Ausstellungen

Tetsche – saukomisch

Sommerpalais Greiz präsentiert Arbeiten des "stern"-Karikaturisten / Sonderschau bis 16. Oktober
Tetsche Karikaturen Sommerpalais Greiz

Mit der Werkschau eines der bekanntesten bundesdeutschen Cartoonisten, dem 1941 geborenen und heute bei Hamburg lebenden Tetsche, präsentiert das SATIRICUM im Greizer Sommerpalais eine große Sommerausstellung. Mit Unterstützung der Thüringer Staatskanzlei konnten etwa 100 Werke des Künstlers geliehen werden. Gezeigt werden Cartoons aus mehreren Schaffensjahrzehnten, darunter auch originale Entwurfszeichnungen. Hinzu kommen mehrere gegenständliche Bilderrätsel.

Der Künstler hat über etwa vier Jahrzehnte jede Woche im „stern“ einen Cartoon veröffentlicht und so Bekanntheit bei einem breiten Publikum erlangt. Dabei meidet er meist die großen politischen Themen. Sein Feld sind die Mehrdeutigkeit der deutschen Sprache und das Potential von Redewendungen mit übertragener Bedeutung, die der Künstler in seinem Bildfindungen gern auch mal wörtlich nimmt. Tetsche beherrscht meisterhaft die für die Gattung typische Kombination von Text und Bild, deren Zusammenwirken oft eine schlagende Komik entfaltet. Klar strukturierte, aber durchaus mit vielen entdeckungswürdigen Kleinigkeiten ausgestattete Zeichnungen bilden die Grundlage der Pointen, die bei Lektüre der prägnanten Sprechblasentexte geradezu explodieren.

Gäste der Ausstellung haben die Möglichkeit, einen Tetsche-Cartoon selbst zu betexten. Unter den Teilnehmenden werden drei Bücherpakete mit Karikaturbänden verlost. Auch für Kinder wird es während der Sommerferien spezielle Angebote geben.

Abbildung: Tetsche, Crem dich ein


Ausstellungen der Klassik Stiftung Weimar

Ausstellungen der Klassik Stiftung Weimar

NEUSPRÈCH: Kunst widerspricht

Sonderausstellung im Schiller-Museum - Verlängert bis zum 25. September!
15 zeitgenössische Positionen zum Verhältnis zwischen Kunst und Sprache im Dialog mit historischen Objekten aus den Beständen der Klassik Stiftung Weimar

Im Rahmen des Themenjahres 2022 widmet sich die Sonderausstellung im Schiller-Museum der Frage, welchen spezifischen Beitrag die bildende Kunst zum Thema „Sprache“ leisten kann. NEUSPRÉCH: KUNST WIDERSPRICHT ist ein Ausstellungsprojekt der Hamburger Künstler Oliver Ross und Simon Starke. Es schließt an eine Ausstellung an, die 2020 im Zentrum für Künstlerpublikationen, Museum für moderne Kunst Weserburg, in Bremen gezeigt wurde. Für die Klassik Stiftung Weimar wurde das Konzept adaptiert und ergänzt, sodass 15 zeitgenössische Positionen, die Sprache und Schrift im Medium der bildenden Kunst behandeln, in einen Dialog mit historischen Objekten treten.
Freuen Sie sich auf poetologische Performances, Text-Bild-Kombinationen, Wand- und Bodeninstallationen, Videovorträge, Fotografien, Zeichnungen, Raumassemblagen und vieles mehr! Mit Beiträgen von Armin Chodzinski, Hans-Christian Dany, Rüdiger Frauenhoffer, Jan Köchermann, Kyung-Hwa Choi-Ahoi, Peter Lynen, dem Kollektiv reproducts, Gunter Reski, Oliver Ross, Ingrid Scherr, Aleen Solari, Simon Starke, Andrea Tippel, Annette Wehrmann sowie Jan Voss.

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/neusprech/

Cranachs Bilderfluten
Im Renaissancesaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Die Macht der Bilder für Politik und Propaganda, Hass und Hetze, Wahrheit und Wunschträume – heute so aktuell wie vor 500 Jahren.

Gezeigt werden Objekte von internationalem Rang von Lucas Cranach dem Älteren, dem Jüngeren und ihrer Werkstatt, die zu den produktivsten der Kunstgeschichte zählt. Kein Medium, das sie nicht beherrschten, und jedes ist in der Ausstellung vertreten – Gemälde ebenso wie Grafiken, illustrierte Bücher ebenso wie Medaillen – für Cranachs Zeitgenossen alles „Bilder“. Viele tausend Bilder entstanden in der Cranachwerkstatt, mehr als je zuvor durch einen Künstler – eine überwältigende und nie gekannte Bilderflut, die im Kampf um Macht und Glauben Einsatz fanden. Diese Erfahrungen teilen wird auch heute mehr denn je und sie verbindet uns eng mit Cranachs Zeit. Für manche Exponate ist die Ausstellung eine Heimkehr – sie hingen in dem Gebäude schon vor 450 Jahren.

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/cranachs-bilderfluten/

Wieland! Weltgeist in Weimar
Sonderausstellung im Goethe und Schiller-Archiv

Vor 250 Jahren kam der Aufklärer, Schriftsteller und Übersetzer Christoph Martin Wieland nach Weimar. In der Ausstellung werden Handschriften, Bücher, Alltagsobjekte und Grafiken als Zeugen seines interessanten und vielschichtigen Schaffens gezeigt.
Handschriften und Bücher, Gebrauchsgegenstände und Grafiken werden Wielands Werk und Wirken veranschaulichen. Die Pluralität und Dynamik seiner Arbeiten wird auch auf gestalterischer Ebene in der Ausstellung reflektiert. (Abbildung oben: Copyright Klassik Stiftung Weimar)
Zu sehen bis 14. August 

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/wieland/   

Sprachexplosionen - Ein Parcours durch Weimar
Sprachliche Interventionen in den Dichterhäusern, Museen und im Stadtraum

Der Parcours „Sprachexplosionen“ verbindet die kreative Sprengkraft der Literatur um 1800 mit dem Konflikt- und Eruptionspotential öffentlichen Sprechens im 20. und 21. Jahrhundert. Goethe- und Schillerhaus, Museum Neues Weimar, Nietzsche-Archiv und vor allem der Stadtraum werden mit poetischen Wortskulpturen bespielt. Die expressive Gestaltung der in Weimar geborenen und in Berlin lebenden Grafikdesignerin Ariane Spanier stellt zwischen den inhaltlich verschiedenen und an unterschiedlichen Orten aufgestellten Präsentationen eine Verbindung her.
Zu erleben bis 30. September 

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/sprachexplosionen-ein-parcours-durch-weimar/

Nietzsche-Weimar-DDR
Sonderausstellung im Nietzsche-Archiv: Zwei Italiener entdecken den echten Nietzsche
Wie Mazzino Montinari und Giorgio Colli in Weimar Fälschungen aufspürten.

Die Wechselausstellung in der Nordveranda des Nietzsche-Archivs erzählt mit ausgewählten Objekten von dem italienischen Germanisten Mazzino Montinari, der in den 1960er Jahren in Weimar arbeitete. Eigentlich hatte er gemeinsam mit seinem Lehrer Giorgio Colli nur eine Neuübersetzung von Nietzsches Schriften geplant. Doch bald fielen ihnen die umfangreichen Eingriffe und Fälschungen auf, die Elisabeth Förster-Nietzsche und ihre Mitarbeiter am Nietzsche-Archiv vorgenommen hatten. Über mehrere Jahre erarbeiten die beiden Italiener die bis heute gültige wissenschaftlich-kritische Edition von Werk und Nachlass des berühmten Denkers. Ab 1964 publizierten sie die Neuedition in Italien, Frankreich und Westdeutschland.
In der DDR hingegen war Nietzsche als Stichwortgeber der Nationalsozialisten verdächtig. Unter welchen Umständen die Edition dennoch entstehen konnte, belegt das ausgestellte Material. Die Präsentation der Fotos und Dokumente wird von einer Hörstation ergänzt, die über eine exemplarische Fälschung und deren Korrektur informiert.

Diese Ausstellung ist bis 1. November sowie noch einmal vom 21. bis 27. März 2023 zu sehen.

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/nietzsche-weimar-ddr/

Der erste Schriftsteller Deutschlands
Neue Ausstellung im Wielandgut Oßmannstedt ab 3. September

Als Herzogin Anna Amalia einen intellektuellen Gesprächspartner für ihren jugendlichen Sohn Carl August suchte, fiel ihre Wahl auf den damals populärsten Schriftsteller Deutschlands: Christoph Martin Wieland.
Vor 250 Jahren zog der Dichter, Übersetzer und Aufklärer nach Weimar. Hier gründete er unter anderem die Zeitschrift "Der Teutsche Merkur" - und setzte Weimar noch vor die Ankunft Goethes auf die kulturelle Landkarte Deutschlands. - Die neue Dauerausstellung in den historischen Wohnräumen des Gutshauses wird eine Einführung in Wielands Biographie und sein Werk in all seinen Aspekten bieten.

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/der-erste-schriftsteller-deutschlands/

 


In der Häselburg Gera: Angenommen, hier

Foto-Ausstellung von Studierenden der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bis 3. September / Neue Galerie für Zeitgenössische Kunst - Häselburg
Häselburg Gera Ausstellung Fotografien Leipzig

Die Gruppenausstellung "Angenommen, Hier" zeigt Arbeiten von Studierenden der Klasse für Fotografie von Heidi Specker der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Die verschiedenen Positionen eröffnen Möglichkeiten für einen Dialog zwischen individuellen, biografischen Momenten und gesellschaftsrelevanten Themen, ebenso wird in den Arbeiten, Vergangenes und Zukünftiges verhandelt und verknüpft. Geprägt von einer Offenheit und Emphatie erstrecken sich die Arbeiten von der Fotografie kommend über Video, Malerei, Sound bis zu Mixed Media Installationen. Aus welcher Perspektive sprechen wir und wo befinden wir uns? Und in welche Richtung wollen wir uns bewegen?

Wir sehen Alltagssituationen, Rückblenden, bekommen Einblicke in intime Momente. Auch Auseinandersetzungen mit popkulturellen Phänomenen oder zeitgenössischen Technologien, sind Bestandteil der Ausstellung. - Initiiert und kuratiert wird die Ausstellung von Florian Glaubitz, freischaffender Künstler, zwischen Münster (Förderverein Aktuelle Kunst) und Leipzig. Er hat in der Klasse von Heidi Specker studiert und für das Sommersemester 2022 die künstlerische Betreuung der Klasse übernommen. Heidi Specker ist seit 2006 Professorin für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, sie ist ebenfalls als freischaffende Künstlerin tätig.

Zur Ausstellung in der Neuen Galerie für Zeitgenössische Kunst in der Häselburg Gera erscheint eine ausstellungsbegleitende Edition. Mit Rebecca Häfner, Tajana Hub, Leonie Viola Janssen, Josephine Jatzlau, Saeyan Kang, Anna Sophie Knobloch, Maximilian Koppernock, Jana Mila Lippitz, Sophie Meuresch, Harriet Meyer, Roxana Rios, Nathalie Valeska Schüler, Charlotte Walter, Arne Wiedemann, Maleka Wiedemann, Vincent Wolff, Jule Würfel und Hyejeong Yoo

Als Teil der Sommer-Akademie wird die Ausstellung durch einen Workshop mit Josephine Jatzlau und Maximilian Koppernock begleitet. Ergänzend zu den aufkommenden Themen der Ausstellung wird es in dem Workshop um die künstlerische, aber vor allem fotografische Praxis des Sammelns gehen. - Wieso sammeln wir bestimmte Dinge oder Bilder? Was sind Archive und wie bewahren wir sie auf? Der Workshop findet vom 22.-27. August in der Häselburg Gera statt.

Foto: Saeyan Kang


Mädchen, Mütter, Musen … von der Bibel zum Phantastischen Realismus

Sommer-Ausstellung im Otto Mueller Museum der Moderne in Schmalkalden
Otto Mueller Museum Schmalkalden

Das OMMM mit seinem wunderschönen Fachwerkgebäude am Altmarkt in Schmalkalden überrascht auch 2022 mit einer Sommer-Ausstellung des Besonderen. Waren es vor einigen Monaten im- und expressionistische Blumenstillleben, so sind es dieses Jahr Mädchen- und Frauen-Darstellungen.
Die Besucher erwartet bis 24. September ein Kaleidoskop der verschiedensten Kunstwerke als Radierungen, Lithographien, Zeichnungen, Pastelle und Gemälde von rund 50 Künstler*innen aus mehreren Jahrhunderten; unter anderem sind im OMMM Werke zu sehen, welche noch nie in Thüringen ausgestellt waren. So als Beispiel „Mutter & Tochter bei der Weizenernte“ von Martin Frost (Abbildung).
Die Chronologie des Themas umfasst das alte Rom Kaiser Hadrians, die Zeit Leonardo da Vincis und Albrecht Dürers, es sind Arbeiten der so bezeichneten „Deutschrömer“, von Adolph von Menzel, von Käthe Kollwitz, von Im- und Expressionisten und von Frauen und Männern mit einer Schlesischen und Breslauer Geschichte zu sehen.
Diese abwechslungsreiche Huldigung der möglicherweise besseren Hälfte der Menschheit vereint Künstler jüdischer Konfession, Maler mit einer „militaristischen“ Vita, Künstler, deren „entartete“ Bilder man geächtet und verbrannt hat oder von denen es durch die Kriege kaum noch Gemälde gibt sowie malerische „Freigeister“ und „Phantasten“.
Neben allen neun Blättern der so betitelten „Zigeunermappe“ aus einer selbst Experten kaum bekannten Sonderedition sowie weiteren Arbeiten von Otto Mueller, als Namensgeber des Museums in Schmalkalden, findet man in der diesjährigen Ausstellung mehrere seiner Weggefährten, Freunde und Bekannten mit ihren Mädchen- und Frauenbildern.

Möchten Sie wissen, wessen Muse den Vornamen Elisabeth hatte, wer oder was Andy Warhol und David Hockney inspirierte und warum Pablo Picasso im Frühjahr 1925 in Monte Carlo war? Kommen Sie nach Schmalkalden, hier erfahren Sie mehr darüber; einige der ausgestellten Werke können sogar gekauft werden. - Auf Grund einiger unglaublich fein ausgearbeiteter Graphikarbeiten und ein paar kleinerer Kunstwerke ist es evtl. überlegenswert, die Lesebrille beim Museumsbesuch nicht zu vergessen.

Vorschau:

Vom 1. Oktober bis in den Dezember hinein kann man sich die Ausstellung „Szenen aus dem bürgerlichen Heldenleben“ mit Lithographien von George Grosz und mit Zeichnungen von Dieter Groß im OMMM anschauen.

Mehr dazu und zu den Öffnungszeiten gibt es über  www.om-museum.de

 


Neue Wahrheiten? Kleine Wunder!

Kunstsammlung Jena präsentiert bis 31. Oktober: Die frühen Jahre der Fotografie - Sammlung H.G.

In der Ausstellung „Neue Wahrheit? Kleine Wunder!“ zeigen wir eine private Sammlung von Fotografien, die uns zu den Ursprüngen dieser Technik führt … oder besser: entführt. Die Sammlung ist sehr umfangreich und in ihrer Dichte geradezu grundlegend. Das Besondere ist aber nicht nur deren Qualität und Fülle, sondern auch die Vielfalt der Objekte. Ausgestellt sind nicht nur Fotografien, sondern auch die frühen Apparaturen, Versuchsaufbauten, Drucke und Literatur, ja sogar die heftig geführten Debatten in der zeitgenössischen Presse begleiten die Auswahl der Objekte.
 
„Welch eine wunderbare göttliche Erfindung, die Daguerre gemacht hat! Ich sage Ihnen, man könnte den Verstand verlieren, wenn man so ein von der Natur gewissermaßen selbst geschaffenes Bild sieht.“
Der Berliner Kunsthändler Louis Sachs am 26. September 1839 in Paris
 
Es war jener magische Moment einer internationalen Erfolgsgeschichte, als der bekannte Maler Louis Mandé Daguerres am 19. August 1839 in Paris offiziell seine Erfindung vorführen ließ. Zum ersten Mal wurden der staunenden Öffentlichkeit fotografische Bilder präsentiert. Das Geheimnis ihrer Entstehung, über das bereits seit einigen Monaten in ganz Europa rege Gerüchte kursierten, wurde nun endlich gelüftet. Nach ihrem Erfinder „Daguerreotypien“ benannt, gaben die kleinformatigen Aufnahmen auf versilberten Kupferplatten die Natur in einer beispiellosen Detailtreue wieder. Die ersten Fotografien offenbarten eine neue Wahrheit und erschienen dem verblüfften Publikum als kleine Wunder.
 
Die Ausstellung in der Kunstsammlung Jena erzählt mit über 250 Exponaten aus einer Privatsammlung von der Frühzeit des neuen Mediums. Die Erfindung der Fotografie hatte eine nachdrückliche Erweiterung der Sichtachse bewirkt, eine Umwälzung der gesamten, sich vorher lange kaum verändernden Bildmedien, die bis in die heutige Zeit des rasanten Bildkonsums fortwirkt. Ab Daguerres Erfindung standen Bilder nicht mehr nur einer privilegierten Schicht zur Verfügung, sondern wurden nach und nach zum Massenprodukt und zum untrennbaren Teil der Alltagskultur.


ILLUSION - Kunst trifft Natur via Augmented Reality

Bis 4. September, SPIEGEL|ARCHE in Rastenberg
Spiegelarche

Die Gruppenausstellung «Illusion» zeigt Kunstwerke via Augmented Reality (AR). Das Thema reflektiert das neue digitale Medium und unsere Klimadiskussion im freien Umfeld der SPIEGEL|ARCHE.

Die Ausstellung verbindet Digitalisierung, Klimawandel und künstlerische Freiheit. Die Freiheit der Kunst ist unantastbar, jedoch ist sie als elektronische Erscheinung vom Strom und Internet abhängig. Die Widersprüche des digitalen Seins reflektieren dabei unsere eigene Abhängigkeiten. Mit der Gruppenausstellung «Illusion» zeigen wir Künstler:innen, die sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigen. So unterschiedlich ihr Ansatz dabei ist, vereint sie alle das Medium mit dem sie arbeiten: Augmented Reality (AR). Alle AR Werke sind aktuelle Produktionen und werden hier zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt

Die Besucher:innen sind in dieser Ausstellung nicht nur aufmerksame Beobachter, sondern aktive Teilnehmer, die mit ihren Handys und Handlungen die Werke erst in Erscheinung bringen. Die SPIEGEL|ARCHE erweitert die Illusion mit ihrer Projektionsfläche, indem sie die reale Natur und Tierwelt einbezieht und selber Teil der virtuellen Kunstwerke wird.

Künstler:innenliste:
A/A, Mike Bouchet, Anne Duk Hee Jordan, Mélodie Mousset & Marta Stražičić, Dennis Rudolph, Benedikt Terwiel 

SPIEGEL|ARCHE Hinter den Kirschgärten 2, 99636 Rastenberg
www.spiegelarche.de

Zum Foto: An einem Ort der Stille in Rastenberg-Roldisleben steht die SPIEGELARCHE.
Mitten auf dem Feld zwei übereinander gestapelte verspiegelte Container. Dieser begehbare architektonische Raum öffnet sich den Menschen fünf Jahre lang für Kunstausstellungen und Installationen, interaktive soziale Projekte, Vorträge, Lesungen, Workshops und Konzerte. Themenschwerpunkte sind Region, Heimat, Ökologie, Natur, Digitalisierung und die Zukunft. Ziel ist das gemeinschaftliche Erleben eines Ortes, der für Offenheit, Toleranz und Neugierde steht. (Foto: Kerstin Pfeiffer)


Poppig „Zurück nach Zeitz“

Die farbenfrohe Welt des Thomas Swims: 5. September 2022 bis 13. Januar 2023, Gewandhausgalerie
Thomas Swims

Es ist diese farbenfrohe Unbekümmerheit, die aus seinen Bildern strahlt. Was immer sie zeigen, ob Motive aus Halle oder Berlin, Thomas Swims Bilder strahlen vor Leichtigkeit. Dabei zeigt sich der Wahlberliner selbst keineswegs nur unbekümmert beim Blick auf diese Welt von heute. Was er malt sieht er als Gegenpol zu Bedrohung, Verrohung und Verfall. Schaut her, die Welt ist schön, liebt sie und genießt das Leben ist die Botschaft seiner Bilder. Die sind demnächst auch in Zeitz zu sehen.
Thomas Swims kommt mit seinen Bildern „zurück nach Zeitz“. Als Thomas Sagefka war er 2013-2016 Pressesprecher der Stadt Zeitz und Referent des Oberbürgermeisters. Von seinem Talent zum Malen wusste er damals noch nichts. Inzwischen veröffentlicht, verkauft, für gute Zwecke verschenkt und versteigert er seine Bilder unter dem Künstlernamen Thomas Swims.

„Ich wusste nie, dass ich ein Talent für das Malen habe. Es ist die größte, bereicherndste Leidenschaft, die ich je in meinem Leben hatte.“

Überall dort, wo er gerade lebt oder gelebt hat findet er seine Motive – in Berlin, in Mitteldeutschland und Halle, wo er 1982 geboren ist, am Bergwitzer See, wo er gerne campt und dann also Zeitzer Motive, aus seiner Zeit als Presseprecher. Für die Ausstellung in Zeitz gab es einen konkreten Anlass. Thomas Swims dazu: „Die Idee für eine Ausstellung in Zeitz kam insbesondere durch den schlechten Artikel über die Stadt in der Süddeutschen Zeitung von Sophie Kobel.“ Das habe ihn gewurmt, denn Zeitz findet er noch immer schön. Das will er nun mit seinen Motiven aus der Elsterstadt zeigen.

Seine Bilder malt er mit Acryl  + Multimarker auf Leinwand. Beigebracht hat er sich alles selbst in vielen Stunden des Ausprobierens. Stilistisch inspirieren lässt er sich gerne von seinen Vorbildern Lyonel Feininger,  Thierry Noir, Jim Avignon, William Turner und Romero Britto („nur seine Bilder, nicht seine Nähe zu Bolsonaro!,“ bemerkt Swims). Wer seine Aktivitäten in den Sozialen Medien verfolgt wird erstaunt sein. Denn das Malen als seine Passion betreibt er dennoch neben seinem Vollzeitjob im Bereich Marketing für einen Bundesverband.
Erstaunlich für die kurze Zeit, die er malt, wo die Bilder des mit seinem Ehemann in Berlin lebenden Thomas Swims überall schon hängen: Halle, Berlin (auch in René Kochs Lippenstiftmuseum und in Judy Winters Wohnung), Potsdam, Erfurt, Leipzig, Frankfurt, Zeitz, New Jersey (USA), Mallorca, Schweiz. Hier in Berlin, wo der Technofan in eben dieser Szene gerne das Leben feiert, engagiert er sich mit seiner Kunst für die Berliner Aidshilfe und Rave The Planet, der Neuauflage der Loveparade. Thomas Swims liebt das Leben. Mit seinen Bildern will er Positives bewirken, das Auge erfreuen.

Foto Credits: Thomas Swims

https://zeitzonline.de/news/poppig-zurueck-nach-zeitz/


Des Pudels Kern

Museum Gunzenhauser (Chemnitz) zeigt Illustrationen von 1900 bis heute

»Das also war des Pudels Kern!« ruft Goethes Faust erstaunt, als sich das Tier in Mephisto verwandelt. Noch heute wird dieser Ausdruck verwendet, um auf das Wesentliche oder den Kern einer Sache hinzuweisen. Auch der Illustration liegt die Eigenschaft des Sichtbarmachens, Zuspitzens und Kommentierens zugrunde. In der Sammlung von Dr. Alfred Gunzenhauser befinden sich zahlreiche, bisher noch nie gezeigte Grafiken, die nach literarischen Vorlagen, Gedichten, Erzählungen und Märchen entstanden sind. Erstmalig werden sie bis zum 4. September in einer besonderen Bestandsausstellung zu sehen sein, die neben dem eigenen Bestand auch zeitgenössische Arbeiten präsentiert.
Den Schwerpunkt bilden Werke von Marcus Behmer (1879–1958). Der kurzsichtige Perfektionist ist auch als Meister des kleinen Formates bekannt. Als Autodidakt publiziert er seine ersten Werke in der Zeitschrift Jugend, arbeitet anschließend als Zeichner und Radierer beim Simplicissimus und gehört schließlich zu den wichtigsten Illustratoren im Insel Verlag. Neben Arbeiten zu Honoré de Balzacs Das Mädchen mit den Goldaugen und Voltaires Zadig präsentiert die Ausstellung eine der bedeutendsten Mappen Behmers: Radierungen zu Philipp Otto Runges Von dem Fischer un syner Frau.
Daneben werden Illustrationen von Behmers engem Freund Karl Walser (1877–1943) zu Georg Büchners Leonce und Lena präsentiert, Max Slevogts (1868–1932) Illustrationen zum Lederstrumpf aus den Kunstsammlungen am Theater-platz und Karl Hubbuchs (1891–1979) Mappe mit den fast surrealistisch anmuten-den Radierungen zu Goethes Faust aus den 1920er Jahren.
Die generationsübergreifende Faszination für die Märchen der Brüder Grimm ver-deutlichen Illustrationen von Marcus Behmer, Herta Günther (1934–2018) und David Hockney (*1937), der nicht nur alle 220 Märchen selbst gelesen hat, sondern in seinem Zyklus Six Fairy Tales from the Brothers Grimm pointiert und hu-morvoll ausgewählte Szenen festhält.
Darüber hinaus werden in der Ausstellung und in Auseinandersetzung mit Werken der Sammlung Arbeiten der Klasse für Illustration von Prof. Thomas Matthaeus Müller (*1966) und Katja Schwalenberg (*1976) der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig präsentiert.

Kuratorinnenführung: Mittwoch, 24. August, 18:30 Uhr
Im Gespräch: Mittwoch, 31. August, 18:30 Uhr: Das Bild der Native Americans


Museum im Oberen Schloss Greiz erinnert an seinen Bauherren

Sonderausstellung: Heinrich XI. – Graf, Bauherr & Fürst - zum 300. Geburtstag / Zu sehen bis 11. September
Museum im Oberen Schloss Greiz

Die Thüringische Residenzlandschaft ist auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe.
Ein zentraler Punkt für diese Bewerbung ist der kulturelle Pluralismus, der die Thüringische Residenzlandschaft prägte. Dies wird bis zum heutigen Zeitpunkt durch Architektur und Gartenkunst, Bibliotheken und Kunstsammlungen, Theater und Musik erlebbar.
Die Residenzschlösser in Greiz – das Obere Schloss und das Untere Schloss mit seinen Museen – verdeutlichen dies im besonderen Maße. Deshalb sind die beiden Greizer Residenzschlösser neben sieben weiteren Residenzen für die äußerst wichtige UNESCO-Welterbe-Bewerbung von Thüringen ausgewählt worden.
Die neue Sonderausstellung im Oberen Schloss Greiz bildet einen korrespondierenden Schritt auf dem gemeinsamen Weg zu diesem großen Ziel.
 
Heinrich XI. Reuss Aelterer Linie (1722-1800) prägte das Erscheinungsbild der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt Greiz als einzigartiges Beispiel kleinstaatlicher Residenzarchitektur wie kein anderer Landesherr.
Greiz verdankt ihm und seinem Repräsentationsbedürfnis barocke und klassizistische Einzeldenkmäler. Seine Begeisterung für architektonische Neugestaltungen haben sich im Oberen Schloss mit dem Back- und Waschhaus (erb. 1743), der Kanzlei (erb. 1745), dem Schanzengarten mit Pavillon (erb. 1751), der Orangerie (erb. 1757) sowie der Gestaltung der prachtvollen Räumlichkeiten des heutigen Museums im Oberen Schloss verewigt.
Andere Bauten, wie das Reithaus (erb. 1752), die Eremitage, das Tafelhäuschen, die Pfirsichblütenallee und eine Vielzahl von Blumen- und Orangengärten mussten schon im 19. Jahrhundert sowie in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts den sich verändernden Prioritäten weichen und gerieten zunehmend in Vergessenheit.
Die Sonderausstellung im Museum im Oberen Schloss schließt nahtlos an die Dauerausstellung in den Repräsentationsräumen des 18. Jahrhunderts an und  thematisiert in den historischen Räumlichkeiten der Schlosskirche, der Fürstenloge und des Fürstensaals  vorrangig die Bautätigkeit des Grafen und Fürsten an seiner Residenz – dem Oberen Schloss.
Die authentischen Räumlichkeiten des 18. Jahrhunderts bilden einen angemessenen Ausstellungsrahmen. Intensive Forschungen und Recherchen offenbaren neue Erkenntnisse zum Alltagsleben sowie zur Funktionalität einzelner Gebäude des Oberen Schlosses. Die Ausstellung vermittelt auch eine Idee von der Gestaltung und Größe der Fürstlichen  Parkanlagen, die zum Oberen Schloss gehörten.

Heinrich XI. verewigte sich auch mit der Errichtung des Sommerpalais (erb. 1768/69), der Neugestaltung des Obergreizer Lustgartens sowie der Errichtung der Rotunde (erb. 1787) für die japanische Porzellansammlung seiner Gemahlin.
Dies wird auch in der Sonderausstellung im Oberen Schloss dokumentiert, denn im 18. Jahrhundert ist das Fürstliche Residenzschloss (heute Oberes Schloss) nur im Gesamtzusammenhang mit dem damaligen Obergreizer Lustgarten (heute Fürstlich Greizer Park) sowie dem Sommerpalais als Gesamtensemble zu verstehen.
Eine weiterführende Sonderausstellung „La belle retraite et la belle vie“ im  Sommerpalais Greiz thematisiert die Interessen sowie die Alltagswelt des Grafen und Fürsten in dem authentischen, architektonisch einzigartigen Kontext der imposanten Nebenresidenz.
Die Zusammenarbeit der beiden Museen im Rahmen des 300. Geburtstages des ersten Fürsten Reuss Aelterer Linie ermöglicht den Besuchern einen tiefen Eindruck zum Leben und Wirken des Jubilars in und an seiner Residenz im 18. Jahrhundert.


Porzellandesign - Piet Stockmans 2022/1999

Ausstellung im Haus Schulenburg in Gera
Gera Haus Schulenburg Austellung Piet Stockmans

Zartes, fast transparentes Porzellan in elegantem schlichtem Weiß, royalem Blau oder im Zusammenspiel von Beidem: Der Belgier Piet Stockmans präsentiert im Haus Schulenburg bis zum 15. Oktober Industrie- und Studiodesign sowie Porzellaninstallationen. - Angewandte Kunst trifft auf freie Kunst. Es ist die Faszination des Schnörkellosen, der Eleganz und der Ästhetik, es sind die Effekte des Porzellans, die Besucher staunen lassen. Die Bandbreite der Arbeiten des Ausnahmekünstlers reicht von Gebrauchsporzellan, über Porzellan für den gehobenen Standard bis hin zu Kunstobjekten.

Piet Stockmans „trifft“ Henry van de Velde

Zum Ausklang des 19. Jahrhunderts vertrat der Architekt und Designer Henry van de Velde ähnliche Vorstellungen wie Piet Stockmans heute und entwarf Gebrauchsgegenstände, die durch Funktionalität und Schönheit bestachen. Beide Künstler verbindet die Überzeugung von der Gleichwertigkeit und Einheit von freier und angewandter Kunst. Sie „treffen“ nun an einem Ort aufeinander, der passender nicht sein könnte: Haus Schulenburg Gera, denn vor mehr als 100 Jahren entwarf Henry van de Velde das Anwesen Haus Schulenburg in seiner Gesamtheit von Wohnhaus, Nebengebäude und Gartenanlage sowie allen Einrichtungsgegenständen. Es gilt als sein reifstes Werk an der Schwelle zum „Neuen Bauen“ in Deutschland.
Bereits 1999, im Rahmen des europäischen Kulturjahres, stellte Piet Stockmans im Haus Schulenburg aus. Das ist 23 Jahre her und die Rekonstruktion stand am Anfang. Die unfertigen, fast verfallenen Räume gaben der Ausstellung einen besonderen Reiz. Die originalgetreue Rekonstruktion des Gebäudekomplexes und Gartenanlage ist inzwischen abgeschlossen, was der aktuelle Ausstellung eine andere Wirkung verleiht.
Piet Stockmanns Kunst ist in den Galerien und Museen weltweit zu Hause. Seine Arbeiten sind unter anderem in London und New York zu sehen. Er arbeitete für niederländische und belgische Labels, unter anderem für Roayal Mosa. 1987 gründete er in Genk (Belgien) sein eigenes Studio. 1996 erhielt er für seine Karriere als Porzellandesigner den Henry-van-de-Velde-Preis.
In Mitteldeutschland war Piet Stockmans für „Weimar Porzellan“ in Blankenhain und für die Hochschule für Gestaltung Burg Giebichenstein tätig. In der Thüringer Manufaktur Reichenbach wird aktuell nach seinen Entwürfen produziert.

Zu sehen bis 15. Oktober, Mo-Fr 10-17 Uhr, Sa/So und an Feiertagen 14-17 Uhr

Foto: Studioporzellan aus der Ausstellung „Piet Stockmans 2022/1999“ im Haus Schulenburg, Musiksalon (Foto: Beate Arndt)

www.haus-schulenburg-gera.de


„Gezähmte Eilende“ – Die Weiße Elster und ihr Tal zwischen Greiz und Bad Köstritz

Sonderausstellung im Museum für Naturkunde Gera vom 19. August 2022 bis 16. Juli 2023
Museum für Naturkunde Gera
Museum für Naturkunde Gera Eisvogel

Aus Anlass der Kür der Weißen Elster zur Flusslandschaft des Jahres 2020-2023 präsentiert das Museum für Naturkunde die Weiße Elster und ihr Tal zwischen Greiz und Bad Köstritz in einer Ausstellung ab 19. August 2022. Die Besucher und Besucherinnen der Ausstellung können die abwechslungsreiche Landschaft im Tal der Weißen Elster anhand von aktuellen Landschaftsaufnahmen verschiedener Fotografen zu allen Jahreszeiten erleben. So ist ein Blick ins Tal von den Felsklippen des Hüttchenberges genauso möglich, wie auch die Vogelperspektive auf die Weiße Elster in Bad Köstritz.

Die Weiße Elster hat ihren Ursprung südöstlich der tschechischen Stadt „Aš“, wo sie den Namen „Bílý Halštrov“ trägt. Der Name „Weiße Elster“ leitet sich möglicherweise vom slawischen Wort „Alstrawa“ ab, was in etwa „die Eilende“ bedeutet. Setzte man an der Quelle ein Papierboot ins Wasser, träte es eine 257 km lange Reise an, die in der Tschechei startet und dann auf deutscher Seite durch die Bundesländer Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und erneut durch Sachsen führt. Schließlich würde es dann zurück in Sachsen-Anhalt bei Halle in die Saale fließen, die wiederum die Elbe speist, um letztendlich bei Hamburg in die Nordsee zu münden. Zwischen Greiz und Bad Köstritz in Thüringen befinden sich Teile des Ober- und Mittellaufs der Weißen Elster. Der Oberlauf erstreckt sich durch das sächsisch-thüringische Schiefergebirge bis Wünschendorf. Hier fließt die Weiße Elster vergleichsweise schnell und gräbt sich dadurch tief in die Landschaft. Als Konsequenz entstehen die für den Oberlauf typischen Schluchten und Kerbtäler. Ein solches Kerbtal ist das Elstertal zwischen Greiz und Wünschendorf. Der Mittellauf der Weißen Elster führt von Wünschendorf durch das Platten- und Hügelland der Saale-Elster-Buntsandsteintafel bis Zeitz (Sachsen-Anhalt). Im Vergleich zum Oberlauf hat sich die Fließgeschwindigkeit durch das abnehmende Gefälle schon deutlich verlangsamt.

Trotz zahlreicher ökologischer Probleme bieten die Weiße Elster und ihr Tal Lebensräume für viele Pflanzen und Tiere an Land und im Wasser. Insbesondere die nachgewiesenen Fisch- und Vogelarten des Gebietes werden umfangreich vorgestellt. In einer Panoramavitrine können mehr als 100 Vogelarten als Präparat besichtigt werden. Besonders auffällig unter ihnen ist der Eisvogel (Alcedo atthis), das „blaue Juwel“ im Tal der Weißen Elster. Auch der Kormoran (Phalacrocorax carbo) ist im Tal der Weißen Elster präsent. Der geschickte Taucher mit grünen Augen kann zwischen Greiz und Bad Köstritz mehr oder weniger ganzjährig beobachtet werden. Je kälter der Winter in Norddeutschland und anderen nördlichen Gebieten Europas ist, desto mehr Tiere kommen als Überwinterungsgäste in mildere Regionen wie das Tal der Weißen Elster.

Einst war die Weiße Elster vor allem in ihrem Oberlauf als „Perlfluss“ bekannt. Gemeint sind die Perlen der legendären Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera), deren Vorkommen in der Weißen Elster bis in den Wünschendorfer Raum reichten. Bereits im frühen 20. Jahrhundert sind jedoch die letzten Restbestände dieser Süßwassermuschel in der Weißen Elster verschwunden. In ganz Thüringen gilt die Art aktuell als verschollen. Echte Schalen und Perlen der Flussperlmuschel und vor allem auch ein Schmuckstück, das eine Perle aus der Weißen Elster enthält, können in der Ausstellung betrachtet werden. - Während die Flussperlmuschel verschwunden ist, haben sich andere Tier- und Pflanzenarten durch den menschlichen Einfluss mehr oder weniger neu im Tal der Weißen Elster angesiedelt.

Auch eine Auswahl wertvoller und typischer Lebensräume kommt in der Schau nicht zu kurz. Ergänzend dazu werden im Höhler des Museums wertvolle Funde von Mineralien und Fossilien aus dem Tal der Weißen Elster zwischen Greiz und Bad Köstritz ausgestellt. Der heute stillgelegte Steinbruch „Kuhbergbruch“ in Neumühle / Elster hat über viele Jahre prächtige Bergkristalle und Antimonminerale geliefert. Natürlich darf bei diesem Thema das Gold aus der Weißen Elster und ihren Zuflüssen nicht fehlen.

Großes Foto: Die Weiße Elster im Frühling im Bereich der Hüttchenberge südlich von Wünschendorf (Foto: Erwan Yudiar Darussalam)

Kleines Foto: Eisvogel (Alcedo atthis) mit erbeutetem Kleinfisch am Erlbach (linker Zufluss der Weißen Elster) - Foto: Silvio Heidler


Vom Jammertal ins Paradies – Sterben, Tod und Trauer am Altenburger Hof

Jahressonderausstellung im Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg
Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg

In einer hochrangigen Sonderausstellung präsentiert das Schloss- und Spielkartenmuseum seinen einzigartigen Schatz an authentischen Zeitzeugnissen zu Tod und Trauer in der herzoglichen Familie von Sachsen-Altenburg. Es ist das erste Mal, dass die kostbaren und fragilen Objekte, die sonst kaum gezeigt werden können, zusammen ausgestellt werden. Mit dabei sind Leihgaben aus zahlreichen Museen aus ganz Deutschland.

Zu den aufwändigsten und zugleich herausragendsten Ereignissen im neuzeitlichen Fürstentum zählten die Begräbnisse von Mitgliedern der Herrschaftsfamilie. Neben Hochzeiten und Taufen bot sich mit ihnen doch eine eindrucksvolle Möglichkeit der Selbstdarstellung. Ohnehin bestimmte das Wissen um die Endlichkeit des Lebens und die Vorbereitung auf den Tod oftmals den Lebensalltag der Herrschenden. Von diesem Bewusstsein um den Tod als Teil des Lebens geben noch heute zahlreiche Zeugnisse wie Gemälde, Textilien, Münzen oder Gedenkblätter Auskunft. Sie gelten zugleich als Beweis für den Versuch, eine persönliche Erinnerungskultur weit über den Tod hinaus für die Nachwelt zu schaffen.

Die Ausstellung „Vom Jammertal ins Paradies – Sterben, Tod und Trauer am Altenburger Hof“ vereint eine Vielzahl solcher Exponate und zeichnet damit ein umfängliches Bild von den intimen Momenten rund um den Tod in der früheren herzoglichen Familie von Sachsen-Altenburg nach. Mit Leihgaben aus ganz Deutschland – darunter aus Dresden, Freising, Kassel und Weimar – präsentiert das Schloss- und Spielkartenmuseum eine in dieser Fülle noch nie realisierte Ausstellung zu dem Thema.

Eines der zentralen Themen innerhalb der Ausstellung werden die früheren Prozessionen durch Altenburg sein. Sie führten einst vom Rathaus durch die Stadt hinauf zum Residenzschloss. Auf Gemälden, die diese Ereignisse zum Mittelpunkt haben, können die Besucherinnen und Besucher der Schau noch heute den strengen protokollarischen Ablauf nachvollziehen. Die Exponate zählen noch heute zu den eindrucksvollsten Zeugnissen rund um den Ritus damaliger Trauerfeierlichkeiten.

Damit eng verbunden ist auch die Geschichte verschiedener Personen rund um das Herzogtum. Die Ausstellung stellt die verwandtschaftlichen Verflechtungen der Familienmitglieder rund um die ältere herzogliche Linie miteinander in Verbindung, auch setzt sie sich mit ihrer dramatischen Geschichte auseinander, die zum Erlöschen der Linie geführt haben. Innerhalb der Ausstellung bieten u. a. mehrere Kupferstiche, Gemälde und ein Epitaph aus der Schlosskirche Einblicke in den Niedergang des Hauses Sachsen-Altenburg, der mit dem frühen Tod des letzten Herzogs Friedrich Wilhelm III. (1657–1672) besiegelt wurde. Auf einer Replik des Sarges von Erbprinz Christian werden originale Stickereien präsentiert. Mit dem Fokus auf die letzten Jahre der älteren herzoglichen Linie wird ein bedeutendes Kapitel der Familiengeschichte behandelt.

Dem schließt sich in der Ausstellung die Auseinandersetzung mit dem Totengedenken um den Kurfürst Johann Georg I. und seiner Frau Magdalena Sybille an. Sie sind auf zwei Totenbildnissen in der Ausstellung zu sehen. Mit einer großen Auswahl an Sterbemünzen wird vor allem zum Abschluss des Ausstellungsrundganges das Augenmerk auf den letzten Herzog des Hauses Sachsen-Altenburg, Friedrich Wilhelm III., gelegt. Ergänzt wird die Ausstellung im Schloss- und Spielkartenmuseum durch zahlreiche Memento-mori-Objekte und Accessoires rund um das Gedenken der Hinterbliebenen an die Verstorbenen. 


Gera – eine Stadt verändert sich

Stadtmuseum zeigt bis 23. Oktober Fotografien von Hans-Joachim Hirsch 1967-2021
Gera Greizer Straße Fotografien Hans-Joachim Hirsch

Mehr als ein halbes Jahrhundert dokumentieren die Arbeiten des Geraer Fotografen Hans-Joachim Hirsch die Entwicklungen und Veränderungen seiner Heimatstadt. - Hans-Joachim Hirsch ist ein kritischer Beobachter seiner Zeit. Seitengassen, bröckelnde Fassaden, ein Autowrack am Straßenrand – seine Motive sind nicht allein die bekannten, stadtbildprägenden Bauten sondern auch das scheinbar Nebensächliche, Vergessene. Damit entsprachen seine Arbeiten nur selten dem in der DDR gewünschten Bild des sozialistischen Alltags. Manche seiner Bilder wirken unfreiwillig komisch, ja geradezu grotesk. Ein mit Sperrmüll beladenes Pferdefuhrwerk etwa, welches ausgerechnet vor der Losung „Alles für unseren sozialistischen Friedensstaat“ hält. Oder das Konsument-Kaufhaus auf der Sorge, das trotz verhangener Fenster stolz verkündet „Wir ehren Marx durch unsere Tat“.

Auf die Bilder seiner Schaffensperiode zurückblickend, drängt sich ein Vergleich von historischen Aufnahmen mit den heutigen Situationen förmlich auf. Hans-Joachim Hirsch hat zahlreiche Punkte, an denen seine Arbeiten vor Jahrzehnten entstanden sind, erneut aufgesucht und fotografiert. Erstaunt, wehmütig oder amüsiert steht der Betrachter vor den Ergebnissen. Vieles hat sich verändert, vieles ist besser geworden. Manches Moderne und Genormte wirkt jedoch steril und gesichtslos. Es ist daher nicht allein der Reiz des Vergleichs zwischen Gestern und Heute – die Fotografien von Hans-Joachim Hirsch stellen Fragen: Übertreiben wir es vielleicht mit unserem Bestreben, das Leben und unser Umfeld perfekt zu gestalten? Nimmt uns ein Zuviel an Regeln und Vorschriften bereits wieder ein Stück Lebensfreude?

Insgesamt rund 120 Werke geben einen beeindruckenden Einblick in das Schaffen des Fotografen und zugleich in eine bewegte Epoche der Stadtgeschichte.

Abbildung: Greizer Straße 1974


Begegnung mit Street-Art-Superstar

The Mystery of Banksy – A Genius Mind zu sehen bis 4. September im Kunstkraftwerk Leipzig
Erfurt Banksy Ausstellung

Eine Ausstellung wie diese auf die Beine zu stellen ist kein leichtes Unterfangen. Dieser Herausforderung stellte sich der bekannte Passauer Musical-Produzent und Ausstellungsmacher Oliver Forster (COFO Entertainment). „Wir wollen Kunst zum Erlebnis machen, für jedermann sichtbar und an einem Ort zusammengebracht. Banksy ist in erster Linie ein Straßenkünstler, der für seine Graffitis bekannt ist, die er auf der ganzen Welt verteilt hat. Daneben hat er ziemlich früh angefangen, immer wieder original signierte Kunstwerke und Drucke in limitierter Auflage zu verkaufen. Die meisten davon befinden sich in Privatbesitz und sind somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Einen Original-Banksy bestaunen zu können ist also eine absolute Seltenheit. Wir versuchen nun, mit ‚The Mystery of Banksy – A Genius Mind‘ anhand originalgetreuer Reproduktionen die besten und eindrucksvollsten Motive an nur einem Ort und in einer lockeren Atmosphäre abseits des Museumsbetriebs, aber trotzdem mit hohem Qualitätsanspruch erlebbar zu machen“, so Produzent Oliver Forster.

Diese außergewöhnliche Kunsterfahrung wird kuratiert von Virginia Jean. Die junge aus England stammende und in Berlin lebende Kuratorin und Galeristin ist eine vielseitige Gestalterin und unabänderliche Kreative. Nach ihrer langjährigen Arbeit im klassischen Kunstmarkt kreierte sie zahlreiche Projekte und Ausstellungen im Bereich der Street-Art. Banksy war aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Leidenschaft für Kreativität und freie Kunst als Kommunikationsmittel seit jeher ein großer Einfluss und eine Inspiration in ihrem Leben. Sie ist eine Expertin seiner Werke und Fachfrau der Street-Art Branche.

„Banksy spricht mit seinen Schöpfungen signifikante Wahrheiten und Probleme in unserer Welt an, vor welchen wir nur allzu gerne die Augen verschließen. Ein Banksy-Werk berührt jeden und ist an jeden gerichtet, ob derjenige es will oder nicht. Genau deshalb ist es mir persönlich so wichtig, Banksys Werke auszustellen, sie der Welt zugänglich zu machen und zu zelebrieren. Banksy schreibt mit seiner Kunst Geschichte – die Geschichte, die für uns gerade Realität ist. Die Ausstellung ist ein Muss für jeden, der sich gerne mit Kunst, Politik, allgemeinem Weltgeschehen und vor allem sich selbst auseinandersetzt und einen Sinn für bitter-süße Ironie hat“, so die Kreativ-Direktorin der Ausstellung.

Tickets: unter www.mystery-banksy.com, bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und an der Tageskasse 

Foto (c)COFO Entertainment


Im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Schmuck + Image. Das Grassi schmückt / Kairos. Margit Jäschke. Schmuck Objekt Installation
GRASSI Museum Leipzig Schmuck Ausstellung

Die Ausstellung SCHMUCK + IMAGE vereint rund 300 Schmuckarbeiten von etwa 180 internationalen Schmuckgestalterinnen und Künstlern. Basis dieser Schau ist die museumseigene Sammlung. Im Fokus stehen ausschließlich Schmuckstücke, die ab 1945 in die Sammlungen des Museums kamen. Die Präsentation folgt sowohl internationalen Entwicklungen mit ihren vielfältigen Positionen als auch einer sammlungsspezifischen Geschichte, die insbesondere ostdeutsche Züge trägt. Zu sehen bis 25. September

Foto: Brosche aus der Serie FREUNDE, Otto Künzli, München, 1997, Messing, Lack, Farbe (Foto Hans Hansen, VG Bildkunst)

Rund 180 Schmuckstücke sowie 30 Objekte der Künstlerin Margit Jäschke (*1962) werden in der Schau KAIROS. MARGIT JÄSCHKE. SCHMUCK  OBJEKT  INSTALLATIONEN gezeigt. Die Hallenser Schmuckkünstlerin bezeichnet sich selbst als Wanderin zwischen den Kunstwelten. Jenseits der üblichen Grenzen von Installation, Malerei, Skulptur und Schmuckkunst hat sie ein sehr eigenständiges Werk geschaffen. Dabei verwischt sie absichtlich den Unterschied zwischen tragbarem Schmuckstück und autonomem Kunstwerk. Die Ausstellung stellt das facettenreiche und vielfach preisgekrönte Œuvre von Margit Jäschke aus den vergangenen dreißig Jahren vor. Zu sehen bis 25. September


Brot, Bier und Wein – Esskultur von der Antike bis heute

Pößneck: Sonderausstellung im Museum642 bis 13. November

Von Athen über Rom nach Pößneck – wie speisten die Menschen in früheren Zeiten? Welches Geschirr kam auf den Tisch? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die neue Sonderausstellung im Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte. Antike Originale aus der Sammlung des Lehrstuhls für Klassische Archäologie der Universität Jena, Objekte aus dem Bestand des Museum642 und Stücke aus der aktuellen Kollektion der Marke "Triptis Porzellan" aus der Eschenbach Porzellangroup geben einen Einblick in die Tischkultur im Verlauf der Jahrhunderte.

Im Rahmen der neuen Sonderausstellung sind weitere interessante Veranstaltungen geplant. Am Samstag, 25. Juni, und Sonntag, 15. Juli, gibt jeweils ab 15 Uhr eine Sonderführung unter dem Titel „Von gefüllten Haselmäusen und gegrillten Flamingozungen“ einen Einblick in die Esskultur der griechischen und römischen Antike. Am Sonntag, dem 9. Oktober findet außerdem die Kostüm-Führung „Zu Tisch in Rom“ statt. Das Museum642 bietet auf Anfrage auch Führungen für Schulklassen passend zum Thema Antikes Griechenland und Römisches Reich an (Kontakt: Tel. 03647 504769 oder 4493088, E-Mail museum@poessneck.de).

Geöffnet Mo, Di, Fr und Sa 11-16 Uhr, Do 11-18 Uhr und So 13-17 Uhr


Max Pechstein als Fotograf

Ausstellung „Seegewohnheiten. Max Pechstein: Fotografie“ bis 11. September in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU

Die Ausstellung zeigt eine neue Facette von Max Pechstein (1881-1955): Erstmals wird eine breite Auswahl von ihm aufgenommener Fotografien in direkten Bezug zu seinen Werken aus dem Früh- bis Spätwerk gesetzt – darunter originale Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken. Dieser Dialog, gegliedert in verschiedene Themenbereiche, vergrößert die Geschichte des Einzelwerkes und ermöglicht einen neuen Blick auf das Gesamtschaffen des Künstlers. Im Aufeinandertreffen von Fotografien und illustrierten Briefen Max Pechsteins als eine weitere authentische Quelle, die Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt vor Ort gewähren, soll darüber hinaus eine erste Datierung der kleinformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen ermöglicht werden.

Bekannt wird Max Pechstein als Mitglied der 1905 in Dresden gegründeten Künstlergruppe »Brücke« durch seine farbintensiven Darstellungen von Mensch und Natur. Auf der Suche nach Ursprünglichkeit bereist er die Welt und lernt dabei das einfache Leben der Küstenbewohner kennen und schätzen. Anfang der 1920er-Jahre wird die Region um Leba in Hinterpommern schnell zur zweiten Heimat für den gebürtigen Zwickauer. Seine Streifzüge durch das von ihm beschriebene »blaue Ländchen« führen ihn im Sommer 1927 nach Rowe, einem kleinen Dorf etwa 30 Kilometer entfernt von Leba. Die moderne Welt scheint bis hierher noch nicht vorgedrungen zu sein. Er erschließt sich mit Faszination wie Begeisterung die Motive, die ihm Land und Leute bieten und verarbeitet die ihm vertrauten Gewohnheiten der Fischer und Bauern mit dem Pinsel, dem Stift, der Feder, dem Grabstichel, der Radiernadel – und mit seiner 6x9-Klappkamera für Rollfilm.

In einem vom Künstler selbst erstellten Album haben sich knapp 300 kleinformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen erhalten. Schnappschüsse wechseln sich ab mit Inszenierungen, Motive finden sich in serieller Folge. Das grafische Element ist dabei immer ein Faktor, sei es der sich ergebende Effekt von Licht und Schatten aus dem Schwarz-Weiß-Kontrast heraus, die Anordnung des Fotografierten oder die Wahl des Ausschnittes selbst. Das Motiv muss nicht nur vor der Linse der Kamera bestehen, sondern unbedingt vor den Augen des Künstlers.

Die Kamera ermöglicht Pechstein einen neuen Weg der Rezeption seiner gewählten Alltagswirklichkeit, fern der Leinwand oder des Papiers. So zieht er mit seiner Kamera los, wohlwissend um die begrenzte Anzahl der möglichen Aufnahmen, und schärft seinen Blick, auch wenn Unschärfe oftmals das Resultat ist. Sie passiert versehentlich oder wird bei den vor Ort entstehenden Fotografien von bewegtem Geschehen in Kauf genommen. Die Verbundenheit zu dem, was Pechstein die Kamera fotografieren lässt, ist spürbar.

Seegewohnheiten: Das sind mehr als 70 Fotografien und 35 Werke von Max Pechstein, die zusammen mit dem originalen Fotoalbum, die Besucher erwartet, der dabei entdecken kann, dass der Künstler nicht selten seine eigenen Aufnahmen als direkte Vorlagen für Arbeiten auf Papier oder Leinwand nutzte. - Eine eigens für die Ausstellung produzierte immersive Klanginstallation des multimedialen Künstlers, Komponisten und Sound Designers Max Schneider (*1974) zielt auf die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. „25 Summers at the Sea“ begreift sich dabei als akustische, zeitgenössische Intervention zum Werk Max Pechsteins und dessen regelmäßiger Sommeraufenthalte an der Küste.

Die Besucher der Ausstellung werden von einer Mehrkanal-Klanginstallation „umspült”, abstrakte sowie dreidimensionale Klangaufnahmen verweben sich zu einer Komposition, die Besucher und Raum in die Welt von Max Pechstein während seinen Sommereisen eintauchen lässt. Zusätzlich sind die Besucher eingeladen, Hörstücke auf Kopfhörern zu genießen. Gestaltet von Studierenden des Radio Art Lab der Hochschule für Grafik und Buchkunst, nehmen diese Bezug auf  Pechsteins Werk und Leben.

Zu sehen bis bis 11. September

 


MILDNERs Kleinplastiken. Tiere und Porträts

Zu sehen bis 11. September / Schloss Friedenstein Gotha, Ausstellungshalle

Wimpelkarpfen, Udo Lindenberg und der schlafende Wüstenfuchs sind schon in Position. Die tönernen Figuren sind Teil der Ausstellung „MILDNERs Kleinplastiken. Tiere und Porträts“. Insgesamt 180 Modelle und Skulpturen bevölkern bis zum 11. September 2022 die Ausstellungshalle von Schloss Friedenstein. Geschaffen hat sie der zoologische Präparator der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha Peter Mildner. Anlässlich seines 60. Geburtstages widmet die Stiftung seiner Sammlung nun eine Ausstellung, die zugleich die über 40-jährige Zugehörigkeit Mildners zum Team des Friedensteins feiert.

Stiftungsdirektor Dr. Tobias Pfeifer-Helke würdigt den langjährigen Mitarbeiter: „Seit 44 Jahren ist Peter Mildner zoologischer Präparator auf dem Friedenstein, seine Arbeiten sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Ausstellungen. Doch die Schau ‚MILDNERs Kleinplastiken. Tiere und Porträts‘ zeigt, dass die Tätigkeitsbezeichnung viel zu kurz greift und sich bei ihm Beruf und Freizeit nicht trennen lassen. Peter Mildners unermüdlicher Schaffensdrang beschränkt sich nicht auf die Anfertigung von Tierpräparaten in seiner Werkstatt, sondern scheint jede einzelne Minute seines Tages zu durchdringen.“

„Pitti“, wie Mildner von den meisten genannt wird, arbeitet seit 1978 als Tierpräparator für die Sammlungen auf Schloss Friedenstein in Gotha. Über die Jahre schuf er viele Präparate, Modelle und Illustrationen für Ausstellungen und ist somit eine feste Größe in den Ausstellungsräumen von Schloss Friedenstein. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Präparator sind im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Plastiken von Tieren sowie Porträtköpfe und -medaillen entstanden, die nun in „MILDNERs Kleinplastiken“ gezeigt werden. Seine Werke formt Mildner vornehmlich in Ton. Dabei kommen ihm seine profunden Kenntnisse der Physiologie vieler Tiere zugute.

Zu seinen Skulpturen beliebter Tierarten wie Eisbären, Großkatzen, Marder oder Eulen gesellen sich auch in der Plastik weniger übliche Tierarten wie etwa Ameisenbären, Beuteltiere oder manche Aquarienfische. Peter Mildners Arbeiten faszinieren durch die Synthese von Einfachheit und Präzision. Es gelingt ihm, die wesentlichen Charakterzüge – ob beim Tier oder Menschen – präzise zu erfassen und körperhaft umzusetzen. Sein Ziel ist, die besondere Erscheinungsform des Tieres – meist in Ruhehaltung, immer aber arttypisch – abzubilden oder ein gut erkennbares Porträt zu schaffen.


Sehnsuchtsziel Italien: Der Maler Ernst Welker

Ausstellung im Museum Burg Posterstein bis 13. November
Ernst Welker Malerei Burg Posterstein

Die Ausstellung stellt den Maler Ernst Welker (1784–1857) vor, der als Zeichenlehrer der Enkeltöchter der Herzogin von Kurland auch in deren Löbichauer Schloss weilte. Dort portraitierte er die Salongäste als Fabelwesen und malte Szenen aus dem Löbichaer Salonleben. Welkers Reisen führten ihn durch Deutschland, Österreich und Italien. Der Besucher kann an Hand von Aquarellen und Zeichnungen Ernst Welkers eintauchen in die Kulturgeschichte der Zeit.

Wilhelmine von Sagan, die älteste Tochter der Herzogin von Kurland verpflichtete 1816 in Wien den Maler Ernst Welker als Erzieher und Zeichenlehrer für ihre damals 15-jährige Pflegetochter Emilie (von Binzer). In dieser Funktion weilte der Maler in den Jahren 1819 und 1820 in Löbichau und durfte die anwesenden Gäste zeichnen.
Ernst Welker war spezialisiert auf Aquarellzeichnungen von Landschaften und Architektur in der Gegend von Wien, Salzburg, der Steiermark, Kärnten, der Schweiz und Italien. 1818 reiste er zusammen mit den Malern Johann Christian Erhard, Johann Adam Klein und den Brüdern Friedrich Philipp Reinhold und Heinrich Reinhold nach Salzburg und Berchtesgaden, wovon zahlreiche Grafiken und Zeichnungen zeugen. Von 1821 bis 1828 weilte er überwiegend in Rom, reiste aber auch im Gefolge Wilhelmine von Sagans bis Neapel und kehrte schließlich nach Wien zurück. Seine Arbeiten wurden dort bis 1850 ausgestellt.

Ein gleichnamiges Buch begleitet die Ausstellung. Die Buchvorstellung findet im September statt.

Abbildung: Ernst Welker, Blick auf den Petersdom in Rom


Mit leuchtenden Farben

Im Kunsthaus Apolda trifft ab 25. September die französische Avantgarde auf Meister des japanischen Holzschnitts
Japanischer Holzschnitt Kunsthaus Apolda

Von Wolfgang Leißling   Eine Augenfreude ist angesagt in der neuen Ausstellung im Kunsthaus zu Apolda ab 25. September. Hier begegnen sich Paul Cezanne, Edgar Degas und Henri Matisse mit Meistern der japanischen Holzschneidekunst wie Hokusai und Hiroshige und Utamaro. Es sind Meisterwerken aus der Berliner Privatsammlung des Otto Scharf-Gerstenberg (1848-1935).

Die aus rund 80 Exponaten bestehende Schau will aufzeigen, welchen Einfluss die japanischen Holzschnitte auf die französische Avantgarde hatten. Die aus der Kollektion eines einstigen Versicherungsmanagers gegenübergestellten Werke bezeugen, wie japanische Motive, Farben und Bildräume westliche Künstler nachhaltig beeinflussten. Dies wurde möglich mit dem sich wirtschaftlich öffnenden Japan im Jahre 1854. Man rieb sich damals in Europa die Augen, als die ersten japanischen Kunstwerke, Antiquitäten sowie exotisches Kunsthandwerk etwa nach Frankreich, die Niederlande und Österreich kamen. Schon zur Pariser Weltausstellung von 1867 war Japan mit einem eigenen Stand vertreten.  Die öffentlichkeitswirksam gepriesene neue Ästhetik avancierte schnell zu einer stilistischen Mode, dem Japonismus im 19. und 20. Jahrhundert.

Auch Cezanne (1839-1906) ließ sich begeistern von den flächigen zweidimensionalen Kompositionen und den überraschenden Bildausschnitten. Von ihm zu sehen ist „Les baigneurs, grande planche / Die Badenden“, eine Lithographie in Schwarz, vom Künstler mit Aquarell handkoloriert. Henri Matisse (1869-1954) wiederum ist mit „Nue assise de dos / Sitzender Rückenakt“, einer Lithographie auf Japanpapier vertreten. Während von Edgar Degas (1834-1917) „La sortie du bain, petite planmche / Beim verlasen des Bades“, eine Lithographie von Monotypie, Stift, Tusche und Schabtechnik gezeigt wird.

Man vermag aus heutiger Sicht nur zu ahnen, wie beispielsweise Katsushika Hokusais (1760-1849) 36 Ansichten des Fuji aus den Jahren 1829-33 auf die Betrachter gewirkt haben. Dem höchsten Berg Japans widmete sich der Maler zu unterschiedlichen Witterungen und aus verschiedenen Standpunkten.

In der Ausstellung sorgen gerade auch die fernöstlichen Farbholzschnitte von Utagawa Hiroshige, Kitagawa Utamaro und all der anderen Schöpfer solch inspirierender Kunstwerke für eine Sehfreude der besondere Art. Angesagt ist ein berührender Dialog zwischen europäischer Kunst und fernöstlichen Kulturen. Gelegenheit dazu ist bis zum 18. Dezember in dieser Sonderausstellung. Wir sind eingeladen, herausragende Bildwerke zu genießen.

Abbildung: ©Scharf-Collection


Andrzej Steinbach. Tanz die Maschine

Zu sehen bis 16. Oktober / Museum Gunzenhauser (Chemnitz)

In welchem Beziehungsverhältnis stehen Mensch, Arbeit und Maschine? Welche Bedeutungszuschreibungen erfahren Gegenstände, wenn sie nicht mehr den ursprünglichen Gebrauchswert erfüllen? Die Ausstellung Andrzej Steinbach. Tanz die Maschine im Museum Gunzenhauser widmet sich diesen Fragen aus verschiedenen Perspektiven. Zu sehen sind Bild-, Portraitserien und Videoarbeiten des 1983 in Czarnków (Polen) geborenen und in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz aufgewachsenen Fotografen, Medien- und Objektkünstlers Andrzej Steinbach. Dabei werden unabhängig voneinander entstandene Arbeiten in der Präsentation erstmals zusammengeführt und in Beziehung zur industriekulturellen Vergangenheit der Stadt Chemnitz gesetzt. So inszeniert Steinbach etwa historische Rundstrickmaschinen, die als Leihgaben aus dem benachtbarten Sächsischen Indust-riemuseum kommen, zu neuen medienübergreifenden konzeptuellen Arbeiten. Die Rundstrickmaschinen stehen dabei exemplarisch für die textilindustrielle Vergangenheit vor Ort. In der Ausstellung, in einem den Maschinen ursprünglich fremden Kontext, erfahren sie als eigenständige Objekte einen neue Bedeutungszuschreibung. Durch Lichtinstallationen scheinen die Maschinen zu tanzen und mit der Umgebung zu interagieren. Neben den spezifisch, für Chemnitz geschaffenen Werken, ist auch die zum ersten Mal öffentlich ausgestellte Fotografieserie disassembling a typewriter zu sehen. 14 Abbildungen zeigen eine in ihre einzelnen Bestandtteile zerlegte mechanische Schreibmaschine. Durch die dokumentarfotografisch anmutende Bildästhetik und Komposition erinnert die Arbeit an ein Herbarium. Die Bildserie schlüpft in die Rolle einer wissenschaftlichen Archivarbeit. Sie wirkt wie eine künstlerische Reminiszenz an vergangene technische Schreibgeräte, die für die Nachwelt konserviert werden. Die Videoarbeit untitled (three hundred nails) führt die aufgeworfene Thematik der dekonstruierten Maschine weiter. So zeigt die Arbeit dreihundert verbogene Nägel, die in schneller Abfolge für wenige Sekunden vor die Kamera gehalten werden.
Die Ausstellung eröffnet auf diese Weise neue künstlerische Sichtweisen auf materielle Kulturerzeugnisse, also von Gesellschaften hergestellte, verwendete oder konsumierte Gengenstände und bezieht dabei im Speziellen das industriekulturelle Erbe der Stadt Chemnitz mit ein.
Andrzej Steinbach studierte an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB). Seine Arbeiten wurden unter anderem vom Museum of Modern Art (MoMa) in New York und von der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland angekauft und ausgestellt.

Künstlergespräch mit Andrzej Steinbach: Mittwoch, 28.9.2022, 18:30 Uhr

Kuratorenführung: Mittwoch, 5.10.2022, 18:30 Uhr

kunstsammlungen-chemnitz.de
Öffnungszeiten: Di, Do–So, Feiertag 11–18 Uhr, Mi 14–21 Uhr
Führungen: info.kunstsammlungen@stadt-chemnitz.de


Glanzstücke der Ilmenauer Porzellanfabrik von 1871 bis 1971

GoetheStadtMuseum Ilmenau

Das GoetheStadtMuseum Ilmenau zeigt in seiner neuen Sonderausstellung eine Auswahl repräsentativer Porzellane der Ilmenauer Porzellanfabrik von Gründung der Aktiengesellschaft unter Hermann Stürcke im Jahr 1871 bis zur Entstehung des Neuwerkes zu Beginn der 1970er Jahre. Zu sehen sind Kaffee-, Mokka-, Tee- und Speiseservice von bedeutenden Modelleuren und Formgestaltern wie Max Renner, Robert Richter, Karl Kemedinger, Werner Winkler und Ilse Decho, die für die Ilmenauer Porzellanfabrik „Graf von Henneberg“ entworfen wurden und die zum Großteil als großzügige Schenkungen erst vor kurzem in die Museumssammlung gelangten. Das Museum hat von Dienstag bis Freitag von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet.

Nähere Infos https://www.ilmenau.de/de/freizeit/museen-und-kulturstaetten/goethestadtmuseum/sonderausstellung/