Ausstellungen

Aktuelles Design aus Thüringen im Bauhausjahr

Gera: Sonderausstellung im Museum für Angewandte Kunst bis 23. Februar 2020
Design Thüringen Ausstellung Gera

Die Begriffe DESIGN und BAUHAUS sind in diesem Jahr allgegenwärtig – nicht zuletzt in Thüringen, wo 1919 das Staatliche Bauhaus Weimar gegründet wurde. Das Museum für Angewandte Kunst in Gera nimmt gemeinsam mit dem Förderverein „Freunde des Ferberschen Hauses e.V.“ das Jubiläumsjahr zum Anlass, den Blick nicht nur in die Geschichte, sondern auch in die Gegenwart zu richten. Vom 26.10.2019 bis 23.2.2020 wird im Ferberschen Haus zeitgenössisches Produktdesign aus Thüringen in seiner ganzen Vielfalt zu erleben sein, von der Stricknadel zum Stereomikroskop, vom preisgekrönten Porzellanservice bis zu aktueller Mode und innovativer Textiltechnik. Vieles davon wurde mit nationalen und internationalen Auszeichnungen gewürdigt. Ein besonderer Exkurs gilt der Keramik: Auf diesem Gebiet wurde und wird bis heute in Thüringen Designgeschichte geschrieben und ausgewählte Exponate aus der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst sowie aus Privatsammlungen machen die Schnittstelle zwischen künstlerischem Entwurf und Typengestaltung für die Serienproduktion sichtbar.

In der Präsentation zeitgenössischen Designs geht die Ausstellung von den Funktionsbereichen der Produkte aus: Greifen und Begreifen, Optische Ereignisse, Lebensräume und Zeiträume sowie Bewegung, und sind in Designlösungen ganz unterschiedlicher Produktgruppen zu erleben. Als Hommage an die Design-Tradition in Thüringen korrespondieren in der Präsentation ausgewählte historische Exponate aus der Sammlung des Museums für Angewandt Kunst mit ihren Nachfolgern. Im Vergleich mit vor 100 Jahren entwickelter Formgestaltung wird der Weg zum Design unserer Tage sichtbar: Geht es immer noch vor allem darum, dass ein Gebrauchsgegenstand praktisch, haltbar, bezahlbar und schön ist?

Aktuelles Design bearbeitet komplexe Aufgabenstellungen und entwickelt Lösungen zwischen Konzept und Entwurf, zwischen Technik und Ästhetik. Diese Erfahrung vermittelt die Werkstatt in der Ausstellung mit einem Angebot von Workshops. Hier können die Besucher analog und digital mit Gestaltungstechniken und zukunftsweisenden Anwendungsbereichen des Designs experimentieren. Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen, Vorträgen und Diskussionsforen begleitet.

Siehe auch www.designausthueringen.com


SPITZEN DES ART DÈCO. Porzellan im Zackenstil

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in seiner legendären Art déco-Pfeilerhalle ab 9. November 2019 eine Ausstellung herausragender Porzellane des Art déco. Präsentiert werden rund 500 Exponate: Dosen, Gedecke, Vasen, Schalen und Figuren.
Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Extravagante Formen, überraschender Dekor und Farbenreichtum zeichnen die Produkte der Porzellanmanufakturen der 1920er und frühen 1930er Jahren aus. Dosen, Vasen und Gedecke pendeln zwischen Gebrauchsgegenstand und Zierstück. Die Gestaltung kennt kaum Grenzen: Die Abstraktion der Natur, arabesk-ornamentale Dekore, fernöstliche Einflüsse und strenge Geometrie durchdringen sich. Immer wieder begegnet der sogenannte Zackenstil mit seinen spitzwinkligen markanten Formen, der auch die Innenarchitektur der Pfeilerhalle des Grassimuseums geprägt hat. Zwischen den Vitrinenobjekten und dem Raum entsteht dadurch eine einzigartige Zwiesprache. Fast 500 Objekte aus kleinen und großen Manufakturen sind versammelt und bestechen durch ihre Vielgestaltigkeit. Vertreten sind unter anderem die Porzellanmanu- fakturen Rosenthal, Jäger & Co., Fraureuth, Hutschenreuther oder Ilse Pfeffer. In der qualitätsvollen Handbemalung der Stücke lässt sich die Liebe zum Detail und viel Fantasie erkennen. Besonders spannend sind die vielen unterschiedli- chen figürlichen Handhaben. So gibt es auf den Dosen wilde Tiere, Insekten, schöne Damen und vieles mehr zu entdecken.

Die Exponate der Ausstellung wurden von drei Hamburger Privatsammlungen als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Die Kollektionen von Gisela Krause- Ausborn, Gerhard Ausborn (Künstler) und Prof. Dr. Peter W. Schatt (bis 2013 Professor für Musikpädagogik an der Folkwang Universität der Künste in Essen, heute im Ruhestand) haben jeweils unterschiedliche Schwerpunkte. Sie ergän- zen sich jedoch vorzüglich und bieten in der Summe einen außergewöhnlichen Überblick auf die Art déco-Porzellangestaltung. Gisela Krause-Ausborn hat eine Vorliebe für Mokkagedecke aller Art und besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen der Firma Jäger & Co. Gerhard Ausborns Leidenschaft gilt Sammeltassen, Dosen und Vasen, während Prof. Dr. Peter W. Schatt mit beeindruckender Konsequenz ausschließlich Dosen sammelt.

Erstmals in dieser Konstellation wird eine Auswahl von Objekten aus allen drei Sammlungen zusammen präsentiert und damit ein Querschnitt durch die gestalterischen Ausprägungen des Art déco gezogen. 


Erfurt: Spurensuche Bauhaus im Kultur: Haus Dacheröden

„Neues Bauen“ - Fotografien von Hans-Christian Schink / „Spurensuche Bauhaus“ - Schülerarbeiten der Walter-Gropius-Schule Erfurt

100 Jahre Bauhaus sind der Auslöser für zwei neue Ausstellungen im Kultur: Haus Dacheröden. Dabei werden neben großformatigen Fotografien von Hans-Christian Schink auch Arbeiten gezeigt, die in den vergangenen drei Jahren an der Walter-Gropius-Schule entstanden. Dort wird in diesem Jahr doppelt gefeiert; neben dem Hundertjährigen der Kunst-und Designschule aus Weimar blicken Lehrer und Schüler im Erfurter Westen auf 20 Jahre Namensweihe zurück.

Die schwarz-weißen Fotografien Schinks gehen dabei mit den spannenden Versuchen der Gropius-Schüler vielfältige Verbindungen ein ganz wie es sich Lena Walter gewünscht und vorgestellt hat. „Wir wollten nicht noch eine Exposition mit Blick in den Rückspiegel präsentieren“, schaut sie auf die Konzeptionsphase zurück. Orientierte sich die Chefin im Dacheröden zunächst an einem Buchprojekt, das die Ausstellung gleichsam begleiten sollte, rückten mit den Schülerarbeiten Gegenwart und Zukunft in ihren Fokus.

Die Besucher erwarten drei Zeitebenen. Da sind zunächst die Abbildungen von Architektur vor allem aus Jena. Carl Zeiss, die gleichnamige Stiftung und der Firma nahestehende Auftraggeber beschäftigten für die Bauten des prosperierenden Unternehmens bedeutende Architekten. Walter Gropius, Henry van der Velde, Ernst Neufert oder Otto Bartning waren neben anderen Zeitgenossen in der Saalestadt tätig. In Jena lässt sich daher sehr gut das ganze architektonische Spektrum und das breite Qualitätsbewusstsein dieser „Goldenen Jahre“ vor allem zwischen den Weltkriegen nachvollziehen.

Die zweite zeitliche Ebene ist in den Jahren nach dem Ende der DDR angesiedelt. Mitte der 90er Jahre fotografierte Hans-Christian Schink im Auftrag der Leipziger Agentur PUNCTUM „Das Hauptwerk von Carl Zeiss Jena. Ursprung und Wandel“. Unter diesem Titel publizierte das Thüringer Landesamtes für Denkmalpflege in Nr. 12 seiner Arbeitshefte 1997 Schinks Aufnahmen. Die Behörde stellte sie für die Ausstellung großzügig zur Verfügung.

Bleiben die Schülerarbeiten als Zeitebene 3. Mit der Initiative „NETZWERK 100.20“ ging man der Frage nach, was das Bauhaus einer Berufsbildende Schule auch noch nach 100 Jahren an Anstößen bieten kann. Entstanden sind dabei zum Beispiel großformatige Farbarbeiten, bei denen Modelle von Metallskulpturen die Grundlage bildeten. Schüler der Fachoberschule Gestaltung entwickelten Farbkompositionen mit Transparenzen, deren Idee sich auf den Bauhauslehrer Josef Albers beziehen. Im Projekt Lichtskulpturen bestrahlten unterschiedlich farbige Lichtquellen eine Metallskulptur. Die in dieser „Lichtbox“ entstandene Bildsprache wurde in Fotos festgehalten und ist jetzt in der Ausstellung zu sehen. Zudem erstellten Auszubildende zum Mediengestalter eine Postkartenserie mit Motiven zum Neuen Bauen, die sie in Erfurt entdeckten. Diese Arbeiten korrespondieren auf ganz eigene Weise mit den Fotografien von Hans-Christian Schink.

Die Ausstellungen sind außer an Feiertagen bis zum 15. Februar 2020 Montag bis Freitag 12.00 bis 17.00 Uhr und samstags 11.00 bis 15.00 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei. 

www.dacheroeden.de


Der doppelte Erich. Erich Ohser illustriert Erich Kästner

Zun sehen bis 2. Februar 2020 im Sommerpalais Greiz
Erick Kästner Illustration Erich Ohser Sommerpalais Greiz

Erich Ohser und Erich Kästner begegneten sich zum ersten Mal in Leipzig. Von Anfang an einen sie ihr Lebenshunger und ihre Menschenneugier, ihr Ehrgeiz und ihre skeptische Spottlust. Durch freche und kritische Beiträge in Leipziger und Plauener Zeitungen machten sie sich bald einen Namen. Als Kästner 1928 seinen ersten Gedichtband „Herz auf Taille“ veröffentlichte, sind die Illustrationen von  Ohser gezeichnet. Der Lyrikband machte Autor und Illustrator schlagartig bekannt. Zwei weitere illustrierte Gedichtbände folgten. Alle Zeichnungen Erich Ohsers aus den drei Lyrikbänden Erich Kästners werden in der Ausstellung gezeigt. Der Zeichner Erich Ohser, 1903 geboren und in Plauen aufgewachsen, wurde vor allem mit seiner Serie „Vater und Sohn“ bekannt, die er unter dem Pseudonym e. o. plauen schuf. Er studierte an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe Leipzig und arbeitete danach als Illustrator. Die Ausstellung ist eine Leihgabe der Erich Ohser-e.o.plauen Stiftung und wurde mit Originalen der zwanziger und dreißiger Jahre aus dem Depot der Sammlung im Sommerpalais ergänzt. 

Öffnungszeiten: 10 – 16 Uhr, montags geschlossen.


Diethard Peterson - eine Rückkehr

GoetheStadtMuseum Ilmenau zeigt Sonderausstellung „Diethard Peterson – Zeitgenössische Malerei“

Nach 40 Jahren kehrt der Maler und Grafiker Diethard Peterson in seine Geburtsstadt Ilmenau zurück. Das GoetheStadtMuseum Ilmenau widmet dem Künstler vom 10. November 2019 bis 16. Februar 2020 eine Sonderausstellung. Gezeigt werden neben aktuellen Ölbildern, Zeichnungen und Skulpturen auch Arbeiten aus den letzten drei Jahrzehnten.

Der 1954 in Ilmenau geborene Diethard Peterson zeigte von Jugend an ein starkes Interesse für Malerei und Grafik. In den 70er Jahren war er als Plakatmaler und Dekorateur in Ilmenau tätig. Sein Wunsch, Kunst in Leipzig zu studieren, blieb jedoch unerfüllt. Er hatte die Mitgliedschaft in der staatlichen Jugendorganisation FDJ verweigert. Als gelernter Elektriker übersiedelte er 1979 nach Halle/Saale und arbeitete dort als Bühnen­techniker. Nach der Wende beteiligte er sich mit anderen Künstlern an einer legendären Szenekneipe in der Saalestadt. Seit 2000 widmet er sich nun ganz der bildenden Kunst. Peterson blieb seiner künstlerischen Leidenschaft immer treu. In seinem Frühwerk findet sich noch ein starker Realitätsbezug. Insbesondere Landschaften, Portraits und große Tuschezeichnungen bestimmen seine frühen Arbeiten. Dies ändert sich in den 90er Jahren. Nun finden sich Parallelen zur klassischen Moderne, insbesondere zum Expressionismus. Seit den 2000er Jahren verstärkt sich der Abstraktionsgrad der Bilder zunehmend. Dies ist auch Ergebnis eines Augenleidens. Zeitweise war Peterson extrem kurzsichtig.

Der Künstler entwickelte als Autodidakt einen sehr eigenen Mal- und Zeichen-Stil. Vergleiche mit anderen Malern treffen nie wirklich zu. Insbesondere knallige Farben und starke Kontraste sind charakteristisch für seine Ölgemälde. Als Malgrund dienen Leinwand, Sperrholz, Sandsäcke oder auch Blech. Die Bandbreite der Materialien ist genauso groß wie die Bandbreite der Motive. So finden sich in erster Linie Menschen in seinen Bildern. Portraits mit meist harten Gesichtern und sehr oft der weibliche Kör-per. Aber auch Landschaften, Architektur und Motive aus der klassischen Literatur tauchen immer wieder auf. Aktuelle Themen fließen ebenso in sein Werk ein. Diethard Peterson bildet seine direkte Umgebung ab. Seine Gemälde und Zeichnungen sind Spiegelbilder unserer Zeit. Alles wird aus der Erinnerung gemalt. Nie malt er ab. Sein Inneres spiegelt sich in seinem Werk und gibt diesem damit seinen unvergleichlichen Charakter.

Nach vielen Ausstellungen im gesamten Gebiet der Bundesrepublik wird nun erstmalig ein Teil des Werkes Diethard Petersons in Ilmenau zu sehen sein. 40 Jahre sind darüber vergangen. Doch nun ist die Zeit reif für eine Rückkehr des Künstlers.


Der Sturm in Jena

Kunstsammlung Jena zeigt bis 17. November im Bauhaus-Jahr »Das stärkste, was Morgen heute bietet.« Der Sturm in Jena. Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik und Skulpturen
Der Sturm in Jena Ausstellung Kunstsammlung Jena

„Als man vor 100 Jahren das Bauhaus in Weimar gründete, ahnte wohl keiner, mit welcher Dynamik sich die Ideen dieser Einrichtung fortpflanzen würden und wie diese sich mit anderen Bewegungen vernetzen würden. Eine dieser Strömungen war die von Herwarth Walden initiierte und dirigierte STURM-Bewegung, die sich ab 1912 um die von ihm in Berlin gegründete Galerie organisierte und ausbreitete. Viele der Bauhaus-Künstler waren im Programm der STURM-Galerie vertreten und Walter Dexel, der Geschäftsführer des Jenaer Kunstvereins, pflegte eine enge Beziehung zu ihr, was ihm Lob und Tadel gleichermaßen einbrachte. Unsere Ausstellung versammelt zahlreiche Künstler aus beiden Lagern, vorzugsweise jene, die schon früher hier in Jena gezeigt worden sind. Die Vitalität und Vielfalt des frühen Bauhauses löst sich hier in spannenden Korrespondenzen im weiten Feld der STURM-Bewegung auf und es wird deutlich, mit welchem Weitblick die Aktivisten des früheren Jenaer Kunstvereins zu Werke gingen. Die Leihgaben sind Teil schweizerischer, französischer und deutscher Sammlungen und für die Finanzierung danken wir dem Freistaat Thüringen und der Sparkassengruppe Hessen-Thüringen.“ Erik Stephan, Kurator Als Herwarth Walden am 6. Juli 1924 im Jenaer Kunstverein die „Der Sturm – Gesamtschau“ mit Werken von Willi Baumeister, Georges Braque, Marc Chagall, Robert Delaunay, Albert Gleizes, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Fernand Léger, Franz Marc, Laszlo Moholy-Nagy, Johannes Molzahn, Lothar Schreyer, Arnold Topp, William Wauer und anderen eröffnet, hat der „Träumer mit Bodenhaftung“ bereits viele seiner Ziele erreicht und der neuen, unabhängigen Kunst ein Forum geschaffen, das wesentlich zur Durchsetzung der modernen Stilrichtungen im nationalen und internationalen Kunstbetrieb beigetragen hat. Im März 1912 gründet Walden die Sturm-Galerie in der Berliner Tiergartenstraße mit einer Wanderausstellung des Blauen Reiter. Später ist die legendäre Galerie in der Potsdamer Straße 134 A angesiedelt, wo sich auch die Redaktion seiner programmatischen Zeitschrift „Der Sturm“ befindet. Diese erscheint ab 1910 zunächst wöchentlich, dann monatlich bis 1932 und versteht sich als „Blatt der Unabhängigen“. Bereits im September 1921 findet die 100. Ausstellung statt; Waldens Glaube an die Strahlkraft der Kunst macht ihn zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten im Kunstbetrieb der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Auch wenn der „Sturm“ im Jahre 1924 „weder als Revolution, noch einheitliche Bewegung“ wahrgenommen wird, so erkennen die Rezensenten doch Waldens Suche nach einer Synthese zwischen „einer westlichen Kunst, mit ihrem Angeborensein von Linie, Farbe, Schwung und Rhythmus und einer östlichen, die in sich das Erdgebundene, Visionäre und Mystische verkörpert“ an. Der Expressionismus ist für Herwarth Walden keine Mode, sondern „eine Weltanschauung“, die ihn begeistert, aber nicht davon abhält auch die Künstler und Künstlerinnen des Futurismus, Kubismus, Dadaismus und Konstruktivismus mit ebensolcher Leidenschaft zu fördern. Europäische Bedeutung erlangt die Galerie spätestens durch den Ersten Deutschen Herbstsalon 1913, eine der wichtigsten Ausstellungen des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung wird zwar verrissen, markiert aber auch den Beginn des geschäftlichen Erfolgs der Galerie. Mit seinem sicheren Blick für Kunst und Künstler seiner Zeit entwickelt sich Walden zum wohl wichtigsten Förderer der deutschen Avantgarde jener Jahre und prägt damit die deutsche und europäische Kunstszene. Waldens schwärmerisches Urteil über Kandinsky, er sei „Das stärkste, was Morgen heute bietet“, kann auch als programmatische Idee seiner Galerie verstanden werden. Herwarth Walden wird 1878 als Georg Lewin in Berlin geboren und arbeitet als Schriftsteller, Verleger, Galerist, Musiker und Komponist. 1903 heiratet er Else Lasker-Schüler, der er sein Pseudonym Herwarth Walden verdankt und von der er 1912 geschieden wird. Noch im selben Jahr heiratet er die Schwedin Nell Roslund, eine Journalistin und Übersetzerin, die wesentlichen Anteil am Erfolg der Sturm-Galerie hat. 1918 wird Walden Mitglied der KPD und übereignet kurz darauf seiner Frau die legendäre „Kunstsammlung Walden“. 1924 lassen sich Herwarth Walden und Nell Roslund scheiden. Herwarth Walden geht mit der Übersetzerin Ellen Bork nach Moskau, wird später inhaftiert und stirbt 1941 in einem Gefängnis bei Saratow. Der Todeszeitpunkt wird seiner Tochter Sina Walden erst 1966, bei einem Besuch in Moskau, mitgeteilt. Das erste Gastspiel der Galerie „Der Sturm“ in Jena findet bereits 1918 mit überwiegend grafischen Arbeiten von Rudolf Bauer, Heinrich Campendonk, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Fritz Stuckenberg und William Wauer statt. Der Ausstellungsleiter des Jenaer Kunstvereins, der Künstler und Kunsthistoriker Walter Dexel, zeigt die Werke dieser Künstler regelmäßig in Jena und ist Herwarth Walden und seinen Künstlern freundschaftlich verbunden. Das bringt ihm zwar auch Zustimmung, vor allem aber Kritik ein, die in dem Vorwurf gipfelt, er betreibe eine Art Außenstelle der Berliner Galerie „Der Sturm“. Dexel hält jedoch an seiner Idee fest, den Jenaer Kunstverein als Schaufenster der modernen Kunst zu entwickeln und auszubauen. Das führt schließlich 1928 zur Entlassung aus seinem Amt. Die Ausstellung „Der Sturm in Jena“ will das programmatische Wirken des Jenaer Kunstvereins würdigen und dabei vor allem die Verortung der Bauhaus-Künstler darstellen. Die Beziehungen der Künstler, Autoren und Galeristen sind inhaltlich vielfältig und eröffnen auf Haupt- und Nebenwegen einen Blick auf eines der interessantesten Kapitel der modernen Kunstgeschichte. Einmal mehr spiegeln sich im Blick auf regionale Zusammenhänge Muster, die sich auch im Großen bestätigen und die in all ihrer Fülle jene Vielfalt belegen, die in der aktuellen Kunst ertragreich ausblüht.

Abbildung: Lhote Andre, Bacchante, 1910, OeaL, Petit Palais


Zum Gedenken an großartige Zeichner

Sommerpalais Greiz erinnert mit Sonderausstellung an die Karikaturisten Lothar Otto, Achim Jordan und Andreas Brüssel / Zu sehen bis 2. Februar 2020

Drei bedeutende Karikaturisten, die dem Greizer Satiricum eng verbunden waren, verstarben im August 2019. Das Sommerpalais Greiz widmet dem jahrzehntelangen Wirken dieser Künstler vom 12. Oktober 2019 bis 2. Februar 2020 eine Gedenkausstellung.

Lothar Otto, (*1932 in Chemnitz) absolvierte von  1952 bis 1957 ein Grafikstudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seit 1960 war er freiberuflich als Illustrator, Graphiker, Cartoonist, Autor und Gestalter von Kinderbüchern und beim Trickfilm tätig. Zahlreich sind seine Veröffentlichungen im In-und Ausland, ebenso seine Ausstellungsbeteiligungen.  

Achim Jordan, (*1937 in Magdeburg) arbeitete nach seinem Grafik-Studium an der Fachhochschule für angewandte Kunst Leipzig von 1960 bis 1990 als Pressezeichner, Karikaturist und Sektorenleiter Gestaltung der Leipziger Volkszeitung. Ab 1990 war er freiberuflicher Grafiker und Karikaturist. Er war bei vielen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten.

Andreas Prüstel (*1951 in Leipzig) arbeitete ab 1985 freiberuflich als Cartoonist/Collagist und Herausgeber in Berlin. Seine erste Presse-Veröffentlichung gab es 1990 im Eulenspiegel, später folgten Veröffentlichungen im In- und Ausland.

Öffnungszeiten: 10 – 16 Uhr, montags geschlossen


BAUHAUS.LINES, Part IV in der Galerie Häselburg in Gera

Häselburg Gera Bauhaus Lines Part IV

Unter dem Titel BAUHAUS.LINES, Part IV, MEDIA: Technik.Material.Medien werden Arbeiten unterschiedlichster künstlerischer Medien und Techniken ausgestellt.  Schauplatz ist wieder die Neue Galerie für Zeitgenössische Kunst in der Häselburg in Gera.

Bis zum Ende des Bauhaus-Jahres werden erneut hochkarätige Künstler*innen aus der ganzen Welt ihre Kunstwerke zeigen. Ihre Arbeiten, die den Gattungen Film/Video, Fotografie, Malerei, Grafik, Skulptur, Objektkunst und Installation angehören, stehen exemplarisch für die verschiedenen Experimentierfelder am Bauhaus.

Der letzte Teil der Ausstellungsreihe widmet sich verschiedenen medialen Formaten am Bauhaus. Untersucht wird einerseits der mediale Ansatz des Bauhauses und seine Weiterführung in der Kunst ab den 1960er Jahren, andererseits der „händische“ Umgang mit natürlichen Materialien und alltäglichen Objekten. Aufgrund der ökonomischen Situation nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Bauhaus-Künstler*innen häufig „einfaches“ oder gefundenes Material benutzen. Neben herausragenden künstlerischen Positionen der Gegenwart wie einer Installation von Jana Gunstheimer, einer Soundinstallation von Anke Röhrscheid, drei Fotoobjekten von Christiane Feser oder Arbeiten des berühmten amerikanischen Fluxus-Künstlers Emmett Williams sollen auch Ergebnisse des Fotogramme- und Film-Workshops der Sommerakademie 2018 in der Häselburg vorgestellt werden. Der experimentelle Umgang mit „alten“ Techniken stand hier ebenso im Zentrum wie grenzüberschreitende Ideen. Die Teilnehmer*innen erprobten neue Verfahren, Materialien und Formate und versuchten in der Nachfolge des ungarischen Künstlers László Moholy-Nagy mit den Medien Film und Fotografie zu experimentieren und dabei eine reduzierte abstrakte Bildsprache zu entwickeln.

Um noch mehr Kunstwerke als in den vorangegangenen drei Ausstellungsteilen zeigen zu können, wird die Neue Galerie für Zeitgenössische Kunst in der Umbauphase um einen zusätzlichen Raum erweitert. Was bisher als Lagerfläche diente, wird nun zum Ausstellungsraum ausgebaut, sodass die Galerie zusätzliche Ausstellungsfläche gewinnt, die unmittelbar für die Soundarbeit von Anke Röhrscheid genutzt wird.

Künstler*innen: Christiane Feser (D). Jana Gunstheimer (D). Via Lewandowsky (D). Bruce Nauman (USA). Thomas Prochnow (D). Royden Rabinowitch (CAN). Peter Roehr (D). Anke Röhrscheid (D). Günther Selichar (AT). Emmett Williams (USA) sowie Teilnehmer*innen der 2. Sommerakademie der Häselburg u.a. Die Ausstellungsreihe „BAUHAUS.LINES“ wird gefördert von der Thüringer Staatskanzlei, der Kulturstiftung Thüringen sowie von der SV SparkassenVersicherung, der Sparkasse Gera-Greiz und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. 

BAUHAUS.LINES, Part IV, MEDIA: Technik.Material.Medien - zu sehen bis 31.12.19, Neue Galerie für Zeitgenössische Kunst, Häselburg Gera, Burgstraße 12

Führungen für Gruppen und Schulklassen möglich. Termine nach Vereinbarung. Ausstellungsbegleitende Kurse für Schüler_innen bietet die Kunstschule Gera vor Ort an.

www.ngfzk-gera.de

Foto: Jana Gunstheimer, Mentale Duelle (Installationsansicht), 2013 


Faszination Form und Farbe – Am Anfang war das Bauhaus

Sonderausstellung im Kunsthaus Meyenburg / Nordhausen bis 29. Dezember zu sehen
Bauhaus Ausstellung Nordhausen

Mit dieser Ausstellung im großen Thüringer Themenjahr zum 100. Jubiläum der Gründung des Weimarer Bauhauses widmet sich das Kunsthaus Meyenburg dessen revolutionären Ideen der Kunst, die vor allem die Architektur und das Design so nachhaltig verändert haben. „Unsere Nordhäuser Ausstellung „Faszination Form und Farbe“ hat einen eigenen Schwerpunkt, sie zeigt nicht nur Kunstwerke der eigentlichen Bauhaus-Zeit, sondern verdeutlich vor allem die Auswirkungen auf die Kunst der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart“, zeigt sich Bürgermeisterin Jutta Krauth im Rahmen der Vernissage von der Ausstellung begeistert.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die originale Bleistift-Skizze von Lyonel Feininger mit dem Motiv der Kirche „St. Blasii in Nordhausen“ aus dem Jahr 1932, die seit 2017 im Besitz des Kunsthauses Meyenburg ist. Das Kunsthaus Meyenburg präsentiert neben Feininger zahlreiche Werke der bekanntesten bildenden Künstler der Bauhaus-Epoche, wie Wassily Kandinsky und Paul Klee. In der Werkschau wird eine Vielzahl von unterschiedlichen Stilen, ob Konkrete Kunst oder Op-Art, ob COBRA-Gruppe oder Abstraktion gezeigt. Die Werke von Henri Matisse, Fernand Léger, Max Papart oder James Coignard verdeutlichen, dass die revolutionären Ideen des Bauhauses auch über die Ländergrenzen Deutschlands hinweg wahrgenommen wurden, teils als bewusste Reaktion, teils als parallellaufende stilistische Entwicklung. Der Einfluss des Bauhauses reicht bis in die Gegenwart, deshalb sind auch viele zeitgenössische Künstler von den geometrischen Formen oder den Farben des Bauhauses fasziniert. Die Ausstellung ist so konzipiert, dass im Obergeschoss des Kunsthauses die Werke der Bauhaus-Lehrer Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Josef Albers und die Werke von Bauhaus-Schülern, wie Albert Hennig, Leo Grewenig und Werner Rohde, präsentiert werden. Der Rundgang beginnt im Obergeschoss. Unterstützt wird die Schau von der Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen, durch die Kreissparkasse Nordhausen und auch seitens der Sparkassen-Versicherung. Die Leihgaben aus der Sammlung Sundermann, Sundermann Fine Art Galerie in Würzburg, werden in dieser Ausstellung noch ergänzt durch Werke aus unserer städtischen Kunstsammlung und durch Werke der Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung.

Eintritt: 6,50 € pro Person, ermäßigt 4,50 €. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt.

 


Auseinandersetzung mit Dörflichkeit und Urbanität

Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde zeigt Werke von Lyonel Feininger
Lionel Feininger Kunsthaus Apolda

Der deutsch-amerikanische Künstler Lyonel Feininger (1871 – 1956) war gerade einmal 16 Jahre alt, als ihn 1887 ein Ozeandampfer über den Atlantik nach Europa und ins wilhelminisch-kaiserliche Deutschland brachte. Er sollte eigentlich Violine studieren, Feininger aber wollte zeichnen. So schrieb er sich zunächst für die Zeichenklasse an der Allgemeinen Gewerbeschule in Hamburg ein und setzte sein Studium dann an der Königlichen Akademie in Berlin fort. Er erwies sich als ein aufmerksamer Beobachter, der mit wenigen Strichen Situationen und Charaktere treffend einzufangen verstand und bald Aufträge als Karikaturist für den „Ulk”, die „Lustigen Blätter” und „Das Schnauferl” bekam. Hier begann seine Karriere als einer der bedeutendsten Künstler der Moderne.

Bereits als Junge hatte er sich in den Straßen seiner boomenden Geburtsstadt New York herumgetrieben und die Menschen in der Stadt, das Treiben in den Häfen am Hudson und East River und den Bau der „Elevated Railroad“ genau beobachtet. Hier entstand seine Faszination für Konstruktion, Architektur und Lokomotiven, die ein Leben lang anhalten sollte. Die Zeiten indes, in denen seine Eltern als Musiker auf Konzertreisen waren, verlebte er bei Farmersleuten auf dem Lande in Connecticut, wo ihm die Natur, Wind und Wetter näher standen. Diese gegensätzlichen Erfahrungen von Stadt-und Landleben prägten ihn und seine Kunst lebenslang. Lyonel Feininger blieb, abgesehen von einigen Aufenthalten in Paris, 50 Jahre lang in Deutschland und verließ es erst 1937, als die Naziherrschaft ihm Leben und Arbeit in Deutschland unmöglich machten. Doch hier entwickelte er sich zu dem berühmten Maler und Zeichner, der erfolgreich in der „Berliner Secession“ ausstellte, 13 Jahre am Bauhaus in Weimar und Dessau tätig war und seine kristalline Malerei entwickelte, die 1911 durch die Begegnung mit dem Kubismus in Paris angestoßen wurde. Die noch mittelalterlich geprägten Städte wie Lübeck oder Lüneburg feuerten seine Inspiration für den „Prisma-ismus“ ebenso an wie die Schiffe und Horizonte in den Badedörfern an der Ostsee in seiner späteren transparenten Lichtmalerei. Besonders aber das Weimarer Land, diese für ihn neue „Alte Welt“, faszinierte ihn, seit er hier 1906 zum ersten Mal seine spätere Frau Julia Berg besuchte. Dörfer wie Oberweimar, Vollersroda und Gelmeroda, die er mit dem Fahrrad erkundete, fesselten seine Phantasie, und vor allem die kleine gotische Dorfkirche von Gelmeroda, die er in unzähligen Naturnotizen und Gemälden festhielt, wurde zum Symbol einer romantisch verklärten Märchenwelt, die er in seine Comic-Strips, seine Gemälde und die frühen „Mummenschanzbilder“ einfließen ließ, die von seltsam überlängten und historisch gekleideten Menschen bevölkert sind. Etwa seit Anfang der 1920er Jahre erschienen Städte und Dörfer im Lichte einer eingefrorenen Weltentrücktheit und Spiritualität. Sie bezeichnen Feiningers romantische Hinwendung zu einer Welt, die durch Massengesellschaft und Industrialisierung vor dem Untergang stand und nur noch in einer illusionären „Traumstadt“ zu finden war. Als Feininger in die USA zurückkehrte, nahm er die imaginären thüringischen Dörfer in seinem Inneren mit, auch als er eine neue Linearität in seiner Malerei entwickelte und sich New Yorker Stadtansichten widmete.

Die Ausstellung Traumstadt – Lyonel Feininger und seine Dörfer untersucht Feiningers intensive Auseinandersetzung mit Dörflichkeit und Urbanität im Kontext zunehmender Industrialisierung und Verstädterung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Präsentiert werden fast 90 Naturnotizen, Zeichnungen, Aquarelle, Druckgrafiken und Gemälde aus den Jahren 1890 bis 1955, die aus internationalen Museen und privaten Sammlungen stammen, etwa der Phillips Collection in Washington, dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York, dem North Carolina Museum of Art, Raleigh, den Harvard University Art Museums, Busch-Reisinger-Museum, Marlborough Fine Arts, London, dem Kirchner Museum Davos, den Staatlichen Museen zu Berlin, den Staatlichen Kunstsammlungen Chemnitz und der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit ca. 160 Seiten.


Ausstellungen erinnern an Alexander von Humboldt

Humboldt Altenburger Land

2019 jährt sich der Geburtstag Alexander von Humboldts (1769–1859) zum zweihundertfünfzigsten Mal. Auf der ganzen Welt finden Veranstaltungen und Ausstellungen statt, um an den Forschungs-reisenden und Naturwissenschaftler zu erinnern. Alexander von Humboldt zog seine Zeitgenossen mit seinen fesselnden Berichten von fernen Ländern in den Bann, seine naturwissenschaftlichen Forschungen regten zur Nachahmung an. Der Einfluss des großen Gelehrten reichte bis in die kleinsten deutschen Staaten und Städte. Bürger wie Regenten fühlten sich angespornt, mit der neuen Welt in Austausch zu treten, Sammlungen anzulegen, diese zu erforschen, zu zeichnen und zu publizieren. Im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg standen Franz Xaver von Zach und Bernhard August von Lindenau mit Alexander von Humboldt in direktem Austausch. Sie lieferten Karten für Humboldts Reisewerk und Lindenau schmiedete gar Pläne für eine Forschungsreise, die er mit Humboldt gemeinsam unternehmen wollte.

Die Museen des Altenburger Landes nehmen in einer gemeinsamen Ausstellungsreihe das Leben Alexander von Humboldts und sein Wirken auf die Region in den Blick. Dabei wird deutlich, dass alles mit allem in Zusammenhang steht und Humboldt immer wieder den Mittelpunkt bildet. Von ihm wurden nicht nur bedeutende Wissenschaftler der Region, wie Alfred Brehm oder Anton Goering, inspiriert, sondern auch die Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes und der Herzog von Sachsen-Altenburg. Die Ausstellungen in den Altenburger Museen und im Museum Burg Posterstein fassen das Wissen um den Universalisten und die auf sein Vorbild zurückgehenden Forschungen zusammen und erlauben einen naturwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Spaziergang durch die Region.

NATURKUNDEMUSEUM MAURITIANUM - Sammeln und Forschen im Geiste Humboldts - bis März 2020

LINDENAU-MUSEUM ALTENBURG - humboldt4 - Altenburg und die Welt – bis 1. Januar 2020

MUSEUM BURG POSTERSTEIN - „Wem Gott will eine Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“ – Aus Schönhaide nach Südamerika: Der Vogelkundler, Zeichner und Maler Anton Göring  - bis 17. November 2019

 


Auf dem Rücken der Pferde

Freilichtmuseum Hohenfelden: Sonderausstellung bis 5. Januar 2020 im alten Hohenfeldener Pfarrhaus
Freilichtmuseum Hohenfelden

Die lange Geschichte der wechselvollen Beziehung zwischen Pferd und Mensch setzt vor etwa 7000 Jahren ein. Zunächst lediglich als Fleischlieferant gejagt, wird das Pferd mit der Domestikation zum treuen und starken Gefährten des Menschen. Die Tiere verhalfen zu größerer Mobilität und verliehen Schnelligkeit, Kraft, Überlegenheit und Ansehen. Sie zogen Karren, Schlitten, Streitwägen und Pflüge. Pferde übernahmen über viele Jahrhunderte in verschiedenen Bereichen des Lebens und Arbeitens wichtige Rollen, ob in der Landwirtschaft, im Transport oder im Militär. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden sie nach und nach durch technische Entwicklungen ersetzt. 

Die Sonderausstellung „Auf dem Rücken der Pferde“ will schlaglichtartig Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Mensch-Tier-Beziehung der letzten drei Jahrhunderte werfen. Neben Bereichen wie der Landwirtschaft, dem Transportwesen und dem Militär will die Ausstellung auch einen Blick darauf werfen, wie sich die reiche Beziehung in Darstellungen des Tieres wiederspiegelt – vom künstlerischen Werk bis zur Spielzeugproduktion, von Erinnerungsstücken mit Pferdemotiv bis zum Eingang des treuen Begleiters in viele literarische oder filmische Produktionen. Auch wenn heute die meisten Pferde in Deutschland als Sport- und Freizeitpferde gehalten werden, lohnt ein Rückblick darauf, welchen Stellenwert das Pferd zu anderen Zeiten einnahm. Einen Hinweis darauf geben schon die zahllosen Redensarten rund um das Pferd oder die schier unendlichen berühmten Pferdegestalten – von der Götterwelt bis zum Zeichentrick. 

Die Ausstellung wird durch die Sparkassenstiftung Weimar/Weimarer Land und die Staatskanzlei des Freistaates Thüringen gefördert.

Öffnungszeiten: Mi-So 11.00 bis 17.00 Uhr

 


Bad Elster: Farbe gibt Raum

Kunstausstellung von Absolvent*innen der Akademie Faber-Castell in der KunstWandelhalle / Zu sehen bis 17. November
Faber Castell Kunst

Diese sehenswerte Kunstausstellung präsentiert unter dem Titel »Farbe gibt Raum« interessante Arbeiten von sechs Absolvent*innen der Meisterklasse Bildende Kunst an der renommierten Akademie in Nürnberg/Stein. Dabei liegt die Verbindung der gezeigten, unterschiedlichen künstlerischen Ansätze vor allem in der Definition des künstlerischen Prozesses als Kreativraum für Inspiration, Ausdruckskraft und Visualisierung. Kunst spricht, verbindet und berührt. Kunst prägt, polarisiert und beeinflusst. Damit lebt, färbt und verändert Kunst die Betrachtungsebenen und Sichtweisen. Und darum ist die Kunst so wichtig. Mit diesem gemeinsamen Kunstansatz präsentieren Simone Riedel, Beate Schmutzler, Christine von Tucher, Erika Lindner sowie Peter Berger und Hartmut Natterer ihre Kunstwerke. „Erlebbar ist hier eine Vielfältigkeit in den Ausdrucksformen und  Umsetzungstechniken, von streng geometrisch bis formauflösend, die auf mich kraftvoll, impulsiv, lebensbejahend und positiv wirkt“ erklärt Ute Gallert und führt fort: „Aber die Kunst zeigt sich dabei auch hinterfragend, manchmal konträr oder sich unterschiedlich ergänzend. Dadurch wir dieser Kunstraum bunt, so wie diese Welt und wie diese Gesellschaft – geben wir ihr den Raum, auf dass sie bunt bleiben möge!“ Die Akademie Faber-Castell in Stein bei Nürnberg ist eine Bildungseinrichtung mit Weiterbildungsangeboten und Studiengängen in den Bereichen Design, Bildende Kunst, Literarisches Schreiben sowie für kulturwissenschaftliche und kreativitätstherapeutische Fächer. Die Akademie wird von dem Unternehmen Faber-Castell getragen. Sie ist eingebunden in das internationale Netzwerk der Faber-Castell Gruppe sowie zahlreiche Partnerorganisationen im In- und Ausland.

Diese interessante Ausstellung kann bis zum 17. November 2019 jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 14.00 bis 17.30 Uhr sowie an den Wochenenden und an Feiertagen zusätzlich von 09.30 Uhr bis 12.00 Uhr sowie zu den Veranstaltungen in der KunstWandelhalle Bad Elster besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. www.kunstwandelhalle.de

Das Foto zeigt Christine von Tucher / Foto: Bernd Ratzke


In den Wohnzimmern der Ostdeutschen

FLOHBURG Das Nordhausen Museum präsentiert bis 30. November Fotografien von Christian Borchert
Flohburg Museum Nordhausen

Die Sonderausstellung in unserem stadthistorischen Museum FLOHBURG zeigt eine Auswahl der berühmten Familienporträts von Christian Borchert aus den Jahren 1974 – 1994. Christian Borchert fotografierte seine ersten „Familienbilder“ in den 70er Jahren. 1982-1985 entstand nach einem wohlüberlegten Konzept eine umfangreiche Serie, in der er als gewissenhafter Chronist mehr als 130 Familien in verschiedenen Regionen der DDR aus unterschiedlichen sozialen Milieus und Berufen in ihrem heimischen Umfeld porträtierte. Mimik, Gestik, Habitus, Kleidung, Ambiente sowie ergänzende Angaben zu den ausgeübten Berufen charakterisieren Familien unterschiedlichster sozialer Milieus und laden zu Vergleichen ein. 1993 besuchte er viele Familien ein zweites Mal und fotografierte sie – nach dem Untergang der DDR – erneut.

So eröffnet sich die Gesamtschau von Borcherts legendären Familienporträts das Panorama einer vergangenen Zeit. Die Fotografien sind, wie es Borchert absichtsvoll wollte, Dokumente seiner fotografischen Annäherung an die Wirklichkeit ohne Übertreibung und Effekte und zugleich einzigartige Zeugnisse der Geschichte. Eine Ausstellung ist eine Kooperation mit meinhardt medien Berlin, der Deutschen Fotothek Dresden und dem Lehmstedt Verlag Leipzig anlässlich 30 Jahre „Friedliche Revolution“.

Foto: ©Deutsche Fotothek, Christian Borchert

flohburg@nordhausen.de


Haeckels Wasserwesen

Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“ im Phyletischen Museum der Universität Jena
Phyletisches Museum Jena

Jena (US/FSU) Anlässlich des 100. Todestages von Ernst Haeckel präsentiert das Phyletische Museum der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“. Bis Ende 2020 werden über 200 lebensechte Medusen-Modelle, Original-Präparate, Fotos, Videos und Zeichnungen von Ernst Haeckel, dem Begründer des Museums, im „Medusensaal“ zu sehen sein.

Im Meeresaquarium mit 200 Ohrenquallen

Abtauchen in eine faszinierende Unterwasserwelt, das können die Besucher des Phyletischen Museums der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Sonderausstellung, die der wohl liebsten Tiergruppe von Ernst Haeckel gewidmet ist: den Medusen – oder auch Quallen. Zu sehen ist unter anderem eine einem Meeresaquarium nachempfundene Vitrine mit rund 200 Ohrenquallen. Allerdings handelt es sich bei diesen nicht um lebende oder präparierte Tiere, sondern um lebensechte Modelle aus Kunstharz. Die dänische Firma „10 Tons“ ist auf naturgetreue zoologische und botanische Modelle sowie paläontologische Rekonstruktionen spezialisiert und hat die Modelle in Kooperation mit Wissenschaftlern des Phyletischen Museums eigens für diese Ausstellung produziert. Neben dem Ohrenquallenschwarm zeigt die Ausstellung weitere Medusen-Modelle und stellt diese über 100 Jahre alten Glasobjekten der berühmten Glaskünstler Leopold und Rudolf Blaschka gegenüber. Außerdem werden Fotografien und Videos des Meeresbiologen Alexander Semenov zu sehen sein sowie bisher kaum gezeigte Objekte aus der eigenen Sammlung des Phyletischen Museums. „Wir wollen zeigen, was Ernst Haeckel so sehr an den Medusen fasziniert und wie er mit ihnen gearbeitet hat“, erläutert Museumsdirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Martin S. Fischer. Auch die Rolle von Medusen in Ökosystemen werde beleuchtet.

Haeckels künstlerische Auseinandersetzung mit den Medusen

Im Fokus stehe aber nicht nur Haeckels wissenschaftliche Arbeit, sondern auch seine künstlerische Auseinandersetzung mit den Medusen, kündigt Fischer an. So präsentiert die Ausstellung unter anderem ein überlebensgroßes Modell der berühmten Desmonema annasethe. Diese von Haeckel selbst entdeckte und beschriebene Scheibenqualle hat er in seinen „Kunstformen der Natur“ äußerst prachtvoll und vielfarbig dargestellt. Die nach seiner früh verstorbenen ersten Frau benannte Qualle ist inzwischen millionenfach reproduziert und prangt auf Postern und Büchern, ebenso auf Alltagsgegenständen wie Tassen, T-Shirts oder Tapeten. Gezeigt wird das Haeckels Darstellung nachempfundene Modell im direkten Vergleich zum originalen Typusexemplar, das mit dem Haeckelschen Kunstwerk allerdings nur wenig gemein hat. Und nicht zuletzt wird auch der Ausstellungsraum als Teil der Ausstellung zur Geltung kommen: Denn Haeckel selbst hat bei der Errichtung des Museums die Decke des Raumes mit zehn großformatigen Medusen dekorieren lassen. Einige der stark idealisierten ornamenthaften Exemplare finden sich auch als Modell oder Originalpräparat in einer der Vitrinen wieder. Auf diese Weise vermittelt die Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“ nicht nur Einblick in die faszinierende Unterwasserwelt der Medusen, sondern auch in das Werk Haeckels, in dem sich visionäre Wissenschaft und Kunst auf einzigartige Weise verbinden.

Zu sehen bis 1. November 2020 Phyletisches Museum der Universität Jena, Vor dem Neutor 1, 07743 Jena, Öffnungszeiten: Di bis Fr von 9 bis 13 und 14 bis 17 Uhr; Sa und So von 10 bis 16 Uhr 

Foto: Präparator Bernhard Bock bereitet die Nachbildung einer Fahnenqualle für die Sonderausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel" vor. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

www.phyletisches-museum.de/ausstellung-sonderausstellungen.html