Ausstellungen

Das Runde und das Eckige. Fußball in der Kunst

Lindenau-Museum zeigt bis 2. September Sonderschau: Fußball in der Kunst

Sie ist eines der bestimmenden Themen dieses Sommers – die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Vom allgemeinen Fußball-Fieber ergriffen wagt sich das Lindenau-Museum mit seiner neuen Sonderausstellung „Das Runde und das Eckige. Fußball in der Kunst“  in dieses in der Kunst bisher nur sporadisch erstürmte Feld. 

Fußball ist bekanntlich unser Leben, aber was wäre das Leben ohne Kunst? Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland öffnet das Lindenau-Museum seine Tore für jene Ballkünstler, die das Runde im Eckigen mit Pinsel, Nadel oder Stift meisterhaft unterzubringen verstehen. Was Wenigen bewusst ist: Schon seit sich der moderne Fußball im 19. Jahrhundert in England etablierte, setzten sich auch Künstler mit dem Phänomen auseinander. Gezeigt werden Arbeiten unterschiedlichster Techniken. Von Keramik, Plastik, Malerei, Zeichnung und Druckgrafik spannt sich der Bogen zu Fotografie und Film. Dieser ist in der Ausstellung mit der Videoinstallation „Deep Play“ (2007) des international bekannten Filmemachers und Videokünstlers Harun Farocki vertreten. Das Werk umkreist das WM-Finale 2006 zwischen Italien und Frankreich und wurde auf der documenta XII gefeiert. In Altenburg ist es in einer verkleinerten Version zu erleben. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden grafische Arbeiten von Künstlern der Leipziger Schule wie Wolfgang Mattheuer, Rolf Münzner oder Peter Schnürpel. Daneben stellt sich bei Arbeiten von Max Klinger und Willi Baumeister die Frage nach dem Idealbild eines Sportlers und einer von Kommerz, Doping und Populismus gekennzeichneten Realität. Die legendären Fußballspiele der Leipziger „Art Breaker“ gegen die Mannen der Künstlergruppe „Clara Mosch“ aus Karl-Marx-Stadt werden schließlich in Fotos von Ralf-Rainer Wasse erstmals ausführlich präsentiert. Gezeigt werden Arbeiten aus dem Besitz des Lindenau-Museums sowie Leihgaben des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, der Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung, der Harun Farocki GbR sowie mehrerer Privatsammlungen. Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. des. Benjamin Rux, Kustos für Gemälde und Grafik.

Abbildung: Harun Farocki - Deep Play, Still II


Tiere des Jahres 2018

Neue Sonderausstellung des Museums der Natur Gotha

Im Westturm von Schloss Friedenstein stehen nicht nur Wildkatze, Star und Großer Fuchs im Fokus, sondern auch Dreistacheliger Stichling, Gelbbindige Furchenbiene und Co.: Die neue Sonderschau des Museums der Natur Gotha rückt 13 Tiere des Jahres 2018 in den Mittelpunkt, die Natur- und Umweltverbände alljährlich küren, um auf ihre besondere Gefährdung hinzuweisen. 1971 wurde erstmals mit dem Wanderfalken der Vogel des Jahres gewählt. Diese Kampagne war so erfolgreich, dass weitere Naturschutzvereine ebenfalls Naturobjekte des Jahres bestimmten. Damit soll ein besserer Schutz besonderer Arten und ihrer Lebensräume erreicht werden. Das Museum der Natur in Gotha ist das einzige Museum in Thüringen, das den Tieren des Jahres eine eigene Sonderausstellung widmet. Seit 2012 wird die Kabinettausstellung jährlich im Westturm von Schloss Friedenstein gezeigt, wo sie sich an die Dauerausstellung „Tiere im Turm“ anschließt. Der Grasfrosch hat es 2018 zum „Lurch des Jahres“ gebracht. Sein besonderer Feind ist das Auto: „Besonders zur Laichwanderung im Frühjahr sind die Grasfroschbestände durch den Straßenverkehr gefährdet“, erläutert Ronald Bellstedt, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der kleinen Schau, und fügt hinzu: „In der Roten Liste von Thüringen ist Rana temporaria in die Vorwarnliste aufgenommen worden.“ Die Individuenzahlen der Gelbbindigen Furchenbiene – der Wildbiene des Jahres 2018 – hingegen steigen. 2002 konnte diese erstmals in Thüringen nachgewiesen werden und ist heute in fast jedem Garten zu finden, sofern er giftfrei ist und viele Blüten bietet. Warum das so ist, erklärt Bellstedt wie folgt: „Dieses Insekt ist ein Indikator für den Klimawandel, denn bis 1990 konnte man sie nur in Süddeutschland finden.“ „Tiere des Jahres 2018“ ist eine kleine Ausstellung, die nicht nur informieren, sondern auch sensibilisieren möchte. Sie läuft noch bis zum 16. Dezember 2018 im Schlotheim-Kabinett von Schloss Friedenstein Gotha.

Tiere des Jahres 2018 - zu sehen bis 16. Dezember Museum der Natur Gotha, Schlotheim-Kabinett

Abbildung: Grasfrosch (Foto R. Bellstedt)


Europa im Hier und Jetzt. Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit

Ein Schloss – vier europäische Künstlerinnen / Sonderschau im Museum Burg Posterstein

Ausgangspunkt für das Kunstprojekt “Europa im Hier und Jetzt: Schloss Tannenfeld – Inspiration und Wirklichkeit” ist das rund zwei Kilometer von Posterstein gelegene Schloss Tannenfeld. Das klassizistische Schloss mit wunderschöner historischer Parkanlage gehörte einst der klugen und einflussreichen Herzogin von Kurland, die hier und in Löbichau die Gäste ihres Salons versammelte. Vier Künstlerinnen aus Deutschland, Frankreich und Polen knüpfen an die Tradition des historischen Salons an und stellen ein gemeinsames Kunstprojekt auf die Beine.

Dieses Projekt möchten zwei Künstlerinnen aus Thüringen/Deutschland, eine Künstlerin aus Polen und eine Künstlerin aus Frankreich gemeinsam umsetzen: Jana Borath (Fotografie), Petra Herrmann (Installation), Verok Gnos (Malerei) und Marta Pabian (Malerei, Installation).

Anlass sind die bevorstehenden Veränderungen, die für Parkanlage und Schloss Tannenfeld ab Sommer 2018 anstehen. Der idyllische Ort nahe Löbichau – einst von Anna Dorothea von Kurland beseelt – bekommt nach Jahren des Stillstandes neue Nutzung und neue Bewohner. Die Besitzverhältnisse haben sich geändert: Das Ensemble ist aus dem Eigentum des Landkreises Altenburger Land in Privathand übergegangen. Mit ihrem Projekt wollen die vier Künstlerinnen explizit auf den prägenden europäischen Gedanken verweisen, der an diesem Ort unter Anna Dorothea von Kurland gelebt wurde. Mit ihren Arbeiten bringen die vier Künstlerinnen ihren jetzigen Standpunkt, ihre jetzige Sichtweise zum Thema EUROPA zum Ausdruck. Angesichts der aktuell beunruhigenden politischen Tendenzen innerhalb des Kontinentes geht es vor allem ums Bewahren, um nach vorne schauen zu können. Es erscheint ein Katalog (10 Euro), der auch die Geschichte des Schlosses zusammenfasst.

Zu sehen bis 9. September, Museum Burg Posterstein (Altenburger Land)


Die Badende und die Riesin

Das Kunsthaus Apolda Avantgarde lädt ab 15. Juli in die „Poetischen Welten“ des Joan Miró / Von Wolfgang Leißling

Wer bekennt so etwas: „Ich arbeite ohne zu arbeiten“ oder „Ich bin eine Pflanze“ oder „Das Unbewegliche beeindruckt mich“? Die Antwort lautet Joan Miró (1893-1983). Ihm, der zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts gehört, ist die große Sommerschau im Kunsthaus Apolda Avantgarde in der Bahnhofstraße 42 gewidmet. Sie trägt den Titel „Poetische Welten“ und macht den Besucher mit rund 70 Grafiken, Arbeiten auf Papier sowie bibliophilen Bücher des Künstlers vertraut. - Mit Miró widmet sich der 1994 gegründete Kunstverein Apolda Avantgarde e.V. einem wichtigen spanischen Vertreter der europäischen Nachkriegskunst. Möglich wurde diese Schau  dank der Kooperation mit der Kölner Galerie Boisserée.

Was man weiß, was man wissen sollte: der 1983 in Palma de Mallorca verstorbene Katalane war nicht nur ein begnadeter Maler, sondern auch ein  leidenschaftlicher Grafiker. Allein das Werkverzeichnis seiner Druckgrafik umfasst  1300 Radierungen und mehr als 1200 Lithografien. Für seine ersten Radierungen erlernt Miró die Technik im Atelier des Künstlers Marcoussi. Von diesen frühesten Arbeiten sind in der Ausstellung  – noch aus der surrealistischen Periode des Künstlers – zwei schwarzweiße Kaltnadelradierungen von 1938 („La Baigneuse“ (Die Badende) und „La géante“ (Die Riesin) zu sehen. Schließlich experimentierte Miró in den vierziger Jahren an der Weiterentwicklung dieser grafischen Technik im legendären Atelier 17 von Stanley William Hayter in New York. An diese künstlerisch wichtigen Jahre erinnern seltene Probedrucke kleinformatiger Aquatintaradierungen. Doch dann kam das Jahr 1948 in Paris. Dort entdeckt Miro´ die Möglichkeiten der Farblithografie im Atelier der Brüder Mourlot. Es spricht für die lernende Beharrlichkeit des Künstlers, dass bereits sechs Jahre später sein „Lune étoile“ (Sternenmond) entstehen kann. Er, den stets Feuer und Seele im Schaffen vereinten, entwickelte diese Technik weiter. So wagte er sich sogar an über zwei Meter  große Farblithografien heran. Ein Beispiel ist das 1975 entstandene monumentale Blatt „La folle au piment rageur“ (Die Verrückte mit der tollen Peperoni). Parallel setzte sich  Miró überaus kreativ mit der Farbaquatintaradierung auseinander. So entstand in den 70er Jahren auch die dem spanischen Architekten Antoni Gaudí gewidmete Serie großformatiger Blätter wie “L’hibou blasphémateur“ (Die lästernde Eule) und „Gargantua“. Daneben arbeitete der Künstler an Bucheditionen mit kleinformatigen Radierungen und Steindrucken. So etwa  Lithografien zu Patrick Waldbergs Buch „La mélodie acide“ von 1980 und – als Beispiel einer besonders gelungenen bibliophilen Schöpfung – das Buch "Adonides", für das Miró 46 farbige Radierungen mit Blindprägung zu Gedichten von Jacques Prévert schuf. Als frühes Mappenwerk befindet sich die komplette Serie „Fusées“ (1959) mit 15 kleinformatigen Farbradierungen in der Apoldaer Ausstellung. Wenn es etwas gibt, das den Künstler in seiner Sensibiltät und Leichtigkeit zeigt, dann sind es auch die zarten wie farbigen Aquatintaradierungen.  Darunter sind  das großformatige, 1967 entstandene Blatt "L'astre de labyrinthe" (Stern des Labyrinths)  oder drei radierte Illustrationen zu „Hommage à San Lazzaro“ (Alain Jouffroy) von 1977. Übrigens: Ergänzt wird die Exposition durch Fotos des Schweizer Lichtbildners Ernst Scheidegger (1923 – 2016). Sie zeigen den Künstler in seinem Atelier in Barcelona..

Bis zum 16. September bietet das Kunsthaus die wunderbare Gelegenheit, in Mirós graphische Welt einzutreten. Es erwartet  die lyrische Begegnung mit einfachen abstrakten Formen – ursprünglich, verspielt und fröhlich in den  Farben. Kein Wunder, das sich dessen emotionsreiche und verrätselte  „Zeichensprache“ in vielen Büros und Wohnungen wiederfindet. Denn das ist seine Meisterschaft: aus simplen Sujets poetische Erscheinungen zu erzeugen.  

Das Kunsthaus Apolda Avantgarde ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

www.kunsthausapolda.de

Abbildung: Joan Miró, "Le hibou blasphemateur", (Die lästernde Eule), Farbaquatintaradierung 1975


Kunstverein Eschwege präsentiert Arbeiten von Günter Rückert

Zu sehen bis 24. August / Radierungen, Zeichnungen und Gemälde

Der Clown zum Frühstück

Die Bilder suchen den Blick auf die skurrilen Momente des Alltags, schauen auf die Hintertür des Normalen und entdecken den erschütternden Witz im Drama des Lebens. Kunst ist oft so ernst, so kalt, so bedeutend, so tragisch, so unverständlich, so schön; aber in diesen Bildern, Radierungen, Zeichnungen und Gemälden darf sie komisch, witzig, bissig und satirisch sein. Im Niemandsland zwischen der großen Weltkunst und der kleinen, absurden Welt der Karikaturen und Cartoons wird hier die Frage gestellt: Darf Kunst komisch sein? Rückert beantwortet diese Frage mit einem klaren: Ja sicher! Zwischen Betroffenheit, Vision und Tragik gibt es noch eine weitere Dimension der Kunst: Das Lachen! Der Clown zum Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages!

Günter Rückert ist 1952 in Löningen/Oldenburg geboren, seit 1954 bekennender Dortmunder. Nach den notwendigen Umwegen über ein altsprachliches Abitur in Dortmund und eines Germanistik-Studiums mit abschließender Promotion in Bochum ist er seit 1986 freischaffender Künstler in Sachen Malerei, Grafik und freies Theater als Autor und Regisseur. Seit 1976 Veröffentlichungen von Karikaturen und Cartoons in verschiedenen Zeitschriften und Magazinen. 1986 Comic-Album „Das Karbid-Kommando“ über den Widerstand der Edelweißpiraten gegen die Hitlerjugend, verschiedene  Buchillustrationen und Cover-Gestaltungen (u.a. edition tiamat, Fischer-Verlag, Reclam, Kunstmann-Verlag, Büchergilde Gutenberg). Erwähnenswert neben zahlreichen Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen wäre da noch ein Stipendium des Landes NRW für Druckgrafik im Jahre 1992.

Abbildung oben: Günter Rückert, Sei ein Grashalm und wachse


Eintauchen in die Vorstellungswelt des mittelalterlichen Menschen

Sonderausstellung „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ in der Curia Nova (Willi-Sitte-Galerie) Merseburg | 15.07. - 04.11.2018

In einer Zeit, in der das Leben von streitsüchtigen Herrschern und strenger Gottesfurcht geprägt war, lebte Thietmar von Merseburg. Als einflussreicher Bischof im Reich der Ottonen stand er in engem Kontakt zu Päpsten, Kaisern und Königen und wurde Zeuge all ihrer Errungenschaften und Zweifel. Er hinterließ uns eine Chronik, die vom Alltag bedeutender Personen, aber auch von der Lebenswelt der einfachen Bevölkerung im 10. Jahrhundert erzählt.
Anhand der Beschreibungen der Chronik wird die Ausstellung diese Welt wiedererstehen lassen. Der Besucher taucht in die Vorstellungswelt des mittelalterlichen Menschen ein, erlebt Kaiserkrönungen, prachtvolle Hoftage und kirchliche Feste, aber auch den Alltag der Burg- und Dorfbewohner, die Mühen bei der Urbarmachung des Landes, Hungersnöte und Gefahren. Dank hochrangiger Leihgaben sowie ausgewählten Texten aus Thietmars Chronik gelingt es, den Besucher in die Welt des Mittelalters zu entführen.
Die Ausstellung wird neben dem Merseburger Dom erstmals in den Räumlichkeiten der gegenüberliegenden Curia Nova (Willi-Sitte-Galerie) präsentiert werden.
Die Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz beteiligen sich mit der Ausstellung an den Feierlichkeiten des Landes Sachsen-Anhalt zum 25-jährigen Bestehen der „Straße der Romanik“. Das Projekt wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt zur Förderung kultureller Projekte unterstützt. Außerdem konnte die Ernst von Siemens Kunststiftung als weiterer Förderer gewonnen werden.


Zwölf künstlerische Positionen zum Zustand unserer Gesellschaft

Kunstsammlung Jena zeigt bis zum 12. August DYSTOPIA – Zum 200. Geburtstag von Karl Marx. Installationen, Zeichnungen, Skulpturen, Videos

In diesem Jahr wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden und – anders als noch vor einigen Jahren – wird wieder viel über den bedeutenden Ökonomen und Philosophen und seine Ideen gesprochen. Es scheint, dass die Analyse von Marx’ Hauptwerk „Das Kapital“ keineswegs abgeschlossen ist, beschreibt Marx doch die Ungleichheit zwischen arm und reich als ein von Menschen gemachtes Verhältnis, welches in den letzten Jahrzehnten – im Zeitalter der Globalisierung – dramatisch zugenommen hat. Dabei bestimmt das „Kapital“ nicht nur die Wege in Wirtschaft und Politik, sondern beeinflusst auch soziale, kulturelle, wissenschaftliche und ökologische Entwicklungen. Die Möglichkeiten, sich diesem grenzüberschreitenden Modus zu entziehen, scheinen gering und fristen – angesichts der hieraus resultierenden Verwerfungen – in den aktuellen Diskursen noch immer ein Schattendasein. Am 15. April 1841 wurde Karl Marx an der Universität Jena mit einer Arbeit zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie promoviert. Dieses wissenschaftshistorische Ereignis ist der Kunstsammlung Jena Anlass, um mit zwölf künstlerischen Positionen an den 200. Geburtstag von Karl Marx zu erinnern. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen jedoch keine faktischen, historischen Verortungen, sondern künstlerische Interventionen, die sich am Zustand unserer Gesellschaft reiben und auf diesen reagieren. So verschieden die Sichtweisen auf den Kapitalismus auch sein mögen, die von Marx eingeleitete Kritik an der politischen Ökonomie hat weder an Dringlichkeit noch an Tragweite verloren. Hinzu kommt eine Perspektive, die Karl Marx zwar angerissen hat, die jedoch in ihrer komplexen Dramatik kaum vorhersehbar war: die Endlichkeit all jener Ressourcen, die ein friedliches und gutes Leben auf diesem Planeten ermöglichen. Dass davon nicht nur die Art unseres Wirtschaftens, sondern auch alle politischen, sozialen und kulturellen Bereiche betroffen sein werden, ist hinlänglich bekannt. Trotz dieser verbreiteten Einsichten konnten neue gesellschaftstheoretische Ideen kaum an Raum gewinnen. Damit ist unser „Utopia“ wieder zu einem „Land ohne Ort“ geworden, ebenso fern wie zu Zeiten von Thomas Morus und gespickt mit den immer gleichen Wünschen nach einem gerechten und sicheren Leben in einem Land mit einem Maximum an Gleichheit und einer Gemeinschaft ohne Ausbeutung. Auch wenn das Scheitern der kommunistischen Weltgesellschaft lange Schatten nach sich zieht, so bleibt die Entwicklung von Utopien exis-tenziell für jede nur denkbare friedvolle Zukunft der Menschheit. Genau hier setzt die ungarische Philosophin Ágnes Heller an und verlangt einen realistischeren Blick auf unsere Geschichte, auf genau jene gescheiterten Ansätze, die regelmäßig in totalitären Strukturen geendet sind. Mit Querverweisen auf George Orwell („1984“), Aldous Huxley („Schöne neue Welt“) und Michel Houllebecq („Unterwerfung“) beschreibt Heller eine Welt ohne Happy End, die zugleich das Ergebnis eines Lernprozesses ist, denn „ein gerechter Staat würde ein Staat sein, wo niemand sagt, dass es ungerecht ist. […] Ich sage nicht nur, dass ein gerechter Staat nicht möglich ist, ich sage eher, dass es nicht wünschenswert ist.“ Anhand verschiedener künstlerischer Interventionen zeigt die Ausstellung Arbeiten von KünstlerInnen, die sich kritisch mit unserer ökonomischen und sozialen Gegenwart und deren ideellen Hintergründen auseinandersetzen. Dabei koexistieren Optimismus und Pessimismus in einem ähnlich fragilen Zusammenhang, wie das für das Gleichgewicht zwischen Utopie und Dystopie der Fall ist. Krisen und Kriege, Armut und Migration, technologische Entwicklungen und ökologische Veränderungen sind nur einige jener Faktoren, die das Gleichgewicht vergangener Jahrzehnte, die Verheißungen der Moderne bedrohen und Veränderungen ankündigen, die uns alle betreffen werden. Utopische und dystopische Erzählungen sind typisch für Zeiten des Umbruchs, und die Reflexionen der KünstlerInnen dieser Ausstellung können dazu beitragen, Widersprüche aufzuzeigen und Wege zu neuen Sichtweisen zu öffnen. Die KünstlerInnen sind: İȊnci Eviner, Felix M. Furtwängler, Susann Maria Hempel, Sven Johne, Sebastian Jung, Tilman Knop, Christin Lahr, Elodie Pong, Gunter Reski, Julian Röder, Henrik Schrat und Nasan Tur.

Zur Abbildung: Elodie Pong. After The Empire. 2008. Videostill 

Foto: Elodie Pong


Ausstellung „Arbeit am Mythos. Orient und Okzident“ in der Häselburg Gera

16. Juni 13. Oktober: Videoinstallationen, Objekte, Zeichnungen und Fotografien von 19 deutschen und internationalen Künstlerinnenund Künstlern

Die Besucher dieser Ausstellung werden eingeladen, einen Blick hinter die Mythen der eigenen und fremder Kultur(en) zu wagen. Die Ausstellung „Arbeit am Mythos“, kuratiert von Claudia Tittel, setzt sich mit Mythen auseinander, die über den Orient und Okzident, ihre jeweils verschiedenen Ethnien, Gesellschaftsformen und Lebensarten existieren. Mythen beschreiben die Anfänge von Welten, Gesellschaften und Kulturen. Sie vereinen Wahrheit und Unwahrheit, manifestieren Stereotype, erzählen Geschichten und sind doch nur eins: gesellschaftliche Konstrukte. So diente der Orient im 19. Jahrhundert als Projektionsfläche des Westens und nährte die europäischen Sehnsüchte nach Exotik, während gegenwärtig die westlichen Staaten zum Paradies stilisiert werden. Der Orient als mysteriöse Wunderwelt oder als unterentwickelte Zone, der Westen als neues Sehnsuchtsland oder als moralisch verwerfliche Konsumlandschaft – diese und andere Imaginationen werden in der Ausstellung aus verschiedenen Blickwinkeln reflektiert. Das Reflektieren und Neudenken geschlechtlicher, kultureller sowie nationaler Identitäten zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung, aber auch historische Ereignisse, Flucht und Migration dienen als Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit den Mythen des Orients und Okzidents. Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten reicht von frühen Orientfotografien des 19. Jahrhunderts aus der Alphons-Stübel-Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität Jena bis zu zeitgenössischen Videoinstallationen und Fotografien. Die Bilder und Installationen der Ausstellung erzählen Mythen von Orient und Okzident neu, demaskieren oder revidieren sie. Sie zeigen auf, wie Mythen einerseits gesellschaftliche Realitäten spiegeln, andererseits stereotype Denkmuster nähren und damit zur Konstruktion eines kollektiven Gedächtnisses beitragen. Denn: „Erst die Arbeit am Mythos […] macht die Arbeit des Mythos unverkennlich.“ (Hans Blumenberg)

Im Rahmen der Ausstellung veranstaltet die gemeinnützige KiM Kultur in Mitteldeutschland GmbH ein umfangreiches Begleitprogrammmit Artist Talk, Vorträgen, Führungen, Konzerten und Workshops.

25. Juni, 21 Uhr: Konzert-Performance mit Christoph Nicolaus, RashaRagab, Peer Salden, Burkhard Schlothauer u.a.

26. Juni, 19 Uhr: Artist Talk mit RashaRagab, Bertram Haude und Luise Schröder

www.haeselburg.org

Öffnungszeiten: Di-Sa 12-17 Uhr, Do 12-20 Uhr, Neue Galerie für Zeitgenössische Kunst Häselburg, Burgstraße 12, 07545 Gera, Tel.: 0365- 71 27 81 92


Innovativ aus Tradition – Industrialisierung in Nordhausen

Neue Sonderausstellung im Museum Tabakspeicher bis 23. September 2018

Zum Thüringer Themenjahr „Industrialisierung, Industriekultur und soziale Bewegungen" präsentiert das Museum Tabakspeicher ab 13. Juni eine Sonderschau zur Nordhäuser Industriegeschichte. Dabei wird die bedeutende Historie von Nordhäuser Produktionsbetrieben, die sich seit der Industrialisierung etablierten, anschaulich und lebendig dargestellt. - Bereits am Ende des 18.Jahrhunderts von England ausgehend, setzt sich in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts eine tiefgreifende Umgestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse, der Arbeitsbedingungen und Lebensumstände mit neuem wirtschaftlichen Denken durch. Die industrielle Revolution hatte einen weltweiten wirtschaftlichen Boom zur Folge. Mit dem Ausbau des Nordhäuser Eisenbahnnetzes als entscheidendem Impulsgeber nehmen die Kaliindustrie, die Kautabakproduktion und der Maschinenbau großen Aufschwung. Auch neue Industriezweige entstehen. Werkanlagen solcher Betriebe wie „Gerlach & König“ (später VEB IFA-Motorenwerke), „Schmidt, Kranz & Co. (heute „Schachtbau Nordhausen GmbH“) und „H. Anger´s Söhne“ verändern das Gesicht von Nordhausen. Das selbstbewusste und wirtschaftlich starke Nordhäuser Bürgertum erbaut Villen in der Unter- und Oberstadt und es entstehen Parkanlagen, wie die Promenade, das Gehege und der Stadtpark. Auf spannende Weise und in beeindruckender Fülle zeigt der Kurator der Ausstellung, Hans-Jürgen Grönke in Zusammenarbeit mit Dr. Hans-Jürgen Reinhardt wertvolle und einmalige Zeitzeugnisse, die für unsere Region typisch sind. Zeitgleich stellt das Museum Tabakspeicher für eine Ausstellung in Pößneck bedeutende Leihgaben zur Verfügung. So wird das Museum zur Botschafterin unserer Stadt Nordhausen.

Abbildung: Werkgelände der Firma „Orenstein& Koppel“ Nordhausen, 1913


9. Triennale der Karikatur im Sommerpalais Greiz

„Lauter lupenreine Demokraten“ bis zum 7. Oktober 2018

Demokratie. Jetzt haben wir sie halt mal. Eine Staatsform, die von den alten Griechen erfunden und in der Neuzeit zuerst von den Vereinigten Staaten von Amerika wieder installiert wurde, und das ist noch gar nicht so lange  her. Die Einführung der Demokratie ist seither eine Erfolgsgeschichte. Allerdings gleicht keine der anderen und in der jeweiligen Laufzeit hat sie sich in jedem Staat anders entwickelt. Manches Mal wurde sie vorübergehend abgeschafft und später  in anderer Form reanimiert. Ständig wurde an der idealen Form gebastelt. Heute gilt sie in der westlichen Welt als die einzig legitimierte Herrschaftsform. Auch wenn die Demokratie zurzeit keinen guten Leumund zu haben scheint, handelt es sich nach wie vor um die beste Staatsform, die zur Verfügung steht. Wir sollten gut mit ihr umgehen. Dass das gerade nicht überall so gehandhabt wird, zeigen die Entwicklungen der letzten Zeit. Eine Welle des Rechtspopulismus schwappt über die Erde. Es hat keinen Sinn, auf andere zu zeigen. Er ist schon überall. Zu Risiken und Nebenwirkungen werfen Sie einen Blick ins Geschichtsbuch oder fragen Sie Ihre Großeltern. Oder Sie halten sich an die 76 Karikaturistinnen und Karikaturisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich bei der diesjährigen Triennale der Karikatur dazu geäußert haben, und betrachten die aktuellen politischen Umstände von der satirischen Seite.

Abbildung: Matthias Kiefel - Amtseid Trump


Kuriositäten der Tischkultur

Sonderausstellung im GoetheStadtMuseum Ilmenau

Thüringen begeht dieses Jahr unter dem Motto „Tischkultur“ – das GoetheStadtMuseum Ilmenau wartet dazu aktuell mit einer Sonderausstellung „Kuriositäten der Tischkultur“ auf. Zu sehen sind sogenannte Schaugerichte, Geschirre in Form von Tieren und Pflanzen, und Scherzgefäße, die als Dekoration und als Aufbewahrungsgefäße für Nahrungsmittel und Getränke nützlich waren. Sie dienten aber auch der Belustigung an der höfischen Tafel.Eine Spezialität der Ilmenauer Porzellanmanufaktur waren Schwanen- und Entendosen, die sich nicht nur in höfischen Kreisen, sondern auch beim Bürgertum großer Beliebtheit erfreuten. Immer mittwochs finden um 10 Uhr Führungen durch die bis zum 14. Oktober 2018 stattfindende Sonderausstellung statt. Angelehnt an ein historisches Rezept zur Bereitung einer Auerhahn-Pastete bietet das Ilmenau Berg- und Jagdhotel Gabelbach für die Dauer der Sonderausstellung ein exklusives Menü „Auerhahn-Pastete“ mit Portweinglace, gelierten Orangenfilets und Wildkräuter-Dip, dazu ofenwarmes Baguetteund ein Glas Portugieser vom Weingut Klaus Böhme/Kirchscheidungen an. Zusätzlich finden Besucher in den Räumen der Ilmenau-Information auch eine Verkaufsausstellung der Manufaktur von Kati Zorn aus Cursdorf vor. Witzig-frivol gestaltete moderne Exponate, wie Salz- und Pfefferstreuer, Butterdosen, Kaffeetassen und Kannen, begeistern die Besucher und können bei Gefallen vor Ort erworben werden.

GoetheStadtMuseumIlmenau geöffnet Di-Do: 10 – 17 Uhr

Eintritt: 3 Euro, Führung 4 Euro

Ilmenau-Information: Di-Fr: 10 – 18 Uhr / Sa, So, FT: 10-17 Uhr

Beide Einrichtungen finden Sie im Amtshaus, Am Markt 1. Parkplätze vor dem Haus.

Abbildung: Scherzgefäße aus Glas, 18. Jh., Thüringer Museum Eisenach
Foto: Ralf-Michael Kunze, Thüringer Museum Eisenach




Schottland – Land der Saurier, Kilts und Lochs

Neue Sonderausstellung im Museum für Naturkunde Gera bis 15. Oktober 2018

Das Museum für Naturkunde Gera präsentiert bis zum 15. Oktober 2018 die neue Sonderausstellung „Schottland – Land der Saurier, Kilts und Lochs“. Das Projekt entstand in Kooperation mit den Schottland-Kennern Ralf Metzdorf, (Museum für Naturkunde Coburg) und Ronald Bellstedt (Museum der Natur Gotha). Die Schau war zuvor mit großem Erfolg im Naturhistorischen Museum Schloss Bertholdsburg in Schleusingen zu sehen.

Die Geraer Museumsmitarbeiter haben die Schau um einige besondere botanische und zoologische Objekte erweitert, um die fantastischen Landschaftsfotos zu untermauern. Es ist die erste Sonderausstellung unter federführender Mitwirkung der zwei neuen Mitarbeiter Dr. Thomas Hoppe und René Köhler. In diesem Rahmen gestaltete René Köhler zusammen mit Silke Zacher ein beeindruckendes lebensgroßes Modell eines Dinosauriers, von dessen Existenz spärliche Knochenfunde in Schottland zeugen, die zusammen mit anderen hochkarätigen Fossilien präsentiert werden. Die Schau lädt ein zu einer Reise durch die Highlands, Hochmoore und Sturmküsten Schottlands. Es wird über Hintergründe der Geologie, Lebenswelt, Geschichte und Gegenwart dieses rauen Landes zwischen Atlantik und Nordsee informiert. Seine atemberaubenden Landschaften, in die sich einsame Seen, schroffe Küsten und urige Schlösser einfügen, werden gezeigt. Diese fesselnde Natur und die einmaligen Landschaftsformationen verdeutlicht die Ausstellung anhand zahlreicher Objekte sowie großformatiger Fotografien. Das Hauptaugenmerk der neuen Sonderausstellung liegt auf dem reichen Repertoire der rezenten Tier- und Pflanzenwelt, die mit diversen Exponaten vorgestellt und in typischen biologischen Gruppen geboten werden. So sind unter anderem Papageitaucher, Dreizehenmöwe, Austernfischer, Steinadler, Stör und Hummer als Präparat vertreten. Auch die Eider-Ente gehört zu den typischen Wasservögeln der Küstenlandschaft der schottischen Hebriden. Von ihr stammen die Eider-Daunen, äußerst begehrte Daunenfedern für Textilprodukte. Den Blick auf die Legende um das Ungeheuer von Loch Ness „Nessie“ haben im Rahmen eines Zeichenwettbewerbs Schülerinnen und Schülern der Erich Kästner Grundschule, der Grundschule „Otto-Dix“, der Debschwitzer Schule und des Goethe-Gymnasiums/ Rutheneum seit 1608 gerichtet. Sie haben ihre Fantasie spielen lassen und „Nessie“ auf Papier eine Gestalt verliehen. Die Frage, wer die meiste Fantasie hatte, müssen die Museumsbesucher entscheiden, denn sie werden per Wahlzettel abstimmen und somit die fünf besten Arbeiten auswählen. Die Kür der Gewinner findet am 1. Juli 2018 statt. Daneben werden aber vor allem die tatsächlich nachgewiesenen versteinerten Spuren verschiedener Saurierarten geboten. Neben fossilen Nachweisen ca. 395 Mill. Jahre alter Fische der Orkney-Inseln kann das lebensgroße Abbild eines Ceratosauriers von der Isle of Skye bestaunt werden. Diese Saurierart  ist einer der größten Fleischfresser und lebte vor ca. 167 Millionen Jahren. Außerdem vermittelt die Schau natürlich auch kulturelle Eindrücke Schottlands rum um Whiskey, Dudelsack und Schottenkaro.

Zum Foto: René Köhler (rechts) führt durch die Ausstellung. (Foto: Stadtverwaltung / Steffen Weiß)


Das Herz von Chemnitz. 220 Jahre Industriekultur

Neue Sonderschau bis 4. November 2018 im Industriemuseum Chemnitz

„Das Herz von Chemnitz. 220 Jahre Industriekultur“ ist Thema und Programm der Sonderausstellung, mit der sich das Industriemuseum Chemnitz vom 1. Juni bis 4. November 2018 am Stadtjubiläum 875 Jahre Chemnitz beteiligt. Vor 220 Jahren wurde Chemnitz mit der Bernhardschen Spinnerei in Harthau und der Spinnfabrik „Wöhler & Lange“ zur Wiege der sächsischen Industrialisierung. Herausforderungen und Leistungen Chemnitzer Arbeiter, Ingenieure, Erfinder und Unternehmer aus der 220jährigen Industriegeschichte stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung. Weitere Informationen unter: http://web.saechsisches-industriemuseum.com/chemnitz/sonderausstellungen/das-herz-von-chemnitz.html

17. Juni | 10 Uhr
Chemnitz Historic
Ausfahrt für Vorkriegsfahrzeuge. Start am Industriemuseum Chemnitz.
Veranstalter: Oldtimerverein Chemnitz e. V. in Kooperation mit dem Förderverein Industriemuseum Chemnitz e. V. und dem Industriemuseum Chemnitz
17. Juni | Sonntag | 14 Uhr
Kombi-Führung: Industriekultur vor der Haustür, ca. 2 h, Ausstellungsführung + Stadtrundgang Zwickauer Straße Teil I im Rahmen der Sonderausstellung „Das Herz von Chemnitz. 220 Jahre Industriekultur"

Vorführungen der Dampfmaschine von 1896 - Faszination Maschine unter Dampf
Eintritt frei, Vorführzeit ca. 30 min
Sonntag, 24. Juni, 11, 13 und 15 Uhr
Dienstag, 26. Juni, 11, 13 und 15 Uhr


Chrysantheme und Falke

Ausstellung im Weimarer Stadtschloss beleuchtet die Beziehungen Großherzog Carl Alexanders zu Japan

Anlässlich des 200. Geburtstages von Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach (1818–1901) zeigen Klassik Stiftung Weimar, Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) und das Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar bis 1. Juli 2018 die Kabinettausstellung »Chrysantheme und Falke. Carl Alexander und Japan – Weimar · Jena · Tokyo« im Weimarer Stadtschloss. Die Schau stellt Carl Alexanders vielfältige und intensive Beziehungen zu Japan anhand größtenteils bislang unbekannter Dokumente, kunstgewerblicher Objekte und Kunstwerke vor. Grundlage der Ausstellung sind die langjährige Forschungkooperation der drei Institutionen sowie ein Forschungsprojekt der FSU, des Hauptstaatsarchives Weimar und der Fukuoka sowie Kyushu-Universitäten in Japan.
Symbolisch im Zentrum stehen dabei die namensgebenden Orden, die sich der Weimarer Großherzog und der Japanische Kaiser Mutsuhito (1852–1912) als Zeichen ihrer gegenseitigen Wertschätzung verliehen. Carl Alexander erhielt Anfang der 1880er-Jahre den Kaiserlich Japanischen Chrysanthemen-Orden, während Mutsuhito 1882 mit dem Großkreuz des Großherzoglichen Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken geehrt wurde. Beide Orden stellten die jeweils höchste Auszeichnung dar, die Weimar und Tokyo vergeben konnten.
Diese enge Verbindung der Höfe, ihre Voraussetzungen und ihre Folgen beleuchtet die Ausstellung in vier thematischen Abschnitten. Der erste Bereich »Biografie und Dynastie« mit bisher noch nie gezeigten Portraitgemälden ist Carl Alexanders weltoffener Regentschaft gewidmet. Mehrsprachig aufgewachsen und humanistisch gebildet strebte der Großherzog danach, Weimar zu einem kulturellen Zentrum Deutschlands auszubauen. Gleichzeitig stärkte er die internationale Bedeutung des Weimarer Hofes durch zeitlebens enge Beziehungen zu Russland sowie zu den Niederlanden, deren Prinzessin Sophie von Oranien-Nassau er 1842 heiratete. Aufgrund seiner guten politischen Vernetzung trat Carl Alexander häufig als Vermittler auf, wenn sich zwischen Japan, dem er großes persönliches Interesse entgegenbrachte, und den europäischen Mächten diplomatische Schwierigkeiten entwickelten. Der internationalen Öffnung Weimars stellt der zweite Themenbereich »Staat und Gesellschaft« die internationale Öffnung Japans ab 1853 und insbesondere nach dem Regierungsantritt des aufgeklärten Mutsuhito 1867 gegenüber. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 erlebte Carl Alexander persönlich die erste umfangreiche Selbstpräsentation Japans in Europa und begann im Folgenden, enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen aufzubauen. Unter anderem zeigt die Kabinettausstellung mehrere japanische Kunstgegenstände, die der Weimarer Großherzog ankaufte und dem Weimarer Kunstgewerbe als Inspiration zur Verfügung stellte. Umgekehrt thematisiert die Schau auch die Arbeit des von Carl Alexander protegierten »Allgemeinen evangelisch-protestantischen Missionsvereins« in Tokyo und Yokohama, der christlich-kulturelle Werte außerhalb Deutschland bekanntzumachen suchte.Mit der Missionsarbeit eng verbunden und ihr zum Teil sogar vorgelagert war der Austausch im Bereich »Universität und Wissenschaft«. Seit 1877 konnten auf Carl Alexanders Initiative hin Japaner an der Jenaer Universität studieren, wie Prüfungsprotokolle und Dissertationsschriften in der Ausstellung dokumentieren. In Tokyo richtete die japanische Regierung unterdessen mit Weimarer Unterstützung eine Schule des Vereins für deutsche Wissenschaft ein, die auch auf ein Studium in Deutschland vorbereiten sollte. Als Ausbildungsstätte für arme Tokioer Mädchen entstand zudem eine Klöppelschule, die lange Jahre von der Thüringerin Ida Hering geleitet wurde.

Im Rahmen des wissenschaftlichen Austauschs gelangten auch verschiedene Kunstobjekte über den Großherzog an die Jenaer Universität. Die Ausstellung im Weimarer Stadtschloss zeigt vier japanische Farbholzdrucke sowie Beispiele aus einer Münzsammlung, die Carl Alexander später dem Ethnographischen Museum in Jena übergab. Doch auch für die Sammlungen des Großherzoglichen Museums und der Permanenten Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe ließ Carl Alexander japanisches Kunstobjekte ankaufen. Darunter befinden sich ein Konvolut von 20 Holzschnitten, deren Herstellungstechnik sich der letzte Bereich der Kabinettausstellung »Kunst und Kultur« in besonderem Maße widmet.
Zu sehen bis 1. Juli 2018 | Di–So 10–18 Uhr
Eintritt inkl. Schlossrundgang: Erw. 5,50 Euro | erm. 4 Euro | Schüler (16–20 Jahre) 2 Euro | Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren frei


Sonderausstellung im Städtischen Museum Zeulenroda

Ferdinand Schröder. Karikaturist und Paulskirchenabgeordneter aus Zeulenroda / Zu sehen bis 31. Oktober

Ferdinand Schröder, geboren am 8. April 1818 in Zeulenroda, zählte um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Karikaturisten in deutschsprachigen Raum. Wenngleich Schröder als Künstler lang in Vergessenheit geriet, so ist sein Werk doch präsent geblieben. Schröders beide bekannteste politische Karikaturen – das „Rundgemälde von Europa im August MDCCCXLIX“ (Abbildung oben) sowie „Wat heulste denn, kleener Hampelmann“ – zählen zu den wichtigsten Karikaturen der Revolution 1848/49 und sind noch heute einem großen Publikum bekannt. Diese beiden Karikaturen finden sich in nahezu jedem gedruckten und digitalen Medium, das die revolutionären Ereignisse von 1848/49 in Deutschland und Europa thematisiert. Auch Schröders humoristische Zeichnungen sind von bleibendem Wert. Gerade bei diesen Arbeiten bewies er sein Talent als Verfasser entwaffnend ironischer Texte, die seine Zeichnungen zum Gesamtkunstwerk erheben. Schröders künstlerisches Werk ist mit den Arbeiten von Wilhelm Busch, dem Erfinder von „Max und Moritz“  und von „Die fromme Helene“ sowie von Heinrich Hoffmann, dem Vater des „Struwwelpeter“, durchaus vergleichbar und qualitativ ebenbürtig. Aber Ferdinand Schröder war nicht nur ein politisch zeichnender, sondern auch ein politisch handelnder Mensch. Als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung zählte er zu den Mitgliedern des ersten frei gewählten Parlamentes auf deutschem Boden. Auch dem Stuttgarter Rumpfparlament von 1849 gehörte er an. In seiner Heimatstadt Zeulenroda zählte er zu den Initiatoren bei der Gründung des deutsch-national gesinnten „Vaterlandsvereins“ und war unter den Mitarbeitern der Zeulenrodaer Stadtordnung von 1849. Erst diese Stadtordnung hob in Zeulenroda den Stadtbrief von 1438 und das darin fixierte mittelalterliche Stadtrecht auf.

Schröders Tod am 24. Januar 1857 beendete sein künstlerisches Schaffen und politisches Wirken viel zu früh. Der Großteil seines Werkes wurde zerstreut. Doch während der 1930er Jahre und 1999 konnte die Stadt Zeulenroda hunderte Zeichnungen ihres großen Sohnes für das Städtische Museum erwerben. Seitdem befindet sich die umfassendste Ferdinand-Schröder-Sammlung in diesem Hause. Anlässlich seines 200. Geburtstages ehrt das Städtische Museum diesen bedeutenden Sohn der Stadt Zeulenroda mit einer Großen Sonderausstellung und zeigt eine Auswahl seiner wichtigsten Arbeiten. Höhepunkt ist zweifellos das Karikaturenalbum Schröders mit der darin enthaltenen und weltweit bekannten Karikatur „Rundgemälde Europas im August MDCCCXLIX“. Dieses bedeutende Zeugnis europäischer Kunst- und Kulturgeschichte wird in der aktuellen Ausstellung erstmals der breiten Öffentlichkeit im Original präsentiert.

Öffnungszeiten des Städtischen Museums Zeulenroda
Mittwoch und Freitag 9.00 – 16.00 Uhr
Donnerstag 9.00 – 18.00 Uhr
Samstag und Sonntag 13.00 – 17.00 Uhr und nach Vereinbarung
Letzter Einlass:eine halbe Stunde vor Schließung

Thüringer Landesfotoschau in der Sparkasse Gera-Greiz

Zu sehen bis 28. Juli in der Sparkasse Gera, Schlossstraße, 1. Etage

Über 200 Gäste konnte Markus Morbach, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Gera-Greiz, zur Vernissage der 11. Landesfotoschau Thüringens im Beratungscenter Gera begrüßen. Der Wettbewerb und die daraus resultierende Ausstellung wird in zweijährigem Rhythmus vom Landesverband Thüringen der Gesellschaft für Fotografie e.V. veranstaltet.
244 Thüringerinnen und Thüringer hatten ihre besten Fotos aus den letzten beiden Jahren eingesandt – insgesamt genau 1500 Bilder. Davon sind nun über 70 Einzelfotos und sechs Serien von 65 Bildautoren bis 28. Juli auf der ersten Etage des Sparkassenhauptgebäudes in Gera zu bewundern.
Ende Juli geht die Landesfotoschau, die zum ersten Mal seit ihrem Bestehen vom Fotoclub „Lichtbildkombinat Gera e.V.“ ausgerichtet wurde, auf eine fast zweijährige Reise durch Thüringe nund wird dabei in Erfurt, Jena, Gotha, Sondershausen und Hildburghausen zu sehen sein.


300 X DIX. Werke von 1912 bis 1969

Die Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser präsentieren bis zum 2. September 2018 eine umfangreiche Sonderausstellung mit Werken des Künstlers Otto Dix (1891–1969).

Auf vier Etagen werden im gesamten Museum über 300 Werke des zentralen Protagonisten der Neuen Sachlichkeit gezeigt. Sie bilden das Herzstück der Sammlung Gunzenhauser. Das Konvolut seiner Arbeiten gehört weltweit zu den größten musealen Beständen. Gemälde, Aquarelle, Pastelle, Zeichnungen und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen bieten einen repräsentativen Querschnitt durch seine künstlerische Entwicklung: von frühen expressionistischen Werken über Hauptwerke der Neuen Sachlichkeit bis hin zu den großen symbolischen Landschaften aus seiner Zeit der Inneren Emigration. Zum zehnjährigen Jubiläum des Museums Gunzenhauser und zum 875. Jubiläum der Stadt Chemnitz wird das Konvolut von Werken des Künstlers Otto Dix erstmals in seiner Gesamtheit auf allen vier Etagen des Hauses präsentiert. Neben den von Beginn an im Bestand befindlichen Arbeiten werden etwa 60 Werke gezeigt, die seit November 2015 aus dem Nachlass des Stifters ins Museum gelangten. Darunter befinden sich so bedeutende Gemälde wie der „Sonntagsspaziergang“ von 1922. Für sie galt bis zuletzt, was Alfred Gunzenhauser schon 2007 zur Eröffnung des Museums über die eigene Sammlung schrieb: „Mit meinen Kunstwerken habe ich regelrecht gelebt. Sie blickten mich täglich von allen verfügbaren Wänden an.“ In der Ausstellung werden 40 Gemälde, 50 Aquarelle und Gouachen, 100 Zeichnungen und 110 Grafiken von Otto Dix gezeigt. Sie veranschaulichen nicht nur die spezifischen Schwerpunkte der Sammlertätigkeit Gunzenhausers, sondern auch das Schaffen dieses zentralen Künstlers seiner Sammlung. Die innere Einheit und der Facettenreichtum des Konvoluts vermitteln ein authentisches Bild der schillernden Künstlerpersönlichkeit und illustrieren das gesamte Spektrum seiner künstlerischen Entwicklung durch alle Schaffensphasen, Stile und verwendeten Techniken.

Die Präsentation der Werke beginnt mit dem expressionistischen Frühwerk von Otto Dix, seiner Auseinandersetzung mit dem Dadaismus und der aufkommenden Neuen Sachlichkeit bis zur Mitte der 1920er-Jahre. Hier kann die Entwicklung des Künstlers vom jungen Studenten der Dresdner Kunstgewerbeschule zu einem der bedeutendsten Vertreter der künstlerischen Avantgarde in Deutschland nachvollzogen werden. Zahlreiche wichtige Arbeiten geben einen repräsentativen Überblick über diese Werkphase: von expressionistischen Gouachen aus dem Ersten Weltkrieg über das „kosmische“ Selbstbildnis „Roter Kopf“ (1919) bis hin zu frühen Hauptwerken der Neuen Sachlichkeit wie „Abschied von Hamburg“ (1921), „Mädchen am Sonntag“ (1921) und dem Aquarell „Artistin“ (um 1923). Es folgen Arbeiten aus der Spätphase der Neuen Sachlichkeit gegen Ende der 1920er- und zu Beginn der 1930er-Jahre sowie erste Werke – insbesondere Zeichnungen – aus der Zeit der Inneren Emigration. Sie kennzeichnet ein verstärkter Altmeisterbezug, wie im Gemälde „Rothaarige Frau (Damenporträt)“ aus dem Jahr 1931. Von 1927 bis 1933 lehrte Dix an der Dresdner Kunstakademie und ging mit seinen Studenten regelmäßig zum Studium der Alten Meister in die nahe gelegene traditionsreiche Gemäldegalerie. Nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten zog er sich 1933 an den Bodensee zurück. Hier schuf er bis 1945 eine große Zahl Landschaften, von denen die Sammlung Gunzenhauser einen der umfangreichsten Komplexe besitzt. Schließlich findet der Rundgang durch das Leben und Werk von Otto Dix mit dem malerischen und grafischen Spätwerk seinen Abschluss.
FÜHRUNGEN: Donnerstag 16 Uhr, Freitag | Samstag 12 Uhr, Sonntag | Feiertag 16 Uhr

Abbildung: Otto Dix, Abschied von Hamburg, 1921, Öl auf Leinwand, 85 x 58,9 cm
Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser
Eigentum der Stiftung Gunzenhauser, Chemnitz
Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/PUNCTUM/Bertram Kober
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Zwiegespräch bei Mondschein

Simon Pasieka und Wieland Payer im Geraer Kunstverein bis zum 7. Juli 2018

In seiner aktuellen Ausstellung unter dem Titel Zwiegespräch bei Mondschein stellt der Kunstverein Gera zwei zeitgenössische Positionen unterschiedlicher Künstlergenerationen vor, die unverkennbar ihren Ausgangspunkt in der Mensch – Natur – Beziehung der Romantik sucht. Beiden gemein ist die Darstellungen fiktiver Welten, in die man gerne eintauchen würde: eine Lustalternative zu dem immer größer, schneller und immer weiter unserer heutigen Zeit.

Die Arbeiten des  1981 in Erfurt geborene Wieland Payer vermittelt uns ein naturalistisch anmutendes Bild von prächtig strahlenden Gebirgs- und Waldlandschaften, in der ungewöhnliche geometrische Formen und Erscheinungen auszumachen sind. Diese Gebilde sind einerseits abstrahierte Formen, erwecken aber andererseits auch den Anschein, dass sie einer anderen Welt und Zeit entstammen könnten, die einer postapokalyptische Szenerie gleicht, in der sich die Natur ihr Terrain bereits zurückerobert hat. Die bemerkenswerte Strahlkraft der Arbeiten geht auf den Einsatz einer besonderen Technik, nämlich der der „Pastellmalerei“ zurück, deren Gegenstand in seiner Blütezeit des 17./18. Jahrhunderts eher der Porträtmalerei galt. Sein „Dialogpartner“ ist der 1967 in Kleve geborene Künstler Simon Pasieka, der seit 1998 in Paris lebt und arbeitet. Gegenüber den menschenleeren Landschaftsbildern Payers scheinen die alterslos wirkenden Figuren Pasiekas in einer surreal anmutenden Natur ritualisierten Handlungen zu folgen.  Die dargestellte Natur dient Pasieka primär als Kulisse für das Handeln seiner Protagonisten gleichsam als eine Art Bühne im Theater als Schauplatz des Geschehens. Sie ruhen, sie hängen ihren Gedanken und Träumen nach, sie schlüpfen in Rollen, spielen und tanzen – losgelöst von zivilisatorischen Zwängen, und vertrauen - so scheint es - einen Weg aus der kindlichen Sinnkrise zu finden. (Thomas Bender, Vorstand Kunstverein Gera)

Öffnungszeiten Do bis Sa 15 – 18 Uhr oder nach Vereinbarung.

Abbildung: Wieland Payer, Cloud, 2015, Pastell und Kohle auf MDF, 100 x 160 cm


Halt die Ohren steif

Robert Frank und Gundula Schulze Eldowy in New York I Zu sehen bis 24. Juni in der Kunsthalle Erfurt

Gundula Schulze Eldowy (*1954 in Erfurt) ist eine Fotografin und Poetin, als solche eine der wichtigsten Künstlerinnen, die in der DDR ihre ersten Projekte realisierten und seit 1990 weltweit wirksam sind. Sie kannte den berühmten Fotografen Robert Frank schon persönlich, als sie in den 1980er Jahren in Berlin das "Altberliner Milieu" fotografierte und ein stark beachtetes Werk der dokumentierenden Autorenfotografie schuf, die sie später in den Zyklen "Tamerlan", "Berlin. In einer Hundenacht", "Arbeit", "Aktportraits", "Straßenbild", "Der Wind füllt sich mit Wasser" und "Der große und der kleine Schritt" zusammenfasst. Zwischen 1985 und 1989 schrieben sie sich beeindruckende Briefe. 1990 lud Robert Frank Gundula Schulze Eldowy nach New York ein. Dort lebte die Künstlerin von 1990 bis 1993 und entfaltete ein vielfältiges, beeindruckendes Werk, das im Zentrum der Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt steht. Zu sehen sind die vier großen New Yorker Serien mit insgesamt 180 Fotografien " Halt die Ohren steif / KEEP A STIFF UPPER LIP", "In einem Wind aus Sternenstaub", "Spinning on my Heels" und "Flügelschlag des Herzens". Die Photographien werden von Auszügen aus dem Briefwechsel zwischen Robert Frank und Gundula Schulze Eldowy, Tagebuchnotizen und Videos begleitet. Daneben wird Nonstop der Film „Diamantenstraße“ gezeigt.

Abbildung:
Gundula Schulze Eldowy und Robert Frank, New York 1990
Foto: June Leaf


Wilhelmine! Wir lassen uns versichern!

Neue Sonderausstellung im Technischen Museum Neue Hütte bei Schmalkalden

Im Technischen Museum Neue Hütte bei Schmalkalden ist die Sonderausstellung „Wilhelmine! Wir lassen uns versichern!“unter dem Thema Industrialisierung und Versicherung zu sehen. Das Museum beteiligt sich mit dieser Ausstellung am Themenjahr des Thüringer Museumsverbandes 2018 - Industrialisierung und soziale Bewegung. Bis 31. Oktober 2018 ist die Sonderschau von Mittwoch bis Sonntag 10-17 Uhr sowie an Feiertagen zu besichtigen.

Der Zangenfabrikant Johann Michael Werner aus Schmalkalden schließt 1894 und 1896 eine komplexe Versicherung bei der Feuerversicherungs-Gesellschaft-Gotha ab. In Vorbereitung der Berechnung der Versicherungsprämie und letzthin auch was versichert werden soll, wurde eine umfangreiche Liste vom Hausrat und den Objekten der Werkstatt angefertigt. Nicht nur Möbel werden gelistet, auch Bettwäsche, Manns- und Frauenkleider, Brot, 200 Flaschen Wein und vieles mehr. Ebenso tauchen bei der Werkstattliste neben Maschinen auch notwendige Kleinwerkzeuge, Rohmaterial und 10 Hühner auf.Der Mensch möchte schonimmer sein Leben und Eigentum schützen. Früher musste jeder durch Vorsorge für den Schadensfall gewappnet sein und konnte in der Regel auf Nachbarschaftshilfe zählen.Mit der zunehmenden Industrialisierung wurden immer mehr Werte geschaffen, auch im privaten Bereich. Die Ausstellung versucht im Zusammenhang mit der Industrialisierung zu klären, warum man sich versicherte und neben den bestehenden Brandversicherungen für Gebäude im 19.Jh. vielseitige Versicherungen entstanden. Versicherungen fangen die Existenz auf, wenn es uns schlimm trifft, geben uns aber auch die Möglichkeit was Neues zu wagen.Ausgehend von der Situation im deutschen Bund und dann dem deutschem Reich im Zusammenhang mit der Industrialisierung und deren Schattenseite mit Beispielen aus Schmalkalden wird in der Ausstellung versucht, deutlich zu machen, wie wichtig Versicherungen geworden sind und warum sie notwendig sind. Als Beispiel wird näher auf die alte Feuerversicherungs- Gesellschaft in Gotha eingegangen. Die SchmalkalderGeschichte betreffend werden Akten aufgezeigt zu Polizei- und Feuerverordnungen, Versicherungs-agenten und Schuldscheine für eine Industrialisierung der Zunftwerkstatt. Es wird die Frage gestellt, was ist uns wichtig und wertvoll. Wir leben heute sehr gut und besitzen eigentlich mehr, als wir benötigen. Vorbereitete nostalgische Blätter laden ein, sich dieser Frage zu stellen. Natürlich wird die Person und Familie des Johann Michael Werner aufgezeigt und sein Werdegang von der kleinen Werkstatt zur Fabrik. Seine Versicherungsliste hängt in großen Bannern im Raum, umgeben von zahlreichen Objekten aus seiner Zeit und auch die Hühner von der Liste fehlen nicht. Ein herzlicher Dank für die Unterstützung zur Ausstellung gilt dem Deutschen Versicherungsmuseum in Gotha, dem Museum Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, dem Stadt- und Kreisarchiv sowie der Freiwilligen Feuerwehr von Schmalkalden.


Verkehrte Welt

Fotografien und Installationen von Frank Kunert bis 24. Juni 2018 im Romantikerhaus Jena

Der Alltag steckt voller Überraschungen, Wunder und Absurditäten. Meist nehmen wir diese gar nicht mehr wahr, weil unsere Augen vom Anblick der immer gleichen Banalitäten ermüdet sind. Doch unzählige Geschichten von verflogenen Träumen, Sehnsüchten und gescheiterten Lebensmodellen verbergen sich hinter dem abblätternden Putz der Hausfassaden, die wir bei unseren täglichen Wegen durch die Stadt nur am Rande wahrnehmen. Der Fotograf und Modellbauer Frank Kunert blickt, auf der Suche nach diesen vergessenen Geschichten, hinter die Fassaden. Ganz im frühromantischen Sinne gibt er „dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten“ (Novalis). Mit großer Akribie und Detailverliebtheit entwirft er kleine Modellkulissen. Die danach entstehenden Fotografien wirken wie realitätsgetreue Abbildungen der Außenwelt. Erst der zweite Blick verrät, dass uns in seinen Kunstwerken die Realität wie durch einen Zerrspiegel präsentiert wird: Ein Hinterhofbalkon kaum einen Meter über einem Gleisbett? Eine Spielplatzrutsche, die unmittelbar auf eine Straße zuführt? Ein Tennisplatz auf einer Half-Pipe? Ein Grabstein mit einem Briefkasten?

Frank Kunert wurde 1963 in Frankfurt am Main geboren. Er absolvierte von 1984 bis 1987 eine Ausbildung zum Fotografen. Nach Assistenzjahren in verschiedenen Fotostudios machte er sich 1992 selbständig. Seit 1996 widmete er sich verstärkt dem Gestalten und Fotografieren seiner „kleinen Welten“. Für seine künstlerischen Arbeiten wurde er mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt, darunter befinden sich die Silbermedaille beim 3rd Biennal Dimensional Salon in New York 2006, der Deutsche Fotobuchpreis in Silber 2009 für „Verkehrte Welt“ und der Gregor International Calendar Award in Silber 2011 und in Bronze 2012 und 2013. Frank Kunerts skurrile Bilder und Objekte erzählen von den Abgründen des Lebens. Seine Modelle sind Spiegelbilder unserer Ängste und Nöte, aber auch unserer Sehnsüchte. Sie führen uns die Absurdität des Alltäglichen vor Augen: Die grotesken Versuche, unser Leben einzurichten, das Aussterben alter Traditionen, unseren Umgang miteinander und mit unserer Geschichte. Dies alles gelingt dem Künstler jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit feinsinnigem, manchmal auch schrägem Humor. Die Ausstellung konfrontiert den Betrachter über die Darstellung alltäglicher Situationen mit unseren gegenwärtigen grundsätzlichen Problemen. Dies gelingt über eine oft unerwartete ironisch-satirische Brechung von Bildinhalten als Stilmittel der komischen Kunst. Eigene Erfahrungen und Vorstellungen werden durch unerwartete Bildkompositionen in das Absurde verkehrt und ermöglichen mit dem Infragestellen von scheinbar Vertrautem einen durch Witz und Ironie aufgeladenen Erkenntnisgewinn. Die im frühromantischen Sinne verarbeitete „Kritik am Zeitalter“ karikiert auf humorvolle Weise die Probleme unserer Zeit und hinterfragt den Standpunkt des Betrachters. Die Kunstwerke Frank Kunerts wirken dabei gleich den frühromantischen Fragmenten als Stachel und Impulsgeber für die eigene Positionsbestimmung und wollen mit den Mitteln der komischen Kunst zum Weiterdenken anregen.

Foto: Frank Kunert


Carolein Smit: L'amour fou

Bis 30. September, Grassi Museum Leipzig

Wie in einer Amour fou, einer scheinbar unvernünftigen, aber doch höchst leidenschaftlichen und süchtig machenden Liebe, verbindet Carolein Smit in ihren keramischen Skulpturen Gegensätze. Wo wird Unschuld zu Schuld, Leben zu Tod? Wo ist der Übergang, der Wendepunkt? Das sind Fragen, denen die 1960 geborene, heute in Belgien lebende Niederländerin nachspürt. Ihre geheimnisvollen Figurationen wirken ebenso kostbar und verführerisch wie gefährlich, zerbrechlich und schmerzhaft. Zugleich scheinen sie von einem hintersinnigen Humor erfüllt. Sie sind heutig, aber ihr Alter Ego wurzelt in der Welt der Wunderkammern, Devotionalienkabinette und in den mythischphantastischen Verästelungen der Kunstgeschichte.

Abbildung:
Violet & Daisy, 2009; Schenkung aus der Sammlung Rosemarie Willems, Rotterdam 2015; Foto: Winnifred Limburg


Dänisches Design

Bis 7. Oktober, Grassi Museum Leipzig

Dänische Entwerfer, von Kaare Klint über Arne Jacobsen bis hin zu Verner Panton haben die Produkt- und Wohnkultur ganzer Generationen geprägt – vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dass aber dieser Ära ebenso bedeutende Gestalter, Kunsthandwerker sowie international beachtete Strömungen vorausgingen, wird seltener thematisiert. Doch ist es gerade der Skønvirke, so der Name der dänischen Ausprägung des Jugendstils, der die Basis für das moderne dänische Design schuf. Den herausragenden Vertretern dieses Stils wird daher besondere Beachtung geschenkt. Ebenfalls spannend wird der Blick auf die Tendenzen im Art Déco und Funktionalismus. Spätestens aber nach 1945 hat sich »MADE IN DENMARK« als internationales Markenzeichen etabliert.
Dänisches Design hat seither Vorbildcharakter und ist bis heute Inbegriff und Ausdruck eines zeitlosen modernen Lebensstils. Die Ausstellung basiert ausschließlich auf eigenem Bestand und wird im separaten Ausstellungsteil SIMPLY DANISH durch die Schmucksammlung Schwandt ergänzt. Diese kann mit Preziosen namhafter Schmuckentwerfer aufwarten, die das Bild komplettieren und dennoch ein eigenes Schlaglicht auf die dänische Schmuckentwicklung des 20. Jahrhunderts werfen.

Abbildung: Affe; Kaj Bojesen, Entwurf: 1951; Foto: Esther Hoyer

 

 


Knallige Farben auf zwei Etagen

Das Kunsthaus Apolda erinnert bis 1. Juli an die Pop-Art-Legende Andy Warhol / Von Wolfgang Leißling

Schon das Faltblatt zu dieser Sonderausstellung verdient ein Aha des Betrachters. Denn: es zeigt mit vier Serigraphien eine Ikone des 20. Jahrhunderts: Marilyn Monroe. Möglich macht dieses Bildwerk zum Mitnehmen das Kunsthaus Apolda. Es zeigt gegenwärtig rund 100 Werke des legendären Meisters der Popart Andy Warhol (1928-1987). Möglich wurde diese einmalige Schau  „The Original Silkscreens“ dem  Kunstverein Apolda Avantgarde und dem Kreis Weimarer Land dank einer großzügigen Kooperation mit der Stiftung DASMAXIMUM KunstGegenwart, Traunreut. Und es war der bekannte Münchner Kunstförderer Heiner Friedrich, der wesentliche Mappenwerke für die Apoldaer Ausstellung zur Verfügung stellte. Er war es auch, den eine enge Zusammenarbeit mit Warhol bis zu dessen Tod verband. So kam es, dass die in der Apoldaer Villa zu zeigenden Werke teils sogar aus den Originalverpackungen von Warhols Factory an die Wände der zwei Etagen gelangen werden. Die Kuratorinnen Dr. Birgit Löffler und Nadine Steinacker sorgen dafür, dass mit rund 100 Originalen aus 16 Siebdruckserien ein repräsentativer Einblick in das Schaffen des Ausnahmekünstlers gegeben werden kann. Werbung und Massenmedien sowie Ereignisse in der Alltagswelt bis hin zu Unfällen und Katastrophen  regten ihn zu den eigenen, sinnfällig vergrößerten  Motiven an. Dies besonders in vervielfachten Reihungen. Zu sehen sein werden weltberühmte Klassiker von den Campbell’s Suppendosen über die poppigen „Flowers“, Politserien wie „Mao“  oder „Hammer und Sichel“ bis zum erotischen „Love“ , den leuchtenden „Sunsets“ und den Totenschädeln. Allesamt Höhepunkte im Werk des Sohnes eines tschechischen Emigranten, der nach dem Studium der Gebrauchsgrafik zu einem der erfolgreichsten Grafikdesigner in New York wurde. Ab 1960 widmete er sich ausschließlich der freien Kunst, und es gelang ihm, einer der international prominentesten Künstler zu werden. Wobei er betonte, dass in seiner Kunst die eigenhändige Malerei viel zu lange dauern würde, weshalb er sich dem kommerziellen Siebdruck zuwandte. Er vervollkommnete diese Technik mit seinem Anspruch und sprengte damit die Grenzen dieser Kunst. Man denke dabei nur an die ungewöhnlich großen Formate, die poppigen, teils fluoreszierenden Farben oder die mit Diamantstaub behandelten Oberflächen. Wobei hinter den sogenannten Auflagen  der verschiedenen Mappen oft eine Reihe von Unikaten stecken. In Apolda bietet sich die Gelegenheit, selbst seltene Probedrucke und Portfolios wie „Shadows“ oder „Sunset“ im Original zu sehen. Der Besucher der Ausstellung  wird nur so von den knalligen Farben aus dem reichen Oeuvre Warhols umgeben sein. Zu seinen bekanntesten Werkgruppen gehört die Marilyn-Serie, geschaffen zu einer Zeit, da Warhol längst selbst zu einer Kultfigur wurde. „Ob es symbolisch ist, Monroe in so grellen Farben zu malen: es ist Schönheit, und sie ist schön, und wenn etwas schön ist, dann heißt das schöne Farben. Das ist alles“. Wobei er hier die Farbigkeit bis zu teils verstörender Heftigkeit ausführte. Kein Wunder, dass gerade diese Schönheit mit den Jahren vieltausendfach reproduziert wurde. Ein anderer Anlass für das Entstehen einer aufwändigen Serie war für Warhol das Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy  im November 1963 – „inhaltlich ein komplexes Spiel mit der Medienwirklichkeit, in dem Warhol den jungen US Präsidenten, seine Frau Jackie, Täter, Waffe und Tatort mit Filmklappen geradezu inszeniert“.

Verbunden mit der bis zum 1. Juli 2018 zu sehenden Exposition sind nicht nur ein repräsentativer Katalog mit Abbildungen aller Exponate, sondern auch ein Begleitprogramm. Finissage am 1. Juli als Kunstauktion.

Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Für Schulklassen ist der Eintritt frei. (www.kunsthausapolda.de, Telefon: 03644 / 515 364)

Abbildung: Warhol, Marilyn, 1967, Siebdruck, 91,5 x 91,5 cm, (c)  2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.  Artists Rights Society (ARS), New York, Repro K


Allerlei Mitgeschicktes

Goethe und Schiller-Archiv in Weimar präsentiert Briefe an Goethe und ihre Beilagen

Kupferstiche, Mineralien oder auch die Haarlocke einer schottischen Verehrerin – gewöhnliche und ungewöhnliche Gaben begleiteten häufig die an Johann Wolfgang von Goethe adressierten Briefe. Rund 20.000 Sendungen von über 3.500 Adressaten sind überliefert. Eine Auswahl präsentiert das Goethe- und Schiller-Archiv vom 19. Januar bis 22. Juli 2018 in der Ausstellung »Allerlei Mitgeschicktes. Briefe an Goethe und ihre Beilagen«. Die Sendungen in der Schau spiegeln Goethes vielfältige Interessensgebiete auf sehr persönliche Weise wider. Als unermüdlicher Sammler erwarb er unter anderem Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, forderte Gestein von der Hohen Tanne bei Ilmenau an oder bat Wilhelm von Humboldt um Handschriften historischer Persönlichkeiten und berühmter Zeitgenossen. Für den Schriftsteller Goethe ist ein Privileg Preußens gegen den Nachdruck seiner »Ausgabe letzter Hand« ausgestellt, dem schließlich sogar ein Schreiben von König Friedrich Wilhelm III. folgte. Urkunden, Gedichte, Medaillons, Handzeichnungen und Gemälde erreichten Goethe aber oftmals auch ungefragt als Geschenke und Ehrengaben. 1824 erhielt er das Modell eines Goethe-Denkmals für seine Vaterstadt Frankfurt am Main, das Bettina von Arnim entworfen hatte. Daneben finden sich einige sehr intime Sendungen, wie ein Gutachten über den Gesundheitszustand des 56-jährigen Goethe oder die Silhouette einer schottischen Verehrerin nebst Haarlocke. Kuriositäten bilden den Abschluss. So erhielt der Dichter unter anderem zwei Faschingsorden aus Dülken und ein kleines Stück Kosaken-Brot, gebacken 1818 im russischen Kasan. Die Briefe an den Dichter, das Mitgeschickte und die damit verbundenen Geschichten zeichnen ein sehr lebendiges und in Aspekten bislang unbekanntes Bild Goethes und seiner Zeit.

Zu sehen bis 22. Juli 2018 // Kuratorenführung 13. Juni, 16 Uhr