Ausstellungen

Residenzschloss Altenburg zeigt Arbeiten von Gerhard Vontra

Zu sehen bis 25. Oktober 2020
Residenzschloss Altenburg Ausstellung Gerhard Vontra

Ursprünglich wollte Gerhard Vontra Schiffsingenieur werden, bevor er seine Leidenschaft fürs Malen und Zeichnen entdeckte. An seiner Begeisterung für die Seefahrt hielt er fest und so bereiste er ab den Siebzigerjahren mit Frachtschiffen die ganze Welt. Der gebürtige Altenburger studierte an den Kunstakademien Leipzig und München. Er arbeitete als Pressezeichner für über 25 Zeitungen und Zeitschriften, illustrierte Bücher von Effi Briest bis Tom Sawyer und zeichnete Persönlichkeiten von Bertolt Brecht bis Louis Armstrong. Bekannt wurde der Künstler durch seine Milieustudien, in denen er die Eigenheiten des Menschen in allen Facetten des Alltags festhielt.

„Ich suche das Ursprüngliche. Mich verführt alles zum Zeichnen, und ich fülle ohne Auftrag meine Mappen und Kästen mit Zeichnungen. Ich wüsste kein Rezept, wie man Begeisterung am Dasein erzeugen kann, aber ich selbst freue mich auf jeden Tag. Ohne Zeichenmappe gehe ich nicht auf die Straße.“

Gerhard Vontra zeichnete 365 Tage im Jahr. Mit Stift und Papier, Pinsel und Farbpalette traf man ihn in der Fußgängerzone und am Strand, in Fabriken und im Gerichtssaal, im Museum und im Zoo und regelmäßig im DEFA-Filmstudio und bei der Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche. „Ein Straßenzeichner überall“, wie er zu sagen pflegte. Ob humoristisch oder tragisch, seine Augenblickseindrücke sind ausdrucksvoll. Sie zeigen das wirkliche Leben.

Anlässlich seines 100. Geburtstages widmet sich das Residenzschloss Altenburg erstmals seinem Leben und Werk. Neben einer vielfältigen Werkauswahl aus seinem Nachlass lassen Mitmachstationen, Videointerviews mit Zeitzeugen und Teile seiner Atelierausstattung das Porträt des außergewöhnlichen Mannes lebendig werden.

Geöffnet: Die – So/Feiertag 10.00 – 17.00 Uhr

Rundgang durch die Sonderausstellung „Vontra“ mit Kuratorin Anne Oswald
Samstag, den 18. Juli, 11.00 und 14.00 Uhr, Eintritt: 3 € p.P. zzgl. Eintritt in die Sonderausstellung 6 € p.P.

Zweitägiger Portätzeichenkurs für Kinder ab 10 Jahren
22.7 und 23.7 Juli · 13-16 Uhr; Kosten: 15 €* p.P. ; Anmeldung: Anne Oswald, 03447 /512718 a.oswald@residenzschloss-altenburg.de

Zweitägiger Portätzeichenkurs für Erwachsene · Anfänger & Fortgeschrittene
24. Juli · 14-17 Uhr und 25. Juli · 10-16 Uhr, Kosten: 38 €* p.P., Anmeldung: Anne Oswald, 03447 /512718 a.oswald@residenzschloss-altenburg.de

4. - 6. August: Reiseexkursion durch die Sonderausstellung: „Mit dem Frachtschiff um die Welt. Reisetagebücher und -zeichnungen von Gerhard Vontra“

Abbildung: Gerhard Vontra: Gugge Oskar, glei discht se nei! - Ostseemilieu

 


Saale-Galerie in Saalfeld ehrt Renate Jüttner mit Ausstellung

Ein Atelierbesuch in Saalfeld / Von Dr. Klaus Freyer
Renate Jüttner Saale Galerie Saalfeld

Kaum zu glauben, dass sie in wenigen Tagen ihren 85. feiert, diese vor Aktivität sprühende, zierliche Person. Bei der Sichtung für ihre Jubiläumsausstellung präsentiert sie ihre Arbeiten, trägt mit erstaunlicher Leichtigkeit selbst große Bildformate hin und her, jedwede Hilfe ablehnend.
Dieweil die Leiterin der Saale-Galerie Dr. Maren Kratschmer-Kroneck und der Laudator eine rückenschonende Haltung auf den Stühlen im Refugium von Renate Jüttner eingenommen haben, breitet diese nach mühelosem Kniefall ihre neuen Linolschnitte auf dem Boden aus. Dann springt sie behende auf, um Sekunden später bereits die nächsten Blätter in der Hand zu halten. „Wir müssen auswählen. Was meinen Sie?“, wendet sich die Galeristin fragend an die bekannte Saalfelder Künstlerin, ob der Qual der Wahl. „Ich hab' ein Amt und keine Meinung, Schiller“, kontert Renate Jüttner verschmitzt mit einem Klassiker-Zitat. Das sollte in den kommenden Stunden noch öfter passieren, bis die Auswahl getan war. Ich habe an diesem Tag die wohl vielseitigste Künstlerin persönlich kennengelernt. „Respekt!“, denke ich im Stillen. Denn die studierte Pianistin hat sich neben der Musik noch weitere schöne Künste erobert, schreibt Gedichte und Essays, betätigt sich erfolgreich als Malerin und Grafikerin.
Sowohl in der Malerei als auch in ihren Linolschnitten wird deutlich, dass ihr gesamtes Werk den Menschen in seiner Totalität, in der Ganzheit seines biopsychosozialen Wesens zu erfassen sucht; und das auf spezifische, wiedererkennbare Art und Weise, sei es durch die stark reduzierte Farbpalette, sei es durch die spezifischen Bildfindungen. Letztere lassen sich oft als seelische Innensichten und (Alp-)Traumsequenzen deuten. Die Aussage, bei ihr stehe der Mensch im Mittelpunkt, wäre deshalb zu undifferenziert. Denn es fällt auf: In ihren Arbeiten findet sich keine einzige menschliche Figur ohne Beschädigung, keine einzige Gestalt ohne Fehlstellen. Das Unvollkommene als ikonografisches Zeichen für immanente Verletzlichkeit? „In vielen meiner Bilder geht es um Schmerz“, sagt Renate Jüttner, fast beiläufig, aber unüberhörbar. Und um Vergänglichkeit des Menschen – ist man versucht zu ergänzen. Ihre Stillleben (Natura morta) werden zum bedeutungsvollen Memento mori, ob nun von ihr beabsichtigt oder nicht. Jedenfalls verzichtet sie auf die üblichen Symbole wie Sanduhr und Totenschädel. Auch wenn der Mensch in seinem natürlichen Weg verloren geht, seine Spuren scheinen zeitlos. Renate Jüttner arbeitet gern mit Metaphern und Allegorien, der Rezipient wird auf Mythisches und Mystisches stoßen. „Manchmal muss man den Leuten ein Rätsel aufgeben“, erklärt sie.
Ihre Landschaften indes sind getragen von einer romantisch-melancholischen Stimmung, die die in den „Menschenbildern“ zu vermutende resignative Tonalität gar nicht erst aufkommen lässt. Aber was ist mit der Hoffnung, hat sie überhaupt Platz in den seelischen Befindlichkeiten der Künstlerin? Sie zeigt auf das Bild eines Gekreuzigten: „Warum wohl können sonst aus einer Dornenkrone Rosen wachsen?“
Längst ist sie in Gedanken bei der nächsten Jubiläumsausstellung, die für ihren 2006 verstorbenen Mann Karl Jüttner (*1921), einem der bekanntesten Keramiker seiner Generation, der sich bereits zu DDR-Zeiten viel internationale Anerkennung erwarb. Dann will sie auch ein Porträt von ihm zeigen. „Viele denken, ich kann das gar nicht“, lächelt sie in sich hinein. Dabei ist es längst fertig.
Bei der Vorbereitung wird sie ihr Sohn Stefan unterstützen, wie immer. Ihm haben Renate und Karl offensichtlich ihre künstlerische DNA weitergegeben. Er sorgt auf seine eigene Weise, dass die Familientradition fortgeführt wird. Stefan Jüttner ergänzt in seinen dem Surrealismus zugeneigten Arbeiten das klassische Handwerk der bildenden Kunst mit den modernen digitalen Möglichkeiten. Mutter Renate hat den Staffelstab in der Familie weitergegeben, ohne sich selbst zur Ruhe zu setzen.

Renate Jüttner: Malerei und Grafik zum 85. Geburtstag
Saale-Galerie Saalfeld (Brudergasse 9), zu sehen bis 22. August
Di - Fr 10-13 Uhr und 15-17 Uhr / Sa 10-13 Uhr


Greizer Sommerpalais lädt zum Besuch ein

Greizer Sommerpalais Meissner
Greizer Sommerpalais Elisabeth

Die  Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung im Sommerpalais hat wieder geöffnet. Auch wenn es einige Einschränkungen gibt – es dürfen nicht mehr als 50 Gäste gleichzeitig im Museum sein, die allgemeinen Hygienevorschriften und Abstandsregeln müssen eingehalten werden und eine Mund-Nasen-Maske ist wie in Geschäften und im öffentlichen  Nahverkehr ebenfalls zwingend erforderlich – ist das eine erfreuliche Nachricht. Es erwartet Sie die Ausstellung von Dirk Meissner „Sagen Sie jetzt nicht, das ist Kunst…“, die bis zum 30. August verlängert ist. In Ergänzung dazu werden vorerst  auch Meissners Blättern zum Thema „Corona spezial“  weiterhin in den Fenstern des Gartensaals gezeigt.

Ausstellung „Her Royal Highness Princess Elizabeth - 250. Geburtstag einer leidenschaftlichen Sammlerin“
Bei ihrer Geburt am 22. Mai 1770 trug Elizabeth den Titel einer Königlichen Prinzessin von Großbritannien und Irland, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Ihr Vater König George III. stammte aus dem Hause Hannover, ihre Mutter Charlotte war eine geborene Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz. Mit 14 Geschwistern wuchs Elizabeth in Buckingham House, in Windsor, in Frogmore House und anderen Schlössern auf, wo sie früh mit den Kunstsammlungen ihrer Vorfahren in Berührung kam und die Interessen ihrer Eltern für Architektur, Malerei und Gartenkunst aufnahm. Elizabeth galt als die begabteste der Königskinder, die alle eine gediegene künstlerische Ausbildung erhielten. Von ihrer Familie wurde sie die „Muse“ genannt, denn sie kannte sich nicht nur mit allen malerischen und graphischen Techniken aus,  sie war auch eine der bedeutendsten Silhouettenschneiderinnen ihrer Zeit. Nicht zuletzt war sie ebenfalls architektonisch und innenarchitektonisch tätig. Schon in früher Jugend legte Elizabeth den Grundstock für ihre umfangreiche und vielfältige Sammlung, die sie testamentarisch dem Hause Hessen-Homburg überließ. Dessen letzte Nachfahrin, Fürstin Caroline Reuß älterer Linie (1819-1872), erbte viele Jahre nach Elizabeths Tod etwa die Hälfte ihrer ehemals 15.000-20.000 Blätter umfassenden Graphiksammlung, aber nicht einmal ein Zehntel ihrer Bücher. Seit 1922 wird dieser Nachlass in der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung bewahrt. In der Sonderausstellung aus Anlass des 250-jährigen Geburtstages der Prinzessin wird bis zum 4. Oktober ein repräsentativer Querschnitt aus dieser königlichen Collection vorgestellt.

Mittagsführungen

Im Sommerpalais Greiz finden wieder die beliebten Mittagsführungen, begleitend zur Jubiläumsausstellung Her Royal Highness Princess Elizabeth - 250. Geburtstag einer leidenschaftlichen Sammlerin. Kurze Impulsführungen um 12.30 Uhr sollen den Blick für die oftmals verborgene Bedeutung von Kunst und Kulturgeschichte schärfen. Hierzu herzlich eingeladen sind Museumsbesucher und alle Neugierigen, die Kunst für sich neu erleben möchten oder in der Mittagspause den Alltag für einige Minuten gegen eine spannende Entdeckung eintauschen wollen.
14.07.2020  Die „vielleicht cultivierteste Frau in Europa“  - Künstlerinnen des 18. Jh.
21.07.2020  Scharf geschnitten  - Elizabeth als Silhouettenkünstlerin
28.07.2020 Adlig, reich, gelehrt  - Sammlerinnen des 18. Jahrhunderts


Großer Auftritt für einen neuen Stil

Das Kunsthaus Apolda zeigt bis 26. Juli Ikonen der Pop Art aus England und den USA / Ein Bericht von Wolfgang Leißling
Kunsthaus Apolda Pop Art

Das Kunsthaus von Apolda ist bislang relativ gut über die Coronakrise gekommen. Als die vielbeachtete Albrecht-Dürer-Ausstellung schließen musste, hatten sie bereits 10 800 Gäste besucht. Nun zeigt die Villa in der Bahnhofstraße Pop Art aus England und den USA.

Als diese Kunst in den 50er Jahren aufkam, konnten viele Betrachter wenig anfangen mit den scheinbar nur abgemalten oder kopierten Objekten. Dies änderte sich in 60er Jahren, als die Warenwelt zu neuen Vorbildern in der Kunst wurde. Die aus den bekannten Gründen ohne die übliche Vernissage beginnende Ausstellung lädt zu einem spannenden Dialog mit rund 80 Werken ein. Wie man weiß, gilt die Kunst mit den drei Buchstaben bis heute als letzter großer Stilwechsel der Kunstgeschichte. Dabei erweist sich die neue, verständliche Richtung des Pop als durchaus dominierend anderen gegenüber und aktuell bis in unsere Gegenwart mit Design, Architektur und Mode. „Kein anderer Stil ist so radikal und zugleich als Massenphänomen mit dem Alltagsleben ganzer Gesellschaften verbunden. Dabei hat die Pop-Art keinen einheitlichen Stil, sondern ist, unmittelbar einhergehend mit dem Aufkommen der Hippie-Bewegung, Ausdruck eines urbanen Lifestyles der jungen Generation der westlichen Industrienationen“ (ARTOMA Kultur- und Kunstmanagement Hamburg).

Populäres und Banales vereint die mediale Schau der großen Namen. Unter den bekannten englischen Künstlern ist der Maler und Grafiker Richard Hamilton.  In seinen Collagen aus Fotografien, Plakaten und Reklame karikiert er den „american way of life“, der auf Körperkult, Konsum und flache Unterhaltung zielte. Sir Peter Blake wiederum schuf Bildkompositionen von Musikern und Filmstars. Seine gemalten Collagen, vergrößerten Postkartenmotive und malerisch adaptierten Poster spielen mit der Oberfläche, wie es typisch ist für die Pop-Art. Beliebt für seine blauen Poolsichten ist der auch als Bühnenbildner und Fotograf bekannte David Hockney. In ihrer leuchtenden Farbigkeit betonen sie die Sonnenseiten des kalifornischen Lebens. Der durch seine Skulpturen bekannte Allen Jones  widmete sich besonders erotisierenden Frauen und provozierte zwischen Figuration und Abstraktion.

„Die Pop Art in den USA fußt auf dem erwachten Selbstbewusstsein der amerikanischen gegenüber der europäischen Kunst und ist das Ergebnis der Suche nach einer neuen Ausdrucksform in einer aggressiven, von `popular culture` geprägten Gesellschaft“ (ARTOMA). Es war Andy Warhol (das Kunsthaus Apolda widmete ihm 2018 eine Personalschau), der in seiner legendären Factory konsequent dem Prinzip der seriellen Reihung folgte. Auf der anderen Seite kritisiert der stilprägende  Roy Lichtenstein farbkräftig und subtil die Ästhetik von Werbung und Comic. Ähnlich Plakatives findet sich in den überlebensgroßen  Porträts von Alex Katz.  Gestalterisch beschränkt er sich auf das Wesentliche der gewählten Bildmotive. An die Werbemalerei denken lässt auch der Objektkünstler Tom Wesselmann mit farbstarken übergroßen Arbeiten zum weiblichen Körper, erinnert sei nur an seine Badewanneninstallation. Schließlich thematisiert Mel Ramos  spielerisch das Marketing und die „Sex Sells“, denn: Sex verkauft sich immer. 

Bis zum 26. Juli ist Gelegenheit, die großartige Schau aus jener Zeit zu sehen, da auf das Abstrakte das konkrete Alltägliche folgte.- Nächste Ausstellung im Kunsthaus soll ab 20. September „Marc Chagall. Von Witebsk nach Paris“ sein. 

Abbildung: Allen Jones, „Maîtresse Folio Screenprint I“, 2015/16, Farbsiebdruck, 106 x 80 cm, Courtesy: LEVY Galerie, Hamburg, © Allen Jones, Foto: Dirk Masbaum, Hamburg


Janosch: Unikate und Grafik

Ausstellung im Museum Kloster Veßra verlängert bis 20. September 2020
Janosch Ausstellung Kloster Veßra

Bei Janosch denken wir vermutlich alle zunächst an Bär, Tiger und natürlich Tigerente. Aber der 1931 als Horst Eckert in Oberschlesien geborene Grafiker, Schriftsteller und Illustrator hat längst nicht nur Werke für Kinder geschaffen. Auch Sinnliches und bisweilen Derbes sowie tiefsinnige (Gesellschafts-)Kritik finden sich in seinen Arbeiten. Das Museum Kloster Veßra zeigt eine Auswahl an Unikaten und Grafik aus dem vielfältigen Œuvre Janoschs im KunstRaum. Dank der großartigen Unterstützung der Art28 GmbH & Co. KG ist es möglich geworden, die Janosch-Bilder bis zum 20. September 2020 im Museum Kloster Veßra zu zeigen.


SIBYLLE. Frauen und Mode in der DDR

Neue Sonderausstellung im Museum für Angewandte Kunst Gera
Museum für Angewandte Kunst Gera

In Kooperation mit der Kunsthalle Rostock zeigt das Museum für Angewandte Kunst Gera bis zum 4. Oktober 2020 die Sonderausstellung „SIBYLLE. Frauen und Mode in der DDR“. SIBYLLE war nicht nur eine der begehrtesten Frauenzeitschriften, sondern wird auch als „Vogue des Ostens“ bezeichnet. Aufgrund ihrer hervorragenden Fotografien wirkte sie stilbildend für eine ganze Generation. Bis heute nimmt sie unter den Illustrierten einen besonderen Stellenwert ein und besitzt Kultstatus. Neben ihren Beiträgen zu Kunst, Kultur und Reisen, setzten v.a. die Modefotografien neue Maßstäbe. Für SIBYLLE arbeiteten namhafte Fotograf*innen wie Ute und Werner Mahler, Sibylle Bergemann, Ulrich Wüst oder Sven Marquardt. Sie prägten mit ihren Aufnahmen das Erscheinungsbild der SIBYLLE; sie inszenierten die Frauen in Kleidern aus Modebetrieben aus der DDR inmitten sozialistischer Architektur oder vor urbanen Landschaften. 40 Seiten Mode, 40 Seiten Kultur: Von 1956 bis 1995 erschien die Zeitschrift SIBYLLE alle zwei Monate im Verlag für die Frau in Leipzig. Mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren trug sie maßgeblich zum damaligen Bild der emanzipierten Frau und zur Reflexion der gesellschaftlichen Verhältnisse bei.
Die von der Kunsthalle Rostock konzipierte Ausstellung legt ihren Schwerpunkt auf die Fotografie. Zahlreiche Originalaufnahmen der SIBYLLE-Fotograf*innen zeigen wie kosmopolitisch und ästhetisch einzigartig die Zeitschrift war. Die Fotografien schreiben nicht nur ein Stück Fotogeschichte, sondern dokumentierten bzw. interpretierten das Leben in der DDR. SIBYLLE ist ein Spiegelbild hoher Ansprüche an Ästhetik, Kultur, Mode und der gesellschaftlichen Entwicklungen in Ostdeutschland. Die meist vom Modeinstitut der DDR entworfene Bekleidung wurde thematisch künstlerisch von den Fotograf*innen in Szene gesetzt. Den unbewegten Posen der Models in den 1950er Jahren folgten dynamische Darstellungen, die eine andere ästhetische Auffassung vermittelten. Vorreiter war hier auch der Fotograf Arno Fischer, der als Lehrer an der Kunsthochschule in Berlin Weißensee tätig war. Dorothea Bertram als junge Modegestalterin begann ab den 1960er Jahren die Zeitschrift auf ein hohes künstlerisches Niveau zu heben.
Die Bekleidung, die in SIBYLLE präsentiert wurde, weckte Sehnsüchte und stand oft im Widerspruch zu den Angeboten in den Geschäften und Kaufhäusern. Oftmals blieb die einzige Chance das „Selbernähen“, was von einer Vielzahl modebewusster Frauen mit viel Kreativität gemacht wurde. Originale Zeitschriften und Schnittmusterbögen aus den Sammlungen des Museums für Angewandte Kunst Gera und Kleider jener Zeit runden das Bild der Ausstellung ab.

Geöffnet Mittwoch bis Sonntag / Feiertage von 12 bis 17 Uhr (Foto: Stadtverwaltung / David Hoffmann)


Galerie Rothamel in Erfurt zeigt Arbeiten von Harald Reiner Gratz

Bis 11. Juli 2020 "Abendland" zu betrachten
Harald Reiner Gratz Galerie Rothamel Erfurt

Harald Reiner Gratz ist ein Großmeister des Kopfkinos. Die Availability leerer Leinwände beendet er mit willkürlichen Pinselstrichen, aus denen lockere Kompositionen resultieren, in deren Gerüst er seine Geschichten flicht. Es entstehen Welten, deren Handlungen ineinandergreifen und sich gegenläufig antreiben wie die Räder eines großen Uhrwerks mit vielen Komplikationen.

Abbildung: Harald Reiner Gratz, Frühstück im Freien, 2018, Öl auf Leinwand, 150x150 cm


Geliebt, gehasst, geduldet – Groschenhefte in der DDR

Sonderausstellung im Stadtmuseum Gera / Zu sehen bis 18. Oktober 2020
Stadtmuseum Gera

Die Ausstellung mit rund 300 Objekten stellt die in der DDR auf bis zu 48 Seiten erschienenen Reihen wie Blaulicht, Das neue Abenteuer, Erzählerreihe, Tatsachen oder Meridian sowie ihre inhaltliche Ausrichtung vor. Die Geschichte der Groschenhefte in der DDR erzählt zugleich ein spannendes deutsch-deutsches Kapitel aus der Zeit des Kalten Krieges. „Erschreckend häufen sich jetzt die von Jugendlichen begangenen Verbrechen. Ihre Anleitung erhalten sie durch die Schundromane, die von Westberlin in die DDR eingeschleust werden.“ Solche und ähnliche Meldungen finden sich häufig in den ostdeutschen Zeitungen der 1950er Jahre. Die Kritik zielte vor allem auf die sogenannten Groschenromane, billig produzierte und reißerisch aufgemachte Hefte, die mit zahllosen Western, Kriminal- und Abenteuergeschichten den westdeutschen Markt überschwemmten. Sogar die DEFA produzierte zu dieser Thematik den Kurzfilm „Attentat auf unsere Kinder“, welchen man in der Ausstellung zu sehen bekommt.

Begünstigt durch die offene Grenze zwischen den beiden deutschen Ländern, wurden die Hefte auch im Osten Deutschlands gern gelesen. Die DDR hatte der Flut dieser Hefte zunächst nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Ab Mitte der 1950er Jahre begannen ostdeutsche Verlage, vermehrt eigene Heftreihen zu veröffentlichen, die natürlich anders und besser sein sollten als die westdeutschen „Schmöker“. In den ersten Jahren unterschieden sich die ostdeutschen Reihen in ihrem äußeren Erscheinungsbild jedoch kaum vom kapitalistischen Gegenstück. Titel und grafische Gestaltung waren ähnlich aufreizend und verlockend. Worin lag also der Unterschied?

Öffnungszeiten des Stadtmuseums Gera:  Mi-So und an Feiertagen 12 bis 17 Uhr

Abbildung: Matthias Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum, präsentiert Groschenromane aus der aktuellen Ausstellung. Foto: SV / David Hoffmann


Bildende Künstler der Region in der galerie ada Meiningen

Schau zum 30. ada-Jubiläumsjahr

Im 30. Jubiläumsjahr der Städtischen galerie ada Meiningen ist die erste Auflage des als Biennale angelegten „Kunst-Salon-Meiningen“ zu sehen. Sechzehn KünstlerInnen aus Meiningen und Südthüringen präsentieren sich bis Ende Oktobermit den Kunstarten Malerei, Grafik, Keramik, Glas, Skulptur, Plastik und Fotografie. Sie zeigen Beispiele neuester Arbeiten der letzten beiden Jahre. Damit ermöglicht sich den Bürgern ein spannender Überblick zur Bildenden Kunst der Gegenwart in Meiningen und in Südthüringen. Mit dem neuen Format „Kunst-Salon-Meiningen“ widmet sich die galerie ada ab 2020 im zweijährigen Rhythmus abwechselnd mit der Reihe „Meininger Grafik-Markt“weiterhin intensiv dem aktuellen lokalen und regionalen Kunstschaffen. Der „Kunst-Salon Meiningen I“ ist Mittwoch bis Sonntag sowie feiertagszwischen den neuen Uhrzeiten 13:00 bis 18:00 zu sehen. (Info: Ralf Seele)

Aktuelle Informationen unter: www.ada.meiningen.de

 


Familien-Bande im Zeichen der Kunst

In Bad Elster zu sehen: Ingeborg & Marco Flierl - Tapisserie, Grafiken und Skulpturen in der KunstWandelhalle
Bad Elster Ausstellung Marco Flierl

Bad Elster/CVG. Im Zuge des aktuellen chursächsischen Saisonprogramms der „Sommer Classics Bad Elster 2020“ wurde die Ausstellung »Familien-Bande« mit Tapisserie, Grafiken und Skulpturen von Ingeborg & Marco Flierl in der KunstWandelhalle Bad Elster als Erlebnisangebot in den Königlichen Anlagen nun bis zum 30. August verlängert. In der beeindruckenden Sommerausstellung korrespondieren die Arbeiten der 94-jährigen Ingeborg Flierl mit denen ihres Sohnes Marco Flierl, als künstlerischer Dialog zweier Generationen einer Berliner Künstlerfamilie. Im gegenseitigen Austausch und in verschiedenen Blickwinkeln hat sich dabei die künstlerische Inspiration zum Gesamtwerk dieser Ausstellung verdichtet.

Marco Flierl gestaltete die Werkauswahl seiner Mutter ganz nach ihren Wünschen, als eine Zeitreise zurück in ihr frühestes Schaffen, als künstlerischen Blick in die Vergangenheit. Ihre herrlichen Tapisserien, ihre farbenfrohe Gobelins und ihre grafischen Arbeiten geben lebensnahe Einblicke in ihre Kunstsicht der Dinge. „Die bei uns gezeigten Arbeiten zeugen dabei von perfektem Handwerk in höchster ästhetischer Umsetzung“ schwärmt Ausstellungskoordinatorin Ute Gallert von der gesamtverantwortlichen Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft und fügt hinzu: „Dies zeugt von ihrer enormen Kreativität und dem unabdingbaren Drang nach stetig neuem künstlerischem Ausdruck ihres Seins und Denkens.“ Farben- und lebensfroh balanciert die Künstlerin so in ihren Arbeiten zwischen Realismus und Abstraktion, findet Symbole und Zeichen für Zustände des Seins, die als Bildersprache ihrer Kunst fungieren.  

Marco Flierl selbst wurde 1963 als viertes Kind der Familie geboren. Sein künstlerischer Mittelunkt ist die Bildhauerei. Alle seine Skulpturen durchlaufen die Metamorphose verschiedener Ausgangsmaterialien bis hin zum Bronzeguss, der sich mit farbig patinierten Oberflächen präsentiert. Skulpturen in klassischer Formensprache finden sich neben narrativen, erzählenden  Bildwerken und abstrahierenden Plastiken, die sich aus in Prismen aufgelösten Flächen zu einer klaren Form zusammenfügen. Die Ausstellung präsentiert so ein interessantes Zusammenspiel von Skulpturen, Grafiken und Bildteppichen im Zeichen der Familien-Bande, als eine Art Gegenüberstellung der künstlerischen Ausdrucksformen zweier Generationen in einem Raum, die sich im Ganzen wieder finden und wunderbar ergänzen. „Unsere neue Ausstellung zeigt so die Kunst als sich ständig selbst reflektierende Ausdrucksform, die das Leben, das Fühlen, das Denken auszudrückt“ resümiert Gallert und führt aus: „Diese Herausforderung in der künstlerischen Arbeit schafft eben auch den kreativen Raum für überraschende Momente, Freude und Genugtuung, aber auch für Zweifel und Unzufriedenheit – so auch im Spannungsfeld der Familien-Bande!“

Diese eindrucksvolle und raumgebende Ausstellung kann nun mit neuen verlängerten Öffnungszeiten bis zum 30. August 2020 jeweils Montag bis Freitag von 10.00 – 12.30 Uhr und 14.00 - 17.00 Uhr sowie an den Wochenenden von 14.00 - 17.00 Uhr sowie zu den Veranstaltungen in der KunstWandelhalle Bad Elster besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. | www.kunstwandelhalle.de

Foto: Antonia Vogel


Rosen-Zeit im Greizer Museum im Unteren Schloss

Die Rose Museen der Stadt Greiz

Die „Königin der Liebe“ erblüht prachtvoller als je zuvor und hüllt das Museum im Unteren Schloss mit verführerischen Düften ein. Die Sonderausstellung nimmt Sie mit auf eine kulturgeschichtliche Zeitreise, die Sie sehen, fühlen und riechen können. Gerade nach dieser Zeit der Distanz, der Angst sowie der Entbehrung sozialer Nähe erwächst die Sprache dieser Blume eine noch wichtigere Bedeutung – sie ist Lebenslust und Freude.

Seit Jahrtausenden begleitet die Rose den Menschen - bewundert und verehrt rankt sie sich in das emotionale Leben unseres Alltags. Die Rose ist ein Kosmopolit. Wir finden Vertreter der Rosenfamilie nahezu auf dem gesamten Erdball. So vielfältig ihr Vorkommen, so breitgefächert ist ihre Bedeutung von der Kulturgeschichte bis zur Heilkunde. Sie lebt in den Mythen, den Religionen, der Literatur und der Kunst. Archäologisch nachgewiesen ist die Bedeutung der Rose durch Grabbeigaben in getrockneter Form oder als Öl schon in den frühen Kulturen Ägyptens und Persiens. Allerdings färbte erst die griechische Göttin Aphrodite mit ihrem Blut die erste Rose rot, dann waren es die Römer mit ihren ausschweifenden Gelagen der Liebesgöttin Venus zu ehren, die unsere Königin der Blumen entweihten und die Rosen für einige Jahrhunderte als unchristlich erscheinen ließen. Allerdings wurde die Königin rehabilitiert und bestieg als Symbol der Mutter von Gottes Sohn erneut den Thron höchster Aufmerksamkeit. Ihr zu ehren zieren heute große Rosettenfenster die bedeutenden Kathedralen des 11. bis 14. Jahrhunderts und durchfluten sie mit farbig-mystischem Himmelslicht.
Schon Hildegard von Bingen beschrieb die Heilkraft der Rose sowie deren Früchte. Die Wohltat der Rose für den menschlichen Körper und Geist wird auch in der Sonderausstellung im Unteren Schloss Greiz erlebbar. Ein bezaubernder Duft der frischen Gestecke schenkt dem Betrachter neue Lebenskraft und neuen Lebensmut. Rosenmotive schmücken Vasen, Schalen, Figuren aus Porzellan und anderen Materialien. Viele Gedichte und Werke der Bildenden Kunst huldigen der Königin der Liebe. Die Vielfalt des Ausstellungsthemas illustrieren die Gemälde des Künstlers Peter Zaumseil ebenso wie eine umfangreiche Sammlung der Sammlerin Edith Breitkreutz aus Gotha. Die Fülle der Darstellung des Rosenmotivs auf den Exponaten ist bemerkenswert und überraschend zugleich.
Die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz ergänzen mit ausgewählten Exponaten
aus ihren Sammlungen die Präsentation. Mit dieser Sonderausstellung wird das Museum im Unteren Schloss zum Botschafter für eine besondere Königin. - Schenken Sie Ihren Nächsten, Nachbarn und Freunde die Botschaft einer Blume, die das Herz erwärmt.


Wundersam Wirklich. Magischer Realismus aus den Niederlanden

Die Kunstsammlung Gera zeigt bis 30. August Werke aus der Sammlung des Museums Arnheim. Parallel dazu sind Fotografien der Arnheimer Künstlerin Louise te Poele zu sehen.
Gera Ausstellung Arnheim

Insgesamt werden über 50 Gemälde und Zeichnungen von zehn Künstler*innen aus dem Bestand des Museums Arnhem gezeigt. Mit Raoul Hynckes, Dick Ket, Pyke Koch, Johan Mekkink, Wim Schuhmacher, Charley Toorop und Carel Willink sind die bedeutendsten und bekanntesten Vertreter*innen des niederländischen "Magischen Realismus" mit ihren wichtigsten Werken präsent.

Das Museum Arnhem aus der Partnerstadt von Gera beherbergt eine herausragende Sammlung niederländischer Kunst aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Darin stellt sich eine künstlerische Tendenz dar, die als Reaktion und Parallelströmung zur deutschen „Neuen Sachlichkeit“ in der ersten Jahrhunderthälfte entstand und für die sich der kunsthistorische Begriff „Magischer Realismus“ herauskristallisiert hat. Stilistische und inhaltliche Parallelen zur realistischen Malerei in Deutschland, wie der Neuen Sachlichkeit oder dem sozialkritischen Verismus lassen sich erkennen. Einer der bedeutendsten Vertreter des Verismus ist der Geraer Maler Otto Dix. „Besonders für Gera als Geburtsstadt des Malers Otto Dix ist es eine Ehre, solch wertvolle Werke aus Arnheim hier in unserer Kunstsammlung zu beherbergen. Die Pflege der Städtepartnerschaft auch im kulturellen und künstlerischen Bereich ist von großer Bedeutung“, so Oberbürgermeister Julian Vonarb. Thematische Schwerpunkte finden sich bei der Darstellung des Menschen, der Stillleben und der Stadtlandschaften. In rätselhaft surrealer Bildsprache schildern die Werke die Ängste der Zeit und der eigenen Existenz.

„Die „magische“ Art von Realismus scheint beim genauen Hinsehen die Wirklichkeit nur zu imitieren. Es gibt stets eine gewisse Symbolik, die in der Motivwahl und Anordnung, in der Farbe und Belichtung in einem Stillleben, Porträt oder einer verlorenen Stadtlandschaft anklingt. Die Elemente aus der Realität waren den Künstlern jedoch nur ein Mittel, um eine "andere Realität" zu erzeugen“, erklärt Kulturamtsleiterin Dr. Claudia Tittel die Faszination, die von den Kunstwerken ausgeht.

Louise te Poele – Fotografien

In ihren teils großformatigen Fotoarbeiten bezieht sich  die junge Arnhemer Künstlerin Louise te Poele auf die niederländische Stilllebenmalerei, die im 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand. Sie greift deren Prinzip auf, ästhetisch arrangierte Objekte des täglichen Lebens darzustellen und darin zugleich verschlüsselte Botschaften zu verstecken. Durch ihre erst auf den zweiten Blick erkennbaren unwirklichen und spannungsgeladenen Bildarrangements verbindet sie Kompositionsschemata niederländischer Stillleben des Goldenen Zeitalters mit denen des Magischen Realismus und holt sie in die Gegenwart.

Ein Besuch der Museen ist gegenwärtig nur unter Einhaltung aller gebotenen hygienischen Maßnahmen möglich: d.h. der Einlass von Besuchern erfolgt nur mit Mund-Nasen-Schutz. Die nötigen Sicherheitsabstände und maximalen Besucherzahlen müssen eingehalten werden, dementsprechend kann es gegebenenfalls nötig sein, dass der Einlass gestaffelt wird. Gruppenbesuche und Führungen sind bis auf weiteres ausgeschlossen.

Öffnungszeiten: Mi-So, Feiertag 12-17 Uhr, Kunstsammlung Gera, Orangerieplatz 1, 07548 Gera

Abbildung: Pyke Koch, Vrouwen in de straat (Frauen auf der Straße), 1962 - 1964, Öl auf Leinwand, 114,5 x 149 cm


Uta trifft Nina

Fotografien von Jürgen Sieker bis 31. Oktober 2020 in der Marienkirche am Naumburger Dom
Jürgen Sieker Fotografien Ausstellung Naumburg Nina Hagen

Lebendig, ausdrucksstark und faszinierend präsentiert die Ausstellung die vom Fotografen Jürgen Sieker geschaffene Bildserie „Uta trifft Nina“ in der Marienkirche am Naumburger Dom. In intensiven Porträtstudien werden Prominente aus Politik und Gesellschaft berühmten Kunstwerken wie den Naumburger Stifterfiguren gegenübergestellt. Mensch und Kunst scheinen auf einzigartige Weise in einen Dialog zu treten. Sie offenbaren dabei die berührende Menschlichkeit in den Kunstwerken – ebenso wie die ureigene Kunst eines jeden menschlichen Gesichts.

Jürgen Sieker, der sich in den 1990er-Jahren einen Namen als Portraitfotograf gemacht hat, führt von 1999 bis 2009 einen umfangreichen Dialog zwischen der Fotografie und der Skulptur der letzten fünf Jahrtausende in den unterschiedlichsten Kulturkreisen der Erde. Schlusspunkt und aus seiner Sicht durchaus auch Höhepunkt bildet die Auseinandersetzung mit den Werken des Naumburger Meisters.

In der Ausstellung „Uta trifft Nina“ werden in der Marienkirche am Naumburger Dom fotografische „Portraits“ der Skulpturen mit Prominentenportraits konfrontiert und gleichzeitig Werke des Naumburger Meisters im Kontext mit Meisterwerken der Weltskulptur präsentiert. Dabei werden dem Betrachter die beiden Wesensmerkmale, die die Naumburger Werke so einzigartig erscheinen lassen, veranschaulicht: die außerordentliche Lebendigkeit und die herausragende künstlerische Qualität.

Foto: Nina Hagen 1991 - Uta ©Jürgen SiekerBildrechte:©Jürgen Sieker


Ausstellung auf der Festung Königstein

Auf der Festung Königstein ist die neue Ausstellung „Faszination Festung“ zu sehen. Für den Ausstellungsbau zeichnet sich die Seiwo Technik GmbH aus Scharfenstein verantwortlich. „Die größte Herausforderung bei diesem Auftrag war es, die Exponate auf die Festung zu bringen, schließlich liegt es in der Natur der Sache, dass eine Festung nur schwer erreichbar ist“, sagt Dr. Jan Wabst, Geschäftsführer der Seiwo Technik GmbH. Die neue Dauerausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr im „Neuen Zeughaus“ der Festung Königstein präsentiert in zwölf Kapiteln mit mehr als 200 Objekten und Bildern eine Kulturgeschichte befestigter Orte und Festungen. Im Zentrum stehen historische und moderne Angriffs- und Verteidigungswaffen. Die Gegenüberstellung von Vergangenheit und Utopie zieht sich wie ein roter Faden durch die Schau. So erwarten im Eingangsbereich die Phantasiefigur Terminator und eine mittelalterliche Ritterrüstung die Besucher. „Für die Befestigung der Actionfigur mussten wir uns eine besondere Über-Kopf-Konstruktion einfallen lassen“, sagt Dr. Jan Wabst. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter der Seiwo Technik GmbH mit den Standorten in Scharfenstein und Hohenstein-Ernstthal Vitrinen nach neuestem musealen Standard und hohen konservatorischen Anforderungen, Podeste sowie hinterleuchtete Ausstellungswände für die Ausstellung erstellt. Die Festung Königstein kann täglich von 9 bis 18 Uhr besucht werden.


Malen gegen die Ohnmacht

KunstForum Gotha zeigt bis 12. Juli Arbeiten von Gert Weber
Gert Weber KunstForum Gotha

Die neue Ausstellung im KunstForum Gotha spiegelt unter dem Titel „Malen gegen die Ohnmacht“ Erfahrungen aus dem Leben des Malers Gert Weber wider. Weber konnte während der DDR-Zeit nur im Schatten der Kirche ausstellen und arbeiten. Vom offiziellen Kunst- und Kulturbetrieb ferngehalten, entstanden während der 1980er Jahre zahlreiche systemkritische Werke, wie die fünfteilige Allegorie „Alte Männer“ (1988), die nun seit langer Zeit wieder in Thüringen zu sehen sein wird.

Nach dem politischen Umbruch behielt Gert Weber seinen kritischen Blick für die Missstände in der Welt bei. Die mahnende Botschaft in seinen Werken soll aber nicht als Negation des Lebens verstanden werden. „Wenn er auch weiterhin den Blick auf die dunklen Seiten des menschlichen Daseins lenkt, ist dies immer mit dem Glauben an die menschliche Vernunft und Toleranz gekoppelt, die auch jederzeit in hellere Sphären führen können“, analysierte Winfried Wiegand, Direktor der Meininger Museen. Neben dem bildkünstlerischen Schaffen machte sich Gert Weber bei anspruchsvollen denkmalpflegerischen Projekten sowie bei der Restaurierung historischer Malereien einen Namen. Beachtung über die Landesgrenzen hinaus fand die 2006 fertiggestellte Neufassung des Deckengemäldes in der Kuppel des Burschenschaftsdenkmals in Eisenach. Webers Werke befinden sich mittlerweile unter anderem im Deutschen Historischen Museum Berlin, der Universität Leipzig, im Stadtmuseum Düsseldorf, in den Meininger Museen, in dem Dommuseum Fulda sowie in zahlreichen weiteren privaten und öffentlichen Sammlungen.

Die Öffnung des KunstForum Gotha für Besucher ist mit verschiedenen Einschränkungen verbunden. So dürfen maximal zehn Personen gleichzeitig die Ausstellung besichtigen, damit die empfohlenen Abstände untereinander eingehalten werden können und die Besucher genügend Freiraum zum Verweilen und Besichtigen vor den Objekten haben. Weitere Personen müssen vor dem Gebäude bzw. unter Einhaltung des Mindestabstandes (1,50 m) im Foyer warten. Im Kassenbereich ist sowohl zum Schutz der Kunden als auch der Mitarbeiter ein Hygieneschutz installiert und mit einer Durchreiche versehen. Markierungen weisen auf die Abstandseinhaltung in diesem Bereich hin.

Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet

Weitere Informationen: www.kunstforum-gotha.de

Abbildung: Gert Weber: Die Mauer


Ausstellung „Luise von Rohden. HANDZÜGE“ in der Kunsthalle Erfurt

Von Liniensystemen und feinschichtigen Transparenzen / Werkschau bis 26. Juli 2020.
Luise von Rohden Kunsthalle Erfurt

Der Erfurter Kunstverein zeigt im Jahr seines 30-jährigen Jubiläums die junge Leipziger Künstlerin Luise von Rohden. Unter dem Titel HANDZÜGE präsentiert sie ihre teils großformartigen Tuschezeichnungen auf Papier erstmals im musealen Kontext. Ausstellungsort ist die Kunsthalle Erfurt, für die sie exklusiv Werke in wandfüllender Größe anfertigt.
Luise von Rohden (*1990 in Gotha, Thüringen) gehört zu einem Feld junger Künstler_innen, die sich das klassische Medium Zeichnung erfolgreich neu aneignen und interpretieren. Ihre ungegenständlichen Zeichnungen bestehen aus nachvollziehbaren einfachen Strichen, die meist nur eine Richtung, eine ähnliche Breite und ähnliche Farbigkeit haben. Sie streben nicht danach, besonders gekonnt oder raffiniert auszusehen. Vielmehr sind sie das, was sie sind – Spuren einer Bewegung. Dennoch verwandeln sie sich mitunter in etwas anderes, in etwas Wesenhaftes oder Landschaftliches. Letztlich zeigt sich in diesen permanent nach Reduktion strebenden Zeichnungen, die Komplexität des scheinbar Einfachen.
Mit Konsequenz wendet Luise von Rohden dabei das Prinzip der Wiederholung an; bei der Aneinanderreihung der Striche auf dem einzelnen Papierbogen sowie der Findung spezieller zeichnerischer Situationen, die von ihr immer wieder variiert werden. Mit Tusche arbeitet sie auf großformatigen Blättern. Das Material bestimmt die Farbigkeit, die auf der Klaviatur der Grautöne von lichtem Hell bis zu einem tief dunklen Anthrazit reicht.
„Neben ihrem bekannten Kanon an monochrom grauen Bildern, wird Luise von Rohden in der Kunsthalle Erfurt eine neue Werkreihe aus farbiger Tusche zeigen. Es sind feinschichtige Transparenzen aus Gelb, Rot und Blau, mit denen sie ihre Bildsprache gezielt weiterentwickelt. Erstmals und exklusiv dürfen wir in Liniensysteme auf Papierbahnen von bis zu vier Metern Breite eintauchen.“, sagt der Kurator Philipp Schreiner über die Besonderheiten dieser Ausstellung des Erfurter Kunstvereins.
Luise von Rohden studierte von 2009 bis 2015 Bildende Kunst und Kunstvermittlung u.a. bei Prof. Una H. Moehrke an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. 2013/2014 ging sie für ein Semester zum Studium der traditionellen Chinesischen Tuschemalerei an die Academy of Fine Arts Tianjin nach China. Seit 2015 ist sie Lehrkraft an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Sie lebt und arbeitet in Halle (Saale) und Leipzig.
Mit der Ausstellung durch den Erfurter Kunstverein wird der jungen Künstlerin erstmals eine Einzelpräsentation ihrer Werke im musealen Kontext ermöglicht.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der in der Kunsthalle Erfurt erworben werden kann. Die Ausstellung ist eine Kooperation des Erfurter Kunstvereins e.V. und der Kunsthalle Erfurt. Sie wird gefördert von der Kulturstiftung Thüringen, der Sparkassenstiftung Erfurt und der Liebelt-Stiftung, Hamburg.

Kunsthalle Erfurt, Fischmarkt 7 / Öffnungszeiten: Di – So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 22 Uhr

Foto: Luise von Rohden, Atelier, Portrait, Leipzig 202 (Foto: Jakob Adolphi)


Kulturgut Quellenhof Garbisdorf zeigt neue Ausstellung

Hommage an Hieronymus von Münchhausen zum 300. Geburtstag

Anders als die ebenso legendären Volksbuchhelden Eulenspiegel, Robinson oder Gulliver besaß der Lügenbaron in Hieronymus Freiherr von Münchhausen einen historischen Urtyp und Namensgeber. Dieser wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder geboren, wo er auch am 22. Februar 1797 gestorben ist. Unsterblich machte den brillanten Plauderer und Spötter ein Sammelband, der zum Weltbestseller aufsieg. Obwohl in Ichform erzählt, stammt keine einzige der darin vorgegaukelten Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer aus seiner Feder. Autoren der englischen und deutschen Erstausgabe waren vielmehr 1785/86 R.E. Raspe und G.A. Bürger. Früh bebildert, zieht das Buch noch immer zahllose Künstler in den Bann.
Neben ca. 100 bebilderten Münchhausen Buchausgaben aus der Sammlung von Dr. Dieter Gleisberg haben wir eine kleine Auswahl alter Grafiken zusammengetragen und Arbeiten zeitgenössischer Künstler gegenüber gestellt. Begleitet wird die Ausstellung durch die Göpfersdorfer Kunstblätter Nr. 16 und eine Grafikmappe.

Ausstellung zu sehen bis 25. August 2020 / Besichtigung der Ausstellung jeden Donnerstag von 14-18 Uhr und nach Absprache