonischen Reportagebild einer Barbara Klemm, von der formbewussten Komposition eines Otto Steinert bis zur lyrisch-subjektiven Perspektive von Will McBride, von der konzeptuellen Selbstinszenierung eines Dieter Appelt bis zum sachlichen Blick auf den Alltag, wie ihn Walter Vogel bietet, vom experimentellen Ansatz eines Floris M. Neusüss über den Visualismus von Andreas Müller-Pohle bis zur Generativen Fotografie von Gottfried Jäger, vom sozial sensiblen Portrait eines Stefan Moses bis zu den Modefotos von F. C. Gundlach, Walde Huth und Horst Wackerbarth. - Zahlreiche der über 40 vorgestellten Autorinnen und Autoren sind heute sehr bekannt, berühmt und in einigen Fällen sogar legendär. Die Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt richtet den Blick zurück auf eine bedeutende Epoche der jüngeren deutschen Fotografiegeschichte vor der Digitalisierung der Bildmedien, die in den neuen Bundesländern immer noch wenig bekannt ist.

Abbildung: Charlotte March, Donyale, Goldohringe, 1966, Sammlung Schupmann


Vom Buch zum Bild | Künstler sehen Literatur

Sonderausstellung im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen

Das Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen präsentiert erstmals „Weltliteratur zum Sehen“, mit Werken von Max Beckmann, Marc Chagall, Salvador Dalí, Max Ernst, Henri Matisse, Joan Miró, Pablo Picasso, u.a. Die eigens für das Nordhäuser Kunsthaus konzipierte Ausstellung, beschäftigt sich mit einer der ergiebigsten Quellen des künstlerischen Schaffens, der bildhaften Umsetzung von großen Themen der Weltliteratur. Die Sonderausstellung wird unterstützt von der Kreissparkasse Nordhausen, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Ilsetraut-Glock-Grabe-Stiftung, dem Förderverein des Kunsthauses und der Stadt Nordhausen.
Die präsentierten Werke sind keine Buchillustrationen im klassischen Sinne, sondern stammen aus sogenannten Maler- oder Künstlerbüchern, die als eigenständiger Bereich der Kunst vor allem in Frankreich entstanden sind. Es handelt sich dabei um Bücher oder eher Mappen mit Originalgrafiken von Künstlern. Diese wurden von Verlegern oder Kunsthändlern in kleinen Auflagen herausgebracht. Zu sehen sind beispielsweise Illustrationen Marc Chagalls zu Nikolai Gogols Roman „Die toten Seelen“ sowie Radierungen und Lithografien zur „Bibel“. Ferner sind vier der 36 faszinierenden und sehr verschiedenartige Farblithografien Max Ernsts zur Anthologie „Wunderhorn“ des englischen Dichters Lewis Carroll ausgestellt. Das bekannteste Werk Carrolls „Alice im Wunderland“ interpretiert Salvador Dalí auf seine ganz eigene Weise und mit den für ihn typischen Bildelementen, wie beispielsweise der „weichen Uhr“. Auch „Faust“ und dessen besondere Magie aus Zauberwesen, Hexen und Teufeln wurde von Dalí - illustriert. Pablo Picassos Fotodekoupagen „Diurnes“, die der spanische Künstler gemeinsam mit dem französischen Fotografen Andre Viller 1962 geschaffen hat, sind ebenfalls zu sehen wie sein Carmen-Porträt aus Bizets gleichnamiger Oper. Sechs Weichgrundradierungen über die Hauptepisoden der homerschen Dichtung, die 1935 die limitierte Buchausgabe „Ulysses“ von James Joyce bereicherten, runden die Sonderschau ab.

Sonderausstellung zu sehen bis 30. Dezember 2018, Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 17.00 Uhr


Impressionen aus den Sammlungen

Neue Sonderschau im Sommerpalais Greiz

Die Ausstellung zeigt einen sehenswerten Querschnitt durch die drei Sammlungsbereiche des Museums. Schabkunstblätter, Radierungen, Landkarten, Stadtansichten, Karikaturen und Bücher zeigen die Vielfalt und den Themenreichtum der Kollektionen der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz. Die Ausstellung wird bis 3. Februar 2019 in der Beletage zu sehen sein.


Expressiv weiblich. Helene Funke

Die Kunstsammlungen Chemnitz zeigen bis 13. Januar 2019 die erste Einzelausstellung mit Werken der in Chemnitz geborenen Malerin Helene Funke (1869–1957) in Deutschland.

Einige der etwa 60 Gemälde, Grafiken und Zeichnungen von zahlreichen internationalen Leihgebern galten als verschollen und werden erstmals weltweit öffentlich wieder zu sehen sein. Eine Besonderheit der Präsentation sind fotografische Selbstporträts, ‚Selfies‘, die Funke bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts von sich anfertigte.
Helene Funke, deren 150. Geburtstag 2019 gefeiert wird, begründete eine eigenständige Form des Expressionismus. Sie studierte neben Gabriele Münter an der Damen-Akademie in München, stellte mit Matisse und Picasso in den Pariser Salons aus, und feierte Erfolge als vielfach ausgezeichnete Malerin und Grafikerin neben Klimt und Schiele in Wien. Ungewöhnliche Bildnisse von Frauen und Frauengruppen wurden ihr Markenzeichen: Sie löste die Frau aus ihrer passiven Rolle in der Gesellschaft, machte sie zur aktiven Beobachterin und betonte zugleich ihre selbstbewusste und konspirative Rolle innerhalb einer weiblichen Gemeinschaft. Zu ihrer Zeit war sie die einzige moderne Künstlerin aus Chemnitz, die internationale Beachtung erlangte. Trotz ihrer mehr als 40 Ausstellungsbeteiligungen von Paris, Hamburg bis Stockholm starb Funke 1957 verarmt und vergessen in Wien, ihr künstlerischer Nachlass wurde verstreut. Erst seit einigen Jahren wird ihr Werk wiederentdeckt.
Die Schau zeichnet Funkes künstlerischen Weg von München über Paris nach Wien nach. Funkes leuchtende Farben, der wilde Pinselduktus, ihre ausdrucksstarken Porträts, Frauenakte und Landschaften faszinieren bis heute. Sie wird nicht nur als expressive Künstlerin der Vergangenheit vorgestellt, sondern es wird auch ihre Gegenwärtigkeit unterstrichen, etwa wenn es um ihr Selbstverständnis als emanzipierte Frau geht, oder auch um Besonderheiten ihres Schaffens, wie ihre fotografischen Selbstporträts, also ‚Selfies‘, die für sie ein Mittel des Ausprobierens und des Selbstentwurfs waren.
Die Kunstsammlungen Chemnitz danken Peter Funke, dem Neffen der Künstlerin, für seinen unermüdlichen Rat und seine große Unterstützung bei den Vorbereitungen von Ausstellung und Katalog. Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter, 160-seitiger Katalog mit Textbeiträgen namhafter Autoren und Autorinnen beim Sandstein Verlag, Dresden (29,- Euro).