Ausstellungen

"Fließende Übergänge" im Kunstverein Gera

Gruppenausstellung bis zum 11. Oktober
Kunstverein Gera zeigt "Fließende Übergänge"

In einer Zeit, in der alle Gewissheiten sich aufzulösen beginnen, alles Normale, Alltägliche plötzlich zur Besonderheit wird, ist es nur selbstverständlich, dass auch die Kunst auf die Veränderungen reagiert. Die als starr empfundenen Begriffe darstellende Kunst, bildende Kunst, Tanz und Musik erfahren heutzutage eine stetige Aufweichung, da sie für das eigene künstlerische Tun als einengend betrachtet werden. Damit einhergehend lässt sich eine zunehmende Auflösung — ein Verflüssigen — der Grenze zwischen freier und angewandter Kunst beobachten. Künstler, die ihr Schaffen in den Dienst einer Sache stellen, verstehen diese Tendenz nicht als limitierend, sondern als kreativen Impuls, der den eigenen Horizont verschiebt und den Blick auf andere künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten weitet.

Die Ausstellung versammelt fünf Künstler*innen und Künstlergruppen, die in ihren Arbeiten verschiedene Medien nutzen, ohne dies explizit als Thema in den Vordergrund zu rücken. Vielmehr ist das Verschränken von mehreren künstlerischen Techniken als Werkzeug zu verstehen, um dem eigenen schöpferischen Antrieb Aussagekraft zu verleihen. Dabei entfaltet sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten, das vom Kombinieren zweier Medien zur Bereicherung des eigenen künstlerischen Wirkens bis hin zur Auslotung der Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst reicht und damit zu einem Zustand der fließenden Übergänge führt.

Gezeigt werden Arbeiten von Christoph Vieweg (Berlin/Zeichnung-Medien), Alexander Neugebauer (Gera/Zeichnung-Klangkunst), das Leipziger Künstlerkollektivs Rainbow (Visualisierung von Musik), die Schweizer Künstlerin Milva Stutz (Zeichnung-Animationsfilm) sowie Christoph Blankenburg (Film-Performance).

Kunstverein Gera, Markt 8/9, 07545 Gera, Telefon: 0160/4935544

Öffnungszeiten: Fr-Sa, 15-18 Uhr oder nach Vereinbarung

www.kunstverein-gera.de


Danielle Telle zeigt Malerei und Keramik auf der Osterburg Weida

Danielle Telle Malerei Osterburg Weida
Danielle Telle Osterburg Weida

Die Zeulenrodaer Künstlerin Danielle Telle zeigt vom 6. bis 29. August Malerei und Keramik im Künstleratelier im Neuen Schloss der Osterburg. Bereits 2019 nahm sie an der Gemeinschaftsausstellung des Künstlerstammtisches der Osterburg teil. Nun sind unter dem Titel „Farbenpoesie“ verschiedene Werke der letzten zehn Jahre zu sehen, sowie einige Illustrationen für ein Kinderbuch, das 2019 veröffentlicht wurde. Die meisten Arbeiten zeigen abstrakte Landschaften, aber auch zeitgenössische florale Motive sind Thema. Dabei experimentiert die Künstlerin gern mit verschiedenen Medien und Materialien. Von Acryl- und Aquarellfarben über Acryltinte und Ölpastellkreiden bis hin zu Papieren und Stiften, wird alles verwendet, was eine schöne Farbkombination und  interessante Struktur zu erschaffen vermag.


„Lost Shops“ – Videokunst in leerstehenden Läden in Geras Innenstadt

Gera Videokunst

Vom 1. bis zum 22. August wird die Sorge, ehemalige Hauptgeschäftsstraße in Geras Innenstadt, in eine Videokunstausstellung verwandelt: Auf die Schaufenster der leerstehenden Läden wird von hinten Videokunst projiziert. Damit verwandeln sich die Schaufenster in einen Screen. Mit der Ausstellung will die Kuratorin Dr. Claudia Tittel, die gleichzeitig städtische Kulturamtsleiterin ist, auf Geras Innenstadtsterben aufmerksam machen. Gleichzeitig soll mit der Aktion die Innenstadt wiederbelebt werden. Für den o.g. Ausstellungszeitraum stellen die Besitzer der Läden die Räumlichkeiten kostenfrei zu Verfügung. „Es ist schade, dass die Sorge, die einst für Luxus und Eleganz sowie den Fortschritt stand, zu einer, im wortwörtlichen Sinne, SORGE der Stadt geworden ist. Ich würde mich freuen, wenn Kunst hier einen Beitrag leistet, diese Situation kritisch zu hinterfragen“, so Dr. Tittel.

Alle Künstler*innen der Ausstellung setzen sich mit dem Thema LOST – Verlust, Vergänglichkeit, Einsamkeit, aber auch Zeitenwandel auseinander. Renommierte sowie junge (Video)Künstler*innen aus der Region Mitteldeutschlands wurden eingeladen, in der Galerie SORGE im öffentlichen Raum ihre Arbeiten zu präsentieren und somit ihre Werke in den öffentlichen Raum zu transferieren. In ihren Arbeiten setzen sich die Künstler*innen auf sehr individuelle Art und Weise mit verlassenen Orten, dem Abschied von geliebten Menschen oder verpassten Chancen auseinander. Neben thematischen Werken sind aber auch abstrakte Arbeiten zu sehen, die allesamt im Computer konstruiert sind. Sie verweisen darauf, dass durch die Digitalisierung das Leben in virtuelle Welten verlagert wird. Die vorgestellten Werke zeigen somit die Bandbreite videokünstlerischer Arbeit: Von autobiografischen Ansätzen über abstrakte Bilder bis zu experimentellem Film können die Besucher*innen der Innenstadt ein Kaleidoskop der Gesellschaft und zeitgenössische Videokunst erleben.

Jeden Tag ab 20 Uhr, wenn die Geschäfte ihre Pforten schließen, erwachen die leerstehenden Läden zum Leben. Sie verwandeln die Nacht in den Tag und verzaubern die Sorge durch bewegte Bilder. Die Übersicht der Künstler*innen finden Sie unter www.kulturtage-gera.de. Der Eintritt für die Ausstellung „Lost Shops“ ist frei.

Foto: © Stadt Gera


Europäische Salongeschichte in Löbichau

Ausstellung im Museum Burg Posterstein
Museum Burg Posterstein

Für kurze Zeit spielte sich in Löbichau im Altenburger Land europäische Geschichte ab: Zar Alexander I. reiste hierher, der Landesherr Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg ebenso und der damals berühmte Dichter Jean Paul blieb gleich drei Wochen. Auch Johann Wolfgang von Goethe freute sich „Nach Löbichau bin ich schönstens, und, wenn ich mir nicht zu viel schmeichle, wircklich im Ernst eingeladen“ und besuchte Löbichau und Altenburg.

In Löbichau arrangierte die Herzogin von Kurland seit 1795 bis zu ihrem Tod 1821 ein reges gesellschaftliches Leben, das Politik, Literatur, Malerei, Musik und Wissenschaft vereinte. Trotz der geografischen Nähe Löbichaus zu den geistigen Zentren in Jena und Weimar kamen die Impulse für den Löbichauer Salon nicht von dort, sondern resultierten aus Dorothea von Kurlands europäischen Verbindungen. Die Herzogin reiste viel und weilte als Gast an den Höfen in Berlin, Warschau, Neapel, St. Petersburg, Wien und Paris – eine Privataudienz beim Papst nicht zu vergessen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten nahm sie Einfluss auf die Politik ihrer Zeit – Napoleons Aufstieg und Fall sowie der Wiener Kongress sind die bewegenden Momente dieser Jahrzehnte. Wichtige Staatsmänner kannte die Herzogin persönlich, darunter den österreichischen Fürst Metternich, den russischen Zar Alexander I., den preußischen König Friedrich Wilhelm III., Napoleon und dessen Außenminister Talleyrand. Ihr Medium war die Konversation, die sie in all ihrem Facettenreichtum beherrschte und anwandte – von der diplomatischen Verhandlung bis zur erotischen Verführung.

In diesem Jahr jährt sich der Todestag der Herzogin Anna Dorothea von Kurland zum 200. Mal. Am 20. August 1821 starb die Herzogin von Kurland in Löbichau und wurde unter Anteilnahme von 7.000 Trauergästen im „Herzoglichen Begräbniß im Hain“ beigesetzt. Das Museum Burg Posterstein bemüht sich seit Jahrzehnten um die Bewahrung der Tradition des Löbichauer Salons, forscht und publiziert zum Thema und zeigt die umfangreichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum.

Die überarbeitete ständige Ausstellung zum Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau und zur europäischen Salongeschichte nähert sich dem Thema multimedial und zweisprachig. Der Besucher selbst entscheidet, auf welche Art und wie tief er in die Zeit der Salons einsteigen möchte.

Die LeseZEIT als neues Format auf Burg Posterstein: Dabei stellt Museumsmitarbeiterin Franziska Engemann jeweils eine historische Persönlichkeit vor und liest aus deren eigenen Texten, persönlichen Erinnerungen oder Briefen. Den Podcast gibt es zum Anhören, zum Herunterladen, aber auch als Text zum Nachlesen. Bisher standen bereits folgende Personen im Mittelpunkt:  https://blog.burg-posterstein.de/lesezeit


CULTURAL AFFAIRS. Kunst ohne Grenzen

Sonderausstellung im Grassi Museum Leipzig bis 3. Oktober 2021
CULTURAL AFFAIRS. Kunst ohne Grenzen Grassi Museum Leipzig

Seit jeher hat sich der Austausch der Kulturen auf ihre Kunst, auf ihr Kunsthandwerk und ihr Design ausgewirkt. In CULTURAL AFFAIRS stehen verschiedene Formen der kulturellen Begegnung im Fokus. Kulturen werden hier nicht als etwas Homogenes verstanden und von anderen Kulturen getrennt, sondern werden charakterisiert durch ihren Pluralismus.

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in seiner aktuellen Ausstellung Schmuck, Mode, Keramik und Textil sowie Grafik- und Industriedesign zeitgenössischer Designer*innen und Künstler*innen, die selbst durch Reisen oder durch eine globale und transkulturelle Biografie geprägt sind.
Der gesetzte Fokus auf das Jetzt sowie die Zukunft verdeutlicht, dass in dieser Zeit des kulturellen Pluralismus und der Heterogenität kollaborative, internationale und interkulturelle Projekte immer stärker an Bedeutung gewinnen. Die rund 60 Arbeiten der über 50 Ausstellenden aus mehr als 40 Ländern zusammen mit zwei Projekten von vier Hochschulen weltweit zeigen, dass in den letzten Jahrhunderten genauso wie in unserer heutigen, immer vernetzteren Welt Kunst und Design ohne transkulturelle Begegnungen nicht denkbar sind.
Die Ausstellung umfasst die drei inhaltlichen Schwerpunkte „Globale Verflechtungen“, „Transkulturelle Begegnungen“ und „Die Welt in Bewegung“. Globale Verflechtungen.

Die Positionen in diesem Teil der Ausstellung verdeutlichen, wie Verflechtungen anhand von Material, Form oder Design die kulturelle Identität prägen. Die Beispiele reichen von Übersetzungen und Neuinterpretationen afrikanischer Wachsprints über Kollaborationsprojekte bis hin zur Aneignung von Objekten oder Mustern aus anderen Kulturkreisen. „Globale Verflechtungen“ sind auch Formen der Übersetzungen, Vermischungen sowie unvorhersehbare Resultate vom Aufeinandertreffen von Kulturen bzw. Objekten.

Transkulturelle Begegnungen
Neue Perspektiven und mögliche alternative Geschichten oder Übersetzungen stehen im Zentrum dieses Kapitels. Jedes Objekt weist Spuren transkultureller Begegnungen auf – sei es durch die Wahl einer bestimmten Technik, eines spezifischen Materials oder die Transformation und Neuinterpretation in einen völlig neuen Gegenstand. Die vorgestellten Künstler*innen und Designer*innen leben selbst teilweise in zwei oder mehreren Ländern und sehen sich als Vermittler*innen zwischen ihnen. Doch man muss nicht einmal weit reisen, um diese Zeichen zu finden: Wir leben in einer globalen und vernetzten Gesellschaft, in der sich die Herkunft von Objekten oftmals nicht eindeutig feststellen lässt und die Definition von kultureller Identität immer flexibler und fließender wird.

Die Welt in Bewegung

Migration und Mobilität in einer postmigrantischen Gesellschaft stehen hier im Zentrum. Die gezeigten Positionen lassen sich an der Grenze zwischen Design und politischem Aktivismus verorten und widmen sich Themen wie Rassismus, Intersektionalität, Globalisierung oder Teilhabe in der Gesellschaft. Künstler*innen und Designer*innen, die sich selbst durch die Welt bewegt haben oder mobil leben, lassen diese Erfahrung in die eigene Arbeit einfließen. Kollaborative Projekte mit teilweise experimentellem und transkulturellem Ansatz spielen eine wichtige Rolle und stehen hier exemplarisch für den nie endenden Wandlungsprozess von Kultur und Gesellschaft. In diesem Kapitel stehen die Themen der globalen Mobilität, der kulturellen Identität und des gesellschaftlichen Wandels im Zentrum.

Zur Ausstellung liegt ein Katalog vor. Deutscher Kunstverlag, 176 Seiten, Deutsch/Englisch, Preis 29 Euro

Abbildung: “The Inextinguishable Joy”(die unauslöschliche Freude) . Design von Walé Oyéjidé & NFN Kalyan, Schal, Seide, 2021 - Foto: Ikiré Jones

 


10. Höhler Biennale: Irdisch-UNTER-irdisch

Installations-KUNST unter der Altstadt von Gera bis 9. Oktober zu sehen

Eingebunden in die Geraer Sommer-Kulturtage bietet die 10. Höhler Biennale ein Kunstevent allererster Güte. 23 Künstler:innen aus allen Richtungen Deutschlands werden 21 unterschiedlichste Installationen zum übergreifenden Thema präsentieren.
Nunmehr zum zehnten Mal ist der Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler e.V. gemeinsam mit der Otto-Dix-Stadt Gera Ausrichter dieser Kunstausstellung. Das historische Ambiente – die ehemaligen Bierlagerstätten aus dem Spätmittelalter - gleichen einem spirituellen Ort.
In den beiden Höhlerarealen – Greizer Straße 37 und Greizer Straße 10 begegnen uns die unterschiedlichsten Materialien, um dem Thema gerecht zu werden: Bronze, Leuchtacryl, Duranglas, Wasser-Teich, Keramik, Plastik, Konzeptkunst, aber auch ein Bettgestell als Mahnung an Corona; zudem kommen vielfach UV-LEDs zur Höhung der Arbeiten zum Einsatz. Ein still vor sich hinschmelzender Eiskubus erinnert an Klimawandel und das Schmelzen der Gletscher in Grönland und seines Eisschildes.
Die Besucher folgen einem Straßenlogo, welches direkt bis zum Eingang führt. Auch bietet das Internet www.hoehlerbiennale.de einen ersten Zugang zur Ausstellung.
Der Deutsche Installationskunstpreis, gestiftet von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Sparkasse Gera-Greiz, wird in diesem Jahr wiederum in drei Kategorien zum sechsten Mal gestiftet und feierlich zur Finissage an die jurierten Künstler am 9. Oktober verliehen.

Öffnungszeiten: Mi-So, 11 bis 18 Uhr, Eintritt 7,00 €, erm. 4,00 € für
Jugendliche bis 14 Jahren freier Eintritt; Katalog 7,00 €

Führungen buchbar über die Gera-Information www.tourismus-gera.de


POLYPHON, Mehrstimmigkeit in Bild und Ton

Ausstellung in der Kunstsammlung Gera – Orangerie und im Museum für Angewandte Kunst Gera bis 19. September
Gera Kunstsammlung Museum für Angewandte Kunst Polyphon Sonderausstellung

„Polyphon“ vereint Werke internationaler Künstler_innen, welche das Aufeinandertreffen multipler Stimmen und Klänge, in sowohl konvergenten als auch divergenten Zusammensetzungen, aufzeigen. Aus unterschiedlichen Zeiträumen — von den 1970ern bis heute — und geografischen Kontexten — unter anderem Deutschland, Frankreich, Japan und Südafrika — befassen sich die Künstler_innen mit der Wirkung und Kraft von pluralen Klängen. Die Installationen, Videos, Performances und Zeichnungen behandeln sowohl wahrnehmungsbezogene Aspekte als auch die sozio-kulturelle und politische Dimension der Mehrstimmigkeit. Ob im Zusammenhang mit der Wunschvorstellung einer Vereinigung durch Klangerfahrung oder der Darstellung von Konflikten, hinterfragen die verschiedenen Werke die Bedeutung der Polyphonie in der heutigen Gesellschaft. Die Ausstellung versucht Spannungsfelder zwischen dem Multiplen und dem Organisierten, dem Individuellen und dem Kollektiven, der Harmonie und der Dissonanz in Einklang zu bringen.

Künstler_innen: u. a. Lawrence Abu Hamdan, Félicia Atkinson, Oliver Beer, Candice Breitz, Carlfriedrich Claus, Kazumichi Fujiwara, Rolf Julius, Euridice Kala, Christina Kubisch, Christian Marclay, Vincent Meessen, Ari Benjamin Meyers, Rie Nakajima, Max Neuhaus, Ute Pleuger, Natascha Sadr Haghighian, Matthieu Saladin, Lerato Shadi, Dennis Tyfus, Jorinde Voigt

Der musikalische Begriff der Polyphonie (Mehrstimmigkeit) beschreibt eine Kompositionsweise, die das Zusammenwirken selbständiger Stimmen erlaubt. Er wird mit der Entwicklung europäischer Musikkultur, vor allem mittelalterlichen Gesangspraktiken und dem barocken Kontrapunkt in Verbindung gebracht. Zeitgenössische Forschungen im Bereich der Ethnomusikologie weisen jedoch darauf hin, dass polyphone Vokal- und Instrumentalmusik schon im Alten Ägypten praktiziert wurde und wohl in den meisten Musikkulturen eine wichtige Rolle spielte, etwa die im westlichen Kulturkreis popularisierte Polyphonie der Pygmäen in Zentralafrika. Im Rahmen der Ausstellung wird der Begriff der Polyphonie allerdings weiter gefasst als Zusammensetzung von Klängen behandelt und untersucht, wie sich diese Zusammensetzung in visuellen und auditiven künstlerischen Darstellungen reflektieren kann. Ausgehend von phänomenologischen Ansätzen, die die Wahrnehmung von multiplen Klängen in den Vordergrund stellen, bis hin zu sozio-politischen Fragestellungen zum Aufeinandertreffen von Klängen und Stimmen und ihren unterschiedlichen Bedeutungen, geht es in der Ausstellung darum, Polyphonie als künstlerisches Mittel zu begreifen. Polyphonie stellt zwangsläufig die Frage der Wahrnehmung und des Verhältnisses des einzelnen Klanges zur Gesamtheit, wie auch zum Klangraum. Auch wird von einer kollektiven Vokal- oder Instrumentalpraxis ausgegangen. Zentraler Gegenstand des Ausstellungsprojektes ist die Gemeinsamkeit von Klangerfahrungen, wobei es ebenso um die Ausführung, als auch um das geteilte Hören geht. Der musikalische Begriff wird in der Ausstellung seiner metaphorischen Verwendung in den linguistischen Schriften Michail Bachtins gegenübergesetzt. Bachtin weist mit dem Begriff des polyphonen Romans auf die Artikulierung von gegensätzlichen Ausdruckssystemen, Kodierungen und  Perspektiven hin. Diese erkennt er vor allem in den Romanen Dostoevskijs durch das Aufeinandertreffen von multiplen Weltansichten, Blickwinkeln und Ausdrucksweisen, wobei keine dieser Meinungsdarstellungen die andere dominiert. In Probleme der Poetik Dostoevskijs beschreibt Bachtin plurale Positionen, Gesichtspunkte und Blickwinkel, die in Dostoevskijs Schriften zum Ausdruck gebracht werden. Nach Bachtin gelingt es dem russischen Schriftsteller wie keinem anderen zuvor, heterogene und unvereinbare Elemente zusammenzufügen und darzustellen. Die Ausstellung „Polyphon“ beinhaltet Werke, die hinterfragen, wie in der heutigen Gesellschaft Meinungen gebildet, Vorgänge und Ereignisse verstanden sowie dargestellt werden können und dies in Form von einander gegenübergestellten oder sich überlappenden Klängen und Stimmen zum Ausdruck bringen.

Neben visuellen und auditiven Positionen zeitgenössischer Künstler_innen zeigt „Polyphon“ Arbeiten aus den 1970er und 80er Jahren, welche insbesondere die auditive Wahrnehmung hervorheben. Hierbei kommt die Bandbreite und Relevanz grenzüberschreitender Ansätze in der zeitgenössischen Kunst zum Thema Polyphonie zum Ausdruck. Die Ausstellung ist als Überblicksschau angelegt und zeigt erstmals Generationen übergreifend Werke international renommierter, wie auch weniger bekannter Künstler_innen zum Thema der Polyphonie, wobei einige Arbeiten und Entwürfe noch nicht in Deutschland und/oder Frankreich ausgestellt wurden.

Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und die Kunstsammlung Gera veranstalten in Kooperation das Bildungs- und Rahmenprogramm zur Ausstellung. In mehreren Veranstaltungen im öffentlichen Raum der Stadt Gera und in den Museen setzt sich das Bildungs- und Rahmenprogramm mit gesellschaftlicher Vielstimmigkeit auseinander. Eine besondere Rolle spielen dabei kulturelle und künstlerische Perspektiven auf politisch und gesellschaftlich relevante Themen. Die Veranstaltungen reichen von geführten "Electrical Walks" mit Kopfhörern über Lesungen, Performances und interdisziplinäre Gespräche bis hin zu musikalischen Interventionen im öffentlichen Raum. Polyphon ist u.a. gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.

www.museen-gera.de/museen/kunstsammlung-gera-orangerie
www.museen-gera.de/museen/museum-fuer-angewandte-kunst

Abbildung: Max Neuhaus, Audium, 1980 (Farbstift auf Papier, 95,5x120cm)
© Estate Max Neuhaus


Cristina Lucas: Maschine im Stillstand

15. August – 31. Oktober in den Kunstsammlungen am Theaterplatz Chemnitz

Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentieren die erste umfangreiche museale Einzelausstellung der spanischen Künstlerin Cristina Lucas (geb. 1972 in Jaén, lebt und arbeitet in Madrid) in Deutschland. Im Zentrum der Ausstellung stehen große Videoinstallationen; exemplarische Schlüsselwerke und jüngere Arbeiten der Künstlerin.
Unending Lightning (Unendlicher Blitzschlag) heißt ihre dreiteilige Videoinstalla-tion, die die gesamte Geschichte der Bombenangriffe auf Zivilbevölkerungen seit Erfindung der Luftfahrt untersucht. Die visuelle Datenbank in Form eines mo-numentalen Triptychons wird ständig erweitert, so auch für die Chemnitzer Aus-stellung. Hier wurde vor allem zu Orten in Osteuropa und Russland recherchiert, ebenso zu Syrien, wo angesichts des Ausbruchs der Pandemie zumindest für eine kurze Zeit auf Luftangriffe verzichtet wurde. Auch die Stadt Chemnitz, die am 5. März 1945 schwer bombardiert wurde, ist in die Chronologie aufgenom-men.
Ein weiterer Themenblock geht der kritischen Betrachtung ökonomischer Ver-hältnisse nach. Die Videoarbeit Europleasure International Ltd. Touch and Go
widmet sich auf humorvolle Weise dem postindustriellen Strukturwandel in
Liverpool und Gesten des Protestes. In der Stadt mit dem größten Karl Marx Mo-nument darf die Arbeit Surplus Value nicht fehlen, die danach fragt, was aus den Originalmanuskripten von Marx‘ Das Kapital geworden ist, die als kulturelle Doku-mente längst auch kapitale Wertschöpfung erfahren haben. Dazu Frédéric Buß-mann (Generaldirektor): »Lucas schreckt in ihren verschiedenen Arbeiten nicht vor schwierigen Verhältnissen zurück, bindet gegenwärtige Gesellschaftskritik in ihre Untersuchungen ein, verliert dabei aber nicht ihren Sinn für Humor – auch wenn er manchmal etwas bitter schmeckt.« So entwickelt sie immer neue Dar-stellungsweisen von Weltkarten und Kartografien, die Macht-, Sprach-, Ge-schlechter- und Energieverhältnisse ins Bild rücken.
Ihr jüngster Film People that is missing entstand im nördlichsten Teil von Norwegen, dem Archipel von Svalbard (ehemals Spitzbergen) und verknüpft Landschaftsaufnahmen mit Textphänomenen. Das Voice-Over des Films ist ein langes Gedicht, zusammengesetzt aus Zitaten von Politker:innen, Philosoph:in-nen, Geolog:innen und Dichter:innen.
Das Werk von Cristina Lucas ist äußerst vielfältig. In einer neuen Werkserie von Gemälden stehen Chemie und Physik Pate. So entwickelt sie aus Spurenelemen-ten und Mineralien, die Bestandteil des menschlichen Körpers sind, Malmateria-lien und abstrakte »Kompositionen«. Kunst dient Lucas als eine ästhetische und verführerische Möglichkeit der Wissensproduktion, die von elementarer Neugier und Befragung des Umfeldes getragen ist.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, hrsg. von Frédéric Bußmann und
Sabine Maria Schmidt, mit Textbeiträgen von Miguel Caballero, Katerina Gregos und Sabine Maria Schmidt, DCV-Books, Berlin, 144 Seiten, dt. und engl., 29 Euro (im Museumsshop).


Ein Recht auf Träume

Das Kunsthaus Apolda präsentiert Hundertwassers Werk / Von Wolfgang Leißling
Kunsthaus Apolda Hundertwasser Ausstellung

Motto: „Schönheit ist ein Allheilmittel“. Von dem international gefeierten gebürtigen Wiener Maler, Grafiker und „Architekturdoktor“ sind ausgewählte Werke zu sehen. In der Ausstellung erwartet den Besucher ein repräsentativer Querschnitt durch das umfängliche Lebenswerk dieses in seiner Popularität einmaligen Künstlers.  Gezeigt werden Originalgrafiken und Originalposter. Mit ihnen zeigt sich deren Schöpfer solidarisch besonders mit internationalen Umweltorganisationen. Dabei lautet sein Credo: „Mit der Grafik betrete ich ein Paradies, das der Maler nicht mehr erreicht“. Nicht von ungefähr tragen seine Arbeiten in der Ausstellung poetische Titel wie „Das Recht auf Träume“ oder „Zerstückelter Sonnenuntergang“. Fotografien erinnern zugleich daran, dass sich der Künstler schon seit den 50er Jahren für eine natur- und menschengerechte Architektur engagiert. Dies von Wien bis Magdeburg, von Osaka bis Nawakawa.

Wenn es etwas gibt, dass die Freunde seiner Kunst vereint, dann sind es die satten leuchtenden Farben, dessen ungerade Linien oder die schwingenden Wände seiner Bauwerke. Heftig kritisierte Hundertwasser die ungehemmten Wachstumsdoktrinen sowie den gesellschaftlichen Konformismus. In seinem Oeuvre plädierte er gerade auch mit dem grafischen Werk in unterschiedlichen Techniken für die menschliche Sehnsucht nach Vielfalt und Schönheit in Harmonie zur Natur.

Die Exposition ist bis zum 19. Dezember Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

www.kunsthausapolda.de

Abbildung: Hundertwasser, TESTAMENT IN GELB, 1971 © 2020 NAMIDA AG, Glarus/CH


Uwe Klos: Niemandsland und Naturformen

Ausstellung bis 31. Oktober in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche in Auerbach (Vogtland)
Uwe Klos Ausstellung Auerbach

Der gebürtige Geraer Uwe Klos ist nach einer Ausbildung im Handwerk seit 1992 freischaffend als Bildender Künstler tätig. Seit 2016 ist er Kursleiter Fotografie und Druckgrafik an der Elstertalschule Greiz. 2018 erhielt er den Nordhäuser Grafikpreis. Studienreisen führten ihn nach Irland, Italien, Portugal, Polen, Litauen, Andalusien, in die USA, die Niederlande und nach Moskau. Werke von ihm sind in öffentlichen Sammlungen in Deutschland, den USA, Frankreich, Litauen und der Tschechischen Republik enthalten.


Sommer-Ausstellung von Knut van der Vinzburg in Bad Elster

Ausstellung Bad Elster Knut van der Vinzburg

Bad Elster/CVG. In der Kunstwandelhalle Bad Elster ist die neue Ausstellung Im Spiegel von Farbe & Licht von Knut van der Vinzburg zu sehen. Die Werkschau inmitten der sommerlichen Königlichen Anlagen des in Burkau bei Bautzen lebenden Künstlers präsentiert dabei rund 80 Exponate aus Öl- und Acryl-Malerei sowie Plastiken aus Stahl, Zink, Bronze und Holz.

Knut van der Vinzburg, mit bürgerlichem Namen Knut Winkler, wurde 1964 in Magdeburg geboren und entdeckte frühzeitig die Malerei als künstlerisches Ausdrucksmittel seiner Träume, Emotionen und Phantasien. In Symbiose mit seiner beruflichen Tätigkeit als Kunstschmiedemeister und Metallgestalter entwickelte sich in den vergangenen Jahren eine interessante Verbindung zwischen Malerei und Skulpturen aus Stahl – Holz oder Bronze. Diese Kombination hat in bereits vielen Ausstellungen für große Resonanz gesorgt. Die Ausstellung in der KunstWandelhalle Bad Elster zeigt nun viele neue, in den letzten Jahren entstandene Werke, die vorwiegend in Acryl bzw. Öl gemalt sind, sowie eine kleine Auswahl früherer Arbeiten. „Seine Motive führen die Betrachtenden zu einer Interpretation und Auseinandersetzung mit verschiedensten Thematiken und Symboliken, d.h. diese Ausstellung fordert auch heraus bzw. spiegelt und widerspiegelt immer den Kontext zu Farbe und Licht“ erklärt Ute Gallert als Projektkoordinatorin der gesamtverantwortlichen Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft (CVG) den Ausstellungsansatz und führt aus: „Bei den präsentierten plastischen Objekten, die einen interessanten Materialmix beinhalten, werden neue Ansatzpunkte in der Weiterentwicklung des Schaffens van Vinzburgs deutlich, die von gewaltiger Ausdruckskraft geprägt sind.“

Diese interessante Ausstellung kann nun bis zum 29. August jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 14.00 bis 17.30 Uhr sowie an den Wochenenden und an den Feiertagen zusätzlich von 09.30 Uhr bis 12.00 Uhr sowie zu den Veranstaltungen in der KunstWandelhalle Bad Elster besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Infos: 037437/ 53 900 | www.kunstwandelhalle.de

Foto: Antonia Vogel


Tu BiShvat – Fest der Bäume

Bis 29. August 2021 in den Kunstsammlungen am Theaterplatz in Chemnitz

Die Stadt Chemnitz ist seit den 1870er Jahren eng mit der Geschichte ihrer jüdischen Bürger:innen verbunden. Anlässlich des Jubiläums der 30. Tage der jüdischen Kultur Chemnitz und des Festjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland richten die Kunstsammlungen Chemnitz in der Ausstellung Tu BiShvat – Fest der Bäume ihr Augenmerk auf das kulturelle Engagement jüdischer Bürger:innen in Chemnitz. Ein Fokus wird auf den Biografien der jüdischen Sammlerfamilien und ihrer Förderung des Museums liegen. Dem historischen Blick auf die Werke aus dem Bestand wird der aktuelle Blick auf die gegenwärtige jüdische Kultur in Deutschland durch drei zeitgenössische Positionen gegenübergestellt.

In der Ausstellung stehen die jüdischen Sammler Hugo Max Oppenheim, David Leder, Erich Goeritz, Carl Heumann, Arthur Weiner, Max Berger und Felix Frank, aber auch die Künstler Otto Th. W. Stein, Max Liebermann und Lovis Corinth sowie der Violinist Andreas Weißgerber im Mittelpunkt. Sie alle verband nicht nur ihre Liebe zur Kunst, sondern auch ein lebendiges und reges Netzwerk, in dem sie sich austauschten und gegenseitig beeinflussten. Um auf die Vielfalt und Heterogenität jüdischen Lebens in der Gegenwart aufmerksam zu machen, werden dem historischen Netzwerk drei zeitgenössische Positionen gegenübergestellt. Die Künstler:innen Eldar Farber, Michal Fuchs und Shira Wachsmann verbindet der Umgang mit der Natur und die Metaphorik der Verund Entwurzelung. Ihre künstlerischen Auseinandersetzungen bieten einen Dialog für ein tolerantes und achtsames Miteinander an.

Anlässlich der Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Illustrationen, biografischen Texten und Beiträgen von Bettina Leder und Karoline Schmidt erschienen. Der Katalog kostet 29 Euro. Bestellungen sind möglich unter: service.kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de.


Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft

Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein
Museum Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein zeigt die neue Ausstellung #GartenEinsichten „Wie der Garten, so der Gärtner“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft. Vorgestellt werden verschiedene Gartentypen vom Mittelalter bis heute vor. Besonders hervorgehoben werden zwei für das Altenburger Land prägende Gartentypen: Die Gärten der historischen Rittergüter und die Altenburger Bauerngärten. Instagramer aus der Region zeigen in Fotos ihren Blickwinkel auf die sieben auf der Karte markierten historischen Gärten im Altenburger Land. Manche dieser Gärten sind noch heute prachtvoll, andere kaum noch als solche erkennbar. Gleichzeitig stellt die Ausstellung die Frage an alle: Welche Art von Gärten wünschen wir uns für die Zukunft?

Die Sonderschau ist Teil der Ausstellungsreihe „Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land“, zu der auch die thematisch passenden Ausstellungen des Residenzschlosses Altenburg, des Lindenau-Museums und des Naturkundemuseums Mauritianum gehören. Zur Ausstellungsreihe gibt es die Mitmach-Aktion #GartenEinsichten, zu der alle herzlich eingeladen sind.

https://www.burg-posterstein.de/veranstaltungen/garteneinsichten-wie-der-garten-so-der-gaertner-gartenkultur-als-spiegel-der-gesellschaft/


Rote Rosen - Elisabeth tanzend

Eisenach: Zweite Ausstellung der Reihe "Kunst im Bahnhof"
Inka Lotz Ausstellung Eisenach Kunst im Bahnhof

Unter dem Titel "Rote Rosen - Elisabeth tanzend" zeigt die gebürtige Eisenacherin Inka Lotz ihre Theaterfotografien, welche das Tanzstück "Elisabeth.Ikone" am Landestheater Eisenach porträtieren. In ihre Fotos sind collagenartig Textstellen des Eisenach-Poems "Die verjährte Zeit" von Thomas Seifert eingewoben, welche seie Kindheit und Jugendzeit in Eisenach reflektieren. Seit Ende den neunziger Jahren entstand, durch zahlreiche fotografische Reportagen und Szenenbilder ein großes Bildarchiv. Da dieses Jahr die heilige Elisabeth wieder zum Thema in unserer Stadt wird, gibt es Gelegenheit einige Werke vom Tanztheater Eisenach aus dem Jahr 2007 zu zeigen. Die Arbeiten werden auf großformatigem Leinen gezeigt. Es sind Fotos und Fotosequenzen von Einzel- und Gruppenszenen aus der Reihe der Produktionen Elisabeth.Ikone abgebildet. Durch die Leinenstruktur und die organischen Elemente in der Bühnenproduktion, wie Erde und Rosenblätter, bekommen die Fotos einen malerischen Eindruck.

Seit 1995 lebt und arbeitet Inka Lotz in Eisenach Zahlreiche Ausstellungen in Eisenach und in Thüringen zeigten ihr fotografisches können. Themen sind u.a. Portraits und Theater. Im Jahr 2017 übernahm sie den Fotoladen “Foto Hartmann Lotz“ in der dritten Generation.


Osmar Osten: Afrika ist für alle da

Einzelausstellung Neue Sächsische Galerie Chemnitz, zu sehen bis 5. September 2021
Osmar Osten Ausstellung Chemnitz

In dieser umfangreichen und retrospektiv angelegten Ausstellung möchte die Neue Sächsische Galerie die Kontinuität der Haltung und den Wandel der Bildsprache im Werk Osmar Ostens sichtbar werden lassen. Sie zeichnet seinen biografischen Weg nach und folgt insbesondere den Spuren des Lakonischen, der Ironie und des Sprachwitzes in Zeichnung, Grafik und Gemälden.

Osmar Osten ist der große Anreger unter den Künstlern in Chemnitz, eine Verbindungsfigur zwischen den Generationen und von magischer Anziehungskraft für die kreative Szene der Stadt. Begonnen noch im Herbst der DDR zieht er seine Spuren in der Region wie in ganz Deutschland bis heute. Er steht in einer Reihe mit Kippenberger, Rehberg ...

osmar-osten.de

Abbildung: Osmar Osten, Afrika ist nicht für alle da, 2019, Öl auf Leinwand, 35 x 56 cm, © VG Bild-Kunst Bonn


MURANO. Farbe Licht Feuer

Ausstellung im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig bis 15. August
GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig eröffnet am 16.3. mit zwei neuen Ausstellungen

Murano gilt als Inbegriff der italienischen Glasgestaltung par excellence. Ihre Tradition reicht zurück bis ins 14. Jahrhundert, als Venedig seine schon damals berühmte Glasherstellung auf die benachbarte Insel verlagert hatte. Nach einer wechselvollen Geschichte erlebte sie im 20. Jahrhundert eine erneute Blüte, die Ende der 1920er Jahre begann und bis heute reicht. In zahlreichen Werkstätten der Lagunenstadt entstanden und entstehen Werke mit höchstem künstlerischen Anspruch. Kostbares Glas in allen Facetten, vom filigranen Netzmuster bis hin zu massiven Gefäßobjekten mit geschliffenen Oberflächen, begeistert Sammler wie Liebhaber gleichermaßen.

Rund 300 hochkarätige Werke aus einer der größten privaten Sammlungen von Murano-Glas weltweit, der Sammlung Lutz Holz, werden an zwei Ausstellungsorten gezeigt: In der Art déco-Pfeilerhalle des GRASSI Museums für Angewandte Kunst und im Ausstellungsraum der TECHNE SPHERE in Leipzig-Plagwitz. Die Ausstellung im Museum zeigt Muranoglas in seinen vielen Facetten durch Werke von zwei der bedeutendsten Persönlichkeiten des Glasdesigns: Ercole Barovier und Yoichi Ohira. Ercole Barovier (1889-1974) leitete die berühmte Manufaktur Barovier&Toso von 1933 bis 1972 und prägte sie bereits seit 1919. Mit seinen neuen und experimentellen Techniken bestimmte er entschieden die Glaskunst des 20. Jahrhunderts.

Exemplarisch für die Glaskunst Muranos im 21. Jahrhundert stehen die Arbeiten des Japaners Yoichi Ohira (*1946). Seine Objekte weisen gestalterische Momente auf, die der jahrhundertealten venezianischen Glaskunst in der Begegnung mit japanischer Kunst völlig neue künstlerische Dimensionen eröffnen. Die Schau lädt dazu ein, Glas in vielfältigen Variationen und künstlerischen sowie technischen Höchstleistungen der Glaskünstler Muranos zu entdecken. In den Vitrinen der
Pfeilerhalle werden Material, Technik und Künstlerpersönlichkeiten – Glasbläsermeister wie Designer - vorgestellt. Material, Werkzeug, Entwürfe auf Papier und ein Film geben Einblicke in die faszinierende Entstehung dieser gläsernen Kunstwerke.
In Halle 9 der TECHNE SPHERE LEIPZIG werden zwei berühmte Architekten gewürdigt – Carlo Scarpa (1906-1978) und Tomaso Buzzi (1900-1981).

Zur Ausstellung liegt ein Katalog vor (168 Seiten, 240 Abbildungen, Sandstein Verlag,
21,5 cm x 21,5 cm, Klappbroschur, 24 EUR).

Abbildung: Bocciolo, 2004, Entwurf: Yoichi Ohira, Ausführung: Livio Serena und Giacomo Barbini, H: 18,7 cm, Glas, verschiedene Techniken (Murrine, Battuto, Inciso) / Foto: Martin Adam

MURANO. Farbe Licht Feuer - bis 15. August 2021
GRASSI Museum für Angewandte Kunst
Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig, Tel.: 0341/2229100

www.grassimak.de


Nicht nur - Marlene Dietrich auf dem Fass sitzend

Ausstellung bis 7. September in der Villa Rosenthal (Jena)
Villa Rosenthal Jena Ausstellung

Es ist nicht nur das bekannteste Fass, es sind auch die berühmtesten Beine des 20. Jahrhunderts: das Bild aus dem Film „Der blaue Engel“ (1930), einer Adaption von Heinrich Manns Roman "Professor Unrat". Marlene Dietrich auf dem Fass sitzend ist Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden. Mit diesem Bild verbinden sich Massenkultur und Emanzipation, Restauration und Moderne gleichermaßen. Es ist zudem Sinnbild für die 1920er-Jahre und spielt mit der Dialektik aus Projektion und Inszenierung.

Die überwiegend Exponate aus einer privaten Sammlung präsentierende Ausstellung zeigt zahlreiche seitdem beobachtbare Variationen des Motivs im Kino, in der Werbung, in der Publizistik und in der bildenden Kunst. Nicht nur die Orte der Wiederkehr, auch die Motivanpassungen spiegeln die vielfältigen Projektionsmöglichkeiten. Die Adaptionen sind ebenso einfallsreich wie banal - indem sie nur von der Bekanntheit der deutschen Schauspielerin und des Films profitieren wollen.

Eine Ausstellung des Lese-Zeichen e.V. in Zusammenarbeit mit der Villa Rosenthal. Die Ausstellung in der Reihe Wortwelten | Bildwelten findet jährlich statt und wird von einem Rahmenprogramm begleitet.

Abbildung: Der blaue Engel©Friedrich_Murnau_Stiftung


Gera: Schloss Osterstein - Facetten einer Residenz

Sonderausstellung im Stadtmuseum Gera
Stadtmuseum Gera Schloss Osterstein

Beeindruckende Burgen und Schlösser gibt es viele in Deutschland. Der Osterstein war nicht nur ein Schloss, er war der Sitz einer Landesherrschaft, eine Residenz, und nimmt damit auch in der Thüringer Landesgeschichte eine herausgehobene Position ein. Das Schloss war der Ort, von dem aus rund 700 Jahre lang die Geschichte Geras und von Teilen Ostthüringens bestimmt und geleitet und – mit der Abdankung Heinrichs XXVII. am 11. November 1918 – auch das Ende der reußischen Monarchie besiegelt wurde.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Gera erzählt anhand von rund 150 Objekten die Geschichte des Ortes und des Schlosses von der Bronzezeit bis ins 20 Jahrhundert. Für die inhaltliche Arbeit konnten renommierte Historiker u.a. aus Dresden und Weimar gewonnen werden. So bietet die Ausstellung neue Erkenntnisse über das Alter des Bergfrieds, die Schlosskapelle, die Bedeutung der zahlreichen Hohlwege am Osterstein und die Beseitigung der Schlossruine nach 1945.

Seit Anfang des 13. Jahrhunderts bildete die Burg auf dem Hainberg den Mittelpunkt einer Teilherrschaft der Vögte von Weida. Ein Zweig der Familie nannte sich fortan Vögte von Gera. Die Vögte oder Herren von Gera – wie sie sich seit etwa 1370 nannten – starben 1550 aus. Trotz der schwierigen und gefahrvollen Zeit des Religionsstreits konnte die Greizer Linie der Vögte – die Reußen – in den Folgejahren die Geraer Herrschaft für sich gewinnen und übernehmen. Bereits 1564, nach einer reußischen Landesteilung, wurde Gera erneut die „Hauptstadt“ einer Herrschaft und Schloss Osterstein der Sitz der Herren und späteren Grafen und Fürsten Reuß jüngerer Linie.

Im 19. Jahrhundert wurde der Osterstein auch zum Werbeträger und Identifikationsort. Die Geraer waren stolz auf ihr malerisch im Wald und oberhalb der Elster gelegenes Schloss. Der Blick über den Fluss nach Untermhaus und hinauf zum Schloss dürfte um 1900 das häufigste Ansichtskartenmotiv in Gera gewesen sein. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte den Untergang des Schlosses. Bei einem der letzten Fliegerangriffe auf Gera am 6. April 1945 wurde es von amerikanischen Bombern getroffen und brannte vollständig aus. Die Ruinen wurden 1962 zum größten Teil beseitigt.

Zu sehen Dienstag bis Sonntag und Feiertage 11 Uhr bis 17 Uhr

Weitere Informationen unter http://www.museen-gera.de

Foto: Stadtmuseum

 


INDIEN. Leben am Wasser

Ausstellung bis 8. August in der Erfurter Augustinerkirche
Erfurt Ausstellung Indien. Leben am Wasser

Wasser eröffnet in Indien viele Lebensräume: spirituelle Reinigung, soziales Miteinander, Reisen und alltägliche Haushaltsführung. Interessierte können diese unterschiedlichen Räume in der Foto-Ausstellung „INDIEN. Leben am Wasser“ in der Augustinerkirche bis zum 8. August entdecken. Die Ausstellung wird organisiert von der Kolleg-Forschungsgruppe „Religion und Urbanität“ des Max-Weber-Kollegs und kann während der Kirchenöffnungszeiten besucht werden. Der Eintritt ist frei.

Die Foto-Ausstellung lädt dazu ein, die vielfältigen Dimensionen des Wassers in Indien zu entdecken. Dort ist Wasser nicht nur ein wichtiges Element des Lebensunterhalts, es trägt auch eine entscheidende spirituelle und religiöse Bedeutung. Als Hauptmittel der Reinigung ist Wasser ein wesentlicher Bestandteil auf dem Weg zum Mokṣa (मोक्ष oder Befreiung). Die mit dem Wasser verbundenen Räume spiegeln diese Mehrdimensionalität wider: Sie sind gleichzeitig Räume weiblicher Geselligkeit, bunte und dynamische Umgebungen, und Kulisse einer raffinierten Architektur.

Die 26 Fotografien setzen sich mit Momenten und Erlebnissen rund um die Themen Rituale, Weiblichkeit, Architektur und Umwelt auseinander. Die Ausstellung ist in deutscher und englischer Sprache verfasst, es gibt einen Audioguide. (Kuratorin: Dr. Sara Keller) Mit Bildern von Antje Linkenbach-Fuchs, Ashok Saravanan, Chinch Gryniewicz, Christian Cravo,Gaytri Chandramouleeswaran, Kaveer Rai, Krutarth Bhatt, Manali Bhadra, Martin Fuchs, Pooja Patil, Prakhar Vidyarthi, Sara Keller, Somya Parikh, Supriya Chaudhuri.

Aktuelle Informationen und (Corona-)Updates zur Ausstellung finden Sie hier: https://miwa.hypotheses.org/exhibition


Hochkarätige Ausstellungen in der Kunstsammlung Jena

Kunstsammlung Jena Offener Prozess NSU Komplex

In der Kunstsammlung Jena erwarten Sie bis zum 8. August die farbenprächtigen Gemälde Nguyen Xuan Huys. Talking about Black Holes. Malerei: Anmutige, nackte Frauenkörper, die sich tänzerisch oder schwebend in erotischen Posen durch irreale Welten bewegen. Mit verträumten, selig lächelnden oder ekstatischen Gesichtern räkeln sich agile Jugendliche mal alleine auf Kissen, mal als Gruppe in stimmungsvoll erleuchteten Landschaftsszenerien. Die in altmeisterlicher Manier gemalten Ölbilder von Nguyen Xuan Huy überwältigen unmittelbar in ihrer Schönheit. Und sie verstören – denn rasch offenbart sich der trügerische Schein und lässt die Stimmung kippen: Verdrehte oder verkrüppelte Gliedmaßen fallen auf und überall lauern bedrohliche Details wie Maschinengewehre, Hähnchenflügel oder sozialistische Symbole. Nguyens Gemälde sind konstruktive, vitale, perfekt inszenierte und virtuos gesetzte Provokationen. Sie unterscheiden sich formell wie inhaltlich von fast allem, was wir aus der aktuellen Kunst kennen. Sie fordern die Betrachter emotional und intellektuell und sind von eindringlicher Aktualität.

Außerdem:

Bis 15. August: Offener Prozess

Die Ausstellung Offener Prozess widmet sich dem NSU-Komplex. Sie nimmt dabei die Ost-Deutsche Realität insbesondere in Sachsen zum Ausgangspunkt, um eine Geschichte des NSU-Komplexes zu erzählen, die von den Migrationsgeschichten der Vertragsarbeiter:innen und den Kontinuitäten rechter und rassistischer Gewalt und des Widerstandes dagegen ausgeht. Mit dem Ansatz eines „lebendigen Erinnerns” rückt sie marginalisierte Perspektiven in den Mittelpunkt. Dabei werden konkrete Ausformungen wie rechtsterroristische Gewalt, Alltagsrassismus und institutioneller Rassismus in ihren Wechselwirkungen beleuchtet. Ebenfalls werden die Verbindungen zu anderen Formen der Gewalt gegen bestimmte als fremd markierte Personen, wie etwa Antisemitismus, in den Blick genommen.

Analog zu Projekten wie dem dokumentarischen Theater NSU-Monologe und dem Tribunal NSU Komplex auflösen, beginnt die Ausstellung explizit nicht mit den Taten des NSU, sondern mit dem Leben, das existierte und in das diese Taten getreten sind. Kuratorische und vermittlerische Strategie wurden für die Ausstellung zusammen gedacht und entwickelt. Zeug:innenschaft ist dabei ein integrales Element. Zeug:innenschaft bedeutet nicht nur etwas zu sehen, etwas zu hören, sondern ist eine emotional-kognitive Handlung und führt zu einer sozial-politischen Praxis des Sich-Verbindens. Indem wir den Zeug:innen des rassistischen Terrors zuhören, werden wir in diesen Momenten zu Zeug:innen ihrer Zeug:innenschaft und dadurch auch selbst Zeug:innen. Wir stellen uns solidarisch zu den Erzählenden und nehmen ihre Geschichten auf. In dem wir uns zu ihnen stellen, entsteht auf diese Weise eine politische Form des Gedenkens, die sich performativ im Akt des Zuhörens und Erzählens kollektiv herstellt und fortschreibt.

Der NSU ist ein Komplex. Mit dem Begriff NSU-Komplex wird deutlich gemacht, dass die Taten des NSU (intendiert und nicht-intendiert) durch Medien, Institutionen wie Ermittlungsbehörden, Verfassungsschutzämter, Politik aber auch durch die Öffentlichkeit unterstützt wurden. Der NSU hatte Vorläufer:innen und – umso schmerzlicher – jetzt auch Nachfolger:innen. Ausgehend von den Geschichten der Gast- und Vertragsarbeiter:innen will die Ausstellung auf die immer noch unaufgearbeitete Geschichte der rassistischen und rechts-motivierten Gewalt in Ost- und Westdeutschland schauen. Die Ausstellung soll es ermöglichen, sich für die Thematiken zu öffnen, sich an das Thema Rassismus zu wagen, sich zu trauen zu fragen und weiter recherchieren zu wollen, weil die Verbindungen zwischen den Ausstellungsinhalten und den Realitäten erkennbar werden. Handlungen sowie Verantwortlichkeiten, strukturelle Ungleichheiten, Fragen ungleicher Sichtbarkeiten werden erkannt und im besten Fall hinterfragt. Die Ausstellung regt an, immer wieder zu fragen: Wer spricht? Wer wird gehört? Wer wird nicht gehört?

Künstlerische Beiträge von Harun Farocki, Hito Steyerl, belit sağ, Želimir Žilnik, Ulf Aminde und Forensic Architecture u.a. widmen sich den Lebensrealitäten von Gastarbeiter:innen, Migrationsgeschichten, dem Alltag in Deutschland und der rechtsterroristischen Gewalt wie dem Alltagsrassismus. Aktivistische Initiativen erinnern an diejenigen, die Opfer dieser Gewalt geworden sind und sind die lauten Stimmen derer, die sich dagegen zur Wehr setzen. Zuhören wird hier als politische Praxis verstanden, Erinnern als Prozess. Diese Ausstellung fordert auf zum Handeln. Die Ausstellung wird in verschiedene Städte bundes-und europaweit wandern. Sie wird von einem Vermittlungs-und Begleitprogramm gerahmt. Zeitzeug:innen werden sprechen, Perspektiven in Gesprächsformaten ausgetauscht, Impulse durch Filmscreenings gegeben, Menschen in Diskussionsrunden miteinander ins Gespräch gebracht, Musik ehemaliger Vertragsarbeiter:innen wird zu hören sein und die Ausstellung wird ein Ort der Begegnung und der Recherche sein. Die Ausstellung wird 2021 in Jena und Chemnitz sowie in Brüssel und an dreizehn Theaterstandorten zu sehen sein. Ab 2022 wandert sie vermehrt in Schulen aber auch in europäische Städte wie Novi Sad (Serbien). Ab 2025 wird sie als Dauerausstellung in Chemnitz im Rahmen der Kulturhauptstadt zu sehen sein.

Kuratorisches Konzept: Ayse Güleç und Fritz Laszlo Weber / Projektleitung: Hannah Zimmermann und Jörg Buschmann / Ausstellungsproduktion: Irène Mélix


Tatort Dali – Original und Fälschung

Ausstellung bis 31. August im Schloss Waldenburg
Schloss Waldenburg Tatort Dali - Original und Fälschung

Mehr als 30 Jahre nach dem Tod des extrovertierten Salvador Dali gilt der spanische Meister heute als eine der schillerndsten, vielseitigsten und produktivsten Künstlerpersönlichkeiten weltweit. Paris, Barcelona, Berlin – wo immer auch Dali-Ausstellungen stattfinden, sorgen die Ereignisse für eine wahrhaftige „Dali-Manie“. Das 1904 im spanischen Figueras geborene Malergenie war eng verbunden mit den „Traumwelten“ von Sigmund Freud und gilt als Hauptvertreter des Surrealismus und Erfinder der paranoisch-kritischen Methode in der Bildenden Kunst. Obwohl Dali im Wesentlichen wegen seines malerischen Werkes in Erinnerung geblieben ist, wandte er sich im Laufe seiner langen Karriere erfolgreich der Druckgrafik, der Bildhauerei, der Werbung und dem Filmemachen zu. Im grafischen Bereich erweist er sich als großer wegweisender Experimentator. Gleichermaßen gilt Dali als einer der am meisten gefälschten Künstler weltweit.

Diesem spannenden Thema wird eine Ausstellung gewidmet unter dem Titel Tatort Dali – Original und Fälschung, die nun erstmalig überhaupt in dieser Zusammenstellung im Waldenburger Schloss gezeigt wird. Der Besucher hat die einzigartige Möglichkeit, Originale und Fälschungen, die teilweise von den Landeskriminalämtern für Ausstellungen freigegeben wurden, im gegenüberstehenden Vergleich zu betrachten. Die Fälschungen wurden überwiegend mit einer verblüffenden Perfektion hergestellt, haben jedoch einen entscheidenden Schönheitsfehler: Sie sind nicht echt. Sie stammen nicht aus dem Atelier des Meisters, sondern aus Fälscherwerkstätten. „Tatort Dali“ heißt demgemäß die Ausstellung aus der Sammlung Rebmann, wo erstmalig originale Arbeiten und Fälschungen nebeneinander gezeigt werden.

Während der Ausstellung sind die Kataloge „Salvador Dali und die Apokalypse des „Saint Jean“ und „Salvador Dali der Illustrator“ erhältlich. Ebenso liegt für Interessenten das druckgrafische Gesamtverzeichnis aus der Zeit von 1924 bis 1980 zur Einsichtnahme vor. Das Werkverzeichnis enthält ein Vorwort von Dali aus dem Jahre 1985. Es bietet einen gesamtheitlichen Überblick über das außergewöhnliche Schaffen des Meisters. Es benennt die technischen Angaben der einzelnen Grafiken, auch die Originalitätskriterien der verschiedenen Grafiksignaturen, Papierarten und Auflagebezeichnungen und ist insofern eine Hilfe echte Dalis von unautorisierten Auflagen oder Fälschungen zu unterscheiden. Die umfangreichen Recherchen für dieses Werk erfolgten in über 30 Jahren und mit Unterstützung von Robert Descharnes, dem langjährigen Weggefährten und Biografen Dalis.

Die einzigartige Kunstpräsentation im Schloss Waldenburg ist noch bis Ende August 2021 während der regulären Öffnungszeiten von Schloss Waldenburg zu sehen. Informationen zu den aktuellen Besuchsanforderungen oder Besuchsreservierungen findet man auf der Website von Schloss Waldenburg: www.schloss-waldenburg.de.

Bildrechte: Tourismus und Sport GmbH 


Das Spiel der Könige von früher bis heute

Ausstellung zum Thema Schach in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena
Schach Ausstellung Universität Jena

(Uni Jena/viv) Es gibt eine Sache, die der Gründer der Universität Jena „Hanfried“, der Namensgeber der Universität Friedrich Schiller, eine Netflix-Serie und eine Corona-Entwick­lung gemeinsam haben: Schach. Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen („Hanfried“) und Friedrich Schiller waren in ihrer Freizeit enthusiastische Schachspieler. Durch die Netflix-Serie „Das Damengambit“ erlangte das Spiel der Könige auch in jüngster Zeit wieder ver­stärkte Aufmerksamkeit, und die Nutzung von Online-Schachspielen während der Corona-Krise boomt. Und so passt die neue Ausstellung in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) gut in die Zeit und zur Universität. Es geht in der Schau um „Schach. Spiel – Sport – Wissenschaft – Kunst“. 

Von Königen und Sportlern

In zehn Vitrinen im Ausstellungsraum im Foyer des ThULB-Hauptgebäudes (Bibliotheksplatz 2) wird das Thema Schach aus verschiedenen Perspektiven und im zeitlichen Verlauf darge­stellt. Die Ausstel­lung präsentiert, wie Schach seit seiner Entstehung im 6. Jahrhundert im nördlichen Indien bis heute die Gesellschaft beschäftigt, vom Höfischen ins Bürgerliche überging, heute sogar als Sportart betrachtet wird und ganz nebenbei, also „en passant“, unsere Sprache beeinflusst.

Ältestes deutsches Schachlehrbuch in Jena

Aus kulturhistorischer Sicht wird unter anderem eine Legende zum Ursprung des Schachspiels in der Schedelschen Weltchronik aus den Beständen der Universität gezeigt. Außerdem wird eine Kopie des in Jena aufbewahrten ältesten deutschen Schachlehrbuchs „Das Schach- oder König-Spiel" von 1616 ausgestellt und der „Schach-Türke“ thematisiert – die erste mecha­nische Schachmaschine aus dem Jahr 1770. Scheinbar automatisch spielte eine orienta­lisch-gekleidete Figur gegen beliebige Spieler – und gewann in den meisten Fällen.

Schach in zeitgenössischer Literatur und Film

Aber auch die Geschichte des Schachs wird umfangreich beleuchtet. Thematisiert wird dafür in der Ausstellung die Schachpublizistik, denn Schach gilt als die Sportart mit den meisten Publikationen. Einblicke gibt die Ausstellung in Schachbücher, die z. B. Anleitungen zu Spiel­zügen bereithalten. Zu den Publikationen gehören aber auch zahlreiche Fachzeitschriften. Selbst in der Belletristik und im Film wurde das Schachspiel aufgegriffen. Die Ausstellung zeigt wichtige Beispiele.

Foto: André Karliczek


Altenburg: Grünes im Quadrat

Die Gartenstadt Altenburg / Bis 3. Oktober Ausstellung des Lindenau Museums im Residenzschloss Altenburg
Grünes im Quadrat Ausstellungen Altenburg

Anlässlich der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt rücken auch die Museen den Garten als Ort der Einkehr, Repräsentation oder des Wirtschaftens in den Mittelpunkt ihrer Ausstellungsaktivitäten. Unter dem Titel „Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land“ setzen sich das Lindenau-Museum Altenburg, das Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, das Museum Burg Posterstein und das Naturkundemuseum Mauritianum mit der Entwicklung der Altenburger Gartenkultur auseinander. Dabei blicken die vier Einrichtungen aus kunsthistorischer, kulturgeschichtlicher, sozialer und naturwissenschaftlicher Perspektive auf den Garten als Lebens- und Arbeitsraum. Die Ausstellung vom Museum Burg Posterstein #GartenEinsichten: „Wie der Gärtner, so der Garten“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft läuft bis zum 14. November 2021, die Ausstellung vom Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg Der Grund des Gartens: Porphyr ist bis zum 31. Dezember“ zu besichtigen. Nach „humboldt4“ im Jahr 2019 arbeiten die Museen des Altenburger Landes nun zum zweiten Mal für eine Ausstellungsserie zusammen. „Grünes im Quadrat“ steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur-, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Thüringer Staatskanzlei.

Gärten vor der Linse – Die Gartenstadt Altenburg

Das Lindenau-Museum ist zu Gast im Residenzschloss Altenburg. Im Rahmen des Ausstellungsprojektes „Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land“ richtet das Lindenau-Museum in den „Russischen Gemächern“ des Schlosses den Blick auf die Kulturgeschichte der Altenburger Gärten. In direkter Nachbarschaft, im Goldsaal, präsentiert das Residenzschloss seine Ausstellung zum Thema Garten. Vorgestellt werden Fotografien der Gärten des Adels und des Bürgertums. Die Spanne der einstmals weit über die Stadt hinaus bekannten Anlagen reicht von der Gartenanlage Hans Wilhelm von Thümmels, dem Park der Familie von der Gabelentz in Poschwitz und dem Wagner’schen Garten in der Frauengasse über verschiedene Villengärten, den Botanischen Garten, den Großen Teich bis hin zu Gerhard Altenbourgs Künstlergarten. Neben Plänen aus verschiedenen Archiven sind u.a. Werke von Adrian Zingg, Johann Carl August Richter, Christian Friedrich Schadewitz, Walter Jacob, Conrad Felixmüller und Gerhard Altenbourg zu sehen.

Das Lindenau-Museum hat mehrere Fotografen eingeladen, ihre Sicht auf die Altenburger Gärten festzuhalten. Die Arbeiten von Klaus Bach (Weimar), Margret Hoppe (Leipzig), Bertram Kober (Leipzig) sowie der Altenburger Jörg Neumerkel, Carsten Schenker und Jens-Paul Taubert werden Ansichten und Dokumenten der vielfältigen Altenburger Gartenlandschaften gegenübergestellt.

Sofern es die Corona-Verordnung erlaubt, findet bis zum 30. September jeden Donnerstag um 18 Uhr im Residenzschloss ein Abendspaziergang durch die Ausstellungen „Gartenlust und Parklandschaft“ und „Gärten vor der Linse“ statt.

Gartenlust und Parklandschaft – Die Geschichte des Altenburger Schlossparks

Das Schloss- und Spielkartenmuseum präsentiert mit „Gartenlust und Parklandschaft“ die erste Sonderausstellung zur Geschichte des Schlossgartens. Anhand von mehr als 100 Exponaten wird den Besucherinnen und Besuchern der Wandel des Schlossgartens vom herzoglichen Park der Renaissancezeit über den Barockgarten französischer Prägung bis hin zum englischen Landschaftsgarten nähergebracht.

Daneben fokussiert sich die Schau auf die Nutzung des Schlossgartens über die Jahrhunderte. So diente das Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Schlossgebäuden nie allein der höfischen Repräsentation oder als Ort intimer Begegnungen. Vielmehr wurde die Grünfläche bis zum Ende der Monarchie 1918 auch als Nutzfläche zur Versorgung des Hofes in Anspruch genommen. Zahlreiche Überlieferungen aus der Zeit des Herzogtums bezeugen diese bisher kaum beachtete Verwendung des Schlossgartens. Mit dem Augenmerk auf die sich wandelnde Anpflanzung und Bebauung des Lustgartens, zeichnet die Ausstellung so auch den Zeitgeist vergangener Epochen nach. 

Im ersten Ausstellungsbereich setzt sich die Schau mit den Ursprüngen des Schlossgartens auseinander. Neben der Ausdehnung des Gartenbereichs auf das Waldgebiet nördlich des Burgberges im 16. Jahrhundert, wird hierbei auch die Entstehung einer der ersten Lustgärten italienischer Prägung in Mitteldeutschland unter Herzog Johann III. von Sachsen-Weimar thematisiert. Damals errichtete Anlagen und Bauten, aber auch höfische Feste werden den Ausstellungsbesucherinnen und -besuchern vor Augen geführt.  Im zweiten Teil der Ausstellung wird die Wandlung hin zum Garten im Stile des französischen Barocks aufgearbeitet. Beeinflusst von der französischen Landschaftsarchitektur des 17. Jahrhunderts, entstanden unter Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg neue Gartenanlagen und Parkbauten, wie die Orangerie oder das Schönhaus. Teile der ehemaligen Bauten vermitteln den Besuchern in diesem Ausstellungsbereich einen plastischen Eindruck früherer Schlossparkgestaltung. Anschließend steht die finale Ausformung der Gartenanlage und anschließende Umwandlung der Anlage in einen Landschaftspark englischen Stils im Fokus. Die Ausstellung illustriert diesen tiefgreifenden Prozess, der bis in die Gegenwart nachwirkt. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Gartenplanung umgesetzt, die dem Gelände bis heute ihre Form verleiht. Sie steht im Mittelpunkt des letzten Segments der Ausstellung des Schloss- und Spielkartenmuseums. Dabei rücken auch Gebäude wie das Naturkundemuseum Mauritianum, das Lindenau-Museum oder die Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche in den Blickpunkt. Zusammen mit dem Schloss sind sie Bestandteil der weitläufigen Gartenanlagen. In welchem Umfang der Park im 19. Jahrhundert für die Öffentlichkeit zugänglich war und welchen Bedingungen die Nutzung der Anlagen durch die Bevölkerung unterworfen war, wird zum Abschluss der Ausstellung thematisiert.

Die präsentierten Exponate stammen zu großen Teilen aus den Beständen des Lindenau-Museums Altenburg, des Schloss- und Spielkartenmuseums und des Naturkundemuseums Mauritianum Altenburg. Unterstützung erfährt die Ausstellung ferner durch Leihgaben der Staatsarchive in Altenburg und Gotha, dem Stadtarchiv Altenburg, dem Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg, der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt sowie privater Sammler.


 



Zwickau: Fenster zur Kunst

„Sommersalon“ des Kunstvereins Zwickau e. V. in der Galerie am Domhof bis 19. September
Kunstverein Zwickau Sommersalon

In der Galerie am Domhof Zwickau zeigen derzeit die Künstler und Künstlerinnen des Kunstvereins Zwickau e. V. im Rahmen einer Sonderausstellung unter dem Titel „Sommersalon 2021“ Malereien, Grafik, Fotografien sowie Objekte und Installationen. Für die Sonderschau, die bis zum 19. September 2021 zu sehen ist, haben 46 Mitglieder 137 Arbeiten eingereicht, von denen 90 in der Ausstellung gezeigt werden.

Seit Gründung des Kunstvereins Zwickau e. V. ist der „Sommersalon“ die repräsentative Ausstellung des Vereins, die zunächst jährlich gezeigt wurde und seit 2001 im Rhythmus von zwei Jahren zu sehen ist. Der Salon bietet allen künstlerisch tätigen Mitgliedern die Möglichkeit, ihre Arbeitsergebnisse vorzustellen. Das Spektrum der Inhalte und ihre künstlerische Realisierung sind vielfältig. So reicht der Bogen der künstlerischen Techniken von der Handzeichnung und grafischen Verfahren über Malerei, Fotografie und Plastik bis hin zu Installationen. Dabei stehen neben Porträts und figürlichen Kompositionen auch Landschaften und die Auseinandersetzung mit Problemen der Gegenwart im Mittelpunkt der Gestaltung. Es ist immer aufs Neue spannend, wie breit gefächert sich die gestalterische Kreativität entfaltet.

Kabinettausstellung: Ein Künstlerleben. Jürgen Höfer

Jürgen Höfer wurde 1940 in Zwickau geboren. Schon früh entstanden erste künstlerische Arbeiten und prägende Kontakte zu Dresdener Künstlern. Dennoch entschied er sich für einen anderen Berufsweg und blieb in Bezug auf die Kunst weiterhin Autodidakt, der sich auf diesem Gebiet stets weiterbildete. So war und blieb die Kunst immer bestimmend für Jürgen Höfers Leben. 1999 wurde er mit dem Christoph-Graupner-Kunstpreis des Landkreises Zwickauer Land ausgezeichnet.

In Erinnerung an den 2008 verstorbenen Künstler, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag begangen hätte, zeigt die Galerie am Domhof Zwickau eine Kabinettausstellung mit Werken von Jürgen Höfer.

Die Ausstellung stellt einen Schaffensüberblick dar. Sie umfasst Kunstwerke, die im Zeitraum von 1969 bis 2006 in den von Jürgen Höfer bevorzugten Arbeitstechniken Öl auf Papier, Collage und Mischtechnik entstanden sind. Thematisch reicht die Bildauswahl von Stillleben bis zu von Reiseeindrücken inspirierten Landschaften.

Öffnungszeiten: Di, Mi, Do und Sa 10./So 11. Juli sowie Sa 24./So 25. Juli jeweils  13 bis 18 Uhr


No Guarantee

Arbeiten von Nguyen Xuan Huy im Museum Schloss Wilhemsburg (Schmalkalden) zu sehen
Museum Schloss Wilhemsburg Schmalkalden

Eine der spannendsten Positionen der aktuellen deutschen Malerei vertritt ein in Hanoi geborener Mann. Seine Werke sind nichts weniger als der Vorschlag zu einer neuen europäischen Kunst, welche die ideologischen Verirrungen des 20. Jahrhunderts überwindet und den Fetisch der Avantgarde hinter sich lässt. Zu einer Kunst, die den Weg in eine neue Aufklärung weist. Ein halbes Jahrtausend lang – von der Renaissance bis zu den Impressionisten - schilderte die europäische Malerei Geschichten, Gleichnisse und Legenden. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges, als Europa zu zerbrechen begann, rückten die „Avantgarden“ die künstlerische Momentaufnahme in den Mittelpunkt, den Schock, die emotionale Überwältigung. Die narrative Malerei verlor ihre Bedeutung.

Die Sehnsucht nach Geschichten ist wieder da. Die formellen Ansprüche des jungen Publikums sind hoch - die Bilder- und Datenflut der Digitalisierung setzt Maßstäbe. Treffen „Digital Natives“ auf Nguyens Werke, sind sie fasziniert. „Alles gemalt? Von Hand?? Wie geht das???“ Wenden sich junge Rezipienten den Inhalten seiner Gemälde zu, sind sie überrascht und gefesselt. Die Erzählungen sind außerordentlich facettenreich, reichen tief in die Kunstgeschichte und sind zugleich brandaktuell.  Die Gegenwart betrachtet Nguyen aus der Perspektive der Aufklärung. Logische Analysen gelten ihm mehr als ideologische Standpunkte. Oft trifft er seine Aussagen in Form mythologischer, philosophischer oder literarischer Gleichnisse. Diese Malerei ist eine kultiviert und zugleich schonungslos formulierte künstlerische Analyse der aktuellen Verfassung unseres Kontinents und des Geisteszustands seiner Bewohner.

Nguyen Xuan Huy wurde 1976 in Hanoi geboren. Er studierte an der Architekturhochschule Hanoi, an der Ecole des Beaux Arts in Bordeaux und erwarb 2003 sein Diplom der Malerei an der HfKD Burg Giebichenstein in Halle. Er lebt und arbeitet in Berlin.  

Zu sehen bis 3. Oktober 2021, Museum Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden

Abbildung: Nguyen Xuan Huy, No Guarantee, 2020, Öl auf Leinwand, 220 x 150 cm


STÜHLE. Nur für Kinder!

Ausstellung im GRASSI Museum für Angewandte Kunst in Leipzig bis 3. Oktober
GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig Stühle! Nur für Kinder

Stühle sind mehr als „Sitzgelegenheiten“. Sie sind Ruhezone, Arbeitsplatz, Spiel- und Designobjekt. Die besonderen Anforderungen für die Nutzung durch Kinder bringen eigene Herausforderungen mit sich: Anatomie, Bewegungsfreiheit, Funktionsvielfalt und Sicherheit stehen beim Design von Kindermöbeln heute an erster Stelle.
Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in seiner aktuellen Sonderschau rund 120 Kinderstühle von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu aktuellen Modellen. Der Großteil stammt aus der Privatsammlung von Gisela Neuwald zuzüglich einiger Modelle aus dem museumseigenen Bestand.
Die Sammlerin Gisela Neuwald hat in über 30 Jahren nahezu 400 Kinderstühle aus der ganzen Welt zusammengetragen. Mit vielen davon lebt sie in ihrer Münchner Wohnung – sie dienen als Hocker, Nachttisch, Ablage für Bücher, Handtaschen oder andere Dinge, aber natürlich auch als Sitzgelegenheiten für ihre Kinder und Enkelkinder. Anlass des Sammelns war ein traumatisches Kindheitserlebnis, bei dem ihr ein Stuhl das Gefühl der Sicherheit gab. Daher steht für Gisela Neuwald auch das Miteinander von Stuhl und Kind im Mittelpunkt ihres Interesses. Ihre Sammlung sieht sie als „Metapher für eine kleine Gesellschaft aus Hoffnungsträgern“.
Der Kinderstuhl an sich nimmt in der Geschichte des Designs eine besondere Rolle ein. Während der Gebrauch von Sitzmöbeln für Erwachsene historisch sehr weit zurückreicht, finden sich speziell für Kinder hergestellte Sitzmöbel erst seit dem 19. Jahrhundert. Ein Pionier auf diesem Sektor war die Firma Thonet mit ihren seit 1860 hergestellten Kinderstühlen aus gebogenem Buchenholz. In den Grundformen entsprachen die frühen Kinderstühle zunächst den Modellen der Erwachsenen. Ein Prinzip, das bis heute auch bei Designikonen angewendet wird. Parallel dazu hat sich aber eine Spezialisierung entwickelt, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden versucht: Sei es als Kindergarten-, Schulmöbel oder als Sitzmöbel im privaten Bereich. Die Entwicklung der Kunststoffmaterialien beförderte seit den 1960er Jahren zusätzlich die Kreativität bei der Gestaltung von Kindermöbeln. Heute spannt sich der Bogen zwischen preiswerten Kunststoffmöbeln, multifunktional einsetzbaren Kinderstühlen, nachhaltig produzierten Modellen bis hin zu teuren Design-Ikonen fürs Kinderzimmer.

Dein Lieblingsstuhl

Viele der ausgestellten Kinderstühle sind historisch und daher selten. Deren jahrelange Nutzung hat ihnen oft zugesetzt, sodass sie leider nicht benutzt werden dürfen. Gisela Neuwald als Sammlerin dieser Stühle weiß jedoch, dass nur Ausprobieren über Studieren geht. Daher hat sie eine kleine Anzahl von Stühlen bereitgestellt, auf die sich (ausschließlich) Kinder setzen dürfen.

Zur Ausstellung liegt ein Katalog vor.


Zwischen Mystik, Magie und dicken Mauern – 800 Jahre Leuchtenburg

Neue Dauerausstellung zur Burggeschichte "Mythos Burg"

Seitenroda/Thüringen. Von der Wehranlage bis zum Verwaltungssitz, vom Zuchthaus und der Irrenanstalt bis zum Ort der Freiheit und Unbeschwertheit – die Funktionen der Leuchtenburg im thüringischen Seitenroda sind überaus wechselhaft. Aber dadurch, dass die im Jahr 1221 erstmals urkundlich erwähnte Burg 800 Jahre lang durchgehend genutzt wurde, zählt sie heute zu den besterhaltenen Burgen Deutschlands. Die idyllisch auf einem Hügel über dem Saaletal thronende Anlage ist bereits seit Jahren ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem wegen des faszinierenden Ausblicks, dem Skywalk der Wünsche und den einzigartigen Porzellanwelten. Mit Wiederöffnung nach dem Lockdown wird die Burg um eine bedeutende Attraktion für die Gäste reicher: Als eigenes Geschenk zur 800-Jahr-Feier präsentiert die Leuchtenburg ihre wechselhafte Geschichte in einer neuen Dauerausstellung. Unter dem Titel „Mythos Burg – 800 Jahre Leuchtenburg“ können sich Besucher und Besucherinnen auf eine ungewöhnliche Erkundungsreise zwischen Mystik, Magie und dicken Mauern begeben und mehr über die spannende Geschichte und die unterschiedlichsten Nutzungen der Leuchtenburg erfahren.


Das Erbe der Prämonstratenser in Kloster Veßra

Hennebergisches Museum Kloster Veßra

Von Claudia Krahnert Im Hennebergischen Museum Kloster Veßra können Museumsgäste die 6 Hektar große Anlage wieder in vollen Zügen genießen. Auch die auf dem Werratalradweg radelnden Fahrradausflügler machen normalerweise Zwischenstation in Kloster Veßra und genießen den Rundgang durch die Fachwerkhäuser und die imposante Klosteranlage. Für Kinder hat das Museum eine Museumsrallye, ein Quiz für die neue Sonderausstellung und ein Bilderrätsel für die ganze Familie vorbereitet.

Das 2021 gefeierte 900-jährige Jubiläum des Prämonstratenser-Ordens weist auch zu Kloster Veßra einen ganz besonderen Bezug auf, gehörten die hier lebenden Chorherren doch auch dem von Norbert von Xanten 1121 gegründeten Orden an. In ihrem europaweit wirksamen Reformstreben setzen sich die Prämonstratenser in besonderer Weise für die Verkündigung des Evangeliums, für Nächstenliebe und Seelsorge ein. In gleichem Maß hatten sie Anteil an der Gestaltung und dem Aufleben der Kulturlandschaft, die auch das heutige Südthüringen noch prägt.

Aus diesem Grund begibt sich das Hennebergische Museum Kloster Veßra in seiner Sonderausstellung Weiße Mönche im grünen Tal – Die Prämonstratenser in Kloster Veßra auf die Suche nach den noch heute sichtbaren Spuren prämonstratensischer Tradition in Kloster Veßra. Dafür hat das Museum Kontakte zu den noch heute bestehenden Prämonstratensern in Deutschland und Polen aufgenommen. Mit Unterstützung dieser Chorfrauen- und Chorherrengemeinschaften ist es dem Museum gelungen, spannende Objekte zusammenzutragen, mit denen die prämonstratensische Lebenswelt auch in Kloster Veßra wieder sichtbar wird.

So zeigt das Museum unter anderem eine Figur des Heiligen Norbert von Xanten, den das Museum für die Zeit der Ausstellung aus dem Kloster Roggenburg geliehen hat. Hinter dem, auf den ersten Blick als abstrakte Holzskulptur erkennbaren Objekt, verbirgt sich die über 890 Jahre alte Linde, die einst der Ordensgründer, Norbert von Xanten, bei der Gründung des Klosters Roggenburg gepflanzt haben soll. Nach einem Blitzschlag vor wenigen Jahren ließen die Brüder in Roggenburg aus den Resten der Linde eine Figur des Ordensgründers anfertigen, die sie für immer an die Gründungszeit ihrer Institution erinnert. Auch für Kloster Veßra hat Norbert von Xanten eine wichtige Bedeutung. Dieser inspirierte 1130 Graf Gotebold II. von Henneberg auf einem Hoftag in Würzburg zur Gründung eines eigenen Hausklosters.

Weitere Informationen zu den weltweit stattfindenden Veranstaltungen im Prämonstratenserjahr erhalten Sie unter: http://www.900premontre.org/

 

 


KENNZEICHEN L. Eine Stadt stellt sich aus

Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

Leipzig ist keine Stadt wie jede andere. Als Lebensmittelpunkt und Reiseziel in aller Munde, erfreut es sich eines ungewöhnlich positiven Images. Doch scheint die Stadt nach Jahren des Wachstums an einem kritischen Punkt ihrer Entwicklung zu stehen. Zukunftschancen und Verteilungskonflikte stehen ebenso im Raum wie die Frage, worauf Leipzig zwischen alter und neuer Wirtschaftsbasis, kultureller Tradition, hipper Kreativwelt und lebenswerter Familienstadt künftig setzen will.

Was also macht diese Stadt stark, verwundbar, liebenswert oder auch anstrengend? Lässt sich das Lebensgefühl von 600.000 Menschen aus der Geschichte heraus verstehen? Und ist das sprichwörtliche „Kennzeichen L“ mehr als ein Stück Blech an der Stoßstange? - Bis 26. September setzt sich das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig mit diesen Fragen und eben den „Identitäten“ seiner Stadt in der Sonderausstellung, begleitenden Publikation und zahlreichen Kooperationsveranstaltungen auseinander; alles unter dem Motto »KENNZEICHEN L. Eine Stadt stellt sich aus«.