Ausstellungen

TIME! Hartwig Ebersbach

11. November 2017 bis 18. Februar 2018 in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum

Hartwig Ebersbach erhält den Max-Pechstein-Ehrenpreis seiner Geburtsstadt Zwickau. In der Preisträgerausstellung stellt der in Leipzig lebende und arbeitende Künstler neue Arbeiten unter dem Titel „TIME“ vor.
Die wilde, expressive Malerei, die sich bisweilen zu pastosen und energischen Materialschlachten steigern kann, wurde schon früh zu Ebersbachs Markenzeichen. Überregional und international bekannt wurde er vor allem  durch seine Kaspar-Bilder, die von unbändiger Fabulierlust und Experimentierfreude geprägt sind. Mittlerweile gehört das Werk von Hartwig Ebersbach, der 1940 in Zwickau geboren wurde und Anfang der 1960-er Jahre bei Bernhard Heisig an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, zu den wichtigsten und eigenständigsten Positionen innerhalb der deutschen Malerei. Ebersbach beschäftigt sich mit Mythen und Sagen und reagiert künstlerisch auf seine Erlebnisse wie Träume. Seine jüngsten Arbeiten thematisieren neben der eigenen Vergänglichkeit auch den globalen Umbruch und die Neuordnung der Gesellschaft. In einer krisengebeutelten Welt, in der das Gefühl der Sicherheit verlorengegangen zu sein scheint, rückt dabei eine frei zu interpretierende „Gottsuche“ ins Bild. Auch der ebenfalls in Zwickau geborenen Expressionist Max Pechstein (1881-1955) kennt diese Welt. Und so steht die nach der Erfahrung des Ersten Weltkrieges geschaffene Holzschnitt-Folge „Das Vater Unser“ von Pechstein Ebersbachs „Kaspar Kalligramm Gekreuzigter“ oder „Himmelfahrt“ nicht nur innerhalb der Sonderausstellung gegenüber, sondern begegnen sich nach zahlreichen gemeinsamen biografischen Berührungspunkten auch „H.E.“ und „M.P.“ in einer von Ebersbach geschaffenen Serie auf der Leinwand. It’s about „TIME“.
Die Sonderausstellung TIME! Hartwig Ebersbach umfasst neben den farbintensiven Gemälden Hartwig Ebersbachs  originale Grafiken von Max Pechstein und ist vom 11. November 2017 bis 18. Februar 2018 in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum zu sehen.

Abbildung:

Hartwig Ebersbach, TIME I, 2015, Öl auf Leinwand; Bildnachweis: Christoph Sandig, Leipzig, © VG Bild-Kunst, Bonn  


Muscheln, Schnecken und andere Mollusken in der Fotografie

Zu sehen bis Jahresende in der Kunsthalle Erfurt (Fischmarkt 7)

Die Gehäuse von Muscheln, Schnecken und anderen Weichtieren gehören zu den ersten Motiven in der Geschichte der Fotografie und haben bis heute nichts von ihrer Faszinationskraft verloren. Sie beeindrucken aufgrund ihrer Schönheit, skulpturalen Qualität und ihres mathematisch exakten Wachstums. Unbewegt und doch dem Naturreich entnommen, sind sie ideale Fotomotive und können mit unterschiedlichsten Bedeutungen aufgeladen werden. Aus verschiedenen Blickwinkeln – vom wissenschaftlich-dokumentarischen bis zum künstlerisch-ästhetischen – nähern sich die Fotografen dem Gegenstand. Erstmals widmet sich eine Ausstellung diesem Thema und erzählt zugleich die Geschichte des Mediums Fotografie von William Henry Fox Talbot über Edward Westons 1927 entstandene Foto-Ikone „Nautilus Shell“ bis zu Hans Hansen und David LaChapelle. Einen Schwerpunkt in der Ausstellung markiert das Schaffen Alfred Ehrhardts. Er hat sich über 40 Jahre lang intensiv mit Meeresschnecken und Muscheln auseinandergesetzt – als Fotograf und Dokumentarfilmer.
Die Ausstellung entstand auf Anregung und unter Federführung der Alfred Ehrhardt Stiftung Berlin und ist ein Kooperationsprojekt des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, der Alfred Ehrhardt Stiftung Berlin und der Kunsthalle Erfurt. Unser Dank gilt den über 30 leihgebenden Künstlerinnen und Künstlern, privaten und institutionellen Leihgeberinnen und Leihgebern im In- und Ausland.
Konzeption und Recherche: Roland Jaeger, Stefanie Odenthal, Christiane Stahl

Abbildung: Alfred Ehrhardt:  Gehäuse einer Nautilus pompilius Lam. um 1940


Es gibt nur ein Programm: Freiheit!

Kunstsammlung Jena zeigt: Kirchner, Nolde, Heckel, Schmidt-Rottluff, Amiet und Hodler. Zum 100. Todestag von Botho Graef Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafik

Anlässlich des 100. Todestages von Botho Graef ehrt die Kunstsammlung Jena diesen Freund der Künste und Künstler mit einer Ausstellung. Im Zentrum der Schau steht genau jene Kunst, für die er sich in besonderer Weise engagierte, der Expressionismus.

Die Liste der Künstler dieser Ausstellung orientiert sich vor allem an den Rezensionen, die Graef zwischen 1904 und 1917 regelmäßig in der Tagespresse veröffentlicht hat und in denen viele der bedeutendsten Künstler seiner Zeit dargestellt werden. Zum Kreis dieser Künstler gehören Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Otto Müller, Adolf Erbslöh, Cuno Amiet, Ferdinand Hodler und viele andere. Neben den Besprechungen jener Künstler, deren Bedeutung bereits vor dem Ersten Weltkrieg als gesichert gelten konnte, hat sich Graef immer wieder auch Künstlern gewidmet, die im Regionalen offen für Neues gewesen sind oder auch den Jüngsten, die stilistisch zu den noch Suchenden zählten. Aus diesem Umfeld sind für die Ausstellung beispielhaft Werke von Erich Kuithan, Helene Czapski-Holzman, Frida Mentz-Kessel, Charles Crodel und Christian Natter ausgewählt worden. Neben den bildenden Künstlern war Botho Graef auch der Literatur eng verbunden und mit Stefan George und Richard Dehmel befreundet, während Ernst Hardt, Karl Vollmöller und Hugo Hertwig von ihm unterstützt worden sind.

Eine Darstellung der herausragenden Persönlichkeit Botho Graefs mündet zwangsläufig in einem Panorama jener künstlerischen Kräfte, die sich am Vorabend des Ersten Weltkrieges thematisch und bildnerisch von tradierten Darstellungsformen verabschiedet und zu neuen, eigenen Ausdrucksmöglichkeiten gefunden hatten. Graef wirbt mit einfühlsamen, klug gesetzten Worten für das „Geheimnis echter Kunst, die uns überzeugt, oder wenn man will, uns überwältigt“ und er wird nicht müde in seinem Streben, die Menschen für die Bilder der Expressionisten zu gewinnen. Vieles von dem, was Kirchner, Nolde, Heckel oder Schmidt-Rottluff ausgestellt haben, war für die Betrachter so neu und fremd, dass der Rezensent Botho Graef in der Beschreibung ähnlich kreativ sein musste, wie das die Künstler in ihren Werken waren. Sein Ziel war die Vermittlung, die Anerkenntnis dessen, was er als neu und wegweisend erkannt hatte. Für Graef sind die Expressionisten jene „starken und tapferen Naturen, die das Wagnis lieben“ und die „Augenerlebnisse aus der Wirklichkeit“ – so gegenläufig diese auch sein mögen – in einer neuen, ungeahnten Harmonie vereinen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Werke jener Künstler, die wir heute als Expressionisten kennen und schätzen. Zugleich soll mit der Fixierung auf Botho Graef nicht nur ein Wortführer und Kämpfer der Avantgarde gewürdigt werden, sondern auch der Mikrokosmos einer aufstrebenden Universitätsstadt dargestellt werden. Der Sammelpunkt dieser Initiativen war der frühere Jenaer Kunstverein, der bis zum Ende der 1920er-Jahre auf Augenhöhe mit vergleichbaren Vereinen und Galerien in weit größeren Städten gearbeitet hat. Der Kunstverein – und auch die „Gesellschaft der Kunstfreunde von Jena und Weimar“ – waren inspirierende Plattformen für Begegnungen, die in die Bürgerschaft hineinreichten und zu jenen Ausstellungen und Erwerbungen geführt haben, mit denen Jena die Geschichte der neueren Kunst mitschreiben konnte.

In seiner Besprechung der Ausstellung „Neue Secession Berlin“ schreibt Botho Graef im Sommer 1911: „Wie wäre es, wenn das freie und stolze Jena sich eine Sammlung für die Entwicklung der Kunst wirklich bezeichnender Werke anlegte. Eine reiche Auswahl wird uns jetzt dauernd geboten: wenn rechtzeitig zugegriffen wird, kann man mit geringen Mitteln eine Sammlung zusammenbringen, auf die spätere Geschlechter mit Hochgefühl blicken werden. Sollten wirklich dafür die Mittel nicht aufgebracht werden können?“ Dieser Einwurf Graefs wird 1913 mit der ersten Erwerbung für eine „Sammlung moderner Kunst“ Wirklichkeit und mündet nur wenige Monate später in der Gründung einer Galerie. Die bedeutendste Schenkung erhält die Sammlung 1918 mit 260 grafischen Arbeiten von Ernst Ludwig Kirchner, die dieser im Gedenken an seinen verstorbenen Freund als Botho-Graef-Stiftung nach Jena schickt, um dessen Wirken dauerhaft und angemessen zu ehren.

Zu sehen bis 19. November

Abbildung: Ernst Ludwig Kirchner: Garten Graef in Jena

©Kunstsammlungen Chemnitz, Dauerleihgabe Sammlung Claus Hüppe


„Barkas, Simson, Moccadolly” im MAK Gera

Fahrzeug- und Produktdesign, Grafik und Kunstobjekte von Formgestalter Lutz Rudolph (1936-2011) werden bis 26. November präsentiert

Eine neue Ausstellung „Barkas, Simson, Moccadolly” mit Arbeiten des Formgestalters Lutz Rudolph (1936 bis 2011) präsentiert das Museum für Angewandte Kunst Gera bis 26. November. Lutz Rudolph (1936-2011) gehörte seit Beginn der 1960er Jahre zu den Formgestaltern in der DDR, die Maßstäbe auf dem Gebiet des Produktdesigns setzten. Seine Entwürfe für die Fahrzeug- und Elektroindustrie orientierten sich nicht an modischen Trends. Vielmehr verstanden sie sich als in der Tradition des Bauhauses stehende moderne Formen. Durch ihre Zeitlosigkeit sollten sie lange Zeit Bestand haben. Seine 1961 entworfene Stehleuchte „Typ 8428 Kontrast“ ist ein Designklassiker aus Ostdeutschland. Zusammen mit seinem Künstlerfreund, dem Chemnitzer Formgestalter Karl Clauss Dietel (geb. 1934), entwickelte er eine eigene funktionale Ästhetik, die als „Das offene Prinzip“ Designgeschichte geschrieben hat. Diese funktionale Ästhetik wird in Rundfunkgeräten der Firma HELI-Radio und den Mopedserien Simson S 50/51 sichtbar. Lutz Rudolphs Ideen waren dem Zeitgeschmack oft weit voraus. Viele Designentwürfe für die ostdeutschen Fahrzeugmarken Wartburg, Trabant und Barkas trafen in den Entwicklungsabteilungen der Automobilwerke auf großes Interesse. Der neue Barkas B 1100 lief bereits im Probebetrieb, als das Projekt aus wirtschaftspolitischen Gründen staatlicherseits gestoppt wurde und für immer in der Schublade verschwand. Lutz Rudolph beschäftigte sich auch mit Selbstmontagemöbeln, Kunst am Bau und Corporate Design.
Im vergangenen Jahr wäre der in Gera geborene Formgestalter 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeigt das Museum für Angewandte Kunst Gera eine Retrospektive zu seinem Gesamtwerk. In der Ausstellung werden die wichtigsten Stationen seines Wirkens anhand von originalen Objekten, Zeichnungen, Fotos sowie Zeitzeugnissen künstlerischer Weggefährten vorgestellt, darunter Automodelle und Motorroller, die nie in die Serien-produktion gelangten. Die Leihgaben kommen von Institutionen, wie der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, von Museen und privaten Leihgebern.
Kuratorin Doris Weilandt (Foto) hat in Vorbereitung der Ausstellung auf ihrer intensiven Recherche viele Spuren verfolgt und mit Künstlerfreunden und Konstrukteuren von Simson, Barkas und HELI-Radio gesprochen. Zusammen mit bisher unveröffentlichten Dokumenten aus Archiven entsteht das Bild eines äußerst kreativen Gestalters, der viele seiner Ideen realisieren konnte. Mit einigen Entwürfen, vor allem für den Automobilbau, scheiterte Lutz Rudolph an den politischen Verhältnissen der 1970er und 1980er Jahre. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der in Beiträgen und Interviews verschiedene Facetten seines Lebens darstellt.
Im Foyerbereich wird die Installation „Folge der Generationen“ der Berliner Künstler Ania Rudolph und Rainer Görß gezeigt, die einen tiefen Einblick in das Leben und Wirken der Geraer Künstlerfamilie Rudolph vermittelt.
Ausstellungsort: Museum für Angewandte Kunst Gera, Greizer Str. 37, 07445 Gera
Telefon: 0365/838 1430, www.gera.de
Öffentliche Führungen: 8.10., 22.10., 12.11. und 26.11. 2017, jeweils 14 Uhr Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 12 – 17 Uhr

Foto: Stadtverwaltung Gera, Steffen Weiß


Vollkommen neuer Blick auf Dauerausstellungen

Altenburger Trialog. Ein Gastspiel junger Kunst in drei Museen

Kunst der Gegenwart trifft auf teils mehrere Jahrhunderte alte Museumsexponate. Mit dem „Altenburger Trialog“ wird ein solches Ausstellungsformat nun erstmals in Altenburg umgesetzt und so ein vollkommen neuer Blick auf die Dauerausstellungen dreier Museen eröffnet; kuratiert von Michael Merkel (Künstler, Dresden und Weimar) und Sophie Thorak (wissenschaftliche Volontärin des Lindenau-Museums Altenburg). In den unmittelbar benachbarten Museen des Schlossparks – dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Naturkundemuseum Mauritianum und dem Schloss- und Spielkartenmuseum – werden aktuelle Arbeiten von zehn jungen Künstlerinnen und Künstlern präsentiert. Ihnen allen ist gemein, dass sie Studierende oder Absolventinnen und Absolventen der Bauhaus-Universität Weimar sind. Sie beteiligen sich an diesem Ausstellungsprojekt mit einem oder mehreren Werken, die ausgewählten Objekten und Objektgruppen der Sammlungspräsentationen gegenübergestellt werden. Die gezeigten Werke und Werkgruppen spiegeln in ihrer Materialität und technischen Umsetzung die vielfältigen Formen der künstlerischen Ausbildung an der Bauhaus-Universität Weimar wider, die sich durch eine gattungsübergreifende Offenheit zum Design, der Architektur, traditionellen Handwerken und den digitalen Medien auszeichnet. Insgesamt gibt es achtzehn Trialog-Stationen, von denen neun im Lindenau-Museum und fünf im Mauritianum in den Räumen der Dauerausstellungen beider Ausstellungsetagen situiert sind. Vier weitere sind im 3. Obergeschoss des Schloss- und Spielkartenmuseums – vornehmlich in den ehemals herzoglichen Wohnräumen – installiert. Damit handelt es sich nicht um eine Sonderausstellung im konventionellen Sinn, da eine solche für gewöhnlich als geschlossene Präsentation in eigens für sie vorgesehenen Räumen eingerichtet wird. Der „Altenburger Trialog“ findet mitten in den Museumssammlungen statt.

Die zeitgenössischen Arbeiten reflektieren gesellschaftliche Phänomene und Problematiken und verhandeln existenzielle, überzeitliche Themen. Hierbei lassen sich häufig Bezüge zur inhaltlichen und historischen Beschaffenheit der musealen Objekte herstellen. Nicht selten entfaltet sich an diesen Gegenüberstellungen daher auf einmalige Weise die gegenwärtige Bedeutung der Museumsexponate.

Zu sehen bis 29. Oktober. Zur Ausstellung gibt es eine Begleitpublikation (96 S., 10 €).

So 22. Oktober, 10 Uhr: Familienführung Lindenau-Museum 

So 29. Oktober, 14 Uhr: Gesamtrundgang mit beteiligten KünstlerInnen  (Treffpunkt: Foyer Lindenau-Museum)

Abbildung: Saori Kaneko „Maschinenglauben II“, 2017, Uhrenteile, Silikon, Glas, Holz, 45 x 23 cm I Bezugsobjekt für Saori Kanekos Arbeit ist  eine Landschaftsuhr eines unbekannten Künstlers, Uhrwerk Jakob Mayr, Augsburg, 1712

© Saori Kaneko, Foto: Richard Welz


Neue Galerie in der Geraer Häselburg zeigt Werke von Barbara Toch

Mit einer Ausstellung  der renommierten Geraer Künstlerin Barbara Toch unter dem Titel MATRIX öffnete die Galerie der Häselburg in Gera erstmals ihre Türen. Die Ausstellung ist der Beginn einer Serie mit herausragender zeitgenössischer Kunst aus Thüringen. Barbara Toch gehört zu den interessantesten Künstlerinnen Thüringens. Ihre Werke sind durch die geheimnisvolle Verbindung von Gegenständlichem und Abstrakten, von Altem und Neuen, Realem und Fiktiven gekennzeichnet und entführen die BetrachterInnen in imaginäre Bildwelten, die unsere Wirklichkeit auf abstrakte Art und Weise ästhetisch abbilden. Zeichnerisch elegant, malerisch virtuos und technisch perfekt entstehen illusionistische Räume, die die Unendlichkeit digitaler Welten ebenso reflektieren wie sie auf die Alten Meister rekurrieren. Trotz malerischer Abstraktion sieht man den Werken das handwerkliche Können der Künstlerin an, das sie in den 1970er Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig erwarb. In der Ausstellung soll erstmals ein ganz spezifisches Oeuvre ihrer Malerei, das sie in den letzten Jahrzehnten hinweg immer weiterentwickelte, ausgestellt werden. Es handelt sich dabei um jene Arbeiten, in denen die Linie als Strukturelement ihr eigenes malerisches Sein entfaltet. Bereits 1998 entstanden erste Arbeiten, die man diesem Werkzyklus zuordnen kann. Die Linenvernetzungen, Strukturen und Wirbel tauchen seitdem in immer neuen Konstellationen in ihren Arbeiten auf und bilden ganz eigene Inseln in einem endlosen Bildraum. Wie ein Knäuel ballen sich manche ihrer Gebilde zusammen oder verdichten sich zu architektonischen Konstruktionen, wirbeln umher oder verdichten sich zu Stadtlandschaften.


Retrospektive des HANT-Magazin für Fotografie

Ausstellung „SO WEIT, SO GUT – 20 junge fotografische Positionen“ in der Kunsthalle Erfurt vom 13. Oktober bis zum 30. Dezember 2017

5 Jahre und 10 Ausgaben HANT – Magazin für Fotografie, 20 Künstler*Innen. Eine Ausstellung in zwei Zyklen. So weit, so gut.
Und so lautet auch der Titel der Retrospektive des HANT-Magazin für Fotografie, die vom 13. Oktober bis zum 30. Dezember 2017 in der Kunsthalle Erfurt zu sehen sein wird.
Seit knapp fünf Jahren publiziert das HANT-Magazin für Fotografie junge Thüringer sowie international etablierte Fotograf*Innen und Autor*Innen. Anlässlich der 10. Jubiläumsausgabe, die im November 2017 erscheint, wird im Rahmen einer Sonderausstellung in der Kunsthalle Erfurt, ein Rückblick mit Künstler*Innen aus allen zehn Ausgaben präsentiert.
„SO WEIT, SO GUT – 20 junge fotografische Positionen“ versammelt im Zeitraum vom 13.10. bis zum 30.12.2017 Werke der bis dato im Magazin veröffentlichten Fotograf*innen und bietet ihnen eine neue Plattform zur Wahrnehmung, Etablierung und des weiteren Austausches. Die Ausstellung wird sich in zwei Zyklen teilen.
Die Schwerpunkte der Ausstellung liegen dabei auf den Themen Politik und Maskerade, Rollenbilder und Religion, Konsum und Warenfetisch, Territorien und Vertreibung, Architektur und Straße. Das breite Themenspektrum, das für sich genommen bereits eine Vielzahl an gesellschaftlichen Aspekten reflektiert und kritisch hinterfragt, bildet eine Zusammenfassung der oft spielerischen und doch mit Ernsthaftigkeit gewählten Themen des HANT-Magazins.
Geführte Rundgänge durch die Ausstellung werden am 24. Oktober sowie am 07. November jeweils um 17 Uhr angeboten. Ein Künstlergespräch mit Ausstellenden des ersten Zyklus findet am 02. November um 19 Uhr statt.

Abbildung:
"Ritta" aus der Serie "ICON" von Evelyn Bencicova


Kunstmuseen Erfurt präsentieren: Siegfried Körber. Elementares

Aquarelle und Zeichnungen / Bis 26. November 2017 im Schlossmuseum Molsdorf

Frankreich, Italien, Ungarn - Professor Siegfried Körber hat in seinem Leben viel gesehen. Seine Lehr- und Wanderjahre verbrachte der 1937 geborene in Dresden, Berlin und Prag. Nach Studien an der Fachschule für Angewandte Kunst in Potsdam, Pädagogikstudium an der Hochschule in Erfurt und Universität Leipzig, und Grafikstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Dr. Theo Richter wirke er vierzig Jahre lang als Hochschullehrer in Erfurt.
Nach der Wende zog es ihn wieder in die europäische Ferne. 1993 war er u.a. Gastkünstler im Beckmann-Atelier der Villa Romana in Florenz.
Heute lebt der bildende Künstler  in dem verträumten Thüringer Ort Hohenfelden und ist seit 2011 Mitglied der sehr präsenten lokalen Künstlergruppe Hohenfelden. Sein Schaffen ist eng mit den älteren Thüringer Landschaftsmalern wie Otto Paetz (1914-2006) und Otto Knöpfer (1911-1993) verbunden – er aktualisiert deren künstlerische Perspektiven auf Natur und Landschaft und bevorzugt wie seine Vorgänger die unmittelbare Begegnung mit der Landschaft en pleinair. Dabei schuf er jedoch kaum Gemälde, sondern kultivierte die Techniken der Kreidezeichnung und des Aquarells. Die künstlerischen Traditionslinien fortschreibend, begibt sich auch Siegfried Körber seit Jahrzehnten hinaus in die freie Natur. Die möglichst unmittelbare Erfahrung ihrer Kräfte und flüchtigen Erscheinungen „en plein air“ ist bis heute ein zentraler Antriebspunkt seiner Produktivität geblieben.
Anlässlich des 80. Geburtstages von Siegfried Körber würdigt die Ausstellung der Kunstmuseen Erfurt im Schloss Molsdorf "Elementares" seine unermüdliche Kreativität.
Die Ausstellung präsentiert bis zum 26. November Zeichnungen und Aquarelle.


Johannes Grützke: "Kunst ist nicht modern, sondern immer!"

Zu sehen bis 14. Januar 2018 im Museum Gunzenhauser in Chemitz

Zum zehnjährigen Jubiläum des Museums Gunzenhauser zeigen die Kunstsammlungen Chemnitz vom 1. Oktober 2017 bis zum 14. Januar 2018 eine Sonderausstellung mit Werken des Berliner Künstlers Johannes Grützke (1937–2017). Erstmals widmet das Museum Gunzenhauser damit einem einzelnen zeitgenössischen Künstler eine große monografische Schau, in der etwa 200 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Plakate und plastische Arbeiten zu sehen sind. Die umfassende Präsentation des eigenen Bestandes mit Hauptwerken wie „Die Erziehung Alexanders“ (1978) und „Faunsbesuch“ (1982) wird durch ausgewählte Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen ergänzt.
Der im Mai 2017 kurz vor seinem 80. Geburtstag verstorbene Johannes Grützke war ein enger Freund des Galeristen und Sammlers Alfred Gunzenhauser (1926–2015) und wurde über mehr als drei Jahrzehnte von dessen Münchner Galerie vertreten. Der langen Freundschaft und Zusammenarbeit beider verdankt das Museum Gunzenhauser heute eines der umfangreichsten Konvolute von Werken eines zeitgenössischen Künstlers im eigenen Sammlungsbestand. Als erste große retrospektive Ausstellung nach dem Tod Grützkes ist die Schau mit seinem wohl bekanntesten Zitat überschrieben: „Kunst ist nicht modern, sondern immer!“ Wie ein Credo setzte er es unverdrossen den nicht immer einfachen Umständen seiner Rezeption als Künstler entgegen – wenn er mit allgemeinen Vorbehalten gegenüber der modernen und zeitgenössischen Kunst konfrontiert wurde, aber auch, wenn er manchem seiner Zeitgenossen nicht modern genug erschien. Mit seinem drastischen Realismus voller Ironie und Zuspitzung stand er im Widerspruch zur abstrakten Moderne, die seit den frühen 1950er-Jahren die Kunst in der Bundesrepublik Deutschland dominierte. 1973 gründete er mit seinen Weggefährten die „Schule der Neuen Prächtigkeit“ und griff hier in ironischer Brechung das klassische Genre der Historienmalerei auf. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang sein 1991 vollendeter monumentaler Wandfries für die Frankfurter Paulskirche mit einer Darstellung der ersten Nationalversammlung von 1848. In der Ausstellung zeigen zahlreiche Werke beispielhaft Grützkes historische Bezugnahmen: von der antiken Mythologie über die Sagenwelt des Mittelalters bis hinein in das 20. Jahrhundert mit seinen visionären Gesellschaftsentwürfen, aber auch den Katastrophen der Kriege und totalitären Regime. Hinzu kommen viele kulturgeschichtliche Bezüge in Gemälden wie „Bach, von seinen Kindern gestört“ (1975) oder Motiven der Grafikserie „Musik“ (2014). In ihnen spiegelt sich Grützkes musikalische Passion, der er neben der Malerei aktiv über Jahrzehnte in dem bereits 1965 gegründeten, der Fluxus-Bewegung nahestehenden Ensemble „Die Erlebnisgeiger“ nachging.
Neben Grützkes moderner Wiederbelebung des historischen Genres steht auch sein vielfältiges Wirken als Porträtist im Mittelpunkt der Ausstellung. Bildnisse des Museumsstifters Alfred Gunzenhauser und von dessen Mutter Maria werden ebenso gezeigt wie Darstellungen von zeitgenössischen Schauspielern, Verwandten, Freunden und Künstlerkollegen. Besonders auffällig aber ist die große Zahl der ausgestellten Selbstbildnisse. Sie reichen von grimassierenden Porträts bis hin zu freizügigen Aktdarstellungen, in denen der Künstler selbst zum ersten Objekt seiner fast obsessiven, aber auch schonungslos offenen und selbstironischen Beobachtungs- und Darstellungsfreude geworden ist.


Gerhard Marcks und sein Freundeskreis

Weimarer Auftakt zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum zeigt bis 5. November ungewöhnliche Positionen im und nach dem Bauhaus

Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) gehörte 1919 zu den ersten Lehrern am Bauhaus in Weimar und trat dort wie kaum ein zweiter Künstler für die Erneuerung aller Künste durch das Handwerk ein. Um Marcks bildete sich ein Netzwerk treuer Mitstreiter, die dieses künstlerische Selbstverständnis über Schulen und Gemeinschaften bis weit über Europa hinaus verbreiteten. Unter dem Titel »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« präsentiert die Klassik Stiftung Weimar bis 5. November 2017 gemeinsam mit dem Gerhard-Marcks-Haus in Bremen erstmals eine umfassende Ausstellung zu diesem einzigartigen Künstlerkreis. Sie eröffnet damit einen neuen Blick auf ein Bauhaus jenseits von Industrie und Typisierung.
»Wir zeigen Gerhard Marcks nicht von ungefähr als ersten großen Beitrag Weimars im Hinblick auf das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses 2019«, betont Wolfgang Holler, Generaldirektor Museen der Klassik Stiftung Weimar. »Nach dem Zweiten Weltkrieg war die erste von den Kunstsammlungen zu Weimar veranstaltete Bauhaus-Ausstellung 1958 in der Kunsthalle am Theaterplatz, dem jetzigen Bauhaus-Museum, Gerhard Marcks gewidmet. Nun präsentiert die Klassik Stiftung in ihrer letzten großen Bauhaus-Ausstellung vor der Eröffnung des neuen Bauhaus-Museums diesen außerordentlichen Künstler.« Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen, unterstreicht: »Es ist wichtig, Marcks in diesem Kontext zu sehen. Man kennt ihn als figürlichen Bildhauer und die wenigsten verstehen den Bezug zum Bauhaus.«
Gerhard Marcks zählte neben Ernst Barlach, Georg Kolbe und Wilhelm Lehmbruck zu den bedeutendsten figürlich arbeitenden Bildhauern in Deutschland. 1919 von Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus Weimar berufen, leitete er als Formmeister von 1920 bis 1924 die Keramikwerkstatt in Dornburg. Mit seinen Schülerinnen und Schülern, wie der Keramikerin Marguerite Friedlaender-Wildenhain (1896–1985), dem Silberschmied Wolfgang Tümpel (1903–1978) oder dem Maler Johannes Driesch (1901–1930), suchte Marcks nach einer Synthese von Keramik, Plastik und Malerei, um die getrennten Sphären der Kunst und des Lebens zu versöhnen. Die einsetzende Ausrichtung des Bauhauses auf die Herstellung von Prototypen für die industrielle Produktion lehnten Marcks und sein Kreis als Anhänger des traditionellen handwerklichen Ethos ab und nahmen den Umzug des Bauhauses nach Dessau zum Anlass, eigene Wege zu gehen.
Mit über 200 hochkarätigen Exponaten, darunter Skulpturen, Zeichnungen, Gemälden und Keramiken, zeichnet die Ausstellung die gemeinsamen Anfangsjahre in Dornburg nach, begleitet die Künstler und ihren fruchtbaren Ideenaustausch nach der Bauhauszeit und über die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft hinweg bis in die USA. Höhepunkte sind insbesondere die »Abstrakte Figur« von Oskar Schlemmer, das Relief »Frau und Säugling« von Gerhard Marcks sowie Keramiken von Marguerite Friedlaender-Wildenhain aus Kalifornien und Metallobjekte von Wolfgang Tümpel.
Essentiell für die Konzeption der Ausstellung waren die Forschungsergebnisse des DFG-Projekts »Bewegte Netze. Bauhaus-Angehörige und ihre Beziehungsnetzwerke in den 1930er- und 1940er-Jahren« der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und der Universität Erfurt. Eine in diesem Rahmen entstandene interaktive Medienstation sowie fotografische und filmische Dokumentationen machen den künstlerischen Ideentransfer des Freundeskreises bis zu Marcks‘ Tod 1981 greifbar.
Ein umfassendes Rahmen- und Vermittlungsprogramm flankiert die Schau. Unter anderem führen Künstler, Kunsthistoriker und Handwerker die Besucher in drei dialogischen Gesprächsrundgängen durch die Ausstellung. Für die ganze Familie bietet das »Formlabor« Gelegenheit, ausgehend von den Exponaten eigene Kannen, Becher und Vasen zu entwerfen.
Das Formlabor in Weimar ist ein Projekt des Programms Bauhaus Agenten – eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes und der Klassik Stiftung Weimar / bauhaus museum weimar, der Stiftung Bauhaus Dessau und des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin.
Die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, den Freistaat Thüringen, die Art Mentor Foundation Lucerne, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Sparkasse Mittelthüringen.
Nach Ende ihrer Weimarer Laufzeit ist die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« vom 26. November 2017 bis 4. März 2018 im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen zu sehen.

»Wege aus dem Bauhaus.
Gerhard Marcks und sein Freundeskreis«
Zu sehen bis 5. November 2017
Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5 ||99423 Weimar
Di, Mi 10–18 Uhr | Do 12–20 Uhr | Fr–So 10–18 Uhr
www.klassik-stiftung.de/marcks

Abbildung: Gerhard Marcks in seinem Berliner Atelier in Nikolasee, 1939-1942, Fotograf unbekannt, Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen, © VG Bild-Kunst Bonn, 2017


Herbstausstellung des Kunsthauses Meyenburg

165 Gemälde und Grafiken zum Thema Zirkus bis 12. November in Nordhausen zu sehen

Die Herbstausstellung des Kunsthauses Meyenburg wird international! Unter dem Titel „So ein Zirkus!“ präsentiert die Ausstellung 165 Gemälde und Grafiken zum Thema Zirkus. Dieses Thema fasziniert seit Jahrhunderten Jung und Alt und löst Erwartungen, Vorfreude oder Neugier aus. Es hat unzählige Künstler zu außergewöhnlichen Kunstwerken inspiriert. Motive rund um die Manege, Clowns, Akrobaten, Seiltänzerinnen oder Zirkustiere veranlassten Künstler wie Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall, Erich Heckel, Paul Klee oder Max Beckmann zu ihren Werken.
In der eigens für das Kunsthaus Meyenburg konzipierten Ausstellung werden Werke von Künstlern aus drei Jahrhunderten gezeigt, die mit dieser ungewöhnlichen thematischen Ausrichtung auch einen Querschnitt durch die Kunstgeschichte ermöglicht. Neben den Werken der erwähnten Künstler werden auch die Arbeiten von Ernst Hassebrauk, Oskar Kokoschka, Christian Rohlfs, Heinrich Zille oder Joseph Hegenbarth zeigen, mit welchen stilistischen Mitteln und unterschiedlichen künstlerischen Handschriften die verschiedenen Künstler die Motive der Zirkuswelt umgesetzt haben.

 


WILDER: Skulpturen von Daniela Schönemann (Halle)

Zu sehen vom 20. Oktober bis 25. November, Jena, Galerie Huber & Treff (Charlottenstraße 19)

Der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau schreibt 1862 in seinem letzten Essay „Walking“ : „Leben ist Wildheit. Am lebendigsten ist der Wildeste.“ Wildnis ist der notwendige Gegenpol zur ordnenden Kultur. Die Wildnis ist zugleich Sehnsuchts- und Schreckensort des Zivilisierten. In der Wildnis hofft der Mensch sich selbst und Inspiration für sein Tun zu finden. Seit mehreren Jahren wächst die Figurengruppe “Wild” der jungen Hallenser Künstlerin Daniela Schönemann. Die meist kleinformatigen Holzskulpturen scheinen unbekannten Geschichten entsprungen. Mit phantastischen Mischwesen und unerhörten Deformationen schickt die Künstlerin den Betrachter auf eine humorvolle Entdeckungsreise in innere und äußere Wildnis. Es wird wilder.
Foto: Tobias Jeschke


16. Erfurter Schmucksymposium: RE/FORMATION

Bis 29. Oktober 2017 Ausstellung in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken in Erfurt

Das Erfurter Schmucksymposium – kurz ESS – fand seit 1984 alle zwei Jahre statt. Nach dem 30-jährigen Jubiläum im Jahr 2014 wurde (auch aufgrund einer Neuausrichtung und der bisherigen Parallelität mit der artthuer – Kunstmesse Thüringen) eine dreijährige Pause beschlossen, um nun im Jahr 2017 das Symposium in guter Tradition und mit neuem Esprit fortzusetzen.
Im Mittelpunkt des Symposiums steht die gemeinsame Arbeit und das Entwickeln neuer Projekte. Die Ergebnisse des 14-tägigen Arbeitsaufenthaltes von zehn Künstlerinnen und Künstlern in den Künstlerwerkstätten der Stadt Erfurt – hier gibt es neben Schmuckarbeitsplätzen und einer geräumigen Werkstatt die Möglichkeit zum großformatigen Emaillieren – werden im Anschluss in einer Ausstellung präsentiert.
Die international zusammengesetzte Gruppe, zu der auch immer der*die vorherige Erfurter Stadtgoldschmied*in zählt, zeigt zeitgenössische Schmuckkunst zum Thema RE/FORMATION. Ausgehend von dem 500-jährigen Jubiläum der christlichen Erneuerungsbewegung unter Martin Luther setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums damit auseinander, was dieser Begriff heute für sie bedeutet. Zu erwarten sind zehn unterschiedliche persönliche Positionen des Reformgedankens, unter anderem in Form von fertigen Werkstücken, Arbeitsproben, Skizzen und Dokumentationen von Prozessen.
Die Zusammenstellung der Teilnehmenden wurde wie immer von der Projektgruppe unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien vorgenommen. Das Symposium kann für die Künstler*innen eine wichtige Station in ihrer Vita bedeuten. Es versteht sich u. a. als Plattform für Erfahrungsaustausch, Kontaktbörse und als Starthilfe für junge Künstler*innen. Es bezieht Künstler*innen vom Rand Europas mit ein, die in der internationalen Szene eher weniger Beachtung finden aber viel zu sagen haben. So treffen 2017 in Erfurt fünf verschiedene Nationalitäten aufeinander, erfahrene Schmuckmacher*innen auf Junge, Kunst auf Design, Mode auf Handwerk und Alltag auf Besonderes. Aus der Arbeit am anderen Ort und dem Erfahrungsaustausch in gleichberechtigter Vielfalt wird kreative Kraft geschöpft.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer/Participants of the symposium
1.  Eunmi Chun, Südkorea/South Korea - jewellery
2.  Bettina Dittlmann, Deutschland/Germany - jewellery
3.  Bernhard Elsässer, Deutschland/Germany - design lab | conceptual fashion
4.  Anne Lengnink, Deutschland/Germany - jewellery
5.  Selen Özus, Türkei/Turkey - jewellery
6.  Mandy Rasch, Deutschland/Germany - jewellery
7.  Karola Torkos, Deutschland/Germany - jewellery
8.  Martin Verner, Tschechien/Czechia - jewellery
9.  Maria Militsi, Griechenland/Greece/Großbritannien/UK - jewellery
10. Monique Weinert, Deutschland/Germany – blog writing
Das ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUM bietet den teilnehmenden Gästen und dem interessierten Publikum zahlreiche Möglichkeiten der Anregung und Begegnung. Für die Künstler*innen werden Exkursionen organisiert, die eine Vertiefung in das Thema der Reformation ermöglichen. Hier bieten sich zahlreiche Ziele in Erfurt und Mitteldeutschland an.
Zu verschiedenen Veranstaltungen (siehe Programm) und an einem Tag der offenen Tür laden wir alle Bürger*innen in die Werkstätten ein. Interessierte Künstler*innen aus der Region, Vertreter der Presse und anderer Medien werden immer gern zum Austausch empfangen.
Den wissenschaftlichen Abschluss des 14-tägigen Symposiums bietet ein Kolloquium, das am Nachmittag vor der Ausstellungseröffnung in der Begegnungsstätte kleine Synagoge stattfindet. Die Ausstellung der Arbeitsergebnisse ist dann in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken in Erfurt zu sehen. Sie wird von allen Symposiumsteilnehmer*innen gemeinsam entwickelt und aufgebaut, jedoch vom Projektteam kuratiert. Spannende, ungewöhnliche Präsentationen sind zu erwarten und ausdrücklich gewünscht, bietet doch das ESS explizit den Ort für künstlerische Arbeit frei von kommerziellen Zwängen.
Erstmals gibt es eine Kooperation mit dem internationalen Schmucksymposium im Tschechischen Turnov und dem dortigen Veranstalter, dem Museum des Böhmischen Paradieses. Es findet ein Austausch der Arbeitsergebnisse beider Symposien statt. Ab dem 09.09.2017 sind also Schmuckstücke von zehn weiteren internationalen namhaften Künstlerinnen und Künstlern im Krönbacken zu sehen. Die Gäste sind: Violeta Adomityté (LT), David Bielander (CH/DE), Helen Britton (AU/DE), Veronika Gocová (CZ), Jorge Manilla (MX/BE), Martin Pouzar (CZ), Philip Sajet (NL/DE), Edu Tarín (ES), Marcela Steffanová (CZ), Petra Zimmermann (AT)
Im Jahr 2018 wird die Projektgruppe des ESS mit den Ergebnissen vom September 2017 nach Turnov reisen. Dort wird eine gemeinsame Ausstellung mit dem Turnov Symposium 2018 stattfinden.
2017 wird das Schmucksymposium zum ersten Mal von einem Internet-Blog begleitet. Die Bloggerin Monique Weinert aus Erfurt ist Teil der Gruppe und wird tagaktuelle Beiträge erstellen. Unter der Adresse www.erfurterschmucksymposiumblog.wordpress.com kann gelesen werden, wie sie das Geschehen in den Künstlerwerkstätten erlebt.
Außerdem wird die vorhandene Website www.erfurter-schmucksymposium.de weiter betreut und aktualisiert sowie die Facebook-Präsenz www.facebook.com/ErfurterSchmucksymposium aufrechterhalten.

Abbildung: Blick ins Atelier