Ausstellungen

Panorama Museum Bad Frankenhausen zeigt: Cécile Reims. D´après Hans Bellmer

Das Panorama Museum widmet seine aktuelle Sonderausstellung Cécile Reims, einer der besten französischen Kupferstecherinnen der Gegenwart. Das Schaffen der 1927 in Paris geborenen Künstlerin ist eng verknüpft mit dem Werk von Hans Bellmer, von dessen Zeichnungen sie zwischen 1966 und 1975 mehr als zweihundert druckgrafische Interpretationen anfertigte. Diese Zusammenarbeit bildet auch den Schwerpunkt der Überblicksschau im Panorama Museum, die ein Großteil des Konvoluts nach Hans Bellmer präsentiert, ergänzt durch eigene Arbeiten von Cécile Reims.

Hans Bellmer (1902-75) begann seine künstlerische Laufbahn in den 1920er Jahren als Gestalter beim Malik-Verlag in Berlin. 1934 publizierte er im Eigenverlag sein Schlüsselwerk Die Puppe. Fotos seiner ersten plastischen Puppe erschienen noch im gleichen Jahr in der surrealistischen Zeitschrift Minotaure. Die mädchenhafte Puppe als Fetischobjekt wurde zu einem Zentralmotiv, das sein obsessives, „skandalöses“ Werk bis zuletzt bestimmen sollte. Spätestens mit seiner Emigration im Jahr 1938 wurde Bellmer in den Kreis der Pariser Surrealisten um André Breton aufgenommen; zu Beginn des Zweiten Weltkrieges als Deutscher interniert, arbeitete er im Lager Les Milles eng mit Max Ernst zusammen. Die Zeichnung entwickelte sich zu seinem bevorzugten Medium, mit dem er sich tabulos dem Unterbewussten, der sexuellen Phantasie widmete. Seine filigranen zeichnerischen Präparate setzte Cécile Reims, die um 1945 ihre Ausbildung bei Joseph Hecht in Paris absolvierte, meisterhaft in die Druckgrafik um.

Noch während der Zusammenarbeit mit Bellmer begann Reims, die Arbeiten auch anderer Künstler in die Druckgrafik zu überführen, allen voran Léonor Fini und Fred Deux, mit dem sie als Lebenspartnerin bis zu seinem Tode eng verbunden war. Gleichzeitig schuf sie regelmäßig Naturstudien und fertigte seit 1996 zahlreiche eigene Serien an, zuletzt L’élan vital, wunderbar poetische Kupferstiche, die bis in die Mikrostruktur des Lebens vordringen.

Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog mit 155 Farbabbildungen und Texten von Cécile Reims, Gerd Lindner, Pierre Wat, Lauren Laz, Maxime Préaud, Michael Nungesser und Johanna Huthmacher. Ausstellung zu sehen bis 18. Februar 2018

Abbildung: Cécile Reims: Halbakt oder Die Frau (Comte de Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror), 1970–71 D’après Hans Bellmer © (Hans Bellmer) VG Bild-Kunst, Bonn 2017


Erich Kuithan - Retrospektive zum 100. Geburtstag

Kunstsammlung Jena / 9. Dezember 2017 – 15. April 2018

Erich Kuithan wird 1875 in Bielefeld geboren. Nach dem Tod des Vaters siedelt die Familie 1888 nach München über. Nach Erlangung des Abiturs besucht Kuithan die Zeichenschule von Ludwig Schmid-Reutte und Friedrich Fehr, wo er unter anderem die menschliche Anatomie anhand ägyptischer und frühgriechischer Skulpturen studiert. 1893 erhält er einen Studienplatz an der Akademie der Bildenden Künste in München für die Zeichenklasse von Karl Raupp. Zwei Jahre später zieht die Familie nach Schliersee in die bayerischen Voralpen. Von da aus unternimmt Kuithan mehrere Studienreisen. Erste Ausstellungen in diversen Kunstvereinen folgen. Daneben illustriert er Kinderbücher und arbeitet für die Münchner Kunst- und Literaturzeitschrift „Jugend“.

Während seines Aufenthaltes in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts lernt Ludwig Pallat den Künstler kennen, woraufhin er ihn für die Position des Direktors der neu zu gründenden freien Zeichenschule im 1903 eröffneten Volkshaus Jena empfiehlt. Zwischen 1903 und 1908 leitet Kuithan die Schule, unterrichtet Zeichnen, Malen und Modellieren, und organisiert Ausstellungen mit Arbeiten der Kursteilnehmer, mit denen es ihm gelingt, die Bildende Kunst stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. In seiner Jenaer Zeit ist Erich Kuithan zudem selbst künstlerisch sehr produktiv: Inspiriert von den humanistischen Ideen Ernst Abbes, die sozialpolitische Reformen und das Auflösen erstarrter Konventionen zur Folge hatten, entstehen meist idealistische Bilder. Sie zeigen Menschen, mitunter als allegorische Gestalten, am Strand oder in Frühlingslandschaften, in denen man Landstriche des Saaletals wiedererkennen kann. Der größte Bestand seiner Werke befindet sich heute in der Kunstsammlung Jena. Kuithan fertigt nicht nur zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Illustrationen an, sondern auch Möbel, Geschirr, Kleider, Exlibris und Fresken, wie etwa im Universitäts-Hauptgebäude und im Volkshaus. Für Letzteres übernimmt er die künstlerische Ausgestaltung – neben Wand- und Deckenbildern gestaltet der Künstler den Bühnenvorhang und die Außenanlagen. Für Zeiss entwirft er 1904 den Schriftzug des ersten Warenzeichens. Im neu gegründeten Kunstverein beteiligt er sich sowohl an Ausstellungen, als auch als aktives Mitglied in dessen Vorstand. Darüber hinaus nimmt er wiederholt an kulturellen Gesellschaften in Jena teil und engagiert sich in der Ortsgruppe des Bundes für Heimatschutz.

Aufgrund von Sparmaßnahmen des Trägers der Zeichenschule, der Carl-Zeiss-Stiftung, muss Kuithan 1908 kündigen. Auf Drängen der Öffentlichkeit übernimmt sein Bruder Fritz vorübergehend einige Kurse. Erich Kuithan folgt im Jahr 1911 dem Ruf an die Königliche Zeichenschule in Berlin. Von einer unheilbaren Krankheit geplagt ist er nach fünf Jahren gezwungen, seine Lehrtätigkeit als Professor aufzugeben. Er kehrt nach Jena zurück, wo er 1917 verstirbt.

Erich Kuithan ist ein Maler der Jahrhundertwende, der ohne eindeutige Zuordnung zwischen Jugendstil, Symbolismus und Expressionismus pendelt. Sein bildgewaltiges Werk ist umfangreich und besteht in der Hauptsache aus Gemälden und Zeichnungen. Der Künstler ist für die Kunstgeschichte Jenas außerordentlich bedeutsam. Katalog mit Bestandsverzeichnis der Werke in der Kunstsammlung Jena: 128 Seiten, 22 Euro.

Vernissage: Freitag, 8. Dezember 2017, 19 Uhr

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 10-17 Uhr, Donnerstag 15-22 Uhr, Samstag, Sonntag 11-18 Uhr, Montag geschlossen

Abbildung: Erich Kuithan: Der Frühling, 1906 ©Foto Kunstsammlung Jena


Niki de Saint Phalle und das Theater

At Last I Found the Treasure. Skulpturen, Installationen, Grafiken / Kunstsammlung Jena / zu sehen bis 8. April 2018

Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle – kurz Niki genannt – wird 1930 in Neuilly-sur-Seine, nahe Paris, in eine großbürgerliche, streng katholische Familie hineingeboren. Der Vater ist Franzose, die Mutter Amerikanerin. Als Sechsjährige zieht sie mit ihrer Familie nach New York. Im Alter von achtzehn Jahren heiratet sie ihren Jugendfreund, den amerikanischen Schriftsteller Harry Matthews, mit dem sie zwei Kinder hat. 1951 zieht Niki de Saint Phalle nach Paris, wo sie später Jean Tinguely kennen lernen und 1970 heiraten wird. Erste künstlerische Erfolge hat Niki de Saint Phalle mit ihren „Schießbildern“. Das sind Gipsreliefs mit eingearbeiteten Farbbeuteln, die ab 1955 entstehen und auf die sie während der Vernissagen schießt. Ab 1962 widmet sie sich einem neuen Thema, plastischen Objektbildern von Frauenfiguren, in denen sie sich auf ungewöhnliche Weise mit der Frauenrolle auseinandersetzt. Wenig später, ab 1965, entstehen die ersten „Nanas“ – Frauenfiguren mit betont üppigen und runden Formen – die die Künstlerin weltweit berühmt machen. 1966 installiert sie im Stockholmer Moderna Museet eine 29 Meter lange, liegende Skulptur mit dem Namen Hon (Sie), die durch die Vagina betreten werden kann und in deren Inneren sich unter anderem eine Bar und ein Kino befinden. 1979 beginnt sie mit dem Bau des Giardino dei Tarocchi, dem Garten des Tarot und ab 1982 entsteht in Zusammenarbeit mit Jean Tinguely der Strawinski-Brunnen vor dem Centre Pompidou in Paris. In Folge ihrer Arbeit mit Polyester und Kunstharz leidet Niki de Saint Phalle in den 1990er-Jahren an schweren Atemwegserkrankungen und zieht nach San Diego in Kalifornien, wo sie 2002 verstirbt.

1966 wird Niki de Saint Phalle von dem Regisseur Rainer von Diez nach Kassel eingeladen, um Bühnenbild und Kostüme für die Inszenierung der Lysistrata von Aristophanes am Staatstheater zu entwerfen. Sie identifiziert sich mit dem Stück, in welchem sich Frauen aus ganz Griechenland gegen ihre Männer und den Krieg verschwören. Die Künstlerin lernt das Theater auch als Ort der aktiven Beteiligung des Publikums schätzen und beginnt ein eigenes Theaterstück namens ICH zu schreiben, das dann 1968 anlässlich der documenta IV in Kassel uraufgeführt wird. In diesem Stück ergreift eine weibliche Figur namens ICH die Macht über die Menschheit, die von „Monsteranern“ repräsentiert wird. Zunächst bringt ICH als junges Mädchen ihre Eltern um, dann erreicht sie in verschiedenen Disziplinen, unter anderem als Rennfahrerin und Sängerin, Weltruhm. Schließlich heiratet ICH sich selbst und regiert die Welt. Die Inszenierung des humorvollen, erotischen, aber auch grausamen Stücks regt die Fantasie und Kritik des Publikums gleichermaßen an. Mit ihrem Stück ICH gelingt es Niki de Saint Phalle, Kunst und Theater zu vereinen. Das burleske Streben einer jungen rebellischen Frau nach rücksichtsloser Selbstverwirklichung findet viel Zustimmung, wird jedoch im konservativen Publikum weniger geschätzt.

Die Ausstellung „Niki de Saint Phalle und das Theater – At Last I Found the Treasure“ würdigt erstmals Niki de Saint Phalles Arbeit für das Theater. Nahezu einhundert Objekte, Modelle, Siebdrucke, Plakate und Dokumente zeugen von der Kraft, mit der die Künstlerin die performative Kunst und das Theater der 1960er-Jahre beeinflusst hat. In der von Beate Kemfert für die Opelvillen Rüsselsheim erarbeiteten Ausstellung werden jene Impulse deutlich, mit denen Niki de Saint Phalle Kunst und Publikum auf neue Art und Weise vereinen kann. Gemeinsam mit den Kunstschaffenden der New Yorker Avantgarde, den Künstlern der Nouveaux-Réalistes in Paris und den Theaterpionieren in Kassel in den 1960er-Jahren verfolgt Niki de Saint Phalle das Ziel, der Kunst neue Möglichkeiten zu eröffnen. Das umfangreiche Ausstellungsprojekt ist in enger Kooperation mit der Niki Charitable Art Foundation in Santee, Kalifornien, USA entstanden.

Katalog: Deutsch/Englisch, Kehrer Verlag, Heidelberg 2016, 240 Seiten, 39,90 Euro.

Abbildung: Niki de Saint Phalle. Nana. 1970. Privatsammlung


Wiederentdeckung eines Expressionisten

Helmuth Macke im Angermuseum Erfurt

Der 125. Geburtstag und 80. Todestag des Expressionisten Helmuth Macke (1891-1936) sind Anlass für die Wiederentdeckung eines Künstlers, dessen Werk lange Zeit im Schatten seines berühmten Cousins August Macke stand. Die Bilder von Helmuth Macke sind durch seinen intensiven künstlerischen Austausch mit den wesentlichen Avantgardeszenen seiner Zeit geprägt, vom Rheinischen Expressionismus über den Blauen Reiter bis zur Künstlergruppe Brücke. Die Ausstellung im Angermuseum Erfurt präsentiert erstmals einen umfangreichen Überblick über das Schaffen von Macke mit zahlreichen bisher selten oder auch nie gezeigten Bildern. 72 Werke von Helmuth Macke stehen im Dialog mit 39 Bildern seiner expressionistischen Künstlerfreunde Heinrich Campendonk, Gabriele Münter, Erich Heckel, Heinrich Nauen, August Macke, Max Pechstein, Hans Thuar und Wilhelm Wieger.

Im Werk von Helmuth Macke dominieren expressive,mitunter farbintensive Landschaften, Porträts und Stillleben. Auf die frühen Jahre in Krefeld, München und Berlin folgte seine Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg und der Verlust der im Krieg gefallenen Künstlerfreunde August Macke und Franz Marc. In den 1920er Jahren schließt sich eine reife Werkgruppe an,die sich zum Lyrischen wendet. Der Blick auf das Schaffen wird abgerundet durch die auf Reisen und während seines Aufenthalts als Stipendiat der Villa Massimo in Rom entstandenen Bilder sowie die Werke aus den letzten Jahren in Hemmenhofen am Bodensee, wo sich in den 1930er Jahren eine Kunstszene des inneren Exils entwickelte. Im Angermuseum Erfurt als vierter Station der von fünf deutschen Museen getragenen Ausstellungstournee wird erstmals ein von Helmuth Macke eigenhändig bemaltes achtteiliges Schlafzimmer-Ensemble museal präsentiert. Ein reich bebildertes Buch, herausgegeben von Ina Ewers-Schultz, dokumentiert begleitend den Künstler in allen seinen Facetten. Mit der Heckel-Ausstellung im Grafischen Kabinett erweitert das Angermuseum Erfurt den Blick auf die expressionistische Kunst.

Zu sehen bis 7. Januar 2018, Di-So 10-18 Uhr, 24./31.12. geschlossen

www.kunstmuseen.erfurt.de

Abbildung:

Helmuth Macke, Selbstporträt mit Palette, um 1910/11, Öl auf Leinwand, 56 x 46 cm, Kunstmuseen Krefeld


SpielzeugDesign: Rupfentiere von Renate Müller

Schlossmuseum Molsdorf (Erfurt) 17. Dezember 2017 – 11. März 2018

Mit einer kleinen Retrospektive wird Renate Müller, die bekannte Spielzeugdesignerin aus Sonneberg (geb. 1945), im Schlossmuseum Molsdorf gewürdigt. Müllers dem Minimalismus der klassischen Moderne verpflichteten Spieltiere und -elemente waren schon zu DDR-Zeiten beliebt und begehrt. Seit dem letzten Jahrzehnt feiern sie als farbig nun vielfältigere Designobjekte einen späten Erfolg, vor allem in den USA. Die Rupfentiere gelten heute als Designklassiker. Sie stehen in Kinderzimmern und in Lofts, in Museen wie in Praxen von Ärzten und Physiotherapeuten. Sie werden bis zur Unkenntlichkeit bespielt oder mit weißen Handschuhen angefasst. 2012 waren sie im Rahmen der Ausstellung Century of the Child im MoMA zu sehen. Nicht zuletzt über den transatlantischen Umweg haben sie ins Bewusstsein eines breiteren Publikums in Deutschland und vor allem in Ostdeutschland (zurück-) gefunden. Hier werden sich viele an ein "besonderes" Nilpferd in den Kindergärten und  Polikliniken der DDR erinnern. Die Spieltiere fielen durch ihre einfachen, klaren Formen wie durch ihre robusten Materialien Rupfen (Jute/Sackleinen) und Leder in den Grundfarben auf. Sie wirkten stabil und im übertragenen Sinne zuverlässig und gutmütig. Als Kind wusste man nicht so genau, ob man mit ihnen "bloß" spielen oder eben auch "nützlich" turnen sollte. Bis heute bieten diese "Viecher" – so werden sie von ihrer Schöpferin genannt –  kindgemäße taktile wie optische Reize, die jedoch auch Erwachsene ansprechen. Nicht nur Sammler können sich ihnen schwer entziehen. Die von Silke Opitz kuratierte Ausstellung präsentiert sowohl Vintage Tiere – jene Originale aus "alten Zeiten" – und neueste Viecher. Auch Müllers installative Arbeiten im öffentlichen Raum wie Spielplätze und Spielecken für Krankenhäuser und Museen werden dokumentarisch vorgestellt. Nicht zuletzt soll die Ausstellung der renommierten Spielzeuggestalterin damit auch auf die temporäre Nutzung des Molsdorfer Schlosses in den 1950er Jahren als Kinderheim verweisen.

Eröffnung:  Samstag, 16. Dezember, 16 Uhr, Erfurt, Schloss Molsdorf

Abbildung: Rupfentiere von Renate Müller, ©Renate Müller und R and Company Gallery, New York

Foto: Lutz Naumann, Coburg


Erich Heckel – Handzeichnungen und Druckgrafik aus der Sammlung des Angermuseums

Erfurter Angermuseums präsentiert im Grafikkabinett bis 28. Januar 2018 die Ausstellung

Werke des Mitbegründers der Dresdner Künstlergemeinschaft "Die Brücke", der heute zu den bedeutenden Expressionisten zählt, zeigte der Erfurter Kunstverein bereits 1907. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand hier eines seiner Hauptwerke: Das Wandbild „Lebensstufen“ (1922/24). Es gehört zu den wichtigsten noch erhaltenen Raumausmalungen des deutschen Expressionismus.  Im Jahr 2017 konnte die Lichtsituation im „Heckel-Raum“ mit generöser finanzieller Unterstützung eines privaten Förderers optimiert und zeitgemäßen konservatorischen Anforderungen angepasst werden. Für das Angermuseum Anlass, Erich Heckel‘s Arbeiten auf Papier ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen: Wasserfarbenmalereien, Pinselzeichnungen, Kaltnadelradierungen und Holzschnitte aus der Zeit zwischen 1913 und 1963, die in der Grafischen Sammlung bewahrt werden. Die Erfurter Sammlung umfasst mehr als 70 grafische Arbeiten aller Schaffensphasen des Künstlers, darunter kaum bekannte Wasserfarbenmalereien der 1930er Jahre. Spiegelt sich in den frühen expressionistischen Holzschnitten die Formensprache einer jungen, rebellischen Künstlergeneration wider, so schwingt in den Stillleben und Landschaften der Zwischenkriegszeit die Last bedrückender Erfahrungen mit: Intoleranz gegenüber modernem Kunstschaffen und gesellschaftliche Spannungslagen. Vor diesem Panorama entwickelte Erich Heckel eine Bildsprache, die die Kunst des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflusste und bis heute bereichert. Die Ausstellung korrespondiert mit der Sonderausstellung „Helmut Macke: Im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden“. Sie zeigt auch Werke von Heckel, darunter aus der Erfurter Gemäldesammlung die „Gebirgslandschaft“ (1924) mit ihrem motivischen Bezug zur Wandmalerei im Erdgeschoss des Museums.

Abbildung: Erich Heckel, Glockenblumen, 1922, Wasserfarbenmalerei, Angermuseum Erfurt, © 2017 Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Foto: Dirk Urban, Erfurt


Weiß wie Schnee

Winterausstellung in den Museen Schloß Voigtsberg/Oelsnitz

Schneebedeckt glitzert die Landschaft, Bäume und Sträucher erscheinen durch die weiße Pracht fantastisch verzaubert, die sprichwörtliche Winterstille hält Einzug - wer kommt da nicht auf romantische Gefühle? Die mit dem Winter verbundene Landschaftsveränderung, die geänderten Lebensgewohnheiten, Sinneseindrücke und Freizeitgestaltungen mag in Zeiten der globalen Klimaerwärmung fast wie eine romantisierende Vorstellung aus Zeiten, „als der Winter noch richtiger Winter war“ vorkommen. Grund genug für die Museen Schloß Voigtsberg, der idealtypischen Winterlandschaft und dem Schnee eine eigene Ausstellung zu widmen. Dabei werden nicht nur die Entstehung des Schnees, verbundene Naturphänomene oder beliebte Winter(sport)aktivitäten beleuchtet, sondern neben dem „Schneemannkabinett“ und einem Raum voller Schneekugeln ziehen auch Fabelwesen auf die altehrwürdige Burganlage ein. Ob die „Schneekönigin“, anhand des Kostüms der preisgekrönten deutsch-finnischen Kinderfilmproduktion dargestellt, der sagenhafte Schneemensch „Yeti“ oder das unbekannte „Schneetier“ - hier können Besucher zahlreiche Entdeckungen machen. Zudem sind volkskunstliche Schneehäuser und Schneepyramiden, Gemälde, Zeichnungen und Fotografien schneebedeckter Landschaften oder die längsten Schneeschuhe der Welt ebenso zu bestaunen wie ein kleiner geschichtlicher Einblick in die eher unbeliebte Tätigkeit des „Schneeräumens“. Winterliche Bräuche und Feste ergänzen dabei die Exposition. Und wenn draußen Kälte herrscht, ist drinnen Freude: am passenden Kamin können sicherlich vor allem Kinder winterlichen Geschichten von „Schneewittchen“ oder auch „Schneeweißchen“ in dem eigens für die Sonderschau gebauten Häuschen lauschen.

Zu sehen bis 25. Februar 2018 Di-So 11-17 Uhr

Weitere Informationen: www.schloss-voigtsberg.de und Tel. 037421.729484


Sonderausstellung im GoetheStadtMuseum Ilmenau

Wilfri(e)d Spinner - Schweizer Theologe in Japan und Thüringen. Seine Sammlung japanischer Kult- und Pilgerbilder // Zu sehen bis 25. Februar 2018

Die neue Sonderausstellung des GoetheStadtMuseums Ilmenau ist dem Schweizer Theologen und Missionar Wilfri(e)d Spinner gewidmet. Die Schau greift dabei einen speziellen Aspekt des in diesem Jahr allseits gegenwärtigen Reformationsjubiläums auf. Sie beleuchtet die spannende Geschichte evangelischer Missionsbestrebungen des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach im weit entfernten Japan am Ende des 19. Jahrhunderts. - 1885 erteilte Herzog Carl Alexander dem Theologen Wilfri(e)d Spinner den Auftrag, als Missionar nach Japan zu reisen und dort die jungen evangelischen Gemeinden in Tokio und Yokohama zu betreuen. Nach seiner Rückkehr war Spinner bis 1896 Oberpfarrer in Ilmenau und wirkte danach als Oberhofprediger bzw. als Generalsuperintendent in Weimar. Während seines Japanaufenthaltes setzte sich Spinner intensiv mit der buddhistischen Glaubenswelt auseinander und sammelte begeistert japanische Kult- und Pilgerbilder. Seine einzigartige Sammlung, die in ihrem Umfang und ihrer Struktur selbst in Japan ihresgleichen sucht, wird vom Völkerkundemuseum Zürich aufbewahrt. Dank enger Zusammenarbeit mit dem Züricher Museum werden diese Zeugnisse japanischer Alltagskultur nun erstmals umfänglich in Deutschland im GoetheStadtMuseum Ilmenau präsentiert. Gleichzeitig wird ein biografischer Abriss Wilfri(e)d Spinners gegeben, zu dem sowohl seine Missionarstätigkeit in Japan, als auch seine pfarramtlichen Pflichten in Thüringen gehören. - Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich.

GoetheStadtMuseum Ilmenau, Am Markt 1, 98693 Ilmenau, Tel.: 03677.600 210

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 – 17 Uhr, Silvester 10 – 13 Uhr geöffnet // Heilig Abend, Weihnachtsfeiertage und Neujahr geschlossen

Abbildung: Bildrolle, Die Zehn Daseinsstufen der menschlichen Seele nach der Lehre der japanisch-buddhistischen Tendai-Schule. Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Inv.-Nr. 19427


Gutes Design ist supernormal

Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt bis 6. Mai 2018: JASPER MORRISON. THINGNESS

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig präsentiert mit JASPER MORRISON. THINGNESS die erste Retrospektive des weltweit renommierten Designers Jasper Morrison (*1959 in London). Sie vereint Schlüsselmomente aus seinem mehr als 35-jährigen  Schaffen. Ob Möbel, Leuchten, Küchenutensilien, Wohnaccessoires, Kleidung oder Elektronik: Morrison setzt sich hinsichtlich Gestaltungsfragen und -umsetzungen keine Grenzen. Gutes Design ist für ihn „super­normal“. Damit prägt er ein neues Formverständnis.

„Gutes Design ist supernormal.“

Für den Produktdesigner Jasper Morrison zeichnet sich gutes und langlebiges Design durch funktionale Aspekte und eine bewusste Zurückhaltung aus. Seine Entwürfe vereinen einfachste Formen mit maximalem Komfort. Mit dem Begriff „supernormal“ definiert und prägt Morrison seit 2005 seine Gestaltungsprinzipien. Für ihn sind einfache alltägliche Dinge, die durch ihre reine Form überzeugen und Funktionalität aufweisen, „supernormal“. Objekte, die sich auf Grund ihrer benutzerfreundlichen, unaufdringlichen und zeitlosen Gestaltung bewähren, ohne dass dabei überflüssiger Dekor oder extreme Formen vordergründig sind. Gleichzeitig bedeutet „supernormal“ auch eine Rückbesinnung auf ursprüngliche Grundformen. Unter diesem Credo hat er eine Reihe von Entwürfen für international bekannte Firmen wie Alessi, Cappellini, Muji, Camper, FSB, Flos, Samsung, Magis oder Vitra umgesetzt. In der Ausstellung werden in chronologischer Abfolge Stühle, Sessel, Trink­gläser, Lampen, Schuhe und Heimelektronik gezeigt. Explizit für diese Werk­schau entwarf Morrison ein einfaches und zugleich visuell ansprechendes Regalsystem. Archiv- und Bildmaterial ergänzen die Präsentation bieten Einblicke in verschiedene Zeitabschnitte.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise: Di – So, Feiertage 10 – 18 Uhr, Mo sowie am 24.12. und 31.12.2017 geschlossen// Eintritt bis 18 Jahre frei, Erwachsene 8 Euro (ermäßigt 5,50 bzw. 4 Euro)

Abbildung: Jasper Morrison, Low Pad, Cappellini, 1999, Foto: Walter Gumiero


Pia Fries: Vier Winde

Lindenau-Museum Altenburg zeigt bis 18. Februar Ausstellung der Gerhard-Altenbourg-Preisträgerin 2017

Die international renommierte Künstlerin Pia Fries (geb. 1955 in Beromünster/Schweiz) ist eine Vertreterin der reinsten Malerei. Das Spiel der Farben, das sich frei von allen Bindungen auf weißer Fläche entwickelt, ist ihre Botschaft. Ihre Farben sind Energien, die sich ständig wandeln, verbinden und von der Kraft der Kunst künden. Auf ihren furiosen Bildern ist alles Schöpfung und Metamorphose – die schönste Parabel auf das Leben, die sich zwischen den Polen Werden und Vergehen, Ruhe und Bewegung ereignet. Das schöpferische Prinzip schlechthin bricht sich in den Bildern von Pia Fries Bahn.

In Altenburg präsentiert Pia Fries neben neuen Arbeiten Werkgruppen aus den letzten drei Jahrzehnten, darunter eine Bilderserie, die in Auseinandersetzung mit Maria Sibylla Merian entstanden ist. Über Siebdrucke mit Fragmenten aus Merians Bildern setzt die Künstlerin ihre mannigfaltigen Farben und vegetabilen Formen – ein Verfahren, das auch in einer anderen Serie zu Hendrick Goltzius' berühmten „Himmelsstürmern“ Anwendung fand, die ebenfalls zu sehen ist. Einen besonderen Schwerpunkt bildet das zeichnerische Œuvre der Künstlerin, das in seiner ganzen Breite präsentiert wird. Die Schweizer Künstlerin Pia Fries lebt und arbeitet in Düsseldorf und München. Nach einem Studium an der Kunstgewerbeschule Luzern (1977 bis 1980), wechselte sie an die Kunstakademie Düsseldorf. Dort studierte sie von 1980 bis 1986 Malerei und schloss als Meisterschülerin bei Gerhard Richter ab. Es folgte ein Lehrauftrag an der Kunstakademie Düsseldorf und Professuren an der Kunstakademie Karlsruhe sowie an der Universität der Künste Berlin. Seit Februar 2014 hat Pia Fries eine Professur für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München inne. Ihre Werke sind in namhaften nationalen und internationalen Sammlungen vertreten. Pia Fries wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet.

Abbildung: Pia Fries: wesselin, 2005, 170 x 200 cm, Ölfarbe und Siebdruck auf Holz, VG Bild-Kunst 2017

Foto: Hans Brändli


Weihnachtsausstellung im Residenzschloss Altenburg

Unter dem Titel „Spielzeugträume aus zwei Jahrhunderten“ werden im Residenzschloss Altenburg Puppenstuben, Kaufmannsläden und Pferdeställe aus der Zeit um 1830 bis 1960 gezeigt. Zusammengetragen wurden diese Exponate von Frank und Hella Müller aus Zwönitz. Liebevoll sind die zu bestaunenden ca. 60 Puppenstuben restauriert und detailgetreu eingerichtet worden. Begeben Sie sich auf eine spannende Entdeckungsreise. Zur Eröffnung der Ausstellung um 14.00 Uhr im Bachsaal sind die Sammler persönlich anwesend und würden sich freuen mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Die „Spielzeugträume“ sind bis zum 25. Februar 2018 im Sonderausstellungsbereich in der 1. Etage des Residenzschlosses zum familienfreundlichen Eintrittspreis von 3,00€ pro Person zu sehen, Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt.


TIME! Hartwig Ebersbach

Bis 18. Februar 2018 in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum

Hartwig Ebersbach erhält den Max-Pechstein-Ehrenpreis seiner Geburtsstadt Zwickau. In der Preisträgerausstellung stellt der in Leipzig lebende und arbeitende Künstler neue Arbeiten unter dem Titel „TIME“ vor.
Die wilde, expressive Malerei, die sich bisweilen zu pastosen und energischen Materialschlachten steigern kann, wurde schon früh zu Ebersbachs Markenzeichen. Überregional und international bekannt wurde er vor allem  durch seine Kaspar-Bilder, die von unbändiger Fabulierlust und Experimentierfreude geprägt sind. Mittlerweile gehört das Werk von Hartwig Ebersbach, der 1940 in Zwickau geboren wurde und Anfang der 1960-er Jahre bei Bernhard Heisig an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, zu den wichtigsten und eigenständigsten Positionen innerhalb der deutschen Malerei. Ebersbach beschäftigt sich mit Mythen und Sagen und reagiert künstlerisch auf seine Erlebnisse wie Träume. Seine jüngsten Arbeiten thematisieren neben der eigenen Vergänglichkeit auch den globalen Umbruch und die Neuordnung der Gesellschaft. In einer krisengebeutelten Welt, in der das Gefühl der Sicherheit verlorengegangen zu sein scheint, rückt dabei eine frei zu interpretierende „Gottsuche“ ins Bild. Auch der ebenfalls in Zwickau geborenen Expressionist Max Pechstein (1881-1955) kennt diese Welt. Und so steht die nach der Erfahrung des Ersten Weltkrieges geschaffene Holzschnitt-Folge „Das Vater Unser“ von Pechstein Ebersbachs „Kaspar Kalligramm Gekreuzigter“ oder „Himmelfahrt“ nicht nur innerhalb der Sonderausstellung gegenüber, sondern begegnen sich nach zahlreichen gemeinsamen biografischen Berührungspunkten auch „H.E.“ und „M.P.“ in einer von Ebersbach geschaffenen Serie auf der Leinwand. It’s about „TIME“.
Die Sonderausstellung TIME! Hartwig Ebersbach umfasst neben den farbintensiven Gemälden Hartwig Ebersbachs  originale Grafiken von Max Pechstein und ist vom 11. November 2017 bis 18. Februar 2018 in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum zu sehen.

Abbildung:

Hartwig Ebersbach, TIME I, 2015, Öl auf Leinwand; Bildnachweis: Christoph Sandig, Leipzig, © VG Bild-Kunst, Bonn  


Muscheln, Schnecken und andere Mollusken in der Fotografie

Zu sehen bis Jahresende in der Kunsthalle Erfurt (Fischmarkt 7)

Die Gehäuse von Muscheln, Schnecken und anderen Weichtieren gehören zu den ersten Motiven in der Geschichte der Fotografie und haben bis heute nichts von ihrer Faszinationskraft verloren. Sie beeindrucken aufgrund ihrer Schönheit, skulpturalen Qualität und ihres mathematisch exakten Wachstums. Unbewegt und doch dem Naturreich entnommen, sind sie ideale Fotomotive und können mit unterschiedlichsten Bedeutungen aufgeladen werden. Aus verschiedenen Blickwinkeln – vom wissenschaftlich-dokumentarischen bis zum künstlerisch-ästhetischen – nähern sich die Fotografen dem Gegenstand. Erstmals widmet sich eine Ausstellung diesem Thema und erzählt zugleich die Geschichte des Mediums Fotografie von William Henry Fox Talbot über Edward Westons 1927 entstandene Foto-Ikone „Nautilus Shell“ bis zu Hans Hansen und David LaChapelle. Einen Schwerpunkt in der Ausstellung markiert das Schaffen Alfred Ehrhardts. Er hat sich über 40 Jahre lang intensiv mit Meeresschnecken und Muscheln auseinandergesetzt – als Fotograf und Dokumentarfilmer.
Die Ausstellung entstand auf Anregung und unter Federführung der Alfred Ehrhardt Stiftung Berlin und ist ein Kooperationsprojekt des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, der Alfred Ehrhardt Stiftung Berlin und der Kunsthalle Erfurt. Unser Dank gilt den über 30 leihgebenden Künstlerinnen und Künstlern, privaten und institutionellen Leihgeberinnen und Leihgebern im In- und Ausland.
Konzeption und Recherche: Roland Jaeger, Stefanie Odenthal, Christiane Stahl

Abbildung: Alfred Ehrhardt:  Gehäuse einer Nautilus pompilius Lam. um 1940


BLUMEN FLOWERS FLEURS

Ausstellung bis 14. Oktober 2018 im Leipziger GRASSI Museum

Seit jeher haben Blüten und Blätter Generationen von Künstlern und Entwerfern inspiriert. Ihre Designs begleiten und verschönern unseren Alltag. Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig zeigt in seiner Ausstellung BLUMEN FLOWERS FLEURS mehr als 300 Exponate vom 17. Jahrhundert bis heute. Schwerpunkte sind Arbeiten aus der Zeit des Jugendstils von Künstlern wie Emile Gallé, Max Laeuger, Edmond Lachenal und Vilmos Zsolnay, zahlreiche Stücke aus West- und Ostasien sowie ausgewählte Meissener Porzellane aus der 2015 geschenkten Sammlung von Diethard und Regina Lübke. Die vielfältigen Formen und Farben, die sich aus der Welt der Blumen herleiten, sind geradezu unerschöpflich und immer wieder anregend für die Gestaltung neuer Muster im Geschmack der Zeit. Der Kosmos der Dekore ist dabei groß: Detailgetreue, an der Natur orientierte Blumenmalereien, neue fantasievolle Blütenschöpfungen oder ganz auf Linie und Fläche reduzierte Muster und Ornamente. Auf Gefäßen, Schmuck, Bestecken und Fliesen aus Porzellan, Glas, Keramik, Zinn, Metall und Email finden sich Seerosen und Lilien, Kornblumen und Gänseblümchen, Chrysanthemen und Päonien. Die Ausstellung ist in zwölf Stationen gegliedert und spielt mit dem Reichtum und der Vielfalt floraler Motive in Kunsthandwerk und Design. Die Themen reichen von Vergissmeinnicht und Rosen über die Inspiration Ostasiens bis hin zu Flower Power für die Tafel. Die Kombination von historischen und modernen Exponaten aus Europa und Asien lädt zu überraschenden Entdeckungen ein. Lotos und Seerosen schmücken alte chinesische Porzellane und Vasen des Jugendstils. Chrysanthemen und Päonien grüßen aus Ostasien. Dichte Blütenmuster verweisen auf Inspirationen aus dem Orient. Tulpen blühen auf Tellern, Kannen und Besteck. Vergissmeinnicht und Rosen verzieren nicht nur Tassen der Biedermeierzeit, ihre Botschaft ist bis heute aktuell. Flora, die Göttin der Blumen, schüttet ihr Füllhorn aus: Blumen, wohin das Auge schaut!


Retrospektive des HANT-Magazin für Fotografie

Ausstellung „SO WEIT, SO GUT – 20 junge fotografische Positionen“ in der Kunsthalle Erfurt bis zum 30. Dezember 2017

5 Jahre und 10 Ausgaben HANT – Magazin für Fotografie, 20 Künstler*Innen. Eine Ausstellung in zwei Zyklen. So weit, so gut. Und so lautet auch der Titel der Retrospektive des HANT-Magazin für Fotografie, die bis zum 30. Dezember 2017 in der Kunsthalle Erfurt zu sehen ist.
Seit knapp fünf Jahren publiziert das HANT-Magazin für Fotografie junge Thüringer sowie international etablierte Fotograf*Innen und Autor*Innen. Anlässlich der 10. Jubiläumsausgabe, die im November 2017 erscheint, wird im Rahmen einer Sonderausstellung in der Kunsthalle Erfurt, ein Rückblick mit Künstler*Innen aus allen zehn Ausgaben präsentiert. „SO WEIT, SO GUT – 20 junge fotografische Positionen“ versammelt im Zeitraum vom 13.10. bis zum 30.12.2017 Werke der bis dato im Magazin veröffentlichten Fotograf*innen und bietet ihnen eine neue Plattform zur Wahrnehmung, Etablierung und des weiteren Austausches. Die Ausstellung wird sich in zwei Zyklen teilen.
Die Schwerpunkte der Ausstellung liegen dabei auf den Themen Politik und Maskerade, Rollenbilder und Religion, Konsum und Warenfetisch, Territorien und Vertreibung, Architektur und Straße. Das breite Themenspektrum, das für sich genommen bereits eine Vielzahl an gesellschaftlichen Aspekten reflektiert und kritisch hinterfragt, bildet eine Zusammenfassung der oft spielerischen und doch mit Ernsthaftigkeit gewählten Themen des HANT-Magazins.

Abbildung: "Ritta" aus der Serie "ICON" von Evelyn Bencicova


Johannes Grützke: "Kunst ist nicht modern, sondern immer!"

Zu sehen bis 14. Januar 2018 im Museum Gunzenhauser in Chemitz

Zum zehnjährigen Jubiläum des Museums Gunzenhauser zeigen die Kunstsammlungen Chemnitz vom 1. Oktober 2017 bis zum 14. Januar 2018 eine Sonderausstellung mit Werken des Berliner Künstlers Johannes Grützke (1937–2017). Erstmals widmet das Museum Gunzenhauser damit einem einzelnen zeitgenössischen Künstler eine große monografische Schau, in der etwa 200 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Plakate und plastische Arbeiten zu sehen sind. Die umfassende Präsentation des eigenen Bestandes mit Hauptwerken wie „Die Erziehung Alexanders“ (1978) und „Faunsbesuch“ (1982) wird durch ausgewählte Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen ergänzt.
Der im Mai 2017 kurz vor seinem 80. Geburtstag verstorbene Johannes Grützke war ein enger Freund des Galeristen und Sammlers Alfred Gunzenhauser (1926–2015) und wurde über mehr als drei Jahrzehnte von dessen Münchner Galerie vertreten. Der langen Freundschaft und Zusammenarbeit beider verdankt das Museum Gunzenhauser heute eines der umfangreichsten Konvolute von Werken eines zeitgenössischen Künstlers im eigenen Sammlungsbestand. Als erste große retrospektive Ausstellung nach dem Tod Grützkes ist die Schau mit seinem wohl bekanntesten Zitat überschrieben: „Kunst ist nicht modern, sondern immer!“ Wie ein Credo setzte er es unverdrossen den nicht immer einfachen Umständen seiner Rezeption als Künstler entgegen – wenn er mit allgemeinen Vorbehalten gegenüber der modernen und zeitgenössischen Kunst konfrontiert wurde, aber auch, wenn er manchem seiner Zeitgenossen nicht modern genug erschien. Mit seinem drastischen Realismus voller Ironie und Zuspitzung stand er im Widerspruch zur abstrakten Moderne, die seit den frühen 1950er-Jahren die Kunst in der Bundesrepublik Deutschland dominierte. 1973 gründete er mit seinen Weggefährten die „Schule der Neuen Prächtigkeit“ und griff hier in ironischer Brechung das klassische Genre der Historienmalerei auf. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang sein 1991 vollendeter monumentaler Wandfries für die Frankfurter Paulskirche mit einer Darstellung der ersten Nationalversammlung von 1848. In der Ausstellung zeigen zahlreiche Werke beispielhaft Grützkes historische Bezugnahmen: von der antiken Mythologie über die Sagenwelt des Mittelalters bis hinein in das 20. Jahrhundert mit seinen visionären Gesellschaftsentwürfen, aber auch den Katastrophen der Kriege und totalitären Regime. Hinzu kommen viele kulturgeschichtliche Bezüge in Gemälden wie „Bach, von seinen Kindern gestört“ (1975) oder Motiven der Grafikserie „Musik“ (2014). In ihnen spiegelt sich Grützkes musikalische Passion, der er neben der Malerei aktiv über Jahrzehnte in dem bereits 1965 gegründeten, der Fluxus-Bewegung nahestehenden Ensemble „Die Erlebnisgeiger“ nachging.
Neben Grützkes moderner Wiederbelebung des historischen Genres steht auch sein vielfältiges Wirken als Porträtist im Mittelpunkt der Ausstellung. Bildnisse des Museumsstifters Alfred Gunzenhauser und von dessen Mutter Maria werden ebenso gezeigt wie Darstellungen von zeitgenössischen Schauspielern, Verwandten, Freunden und Künstlerkollegen. Besonders auffällig aber ist die große Zahl der ausgestellten Selbstbildnisse. Sie reichen von grimassierenden Porträts bis hin zu freizügigen Aktdarstellungen, in denen der Künstler selbst zum ersten Objekt seiner fast obsessiven, aber auch schonungslos offenen und selbstironischen Beobachtungs- und Darstellungsfreude geworden ist.