Ausstellungen

Unvergessen – Eine Hommage an Nordhäuser Künstler

Kunsthaus Meyenburg (Nordhausen) zeigt Werke von Martin Domke, Ilsetraut Glock, Günter Groh, Martin Höfer, Klaus-Dieter Kerwitz, Lothar Rechtacek und Heinz Scharr
Kunsthaus Meyenburg Nordhausen

Die Ausstellung mit dem Titel „Unvergessen“ ist eine Hommage an die sieben Nordhäuser Künstlerinnen und Künstler der Jahrtausendwende, die leider in den letzten Jahren verstorben sind, aberin unserer Stadt ihre künstlerischen Spuren hinterlassenhaben. Dazu gehört vor allem, dass sie im Bewusstsein der Nordhäuser Bürger festverankert sind, sei es durch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit oder durch die besondere Präsenz ihrer Kunstwerke, wie beispielsweise Martin Domke durch die Chorfenster der St. Blasii-Kirche. Es werden sowohl Werke von Künstlerinnen und Künstlern präsentiert, die in Nordhausen im 20. Jahrhundert geboren wurden, als auch Künstler, die eine längere Zeit in unserer Stadt gewirktund die Nordhäuser Kunstszene in den vergangenen fünf Jahrzehnten entscheidend geprägt haben. Dabei geht es in der Ausstellung bewusst nicht um eine Vollständigkeit aller jemals in Nordhausen geborenen oder tätigen Künstlerinnen und Künstler.

Die Ausstellung will zeigen, dass Nordhausen nicht nur eine Kornstadt war und ist, sondern auch viele Künstlerinnen und Künstler hervorgebracht bzw. zum Bleiben bewegt hat. Ein Großteil der ausgestellten Werke stammt aus der Sammlung der städtischen Museen Nordhausen, ergänzt durch Leihgaben der Kreissparkasse Nordhausen und aus Privatbesitz. Die Ausstellung ist bis zum 8. September Di bis So von 10 bis 17 Uhr im Kunsthaus Meyenburg zu sehen.


Farbharmonie als Ziel

Angermuseum Erfurt zeigt vom 14. Juli bis 6. Oktober: Adolf Hölzel auf dem Weg zum Ungegenständlichen
Angermuseum Erfurt Adolf Hölzel

Der Künstler Adolf Hölzel (1853-1934) zählt zu denfrühen Protagonisten der Abstraktion undWegbereitern der Malerei der Moderne. Mit über 100 Exponaten, darunter 28 erstmalig präsentierten Werken, bietet die Ausstellung einen Einblick indie faszinierende künstlerische Vielfalt seines Œuvres. Vom Realismus und Impressionismus der frühen,im Umkreis der Künstlerkolonie Dachau entstandenen Bilderentwickelte Hölzel seine Kunst stetig weiter bis hin zu den farbkräftigenabstrakten Kompositionen seines Spätwerks, auf denen ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt. Wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation war Hölzels Schaffen von einer beständigen Lust am experimentellen Erweitern der künstlerischen Mittel und der sensiblen Reflexion über die Gesetzmäßigkeiten bildnerischen Schaffens geprägt. So erkannte Hölzel als einer der ersten Künstler das Unbewusste als Potenzial  für die bildende Kunst und entwickelte lange vor den Surrealisten ab 1898 eine eigene Form des automatistischen, gegenstandslosen Zeichnens. Als Pionier der Abstraktion wurde Adolf Hölzel zu einem der einflussreichsten Lehrer seiner Zeit. Zu seinen Schülern an der Stuttgarter Kunstakademie gehörten unter anderen Oskar Schlemmer, Ida Kerkovius, Johannes Itten und Willi Baumeister. Nach dem Ende seines akademischen Lehrberufs konzentrierte sich Hölzel auf das Pastell und steigerte mit diesem Medium die Farbigkeit seiner abstrakten Kompositionen zu intensiver Leuchtkraft und Lebendigkeit.

Dievom Museum Georg Schäfer in Schweinfurt übernommene Ausstellung folgt deneinzelnen Entwicklungsschritten von Adolf Hölzels Schaffen und macht das erstaunlich weite Spektrum seines Werks sichtbar. Dazu zählen sowohl Pastelle, Ölbilder, Collagen und Glasfenster als auch seine sogenannten Schriftsockelbilder und die bisher als bloße Fingerübungen betitelten Tuschzeichnungen. Zahlreiche Originaldokumentegeben Einblick in das Leben und Denken dieses bedeutenden Erneuerers der Malerei.

Zur Ausstellung ist im Wienand Verlag ein Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen und Beiträgen namhafter Wissenschaftler erschienen. (164 S.)

Abbildung: Adolf Hölzel (1853-1934), Ohne Titel, um 1925, Bleistift und Pastell auf Velours, 30,5 x 40 cm, Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart - Foto: Adolf Hölzel-Stiftung, Stuttgart


Unter fremden Menschen

Das Panorama Museum Bad Frankenhausen zeigt bis zum 3. November die Sonderausstellung Werner Tübke. Von Petersburg bis Samarkand
Werner Tübke Panorama Museum Bad Frankenhausen

Am 14. September jährt sich nicht nur die Eröffnung des Panorama Museums zum dreißigsten Mal, Werner Tübke hätte am 30. Juli auch seinen neunzigsten Geburtstag gefeiert. Ein Grund mehr, ihn mit einer Sonderausstellung zu ehren, die zum ersten Mal in aller Komplexität Werner Tübkes Reisen in die Sowjetunion in den Blick nimmt. Gezeigt werden rund 140 Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen, Bilder von Land und Leuten wie auch Reflexionen über die Geschichte der Sowjetunion und die russische Literatur, die durch die Reisen erst angeregt wurden und das Erlebte in einen größeren Sinnzusammenhang bringen. Von März 1961 bis März 1962 durchquerte Werner Tübke die Sowjetunion im Rahmen einer Studienreise. Vom europäischen Norden bis in die zentralasiatischen Republiken legte er mit seiner damaligen Frau Angelika auf dem Landweg und in der Luft fast 14.000 Kilometer zurück. 1976 kehrte er im Zuge der Vorbereitungen zum Monumentalgemälde in Bad Frankenhausen nach Moskau zurück, 1977 konnte er den Kaukasus noch einmal bereisen und auch in den 1980er Jahren hatte er mehrmals Gelegenheit, die Sowjetunion zu besuchen. Schon 1961/62 fertigte Tübke zahllose Zeichnungen und Aquarelle an, die durch ihre dichte, altmeisterliche Ausführung gekennzeichnet sind. In unmittelbarer zeitlicher Folge schuf er dann unvergessliche Gemälde, die in märchenhafte Welten entführen, und ab 1966 übersetzte er seine Motive in die Radierung und die Lithografie. Die Eindrücke, die er in der Sowjetunion gewonnen hatte, ließen ihn zeitlebens nicht mehr los und finden in seinen Werken bis kurz vor seinem Tod im Jahre 2004 Widerhall. Ein anderer, ein neuer Werner Tübke begegnet uns und nimmt uns mit auf seine Reise. (Johanna Huthmacher)

Abbildung: Werner Tübke, Winter bei Leningrad, 1961, Aquarell, 17,8 x 23,8 cm, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Frankfurt (Oder) © VG Bild-Kunst Bonn, 2019

www. panorama-museum.de


In die Alpen

Museen der Residenzstadt Greiz zeigen zwei Sonderausstellungen bis zum 25. August
Museen Greiz Alpen Ausstellungen

Anlässlich des 150jährigen Bestehens des Alpenvereins verbinden zwei Sonderausstellungen der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz zur einzigartigen Bergwelt der Alpen die Kultur- und Zeitgeschichte mit zeitgenössischer Kunst im Museum im Unteren Schloss. Die neuen Sonderausstellungen folgen dem „Ruf der Berge …“ mit der Geschichte des Alpenvereins,  der Sektion Greiz sowie der Greizer Hütte im Zillertal, der Besteigung des Mont Blanc 1934 sowie des Mont Everest 2016 durch Mitglieder der Sektion Greiz und steigen mit Konrad Henkers großformatigen Kaltnadelradierungen in „Eisige Höhen“ der Hochalpen auf.

EISIGE HÖHEN - Konrad Henker – Radierungen

Konrad Henker begibt sich seit 2004 regelmäßig für mehrere Monate in Hochgebirgsregionen der Alpen. Dort lebt er völlig autark in einem selbstgebauten Schneeiglu. Für seine künstlerische Arbeit transportiert er große Zinkplatten auf über 3.000 Höhenmeter und nutzt diese für seine großformatigen Kaltnadelradierungen, die eine unglaubliche Authentizität, Ursprünglichkeit und Kraft ausstrahlen. Wie das Gletschereis, die Erosionen den Fels verändern und bearbeiten, so gräbt Konrad Henker in dieser irrwitzigen Höhe die Linien in die Zinkplatten, welche später im Tiefdruckverfahren bildgebend sind. Es werden gebirgsbildende Urgewalten, die in den Gesteinsformationen und -schichten strukturell sichtbar sind, in seinen Kaltnadelradierungen erlebbar. Seine Arbeiten sind spürbar im Einklang mit der Natur entstanden, jedoch wurden sie den Urelementen regelrecht abgetrotzt – wahrnehmbare Symbiose von Künstler und Bergwelt. Die Schöpfung als eine Interaktion von Natur und Künstler – visualisiert durch Kaltnadelradierungen. Das permanente Leben über einen längeren Zeitraum mit Eis und Schnee in dieser unwirtlichen Region schärft offensichtlich die Sinne in besonderer Weise.

Konrad Henker wurde 1979 in Weimar geboren. 1999 bis 2005 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. 2005 bis 2007 war er Meisterschüler bei Prof. R. Kerbach. Seit 2004 nutzt er regelmäßig die verschneiten Hochalpen im Frühjahr als inspirativen Arbeitsort. 2008 folgte ein Arbeitsaufenthalt auf den Lofoten (Norwegen). Seit 2007 wirkt er freischaffend in Dresden. 2017 verlegte er seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt nach Berlin.

RUF DER BERGE … – 150 Jahre Alpenverein und die Greizer Hütte                           

„Am 28. März 1879 gründeten 31 Herren einen Zweigverein der Alpenvereinssektion Frankenwald, welche ihren Sitz in Nordhalben in Bayern hatte. Das Verdienst, diesen Zweigverein ins Leben gerufen und auf eine große Mitgliederzahl gebracht zu haben, gebührt vor allem […] Herrn Fürstlichen Landrentenbankdirektor Leo. […]. Leo interessierte nun seine Stammtischbrüder, die im ländlich gemütlich gelegenen Tryfle bei Greiz allabendlich bei einem Kännchen Lichtenhainer Bier zu löblichen Tun sich versammelten, dabei ihre langen Pfeifen mit mächtigen Bückeburger Birkenmaserköpfen rauchten, für die alpine Sache, und es bildete sich aus diesem Stammtisch eine kleine alpine Gemeinde.“. Diese kleine alpine Gemeinde verabschiedete sich schließlich aus der Sektion Frankenwald als Zweigverein, um einen eigenständige Greizer Sektion des Alpenvereins zu gründen. Am 29. Dezember 1881 erteilte der Zentralausschuß des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins die Zustimmung zur Bildung der 79. Sektion des Alpenvereins in Greiz. Dies wurde mit Jahresbeginn 1882 umgesetzt. Die ersten Mitglieder waren überwiegend Greizer Kaufleute, Fabrikanten und Angestellte der Fürstlichen  Landesverwaltung. „Die Sektion hatte die Freude, bald nach ihrer Gründung ein Mitglied zu erhalten, das in den Bergen aufgewachsen und als ein Sohn derselben innig mit ihnen vertraut geworden ist. Kammerherr Graf Künigl-Ehrenburg, ein Pustertaler, kann mit Recht zu den Pionieren des Alpinismus gezählt werden. Hat er doch in seinen jungen Jahren und auch später noch voll Tatenlust und Tatendrang manche schwierige Erstbesteigung ausgeführt.“ Kurze Zeit später arrangierte er die Bekanntschaft mit anschließender Vermählung zwischen der Prinzessin Emma Reuss Aelterer Linie und seinem Neffen Erich Graf Künigl-Ehrenburg, in deren Folge die Prinzessin Emma das heimatliche Untere Schloss Greiz verließ und das Schloss Ehrenburg in Südtirol bezog.

 

 


Kunsthalle Erfurt: Werke von Arik Brauer

ARIK BRAUER. FANTASTISCH-REALISTISCH. EIN LEBENSWERK / 4. August bis 27. Oktober
Kunsthalle Erfurt Arik Brauer

Im Januar 2019 feierte der österreichische Künstler Arik Brauer seinen 90. Geburtstag.  Anlass, in einer umfassenden Ausstellung auf das besondere bildnerische Werk dieses Künstlers hinzuweisen. Die Kunsthalle Erfurt widmet - im Rahmen der ACHAVA Festspiele 2019 – seinem Lebenswerk eine umfangreiche Ausstellung mit etwa 100 Gemälden, Aquarellen, Graphik und Zeichnungen aus verschiedenen Jahrzehnten des Schaffens aus dem Arik-Brauer-Museum in Wien. Es ist die einzige Ausstellung in Deutschland zum Werk von Arik Brauer in diesem Jahr.

Die Ausstellung stellt mit Arik Brauer einen Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus vor. Aber auch einen Künstler, Musiker, Autor, der in seinem Werk die jüdisch-biblischen Wurzeln seiner Familie ebenso verarbeitet wie Themen und Geschichten der muslimischen Welt, der in seinem Gesamtwerk stets für interkulturelle Verständigung und die Menschenrechte eingetreten ist. Dieses Engagement nicht nur als Künstler, sondern auch als kultureller Brückenbauer, soll hervorgehoben werden.

Arik Brauer ist ein Wiener Künstler mit jüdischen Wurzeln, der als Kind der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nur knapp entging. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und Gesang an der Musikschule der Stadt Wien. Gemeinsam mit Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden begründete er die Wiener Schule des Phantastischen Realismus, als deren einer der Hauptvertreter er seit 1960 gilt. Er lebt in Wien und bei Haifa.

„In meiner Malerei gibt es keinen wirklich totalen Bruch mit der sogenannten Wirklichkeit. Ich bringe meine Phantasiewelt über Schleichwege ein, aber frei erfundene Gebilde behalten einen wahren Realitätsanspruch. Sie könnten existieren oder sie werden vielleicht einmal existieren." Arik Brauer

Ausstellungseröffnung: Samstag, 3. August, 16 Uhr

Abbildung: Arik Brauer, In Würde, 2008, Öl auf Hartfaserplatte, (c)Arik Brauer, Wien/Sebastian Gansrigler


Sommerausstellungen in der Galerie M1 in Gera

„right off“ und „Was bleibt? Das bleibt!“ – zum 50. Todestag von Otto Dix
Galerie M1 Gera

Bis zum 4. August läuft noch die Ausstellung „right off“ von Sven Schmidt in der Galerie M1 am Geraer Mohrenplatz. Gezeigt werden Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen. Den Auftakt bilden großformatige Arbeiten aus dem Landesstipendium, welches Schmidt 2018 erhielt. Weitere Themen, passend zu den Räumen geordnet, sind: „Köpfe für Köpfe“, „Splitter“, „Landschaft“, sowie ein Raum mit ausgesuchten Arbeiten besonderer Bedeutung. Zu den Themenbereichen gibt es kurze Hintergrundinformationen.

Abbildung: Werk von Sven Schmidt (Gera)

Ab dem 10. August geht es dann weiter mit der jährlichen Gruppenausstellung. Das Jahr 2019 steht voll unter Bauhaus. Dem wollte sich die Galerie nicht anschließen, da zu diesem Thema thüringenweit genug geboten wird. Für die Galerie ist natürlich Dix ein Thema, liegt sie doch gegenüber des Geburtshauses von Otto Dix am Mohrenplatz. „Was bleibt? Das bleibt!“ ist eine Fragestellung, die untersucht, wie Dix heute noch in die Gegenwartskunst hineinstahlt. Gezeigt werden 24 Künstler mit ihrer Auswahl zum Thema. Das reicht von der Keramik bis zu großformatigen Arbeiten. Ein Fragebogen soll die Besucher begleiten. Damit hatte die Galerie im letzten Jahr gute Erfahrungen gemacht.

Geöffnet: Dienstag bis Freitag von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei! Spende wird gern genommen.

www.galerie-m1.de


Bauhaus und Bürgel

Die wechselseitigen Beziehungen der Dornburger Werkstätten und der Töpferstadt / Keramik-Museum Bürgel zeigt Sonderausstellung bis 29. September 2019
Bauhaus-Werkstatt-Museum Dornburg

Die Bauhaus-Keramik hat ihre Wurzeln maßgeblich in der Bürgeler Töpfertradition. Später, in den 1930-er und -40er Jahren finden sich deutliche Parallelen zwischen den Produkten der Dornburger Lindig-Werkstatt und den führenden Bürgeler Keramikern. 

Der Bauhaus-Werkmeister Max Krehan erhielt seine Lehre nach den Vorgaben der Bürgeler Töpferinnung und steht mit seinen frei auf der Töpferscheibe gedrehten Gefäßen streng in der Bürgeler Handwerkstradition. So fußte auch Ausbildung der Bauhäusler durch Krehan tief in der Bürgeler Töpferei. Das Erlernen der handwerklichen Fähigkeiten, des Material- und Formverständnisses geschieht durch die vielfache Wiederholung der Herstellung des gleichen, von Krehan vorgegeben Gefäßes. Die ersten wichtigen Bauhausarbeiten sind so Gefäße nach Bürgeler Muster, denen Marcks und seine Schüler eigene Dekore hinzufügen. Die Bauhaus-Keramik schlägt sich mit ihren Ideen hingegen in Bürgel zunächst kaum nieder.  Erst in den folgenden Jahrzehnten entdeckt man in Bürgel die schlichte Funktionsästhetik der Dornburger Töpferei. So findet sich nun Bürgel vieles aus dem Formenschatz und den Dekoransätzen von Otto Lindig, welcher die Bauhaus-Töpferei weiterführte.  Durch seine handwerklich bis zur Perfektion ausgearbeiteten, gedrehten Keramiken widerfuhr ihm national wie international große Resonanz. Wenn nicht direkt, so werden doch  gemeinsame  Teilnahmen an Messen und die Kenntnis seines Schaffens als Inspirationsquelle für die  Bürgeler Werkstätten gedient haben. Von dem gemeinsamen Gestaltungsverständnis zeugen zahlreiche Stücke. Eine besondere Rolle spielt die Bauhaus-Keramik dann in den 1980-er und -90er Jahren in der Bürgeler Lehrwerkstatt der Kunsthochschule Burg Giebichenstein.  Unter der Anleitung des Töpfermeisters Wolfgang Philler dienen die Bauhaus-Formen als Ausbildungsgegenstand für die Studenten.

In der Sonderausstellung „Bauhaus und Bürgel“ zeigt das Keramik-Museum eine Auswahl interessanter keramischer Gefäße, welche diese Zusammenhänge in Form und Gestalt verdeutlichen und lädt auch den Besucher zum Finden dieser Parallelen ein!  Öffnungszeiten: Di-So 11-17 Uhr

Bauhaus-Werkstatt-Museum Dornburg

In Dornburg zeigt ein neues Museum einzigartiges! Das Bauhaus-Werkstatt-Museum (ent)führt die Besucher in die letzte am authentischen Ort erhaltene Werkstatt des Bauhauses. Im Marstall der Dornburger Schlösser befand sich von 1920 bis 1925 unter Leitung des Formmeisters Gerhard Marcks mit der Töpferei zudem die einzige außerhalb Weimars gelegene Werkstatt der berühmten Kunst- und Designschule. Die kontinuierliche Weiternutzung der Töpferei, zunächst unter Leitung des Bauhäuslers Otto Lindig und ab 1949 durch die Keramikerfamilie Körting, hat dazu geführt, dass viele Teile der originalen Ausstattungen erhalten geblieben sind und nunmehr das einstige Marstallgebäude als einen Ort von großer Authentizität werden lässt und ein neues Verständnis für das Wirken des Bauhauses entstehen lässt. Die Besucher erhalten durch die zwei großen Werkstatträume einen lebendigen Eindruck der Arbeitsatmosphäre in der damaligen Bauhaus-Töpferei. Der einstige ,,Drehraum‘‘, in dem die Bauhäusler im freien Drehen auf der Töpferscheibe markante Gefäße in klar strukturierten geometrischen Formen schufen, gibt zusätzliche Informationen zu den Biografien, Arbeits- und Lebensumständen der Werkstattangehörigen. Der zweite Werkstattbereich vermittelt mit den zwei Großobjekten, der originalen Gipsdrehscheibe Otto Lindigs und Theodor Boglers, sowie der Tonaufbereitungsanlage eine der wichtigsten, produktionsbezogenen Zäsur der Ausrichtung der Bauhausproduktion: der Hinwendung von dem Drehen auf der Scheibe zur Herstellung im Gießverfahren – vom kunstgeprägten, individuellen Handwerksstück zum Designentwurf für die serienmäßige, industrielle Produktion. 

Im modernen Anbau erfahren die Besucher vieles über die Bauhaus-Ära aber auch über die folgenden Nutzungsphasen. Anhand vieler keramischer Objekten, Grafiken und Gemälden, Fotomaterial, sowie zeithistorischen Dokumenten wird ein breiter Einblick in die Geschichte und das Werk der Keramiker im Marstall gegeben. Neben den großen Bauhaus-Schauplätzen Weimar, Dessau und Berlin erlebt man hier in Dornburg den Mikrokosmos, das Experimentieren, das Arbeiten – den Weg und das Leben, das letztendlich die Bauhaus-Idee so wirkmächtig und zukunftsprägend werden ließ. Multimediale Installationen und ein museumspädagogischer Bereich (nicht nur) für Kinder bieten einen weiteren Zugang zur einstigen Bauhaus-Töpferei.

Für Besuchergruppen besteht die Möglichkeit, nach vorheriger Terminvereinbarung, geführte Besichtigungen der Werkstatt durchzuführen. Anfragen diesbezüglich bitte rechtzeitig telefonisch oder via Mail richten an 036692-37333 / verwaltung@keramik-museum-buergel.de

Bauhaus-Werkstatt-Museum Dornburg, Max-Krehan-Straße 1, 07774 Dornburg-Camburg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr

 


Tessenow-Bauten in Pößneck - undogmatisch modern

Stadt erinnert bis 10. November an den Reformarchitekten
Pößneck Sonderausstellung Tessenow

Werteorientiert und mit einer provozierenden Einfachheit – so könnte man den Architekturstil Heinrich Tessenows (1876–1950) beschreiben. Vom 18. Mai bis 10. November dieses Jahres erinnert die Stadt Pößneck anlässlich von 100 Jahren Bauhaus an den Reformarchitekten. Denn in Pößneck finden sich die umfangreichsten gebauten Zeugnisse Tessenows, der sich insbesondere auch dem Kleinwohnungsbau zuwandte. 

Sonderausstellung im Museum642

Unter dem Titel „Handwerk und Kleinstadt. Architektur der Moderne in Pößneck 1920 bis 1923“ widmet sich eine Sonderausstellung im Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte dem Wirken des Architekten. Pößneck kam dem Ideal der Kleinstadt nahe, in der Tessenow gegenüber dem Dorf und der Großstadt die größte soziale Stabilität, eine solide wirtschaftliche Basis mit dem Anspruch an Kultur und Bildung verbunden sah. Die dokumentarische Ausstellung stellt Personen und Pößnecker Projekte vor und ordnet sie in wichtige Leitlinien des Werks Tessenows ein, wie das Festspielhaus der Gartenstadt Hellerau bei Dresden oder die Umgestaltung der Schinkelschen Neuen Wache in Berlin. Geöffnet hat die Sonderausstellung zu den Museumsöffnungszeiten: Montag, Dienstag, Freitag, Samstag von 11 bis 16 Uhr, Donnerstag von 11 bis 18 Uhr sowie Sonntag von 13 bis 17 Uhr. 

Schauwohnung Tessenow – Wohnkultur um 1920

Für Pößneck sind über 80 Gebäudeentwürfe Heinrich Tessenows vom Beginn der 1920er Jahre überliefert. 75 dieser Gebäude wurden realisiert, 74 davon sind noch vorhanden, verteilt auf drei Siedlungen und verschiedene Einzelbauten. Eines dieser Objekte kann nun temporär als Schauwohnung besichtigt werden: In der Neustädter Straße 101 wird der Besucher in die Wohnkultur um 1920 zurückversetzt. 

Die Entdeckung der originalen, reichhaltig gestalteten und farbintensiven Wandfassungen im Haus im Frühjahr 2017 war eine große Überraschung sowie ein über Thüringen hinaus seltener und neuartiger Befund in einem bescheidenen Wohngebäude aus der Krisenzeit der 1920er Jahre. Das Ausstellungskonzept wurde als Abschlussarbeit an der Fachhochschule für Innenarchitektur in Lugano in der Schweiz geplant. Im Mittelpunkt steht dabei die Vermittlung der restaurierten Wohnung, in der sowohl originale Tessenow-Möbel als auch Möbel-Rekonstruktionen gezeigt werden. Die Schauwohnung kann jeweils Samstag und Sonntag von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Themenroute

Auch nach Ausstellungsende lässt sich Tessenow in Pößneck entdecken. Die Themenroute „Architektur der Moderne – Heinrich Tessenow in Pößneck“ lädt zum eigenen Erkunden ein: Wo haben sich Absichten und Handschrift des Architekten sichtbar erhalten? Wo und in welchem Ausmaß sind nutzungsbedingte Veränderungen deutlich? Und wer lieber mit fachkundiger Begleitung unterwegs sein möchte, dem sei die thematische Stadtführung zu Heinrich Tessenow empfohlen, buchbar über die Stadtinformation Pößneck. 

Abbildung: Schauwohnung Tessenow / Foto: Elia Schneider


250 Jahre Sommerpalais Greiz

Sommerpalais Greiz 250 Jahre

Maison de belle retraite nannte Graf Heinrich XI. Reuß Ä.L. seine bis 1769 errichtete Sommerresidenz im Fürstlich Greizer Park. Nach 150 Jahren in Reußischem Besitz wurde das Sommerpalais im Jahr 1922 zum Museum und beherbergt seither die Fürstliche Bücher- und Kupferstichsammlung und seit 1975 das Satiricum.
Im Jahr 2019 feiert das Museum im Rahmen einer Ausstellung die 250 Jahre währende Geschichte des Palais. Architekturtraktate und architektonische Vorbilder des 18. Jahrhunderts, Pläne zur Entstehung des Palais, Entwürfe, Planzeichnungen, Grundrisse der Stadt Greiz aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie Pläne zur Innenausstattung geben einen Einblick in das Schicksal des Palais. Beleuchtet werden auch die Folgen von Kriegen und Hochwasserereignissen sowie die Sanierung und Restaurierung vom Anfang des 21. Jahrhunderts durch die Eigentümerin, die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Von der Kunst, ein Kunstwerk zu lesen 
Impulsführungen im Sommerpalais Greiz

Jeder kennt Kunst – Doch wie erkennt man ein Kunstwerk? Was zeichnet Kunst aus? Handwerk, Material, Originalität, Seltenheit oder die Ausstellung des Objekts in einem Museum?  Erkenne ich eine Botschaft im Bild? Wie kommuniziert ein Kunstwerk mit dem Betrachter? Leitet der Künstler unseren Blick? Haben Gegenstände im Bild eine Bedeutung? Und wenn ja, welche? Sind die dargestellten Personen real? Sieht und fühlt jeder dasselbe, wenn er ein Kunstwerk betrachtet?  Kurze Impulsführungen sollen den Blick für die oftmals verborgene Bedeutung von Kunst schärfen. Hierzu herzlich eingeladen sind Museumsbesucher und alle Neugierigen, die Kunst für sich neu erleben möchten oder in der Mittagspause den Alltag für einige Minuten gegen eine spannende Entdeckung eintauschen wollen. 

dienstags | 12.30 Uhr | Dauer: ca. 15 min. , ermäßigter Eintritt: 2,– €

9. Juli Die plastische und künstlerische Gestaltung der Repräsentationsräume in der Beletage

16. Juli Fürstliche Wohnkultur des 18. Jahrhunderts – Die Entwicklung und Bedeutung von Mobiliar

23. Juli Von der Orangerie zum Gartensaal – Die Bedeutung der verschiedenen Stuckaturen

30. Juli A la mode – Die neuen Raumfassungen des 19. und 20. Jahrhunderts im Sommerpalais

6. August Frühklassizistische Schlossbauten in Deutschland - Sommerpalais und Wörlitzer Schloss im Vergleich

13. August Von Bombensplittern und nassen Füßen - Katastrophen und ihre Spuren im Palais

20. August Der Vorgängerbau des Sommerpalais - Das erste Sommerschloss im Fürstlich Greizer Park und seine barocke Anlage

27. August - 230 Jahre Liberté, Égalité, Fraternité - Die Rezeption der französischen Revolution in der Sammlung des Sommerpalais

Außerdem:

19. August - 19.30 Uhr Serenadenkonzert der Vogtlandphilharmonie Greiz-Reichenbach: Johann Melchior Molter: Fagottkonzert g-Moll MWV VI-24, Carl Friedrich Abel: Sinfonie G-Dur op. 1,6, Johann Nepomuk Hummel: Konzert F-Dur für Fagott und Orchester Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 7 „Le midi“ // Willi Hirsch / Fagott

30. August - 19 Uhr Benefizkonzert der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Sologeiger Florian Sonnleitner

7. September - 14.00 Uhr Restauriert im alten Glanz - Einblicke in die Sanierung des Sommerpalais von 2005 bis 2011, Führung, Dipl.-Ing. Petra Hinreiner, (Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten)

8. September - Tag des offenen Denkmals - 10.00 Uhr Kuratorenführung durch die Ausstellung

8. September, 15.00 Uhr, Festsaal: O ruf' sie zurücke, die vorigen Zeiten! Eine imaginäre Kulturreise in die Welt um 1769 mit der Schauspielerin Cora Chilcott (Lesung und Gesang) im Rahmen von »Hör-mal im Denkmal«

 


Kristalline Weltraumskulpturen

Neue Ausstellung bringt Graffiti-Skulptur in den FrommannschenSkulpturenGarten der Universität Jena
Frommannscher Skulpturengarten Jena

Der Erfurter Künstler Dr. Molrok alias Michael Ritzmann ist ein prominentes Mitglied der Thüringer Graffiti-Szene. Doch auf Graffitis ist seine Kunst nicht zu beschränken. Dr. Molrok ist bekannt für das Verbinden von zwei- mit dreidimensionalen Objekten. Als einer der ersten Graffiti-Künstler vereint er in seinen Großfassadengestaltungen Malerei und Plastik. Außerdem arbeitet er rein skulptural mit den Materialien Metall und Holz und installiert großformatige Arbeiten in Landschaften und Gärten.

Wie der Weg vom Graffiti zur Gartenskulptur real aussehen kann, ist bis zum 14. Juli 2019 im Frommannschen Anwesen (Fürstengraben 18, 07743 Jena) der Universität Jena zu erleben. Im Rahmen des FrommannschenSkulpturenGartens wird seine ortsbezogene Installation „Kwant-3“ den Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, den Frommannschen Garten neu zu entdecken. Der Ortsbezug ist für Dr. Molrok von grundlegender Bedeutung. Daher hat er für den FrommannschenSkulpturenGarten eine völlig neue Arbeit entworfen. Inspiriert von wissenschaftlichen Experimenten mit Pflanzen und Kristallen im Weltraum, untersucht er den Garten auf seinen sprichwörtlichen Untergrund. Seine spektakuläre Installation ist zwischen Organischem und Anorganischem angesiedelt. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt von Montag bis Freitag zwischen 8 und 20 Uhr zu besichtigen. Zum Rahmenprogramm gehören eine Führung durch die Kuratorin (13.6.), ein Gespräch mit dem Künstler (14.7.) sowie ein Podiumsgespräch über die vielfältigen Tendenzen in der Thüringer Graffiti-Szene (2.7.). Außerdem geben Studierende der Friedrich-Schiller-Universität Jena eine Begleitpublikation heraus.

Der FrommannscheSkulpturenGarten

Der vom Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Jena und dem Jenaer Kunstverein e. V. veranstaltete FrommannscheSkulpturenGarten präsentiert in jährlich wechselnden Ausstellungen zeitgenössische Kunst in einem historischen Umfeld. Das heute durch Universitätsinstitute genutzte Anwesen öffnet sich so einem breiteren Publikum. Bereits um 1800 war das Frommannsche Haus ein offener Raum für Kunst und Diskurs. Diese Tradition wird durch den Skulpturengarten weitergetragen und fruchtbar aktualisiert. Ziel der Schau ist es, den Facettenreichtum zeitgenössischer Skulptur zu vergegenwärtigen.

Künstlergespräch: So, 14.7.2019, 15 Uhr, Frommannsches Anwesen, Fürstengraben 18, 07743 Jena

Podiumsgespräch: Di, 2.7.2019, 19 Uhr, „The Writing on the Wall – Initiativen und Tendenzen der Thüringer Graffiti-Szene“, Jenaer Kunstverein, Markt 16, 07743 Jena

Abbildung: Dr. Molrok vor einem Teil seiner Graffiti-Skulptur, die an verschiedenen Stellen aus dem Boden im Frommannschen Anwesen bricht und erst zur Vernissage am 5. Juni ihren Endzustand erreicht haben wird. (Foto: Anne Günther/FSU)


Frank Kunert zeigt in Greiz: Verkehrte Welt

Ausstellung bis 13. Oktober im Gartensaal des Sommerpalais
Frank Kunert Privatsphäre Greiz Ausstellung Sommerpalais

Frank Kunerts skurrile Bilder und Objekte erzählen von den Abgründen des Lebens. Seine Modelle sind Spiegelbilder unserer Sehnsüchte, Ängste und Nöte. Sie führen uns die Absurdität des Alltäglichen vor Augen: Die grotesken Versuche, unser Leben einzurichten, das Aussterben alter Traditionen, das Scheitern in der kleinteiligen Planung. Dies gelingt über eine unerwartete ironisch-satirische Brechung ins Absurde, bringt aber dennoch Erkenntnisgewinn und regt zum Weiterdenken und zu Diskussionen an. Und wenn die Pointe zündet, darf man auch lachen.

Abbildung: Frank Kunert, Privatspäre


Kindheit im Mittelalter

Sonderausstellung bis 15. September im Museum Tabakspeicher in Nordhausen
Pieter Breughel Ausstellung Nordhausen

Nordhausen (psv) Lange Zeit galt das Mittelalter als weniger kinderfreundlich: Kinder – so die einhellige Meinung - seien wie kleine Erwachsene behandelt worden. Neuere Forschungsergebnisse widerlegen jedoch diese Annahmen. In mittelalterlichen Texten finden sich durchaus Vorstellungen und Ansichten zur Kindererziehung, allerdings waren diese sehr unterschiedlich. Die neue Sonderausstellung im Museum Tabakspeicher beleuchtet viele Aspekte der Kindheit im Mittelalter, vom Umgang mit Säuglingen über den Einsatz von Ammen, die Ausbildung in Familie, Schule und Kloster bis hin zu Spielzeug wie Schaukelpferd und Kreisel. Auch die Lebenswelten der Kinder unterschieden sich stark. Der Nachwuchs der Bauern musste früh bei der harten Feldarbeit mit anpacken, während adlige Jungen zu tapferen Rittern erzogen wurden und adlige Mädchen häufiger gebildeter waren als ihre Brüder. Die Ausstellung beleuchtet viele Aspekte der Kindheit im Mittelalter. Erstaunenswertes ist über den Umgang mit Säuglingen und über den Einsatz von Ammen zu erfahren. Wie wurden Kinder in Familie, Schule und Kloster ausgebildet? Wie hoch war die Kindersterblichkeit und warum gab es Kindstötungen? Was war der Anlass für den Kinderkreuzzug im Jahr 1212? All das und noch vieles mehr zeigt und beantwortet die Schau auf lebendige und eindrückliche Weise. Gezeigt werden einzigartige, originale mittelalterliche Exponate: von Spielzeugen über Geschicklichkeitsspiele, Unterrichtsmittel, Kinderkleidung und Tierfiguren bis hin zu Kreisel und Schaukelpferd, das auch damals schon beliebt war. 

Abbildung: Die Kinderspiele (Ausschnitt), Gemälde von Pieter Bruegel der Ältere, um 1560


Hans-Peter Müller: Geheimnisse der Levitation

Malerei//Zeichnung//Skulptur zu sehen bis 25. Juli in der Galerie Koenitz in Leipzig

Mit unerschöpflich anmutender Fantasie bewegen sich die Figuren des Malers Hans-Peter Müller (geb. 1942 in Leipzig) durch eine von ihm selbst erschaffene, mal zarte, mal kraftvolle Bildwelt. Fremde und bekannte Wesen, okkulte Symbole und surrealistische Elemente zitieren in ungewöhnlichen Formaten die klassischen Motive der christlichen und mythologischen Ikonografie. Müllers altmeisterlicher Stil ist geprägt von seinen Lehrmeistern Harry Blume, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke, bei denen er an der Hochschule für Grafik- und Buchkunst in Leipzig studierte und dort anschließend sein Meisterschüler-Studium bei Bernard Heisig in Berlin absolvierte. Als Maler der 2. Generation der Leipziger Schule arbeitet Müller mit der Formensprache der künstlerischen Strömung, die sich in den 1970er Jahren in Leipzig herausbildete und bis in die 1980er Jahre von unzähligen Stilen geprägt war, entwickelte zudem seine eigene unverkennbare Bildsprache. Durch einen virtuosen Ideenreichtum, eine unerschöpfliche Fülle an wesensfremden und bekannten Gegenständen sowie Liebe zum Detail bekommen Müllers Arbeiten eine magische Wirkung. Die BetrachterInnen spüren den Moment, der im Begriff ist, sich aufzulösen und hören die Sanduhr der Vergänglichkeit förmlich rieseln. Müller ist ein Meister der Trompe-l’œil Technik, der Augentäuschung, welche die BetrachterInnen in seine freien Adaptionen literarischer und mythologischer Welten hineinzieht. Zwischen farbenfrohen manieristischen und surrealistischen Landschaften und nebelhaften Oberflächen erheben sich göttlich anmutende Gestalten und Welten, die an Heldensagen, Märchen und zuletzt auch an die Bilder der US-amerikanischen Fantasy-Serie Game of Thrones erinnern. Die Sehnsucht nach mythologischen Welten kennt keine mediale Begrenzung oder ein menschliches Alter. Wie im Traum erscheinen kollektive Erinnerungen und Erfahrungen auf der Bildoberfläche und dringen ins Bewusstsein ein. Die BetrachterInnen haben die Möglichkeit, sich auf die künstlerischen und persönlichen Spuren des Malers als Schöpfer und Herrscher über sein visuelles Königreich einzulassen, die Bildformeln zu lösen, Symbole zu deuten und die persönlichen Motivationen des Malers zu erraten. Eine Antwort darauf, ob es die Wahrheit ist oder ob es sie gibt, bleibt offen.,

Galerie Koenitz, Dittrichring 16, 04109 Leipzig

www.galerie-koenitz.de

 


Linda Troeller: Apolda - New York

Ausstellung in der Kunstfabrik Apolda
Linda Troeller Ausstellung Kunstfabrik Apolda

Die Ausstellung feiert Troellers zahlreiche Bilder und die persönliche und künstlerische Verbindung der US-Amerikanerin zu Deutschland im Allgemeinen und Thüringen im Speziellen. Im Rahmen einer umfassenden Werkschau baut die Künstlerin eine Brücke zwischen der landschaftlichen Schönheit der Toskana des Ostens mit der Modestadt Apolda, der Wellness- und Spa-Welt sowie ihrer Heimat New York. Im Mittelpunkt stehen dabei Troellers fotografische Dokumentationen der deutschen Bäder und Spas, der Mode, der Landschaft sowie Arbeiten zur Sexualität und ihrem kreativen Leben in New York, wo sie im berühmten Chelsea Hotel wohnte. Außerdem werden Troellers Selbstporträts, zwei eindrucksvolle Installationen über ihr Haus- und Archivfeuer 2016 sowie Werke ihres Projektes „New Water Visions“ Teil der Ausstellung sein.

Linda Troellers Kunstprojekte konzentrieren sich auf persönlichen und sozialen Thematiken. Zwanzig Jahre lang war das Chelsea Hotel in New York ihre Heimat. Ihre Bilder wurden in Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt. Troellers Werk „Erotic Lives of Women“ mit Interviews von Marion Schneider wurde von der New York Times als eines der „mutigsten und einfallsreichsten Bücher des Jahrzehnts“ bezeichnet. 2014 folgte das Buch „Orgasm“, ebenfalls mit Interviews von Marion Schneider, welches in Deutschland 2016 mit dem Titel „Orgasmus“ beim konkursbuch Verlag erschien.

Zu sehen bis 4. August 2019, Öffnungszeiten: samstags und sonntags, 10 – 17 Uhr

Abbildung: Linda Troeller, Bad Sulza


Neue Attraktion auf der Leuchtenburg

34 spektakuläre chinesische Keramik- und Porzellangefäße aus Privatsammlung ab sofort auf der Leuchtenburg zu sehen – ältestes Stück ist 7000 Jahre alt
Leuchtenburg Chinesisches Porzellan

„Was Kevin Costner kann, das kann ich toppen…“, dachte sich der in Rheinland-Pfalz lebende Privatsammler chinesischer Keramiken und Porzellane, Wolfgang Nolting. Inspiriert durch die Schenkung einer wertvollen Ming-Schale durch den Hollywood-Star Kevin Costner, griff der Südpfälzer aus Jockgrim, kurzerhand zum Telefon, sprach mit der Museumsdirektorin und schenkte den Porzellanwelten Leuchtenburg in den vergangenen Jahren nicht weniger als 34 kostbare Gefäße aus seiner Sammlung. Die Stücke sind ab sofort in den Porzellanwelten Leuchtenburg zu bestaunen.

Der Hollywood-Star Kevin Costner hatte der Stiftung Leuchtenburg im Jahr 2014 im Rahmen einer außergewöhnlichen Aktion höchstpersönlich eine kostbare Schale aus der kaiserlichen Ming-Dynastie überreicht. Die spektakuläre Schenkung ging damals breit durch die Medien. Als Nolting davon erfuhr, wusste er, dass auch seine Stücke in den Porzellanwelten gut aufgehoben sein würden und nahm Kontakt mit der Leuchtenburg auf. Überzeugt hatte den Porzellan-Kenner letztlich das besondere Konzept der Porzellanwelten. Museumsdirektorin Dr. Ulrike Kaiser ist hellauf begeistert: „Wir sind außerordentlich glücklich über diesen wertvollen Zuwachs in unserer Porzellansammlung und fühlen uns geehrt, dass wir diese einzigartigen Stücke nun in unserer Ausstellung präsentieren dürfen. Mit den ausgestellten Exponaten können wir der Öffentlichkeit nun erstmals die Gefäßentwicklung im Ursprungsland der Porzellan-Herstellung vor Augen führen.“
Zu den 34 Exponaten zählen absolute Kostbarkeiten, darunter ein sogenanntes „Kendi“ aus dem 16. Jahrhundert. Es stammt aus der Ming-Dynastie und war vermutlich ein Zeremonialgefäß. Ebenso spektakulär: eine über 4000 Jahre alte Schöpfkelle mit Bemalung aus der spätneolithischen Majiyao-Kultur. Das älteste Exponat, eine außergewöhnlich gut erhaltene Amphore aus der Banpo-Kultur, ist 7000 Jahre alt. „Sie ist jetzt das älteste Stück überhaupt in unserer Sammlung“, sagt Ulrike Kaiser voller Stolz.

Die 34 spektakulären chinesischen Porzellan- und Keramikgefäße werden in einem eigenen Ausstellungsbereich präsentiert und sind ab sofort für die Besucherinnen und Besucher in den Porzellanwelten Leuchtenburg zu sehen.  

Zum Foto: Chinesisches Schaumagazin - Direktorin Dr. Ulrike Kaiser platziert die historischen Stücke


Haeckels fantastische Wasserwesen

Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“ im Phyletischen Museum der Universität Jena
Phyletisches Museum Jena

Jena (US/FSU) Anlässlich des 100. Todestages von Ernst Haeckel präsentiert das Phyletische Museum der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“. Bis Ende 2020 werden über 200 lebensechte Medusen-Modelle, Original-Präparate, Fotos, Videos und Zeichnungen von Ernst Haeckel, dem Begründer des Museums, im „Medusensaal“ zu sehen sein.

Im Meeresaquarium mit 200 Ohrenquallen

Abtauchen in eine faszinierende Unterwasserwelt, das können die Besucher des Phyletischen Museums der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Sonderausstellung, die der wohl liebsten Tiergruppe von Ernst Haeckel gewidmet ist: den Medusen – oder auch Quallen. Zu sehen ist unter anderem eine einem Meeresaquarium nachempfundene Vitrine mit rund 200 Ohrenquallen. Allerdings handelt es sich bei diesen nicht um lebende oder präparierte Tiere, sondern um lebensechte Modelle aus Kunstharz. Die dänische Firma „10 Tons“ ist auf naturgetreue zoologische und botanische Modelle sowie paläontologische Rekonstruktionen spezialisiert und hat die Modelle in Kooperation mit Wissenschaftlern des Phyletischen Museums eigens für diese Ausstellung produziert.

Neben dem Ohrenquallenschwarm zeigt die Ausstellung weitere Medusen-Modelle und stellt diese über 100 Jahre alten Glasobjekten der berühmten Glaskünstler Leopold und Rudolf Blaschka gegenüber. Außerdem werden Fotografien und Videos des Meeresbiologen Alexander Semenov zu sehen sein sowie bisher kaum gezeigte Objekte aus der eigenen Sammlung des Phyletischen Museums. „Wir wollen zeigen, was Ernst Haeckel so sehr an den Medusen fasziniert und wie er mit ihnen gearbeitet hat“, erläutert Museumsdirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Martin S. Fischer. Auch die Rolle von Medusen in Ökosystemen werde beleuchtet.

Haeckels künstlerische Auseinandersetzung mit den Medusen

Im Fokus stehe aber nicht nur Haeckels wissenschaftliche Arbeit, sondern auch seine künstlerische Auseinandersetzung mit den Medusen, kündigt Fischer an. So präsentiert die Ausstellung unter anderem ein überlebensgroßes Modell der berühmten Desmonema annasethe. Diese von Haeckel selbst entdeckte und beschriebene Scheibenqualle hat er in seinen „Kunstformen der Natur“ äußerst prachtvoll und vielfarbig dargestellt. Die nach seiner früh verstorbenen ersten Frau benannte Qualle ist inzwischen millionenfach reproduziert und prangt auf Postern und Büchern, ebenso auf Alltagsgegenständen wie Tassen, T-Shirts oder Tapeten. Gezeigt wird das Haeckels Darstellung nachempfundene Modell im direkten Vergleich zum originalen Typusexemplar, das mit dem Haeckelschen Kunstwerk allerdings nur wenig gemein hat.

Und nicht zuletzt wird auch der Ausstellungsraum als Teil der Ausstellung zur Geltung kommen: Denn Haeckel selbst hat bei der Errichtung des Museums die Decke des Raumes mit zehn großformatigen Medusen dekorieren lassen. Einige der stark idealisierten ornamenthaften Exemplare finden sich auch als Modell oder Originalpräparat in einer der Vitrinen wieder. Auf diese Weise vermittelt die Ausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel“ nicht nur Einblick in die faszinierende Unterwasserwelt der Medusen, sondern auch in das Werk Haeckels, in dem sich visionäre Wissenschaft und Kunst auf einzigartige Weise verbinden.

Zu sehen bis 1. November 2020 Phyletisches Museum der Universität Jena, Vor dem Neutor 1, 07743 Jena, Öffnungszeiten: Di bis Fr von 9 bis 13 und 14 bis 17 Uhr; Sa und So von 10 bis 16 Uhr // Eintritt: 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro

Foto: Präparator Bernhard Bock bereitet die Nachbildung einer Fahnenqualle für die Sonderausstellung „10 Tons – Medusen – Ernst Haeckel" vor. (Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

www.phyletisches-museum.de/ausstellung-sonderausstellungen.html


Vom Glauben und Mythos einer Heiligen

Ausstellungen der Museen Schloss Voigtsberg / Oelsnitz/V.
Maria Magdalena Schloss Voigtsberg Museen Oelsnitz

Ihr Leben ist ein Mysterium. Wie bei kaum einer anderen Figur ranken sich zahlreiche Legenden und Mythen um die „Gefährtin Jesu“ und entsprechend polarisiert die Darstellung der Heiligen bis heute: Maria Magdalena. Wird manchmal ihr biblisches Auftreten als „Apostelin der Apostel“ als feministisches Vorbild gedeutet, ist sie auch oft eine Ikone der Hoffnung und Liebe und Symbol für die Kraft der Erlösung und der Liebe Gottes. Andere hingegen sehen in ihr die Jüngerin mit dem verruchten Image, die Sünderin, die „Heilige Hure“, die Jesus die Füße salbte. Wieder andere deuten sie als Geliebte oder Ehefrau Jesu und Mutter seiner Kinder. Genau diese Ambivalenz faszinierte viele Künstler in der Vergangenheit und inspiriert Kunstschaffende noch heute zu immer neuen Darstellungen. In Reminiszenz an das auf Schloß Voigtsberg dauerhaft präsentierte Ölgemälde „Heilige Maria Magdalena mit dem Salbgefäß“ aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. widmen die Museen Schloß Voigtsberg eben jener Heiligen eine eigene Ausstellung. Unter dem Titel „Maria Magdalena – Glaube und
Mythos“ verfolgt die Schau ihre Spuren, beleuchtet die historischen Hintergründe, zeigt die Wandlung in der Darstellung der Heiligen innerhalb der vergangenen Jahrhunderte und schlägt die Brücke bis zur modernen Kunst und Popkultur. So ist neben Lady Gagas opulentem Auftritt als eben jene Maria Magdalena im Musikvideo „Judas“, der Rezeption in dem Song „(I`ll never be) Maria Magdalena“ von Sandra auch moderne Installationskunst aus Litauen, Italien oder Südamerika zu erleben. Der Bereich der zeitgenössischen Kunst wird als eine Art Bestandsaufnahme aktueller Magdalenen-Darstellungen gleich zu Beginn der Ausstellung neben popkulturellen Referenzen an die Heilige – u.a. in Form von Comics, Musiktiteln oder filmischen Werken - präsentiert. Gerade in den aktuellen Interpretationen ist die große Unterschiedlichkeit künstlerischer Positionen zu beobachten, die je nach Interesse des Künstlers einem stärker religiösen, emotionalen, mythischen oder esoterischen Ansatz zuzuordnen ist. Weniger bekannt ist hier etwa auch, dass in einigen erzgebirgischen Städten Maria Magdalena als Heilige der Bergleute verehrt wurde und wird. Ihr Gedenktag wurde bereits vor 1539 sowohl in Freiberg als auch in Schneeberg als Feiertag begangen, ab 1842 wurde dieser Tag offiziell als Streittag begangen - im Gedenken an Maria Magdalena und an die vergangenen Kämpfe der Bergleute für eine
Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. In Freiberg fand zunächst 1908 der letzte Streittag statt, bis 1983 die Fachgruppe Bergbaugeschichte Freiberg die Tradition der Feier des Maria-Magdalenen-Tages wiederbelebte. Deshalb ist ein Exponat der Ausstellung auch die Darstellung von Maria Magdalena in „klassischer“ Haltung mit Salbgefäß – gerade auch in Blickbeziehung zur Darstellung auf dem Gemälde von Lucas Cranach – die in jahrelanger Arbeit entstandene Figur des Holzbildhauers Friedhelm Schelter, die Maria Magdalena als Schutzheilige der Bergleute präsentiert und von der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft e.V. zur Verfügung gestellt wurde. Ein weiterer Bereich der Ausstellung, hier in den historischen Räumen der ehemaligen „Schösserstube“ mit der opulenten Deckenbemalung von 1637 korrespondierend, ist altmeisterlichen Arbeiten vorbehalten. So sind dort Werke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Godfried Schalcken oder Hendrick Goltzius vertreten, während in einem weiteren Teil altmeisterlich inspirierte Arbeiten von Werner Tübke, Michael Triegel oder Siegfried Otto Hüttengrund, der eigens für die Ausstellung ein Gemälde geschaffen hat, zu sehen sind.

Die Sonderschau, die bis 27. Oktober auf der Burganlage zu erleben ist, zeigt dabei vor allem eines: bis heute polarisiert Maria Magdalena wie kaum eine andere biblische Figur. Im Rahmen der Exposition finden Begleitangebote für alle Altersgruppen und öffentliche Veranstaltungen ergänzend statt, Stationen wie die "Puzzlewand", bei der kleine Besucher verschiedene Gemälde mit Magdalenendarstellungen zusammen setzen können, sind erlebnisorientiert konzipiert.


Georg Muche-Ausstellung in Gera

Zu sehen bis 31. Oktober im Haus Schulenburg
Georg Muche Ausstellung Gera Haus Schulenburg

Mehr als 50  Arbeitern des Malers und Grafikers Georg Muche sind auf zwei Etagen zu sehen. Darunter sind großformatige Bilder wie „Herbstblatt“ (Öl auf Leinwand 100,5 x 80,6 cm), „Gespaltener Kern“ (Öl auf Leinwand, 1951) und „Labyrinthische Spur“ (Öl auf Leinwand, 1952, 130 x 211 cm). „Georg Muche – Diaphane Malerei“ ist der Titel der Ausstellung. Neben zahlreichen kleinen und großformatigen Ölgemälden hauptsächlich aus seinen späten Jahren sind unter anderem auch kleinere Collagen aus bunten Plastikfolienstücken oder Bleistift – und Kreidestiftarbeiten zu sehen. Alle Arbeiten haben eins gemeinsam: Sie wurden in dieser Vielfalt an einem Ort noch nie so gezeigt.

Georg Muches „Diaphane Malerei“, die nach dem 2. Weltkrieg entstand, ist geprägt von sich auflösenden Geometrien. Das Leuchten der Farben wird hervorgerufen durch kontrastierende Farbfelder auf weißem Grund. Wie bei der italienischen Freskomalerei, die Muche in den 30er Jahren in Italien studierte, schimmert der weiße Grund durch die übereinandergelegten Farbschichten, die sich zu einer vegetabilen, figürlichen oder szenischen Gegenständlichkeit verdichten. Das Sehen ist nach Georg Muche nicht das Bild der Camera obscura auf der Netzhaut, sondern das, was sich damit in den Hirnspeichern der räumlichen Orientierung, der Farbverarbeitung, unserer Gedanken, Erinnerungen und Gefühle ereignet. Muches unabhängige künstlerische Haltung entfernte ihn zunehmend von der vorherrschenden abstrakten Doktrin der „Moderne“ und wird bis heute von der Kunstwelt nicht ausreichend gewürdigt. Georg Muche erkannte früh seine künstlerischen Fähigkeiten. Bis zu seinem Schulabbruch hatte Muche bereits zahlreiche Öl-Kopien großer Meister wie Rembrandt, van Gogh oder Cézanne hergestellt. Muche ging 1913 zunächst nach München, ein Jahr später nach Berlin und schloss sich dort dem avantgardistischen  Kreis um Herwarth Walden an. Er zeichnete für den „Sturm“. Ab 1916 leitet er die Sturm-Kunstschule und stellte 1916 gemeinsam mit Max Ernst, 1917 mit Paul Klee und 1918 mit Alexander Archipenko aus. Haus Schulenburg zeigt aus dieser Zeit unter anderem ein von Muche gestaltetes Titelblatt des „Sturm“ aus dem Jahr 1917. 1920 folgte Georg Muche dem Ruf von Gropius und ging an das Staatliche Bauhaus nach Weimar. Hier wurde er Formmeister der Werkstatt für Holzbildhauerei und später Formmeister der Weberei. Erst gemeinsam mit Johannes Itten, dann mit László Moholy-Nagy führte er auch Vorkurse am Weimarer und am Dessauer Bauhaus durch. Es war  Georg Muche, der auf der ersten Bauhaus-Ausstellung in Weimar 1923 mit dem Musterhaus „Am Horn“ die Architektur des Bauhauses vertrat und mit dem Stahlhaus von 1926/27 den Architekturdiskurs der 1920er Jahre beeinflusste. Nach seinem Austritt aus dem Bauhaus 1927 unterrichtete Muche an der Kunstschule von Johannes Itten in Berlin. Später lehrte er als Professor für Malerei an der Staatlichen Akademie in Breslau. Nach der Entlassung durch die Nazis verließ er Breslau, ging 1939 nach Krefeld und unterrichtete dort bis 1958 an der Höheren Fachschule für Textilindustrie als Leiter der Meisterklasse. Sein Haus und sein Atelier wurden gegen Ende des 2. Weltkrieges zerbombt, viele seiner Werke leider zerstört. Nach seinem Umzug an den Bodensee arbeitet er als freier Maler, Grafiker und Schriftsteller. 1987 starb der 1895 in Querfurt geborene Muche in Lindau. Ein bemerkenswerter Teil seines Werkes wird im Haus Schulenburg bis Ende Oktober 2019 zu sehen sein. Kuratoren der Ausstellung sind Sabine Tauscher, Doris Weiland und Dr. Volker Kielstein. Haus Schulenburg öffnet montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Von April bis Oktober finden jeden letzten Sonntag im Monat und an Feiertagen von 14 bis 15 Uhr Sonderführungen durch Haus und Ausstellungen statt.

Aktuelle Informationen gibt es ebenfalls auf Facebook, Twitter und Instagram.


OSTER+KOEZLE | raum+störung

Ausstellung im Alten Straßenbahndepot Jena

Das Bauhaus hat weit über die Architektur hinaus gewirkt und ist bis heute ein Thema der künstlerischen Auseinandersetzung. Wie zwei bekannte Künstler das Bauhaus aktuell aufgreifen, zeigt eine neue Ausstellung der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Fotograf SG Koezle und der Maler Willy Oster präsentieren digitale Kunst, die auf Fotografien realer Räume der Bauhausarchitektur basiert. Die etwa 90 Werke umfassende Schau „OSTER+KOEZLE | raum+störung“ wird anlässlich des 100. Bauhaus-Jubiläums bis 28. Juli im Alten Straßenbahndepot Jena gezeigt.

Die künstlerischen Arbeiten von OSTER+KOEZLE gehen von realen Räumen aus, die digital so nachdrücklich verändert werden, dass Betrachter Schwierigkeiten haben, Reales von Addiertem oder Subtrahiertem zu trennen oder auch nur die Perspektive auszumachen. Das Gesehene ist praktisch nicht mehr mit dem Wissen und den Erfahrungen der Betrachter zur Deckung zu bringen.


Uwe Klos zeigt "Naturformen"

Ausstellung bis 4. September in der Pax Bank Erfurt (Herrmannsplatz 4)
Uwe Klos Künstler Thüringen Cossengrün

Uwe Klos präsentiert in seiner Ausstellung Fotogramme von Pflanzen, die im Zyklus "Naturformen" zusammengefasst sind. Schattenbilder, die ohne Kamera und Objektiv entstehen und auf Licht und Aufnahmematerial, die beiden unverzichtbaren Faktoren einer Bildwerdung, setzen. Dabei gestalten die Schatten im besonderen Maße die fotografischen Blätter. Sie sind weiß (oder wenigstens hell), was der originellen Technik des Fotogramms entspricht. Eine spezielle Entwicklungsweise lässt in den Bildräumen Farbigkeiten entstehen, die man von der klassischen Schwarz/weiß-Fotografie nicht erwarten mag. Jedes Bild ist ein Unikat und so einmalig, wie die einzelne aufgenommene Pflanze. Diese bestimmen das Format der Fotografien: Kleine Pflanzen finden sich auf kleinen Blättern, große Pflanzen zeigen sich auf großen Formaten. Der Verzicht digitaler Methoden und die Verwendung lichtempfindlicher Papiere ist für Uwe Klos nicht nur ein Bekenntnis zum Kulturgut Fotografie, er bietet auch Möglichkeiten der Bildentstehungen auf physikalischen und chemischen Wegen, die mit digitalen Verfahren nicht zu erreichen wären. Ein willkommener Rest an Unvorhersehbarkeiten ist stets beteiligt, der diese Bilder, wie auch das Leben, bemerkenswert macht.

Abbildung: Uwe Klos "vielblütiger Salomonsiegel" aus dem Zyklus "Naturformen" 2017 

www.uwe-klos.de


200 Jahre „West-östlicher Divan“

Weimar: Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv zeigt „Poetische Perlen“ und ihre Entstehung

Bis zum 21. Juli ist im Goethe- und Schiller-Archiv die Ausstellung „‚Poetische Perlen‘ aus dem ‚ungeheuren Stoff‘ des Orients“ zu sehen. Zum 200. Geburtstag von Goethes „West-östlichem Divan“ widmet sich die Schau der Entstehung des mit mehr als 200 Gedichten größten Gedichtensembles in Goethes Werk. An 16 Gedicht-Beispielen zeigt die Ausstellung, wie Goethe für die Literatur und Kultur Persiens und Arabiens entbrannte, mit dem persischen Dichters Hafis in poetischen Wettstreit trat, intensive Orient-Studien betrieb, exzerpierte, entwarf und dichtete. Auch zeigt die Ausstellung, wie in das Leben des 65-Jährigen eine halb so alte Frau trat, mit der die zentralen Divan-Motive des „Liebens“ und „Singens“ nicht nur poetische, sondern auch lebensweltliche Realität wurden. Als einzige aller Frauen in Goethes Leben dichtete Marianne von Willemer kongenial „orientalisierend“ mit. 1819 erstmals erschienen, verwirklicht der „West-östliche Divan“ bis heute den kulturübergreifenden Dialog poetisch. In Zeiten, in denen weltweit die Gegensätze und Konflikte befeuert werden, ist der Divan damit ebenso aktuell wie vor 200 Jahren. Anke Bosse, Professorin an der Universität Klagenfurt und Kuratorin der Ausstellung, publiziert und forscht seit den 1980er-Jahren zu Goethes „West-östlichem Divan“, insbesondere zum Nachlass und zu Goethes Schreibprozessen.

„Poetische Perlen“ aus dem „ungeheuren Stoff“ des Orients – 200 Jahre Goethes West-östlicher Divan: bis 21. Juli 2019, Mo – Fr 8.30 – 18 Uhr, Sa – So sowie an Feiertagen 11 – 16 Uhr // Goethe- und Schiller-Archiv | Mittelsaal, Jenaer Straße 1 | 99425 Weimar

Der Eintritt ist frei.


Oskar Schlemmer – Das Bauhaus und der Weg in die Moderne

Gotha, Herzogliches Museum / Sonderausstellung bis 28. Juli in Kooperation mit der Staatsgalerie Stuttgart

Oskar Schlemmer (1888–1943) war einer der vielseitigsten Künstler der Moderne überhaupt. So war er als Maler, Zeichner, Grafiker, Bildhauer, Bühnenbildner, Wandgestalter sowie als Choreograf von Tanzprojekten und Autor tätig. Diese vielen unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen führen immer einen zentralen inhaltlichen Aspekt seines Schaffens vor Augen: Die Vision einer Zukunft, in der der moderne Mensch in Harmonie mit technischen und gesellschaftlichen Neuerungen lebt. Die Kunst sollte hierzu einen entscheidenden Anteil beitragen und gesellschaftliche Wirkung entfalten. Die Fragestellungen Schlemmers, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind und auch andere Künstler der Avantgarde beschäftigten, haben bis heute nicht an Aktualität eingebüßt.

Das Bauhaus-Jubiläum 2019 ist ein Ereignis von internationaler Relevanz, dessen durch zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen in ganz Deutschland gedacht werden wird. Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha nimmt dies zum Anlass, sich mit ihrer Jahreshauptausstellung an dem Gedenkjahr zu beteiligen und einen der wichtigsten Bauhausmeister in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken. Es wird sich dabei um die erste monografische Ausstellung zu Schlemmer in den neuen Bundesländern handeln. Die Ausstellung möchte die Vielfalt der Ausdrucksformen des Künstlers vor Augen führen, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf seinem Schaffen der 20er und 30er Jahre. Hierzu gehören die Zeit am Bauhaus in Weimar und Dessau, die Arbeiten als Wandgestalter sowie die Projekte im Bereich von Bühne und Tanz. Ein zentraler inhaltlicher Aspekt der Kunst Schlemmers ist dabei immer die (Neu-)Verortung des Menschen in einer sich verändernden Gesellschaft – ein Thema, das dem gestressten Individuum von heute in Zeiten von Social Media, Digital Natives und Co. durchaus nicht fremd ist.

Das Herzogliche Museum Gotha lädt ein, 2019 auf Entdeckungsreise zu gehen und in die Kunst- und Gedankenwelt von Oskar Schlemmer und der Bauhaus-Bewegung vor 100 Jahren einzutauchen.

Zu sehen bis 28. Juli 2019