Ausstellungen

Kunstsammlungen Chemnitz zeigen Werke von Georg Baselitz

Zu sehen bis 8. Juli, Museum am Theaterplatz

Die Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz präsentieren rund 50 Werke von Georg Baselitz (*1938) aus dem Bestand des Museums. In Anerkennung seiner großzügigen Unterstützung der Kunstsammlungen Chemnitz wurde der Künstler am 16. April durch die Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz geehrt.
Georg Baselitz, der am 23. Januar 2018 seinen 80. Geburtstag feierte, ist den Kunstsammlungen Chemnitz bereits viele Jahre eng verbunden. Seit 1998 kamen 48 Arbeiten des Künstlers – Gemälde, Zeichnungen, Skizzen und eine Skulptur aus den Jahren 1966 bis 2013 – in das Museum. Darunter befinden sich die frühe Zeichnung „Kopf mit Lade“ (1966), die Monumentalskulptur „Mondrians Schwester“ (1997) und 29 Entwürfe für das Bühnenbild zur Oper „Le Grand Macabre“ von György Ligeti (1923–2006), die 2013 an der Chemnitzer Oper aufgeführt wurde. Erstmals zeigt das Museum nach der Erwerbung mithilfe der Hypo-Kulturstiftung im Jahr 2012 vier großformatige Holzschnitte der „Remix“-Serie des Künstlers. Ergänzt werden diese Arbeiten durch die Gemälde „Bandit“ (2007) und „Paint Painter“ (2007) der gleichen Serie. Sie sind nun als Dauerleihgaben aus Privatbesitz ebenfalls zum ersten Mal in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen. Bereits 1998 wurden 200 Werke von Georg Baselitz aus der Sammlung Deutsche Bank in den Kunstsammlungen Chemnitz ausgestellt. Daran schlossen sich mehrere Gruppen- und Einzelpräsentationen an. In Kooperation mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und der Pinakothek der Moderne – Sammlung Moderne Kunst zeigten die Kunstsammlungen Chemnitz 2003 die bedeutende Afrikakollektion des Künstlers. Deren Formenreichtum hilft dabei, das Werk von Baselitz zu entschlüsseln. Fast 100 Jahre zuvor hatte sich auch der in Chemnitz-Rottluff geborene Karl Schmidt-Rottluff von afrikanischer Kunst inspirieren lassen.

Georg Baselitz sagte 2017 über sein Schaffen: „Meine Bilder sind Tagebucheintragungen. Also ich brauche kein weiteres Tagebuch zu schreiben, das sind meine Bilder. Und ich muss nichts nachschlagen, diese Erinnerungen, die sind eingebrannt oder eingestempelt, die sind so prägnant, und ich kann die auch abrufen. Nur manchmal gelingt es nicht unbedingt, eine glückliche Zeit wiederzubekommen, die man mal hatte. Aber zumindest das Ergebnis daraus, das kann ich zurückrufen. Das ist normal, dass man eine Biografie hat und eine Biografie als Maler hat. Und dass man in einer Welt lebt, die sich mit Kunst beschäftigt, dass es eine Vergangenheit gibt, vielleicht sogar eine Zukunft, dass es – medial – keine anderen Möglichkeiten gibt als das Material, das man hat – das alles ist doch eigentlich eine intakte, vorhandene Welt, die sich aber immer verändert hat.“
FÜHRUNGEN Samstag | Sonntag | Feiertag 15 Uhr


Im Land Kalevas

Malerei und Reisen bei Irene Suhr I Zu sehen bis 30. Mai im Lindenau Museum Altenburg

Die neue Kabinettausstellung mit Irene Suhr (geb. 1965) im Obergeschoss des Lindenau-Museums bietet zweierlei: Zum einen kann sich der Besucher in die raumgreifenden Bildwelten einer doppelt begabten Künstlerin – Suhr ist Malerin und Bühnenbildnerin – vertiefen, zum anderen einer „Meditation“ über das kaum mögliche Festhalten des Flüchtigen beiwohnen. Denn die sich stetig wandelnde Natur, die bei der Berliner Künstlerin immer im Mittelpunkt steht, lässt sich genau so schwer fassen, vermessen oder archivieren wie Träume oder Mythen. Und trotzdem setzt Suhr dem unentrinnbaren Prozess von Werden und Vergehen ihr künstlerisches „Verweile doch!“ entgegen. Ein Teil ihrer Gemälde zeigt schattenhafte Pflanzen, die hinter einem Vorhang versteckt zu sein scheinen. Sie wirken wie Erinnerungen, wie der verblasste Gedanke an eine erlebte und geliebte Landschaft unserer Jugend. In diesen Bildern verfängt sich die Zeit wie der wandernde Schatten an einer trostlosen Häuserfassade. Auch der stets wiederkehrende Rost gibt eine Ahnung vom Verblühen jeder einstigen Schönheit und jedes Lebens. Oft ist er der einzige Farbwert in Suhrs Gemälden, die in Weiß, Schwarz und Grau verharren. Der sagenhaften Reise der Medea und der Argonauten, die dem „Goldenen Vlies“ hinterherjagen, sind mehrere Gemälde gewidmet. Sie fußen auf Suhrs Auseinandersetzung mit dem Mythos in Christa Wolfs Roman „Medea. Stimmen“, für den sie bei einer Inszenierung im Radialsystem Berlin das Bühnenbild und die Kostüme entwarf. Auch auf diesen Bildern entfaltet Suhr ein Spiel vom Verblassen und Wiederaufscheinen des Vergänglichen, von der Natur und der Natur des Menschen. „Tote“ Zweige, Stiele und Federn finden neben Buchstaben und numerischen Codes Eingang in diese Bilder. Die Unmöglichkeit einer „Vermessung der Welt“ führte Suhr auf spielerische Weise zu Alexander von Humboldt und seinen Reisen, auf denen er Pflanzen sammelte, bestimmte und archivierte. Schließlich begab sich Suhr 2011 selbst auf eine lange Reise nach Finnland, wo sie eigene künstlerische Archive der Natur anlegte. Dieser Reise in das Land Kalevas ist ein eigener Raum im Lindenau-Museum gewidmet.

Die Ausstellung versammelt neben 20 Gemälden und einer raumgreifenden Installation aus Herbarien auch zahlreiche Arbeiten auf Papier mit Naturalien oder Blätter, bei denen sich die Natur selbst zeichnet. Die Räume des Museums werden als Bühne begriffen, wie es bei einer Bühnenbildnerin auch kaum anders sein kann. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit Theater & Philharmonie Thüringen, wo Irene Suhr das Bühnenbild und die Kostüme für die Oper „Die verkaufte Braut“ entwirft, die am 27. Mai 2018 am Landestheater Altenburg Premiere feiert.

Pfingstmontag, 21. Mai, 11 Uhr: Theaterfrühstück zur Inszenierung „Die verkaufte Braut“ in Kooperation mit Theater & Philharmonie Thüringen

Abbildung: Irene Suhr, Blaubeerenflug

Abbildung auf der Startseite: Irene Suhr, Vollrostorchidee, 2005, Öl, Rost und Struktur auf LW, 120 x 180 cm


Wilhelmine! Wir lassen uns versichern!

Neue Sonderausstellung im Technischen Museum Neue Hütte bei Schmalkalden

Im Technischen Museum Neue Hütte bei Schmalkalden ist die Sonderausstellung „Wilhelmine! Wir lassen uns versichern!“unter dem Thema Industrialisierung und Versicherung zu sehen. Das Museum beteiligt sich mit dieser Ausstellung am Themenjahr des Thüringer Museumsverbandes 2018 - Industrialisierung und soziale Bewegung. Bis 31. Oktober 2018 ist die Sonderschau von Mittwoch bis Sonntag 10-17 Uhr sowie an Feiertagen zu besichtigen.

Der Zangenfabrikant Johann Michael Werner aus Schmalkalden schließt 1894 und 1896 eine komplexe Versicherung bei der Feuerversicherungs-Gesellschaft-Gotha ab. In Vorbereitung der Berechnung der Versicherungsprämie und letzthin auch was versichert werden soll, wurde eine umfangreiche Liste vom Hausrat und den Objekten der Werkstatt angefertigt. Nicht nur Möbel werden gelistet, auch Bettwäsche, Manns- und Frauenkleider, Brot, 200 Flaschen Wein und vieles mehr. Ebenso tauchen bei der Werkstattliste neben Maschinen auch notwendige Kleinwerkzeuge, Rohmaterial und 10 Hühner auf.Der Mensch möchte schonimmer sein Leben und Eigentum schützen. Früher musste jeder durch Vorsorge für den Schadensfall gewappnet sein und konnte in der Regel auf Nachbarschaftshilfe zählen.Mit der zunehmenden Industrialisierung wurden immer mehr Werte geschaffen, auch im privaten Bereich. Die Ausstellung versucht im Zusammenhang mit der Industrialisierung zu klären, warum man sich versicherte und neben den bestehenden Brandversicherungen für Gebäude im 19.Jh. vielseitige Versicherungen entstanden. Versicherungen fangen die Existenz auf, wenn es uns schlimm trifft, geben uns aber auch die Möglichkeit was Neues zu wagen.Ausgehend von der Situation im deutschen Bund und dann dem deutschem Reich im Zusammenhang mit der Industrialisierung und deren Schattenseite mit Beispielen aus Schmalkalden wird in der Ausstellung versucht, deutlich zu machen, wie wichtig Versicherungen geworden sind und warum sie notwendig sind. Als Beispiel wird näher auf die alte Feuerversicherungs- Gesellschaft in Gotha eingegangen. Die SchmalkalderGeschichte betreffend werden Akten aufgezeigt zu Polizei- und Feuerverordnungen, Versicherungs-agenten und Schuldscheine für eine Industrialisierung der Zunftwerkstatt. Es wird die Frage gestellt, was ist uns wichtig und wertvoll. Wir leben heute sehr gut und besitzen eigentlich mehr, als wir benötigen. Vorbereitete nostalgische Blätter laden ein, sich dieser Frage zu stellen. Natürlich wird die Person und Familie des Johann Michael Werner aufgezeigt und sein Werdegang von der kleinen Werkstatt zur Fabrik. Seine Versicherungsliste hängt in großen Bannern im Raum, umgeben von zahlreichen Objekten aus seiner Zeit und auch die Hühner von der Liste fehlen nicht. Ein herzlicher Dank für die Unterstützung zur Ausstellung gilt dem Deutschen Versicherungsmuseum in Gotha, dem Museum Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, dem Stadt- und Kreisarchiv sowie der Freiwilligen Feuerwehr von Schmalkalden.


Overton Window

Medienkunst-Ausstellung in der Häselburg Gera vom 21. April bis 9. Mai 2018

Medienkunst-Studierende der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zeigen Bilder, Video- und Klanginstallationen sowie Performances in der Häselburg – Zentrum für Kunst, Kultur und Kreativität. Für die Ausstellung haben sie sich mit dem Gebäude auseinandergesetzt, aber auch mit der Stadt Gera und ihren Bewohnern.

Unter dem Titel „Overton Window“ präsentieren zwanzig Studierende unter der Leitung von Prof. Peggy Buth, Prof. Christin Lahr und Stefan Riebel zwischen dem 21.04. und 09.05.2018 Arbeiten in der Neuen Galerie für zeitgenössische Kunst sowie im öffentlichen Raum Geras. Der Ausstellungstitel „Overton Window“ bezieht sich auf eine politische Methode, die darauf abzielt, das annehmbar zu machen, was zuvor undenkbar schien.  Wer sich innerhalb der Grauzone des gesellschaftlich Akzeptierten bewegt, ohne offensiv aus dieser auszubrechen, könne schrittweise die Grenzen der öffentlichen Meinung verschieben. „Auch wir sind in einer Grauzone“, sagt Stefan Riebel. „Wir arbeiten mit bestehenden Strukturen, mit den in Gera vorgefundenen Materialien und Realitäten.“ Indem sich die jungen Künstler mit den Strukturen Geras auseinandersetzen, sich in diese einfügen und von dort aus agieren, wollen sie Neues schaffen und die Gesellschaft ein Stück weit verändern.

Installationen sind nicht nur in der Galerie für zeitgenössische Kunst in der Häselburg zu sehen, sondern unter anderem auch auf dem Marktplatz, vor dem Stadtmuseum, der freien Fläche vor dem KuK und auf der Fußgängerbrücke in Lusan geplant. Im Rahmen eines Aktionstages am 21.04.2018 werden zudem weitere Aktionen stattfinden.  Die Studierenden fordern Interessierte dazu auf, Kunst nicht nur inmitten der Stadt zu entdecken und dabei neu über diese nachzudenken, sondern sich mit den bestehenden Strukturen auseinanderzusetzen. Kunst kann dabei neue Perspektiven eröffnen. Konkrete Termine sowie weiterführende Informationen werden im Vorfeld unter www.haeselburg.org veröffentlicht. Die KiM Kultur in Mitteldeutschland gGmbH präsentiert mit „Overton Window“ die zweite Ausstellung in der 2017 eröffneten Neuen Galerie für zeitgenössische Kunst der Häselburg und eröffnet damit offiziell das Ausstellungsprogramm 2018. 

Neue Galerie für zeitgenössische Kunst Häselburg, Burgstraße 12, 07548 Gera

Vernissage: 20.04.2018, 19.30 Uhr

Ausstellung: 21.04.-09.05.2018, Di-Fr 12 bis 16 Uhr

 

 


Dauerausstellung Klassische Moderne im Lindenau Museum

Vom Impressionismus zum Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit: Das Lindenau-Museum besitzt eine bemerkenswerte Sammlung von Gemälden und Plastiken der Klassischen Moderne, die nun wieder dauerhaft im linken Oberlichsaal zu sehen sein wird. In den Jahren 1910 bis 1930 waren Künstler wie Otto Dix, Wilhelm Lehmbruck, Conrad Felixmüller oder Walter Jacob mit einer Vielzahl von Umbrüchen und gesellschaftlichen Spannungen konfrontiert, die Eingang in ihre Kunst fanden. Der auf Objektivität und Beobachtung gelegte Fokus des Impressionismus wurde durch die Katastrophe des Ersten Weltkriegs und dem politischen Chaos der anschließenden Jahre von expressionistischen Tendenzen abgelöst, die lauthals einen neuen Menschen und eine neue Gesellschaft einforderten. In den 1920er Jahren beruhigte sich der Stil bei vielen Malern wieder und erlaubte einen distanzierten, aber dennoch kritischen Blick auf Großstadt und Kleinbürgertum. Ein besonderer Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Dresdner Malern im Vorfeld und während der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933), die ein weit über die Grenzen der Elbmetropole hinauswirkendes avantgardistisches Zentrum bildeten. Neben dem „Arbeiterjungen“ von Dix sind Porträts von Carl Lohse, Wilhelm Lachnit, Peter August Böckstiegelund Kurt Querner zu sehen. Unter den prägenden Dresdner Malern jener Jahre befanden sich mit Ernst Müller-Gräfe und Walter Jacob auch zwei gebürtige Altenburger. Von dem Dresdner Conrad Felixmüller, der nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe von Altenburg lebte, besitzt das Lindenau-Museum heute den weltweit größten Bestand an Kunstwerken. Die neue Präsentation der Klassischen Moderne knüpft chronologisch an die Ausstellung im rechten Oberlichtsaal an, wo Kunst zwischen Impressionismus und Symbolismus im ausgehenden 19. Jahrhundert gezeigt wird. Bei Meistern wie Auguste Rodin, Max Liebermann, Max Slevogt, Christian Rohlfs, Aristide Maillol, Ludwig von Hofmann und Max Klinger stand die Auseinandersetzung mit der Antike und ein neuer Blick auf die Natur noch im Mittelpunkt des Künstlerinteresses, während nun von der neuen Generation ein bewusst antiakademischer, psychologischer Zugang zu Mensch und Stadt forciert wird.

Dauerausstellung Klassische Moderne im Lindenau-Museum: Ernst Barlach, Rüdiger Berlit, Peter August Böckstiegel, Otto Dix, Erich Drechsler, Heinrich Ehmsen, Conrad Felixmüller, Paul Fuhrmann, Walter Jacob, Georg Kolbe, August Kranz, Bernhard Kretzschmar, Wilhelm Lachnit, Wilhelm Lehmbruck, Carl Lohse, Ernst Müller-Gräfe, Kurt Querner, Fritz Tröger, Fritz Winkler.


Die Stadt als Kunstprojekt

KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU zeigen Sonderausstellung zum Stadtjubiläum

In einer gegenwartsbezogenen Ausstellung zum Stadtjubiläum, die bis 17. Juni 2018 gezeigt wird, beschäftigen sich Till Exit, Matthias Hoch und Heidi Specker medienübergreifend mit der Vergangenheit und der Gegenwart Zwickaus. Ergänzend werden im kurzen Wechsel historische Stadtansichten gezeigt. Begleitend zur Sonderausstellung bieten die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum ein umfangreiches Rahmenprogramm an, bei dem es um „Zwickauer Originale“, „Stadtgespräche“ und die „Junge Stadt“ geht.

DAS PROJEKT

Im Jahr 2018 feiert Zwickau seine erste urkundliche Erwähnung vor 900 Jahren. An vielen Orten steht deshalb die Historie der Stadt im Mittelpunkt. Die Stadt im Allgemeinen – und auch Zwickau – war schon immer Gegenstand künstlerischer Reflexion, meist in Form der klassischen Stadtbild-Dokumentation. Hier fällt auf, dass bereits im 19. Jahrhundert einerseits romantisierende Ansichten von Zwickau entstanden, im Zuge der Industrialisierung aber gleichzeitig Stadtbilder mit rauchenden Schloten stolz vom Aufschwung Zwickaus als Bergbau- und Industriestadt berichten. Diese, zwischen Romantik und Fortschritt pendelnden Pole, werden im Rahmen der Ausstellung thematisiert. 

Zwickau wirbt mit dem Slogan „Automobil- und Robert-Schumann-Stadt“, also: Moderne und Mobilität versus Romantik und Träumerei! Das Zusammenspiel und die Abhängigkeit von Wirtschaft und Kultur erfährt hier bereits ein vieldeutiges Bild. Mit Horch und Trabant ist Zwickau früh Standort der Fahrzeugproduktion geworden. Dies prägt die Stadt wirtschaftlich als Industriestandort, als Arbeiterstadt – bis heute. Die Künstler Heidi Specker und Matthias Hoch, die bereits viele Orte der Welt erkundet haben, begeben sich auf die Suche nach Bildern und Symbolen der „Automobil- und Robert-Schumann-Stadt“ – mit entsprechend unterschiedlichen fotografischen wie konzeptionellen Ansätzen und Fragestellungen. Matthias Hoch begleitete den aktuellen Prozess in der Automobilproduktion fotografisch. Hochs Sicht, von außen auf den hochtechnisierten Produktionsort mit seiner funktionalen wie kühlen Atmosphäre, spiegelt die Herstellung eines der virilen Kult- und Prestigeobjekte des 20. Jahrhunderts, das derzeit einen massiven Wertewandel erfährt.

Heidi Specker beschäftigt sich am Beispiel der Schumanns mit Kulturbildern, die überliefert werden und ebenfalls Rückschlüsse auf einen gesellschaftlichen Wandel zulassen. So zierte Clara Schumann, von 1990 bis zur Einführung des Euro, den 100 D-Mark-Schein. Genau 100 D-Mark leiteten zur Wende als „Begrüßungsgeld“ den gesellschaftlichen Umbruch ein. Hier zeigt sich der vielschichtige Zusammenhang von Gesellschaft und Individuum, von Geschichte oder Geschichtsschreibung und dem persönlichen Erleben. Der Wandel – wirtschaftlich und sozial – wird in kulturellen Codes überliefert, mit denen sich Hoffnungen und Träume verbinden, die gleichermaßen Brüche in Biographien bedeuten können. Till Exit beschäftigt sich mit der Stadt als Projektionsfläche für Utopien. Seine monumentale Skulptur verbildlicht die Visionen für einen zukünftigen Ort des Zusammenlebens ebenso wie die Suche nach den Kulturschichten, auf denen immer wieder „gebaut“ wird.

Im kurzen Wechsel werden aus den musealen Sammlungen und dem Stadtarchiv Zwickau zudem folgende Präsentationen zu sehen sein:

Bis 6. Mai: Historische Postkarten aus dem Stadtarchiv

9. bis 27. Mai: Stadtansichten – Gemälde aus dem Museumsbestand u. a. von Johann Gottfried Pulian, Paul Schmidt-Roller, Gert Fröbe und Elisabeth Decker

30. Mai bis 17. Juni: Zwickauer Originale – Porträts. Grafiken und Gemälde aus der Sammlung u. a. Carl Gottlob Mittenzwey, Max Pechstein, Hildebrand Gurlitt und Tatjana Lietz

DIE KÜNSTLER

HEIDI SPECKER wurde 1962 in Damme geboren und studierte ab 1984 Design, Fotografie-/Film-Design an der Fachhochschule Bielefeld, das sie 1990 mit dem Diplom Design und Visuelle Kommunikation abschloss. 1991 erhielt sie ein Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks und 1992 ein Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen. 1995 wurde sie Meisterschülerin von Joachim Brohm an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seit 2011 ist sie Professorin für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Sie lebt in Berlin und Leipzig.

Abbildung: Heidi Specker_Noten_2018_Siebdruck © VG Bild-Kunst Bonn

MATTHIAS HOCH studierte von 1983 bis 1988 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach einem DAAD-Studienaufenthalt an der Universität Essen (1990) und einem Meisterschülerstudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig (1991–92) lehrte er von 1993 bis 1998 als künstlerischer Assistent an der HGB Leipzig. 2003 erhielt er ein Stipendium der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom, 2013 ein Stipendium des Goethe-Instituts für die Villa Kamogawa in Kyoto. Er lebt in Leipzig.

TILL EXIT ist Spezialist für räumliche Situationen. Geboren 1962 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), hat er bis 1995 an der HGB studiert. Installationen und Videoarbeiten, aber auch diverse Arbeiten für die Bühne sind seither entstanden. Dauerhafte Installationen hat er beispielsweise für die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig (Bibliothek) als auch für den Bundestag in Berlin gestaltet. Seit 2001 übernahm Till Exit verschiedene Lehraufträge im Bereich Medienkunst und theatraler Raum, u. a. an der Academy of Fine Arts Vienna Chelsea College of Art and Design London (2001-2012), an der Byam Shaw School of Art London (2003-2004), an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (2011-2014) und an der Akademie der bildenden Künste in Wien (seit 2014).

 


Metaphysische Bildwelt

Panorama Museum Bad Frankenhausen präsentiert bis 10. Juni Werke des kroatischen Künstlers Vasilije Jordan

Die Ausstellung „JORDAN. Der Weg auf beiden Seiten“ ist ein internationales Kooperationsprojekt des Panorama Museums mit der Moderna galerija, dem Nationalmuseum der bildenden Künste Kroatiens in Zagreb, und präsentiert das bis jetzt in Deutschland weitgehend unbekannte Werk des kroatischen Künstlers Vasilije Jordan, der seit 1978 an der Kunstakademie in Zagreb als Professor Malerei lehrte und sich durch Ausstellungen vor allem in Belgien, Frankreich und Italien international schon früh einen Namen machte. In einer Überblicksschau werden nun im Panorama Museum 63 Gemälde und 30 Arbeiten in Mischtechnik auf Papier aus mehr als fünf Schaffensjahrzehnten vorgestellt.

Vasilije Jordan, 1934 in Zagreb geboren, gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler seines Heimatlandes und dies obwohl oder vielleicht gerade weil er über Jahrzehnte trotz aller offizieller Kontroversen um die künstlerische Ausrichtung innerhalb Kroatiensunbeirrt seinen eigenen Weg ging. Fußend auf den Prinzipien der klassischen mitteleuropäischen Tradition und einzig geleitet von „erlebten Erfahrungen“ (Vasilije Jordan) schöpft er Bildwelten, die aus der Zeit gefallen sind. Auch räumliche Koordinaten sind vakant und verbieten somit jeden Anhaltspunkt zum Realen. Jordans Landschaften sind melancholische Innenansichten voller Nostalgie, die vor dem Horizont einer endlos gedehnten Zeit Ansichten von Traumerlebnissen offenbaren, die voller Poesie sind. In sich geschlossene Szenarien, in gedämpften, dunklen Tönen ausgeführt, lassen flüchtig skizziertehelle Gestalten aufblitzen. Wie hingehaucht mit lasierender Leichtigkeit schweben diese vor dem Hintergrund und suggerieren Projektionen des Geistes, der Phantasie zu sein. Ohne Wiederholungen zu generieren, bedient sich Jordan seit den 1960er Jahren immer gleicher Motive und Sujets: Einsamkeit, Abschied, Genealogie, Kindheit, Mutterschaft, Wohnstätte, Musikanten –das menschliche Sein, die Vergänglichkeit der Zeit, rurale und sakrale Themen.Doch nichts davon entspringt der Erinnerung des Malers, ist Wiedergegebenes von Gesehenem oder Erlebtem, alles ist surreal oder irreal, wie Jordan selbst betonte. Die Quelleseines Schaffens beruht auf der Einsicht in das eigene Innere seiner Kindheit. So bekennt er frühzeitig: „Das Leben ist für mich ein Rätsel. Ich versuche, dieses Rätsel mittels meiner Malerei zu lösen.“ Und weiter: „Indem ich male, löse ich dieses Rätsel nur für mich … Indem ich male, erneuere ich mich, erleichtere ich mich, versuche ich, mich von meiner Nostalgie für die fernen Geschichten der verlorenen Kindheit zu heilen.“ Seine metaphysische Bildwelt, die malerischen Erzählungen gleicht, und ausgeführt ist in einer tonalen Hell-Dunkel-Malerei mit altmeisterlicher Pinseltechnik, lässt den Betrachter in eine Zeit entfliehen, die entschleunigend, ja teilweise sogar meditativ wirkt. Es ist eine Reiseauch in unser Innerstes, die durch Träume, Visionen und Wünsche gesteuert wird und die unsdie geistige Freiheit des Augenblicks gewährt.

Text: Silke Krage (Leiterin Museumsmanagement/Fachwissenschaft)

Abbildung: Wohnstätte, 1995, Öl auf Leinwand; 40 x 50 cm, Privatsammlung, Zagreb
Foto: Goran Vranic


Verkehrte Welt

Fotografien und Installationen von Frank Kunert bis 24. Juni 2018 im Romantikerhaus Jena

Der Alltag steckt voller Überraschungen, Wunder und Absurditäten. Meist nehmen wir diese gar nicht mehr wahr, weil unsere Augen vom Anblick der immer gleichen Banalitäten ermüdet sind. Doch unzählige Geschichten von verflogenen Träumen, Sehnsüchten und gescheiterten Lebensmodellen verbergen sich hinter dem abblätternden Putz der Hausfassaden, die wir bei unseren täglichen Wegen durch die Stadt nur am Rande wahrnehmen. Der Fotograf und Modellbauer Frank Kunert blickt, auf der Suche nach diesen vergessenen Geschichten, hinter die Fassaden. Ganz im frühromantischen Sinne gibt er „dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten“ (Novalis). Mit großer Akribie und Detailverliebtheit entwirft er kleine Modellkulissen. Die danach entstehenden Fotografien wirken wie realitätsgetreue Abbildungen der Außenwelt. Erst der zweite Blick verrät, dass uns in seinen Kunstwerken die Realität wie durch einen Zerrspiegel präsentiert wird: Ein Hinterhofbalkon kaum einen Meter über einem Gleisbett? Eine Spielplatzrutsche, die unmittelbar auf eine Straße zuführt? Ein Tennisplatz auf einer Half-Pipe? Ein Grabstein mit einem Briefkasten?

Frank Kunert wurde 1963 in Frankfurt am Main geboren. Er absolvierte von 1984 bis 1987 eine Ausbildung zum Fotografen. Nach Assistenzjahren in verschiedenen Fotostudios machte er sich 1992 selbständig. Seit 1996 widmete er sich verstärkt dem Gestalten und Fotografieren seiner „kleinen Welten“. Für seine künstlerischen Arbeiten wurde er mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt, darunter befinden sich die Silbermedaille beim 3rd Biennal Dimensional Salon in New York 2006, der Deutsche Fotobuchpreis in Silber 2009 für „Verkehrte Welt“ und der Gregor International Calendar Award in Silber 2011 und in Bronze 2012 und 2013. Frank Kunerts skurrile Bilder und Objekte erzählen von den Abgründen des Lebens. Seine Modelle sind Spiegelbilder unserer Ängste und Nöte, aber auch unserer Sehnsüchte. Sie führen uns die Absurdität des Alltäglichen vor Augen: Die grotesken Versuche, unser Leben einzurichten, das Aussterben alter Traditionen, unseren Umgang miteinander und mit unserer Geschichte. Dies alles gelingt dem Künstler jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit feinsinnigem, manchmal auch schrägem Humor. Die Ausstellung konfrontiert den Betrachter über die Darstellung alltäglicher Situationen mit unseren gegenwärtigen grundsätzlichen Problemen. Dies gelingt über eine oft unerwartete ironisch-satirische Brechung von Bildinhalten als Stilmittel der komischen Kunst. Eigene Erfahrungen und Vorstellungen werden durch unerwartete Bildkompositionen in das Absurde verkehrt und ermöglichen mit dem Infragestellen von scheinbar Vertrautem einen durch Witz und Ironie aufgeladenen Erkenntnisgewinn. Die im frühromantischen Sinne verarbeitete „Kritik am Zeitalter“ karikiert auf humorvolle Weise die Probleme unserer Zeit und hinterfragt den Standpunkt des Betrachters. Die Kunstwerke Frank Kunerts wirken dabei gleich den frühromantischen Fragmenten als Stachel und Impulsgeber für die eigene Positionsbestimmung und wollen mit den Mitteln der komischen Kunst zum Weiterdenken anregen.

Foto: Frank Kunert


Fundstücke zwischen barocken Steinen

Kunstverein Eisenach e.V. zeigt in der Reihe „Künstler im Schloss“ Collagen und Mischtechniken von Karin Weinrich

Das Jahr 2018 beginnt vielfältig in den ehrwürdigen Mauern des Eisenacher Stadtschlosses. Denn vielfältig sind die Materialien die die Werke von Karin Weinrich ausmachen. Steine, Schieferstücke, Sand, Glasbruchstücke oder Zeitungsschnipsel und noch vieles mehr verarbeitete die Künstlerin in ihren Collagen, die sie ab Donnerstag im Thüringer Museum ausstellt.
Unter Eisenacher Kunstkennern schon lange keine Unbekannte mehr, freut sich die Künstlerin, mit der Ausstellung im Schloß einmal mehr das breite Spektrum ihres langen künstlerischen Schaffens zeigen zu können. Viele ihrer Werke tragen keine Titel - der Betrachter ist somit gefragt, sich auf einen Kunstspaziergang  ohne konkrete Bezugsgrenzen einzulassen. Dass es dabei viel zu entdecken gibt, davon kann jeder sich bis zum 9. Mai in der 2. Etage des Thüringer Museums am Markt überzeugen.


Der Minister unter der 1000-jährigen Eiche

Neuer Teil der Dauerausstellung im Museum Burg Posterstein (Altenburger Land)

Unter dem Titel “Der Minister unter der 1000-jährigen Eiche” eröffnete das Museum Bur Posterstein einen neuen Teil seiner Dauerausstellung zur europäischen Salongeschichte. Die Ausstellung widmet sich mit neuen Exponaten und neuen Texten dem Sachsen-Gotha-Altenburgischen Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824). Thümmel stieg am Hof der Gothaer Herzöge vom Pagen zum Minister auf, weilte als Gesandter des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg im Paris Napoleons und zählte zu den Stammgästen im Löbichauer Salon der Herzogin von Kurland. Für den Altenburger Landesteil erreichte Thümmel beispielsweise bessere Straßen und moderne Landkarten sowie den Bau eines hochmodernen Krankenhauses. Der Gartenliebhaber gestaltete nicht nur den Altenburger Schlosspark um, sondern besaß in Altenburg selbst einen englischen Garten, der den herzoglichen Park noch übertraf. Auch in Gotha, Ronneburg, Nöbdenitz, Untschen und Nobitz finden sich Spuren seines Wirkens. Seinen Lebensabend verbrachte Thümmel auf seinem Gut Nöbdenitz, von wo aus der Weg nach Löbichau und Tannenfeld nicht weit war. Er kaufte eine mächtige hohle Eiche – die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz – in der er nicht nur Gäste bewirten ließ und gewitzte Aphorismen verfasste, sondern in deren Wurzeln er sich schließlich auch beerdigen ließ. Für die Ausstellung durfte das Museum mit Erlaubnis der Altenburger Freimaurerloge eine Kopie von deren Büste des Gothaer Herzogs Ernst II., dem Thümmel zeitlebens eng verbunden war, anfertigen lassen. Darüber hinaus konnte die Bildhauerin Susanne Jacob-Lehmann aus Meißen gewonnen werden, eine völlig neue Büste von Hans Wilhelm von Thümmel zu schaffen. Als Vorlage dienten ein Gemälde und ein Kupferstich nach diesem Gemälde. Das Resultat ist ein einmaliges dreidimensionales Portrait Hans Wilhelm von Thümmels – so wie er einmal ausgesehen haben könnte. Zur Eröffnung am 4. März, 15 Uhr, gibt es eine kurze Einführung in den neuen Ausstellungsbereich. Die Veranstaltung läutet gleichzeitig unser Themenjahr #SalonEuropa ein.


Til Mette im Sommerpalais Greiz

Cartoons für die moralische Elite mit Bildung, Geld & gutem Geschmack

Gotthard-Tillmann Mette, allseits bekannt als Til Mette, wurde 1956 in Bielefeld geboren. Von 1980 bis 1985 studierte er Kunst und Geschichte in Bremen. Seine Zeichnungen wurden zu dem Zeitpunkt bereits in der Süddeutschen Zeitung und in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht. In der Bremer taz, deren Mitbegründer er im Jahr 1985 ist, erschienen seither regelmäßig seine Cartoons. Außerdem publizierte er unter anderem im englischen Punch und in den amerikanischen Funny Times. Seit 1991 sein erstes Buch mit Cartoons veröffentlicht wurde, riss die Bücherfolge nicht ab. Von 1995 an zeichnet Til Mette exklusiv für den stern. Til Mette lebte von 1992 bis 2006 mit seiner Frau in New York und New Jersey. Heute lebt der Künstler zusammen mit seiner Familie in Hamburg.

Zu sehen bis 13. Mai 2018 // 10 bis 17 Uhr, Montags geschlossen, Ostermontag geöffnet


Kunstwerk zu Ehren der Heiligen Elisabeth von Thüringen erhellt den Naumburger Dom

Lichtskulptur von Philipp Schönborn zu sehen bis zum 13. Mai

Zum zweiten Mal gastiert ein Kunstwerk des Münchner Fotografen Philipp Schönborn in der Krypta des Naumburger Doms. Mit der Lichtskulptur setzt er der Heiligen Elisabeth von Thüringen ein leuchtendes Denkmal und bietet den Dom-Besuchern im Rahmen des 25. Jubiläums der Straße der Romanik ein bedeutendes Glanzlicht mit einer besonderen Wirkung in der Dunkelheit der Krypta.
Teil der Ausstellung wird außerdem ein Konzert der Erfurter Sängerin Sabine Lindner sein. Zur Musikalischen Passionsandacht am 24. Februar 2018 ist sie mit dem Elisabethoffizium im Dom zu hören. Das Interesse Schönborns am Leben und Wirken herausragender Frauen wandte sich 2014 Elisabeth von Thüringen zu. Besonders der Umstand, dass ihre Grablege erhalten, aber ihre Gebeine in der Reformationszeit zerstreut wurden, regte Schönborn zu dem sargartigen Schrein „Elisabeth von Thüringen“ an. Leuchtend bunte Bilder umfassen die schmale, einfache Kistenform. Sie stammen von dem mittelalterlichen Elisabethfenster aus der Marburger Elisabethkirche und wurden von dem Künstler in die Abstraktion der Unschärfe geholt. Hier wird das kurze Leben der ungarischen Königstochter Elisabeth (1207-1231) erzählt: Wie sie nach dem frühen Tod ihres Mannes dem höfischen Leben entfloh und sich der Speisung und Pflege der ärmsten und der kranken Menschen widmete. Dem heiligen Franziskus nachfolgend, fand sie ihren Platz bei den Menschen in Not. Die Oberseite des Schreines zeigt sie auf einem Kissen ruhend in weißem Schleier. Über diesem Relief, das ihr Grab ziert, wurde die Elisabethkirche in Marburg errichtet.
Das leuchtende Kunstwerk geht auf eine mehrjährige Reise zu den Orten, an denen Elisabeth lebte oder an denen sie früh verehrt wurde. Die Reise begann am Elisabethfest 2017 im Dom zu Erfurt, wo 1235 ihre Heiligsprechung proklamiert wurde. Zweite Station (bis 13. Mai 2018) ist der Naumburger Dom, in dessen Elisabethkapelle sich die vermutlich älteste Steinfigur der Heiligen befindet. Weitere Stationen des Kunstwerks zu Ehren der Heiligen Elisabeth von Thüringen werden u.a. die Abteikirche Sayn, die Wartburg, die Neuenburg in Freyburg (Unstrut), der Dom zu Merseburg und der Wiener Stephansdom sein.
Philipp Schönborn ist 1943 geboren, wuchs in Österreich auf und lebt heute in München. Seit den 1980er Jahren machte er sich international einen Namen als Fotograf von zeitgenössischen Kunstwerken. Schönborns künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Natur, Kunst, Religion, Licht und Farbe begann 1990. Die Form, die er dafür entwickelte, ist die Fotografie in Leuchtkästen oder Aluminiumrahmen. Mit seiner Einzelausstellung „Heiliges Land“ im Fotomuseum Berlin 2005 wurde er als Künstler bekannt, 2017 bestritt er eine Einzelausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien. Naumburg war bereits 2012 eine wichtige Station auf seiner Ausstellungstournee „Hildegard von Bingen“, eine der großen Frau des Mittelalters gewidmete Reise entlang der Straße der Romanik.


Knallige Farben auf zwei Etagen

Das Kunsthaus Apolda erinnert an die Pop-Art-Legende Andy Warhol / Von Wolfgang Leißling

Schon das Faltblatt zu dieser Sonderausstellung verdient ein Aha des Betrachters. Denn: es zeigt mit vier Serigraphien eine Ikone des 20. Jahrhunderts: Marilyn Monroe. Möglich macht dieses Bildwerk zum Mitnehmen das Kunsthaus Apolda. Es zeigt gegenwärtig rund 100 Werke des legendären Meisters der Popart Andy Warhol (1928-1987). Möglich wurde diese einmalige Schau  „The Original Silkscreens“ dem  Kunstverein Apolda Avantgarde und dem Kreis Weimarer Land dank einer großzügigen Kooperation mit der Stiftung DASMAXIMUM KunstGegenwart, Traunreut. Und es war der bekannte Münchner Kunstförderer Heiner Friedrich, der wesentliche Mappenwerke für die Apoldaer Ausstellung zur Verfügung stellte. Er war es auch, den eine enge Zusammenarbeit mit Warhol bis zu dessen Tod verband. So kam es, dass die in der Apoldaer Villa zu zeigenden Werke teils sogar aus den Originalverpackungen von Warhols Factory an die Wände der zwei Etagen gelangen werden. Die Kuratorinnen Dr. Birgit Löffler und Nadine Steinacker sorgen dafür, dass mit rund 100 Originalen aus 16 Siebdruckserien ein repräsentativer Einblick in das Schaffen des Ausnahmekünstlers gegeben werden kann. Werbung und Massenmedien sowie Ereignisse in der Alltagswelt bis hin zu Unfällen und Katastrophen  regten ihn zu den eigenen, sinnfällig vergrößerten  Motiven an. Dies besonders in vervielfachten Reihungen. Zu sehen sein werden weltberühmte Klassiker von den Campbell’s Suppendosen über die poppigen „Flowers“, Politserien wie „Mao“  oder „Hammer und Sichel“ bis zum erotischen „Love“ , den leuchtenden „Sunsets“ und den Totenschädeln. Allesamt Höhepunkte im Werk des Sohnes eines tschechischen Emigranten, der nach dem Studium der Gebrauchsgrafik zu einem der erfolgreichsten Grafikdesigner in New York wurde. Ab 1960 widmete er sich ausschließlich der freien Kunst, und es gelang ihm, einer der international prominentesten Künstler zu werden. Wobei er betonte, dass in seiner Kunst die eigenhändige Malerei viel zu lange dauern würde, weshalb er sich dem kommerziellen Siebdruck zuwandte. Er vervollkommnete diese Technik mit seinem Anspruch und sprengte damit die Grenzen dieser Kunst. Man denke dabei nur an die ungewöhnlich großen Formate, die poppigen, teils fluoreszierenden Farben oder die mit Diamantstaub behandelten Oberflächen. Wobei hinter den sogenannten Auflagen  der verschiedenen Mappen oft eine Reihe von Unikaten stecken. In Apolda bietet sich die Gelegenheit, selbst seltene Probedrucke und Portfolios wie „Shadows“ oder „Sunset“ im Original zu sehen. Der Besucher der Ausstellung  wird nur so von den knalligen Farben aus dem reichen Oeuvre Warhols umgeben sein. Zu seinen bekanntesten Werkgruppen gehört die Marilyn-Serie, geschaffen zu einer Zeit, da Warhol längst selbst zu einer Kultfigur wurde. „Ob es symbolisch ist, Monroe in so grellen Farben zu malen: es ist Schönheit, und sie ist schön, und wenn etwas schön ist, dann heißt das schöne Farben. Das ist alles“. Wobei er hier die Farbigkeit bis zu teils verstörender Heftigkeit ausführte. Kein Wunder, dass gerade diese Schönheit mit den Jahren vieltausendfach reproduziert wurde. Ein anderer Anlass für das Entstehen einer aufwändigen Serie war für Warhol das Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy  im November 1963 – „inhaltlich ein komplexes Spiel mit der Medienwirklichkeit, in dem Warhol den jungen US Präsidenten, seine Frau Jackie, Täter, Waffe und Tatort mit Filmklappen geradezu inszeniert“.

Verbunden mit der bis zum 1. Juli 2018 zu sehenden Exposition sind nicht nur ein repräsentativer Katalog mit Abbildungen aller Exponate, sondern auch ein Begleitprogramm. Ein besonderer Höhepunkt ist die lange Nacht der Museen am 26. Mai  von 16 bis 24 Uhr mit Siebdruck-Werkstatt, Kuratorinnenenführung, Modeinstallation und Filmpräsentation sowie einer Finissage am 1. Juli als Kunstauktion.

Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Für Schulklassen ist der Eintritt frei. (www.kunsthausapolda.de, Telefon: 03644 / 515 364)

Abbildung: Warhol, Marilyn, 1967, Siebdruck, 91,5 x 91,5 cm, (c)  2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.  Artists Rights Society (ARS), New York, Repro K


Allerlei Mitgeschicktes

Goethe und Schiller-Archiv in Weimar präsentiert Briefe an Goethe und ihre Beilagen

Kupferstiche, Mineralien oder auch die Haarlocke einer schottischen Verehrerin – gewöhnliche und ungewöhnliche Gaben begleiteten häufig die an Johann Wolfgang von Goethe adressierten Briefe. Rund 20.000 Sendungen von über 3.500 Adressaten sind überliefert. Eine Auswahl präsentiert das Goethe- und Schiller-Archiv vom 19. Januar bis 22. Juli 2018 in der Ausstellung »Allerlei Mitgeschicktes. Briefe an Goethe und ihre Beilagen«. Die Sendungen in der Schau spiegeln Goethes vielfältige Interessensgebiete auf sehr persönliche Weise wider. Als unermüdlicher Sammler erwarb er unter anderem Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, forderte Gestein von der Hohen Tanne bei Ilmenau an oder bat Wilhelm von Humboldt um Handschriften historischer Persönlichkeiten und berühmter Zeitgenossen. Für den Schriftsteller Goethe ist ein Privileg Preußens gegen den Nachdruck seiner »Ausgabe letzter Hand« ausgestellt, dem schließlich sogar ein Schreiben von König Friedrich Wilhelm III. folgte. Urkunden, Gedichte, Medaillons, Handzeichnungen und Gemälde erreichten Goethe aber oftmals auch ungefragt als Geschenke und Ehrengaben. 1824 erhielt er das Modell eines Goethe-Denkmals für seine Vaterstadt Frankfurt am Main, das Bettina von Arnim entworfen hatte. Daneben finden sich einige sehr intime Sendungen, wie ein Gutachten über den Gesundheitszustand des 56-jährigen Goethe oder die Silhouette einer schottischen Verehrerin nebst Haarlocke. Kuriositäten bilden den Abschluss. So erhielt der Dichter unter anderem zwei Faschingsorden aus Dülken und ein kleines Stück Kosaken-Brot, gebacken 1818 im russischen Kasan. Die Briefe an den Dichter, das Mitgeschickte und die damit verbundenen Geschichten zeichnen ein sehr lebendiges und in Aspekten bislang unbekanntes Bild Goethes und seiner Zeit.

Zu sehen bis 22. Juli 2018 // Kuratorenführung 13. Juni, 16 Uhr


Gutes Design ist supernormal

Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt bis 6. Mai 2018: JASPER MORRISON. THINGNESS

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig präsentiert mit JASPER MORRISON. THINGNESS die erste Retrospektive des weltweit renommierten Designers Jasper Morrison (*1959 in London). Sie vereint Schlüsselmomente aus seinem mehr als 35-jährigen  Schaffen. Ob Möbel, Leuchten, Küchenutensilien, Wohnaccessoires, Kleidung oder Elektronik: Morrison setzt sich hinsichtlich Gestaltungsfragen und -umsetzungen keine Grenzen. Gutes Design ist für ihn „super­normal“. Damit prägt er ein neues Formverständnis. Für den Produktdesigner Jasper Morrison zeichnet sich gutes und langlebiges Design durch funktionale Aspekte und eine bewusste Zurückhaltung aus. Seine Entwürfe vereinen einfachste Formen mit maximalem Komfort. Mit dem Begriff „supernormal“ definiert und prägt Morrison seit 2005 seine Gestaltungsprinzipien. Für ihn sind einfache alltägliche Dinge, die durch ihre reine Form überzeugen und Funktionalität aufweisen, „supernormal“. Objekte, die sich auf Grund ihrer benutzerfreundlichen, unaufdringlichen und zeitlosen Gestaltung bewähren, ohne dass dabei überflüssiger Dekor oder extreme Formen vordergründig sind. Gleichzeitig bedeutet „supernormal“ auch eine Rückbesinnung auf ursprüngliche Grundformen. Unter diesem Credo hat er eine Reihe von Entwürfen für international bekannte Firmen wie Alessi, Cappellini, Muji, Camper, FSB, Flos, Samsung, Magis oder Vitra umgesetzt. In der Ausstellung werden in chronologischer Abfolge Stühle, Sessel, Trink­gläser, Lampen, Schuhe und Heimelektronik gezeigt. Explizit für diese Werk­schau entwarf Morrison ein einfaches und zugleich visuell ansprechendes Regalsystem. Archiv- und Bildmaterial ergänzen die Präsentation bieten Einblicke in verschiedene Zeitabschnitte.

Abbildung: Jasper Morrison, Low Pad, Cappellini, 1999, Foto: Walter Gumiero