Ausstellungen

Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meisterwerke

Zu sehen bis 21. August 2022, Herzogliches Museum Gotha
Gotha Verlorene Meisterwerke Restaurierung

In einer stürmischen Dezembernacht 1979 wurden aus Schloss Friedenstein fünf wertvolle Altmeistergemälde gestohlen, die erst Anfang 2020 nach Gotha zurückkehrten. Ausgehend von diesem spektakulären Verbrechen, dem größten Kunstdiebstahl der DDR, beleuchtet die große Sonderausstellung „Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meisterwerke“ die wechselhafte Geschichte der Gothaer Kunstsammlungen.

Die Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha nehmen hinsichtlich ihrer Größe und Vielfalt im mitteldeutschen Raum eine Sonderrolle ein. Aus einer jahrhundertealten fürstlichen Sammelleidenschaft erwachsen, reichen die Bestände von naturkundlichen Objekten über Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerk, Grafik, Münzen und Medaillen, antike Gegenstände, Architekturmodelle, wissenschaftliche Instrumente und Möbel bis hin zu Ethnographica und Asiatika. Flankiert werden diese Sammlungen von der Forschungsbibliothek Gotha, einer umfangreichen historischen Bibliothek mit Hand- und Druckschriften, heute selbstständiger Bestandteil der Universität Erfurt, und dem Thüringer Staatsarchiv Gotha mit zahlreichen Quellen zur Sammlungs- und Residenzgeschichte. Kunst, Natur und Wissenschaften bilden in Gotha bis heute eine integrative Einheit, die sich auf den frühneuzeitlichen Kunstkammergedanken zurückführen lässt.

Diese einst fürstlichen Sammlungen nahmen ihren Anfang mit der Einrichtung der Kunstkammer auf Schloss Friedenstein durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1601-1675) im Jahr 1653. Die nachfolgenden Fürsten erweiterten die Sammlungen stetig, sie dienten der Repräsentation, sollten aber auch Bildung und Wissenschaft fördern und waren zu diesem Zweck jedem zugänglich. Im 18. Jahrhundert wurde Gotha dann auch zu einem wichtigen Ziel für Bildungsreisende. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert begann mit dem Bau des Herzoglichen Museums die wissenschaftliche Erschließung der Sammlungen. Dem ersten 1890 in der Reyher‘schen Hofbuchdruckerei erschienenen Katalog der Gemäldegalerie von Carl Aldenhoven, dem Direktor des neu gegründeten Museums, kam dabei eine besondere Rolle zu, weil er den Gothaschen Bestand international bekannt machte.

Seit den Goldenen Zeiten mit der Eröffnung des Herzoglichen Museums 1879 mussten die Sammlungen nach 1918 und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg einschneidende Verluste hinnehmen. Drei Faktoren führten zu tiefgreifenden Reduktionen an Struktur und Substanz der Sammlungen. Zunächst war es die Herzogliche Kunststiftung selbst, die Inkunabeln der Sammlung in den Kunsthandel gab, um die Finanzierung der Stiftung zu gewährleisten. Später wurden wesentliche Sammlungsschätze nach Coburg verlagert, um diese vor dem Zugriff durch dir Rote Armee zu bewahren. Darüber hinaus kam es zu unkontrollierten Verkäufen und zu Diebstählen bis 1948. Der weitreichendste Faktor war aber der Abtransport zentraler Sammlungsteile durch die Sowjetischen Trophäenbrigaden 1946. Neben dem Museum war hiervon auch die Bibliothek betroffen.

Nach den Verlusten konnten die Sammlungen aber auch viele glückvolle Rückführungen erleben. 1958 wurden Teile der Gothaer Bestände aus der UdSSR zurückgeführt und seit den 1990er Jahren konnten die Bemühungen verstärkt werden, verloren gegangene Objekte für Gotha zurückzugewinnen. Mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Rudolf-August Oetker-Stiftung und privaten Förderern ist es über die Jahre gelungen, hochkarätige Kunstwerke wieder in die Sammlungen einzugliedern. Die jüngst erfolgte Rückkehr der fünf Meisterwerke stellt in diesem Zusammenhang einen Höhepunkt dar und lässt hoffen, dass in Zukunft weitere Inkunabeln, die für immer verloren geglaubt waren, der Öffentlichkeit in Gotha wieder präsentiert werden können.

Die Ausstellung zieht anhand von Beispielen hochkarätiger Werke der Malerei, Grafik, Numismatik und des Kunsthandwerks die abenteuerlichen und vielgestaltigen Wege der Objekte nach und zeigt die Umstände ihrer Rückkehr auf. Im Mittelpunkt stehen dabei die jüngst zurückgekehrten Gemälde des Diebstahls von 1979, die erstmals in restauriertem Zustand und in historischen Rahmen präsentiert werden. Darüber hinaus bieten historische Dokumente, von den alten Sammlungsinventaren über handschriftliche Briefe bis hin zu Stasi-Akten, den BesucherInnen die Möglichkeit, selbst auf Spurensuche zu gehen und die Geschichten der Werke nachzuvollziehen. Im Niederländer-Saal des Herzoglichen Museums ist die ursprüngliche Hängung des 19. Jahrhunderts rekonstruiert worden. Diese Petersburger-Hängung führt wie in einem Schattenkabinett vor Augen, wie erheblich die Verluste heute immer noch sind.

Ausgehend von dieser Situation arbeitet die Gothaer Provenienzforschung an einer systematischen Aufarbeitung der Verlustlinien, die neben als verschollen geltenden Objekten auch Werke betreffen, die sich heute in anderen öffentlichen oder privaten Sammlungen befinden und deren Besitzverhältnisse als gesichert gelten. Gotha kann somit exemplarisch für ein spannendes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte stehen, das bis heute nicht abgeschlossen ist.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog im Michael Imhof Verlag erschienen.

Foto: Dietrich Richter und Der alte Mann / Foto: Susanne Hörr

 


Bilder aus einem interessanten Land

Sparkasse Gera Greiz zeigt teilweise noch nie ausgestellte Gemälde, Zeichnungen und Cartoons von Eberhard Dietzsch

Die Sparkasse Gera-Greiz präsentiert im Beratungscenter Gera Schloßstraße bis zum 3. Dezember die Ausstellung „Eberhard (Eb) Dietzsch – Bilder aus einem interessanten Land“. Eberhard Dietzsch (1938 – 2006) unternahm in den 1970-er und 1980-er Jahren Reisen in die Sowjetunion. Seine Werke spiegeln die Faszination für Land und Leute wieder, zeigen beeindruckende Landschaften, die Ursprünglichkeit der Städte und vor allem auf einfühlsame Weise die Menschen.

Ursprünglich sollte die Ausstellung in Geras russischer Partnerstadt Rostow am Don gezeigt werden, was aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht möglich war.  Die Sparkasse Gera-Greiz folgt gern der Bitte des (Eb)-Dietzsch-Kunstfreunde e.V., die Ausstellung nunmehr in den Räumen des Handelshofes Gera der Sparkasse zu zeigen. „Corona darf nicht dauerhaft das kulturelle Leben lähmen“, erklärte Dr. Hendrik Ziegenbein, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gera-Greiz, zur Vernissage. Er lobte das Engagement des Fördervereins zur Aufarbeitung und Pflege des umfangreichen künstlerischen Erbes von Eberhard Dietzsch und würdigte das ehrenamtliche Engagement für die Städtepartnerschaft.

Die Kunstausstellung ist bis 3. Dezember bei freiem Eintritt während der Servicezeiten im Beratungscenter Schloßstraße 11 in Gera zu besichtigen.


Wenn sich Kunst und Wissenschaft begegnen

Ausstellung in der Universität Jena
GEO ART Ausstellung Jena

(Uni Jena/VIV) Der eigene Blick aus dem All auf die Erde ist Astronautinnen und Astronauten vorbehalten. Die Außenansicht unseres Planeten können sich alle anderen nur mithilfe von Satellitenaufnahmen erarbeiten, die diesen Blick einfangen und das besondere Zusammenspiel aus Farben und Mustern auf der Erdoberfläche darstellen. Mit Daten unterlegt sind solche Bilder eine unverzichtbare wissenschaftliche Quelle, etwa für Geographinnen und Geographen. In einer neuartigen Initiative finden nun Forschung und Ästhetik zusammen. Prof. Dr. Christiane Schmullius vom Institut für Geographie der Universität Jena hat Satellitenbilder ihres Forschungsteams der Künstlerin Susen Reuter zur Verfügung gestellt. Gemeinsam entstand das Projekt „GEO ART“, in dem Wissenschaft und Kunst miteinander verschmelzen und die Satellitenaufnahmen als großflächige Kunstwerke umgesetzt wurden. Die Gemälde werden in einer Ausstellung an der Friedrich-Schiller-Universität präsentiert.

Unsichtbares sichtbar machen

Die dem Projekt zugrundeliegenden Fernerkundungs-Szenen entstanden im Rahmen mehrjähriger Forschungsarbeiten des Jenaer Instituts für Geographie in Südafrika, etwa dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „SALDi“. Dabei forschen Schmullius und ihr Kollege PD Dr. Jussi Baade sowohl mit optischen als auch mit radarbasierten Erdbeobachtungsdaten zur Landdegradation, der Verschlechterung der Ökosystemdienstleistungen der Landschaft.

„Die Öffentlichkeit sieht nur die im sichtbaren Licht wahrnehmbare Erdoberfläche“, sagt Schmullius. Mittels Satellitensensoren können die Forschenden jedoch neue Welten zeigen, die nur über Reflektionen im Infrarot-Bereich oder mittels Radarwellen erfasst werden können und somit für das bloße Auge verborgen bleiben. „Ziel unserer Zusammenarbeit ist es daher, die Wissenschaft für die Gesellschaft auf eine neue Art und Weise zugänglich zu machen“, erläutert Prof. Dr. Christiane Schmullius. Die Gemälde der Aufnahmen zeigen überwiegend den südafrikanischen Kruger Nationalpark und „transformieren die technisch-objektivierende Erfassung der Erdoberfläche in eine Ebene der emotionalen Erfahrung der Welt“, fasst Jussi Baade zusammen. Neben den Gemälden werden in der Ausstellung auch die Satellitenaufnahmen zum Vergleich zu sehen sein. Die Kombination aus Kunst und Wissenschaft solle bei den Besuchern vor allem Neugier auf das Thema Erdbeobachtung im Besonderen und der Wissenschaft allgemein wecken, so Christiane Schmullius.

Kunst und Wissenschaft in Bildern vereint

Die Idee für eine Zusammenarbeit zwischen Christiane Schmullius und Susen Reuter entstand bereits 2018. Durch ihr Studium am Institut für Geographie in Jena und ihre Leidenschaft für Kunst lag die Verbindung beider Fachgebiete für Susen Reuter auf der Hand. „Als freischaffende Künstlerin verknüpfe ich heute beide Welten miteinander: die Wissenschaft von der Erdoberfläche und die Kunst als visuelles Ausdrucksmittel“, erläutert sie ihre Arbeit.
Die Ausstellung „GEO ART – Die Erde aus dem All“ eröffnet am 20. Oktober um 16.15 Uhr. Im Rahmen der Eröffnung werden die Kooperationsbeteiligten Prof. Dr. Christiane Schmullius, SALDi-Koordinator PD Dr. Jussi Baade und Susen Reuter kurze Einblicke in ihre Arbeit und das Projekt geben.

Zu sehen bis 26. November, Montag bis Donnerstag jeweils von 11 bis 18 Uhr und freitags von 11 bis 16.30 Uhr im Ausstellungsraum im Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1, Raum 25)

Weitere Informationen https://www.susenreuter.com/themen/geo-art/

Abbildung: Künstlerin Susen Reuter verwandelte Satellitenaufnahmen in kunstvolle Gemälde. (Foto: Susen Reuter)


Fragile Pracht

Grassi Museum Leipzig zeigt Glanzstücke der Porzellankunst: 13.11.2021 – 9.10.2022
Grassi Museum Leipzig Ausstellung

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst präsentiert ab 13. November in seiner Art déco-Pfeilerhalle über 400 herausragende Porzellane des 18. und 19. Jahrhunderts aus der eigenen Sammlung. Dabei sind die bedeutendsten Manufakturen sowohl mit Geschirren als auch Figuren vertreten – aus der Zeit des Barock, Rokoko, Klassizismus und Biedermeier. Schwerpunkte bilden frühe Porzellane der Manufaktur Meissen, der ersten Porzellanmanufaktur Europas, aber auch Porzellane der Thüringer Manufakturen Gera, Gotha, Limbach, Kloster Veilsdorf, Volkstedt und Wallendorf. Erstmals werden Porzellane der Meissener Manufaktur nach Pressglasvorlagen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im GRASSI Museum für Angewandte Kunst vorgestellt.

Bedeutende Schenkungen der letzten Jahre ergänzen die Präsentation. So ist beispielsweise eine Auswahl von Stücken aus der im Jahr 2015 erhaltenen Schenkung von 330 Objekten kostbarer früher Meissener Porzellane mit Höroldt-Malereien zu sehen. Ebenso gezeigt werden einige Stücke der vier Jahre später erhaltenen Kollektion von 36 außergewöhnlich detailliert bemalten Tellern der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin aus einem botanischen Service, das vermutlich für Kaiserin Joséphine von Frankreich von Napoleon Bonaparte in Auftrag gegeben worden war.
Präsentiert werden Porzellane mit Chinoiserien, Jagdszenen, Soldaten- und Schlachtendarstellungen, „Deutschen“ und „Indianischen“ Blumen, religiösen Motiven, aber auch antiken Helden sowie Göttinnen und Götter, Figuren der Commedia dell´arte und Berufsdarstellungen, des weiteren Freundschaftstassen, Tiere, Porträts und Porzellane aus Biskuitporzellan.

Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen: http://www.grassimak.de/programm/kalender/

Abbildung: Bacchant und Bacchantin, Modell: Johann Joachim Kändler, Porzellan-Manufaktur Meissen, um 1765, Porzellan, polychrom bemalt und vergoldet, Ankauf von Willy Lessauer, Berlin, 1930 (Foto: Esther Hoyer)


Moderne in der Provinz

Ausstellung im Kultur:Haus Dacheröden in Erfurt
Erfurt Ausstellung Moderne in der Provinz

Die Ausstellung gibt Ergebnisse eines seit 2018 laufenden Bildungs- und Forschungsprojekt an der Erfurter Universität wider, das mit der Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und in Kooperation mit dem Verein Weimarer Republik realisiert wird.
Die mit der ersten deutschen Demokratie verbundene gesellschaftliche und kulturelle Moderne gilt oft als ein eher großstädtisches Phänomen, mit dem zuvorderst die Metropole Berlin verbunden wird. Die Exposition zeigt die mit der Moderne verbundene gesellschaftliche Entwicklung in den Städten des 1920 gegründeten Freistaats Thüringen. Ohne Verbreitung vor Ort, ohne ein Eintreten für gesellschaftliche Werte auch in der Provinz, hätten sich aus Sicht der an der Ausstellung Beteiligten neue Strömungen, Ideen, Praktiken und Werte gar nicht durchsetzen können. Gleichzeitig verweisen sie auf die regionalen Besonderheiten. Ergänzend werden zeitgenössische Original-Filmplakate aus der Sammlung der Universität Erfurt gezeigt.

Foto: (c) Stadtarchiv Erfurt


Das Spiel der Könige von früher bis heute

Ausstellung zum Thema Schach in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena
Schach Ausstellung Universität Jena

(Uni Jena/viv) Es gibt eine Sache, die der Gründer der Universität Jena „Hanfried“, der Namensgeber der Universität Friedrich Schiller, eine Netflix-Serie und eine Corona-Entwick­lung gemeinsam haben: Schach. Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen („Hanfried“) und Friedrich Schiller waren in ihrer Freizeit enthusiastische Schachspieler. Durch die Netflix-Serie „Das Damengambit“ erlangte das Spiel der Könige auch in jüngster Zeit wieder ver­stärkte Aufmerksamkeit, und die Nutzung von Online-Schachspielen während der Corona-Krise boomt. Und so passt die neue Ausstellung in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) gut in die Zeit und zur Universität. Es geht in der Schau um „Schach. Spiel – Sport – Wissenschaft – Kunst“. 

In zehn Vitrinen im Ausstellungsraum im Foyer des ThULB-Hauptgebäudes (Bibliotheksplatz 2) wird das Thema Schach aus verschiedenen Perspektiven und im zeitlichen Verlauf darge­stellt. Die Ausstel­lung präsentiert, wie Schach seit seiner Entstehung im 6. Jahrhundert im nördlichen Indien bis heute die Gesellschaft beschäftigt, vom Höfischen ins Bürgerliche überging, heute sogar als Sportart betrachtet wird und ganz nebenbei, also „en passant“, unsere Sprache beeinflusst.

Aus kulturhistorischer Sicht wird unter anderem eine Legende zum Ursprung des Schachspiels in der Schedelschen Weltchronik aus den Beständen der Universität gezeigt. Außerdem wird eine Kopie des in Jena aufbewahrten ältesten deutschen Schachlehrbuchs „Das Schach- oder König-Spiel" von 1616 ausgestellt und der „Schach-Türke“ thematisiert – die erste mecha­nische Schachmaschine aus dem Jahr 1770. Scheinbar automatisch spielte eine orienta­lisch-gekleidete Figur gegen beliebige Spieler – und gewann in den meisten Fällen.

Aber auch die Geschichte des Schachs wird umfangreich beleuchtet. Thematisiert wird dafür in der Ausstellung die Schachpublizistik, denn Schach gilt als die Sportart mit den meisten Publikationen. Einblicke gibt die Ausstellung in Schachbücher, die z. B. Anleitungen zu Spiel­zügen bereithalten. Zu den Publikationen gehören aber auch zahlreiche Fachzeitschriften. Selbst in der Belletristik und im Film wurde das Schachspiel aufgegriffen. Die Ausstellung zeigt wichtige Beispiele.

Foto: André Karliczek


Gerhardt-Altenbourg-Preis 2021 an Ruth Wolf-Rehfeldt

Retrospektive im Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg bis 14. November
Gerhardt-Altenbourg-Preis 2021 Altenburg Ausstellung

Ruth Wolf-Rehfeldt wird mit dem Gerhard-Altenbourg-Preis des Jahres 2021 ausgezeichnet. Anlässlich der Verleihung des wichtigsten Thüringer Kunstpreises an die Künstlerin präsentiert das Lindenau-Museum Altenburg eine umfangreiche Retrospektive im Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg. Der Vorsitzende des Kuratoriums, der Direktor des Lindenau-Museums, Dr. Roland Krischke, würdigte insbesondere die feinsinnige Ironie der Arbeiten Wolf-Rehfeldts und den nie zu bändigenden Freiheitsdrang der Künstlerin, der in außergewöhnlichen Kunstwerken zwischen Bild, Sprache und originellen Aktionen einen Ausdruck gefunden habe.

Ruth Wolf-Rehfeldt wurde am 8. Februar 1932 im sächsischen Wurzen geboren. Nach einer Lehre als Industriekauffrau zieht sie 1950 nach Ost-Berlin, wo sie zunächst an der Arbeiter- und Bauernfakultät der Humboldt-Universität und danach zwei Semester Philosophie studiert. 1955 heiratet sie den Künstler Robert Rehfeldt, mit dem sie ein Jahr später den Sohn René bekommt. Ab den späten 1950er Jahren verfasst sie eigene Gedichte, kurz darauf entstehen erste Malereien. Bereits in den frühen Jahren ihrer künstlerischen Laufbahn pflegt sie einen intensiven Kontakt mit anderen Künstlern, die Wohnung fungierte häufig als Ort größerer Treffen der damaligen Kunstszene. 1965 werden erstmals Werke Ruth Wolf-Rehfeldts ausgestellt. Als freischaffende Künstlerin (seit 1971) tätig, entstehen 1972 die ersten Typewritings und 1974 die erste Mail Art. Es folgt eine ganze Reihe an Einzel- und Gruppenausstellungen mit Werken der Künstlerin innerhalb der DDR, aber auch im Ausland. Ende der 1970er Jahre entstehen die ersten Collagen. 1990 stellt Ruth Wolf-Rehfeldt ihre aktive künstlerische Arbeit ein. Auch danach werden Ihre Werke in zahlreichen nationalen wie internationalen Ausstellungen präsentiert.

Abbildung: Ruth Wolf-Rehfeldt, o.T., 1987, Foto: Zentrum für Künstlerpublikationen, Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen


Wölfe, Klagemauer und Kakteen

Erfurt: Gruppenausstellung mit acht Künstlerinnen zum Festjahr „2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“
Gruppenausstellung KAYFUYEM Erfurt

Die Gruppenausstellung KAYFUYEM findet anlässlich des Themenjahres „2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ in der Galerie Waidspeicher in Erfurt statt. Sie ist außerdem Teil der ACHAVA Festspiele Thüringen 2021 und zeigt die unterschiedliche Auseinandersetzung acht junger jüdischer Künstlerinnen aus ganz Deutschland mit Kunst, Kultur, Religion und Identität. Vom 23.9. bis zum 28.11. wird in der Galerie Waidspeicher Malerei, Skulptur, Zeichnung, Collage und Installation zu sehen sein.
Die Werkschau zeigt, mit welchen historischen und/oder zeitgenössischen Themen sich die Künstlerinnen auseinandersetzen. Ihre Identität spielt dabei die zentrale Rolle. Vorrangig sind es Werke anhand derer ihre Auseinandersetzung mit subjektiven Fragestellungen, wie Selbstfindung, Spiritualität, Herkunft sowie Politik und Gesellschaft zum Ausdruck gebracht werden. So lassen sich anhand der verschiedenen Positionen nicht nur unterschiedliche künstlerische Gestaltungsweisen und Handschriften nachvollziehen. Sondern es werden gleichzeitig die einzelnen Lebenswege und -weisen der Künstlerinnen beleuchtet.
Der Ausstellungstitel KAYFUYEM symbolisiert genau diese Vielfaltstimmigkeit und steht für die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse, die als prägend für jüdisches Leben heute maßgeblich sind:
כיף [keff] ist hebräisch für Vergnügen, ‚Plausch‘, Amüsement; im Russischen steht кайф [kayf] für Vergnügen, Wonne, Spaß. Daraus wurde ‚kayfuyem‘ – Slang für genießen, gut gehen lassen oder Spaß haben. Der Begriff ist unter russischstämmigen Juden in Israel, Deutschland und darüber hinaus weitläufig bekannt. Der Titel vereint somit die Verschiedenheit der Positionen, Lebensgeschichten und kulturellen Hintergründe, die sich in der Ausstellung finden lassen. Er lädt dazu ein, das gemeinsame Leben und die Gemeinschaft mit anderen zu genießen.


Mit der Ausstellung soll eine Lücke gefüllt werden, eine Lücke, die impliziert, dass in der Gesellschaft noch immer zu wenig Wissen über die jüdische Gegenwartskultur, besonders über weibliche, jüdische Kulturschaffende im heutigen Deutschland herrscht. Im Festjahr „2021 – Jüdisches Leben in Deutschland (#2021JLID)“ soll daher mit ausschließlich weiblichen Akteurinnen aus dem Bereich zeitgenössischer Kunst, der Fokus explizit auf diese Generation gerichtet werden. Denn die Gruppenausstellung möchte – der Intention des Festjahres folgend – jüdisches Leben und Wirken im heutigen Deutschland sichtbar und erlebbar machen. Von zentraler Bedeutung ist die Frage, welche Rolle deren jüdische Identität für ihre Kunst und das daran angeschlossene Leben als junge Frauen in Deutschland spielt.
Teilnehmende Künstlerinnen:
Natascha Borodina (Erfurt), Daniela Bromberg (Erfurt), Zohar Fraiman (Berlin), Toni Mauersberg (Berlin/ Tirol/ Jerusalem), Anna Nero (Frankfurt a. M.), Ofra Ohana (Leipzig), Shanee Roe (Leipzig/ Tel Aviv) und Shira Wachsmann (Berlin/ London).

Zu sehen bis 28. November

Abbildung: Maria Johanna, 70 x6 0 cm, oil on canvas, 2017


Alba Frenzel erhält 13. Aenne-Biermann-Preis

Ausstellung mit Fotos der Preisträgerinnen und Preisträger bis 28. November im Museum für Angewandte Kunst Gera
13. Aenne-Biermann-Preis Gera

Der 13. Aenne-Biermann-Preis der Stadt Gera, dotiert mit einem Preisgeld von 3.000 €, geht an Alba Frenzel aus Stuttgart für ihre Arbeit "Artenforscherin". Ihre Serie besteht unter anderem aus 52 Unikat-Fotogrammen, die unter der Verwendung von Eiern in verschiedenen Erscheinungs- und Zubereitungsformen entstanden sind. Die Jury beeindruckte die ungewöhnliche Herangehensweise an das Material, den künstlerischen Prozess und die Präsentation der Arbeiten.

Der zweite Preis, dotiert mit einem Preisgeld von 1.500 €, geht an Julian Slagman (Hamburg) für seine Bruderreportage "Mats" verliehen. Drittplatzierte (1.000 €) ist Daniela Friebel (Berlin) mit ihrer Werkserie "Auspicia". Jeweils eine Anerkennung à 500 € erhalten Uli Kaufmann (Berlin), Annette Rausch (Berlin), Michael Romstöck (Essen) und Ulrike Hannemann (Berlin). - Seit 1992 lobt die Stadt Gera den Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie in einem Turnus von zwei Jahren aus. Der Fotopreis wird gemeinsam von der Stadt Gera und der Kunst- und Kulturförderung der SV SparkassenVersicherung veranstaltet sowie vom Land Thüringen unterstützt. Angelehnt an das autodidaktische Schaffen der Fotografin Aenne Biermann ist der Wettbewerb offen für alle Interessierte, angehende Künstlerinnen und Künstler sowie erfahrene Fotografinnen und Fotografen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der 13. Jahrgang um ein Jahr auf 2021 verschoben. Insgesamt hatten sich an der Ausschreibung des Museums für Angewandte Kunst Gera im Jahr 2020 60 Fotografinnen und Fotografen mit 96 Werkserien beteiligt.

Foto: Blick in die Ausstellung // Stadtverwaltung/Monique Hubka


Landschaften im Licht

Ausstellung im Schiller-Museum in Weimar entdeckt den deutschen Impressionisten Ludwig von Gleichen-Rußwurm

Flirrendes Sonnenlicht, die sommerlichen Strände der Normandie und sanfte Hügel vor weitem Horizont – die Ausstellung „Landschaften im Licht“ entdeckt einen der ersten deutschen Impressionisten wieder: Ludwig von Gleichen-Rußwurm (1836–1901), einen Enkel Friedrich Schillers. Als erste große Überblicksschau zeigt die zweite Hauptausstellung des Themenjahrs „Neue Natur“ vom 23. Oktober 2021 bis 16. Januar 2022 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Neubewertung des deutschen Impressionismus wird Gleichen-Rußwurm als einer der herausragenden Künstler seiner Zeit wieder umfassend sichtbar. Die Ausstellung im Schiller-Museum ist in Zusammenarbeit der Klassik Stiftung Weimar mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach entstanden, die einen Großteil des künstlerischen Nachlasses verwahren. Begleitend erscheint ein umfangreicher Katalog.

Ludwig von Gleichen-Rußwurm gehört zu den Pionieren einer fortschrittlichen Malerei in Deutschland. Um 1900 würdigte ihn der Kunstkritiker Julius Meier-Graefe als denjenigen Künstler, der als Erster den französischen Impressionismus in die deutsche Malerei eingeführt habe. 1901 zeigte Paul Cassirer in seiner Berliner Galerie eine große, vielbeachtete Retrospektive. Während sich der Impressionismus in den Jahren nach seinem Tod in Deutschland durchsetzte, geriet Gleichen-Rußwurm dagegen immer mehr in Vergessenheit.
Ab 1869 studierte Ludwig von Gleichen-Rußwurm an der Weimarer Kunstschule als Schüler von Theodor Hagen. Er entdeckte früh die französische realistische Freilichtmalerei und reiste nach Barbizon. Noch vor anderen Künstlern der „Weimarer Malerschule“ fand er charakteristische Motive in der ländlichen Umgebung Weimars, die er in Ölstudien mit skizzenhaft-lockerem Pinselstrich und frischer Farbigkeit festhielt. Die Jahreszeiten mit ihren Lichtstimmungen und der Charakter der Landschaft stehen auch im Fokus seiner späteren Darstellungen ländlichen Lebens unweit des Familiensitzes Schloss Greifenstein bei Würzburg. Sie vermitteln ein Gefühl der Einheit von Mensch und Natur, das zur Zeit der Industrialisierung auch für die Landwirtschaft bereits verloren war. Ab 1873 war Gleichen-Rußwurm bei bedeutenden deutschen und internationalen Ausstellungen wie der Pariser Weltausstellung vertreten und wurde als einer der fortschrittlichsten Weimarer Freilichtmaler wahrgenommen.

Als er 1889 die ersten Gemälde Claude Monets in Weimar sah, reagierte er unmittelbar auf die neue impressionistische Bewegung. Helle Farben und eine spontan-bewegte Malweise prägen Gemälde wie „Die große Bleiche“, mit dem er im selben Jahr auch seine Motivwelt erweiterte. Nur wenig später als etwa Max Liebermann nahm er Themen aus der modernen bürgerlichen Welt auf, von städtischen Vergnügungen wie Biergärten bis hin zu den Spaziergängern in den berühmten Parkanlagen von Schloss Nymphenburg in München oder dem Würzburger Hofgarten. Nach dem Vorbild Monets oder Pissarros wandeln Gleichen-Rußwurms elegant gekleidete Damen mit rotem Sonnenschirm unter blühenden Obstbäumen, über sommerliche Wiesen oder auf kunstvoll angelegten Parkwegen.
Auch frühe Orte des Tourismus finden sich darunter wie Helgoland oder der Strand von Trouville. Die intimen, detailreichen Schilderungen des Strandlebens an der französischen Normandieküste, an der holländischen und deutschen Nordsee verraten noch nichts von den Folgen des Massentourismus. In eindrucksvollen Lichtstimmungen changieren auch sie zwischen der Darstellung eines harmonischen Einklangs von Mensch und Natur und der für den Impressionismus typischen „Malerei des modernen Lebens“.

Als moderner Künstler, Adliger und Enkel Friedrich Schillers war Gleichen-Rußwurm ein Grenzgänger zwischen den Zeiten und Kulturen mit einem ganz eigenen Blick. Mit fortschreitendem Alter wurde er immer experimentierfreudiger und ließ sich auch von öffentlicher Ablehnung nicht irritieren. In seinen späten Werken öffnete er sich für die neuesten künstlerischen Tendenzen wie den Symbolismus und Neoimpressionismus und wurde Ende der 1890er-Jahre zu den führenden Avantgarde-Ausstellungen der Secessionen in München, Berlin und Wien eingeladen. Sein letztes Gemälde „Landschaft mit Windmühle“ mit überraschend starken expressiven Zügen zeigte die dritte Ausstellung der Berliner Secession 1901 neben einigen erstmals in Deutschland ausgestellten Werken Vincent van Goghs.

Die Ausstellung im Schiller-Museum wird von einem Vortragsprogramm begleitet. Am 7. November, 5. Dezember und 16. Januar finden Führungen mit der Kuratorin statt. Im Anschluss ist die Ausstellung vom 4. Februar bis 15. Mai 2022 im Museum im Kulturspeicher Würzburg zu sehen.


Simon Weckert: Ubuntu – das andere Ich!

Zu sehen bis 9. Januar 2022 im Museum Gunzenhauser / Chemnitz

Im Museum Gunzenhauser werden Arbeiten des in Chemnitz aufgewachsenen Künstlers Simon Weckert unter dem Titel Ubuntu - The other me! präsentiert, die sich mit dem zunehmenden Einfluss künstlicher Intelligenz auf unseren Alltag befassen.

Weckert, der künstlerisch voll und ganz in der digitalen Welt beheimatet ist, wirft dort Fragen nach unserer Identität auf. Was macht unser Menschsein aus, wenn Künstliche Intelligenz, Algorithmen und Deep Learning immer mehr Aufgaben etwa im Alltag und am Arbeitsplatz übernehmen? KI dringt immer tiefer in unseren Alltag vor. Die Geschwindigkeit von technischen Veränderungen war kaum jemals so groß wie heute. Auch in der Kunst hat die sich weiterentwickelnde Technik Einzug gehalten. Mit ihrer Hilfe können Bilder erschaffen, Texte geschrieben und Musik komponiert werden. Aber wie können wir uns dabei in Abgrenzung zu Maschine positionieren? Wer produziert den Inhalt und das Wissen, das wir uns aneignen, wie beeinflusst dies unser Leben, wer profitiert davon, inwieweit überlassen wir unser Leben der Digitalisierung und KIs?

Simon Weckert erregte 2020 mit der Arbeit Google maps hacks Aufsehen, als er mit 99 eingeschalteten Smartphones, die aufgestapelt auf einem Handwagen lagen, eine Straße entlang zog. Auf Google Maps wurde daraufhin ein virtueller Stau angezeigt und folglich Autos in der physischen Welt auf eine andere Route umgeleitet, um nicht im Stau stecken zu bleiben. In der Chemnitzer Ausstellung werden diese, sowie weitere bestehende, aber auch neue für die Ausstellung geschaffene interaktive Werke präsentiert. In This [] does not exist etwa fragt der Künstler nach den äußeren Merkmalen, die uns einzigartig machen und nutzt dafür einen Algorithmus, der basierend auf einer Datenbank täuschend echte Porträts erzeugt. Wie bereits in Google maps hacks setzt sich auch die Installationen Google maps Borders mit der Wissens-, Interessens- und Machtproduktion von Online-Diensten auseinander. Bei Google Maps beobachtet Weckert, dass die Landesgrenzen von einigen Ländern unterschiedlich dargestellt werden, je nachdem, in welchem Land Google genutzt wird. Dies wirft die Frage auf, inwieweit Karten Realität abbilden oder gar erschaffen können.

Ein umfangreiches Begleitprogramm, das in Zusammenarbeit mit dem Sonderfor-schungsbereich Hybrid Societies an der TU Chemnitz entstanden ist, schlägt die Brücke zur Wissenschaft, die den Einfluss von Technik auf unseren Lebensalltag analysiert.

Digitales Künstler:innengespräch: Freitag, 22. Oktober, 19 Uhr, mit Cristina Lucas und Simon Weckert (in Kooperation mit dem POCHEN Symposium)
Lesung und Konzert: Mittwoch, 10. November, 18:30 Uhr - Theresa Hannig liest aus Die Optimierer und Die Unvollkommenen - im Rahmen der Reihe Chemnitz liest Asimov / Bertolt Meyer (Dessert/Berlin; nonono/Leipzig), Professor am Institut für Psy-chologie der TU Chemnitz und DJ - Thought-controlled music Performance (in Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich Hybrid Societies an der TU Chemnitz)
Künstlerführung: Mittwoch, 1. Dezember, 18:30 Uhr
Podiumsdiskussion: Mittwoch, 8. Dezember, 18:30 Uhr - Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Wohin mit dem Elektroschrott? Prof. Dr. Marlen Gabriele Arnold, BWL–Betriebliche Umweltökonomie und Nach-haltigkeit, TU Chemnitz; Sascha Förster, Geschäftsführer BEC Becker Elektrore-cycling Chemnitz GmbH; Simon Weckert, Berlin; N. N., Sächsisches Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Moderation: Martin Jähnert, Leipzig


Zander, Likörelle, Ottifanten

Malerei & Zeichnungen von Udo Lindenberg, Frank Zander und Otto bis 28. November in Bad Elster zu sehen
Bad Elster Ausstellung Frank Zander

Die Ausstellung als Kooperation der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH (CVG) und der Walentowski Galerien zeigt in der KunstWandelhalle Bad Elster neben den „echten Zandern“ auch „panische Likörelle“ des großen Udo Lindenberg oder Szenen aus dem „Ottifanten“-Universum des Kultkomödianten Otto Waalkes sowie Malerei von Schauspiellegende Armin Mueller-Stahl. Ein großer Anteil der Werkschau gilt dabei den Arbeiten von Frank Zander. Er ist studierter Grafiker und meistert die Malerei mit einem Feingefühl der Farben und Formen. Mit scheinbarer Leichtigkeit und Hingabe fertigt er bereits seit vielen Jahren Acryl- und Ölbilder und bringt seine Zander-typischen, verrückten und skurrilen Fische auf die Leinwand. „Die Bilder sind fröhlich bunt, frech und mit viel Humor beflügelt und zeugen auch von persönlichen Blickwinkeln und Sichtweisen des Künstlers“ erklärt Ute Gallert als Projektkoordinatorin der gesamtverantwortlichen CVG und ergänzt: „Unsere Ausstellung zeigt jedoch nicht nur seine Zander, sondern auch seine besonderen Portraitmalereien, die z.B. Weltstars wie Prince, Freddie Mercury oder Paul McCartney abbilden.“ Das bildgewaltige Arrangement der Gesamtausstellung zeugt so in seiner Fülle von der Kreativität verschiedenster Künstlerpersönlichkeiten. Die farbenfrohe Ausstellung kann bis zum 28. November jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 14.00 bis 17.30 Uhr sowie an den Wochenenden und an den Feiertagen zusätzlich von 09.30 Uhr bis 12.00 Uhr sowie zu den Veranstaltungen in der KunstWandelhalle Bad Elster inmitten der Königlichen Anlagen besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Infos: 037437/ 53 900 | www.kunstwandelhalle.de

Foto: Echte Zander (@ Antonia Vogel)


Gera: Ausstellung "Formen geben" in der Neuen Galerie für Zeitgenössische Kunst

Zu sehen bis 28. November
Franziska Reinbothe Ausstellung Gera Häselburg

In der Neuen Galerie für Zeitgenössische Kunst in der Häselburg Gera zeigt die neue  Ausstellung „Formen geben“ Werke der Leipziger Malerin Franziska Reinbothe. Sie präsentiert eine Auswahl aktueller Werke. Es sind erstaunlich unterschiedliche künstlerische Arbeiten zu sehen, die mit den vielfältigen Möglichkeiten der Dekonstruktion des monochromen Tafelbilds und seiner skulpturalen Erweiterung experimentieren.

Franziska Reinbothe wurde 1980 in Berlin geboren. Ihr Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig schloss sie 2013 mit einem Meisterschülerstudium ab. Mit ihrer ungewöhnlichen Herangehensweise an die Malerei hat sie sich schnell einen Namen gemacht und zählt heute zu den interessantesten Künstlerinnen ihrer Generation. Ihre Werke wurden in bedeutenden Museen für zeitgenössische Kunst ausgestellt. Ihre Malerei war unter anderem im Kunstraum Kreuzberg, in der Hamburger Kunsthalle, in den Kunstsammlungen Chemnitz und den Deichtorhallen Hamburg zu sehen. Als Bildende Künstlerin erarbeitet sich Franziska Reinbothe innerhalb der Malerei verschiedene Strategien der Bildfindung. Ihre Ausgangsfrage lautet stets: Was passiert, wenn…? Dabei interessiert sie dasjenige, was für gewöhnlich verborgen bleibt: die Rückseite eines gemalten Bildes und seine Ränder. Um sie sichtbar zu machen, staucht Franziska Reinbothe Leinwände zusammen, legt Keilrahmen frei oder verzichtet gleich ganz auf sie. Sie dehnt, faltet, zerbricht, durchschneidet und/oder vernäht ihre Bilder nach Beendigung des Malprozesses. Einige von ihnen ragen dann weit in den Raum hinein, andere haben sich bereits vollständig von der Wand gelöst.

Franziska Reinbothe vertraut auf das Machen, anstatt im Vorhinein einengende Entscheidungen zu fällen. Was passiert denn, wenn sie dem Bild die Leisten bricht? Und wie sieht es aus, wenn sie statt Farbe zum Beispiel durchsichtiges Chiffongewebe verwendet? Neugier und Impulsivität sind Franziska Reinbothes Antriebe – und Zufall und Unfall liegen in ihrer künstlerischen Arbeit nahe beieinander. Immer aber geht es um zeitgenössische Malerei, deren Mittel und Möglichkeiten.

Zu sehen bis 28. November 2021, Neue Galerie für Zeitgenössische Kunst, Kulturhaus Häselburg, Burgstraße 12, 07545 Gera / Öffnungszeiten: Di – So, 12 – 17 Uhr

Abbildung: Franziska Reinbothe: ohne Titel, ca. 150 x 140 x 13 cm, Acryl auf Leinwand (Fotorechte: Michael Ehritt)

https://www.ngfzk-gera.de/


Cleo-Petra Kurze: Cartoons und so.

Ausstellung im Sommerpalais Greiz
Cleo-Petra Kurze Ausstellung Sommerpalais Greiz

Das Satiricum des Sommerpalais zeigt eine Ausstellung von Cleo-Petra Kurze mit Werken ihres künstlerischen Schaffens der letzten 45 Jahre. Dazu stellt die Künstlerin Zeichnungen aus ihrem privaten Depot zur Verfügung. Erg änzt wird die Schau aus dem Bestand der Sammlung im Sommerpalais. Cleo-Petra Kurze, studierte von 1970-1975 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Von da an war sie freiberuflich als Illustratorin und Cartoonistin tätig. Sie war regelmä ßige Teilnehmerin an den Biennalen und den Triennalen der Karikatur im Greizer Sommerpalais.

Zu sehen bis 6. März 2022 / Öffnungszeiten: Di-So 10 bis 16 Uhr


Brückenschlag zu Gegenwartskunst im Kunstverein Gera

Ausstellung widmet sich Kunstvereinen und Künstlerbünden in Thüringen

In Auseinandersetzung mit seinem historischen Vorgänger zeigt der Kunstverein Gera e.V. bis zum 11. Dezember 2021 ausgewählte Werke thüringischer Künstler des frühen 20. Jahrhunderts in Verbindung mit Arbeiten junger Gegenwartskünstler*innen. Die als Wohnzimmerausstellung konzipierte Schau bietet Einblicke in die vielfältige Thüringer Kunstvereinslandschaft zwischen 1860 und 1945 und schafft zugleich einen Brückenschlag zum heutigen Kunstschaffen.
Die Exposition, eingebettet in ein historisches als auch ein zeitgenössisches Zimmer, beschäftigt sich zum einen mit der bewegten Geschichte der Künstlerbunds- und Kunstvereinsgründungen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, zum anderen geht sie der Frage nach, welche Bedeutung den Kunstvereinen damals und heute beizumessen war und ist. Mit Werken lokaler Kunstschaffender wie Willy Müller-Gera und Walther Klemm sollen Vertreter damaliger, in Gera vielfach beachteter Ausstellungen erneut dem Publikum zugänglich gemacht werden und wiederholt Eingang in die Ausstellungschronik des Kunstvereins Gera finden. Im fließenden Übergang werden die zeitgenössischen Arbeiten der Kunstproduzenten MINETTA, Jennifer König, Tino Geiss, Elisabeth Ehmann und Maja Behrmann die historische Kunst zugleich kontrastieren wie auch komplettieren, wodurch ein räumliches und zeitliches Durchschreiten der Kunstvereinshistorie ermöglicht werden wird.
Gezeigt werden Arbeiten von MINETTA (Erfurt), Jennifer König (Leipzig), Tino Geiss (Leipzig), Elisabeth Ehmann (Berlin) und Maja Behrmann (Berlin), sowie historische Arbeiten von Kurt Günther, Erich Drechsler, Paul Neidhardt, Alfred Ahner und anderen. Die Ausstellung entsteht im Rahmen einer im nächsten Jahr erscheinenden Publikation zum gleichlautenden Thema der Kunstvereinslandschaft. Der Kunstverein lädt alle Interessenten zur Vernissage der Ausstellung am Donnerstag, den 30.09.2021, in die Räume am Markt 8/9 ein. Einlass ist ab 17 Uhr, Begrüßung und Einführung ab 19 Uhr. Zum gegenseitigen Schutz bitten wir um Einhaltung der derzeit geltenden besonderen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen.

Ausstellungsführungen: 19. November, 17 Uhr // 20. November, 15 Uhr / 3. Dezember, 17 Uhr // Vortrag zur Ausstellung: 15. Oktober, 19 Uhr

Kunstverein Gera e.V., Markt 8/9 | 07545 Gera
Donnerstag bis Samstag 15:00 - 18:00 Uhr

www.kunstverein-gera.de


Schauderhaft Schönes aus dem Reich der Natur

Ausstellung „Tödliche Schönheiten“ im Naturkundemuseum Gera

Wenn auch die Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters liegen mag, sieht es mit Tödlichem eindeutiger aus. Das Museum für Naturkunde in Gera präsentiert mit „Tödliche Schönheiten“ eine neue Sonderausstellung, in der attraktive Naturobjekte aus der Welt der Minerale, Pilze, Pflanzen und Tiere gezeigt werden, die es allesamt in sich haben. Der Kontrast zwischen schillernden Farben und skurrilen Formen auf der einen sowie gefährlichen Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen auf der anderen Seite weckt die Neugier auf das, was sich dahinter verbirgt. „Die Mitarbeiter des Museums für Naturkunde haben die ursprünglich für 2020 geplante Ausstellung in liebevoller Handarbeit gestaltet und prall mit aktuellem Hintergrundwissen aus Wissenschaft und Forschung gefüllt“, so Kulturamtsleiterin Dr. Claudia Tittel.

Nach einer Erläuterung zum Unterschied von Giftigkeit und Gefährlichkeit eröffnet eine Liste der 27 giftigsten Substanzen die Ausstellung – Botox und Koffein lassen grüßen. Im Reich der Minerale gibt es eine ganze Reihe beeindruckender Schönheiten mit gefährlichen Eigenschaften, die anhand von 39 Beispielen präsentiert werden. Viele davon sind Schwermetallverbindungen mit intensiven Farben, die durch ihre traditionelle Verwendung als Farbpigmente schon seit Jahrhunderten zu Vergiftungen führten, wie etwa die Beschreibung von Quecksilbervergiftungen aus der Römerzeit belegen. Von Arsenolith bis Zinnober warten ausgesuchte Stücke auf die Besucher – sicher hinter Glas. Die Gefährlichkeit des funkelnden Bergkristalls oder der filigranen Asbestminerale in den Vitrinen ist nicht gleich zu erahnen, denn sie ergibt sich erst bei ihrer Gewinnung und Verarbeitung. Darüber hinaus thematisiert die Ausstellung die Gefährlichkeit der oftmals fantastisch aussehenden radioaktiven Minerale hinsichtlich Ursache und Wirkung. Die Ausstellung gibt Hinweise und Tipps, welche Verhaltensregeln und Maßnahmen die Gefahr, die von solchen Mineralen ausgeht, entschärft.

Die meisterhaften Pilzreplikate des Museumspräparators Rainer Michelsson leiten den biologischen Teil der Ausstellung ein und zeigen ikonische und auch unbekanntere Giftpilze wie Fliegenpilz und Satansröhling, Mutterkorn und Nebelkappe, aber auch ihre essbaren Doppelgänger. Fallberichte von Vergiftungen lassen den Besucher erschaudern. Aber auch die alltägliche Gefahr, die von unsachgemäß gelagerten Lebensmitteln und ihren schimmeligen Bewohnern ausgeht, kommt nicht zu kurz. Schimmelpilze umspannen den kulturhistorischen Bogen vom Fluch des Pharaos bei der Öffnung der Grabkammer Tutanchamuns über die medizinisch bahnbrechende Entdeckung des Antibiotikums Penicillin bis hin zum Roquefort. Wo dabei die Schönheit bleibt? Der Blick ins Mikroskop verrät es.

Einige der schönsten Gartenpflanzen zählen zu dem Giftigsten, was die Natur zu bieten hat. Blauer Eisenhut, Herbstzeitlose und Roter Fingerhut erzählen Geschichten davon, was man als Kräuterhexe besser lassen sollte. Eine Vitrine widmet sich giftigem Holz und zeigt wunderschön gemaserte Baumscheiben von Goldregen, Robinie & Co. neben detaillierten Angaben zu den toxischen Inhaltsstoffen, Wirkmechanismen und Tipps für den praktischen Umgang im Kleingarten. Direkt daneben breitet ein drei Meter hohes Präparat des Riesen-Bärenklaus seine Doldenschirme über den Besuchern aus. Der Pflanzensaft eines frischen Exemplars kann bei Berührung der Blätter in Kombination mit Sonnenlicht Verbrennungen und Schockzustände auslösen.

Ein eigener Ausstellungsraum ist den Gifttieren gewidmet. Apart gemusterte Kegelschnecken, pieksige Skorpionsfische und Rochenstacheln deuten an, dass der Kampf ums Überleben in den Weltmeeren allerlei gefährliche Blüten treibt, vor denen auch Badegäste am Mittelmeer wissen sollten. Vor historischen Wandtafeln mit anatomischen Skizzen zum Giftapparat der Kreuzotter werden die in Deutschland vorkommenden giftigen Amphibien und Reptilien als lebensechte Replikate vorgestellt, während Naturbegeisterte auf den sachgerechten Umgang mit ihnen in Natura hingewiesen werden. Zugegeben, eine tödliche Gefahr ist von unseren heimischen Arten kaum zu erwarten, doch das ändert sich mit dem krönenden Abschluss der Schau: Sicher verwahrt in drei artgerecht eingerichteten Terrarien werden lebende Gifttiere gezeigt, deren Artgenossen weltweit mehrere tausend Todesopfer pro Jahr einfordern. Die Rede ist von der Schwarzen Witwe, dem Dickschwanzskorpion und einer über zwei Meter langen Indischen Kobra, der berühmten und in vielen asiatischen Kulturen verehrten Brillenschlange.

Die Ausstellung kann noch bis zum 17. Juli 2022 jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr besucht werden.

Weitere Informationen unter http://www.museen-gera.de


Offene Freundschaften

Präsentation im Nietzsche-Archiv in Weimar zeigt Arbeiten des Künstlerinnenpaars Dora Wibiral und Dorothea Seeligmüller
Nietzsche Archiv Weimar

Bis 31. März 2022 zeigt das Nietzsche-Archiv in Weimar Arbeiten der außergewöhnlichen Kunstgewerblerinnen Dora Wibiral (1876-1955) und Dorothea Seeligmüller (1876-1951). Als Schülerinnen Henry van de Veldes und Lehrerinnen an der Weimarer Kunstgewerbeschule sowie am Bauhaus gingen die beiden Künstlerinnen ihren eigenen Weg jenseits des um 1900 üblichen Frauenbilds. Wibiral und Seeligmüller lebten in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, nahmen als aktive Mitglieder des Frauennetzwerkes um Elisabeth Förster-Nietzsche regelmäßig an Veranstaltungen im Nietzsche-Archiv teil und führten eine eigene Werkstatt. Die Intervention in der Nordveranda des Nietzsche-Archivs zeigt Arbeiten aus Metall und Email sowie typographische Entwürfe, darunter Werke aus dem 2021 erworbenen Nachlass der Kunstgewerblerinnen.

Mi–Mo | 10–18 Uhr (Sommeröffnungszeiten bis zum 1. November 2021)
Mi–Mo | 10–16 Uhr (Winteröffnungszeiten ab dem 2. November 2021)
Nietzsche-Archiv, Humboldtstraße 36 | 99425 Weimar
Die Ausstellung ist im Eintritt für das Nietzsche-Archiv inbegriffen.

Foto: Dora Wibiral und Dorothea Seeligmüller, um 1910. Fotograf unbekannt, © Klassik Stiftung Weimar


Schloss Osterstein - Facetten einer Residenz

Sonderausstellung im Stadtmuseum Gera
Stadtmuseum Gera Schloss Osterstein

Beeindruckende Burgen und Schlösser gibt es viele in Deutschland. Der Osterstein war nicht nur ein Schloss, er war der Sitz einer Landesherrschaft, eine Residenz, und nimmt damit auch in der Thüringer Landesgeschichte eine herausgehobene Position ein. Das Schloss war der Ort, von dem aus rund 700 Jahre lang die Geschichte Geras und von Teilen Ostthüringens bestimmt und geleitet und – mit der Abdankung Heinrichs XXVII. am 11. November 1918 – auch das Ende der reußischen Monarchie besiegelt wurde.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Gera erzählt anhand von rund 150 Objekten die Geschichte des Ortes und des Schlosses von der Bronzezeit bis ins 20 Jahrhundert. Für die inhaltliche Arbeit konnten renommierte Historiker u.a. aus Dresden und Weimar gewonnen werden. So bietet die Ausstellung neue Erkenntnisse über das Alter des Bergfrieds, die Schlosskapelle, die Bedeutung der zahlreichen Hohlwege am Osterstein und die Beseitigung der Schlossruine nach 1945. - Seit Anfang des 13. Jahrhunderts bildete die Burg auf dem Hainberg den Mittelpunkt einer Teilherrschaft der Vögte von Weida. Ein Zweig der Familie nannte sich fortan Vögte von Gera. Die Vögte oder Herren von Gera – wie sie sich seit etwa 1370 nannten – starben 1550 aus. Trotz der schwierigen und gefahrvollen Zeit des Religionsstreits konnte die Greizer Linie der Vögte – die Reußen – in den Folgejahren die Geraer Herrschaft für sich gewinnen und übernehmen. Bereits 1564, nach einer reußischen Landesteilung, wurde Gera erneut die „Hauptstadt“ einer Herrschaft und Schloss Osterstein der Sitz der Herren und späteren Grafen und Fürsten Reuß jüngerer Linie. Im 19. Jahrhundert wurde der Osterstein auch zum Werbeträger und Identifikationsort. Die Geraer waren stolz auf ihr malerisch im Wald und oberhalb der Elster gelegenes Schloss. Der Blick über den Fluss nach Untermhaus und hinauf zum Schloss dürfte um 1900 das häufigste Ansichtskartenmotiv in Gera gewesen sein. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte den Untergang des Schlosses. Bei einem der letzten Fliegerangriffe auf Gera am 6. April 1945 wurde es von amerikanischen Bombern getroffen und brannte vollständig aus. Die Ruinen wurden 1962 zum größten Teil beseitigt.

Zu sehen Dienstag bis Sonntag und Feiertage 11 Uhr bis 17 Uhr

Weitere Informationen unter http://www.museen-gera.de

Foto: Stadtmuseum

 


Cristina Lucas: Maschine im Stillstand

Bis 31. Oktober in den Kunstsammlungen am Theaterplatz Chemnitz

Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentieren die erste umfangreiche museale Einzelausstellung der spanischen Künstlerin Cristina Lucas (geb. 1972 in Jaén, lebt und arbeitet in Madrid) in Deutschland. Im Zentrum der Ausstellung stehen große Videoinstallationen; exemplarische Schlüsselwerke und jüngere Arbeiten der Künstlerin.
Unending Lightning (Unendlicher Blitzschlag) heißt ihre dreiteilige Videoinstalla-tion, die die gesamte Geschichte der Bombenangriffe auf Zivilbevölkerungen seit Erfindung der Luftfahrt untersucht. Die visuelle Datenbank in Form eines mo-numentalen Triptychons wird ständig erweitert, so auch für die Chemnitzer Aus-stellung. Hier wurde vor allem zu Orten in Osteuropa und Russland recherchiert, ebenso zu Syrien, wo angesichts des Ausbruchs der Pandemie zumindest für eine kurze Zeit auf Luftangriffe verzichtet wurde. Auch die Stadt Chemnitz, die am 5. März 1945 schwer bombardiert wurde, ist in die Chronologie aufgenommen.
Ein weiterer Themenblock geht der kritischen Betrachtung ökonomischer Ver-hältnisse nach. Die Videoarbeit Europleasure International Ltd. Touch and Go
widmet sich auf humorvolle Weise dem postindustriellen Strukturwandel in
Liverpool und Gesten des Protestes. In der Stadt mit dem größten Karl Marx Mo-nument darf die Arbeit Surplus Value nicht fehlen, die danach fragt, was aus den Originalmanuskripten von Marx‘ Das Kapital geworden ist, die als kulturelle Doku-mente längst auch kapitale Wertschöpfung erfahren haben. Dazu Frédéric Buß-mann (Generaldirektor): »Lucas schreckt in ihren verschiedenen Arbeiten nicht vor schwierigen Verhältnissen zurück, bindet gegenwärtige Gesellschaftskritik in ihre Untersuchungen ein, verliert dabei aber nicht ihren Sinn für Humor – auch wenn er manchmal etwas bitter schmeckt.« So entwickelt sie immer neue Dar-stellungsweisen von Weltkarten und Kartografien, die Macht-, Sprach-, Ge-schlechter- und Energieverhältnisse ins Bild rücken.
Ihr jüngster Film People that is missing entstand im nördlichsten Teil von Norwegen, dem Archipel von Svalbard (ehemals Spitzbergen) und verknüpft Landschaftsaufnahmen mit Textphänomenen. Das Voice-Over des Films ist ein langes Gedicht, zusammengesetzt aus Zitaten von Politker:innen, Philosoph:in-nen, Geolog:innen und Dichter:innen.
Das Werk von Cristina Lucas ist äußerst vielfältig. In einer neuen Werkserie von Gemälden stehen Chemie und Physik Pate. So entwickelt sie aus Spurenelemen-ten und Mineralien, die Bestandteil des menschlichen Körpers sind, Malmateria-lien und abstrakte »Kompositionen«. Kunst dient Lucas als eine ästhetische und verführerische Möglichkeit der Wissensproduktion, die von elementarer Neugier und Befragung des Umfeldes getragen ist.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, hrsg. von Frédéric Bußmann und
Sabine Maria Schmidt, mit Textbeiträgen von Miguel Caballero, Katerina Gregos und Sabine Maria Schmidt, DCV-Books, Berlin, 144 Seiten, dt. und engl., 29 Euro (im Museumsshop).


Ernst Barlach – Spiegel des Lebens

Werke aus der Sammlung Niescher in der Kunstsammlung Gera ab 4. November

Ab 4. November präsentiert die Kunstsammlung Gera im Südflügel der Orangerie die Ausstellung Ernst Barlach – Spiegel des Lebens. Werke aus der Sammlung Niescher
Ernst Barlach (1870-1938) gehört zu den bedeutendsten Künstlern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Mehrfachbegabte wirkte nicht nur als Bildhauer, sondern auch als Grafiker und als Schriftsteller. In seiner unverwechselbaren Bildsprache, die er seit seiner Russlandreise 1906 entwickelt hatte, lotete er Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens aus, indem er menschliche Beziehungen und das Mensch-Sein an sich in all seinen Ausdrucksformen darstellte: Freude und Leid, Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Tod.
Die Ausstellung „Ernst Barlach – Spiegel des Lebens“ zeigt ausnahmslos Werke, die aus der Sammlung des ehemaligen Chemnitzer Fabrikanten Fritz Niescher stammen. Insgesamt beinhaltet diese Kollektion, die als Dauerleihgabe für die nächsten zehn Jahre in der Kunstsammlung Gera beheimatet ist, über 500 Werke vornehmlich von Künstlern der Klassischen Moderne, darunter circa 130 Arbeiten von Ernst Barlach.
Die Präsentation umfasst Zeichnungen, Druckgraphiken sowie Skulpturen und Porzellanplastiken, der Schwerpunkt liegt jedoch auf zahlreichen eindrücklichen Kohlezeichnungen. Die Spanne der präsentierten Werke reicht von frühen, dem Jugendstil und Symbolismus verhafteten Schöpfungen bis zu seinen in den folgenden Jahrzehnten geschaffenen markanten expressiven Arbeiten.
Besonderheiten

Öffnungszeiten: Di-So, Feiertag 11-17 Uhr, Kunstsammlung Gera, Orangerieplatz 1, 07548 Gera

www.museen-gera.de


Uwe Klos: Niemandsland und Naturformen

Ausstellung bis 31. Oktober in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche in Auerbach (Vogtland)
Uwe Klos Ausstellung Auerbach

Der gebürtige Geraer Uwe Klos ist nach einer Ausbildung im Handwerk seit 1992 freischaffend als Bildender Künstler tätig. Seit 2016 ist er Kursleiter Fotografie und Druckgrafik an der Elstertalschule Greiz. 2018 erhielt er den Nordhäuser Grafikpreis. Studienreisen führten ihn nach Irland, Italien, Portugal, Polen, Litauen, Andalusien, in die USA, die Niederlande und nach Moskau. Werke von ihm sind in öffentlichen Sammlungen in Deutschland, den USA, Frankreich, Litauen und der Tschechischen Republik enthalten.


Verfolgte Musiker im nationalsozialistischen Thüringen

Ausstellung bis 31. Oktober im Weimarer Stadtmuseum

Die Ausstellung „Verfolgte Musiker im nationalsozialistischen Thüringen. Eine Spurensuche II“ entstand im Rahmen des gleichnamigen Forschungsprojektes, das seit 2019 am Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der FSU Jena angesiedelt ist. Die von Dr. Maria Stolarzewicz kuratierte Ausstellung im Stadtmuseum unterteilt sich in drei Themenbereiche: jüdische Berufsmusiker, Kultusbeamte jüdischer Gemeinden und ihre musikalischen Aktivitäten sowie Mitglieder der Lagerkapelle des Konzentrationslagers Buchenwald. Der erste Themenbereich widmet sich den Schicksalen jüdischer Berufsmusiker, wie etwa des Komponisten Hans Heller (1898-1969) aus Greiz und des aus Apolda stammenden Geigers Max Peller (1907-1945). Der zweite Themenbereich der Ausstellung leistet einen Beitrag zum Themenjahr „900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen“. Er zeigt an ausgewählten Beispielen musikalische Aktivitäten jüdischer Gemeinden sowie Biographien von Kantoren und Rabbinern. Zu dieser Gruppe gehören u.a. Hermann Schacher (1887-1943), der letzte Kantor der Synagogengemeinde Erfurt, Dr. Gustav Pfingst (1900-1957), der vorletzte Rabbiner der Synagogengemeinde Nordhausen sowie Dr. Josef Wiesen (1866-1942), der letzte Landesrabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde Eisenach. Der dritte Ausstellungsbereich befasst sich mit den Mitgliedern der Lagerkapelle des KZ Buchenwald. Eine Analyse vorhandener Archivdokumente und Überlieferungen ermöglichte, Namen von 43 Musikern der Lagerkapelle herauszufinden, ihre Biographien zu rekonstruieren und Einblicke in die Musikausübung im KZ Buchenwald zu gewähren. Im Zeitraum der Ausstellungspräsentation wird im Stadtmuseum Weimar ein besonderes Exponat ausgestellt: Es ist das Portrait der im NS-Thüringen verfolgten Großherzoglichen Kammersängerin Jenny Fleischer-Alt (1865-1942), welches ihr Mann, Friedrich Fleischer (1861-1838), um 1887 malte und später seiner Familie in Wiesbaden schenkte. Nach über 120 Jahren kam dieses Bild nun dank Adelheid Rüter-Ehlermann (Großnichte des Malers) und Dr. Bernhard Post nach Weimar zurück und wird der Öffentlichkeit zum ersten Mal vorgestellt. Die Ausstellung „Verfolgte Musiker im nationalsozialistischen Thüringen. Eine Spurensuche II“ wird durch die Thüringer Staatskanzlei und die Deutsche Bank Stiftung gefördert.

 


Vergessene Bauhaus-Frauen

Ausstellung im Bauhaus-Museum Weimar

Das Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 verhalf den Frauen des Bauhauses zu neuer Aufmerksamkeit. Doch vieles liegt noch im Dunkeln: Von den rund 460 verzeichneten Studentinnen am Bauhaus sind nur von zwei Dritteln die Lebensdaten bekannt. Insbesondere die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 wirkte sich auf weibliche Bauhaus-Angehörige aus. Verfolgt durch das NS-Regime fanden einige den frühen Tod im Konzentrationslager. Sie wurden im Exil Opfer stalinistischer Säuberung, starben aufgrund von Krankheit oder in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs. Das Ausstellungsprojekt „Vergessene Bauhaus-Frauen. Lebensschicksale in den 1930er und 1940er Jahren“ der Universität Erfurt und der Klassik Stiftung Weimar widmet sich der Erforschung dieser Schicksale und stellt mehr als 30 Künstlerinnen bis 4. Januar 2022 im Bauhaus-Museum Weimar vor. Biografische Dokumente und künstlerische Arbeiten zeugen von dem breiten Spektrum an Gattungen und Techniken, in dem sich die Bauhaus-Frauen gestaltend engagierten. Sie waren in fast allen Werkstätten des Bauhauses vertreten, arbeiteten in den Bereichen von Architektur, Fotografie und Reklame bis zur Buchbinderei und Weberei. Zu sehen sind unter anderem Keramikarbeiten, Malerei, Skulptur und Textil-Objekte.


In Gotha sind die Saurier los

Gotha Saurier Herzogliches Museum

Die meisten Menschen haben sofort ein Bild von gewaltigen Riesenechsen vor Augen, wenn sie den Begriff „Saurier“ hören. Doch woher kommt diese Assoziation und wieso sind Saurier in unserer Alltagskultur so gegenwärtig? Wie kann es sein, dass seit Jahrmillionen ausgestorbene Tiere, die nie ein Mensch lebend gesehen hat, in nahezu jedem Kinderzimmer zu finden sind? Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha widmet sich in der Jahreshauptausstellung (bis 24. April 2022) diesen Fragen.

Die große Sonderausstellung „Saurier – Die Erfindung der Urzeit“ im Herzoglichen Museum Gotha beantwortet die Frage, wie es sein kann, dass jedes Kind zu wissen scheint, wie Dinos und Co. ausgesehen haben – Tiere also, die seit Jahrmillionen ausgestorben sind und die nie ein Mensch lebend gesehen hat. Neben Bildern und Modellen präsentiert die Ausstellung auch zahlreiche echte Versteinerungen von Sauriern, die zu einem großen Teil aus der hauseigenen geowissenschaftlichen Sammlung stammen. Darunter befinden sich insbesondere die weltberühmten „Ursaurier“ vom Bromacker bei Tambach-Dietharz, die im Rahmen der Ausstellung endlich wieder der Öffentlichkeit gezeigt werden können.

Foto: Susanne Hörr


Glanzstücke der Ilmenauer Porzellanfabrik von 1871 bis 1971

GoetheStadtMuseum Ilmenau

Das GoetheStadtMuseum Ilmenau zeigt in seiner neuen Sonderausstellung eine Auswahl repräsentativer Porzellane der Ilmenauer Porzellanfabrik von Gründung der Aktiengesellschaft unter Hermann Stürcke im Jahr 1871 bis zur Entstehung des Neuwerkes zu Beginn der 1970er Jahre. Zu sehen sind Kaffee-, Mokka-, Tee- und Speiseservice von bedeutenden Modelleuren und Formgestaltern wie Max Renner, Robert Richter, Karl Kemedinger, Werner Winkler und Ilse Decho, die für die Ilmenauer Porzellanfabrik „Graf von Henneberg“ entworfen wurden und die zum Großteil als großzügige Schenkungen erst vor kurzem in die Museumssammlung gelangten. Das Museum hat von Dienstag bis Freitag von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Ab November ist für jeden ersten Montag im Monat, um 12 Uhr ein Mittagsintermezzo mit einem „Objekt des Monats“ geplant.

Nähere Infos https://www.ilmenau.de/de/freizeit/museen-und-kulturstaetten/goethestadtmuseum/sonderausstellung/


Zwischen Mystik, Magie und dicken Mauern – 800 Jahre Leuchtenburg

Neue Dauerausstellung zur Burggeschichte "Mythos Burg"
Gerhardt-Altenbourg-Preis 2021 Altenburg Ausstellung

Seitenroda/Thüringen. Von der Wehranlage bis zum Verwaltungssitz, vom Zuchthaus und der Irrenanstalt bis zum Ort der Freiheit und Unbeschwertheit – die Funktionen der Leuchtenburg im thüringischen Seitenroda sind überaus wechselhaft. Aber dadurch, dass die im Jahr 1221 erstmals urkundlich erwähnte Burg 800 Jahre lang durchgehend genutzt wurde, zählt sie heute zu den besterhaltenen Burgen Deutschlands. Die idyllisch auf einem Hügel über dem Saaletal thronende Anlage ist bereits seit Jahren ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem wegen des faszinierenden Ausblicks, dem Skywalk der Wünsche und den einzigartigen Porzellanwelten. Mit Wiederöffnung nach dem Lockdown wird die Burg um eine bedeutende Attraktion für die Gäste reicher: Als eigenes Geschenk zur 800-Jahr-Feier präsentiert die Leuchtenburg ihre wechselhafte Geschichte in einer neuen Dauerausstellung. Unter dem Titel „Mythos Burg – 800 Jahre Leuchtenburg“ können sich Besucher und Besucherinnen auf eine ungewöhnliche Erkundungsreise zwischen Mystik, Magie und dicken Mauern begeben und mehr über die spannende Geschichte und die unterschiedlichsten Nutzungen der Leuchtenburg erfahren.


Ein Recht auf Träume

Das Kunsthaus Apolda präsentiert Hundertwassers Werk / Von Wolfgang Leißling
Hundertwasser Ausstellung Apolda

Motto: „Schönheit ist ein Allheilmittel“. Von dem international gefeierten gebürtigen Wiener Maler, Grafiker und „Architekturdoktor“ sind ausgewählte Werke zu sehen. In der Ausstellung erwartet den Besucher ein repräsentativer Querschnitt durch das umfängliche Lebenswerk dieses in seiner Popularität einmaligen Künstlers.  Gezeigt werden Originalgrafiken und Originalposter. Mit ihnen zeigt sich deren Schöpfer solidarisch besonders mit internationalen Umweltorganisationen. Dabei lautet sein Credo: „Mit der Grafik betrete ich ein Paradies, das der Maler nicht mehr erreicht“. Nicht von ungefähr tragen seine Arbeiten in der Ausstellung poetische Titel wie „Das Recht auf Träume“ oder „Zerstückelter Sonnenuntergang“. Fotografien erinnern zugleich daran, dass sich der Künstler schon seit den 50er Jahren für eine natur- und menschengerechte Architektur engagiert. Dies von Wien bis Magdeburg, von Osaka bis Nawakawa.

Wenn es etwas gibt, dass die Freunde seiner Kunst vereint, dann sind es die satten leuchtenden Farben, dessen ungerade Linien oder die schwingenden Wände seiner Bauwerke. Heftig kritisierte Hundertwasser die ungehemmten Wachstumsdoktrinen sowie den gesellschaftlichen Konformismus. In seinem Oeuvre plädierte er gerade auch mit dem grafischen Werk in unterschiedlichen Techniken für die menschliche Sehnsucht nach Vielfalt und Schönheit in Harmonie zur Natur.

Die Exposition ist bis zum 19. Dezember Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

www.kunsthausapolda.de

Abbildung: Hundertwasser, DAS RECHT AUF TRÄUME, 1988 © 2020 NAMIDA AG, Glarus/CH

 


Natur auf Papier

Weimar: Ausstellung zum Themenjahr „Neue Natur“

Bis zum 19. Dezember präsentiert das Goethe- und Schiller-Archiv kostbare Handschriften, die das Thema Natur auf unerwartete Weise beleuchten. Briefe, Dichtungen, Zeichnungen und Kompositionen aus den bedeutendsten Beständen des Hauses können in den Vitrinen des historischen Handschriftensaals im Original bewundert und befragt werden. Ergänzende Führungen vermitteln tiefere Einblicke und erläutern Hintergründe zu verschiedenen Formen der Naturwahrnehmung.

Zu sehen sind ein eigenhändiger Entwurf Goethes zu „Faust II“, ein Plan zur Gestaltung seines Hausgartens am Stern, aber auch das für Charlotte von Stein bestimmte frühe Briefgedicht „An den Mond“ sowie eine eigenhändige Rötelzeichnung, in der Goethe die Prinzipien vulkanischer Aktivität skizziert. Einen weiteren Akzent setzt die Berechnung der beiden totalen Mondfinsternisse des Jahres 1823, mit der sich der Jenaer Mathematiker und Astronom Ludwig Schrön in Weimar empfahl. Neben Friedrich Schillers berühmtem Gedicht „Der Spaziergang“ und Ludwig Achim von Arnims Gedichtzyklus „Erinnerung an Freudentage in Weimar“ werden darüber hinaus ein Brief des Landschaftsgestalters Hermann von Pückler-Muskau gezeigt, ein Herbarium aus dem Nachlass von Franz Liszt sowie Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierfantasie über „The Last Rose of Summer“.

Zu den ausgestellten bildlichen Darstellungen gehören ein Skizzenbuch, das Louise von Göchhausen von ihrer italienischen Reise 1790 mit nach Weimar brachte sowie ein Aquarell des Schiller-Enkels Ludwig von Gleichen-Rußwurm, der zu den frühesten deutschen Impressionisten zählt. Auch der vom Hofgärtner Armin Sckell entworfene Plan zu Gestaltung der Gartenanlage des 1896 eröffneten ältesten deutschen Literaturarchivs wird zu sehen sein.

Zugleich öffnet die Ausstellung ein Fenster in die Restaurierungswerkstatt: Natur spielt sich auch unmittelbar auf dem Papier ab. Sie rückt den Buchstaben zu Leibe. Gegen nagenden Tintenfraß und Schimmelgefahren setzt das Archiv auf die Kunst der Bestandserhaltung.

Mo–Fr 9–17 Uhr, Sa–So 11–16 Uhr, Goethe- und Schiller-Archiv, Jenaer Straße 1 | 99425 Weimar. Der Eintritt ist frei.


Jüdisches Leben in Rudolstadt

Ausstellung bis 9. Januar 2022 • Residenzschloß Heidecksburg (Grafisches Kabinett)

Ein Kooperationsprojekt des Schwarzburger Museumsverbundes Arnstadt, Bad Frankenhausen, Rudolstadt und Sondershausen. - Angelehnt an das Themenjahr "900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen" beleuchtet die Sonderausstellung die jüdische Gemeinde in Rudolstadt im 18. und 19. Jahrhundert anhand des einmaligen Bestandes "Judaica" im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg.

Durch Erbprinz Friedrich Karl von Schwarzburg-Rudolstadt erhielten sie 1784 eine Handelskonzession für die schwarzburgische Oberherrschaft, die eine Ansiedlung jüdischer Familien in Rudolstadt ermöglichte. 1796 wurde die jüdische Gemeinde durch Fürst Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft anerkannt. Nach aber gerade einmal 100 Jahren löste sich 1870 die Jüdische Gemeinde Rudolstadt wieder auf. Die jüdische Familie Callmann übernahm die verbliebene Ausstattung des Synagogenraumes, welche als Stiftung im Jahre 1911 in der Städtischen Altertumssammlung aufgingen. Mit dem Ende des ersten Weltkrieges gelangten die Stücke auf die Heidecksburg, wo sie während der Zeit des Nationalsozialismus sicher verwahrt werden konnten. Als Bestand im Magazin war die Sammlung nach 1945 nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein. Erst Anfang der 1980er-Jahre erfolgte eine Erfassung der Judaica-Sammlung. Der fachliche Austausch über diesen Bestand war jedoch erst nach der Friedlichen Revolution von 1989 möglich geworden.


Europäische Salongeschichte in Löbichau

Ausstellung im Museum Burg Posterstein
Museum Burg Posterstein

Für kurze Zeit spielte sich in Löbichau im Altenburger Land europäische Geschichte ab: Zar Alexander I. reiste hierher, der Landesherr Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg ebenso und der damals berühmte Dichter Jean Paul blieb gleich drei Wochen. Auch Johann Wolfgang von Goethe freute sich „Nach Löbichau bin ich schönstens, und, wenn ich mir nicht zu viel schmeichle, wircklich im Ernst eingeladen“ und besuchte Löbichau und Altenburg.

In Löbichau arrangierte die Herzogin von Kurland seit 1795 bis zu ihrem Tod 1821 ein reges gesellschaftliches Leben, das Politik, Literatur, Malerei, Musik und Wissenschaft vereinte. Trotz der geografischen Nähe Löbichaus zu den geistigen Zentren in Jena und Weimar kamen die Impulse für den Löbichauer Salon nicht von dort, sondern resultierten aus Dorothea von Kurlands europäischen Verbindungen. Die Herzogin reiste viel und weilte als Gast an den Höfen in Berlin, Warschau, Neapel, St. Petersburg, Wien und Paris – eine Privataudienz beim Papst nicht zu vergessen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten nahm sie Einfluss auf die Politik ihrer Zeit – Napoleons Aufstieg und Fall sowie der Wiener Kongress sind die bewegenden Momente dieser Jahrzehnte. Wichtige Staatsmänner kannte die Herzogin persönlich, darunter den österreichischen Fürst Metternich, den russischen Zar Alexander I., den preußischen König Friedrich Wilhelm III., Napoleon und dessen Außenminister Talleyrand. Ihr Medium war die Konversation, die sie in all ihrem Facettenreichtum beherrschte und anwandte – von der diplomatischen Verhandlung bis zur erotischen Verführung.

In diesem Jahr jährt sich der Todestag der Herzogin Anna Dorothea von Kurland zum 200. Mal. Am 20. August 1821 starb die Herzogin von Kurland in Löbichau und wurde unter Anteilnahme von 7.000 Trauergästen im „Herzoglichen Begräbniß im Hain“ beigesetzt. Das Museum Burg Posterstein bemüht sich seit Jahrzehnten um die Bewahrung der Tradition des Löbichauer Salons, forscht und publiziert zum Thema und zeigt die umfangreichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum.

Die überarbeitete ständige Ausstellung zum Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau und zur europäischen Salongeschichte nähert sich dem Thema multimedial und zweisprachig. Der Besucher selbst entscheidet, auf welche Art und wie tief er in die Zeit der Salons einsteigen möchte.

Die LeseZEIT als neues Format auf Burg Posterstein: Dabei stellt Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann jeweils eine historische Persönlichkeit vor und liest aus deren eigenen Texten, persönlichen Erinnerungen oder Briefen. Den Podcast gibt es zum Anhören, zum Herunterladen, aber auch als Text zum Nachlesen. Bisher standen bereits folgende Personen im Mittelpunkt:  https://blog.burg-posterstein.de/lesezeit