Ausstellungen

Ein Totentanz und Bräuteglanz

Ausstellung zum 80. Geburtstag von Lutz Gode im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt
Lutz Gode Ausstellung Erfurt

Zum 80. Geburtstag von Lutz Gode widmet ihm das Kultur: Haus Dacheröden eine eigene Ausstellung. Zu sehen sind eine Auswahl der jüngeren Werke des Erfurters, der mit den Jahren zu seiner ganz eigenen Bildsprache zwischen Porträt, Bildzitat, Figurenbild und abstrakter Malerei gefunden hat. Davon künden großformatige Malereien, kleinere Grafiken und Papierplastiken vor. Sie alle zeugen von der „gödischen“ Arbeitsweise, in denen neben verschiedene Mal- und Zeichentechniken als diverse Materialien frei gemischt werden. Stück für Stück werden die Bilder vollendet, und wo gerade noch der Bleistift zum Einsatz kam, geht es mit Aquarellfarben und kalligraphischen Elementen weiter.
In der Ausstellung „Ein Totentanz und Bräuteglanz“ in den Galerien des Hauses am Anger sind vorrangig Werke dieser Mischtechnik zu sehen. Dabei zeigt sich Godes Fokus auf Menschen und ihre Körper, die er teils realistisch porträtiert, teils in deformierten Posen darstellt. Ihm ist die Aura seines Gegenübers besonders wichtig, der er nachspürt und die er mit seinen Mitteln auf die Leinwand bringt.
Lutz Gode wurde 1940 im oberschlesischen Beuthen geboren und studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden Wandmalerei. Nach seinem Abschluss kam er 1966 nach Erfurt an die Pädagogische Hochschule, wo er fast 40 Jahre bis zur Neugründung der Universität Erfurt als Kunsterzieher arbeitete. Auf dem Campus in der Nordhäuser Straße sind noch immer Werke von ihm zu entdecken. Seine Bilder und Plastiken entstehen in seiner Wohnung im Süden Erfurts, wo er auch seine vielen Werke aufbewahrt.
Die Ausstellung ist vom 25. September bis zum 24. Oktober von Dienstag bis Freitag von 12 Uhr bis 17 Uhr und an den Samstagen von 10 Uhr bis 15 Uhr zu sehen.
Der Eintritt ist frei.

Abbildung: Auszug aus „Totentanz und Bräuteglanz“ des Erfurter Künstlers Lutz Gode.

Außerdem zeigt die Saale Galerie in Saalfeld bis zum 14. November 2020:
LUTZ GODE - Malerei / Grafik / Skulptur - 80 Werke für 80 Jahre


Anders – Ästhetik der Differenz

Ausstellung in der Neuen Galerie für zeitgenössische Kunst - Häselburg Gera - verlängert bis 30. Oktober
Häselburg Gera Ausstellung Anders - Ästhetik der Differenz
Häselburg (Gera): Anders – Ästhetik der Differenz

In der Neuen Galerie für Zeitgenössische Kunst in der Häselburg Gera steht das Programm der Galerie dieses Jahr ganz im Zeichen des „Anders-Seins“. Es wurde von Dr. Claudia Tittel konzipiert und beleuchtet die Formenvielfalt der menschlichen Existenz und ihre Kategorisierung durch normative Blicke. Als Kurator der Ausstellung Anders – Ästhetik der Differenz konnte der in Bremen lebende Kunstwissenschaftler Dr. Alejandro Perdomo Daniels gewonnen werden. Die Ausstellung präsentiert eine fokussierte Auswahl sowohl regionaler wie überregionaler Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem Themenspektrum des Andersseins beschäftigen oder darüber reflektieren. Der Schwerpunkt liegt somit nicht auf der Bestimmung der typologischen Merkmale, die die visuelle Kunst in der Gegenwart aufweist, sondern darauf, die Besonderheit einer Thematik greifbar zu machen. Eine Thematik, deren Bedeutung im Kontext der kulturpolitischen Auseinandersetzungen der Zeit immer dringender erscheint. Diese Hürde nehmend, erörtern elf eingeladene Positionen die Besonderheiten, Komplexitäten und Widersprüche des Andersseins. Es sind Arts of the Working Class (Kollektiv: Berlin), Anna Baranowski (Leipzig), Benedikt Braun (Weimar), Gino Dambrowski (Gera), Luisa Eugeni (Perugia), Gustavo Lacerda (São Paulo), Susann Maria Hempel (Greiz), Rana Matloub (Erfurt), Claudia Rößger (Leipzig), Tejal Shah (Mumbai), Oskar Zaumseil (Greiz).

Veranstaltungshinweis: Installation des Klangdoms im Rahmen des Heinrich Schütz Musikfestes vom 5. bis 15. November 2020 - Weitere Infos auf: https://ngfzk-gera.de

 


erhalten erleben erinnern

„Industriearchitektur in Sachsen“ in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum bis 15. November 2020 zu sehen
Bertram Kober BOOM Sächsische Landesausstellung Max Pechstein Museum Zwickau

Industrieland Sachsen – kaum eine sächsische Region, die nicht mit Industriegeschichte verbunden ist, kaum ein Stadtbild ohne historische Industriebauten. Was bleibt von den Gebäuden, wenn die ursprünglichen Betriebe nicht mehr vor Ort sind? Verfall? Abriss? Umnutzung? - Sachsens Kulturreichtum und Identität basieren auf Gewerbe und Industrie. So erinnern die Stätten der Industriekultur an die einst große Bedeutung des Landes als eine der wirtschaftlich stärksten Regionen in Deutschland – sowohl in lebendigen Museen als auch in immer noch aktiven Produktionsstätten. Flankierend zum Jahr der Industriekultur des Freistaates Sachsen und zur großen Landesausstellung BOOM zeigen die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum bis 15. November 2020 die von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen (Staatliche Kunstsammlungen Dresden) in Kooperation mit dem Deutschen Werkbund Sachsen e. V. kuratierte Wanderausstellung „Industriearchitektur in Sachsen. erhalten erleben erinnern“ – mit 80 großformatigen Fotografien von Bertram Kober. Die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU ergänzen die Ausstellung mit einer neu kreierten Schau zu Aspekten der Industriekultur und Arbeitswelt in Sachsens viertgrößter Stadt.

Mit der Ausstellung ist es gelungen, das Industriezeitalter als ein für die sächsische Geschichte prägendes Kapitel künstlerisch zu dokumentieren und – um erläuternde Texte, dreidimensionale Objekte, historische Fotografien und Filme ergänzt – facettenreich zur Darstellung zu bringen. Die 80 großformatigen Fotografien von Bertram Kober stellen erfolgreiche Nachnutzungskonzepte vor, zeigen ungenutzte Möglichkeiten auf und erinnern an verlorene Schätze der Industriearchitektur und Kulturlandschaft Sachsens. Vorbildhafte Nutzungsideen werden ebenso wie akut gefährdete Gebäude vorgestellt. Architekturfotografie spielt im umfangreichen Werk des mehrfach international ausgezeichneten Leipziger Fotografen Bertram Kober seit Langem eine wichtige Rolle. Durch seinen Fokus gewinnen die zum Teil dringend erhaltungsbedürftigen Bauten neue Kraft und Würde. Seine Bilder sind geprägt von einer ausgewogenen Balance aus Sachlichkeit und Emotionalität. Sie zeigen den Wert der sächsischen Industriearchitektur und fördern damit das Engagement für ihren Erhalt. Die bereits in mehreren Orten gezeigte Ausstellung wird um interessante Gebäude des aktuellen Ausstellungsortes Zwickau erweitert. So sind neue Aufnahmen u. a. vom Verwaltungsgebäude der AOK, vom Kaufhaus Schocken, der Mauritius Privatbrauerei, der historischen Maschinenhalle der Zwickauer Energieversorgung (ZEV) oder vom Martin-Hoop-Schacht IV a mit neu gestaltetem Wandbild zu sehen. Ergänzt wird die Schau mit historischen Fotografien und Filmen aus der Arbeitswelt der DDR des Zwickauer Stadtarchivs, Porträtfotos von Peter Franke, die 1972 im Steinkohlenwerk Martin Hoop entstanden, und mit Objekten aus dem Berg- und Automobilbau.

Im Rahmen des Ausstellungsprojektes gestaltete der in Zwickau geborene Künstler Bodo Korsig eine große Bodenarbeit für die Eingangshalle des Museums. Unter dem Titel „shape of memories“ entwarf der Künstler flexible Schaumstoffelemente, die den Grundriss und die monumentale Architektur des Museumsbaus aufnehmen. Sie können zu Objekten oder zu Sitzinseln umgebaut werden. Parallel zur Ende August/Anfang September 2020 in Zwickau stattfindenden ibug (kurz für Industriebrachenumgestaltung) können in den Kunstsammlungen über einen Großbildschirm Bilder und Filme aus der 2013er-Jahrgang angeschaut werden. Damals fand das ibug-Festival für urbane Kunst im alten Eisenwerk in Zwickau statt.

Das Gebäude der KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum – der Ausstellungsort – ist selbst baulicher Zeuge der durch die Industrialisierung reich gewordenen Zwickauer Bürgerschaft. Der repräsentative Bau wurde nach den Plänen des Zittauer Architekten Richard Schiffner 1914 eröffnet. Doch bereits 1897 wurde mit der „König-Albert-Stiftung“, die vom Zwickauer Stadtrat beschlossen wurde, der Grundstein für ein Museum gelegt, das die mittlerweile zahlreichen städtischen und Vereins-Sammlungen beherbergen sollte. Mehr als zehn Jahre sammelten die Bürger Geld für ihr Museum, das nach zweijähriger Bauzeit am 23. April 1914 als König-Albert-Museum in Gegenwart des König Friedrich August von Sachsen feierlich eröffnet werden konnte.

Foto: Bertram Kober: Straßenbahnhof Zwickau

Samstag, 26. September, 15 bis 17 Uhr - Vortrag mit Workshop: Industriekultur ist … wenn Dir heute ein Licht aufgeht - Illustrationen zu bahnbrechenden sächsischen Erfindungen des Industriezeitalters mit Zeichnerin Johanna Benz, Leipzig

Weitere Informationen und Termine: www.kunstsammlungen-zwickau.de

 


Himmel und Hölle

Sommerpalais Greiz würdigt Schaffen von Andreas J. Mueller mit einer Sonderschau / Dem Karikaturisten zum 70. Geburtstag
Sommerpalais Greiz Himmel und Hölle

1950 in Leipzig geboren, studierte Andreas J. Mueller von 1970 bis 1975 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 1972 bis 1976 zeichnete er  u.a. für Eulenspiegel und Leipziger Volkszeitung, danach wirkte er als Buchillustrator, Autor, Comic- und Trickfilmzeichner. 1977 initiierte er die Ausstellungsreihe Karicartoon in Leipzig (bis 1987) und war von 1981 bis 1987 Vorsitzender der Sektion Karikatur und Pressezeichnung DDR-Süd im Verband Bildender Künstler. Nach seiner Republikflucht arbeitete er von 1988 bis 1995 als freischaffender Künstler in München. Danach kehrte er zurück nach Leipzig, war von 1995 bis 2013 Kurator im Kamera- und Fotomuseum Leipzig und ab 2014 Direktor des Deutschen Fotomuseums. Zudem war er 1997 Gründer und bis 2013 Kurator der Biennale der satirischen Zeichnung Leipzig – Karicartoon. Diverse Buchpublikationen. Mehrere Ausstellungen. Preisträger. Lebt in Leipzig.

 


AutoBOOM in Zwickau

August Horch Museum Zwickau ist Schauplatz Automobil im Rahmen der 4. Sächsischen Landesausstellung
Autoboom 2 Zwickau
AutoBOOM in Zwickau 2

Im Rahmen der 4. Sächsischen Landesausstellung widmet sich das August Horch Museum dem sächsischen AutoBoom. Das menschliche Bedürfnis nach Fortbewegung steht im Fokus dieser Betrachtung. In vier Themenbereichen zeigt der Schauplatz Automobil die Facetten automobiler Mobilität in der Gegenwart und gibt Ausblicke in die Zukunft. Die Vergangenheit wird wie gehabt in der Dauerausstellung thematisiert. Die Mobilität ist seit jeher Teil der Menschheit: Zunächst nur zu Fuß, später mit Hilfsmitteln wie dem Pferd, dem Holzrad oder dem Automobil. Das Bedürfnis und die Gründe für Mobilität können sehr unterschiedlich sein. Hunger, Arbeit, Handel, Krieg, Klimaveränderungen, aber auch pure Neugierde und Abenteuerlust treiben den Menschen zur Mobilität an. Durch die Sesshaftigkeit des einstigen Jägers und Sammlers vor circa 10 000 Jahren veränderten sich auch die Mobilitätsanforderungen. Neue Verkehrsmittel und Transportwege waren fortan nötig, um den stetig steigenden Bedürfnissen des Handels von Waren und Gütern gerecht zu werden. Heute soll Mobilität komfortabel, schnell, günstig und zuverlässig sein. Im Laufe der Zeit erfüllten technische Errungenschaften zunehmend diesen Wunsch. Das Bedürfnis nach einer individuellen und flexiblen Fortbewegung konnte durch die Erfindung des Automobils für  viele Menschen am besten erfüllt werden.

Gleich zu Beginn der 630 qm großen Sonderausstellung begegnen dem Besucher ŒUtopien und Visionen von der Vorstellung der Zukunft in der Vergangenheit. Die Mobilität und die Automatisierung beflügelten schon damals die Fantasie. Einige Visionen überraschen uns heute, da sie entweder wieder thematisiert werden oder gar Realität geworden sind. Fortan durchquert der Besucher drei Zeittunnel. Passiert er den ersten, findet er sich im GESTERN (1900 – 2000) wieder. Während die ersten Automobile Ende des 19. Jh. noch Kutschen sehr ähnlich sahen, gab es zu Beginn des 20. Jh. bei den Antriebsarten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Drei Konzepte waren damals bekannt und hatten jeweils ihre Vor- und Nachteile: Dampf-, Elektro- und Verbrennungsmotoren. Bei den Dampfwagen lagen die Vorzüge bei den damals gut verfügbaren Brennstoffen wie etwa Kohle, Koks oder Brennholz. Jedoch sorgte die lange Aufwärmzeit des Kessels und die Auflage einer staatlichen Genehmigung und Prüfung der Kessel bei den Fahrzeugpionieren für Unmut. Beim Elektroauto überzeugte die einfache Konstruktion des Motors und die sehr gute Leistungsausbeute. Allerdings machte die geringe Reichweite und die wenigen Lademöglichkeiten der schweren Batterie den Elektrowagen sehr unpraktisch. Ab den 1920er Jahren konnte sich schließlich der Verbrennungsmotor beim Automobil durchsetzen. Dafür sorgten eine kontinuierliche Leistungssteigerung und Verbesserung des Wirkungsgrades beim kompakten Verbrennungsmotor, der elektrische Anlasser und der Ausbau des Tankstellennetzes. Anfang der 1990er Jahre stand das Thema Elektromobilität gerade in Ostdeutschland wieder hoch im Kurs. Für den Einsatz zur AMI in Leipzig wurde 1996 in geringer Stückzahl das Kurzstreckenfahrzeug des Schweizer Konstrukteurs Max Horlbacher – der SAXI (als Wortkreation aus Sachsen und Taxi) – von einer Firma in Mittweida gebaut. Im gleichen Jahr wurde in Zwickau der Uni 1 präsentiert, die 15 Mio. DM Fördergelder für die Entwicklungskosten halfen ihm trotz äußerst interessanter Parameter aber nicht zur Serienproduktion. Lediglich ein Taxi, ein Van und ein Pickup existieren.

Der zweite Zeitsprung befördert den Besucher ins HEUTE (2000 – 2025), wo die Automobilindustrie mit über 95 000 Beschäftigten der umsatzstärkste Wirtschaftszweig in Sachsen ist. Mit fünf Fahrzeug- und Motorenwerken sowie rund 780 Zulieferern und Dienstleistern gehört Sachsen zu den Top-Automobilstandorten in Deutschland. Etwa jeder achte in Deutschland gebaute PKW ist aus Sachsen und trägt die Markenzeichen BMW, Porsche und VW. Auf dem Gebiet der hybrid- und batterieelektrischen Antriebe, dem autonomen Fahren, dem Leichtbau sowie der ressourcenschonenden Produktion, ist Sachsen heute sehr gut aufgestellt. Insgesamt befassen sich in Sachsen über 50 universitäre und außeruniversitäre Forschungsinstitute mit dem Thema Automobil. Die TU Dresden, die Westsächsische Hochschule Zwickau, die TU Chemnitz und das Fraunhofer Institut in Chemnitz gelten hierbei als die wichtigsten Forschungseinrichtungen, die auch im AutoBOOM. Einblicke in ihre Arbeit gewähren. Der Begriff Industrie 4.0 kam Anfang der 2010er Jahre in Gebrauch und nimmt historischen Bezug auf die drei davor existierenden industriellen Revolutionen. [Die erste Revolution wurde von Wasser- und Dampfkraft und der Einführung von mechanischen Produktionsanlagen geprägt, die zweite von Fließbändern und elektrischer Energie und die dritte von der Computertechnik und der fortschreitenden Automatisierung.] Bei der vierten Revolution erhofft sich die Industrie noch flexibler, qualitativer und kostengünstiger zu produzieren. Dies soll durch die Vernetzung sämtlicher Wertschöpfungsketten in der Produktion erfolgen. In einer sogenannten Smart Factory erfolgt ein kontinuierlicher Informationsaustausch und eine Interaktion zwischen Produkten, Maschinen und Menschen. Dies wurde zum Anlass für eine Besucher-Aktion genommen. Über die komplette Ausstellungsdauer arbeitet ein kleiner kollaborativer Roboter, ein sogenannter Cobot, mit jedem, der das möchte, direkt zusammen. Jeder Gast erhält eine beidseitig grün eloxierte Aluplakette ausgehändigt. An der Roboterstation mitten in der AutoBOOM.-Ausstellung kann der Besucher ohne Absperrung und Hindernisse dem Roboter seine leere Plakette in den Greifer legen. Der Roboter nimmt diese, dreht sich mit der Plakette der Laserstation zu und legt sie dort ein. Der Besucher erhält die Plakette mit einer Gravur und dem tagesaktuellen Datum von der Maschine zurück. Um den Vorgang der Lasergravur und die notwenige Zeit für den Besucher nicht langweilig werden zu lassen, wird der technologische Vorgang per Kamera über ein Display übertragen. Aus eigenem Erleben kann man so also die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine ohne Schutzvorrichtung ausprobieren. In der Zukunft sollen diese intelligenten Industrieroboter immer mehr das Produktionsbild in der Autoindustrie prägen. Durch das Wegfallen von Schutzzäunen können die Cobots platzsparender agieren und als Bindeglied zwischen der menschlichen Handarbeit und der bereits vorhandenen Automatisierung agieren.

Einen letzten Zeittunnel passiert der Besucher hin ins MORGEN (2025 - …?)  Auch in Zukunft wird der Mensch nach Mobilität streben. Ohne diese wäre unsere globale Wirtschaft, das tägliche Erreichen des Arbeitsplatzes, das vielfältige Warenangebot und das individuelle Reisen nicht möglich. Das Auto ist für viele Menschen zum Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit geworden. Jedoch steht das bisherige Automobil mit dem Verbrennungsmotor nicht nur unter wachsender Kritik, sondern ist – gerade in Sachsens größtem Fahrzeugwerk – unlängst sogar abgelöst worden. Weitere Forderungen nach neuen Mobilitätskonzepten, die nachhaltiger und effektiver sind, werden in diesen Tagen gestellt. Voraussagen über die Art und Weise der Mobilität der Zukunft waren und sind sehr schwer, wie die Visionen der Vergangenheit beweisen. Jedoch erleben heutzutage visionäre Zukunftsvorstellungen im Zuge der Forderung nach einer Mobilitätswende eine Renaissance. Diesen wird im AutoBOOM. nachgegangen.

Einmal im Monat bietet das August Horch Museum ca. einstündige öffentliche Kuratoren-Führungen durch den AutoBOOM. an. Die Termine werden im Internet bekannt gegeben. Außerdem wird mit BOOM-Beginn ein kostenloses Angebot im August Horch Museum initiiert: sogenannte Boxenstopps, circa 15minütige Impulsvorträge, die zweimal am Tag, 11 und 15 Uhr, angeboten werden. Die Themen reichen von „Das Automobil zu Beginn des 20. Jahrhunderts“ oder „Wo kommt eigentlich das Benzin her – zur Geschichte der Tankstelle“, über „Materialien im Automobilbau“ bis hin zu „Die 3 Leben des Trabant“, „Prototypen“ oder „VW Sachsen“. Selbstverständlich wird auch der AutoBOOM. thematisiert. Die Boxenstopps zu „Utopien, Fantasien und Visionen“ und „Der Traum vom umweltfreundlichen Auto“ beschränken sich allerdings auf die Wochenenden. Die Besucher werden über dieses Angebot per Durchsage informiert.

1. Oktober, 17:00 bis 19:00 Uhr - Vortrag: Emil Herrmann Nacke – Sachsens erster Automobilbauer

https://www.boom-sachsen.de/schauplaetze/autoboom/?pk_campaign=landesausstellung&pk_source=google&pk_medium=search&pk_kwd=autoboom

https://www.horch-museum.de/termine.php


Ein 125. Geburtstag auf Burg Posterstein

Peter Zaumseil und Ludwig Laser stellen bis 15. November gemeinsam Kunst und Keramik aus
Burg Posterstein Zaumseil Laser 2
Burg Posterstein Zaumseil Laser 3

Der renommierte Künstler Peter Zaumseil aus Elsterberg im Vogtland wird 65. Der bekannte Keramiker Ludwig Laser aus Berga feiert seinen 60. Gemeinsam feiern sie ihren 125. Geburtstag mit einer Kunstausstellung auf Burg Posterstein. Die Ausstellung „Wir werden 125! – Peter Zaumseil & Ludwig Laser – Malerei, Grafik & Keramik“ ist von 2. August bis 15. November 2020 zu sehen. Peter Zaumseil und Ludwig Laser geben auf Burg Posterstein einen umfangreichen Einblick in ihr Schaffen. Die Kunstausstellung zeigt Malerei, Holzschnitte und Grafiken und Keramik. Die Doppel-Ausstellung zeigt Malerei, Holzschnitte und Grafiken und Keramik, die teilweise speziell dafür geschaffen wurden. Von Anfang an wollten beide die historische Situation in Posterstein einbeziehen.

“Zwei Motivstränge durchziehen als Konstante die malerischen und druckgrafischen Arbeiten vom Jubilar Peter Zaumseil, das zeigt auch die Auswahl dieser Doppelausstellung: Das Figürliche und das Landschaftliche; beide Sujets tief verwurzelt im Inneren des Künstlers, die sich verweben und verfestigen”, schreibt der Kunsthistoriker Dr. Thomas Matuszak im Katalog zur Ausstellung über die Kunst Peter Zaumseils. “Für mich als Berufskollegin und Keramikerin gehen besonders diese neuen Keramikobjekte weit über das klassische Handwerk hinaus und beweisen wieder einmal, dass auch das Genre der freien Keramik, trotz klassischer Formensprache, in die Gattung der KUNST einbezogen werden sollte und sogar muss”, schreibt die Keramikerin Annekatrin Räthe-Schönert in ihrem Kapitel über Ludwig Lasers Keramik. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen großformatigen Abbildungen sowie Texten von Dr. Thomas Matuszak und Annekatrin Räthe-Schönert. Darüber hinaus gibt es Grafik und Keramik zum Vorzugspreis. Mit dem Kauf unterstützen Sie die Burg Posterstein.

Abbildung oben: Peter Zaumseil, Adam und Eva (nach L. Crancach), Farbholzschnitt, 2020, Foto: Hans-Joachim Hirsch // Abbildung unten: Ludwig Laser, Doppelwandobjekt


Arbeiten von Gerhard Vontra

Zu sehen bis 25. Oktober 2020 im Residenzschloss Altenburg
Residenzschloss Altenburg Ausstellung Gerhard Vontra

Ursprünglich wollte Gerhard Vontra Schiffsingenieur werden, bevor er seine Leidenschaft fürs Malen und Zeichnen entdeckte. An seiner Begeisterung für die Seefahrt hielt er fest und so bereiste er ab den Siebzigerjahren mit Frachtschiffen die ganze Welt. Der gebürtige Altenburger studierte an den Kunstakademien Leipzig und München. Er arbeitete als Pressezeichner für über 25 Zeitungen und Zeitschriften, illustrierte Bücher von Effi Briest bis Tom Sawyer und zeichnete Persönlichkeiten von Bertolt Brecht bis Louis Armstrong. Bekannt wurde der Künstler durch seine Milieustudien, in denen er die Eigenheiten des Menschen in allen Facetten des Alltags festhielt.

„Ich suche das Ursprüngliche. Mich verführt alles zum Zeichnen, und ich fülle ohne Auftrag meine Mappen und Kästen mit Zeichnungen. Ich wüsste kein Rezept, wie man Begeisterung am Dasein erzeugen kann, aber ich selbst freue mich auf jeden Tag. Ohne Zeichenmappe gehe ich nicht auf die Straße.“ Gerhard Vontra zeichnete 365 Tage im Jahr. Mit Stift und Papier, Pinsel und Farbpalette traf man ihn in der Fußgängerzone und am Strand, in Fabriken und im Gerichtssaal, im Museum und im Zoo und regelmäßig im DEFA-Filmstudio und bei der Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche. „Ein Straßenzeichner überall“, wie er zu sagen pflegte. Ob humoristisch oder tragisch, seine Augenblickseindrücke sind ausdrucksvoll. Sie zeigen das wirkliche Leben.

Anlässlich seines 100. Geburtstages widmet sich das Residenzschloss Altenburg erstmals seinem Leben und Werk. Neben einer vielfältigen Werkauswahl aus seinem Nachlass lassen Mitmachstationen, Videointerviews mit Zeitzeugen und Teile seiner Atelierausstattung das Porträt des außergewöhnlichen Mannes lebendig werden.

Geöffnet: Die – So/Feiertag 10.00 – 17.00 Uhr

Abbildung: Gerhard Vontra: Gugge Oskar, glei discht se nei! - Ostseemilieu

 


Korrespondenzen – Malerei und Grafik

Barbara Toch stellt im Kunstverein Gera aus / 24. September bis 7. November 2020
Kunstverein Gera Barbara Toch Ausstellung

Anlässlich ihres 70. Geburtstages zeigt der Kunstverein Gera in seiner aktuellen Ausstellung unter dem Titel „Korrespondenzen – Malerei und Grafik“noch bis zum 7. November 2020Arbeiten der Künstlerin Barbara Toch.Die Ausstellung in den Galerieräumen am historischen Markt vereint neue sowie auch frühere Arbeiten zu einemretrospektivischen Blick auf das künstlerische Schaffen der in Gera lebenden und arbeitendenMalerin. Barbara Tochhat in ihren Arbeiten eine ganz eigene Bildsprache entwickelt.Ihre Werke sind gekennzeichnet durch eine rätselhafte Verbindung von Gegenständlichem und Abstraktem, Altem und Neuem, Wirklichemund Fiktivem.Zeichnerisch elegant, malerisch kraftvoll und technisch ausgereift, entstehen illusionistische Räume. Anschaulich, aber dennoch fremd und frei, erinnern sie zuweilen an Traumbilder mit einer eigenen, schwer entschlüsselbaren Symbolik. Jenseits vertrauter Kulissen machen sie Unsichtbares sichtbar, spiegeln innere Welten, die der Gewissheit des Tatsächlichen andere Möglichkeiten der Weltwahrnehmung entgegen halten. In Kooperation mit dem Angermuseum/Erfurt erscheint ein gemeinsamer Katalog zur Ausstellung.

Abbildung: Barbara Toch, Mare Nostrum II 2018 Acryl, Öl , Papier 90 x 64cm

Kunstverein Gera, Markt 8/9, 07545 Gera,  Öffnungszeiten: Fr– Sa, 15-18 Uhr oder nach Vereinbarung

www.kunstverein-gera.de

 


Volker Stelzmann. Zum 80. Geburtstag des Malers und Grafikers

Ausstellung im Angermuseum Erfurt bis 15. November
Volker Stelzmann Ausstellung Erfurt Angermuseum

Volker Stelzmann, geboren am 5. November 1940 in Dresden, zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten figürlich arbeitenden Malern und Grafikern im deutschsprachigen Raum. In werkbiografischer Sicht gehört er zur zweiten Generation der Leipziger Schule, wie Ulrich Hachulla, Wolfgang Peuker und Arno Rink. Seit 1986 lebt und arbeitet er in Westberlin.

Sein Credo bezüglich des künstlerischen Erbes formuliert der Künstler wie folgt: »Wir kommen doch nicht aus dem Nichts. Wir haben alle einen riesigen Batzen an Geschichten, die wir tragen, nur manche merken es nicht, wissen es nicht. […] Wenn ich diesem Riesengewicht der Tradition meine 100 Gramm hinzufügen kann, denke ich, habe ich wirklich etwas gemacht, etwas Ernstzunehmendes. Der Berg der Tradition ist so ungeheuerlich, aber wenn ich noch etwas hinzu tun kann, war es nicht umsonst. Das ist zwar ziemlich dramatisch formuliert, aber so ist es.«
Die aktuelle Ausstellung mit zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken entstand in Kooperation des Angermuseum Erfurts mit der Kunsthalle Schweinfurt und Peter Femferts DIE GALERIE in Frankfurt/ Main. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen sowie kunstwissenschaftlichen Beiträgen.

Kunstmuseen Erfurt / Angermuseum, Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen 10-18 Uhr

www.kunstmuseen.erfurt.de



Her Royal Highness Princess Elizabeth

Zum 250. Geburtstag einer leidenschaftlichen Sammlerin / Sonderausstellung bis 4. Oktober im Sommerpalais Greiz
Sommerpalais Greiz

Bei ihrer Geburt am 22. Mai 1770 trug Elizabeth den Titel einer Königlichen Prinzessin von Großbritannien und Irland, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Ihr Vater König George III. stammte aus dem Hause Hannover, ihre Mutter Charlotte war eine geborene Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz. Mit 14 Geschwistern wuchs Elizabeth in Buckingham House, in Windsor, in Frogmore House und anderen Schlössern auf, wo sie früh mit den Kunstsammlungen ihrer Vorfahren in Berührung kam und die Interessen ihrer Eltern für Architektur, Malerei und Gartenkunst aufnahm. Elizabeth galt als die begabteste der Königskinder, die alle eine gediegene künstlerische Ausbildung erhielten. Von ihrer Familie wurde sie die „Muse“ genannt, denn sie kannte sich nicht nur mit allen malerischen und graphischen Techniken aus,  sie war auch eine der bedeutendsten Silhouettenschneiderinnen ihrer Zeit. Nicht zuletzt war sie ebenfalls architektonisch und innenarchitektonisch tätig. Schon in früher Jugend legte Elizabeth den Grundstock für ihre umfangreiche und vielfältige Sammlung, die sie testamentarisch dem Hause Hessen-Homburg überließ. Dessen letzte Nachfahrin, Fürstin Caroline Reuß älterer Linie (1819-1872), erbte viele Jahre nach Elizabeths Tod etwa die Hälfte ihrer ehemals 15.000-20.000 Blätter umfassenden Graphiksammlung, aber nicht einmal ein Zehntel ihrer Bücher. Seit 1922 wird dieser Nachlass in der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung bewahrt. In der Sonderausstellung aus Anlass des 250-jährigen Geburtstages der Prinzessin wird bis zum 4. Oktober ein repräsentativer Querschnitt aus dieser königlichen Collection vorgestellt.

Abbildung oben: Quelle: Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz

Hinweis: Im Greizer Sommerpalais gelten die allgemeinen Hygienevorschriften und Abstandsregeln und das Tragen einer Mund-Nasen-Maske ist erforderlich.

 


Einfach tierisch! Vom Hahn zum Pferd

Ausstellung bis 31. Oktober im Kunsthaus Meyenburg Nordhausen
Kunsthaus Meyenburg Nordhausen

Bis Ende Oktober ist im Kunsthaus Meyenburg die Sonderausstellung „Einfach tierisch-Vom Hahn zum Pferd“ zu sehen. 

Kunsthausleiterin Susanne Hinsching macht jetzt Lust auf einen Besuch, in dem sie besonders auf die beeindruckenden Pferdedarstellungen der Ausstellung neugierig macht. „Von 128 Kunstwerken von 82 verschiedenen Künstlern sind gleich auf 29 Kunstwerken Pferde zu sehen“, sagt sie. Dieses Motiv habe es in fast allen Zeiten und Kulturen gegeben: sei es als Zug- oder Reittier, in Kampfszenen und Wett-kampfrennen oder als eigenständiges Motiv in Malerei, Grafik oder Plastik. Das Pferd ist immer eng mit der Symbolik von Herrschaft verbunden, dargestellt in Reiter, der Macht über das Reittier hat, z.B. „Reiter mit Rüstung“ von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1498. Das Pferd besitzt aber auch bei mythologischen Darstellungen Bedeutung, so Hinsching. Im Gegensatz zum Schimmel, der seit dem Mittelalter als christliches Herrschaftssymbol fungiert, stehe der Rappe häufig für das Böse und Dämonische. In der griechischen Kunst war das Pferd auch als Mischwesen, z.B. mit Flügeln (Pegasus), beliebt.

Bis ins späte 18. Jahrhundert dienten Pferdedarstellungen hauptsächlich der Repräsentation des Herrschaftsanspruches des Dargestellten oder des Auftraggebers. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Pferd häufiger als Arbeitstier dargestellt. Ebenso neu ist das Motiv des sterbenden Pferdes, z.B. bei Max Klinger. Durch die Erfindung der Fotografie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es erstmals, galoppierende Pferde korrekt darzustellen. „Deshalb war das Motiv galoppierender Pferde im Zirkus ab 1890 bei Künstlern sehr beliebt, wie die 6 grafischen Blätter mit dem Motiv der „Zirkusreiterin“ von Francesco de Goya, Max Liebermann, Pablo Picasso, Max Schwimmer, Luise Neupert, Marc Chagall und Gisela Wimmer auf eindrucksvolle und sehr verschiedene Weise verdeutlichen“, verweist Susanne Hinsching auf die ausgestellten Werke. Das Motiv des grasenden Pferdes, z.B. bei Alfred Kubin, wurde ebenfalls seit dem 19. Jahrhundert häufiger verwendet. Im 20. Jahrhundert wird das Pferd entweder als Symbol für eine heile Welt dargestellt oder zeigt das Aufbegehren der Kreatur gegen die gesellschaftliche Realität, z.B. „Guernica“ von Pablo Picasso und „Rotes Pferd“ von A.R. Penck.

Die Pferdedarstellungen im Kunsthaus Meyenburg stammen größtenteils aus Privatsammlungen. Außer den Pferdedarstellungen gibt es Motive zu Stieren, Hunden, Katzen, Vögeln und Fischen sowie fabelhaften Mischwesen.

Bild: Holzskulptur „Pferd mit Reiter in römischer Rüstung“, 18. Jh., aus der Sammlung städtischer Museen Nordhausen (Foto: ©Stadtverwaltung Nordhausen)

Geöffnet: Mittwoch bis Samstag 13 bis 17 Uhr und Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Öffentlichen Ausstellungsführungen: Donnerstag, 24. September, 17 Uhr und Sonntag, 27. September, 11 Uhr 


Familienausstellung „Die Kinderburg“ auf Burg Posterstein

4. Oktober 2020 - 28. Februar 2021

Die beliebte Familienausstellung „Die Kinderburg“ findet eine Fortsetzung: Im Zentrum steht der Alltag der Burgbewohner im Mittelalter – ein Thema, das viele Kinder besonders interessiert. Multimedial und interaktiv entdecken große und kleine Besucher in der Ausstellung beispielsweise, wie eine mittelalterliche Burg mit Wasser versorgt werden konnte und welche Aufgaben der Burgherr und die Burgherrin übernehmen mussten. Durfte ein Burgherr alles? Wer entschied über Recht und Ordnung? Was gab es zu essen? Und wie überstanden die Menschen die kalte Jahreszeit?

Für die Rollen der Burgherren und der Burgherrin in verschiedenen Zeitaltern standen die Mitglieder der “Gefolgschaft zu Posterstein” Modell. Sie haben das Museum und die Familienausstellung “Die Kinderburg” bereits öfter tatkräftig unterstützt. Die Familienausstellung erklärt Geschichte spielerisch „Die Kinderburg“ lädt mit Film, Ton und Text spielerisch dazu ein, die Geschichte zu entdecken. Eine Schatzkarte führt die Kinder durch die ganze Burg – vom Verlies bis hinauf auf den Turm. Die Familienausstellung findet man in der gesamten 800 Jahre alten Burg – parallel zu der ständigen Ausstellung für Erwachsene. Darin werden von Kindern gestellte Fragen kurz und knapp beantwortet: Wie schwer ist eine Ritterrüstung? Wie ging ein Ritter aufs Klo? Und gab es im Mittelalter auch eine Schule? Das interessiert auch Erwachsene!

Wer alle Rätsel auf der Kinderburg-Schatzkarte richtig gelöst hat, darf am Gewinnspiel teilnehmen. Denn einmal im Jahr verlosen die Burggeister Posti und Stein Weihnachtsgeschenke für erfolgreiche Schatzsucher!

https://www.burg-posterstein.de/startseite/


Klare Kanten an geschwungenen Pfaden

Skulpturenausstellung bis 27. September im Botanischen Garten der Universität Jena
Wulf Kirschner Ausstellung Jena

„Schweißen mag der Versuch sein, Himmel und Erde zu verbinden“, sagt der Bildhauer Wulf Kirschner. „Der Erdkern besteht aus glühendem Eisen. Eine vulkanische Situation herrscht auch beim Schweißen mit Temperaturen von drei- bis viertausend Grad Celsius.“ Mit dem Schweißgerät fertigt der Künstler Stahlskulpturen mit strengen und reduzierten Formen. 13 seiner Werke sind in einer neuen Ausstellung im Botanischen Garten der Universität Jena zu sehen. Die geometrischen Körper passen perfekt zum Ort: Mit ihren korrodierten Oberflächen und schillernden Schweißtropfen fügen sie sich in den Farben- und Formreichtum des Botanischen Gartens ein. Die Oberfläche ist für den Künstler die Schnittstelle zur Poesie. Besonders deutlich wird das an dem Buchobjekt, das in Sichtweite zur Bibliothek platziert wurde und dessen Seiten nicht von ungefähr die Handschrift aus der Schweißelektrode des Künstlers tragen. - Nun lassen sich an den geschwungenen Pfaden des Botanischen Gartens stählerne Prismen, Ikosidodekaeder und andere Körper entdecken, die mit ihren klaren Kanten und interessanten Strukturen zwischen Bäumen und Blüten aus der Erde in Richtung Himmel zu wachsen scheinen. Die Ausstellung „Himmel und Erde | Stahlskulpturen, archimedische und platonische Körper“ des Jenaer Kunstvereins und des Botanischen Gartens kann bis Sonntag, 27. September, im Botanischen Garten (Fürstengraben 26) betrachtet werden.

Abbildung: Künstler Wulf Kirschner vor den „Acht Prismen“ im Botanischen Garten.
(Foto: Marco Körner/Uni Jena)


GEGENWARTEN | PRESENCES. Kunst Stadt Chemnitz

Objekte zu sehen bis 25. Oktober im öffentlicher Raum der Stadt

Chemnitz: einst eine der reichsten deutschen Industriestädte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, nach der NS-Zeit Musterstadt des DDR-Sozialismus, heute in der Außenwahrnehmung vor allem ein Synonym für soziale Spannungen und gesellschaftspolitische Konflikte. Chemnitz hat wie kaum eine andere Stadt in ihrer historischen Entwicklung zahlreiche Brüche durchlebt. Diese sind bis heute sichtbar und haben sich in die disparate Stadtlandschaft eingeschrieben. Gegenwarten | Presences ist ein Ausstellungsprojekt, das genau dort, im öffentlichen Raum von Chemnitz, stattfindet und darauf reagiert. Gezeigt werden Projekte von 20 Künstler*innen und Kollektiven, die sich in ihren ortsspezifischen Arbeiten – Interventionen und Skulpturen, Installationen und Performances – mit den jeweiligen historischen und gesellschaftlichen, politischen und urbanen Fragen der Stadt auseinandersetzen.

Künstler*innen und Kollektive
atelier le balto, Nadja Buttendorf, Anetta Mona Chişa & Lucia Tkáčová, Else Gabriel, Shilpa Gupta, Patricia Kaersenhout, Klub Solitaer e. V., Mischa Kuball, Philip Kojo Metz, Henrike Naumann, Olaf Nicolai, Observatorium, Ooze Architects & Marjetica Potrč, Lydia Ourahmane, Peng! Collective, Roman Signer, Weltecho, Anna Witt, Tobias Zielony, ZONA D (Eliza Goldox & Sandy Becker, gemeinsam mit: Tita Salina & Irwan Ahmett, Franziska Gerth, Rodrigo Andreolli & Gian Spina, Trakal, Samuel Georgy, Areej Huniti, Anna Zett, Ki Hyun Park, Noor Abed, Felipe Steinberg, Beatrice Schuett Moumdjian, Jafar Al Jabi, Julia Kiehlmann, Yvonne Buchheim, Omnia Sabry)

Das Ausstellungsprojekt wird kuratiert von Florian Matzner und Sarah Sigmund und veranstaltet von den Kunstsammlungen Chemnitz. Es bildet eine wichtige Etappe in der Bewerbung von Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025.



"Eiserne Bestseller“ in Nordhausen

Ausstellung bis November im Museum Tabakspeicher
Ausstellung Nordhausen

"Da die Sonderausstellung Eiserne Bestseller – Schwert und Rüstung in Handwerk und Gesellschaft sehr gut bei den Besucherinnen und Besuchern ankommt, haben wir beschlossen, die Ausstellung bis zum 15. November zu verlängern,“ darüber informiert nun Jürgen Rennebach, Leiter des Museums Tabakspeicher.

Am Samstag, dem 28. November, eröffnet dann die Sonderausstellung „Ganz schön abgebrüht! - Kaffee, das schwarze Gold“. „Dies ist insbesondere in der Advents- und Weihnachtszeit sowie über den Jahreswechsel gesehen, ein schönes Thema“, ist sich Rennebach sicher. Die zwischenzeitlich geplante Ausstellung „Das neue Sehen – Stereofotografie, die dritte Dimension“ wird dann auf das Frühjahr 2021 verschoben. Derzeit sind neben der Ausstellung im Tabakspeicher folgende Ausstellungen in den Nordhäuser Museen zu sehen: Im Museum Flohburg erinnert die Sonderausstellung „800 Jahre Reichsstadt – Herrschaftszeichen und Recht“ an die Erhebung Nordhausens zu einer Stadt der deutschen Könige und Kaiser zwischen 1220 und 1223. Die Sonderausstellung „Einfach tierisch!“ im Kunsthaus Meyenburg lädt zu einer Zeitreise durch Tierdarstellungen in der Kunst ein. Alle Informationen zu den laufenden Ausstellungen, dem Angebot an Führungen sowie den Corona-bedingten Regelungen finden Sie unter www.nordhausen.de.

Foto aus der derzeit laufenden Ausstellung „Eiserne Bestseller“ (©Stadtverwaltung Nordhausen)


Kunst und weibliche Selbstermächtigung

Sozial engagiertes Projekt der Künstlerin Hellen Nabukenya in der Kunsthalle Erfurt
Kunsthalle Erfurt

Nach der sehr erfolgreichen Ausstellung der jungen Leipziger Künstlerin Luise von Rohden zeigt der Erfurter Kunstverein eine zweite Ausstellung in seinem 30. Jubiläumsjahr: Unter dem Titel TUWAYE – LET’S TALK präsentiert der Verein die Künstlerin Hellen Nabukenya aus Uganda. Die multimediale Ausstellung lädt zum Fühlen, Hören und Sehen ein: riesige Teppiche, Hörstationen und ein Film entführen in die ferne Lebensrealität Afrikas, in der Frauen um Selbstbestimmung und einen eigenen Broterwerb kämpfen.

Die Arbeiten von Hellen Nabukenya (geb. 1983 in Jinja, Uganda) bewegen sich an der Grenze von Kunst und Kunsthandwerk. Die junge Künstlerin fertigt ihre teils monumentalen Werke aus einheimischen, landestypischen Stoffen (zum Teil Alttextilien). Es entstehen Collagen aus wild gesetzten geometrischen Formen. Im Umgang mit den verschiedenen Materialien der Textilien kommen zugleich unterschiedliche handwerkliche Techniken zum Einsatz: Die vielfarbigen Versatzstücke werden durch Flechten, Knüpfen, Sticken und Nähen zu bunt schimmernden Meeren aus Stoff oder riesigen Wandbehängen und Teppichen. Neben den ästhetischen Qualitäten bestechen die Arbeiten von Hellen Nabukenya besonders durch ihre sozio-ökonomische Dimension im Entstehungsprozess. 

Zu sehen bis 18. Oktober 2020 - Di – So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 22 Uhr, Kunsthalle Erfurt


Weggefährtinnen der Moderne

Magda Langenstraß-Uhlig und Ella Bergmann-Michel: 2. Oktober 2020 bis 4. Januar 2021, Bauhaus-Museum Weimar

Die Ausstellung stellt zwei Wegbereiterinnen der Avantgarde vor, deren künstlerischer Weg in Weimar beginnt. Die Karrieren beider Künstlerinnen erfahren einen Bruch in den Jahren 1932/33, als ihre künstlerische Arbeit verboten oder als „entartet“ diffamiert wird. Erst seit den 1970er-Jahren wird das Oeuvre von Ella Bergmann-Michel und Magda Langenstraß-Uhlig nach und nach wiederentdeckt. Präsentiert werden Werke in verschiedenen Medien, darunter Film, Fotografie, Malerei, Grafik und Collage.

https://www.klassik-stiftung.de/ihr-besuch/ausstellung/weggefaehrtinnen-der-moderne-magda-langenstrass-uhlig-und-ella-bergmann-michel/


SIBYLLE. Frauen und Mode in der DDR

Sonderausstellung bis 4. Oktober im Museum für Angewandte Kunst Gera
Museum für Angewandte Kunst Gera

SIBYLLE war nicht nur eine der begehrtesten Frauenzeitschriften, sondern wird auch als „Vogue des Ostens“ bezeichnet. Aufgrund ihrer hervorragenden Fotografien wirkte sie stilbildend für eine ganze Generation. Bis heute nimmt sie unter den Illustrierten einen besonderen Stellenwert ein und besitzt Kultstatus. Neben ihren Beiträgen zu Kunst, Kultur und Reisen, setzten v.a. die Modefotografien neue Maßstäbe. Für SIBYLLE arbeiteten namhafte Fotograf*innen wie Ute und Werner Mahler, Sibylle Bergemann, Ulrich Wüst oder Sven Marquardt. Sie prägten mit ihren Aufnahmen das Erscheinungsbild der SIBYLLE; sie inszenierten die Frauen in Kleidern aus Modebetrieben aus der DDR inmitten sozialistischer Architektur oder vor urbanen Landschaften. 40 Seiten Mode, 40 Seiten Kultur: Von 1956 bis 1995 erschien die Zeitschrift SIBYLLE alle zwei Monate im Verlag für die Frau in Leipzig. Mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren trug sie maßgeblich zum damaligen Bild der emanzipierten Frau und zur Reflexion der gesellschaftlichen Verhältnisse bei.
Die von der Kunsthalle Rostock konzipierte Ausstellung legt ihren Schwerpunkt auf die Fotografie. Zahlreiche Originalaufnahmen der SIBYLLE-Fotograf*innen zeigen wie kosmopolitisch und ästhetisch einzigartig die Zeitschrift war. Die Fotografien schreiben nicht nur ein Stück Fotogeschichte, sondern dokumentierten bzw. interpretierten das Leben in der DDR. SIBYLLE ist ein Spiegelbild hoher Ansprüche an Ästhetik, Kultur, Mode und der gesellschaftlichen Entwicklungen in Ostdeutschland. Die meist vom Modeinstitut der DDR entworfene Bekleidung wurde thematisch künstlerisch von den Fotograf*innen in Szene gesetzt. Den unbewegten Posen der Models in den 1950er Jahren folgten dynamische Darstellungen, die eine andere ästhetische Auffassung vermittelten. Vorreiter war hier auch der Fotograf Arno Fischer, der als Lehrer an der Kunsthochschule in Berlin Weißensee tätig war. Dorothea Bertram als junge Modegestalterin begann ab den 1960er Jahren die Zeitschrift auf ein hohes künstlerisches Niveau zu heben.
Die Bekleidung, die in SIBYLLE präsentiert wurde, weckte Sehnsüchte und stand oft im Widerspruch zu den Angeboten in den Geschäften und Kaufhäusern. Oftmals blieb die einzige Chance das „Selbernähen“, was von einer Vielzahl modebewusster Frauen mit viel Kreativität gemacht wurde. Originale Zeitschriften und Schnittmusterbögen aus den Sammlungen des Museums für Angewandte Kunst Gera und Kleider jener Zeit runden das Bild der Ausstellung ab.

Geöffnet Mittwoch bis Sonntag / Feiertage von 12 bis 17 Uhr (Foto: Stadtverwaltung / David Hoffmann)


Ein Maler im Bienenkorb

Im Kunsthaus Apolda: Marc Chagall. Von Witebsk nach Paris

Von Wolfgang Leißling   „Wir sind ein großes Wagnis eingegangen und hoffen natürlich, dass uns die Besucher die Treue halten.“ Dies betont Hans Jürgen Giese, Geschäftsführer des Kunstvereins Apolda Avantgarde. Denn seit corona ist dieses Ausstellungsjahranders  als alle vorangegangenen. Nun folgt ab 20. September nach „Pop Art England/USA“die neue Sonderausstellung „Marc Chagall. Von Witebsk nach Paris“. Dabei werden rund 70 Grafiken aus dem späten Werk Chagalls von 1952 bis 1985 gezeigt. Zu sehen sind farbige Lithografien und Holzschnitte. Das Kuratorenduo Dr. Andrea Fromm und Tom Beege verspricht: „Dabei werden insbesondere sein großes Motivrepertoire und dessen Ursprung in der chassidisch-jüdischen Kultur herausgestellt, aber auch seine tiefe Verbundenheit mit Paris sowie sein Selbstbild als Künstler, der auch immer ein Gaukler ist“. Möglich macht diese Ausstellung als Leihgeber das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster.

Chagall ist ohne Zweifel einer der bekanntesten und beliebtesten Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1887 als Moishe ZakharovitschShagalov in einer chassidisch-jüdischen Familie in Witebsk im „Schtetl“ geboren. Da er als Jude keine staatliche Akademie besuchen durfte, erlernte er die Malerei an Privatschulen in Witebsk sowie St. Petersburg. 1910 zog es ihn nach Paris ins berühmte Künstlerhaus „La Ruche“ („Der Bienenkorb“). Dort ließ ersich vom französischen Kunstleben inspirieren– von den Expressionisten, Fauvisten und Surrealisten bis zu den Kubisten. Die Seine-Stadt wurde ihm zur sinnlichen Offenbarung. In seiner Kunst verband Chagall das jüdische Erbe mit den Formen und der Ausdruckskraft der Moderne. „Das Land, das die Wurzeln meiner Kunst genährt hat, war Witebsk, aber meine Kunst braucht Paris, wie ein Baum Wasser braucht“, so bekannte er.

Im Kunsthaus erwarten den Besucher seine scheinbar träumerischen Bildmotive, die von schwebenden und fliegenden Menschen, von Hybridwesen zwischen Mensch und Tier und immer wieder von Liebenden bevölkert werden. Volkskunst und Märchenwelt begegnen einander, voll von Symbolen und instarken Farben. Chagall, der überkonfessionelle Künstler, fasziniert mit harmonische Perspektiven und lockt aus der vertrauten Realitätalsein  „Großmeister der Farbe“. Sein bewegtes Leben ließ ihn zu einem wichtigen Vermittler zwischen Osten und Westen, Judentum und Christentum, archaischer und modernistischer Tradition werden.

Da er sich unter den Sozialisten unverstanden fühlt, verlässt Chagall 1922 die Sowjetunion. Er kehrt über Berlin nach Paris zurück und illustriert dort Gogols „Die toten Seelen“ sowie eines seiner Hauptwerke, „Die Bibel“. 1937 wird ihm die französische Staatsbürgerschaft zuerkannt, während seine Werke in Deutschland aus Ausstellungen entfernt werden. Daher flieht er in die USA und kehrt erst 1947 nach Frankreich zurück. In Paris schließlich findet sein lithografisches Schaffen den Höhepunkt, bevor er am 28. März 1985 verstirbt.

Bis zum 13. Dezember besteht die seltene Gelegenheit, in der Apoldaer Ausstellung Unikate wie auch die begehrten Zustands- und Probedrucke seiner Pariser Jahre zu bewundern – selbstredend unter Corona-Bedingungen.

 


Geliebt, gehasst, geduldet – Groschenhefte in der DDR

Sonderausstellung im Stadtmuseum Gera / Zu sehen bis 18. Oktober 2020
Stadtmuseum Gera

Die Ausstellung mit rund 300 Objekten stellt die in der DDR auf bis zu 48 Seiten erschienenen Reihen wie Blaulicht, Das neue Abenteuer, Erzählerreihe, Tatsachen oder Meridian sowie ihre inhaltliche Ausrichtung vor. Die Geschichte der Groschenhefte in der DDR erzählt zugleich ein spannendes deutsch-deutsches Kapitel aus der Zeit des Kalten Krieges. „Erschreckend häufen sich jetzt die von Jugendlichen begangenen Verbrechen. Ihre Anleitung erhalten sie durch die Schundromane, die von Westberlin in die DDR eingeschleust werden.“ Solche und ähnliche Meldungen finden sich häufig in den ostdeutschen Zeitungen der 1950er Jahre. Die Kritik zielte vor allem auf die sogenannten Groschenromane, billig produzierte und reißerisch aufgemachte Hefte, die mit zahllosen Western, Kriminal- und Abenteuergeschichten den westdeutschen Markt überschwemmten. Sogar die DEFA produzierte zu dieser Thematik den Kurzfilm „Attentat auf unsere Kinder“, welchen man in der Ausstellung zu sehen bekommt.

Begünstigt durch die offene Grenze zwischen den beiden deutschen Ländern, wurden die Hefte auch im Osten Deutschlands gern gelesen. Die DDR hatte der Flut dieser Hefte zunächst nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Ab Mitte der 1950er Jahre begannen ostdeutsche Verlage, vermehrt eigene Heftreihen zu veröffentlichen, die natürlich anders und besser sein sollten als die westdeutschen „Schmöker“. In den ersten Jahren unterschieden sich die ostdeutschen Reihen in ihrem äußeren Erscheinungsbild jedoch kaum vom kapitalistischen Gegenstück. Titel und grafische Gestaltung waren ähnlich aufreizend und verlockend. Worin lag also der Unterschied?

Öffnungszeiten des Stadtmuseums Gera:  Mi-So und an Feiertagen 12 bis 17 Uhr

Abbildung: Matthias Wagner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum, präsentiert Groschenromane aus der aktuellen Ausstellung. Foto: SV / David Hoffmann


Rosen-Zeit im Greizer Museum im Unteren Schloss

Die Rose Museen der Stadt Greiz

Die „Königin der Liebe“ erblüht prachtvoller als je zuvor und hüllt das Museum im Unteren Schloss mit verführerischen Düften ein. Die Sonderausstellung nimmt Sie mit auf eine kulturgeschichtliche Zeitreise, die Sie sehen, fühlen und riechen können. Gerade nach dieser Zeit der Distanz, der Angst sowie der Entbehrung sozialer Nähe erwächst die Sprache dieser Blume eine noch wichtigere Bedeutung – sie ist Lebenslust und Freude.

Seit Jahrtausenden begleitet die Rose den Menschen - bewundert und verehrt rankt sie sich in das emotionale Leben unseres Alltags. Die Rose ist ein Kosmopolit. Wir finden Vertreter der Rosenfamilie nahezu auf dem gesamten Erdball. So vielfältig ihr Vorkommen, so breitgefächert ist ihre Bedeutung von der Kulturgeschichte bis zur Heilkunde. Sie lebt in den Mythen, den Religionen, der Literatur und der Kunst. Archäologisch nachgewiesen ist die Bedeutung der Rose durch Grabbeigaben in getrockneter Form oder als Öl schon in den frühen Kulturen Ägyptens und Persiens. Allerdings färbte erst die griechische Göttin Aphrodite mit ihrem Blut die erste Rose rot, dann waren es die Römer mit ihren ausschweifenden Gelagen der Liebesgöttin Venus zu ehren, die unsere Königin der Blumen entweihten und die Rosen für einige Jahrhunderte als unchristlich erscheinen ließen. Allerdings wurde die Königin rehabilitiert und bestieg als Symbol der Mutter von Gottes Sohn erneut den Thron höchster Aufmerksamkeit. Ihr zu ehren zieren heute große Rosettenfenster die bedeutenden Kathedralen des 11. bis 14. Jahrhunderts und durchfluten sie mit farbig-mystischem Himmelslicht.
Schon Hildegard von Bingen beschrieb die Heilkraft der Rose sowie deren Früchte. Die Wohltat der Rose für den menschlichen Körper und Geist wird auch in der Sonderausstellung im Unteren Schloss Greiz erlebbar. Ein bezaubernder Duft der frischen Gestecke schenkt dem Betrachter neue Lebenskraft und neuen Lebensmut. Rosenmotive schmücken Vasen, Schalen, Figuren aus Porzellan und anderen Materialien. Viele Gedichte und Werke der Bildenden Kunst huldigen der Königin der Liebe. Die Vielfalt des Ausstellungsthemas illustrieren die Gemälde des Künstlers Peter Zaumseil ebenso wie eine umfangreiche Sammlung der Sammlerin Edith Breitkreutz aus Gotha. Die Fülle der Darstellung des Rosenmotivs auf den Exponaten ist bemerkenswert und überraschend zugleich.
Die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz ergänzen mit ausgewählten Exponaten
aus ihren Sammlungen die Präsentation. Mit dieser Sonderausstellung wird das Museum im Unteren Schloss zum Botschafter für eine besondere Königin. - Schenken Sie Ihren Nächsten, Nachbarn und Freunde die Botschaft einer Blume, die das Herz erwärmt.


Von Delacroix bis Warhol

Ausstellung zu den Schenkungen Wilhelm Wintersteins im Schiller-Museum Weimar / Zu sehen bis 11. Oktober

Der Münchner Sammler und Mäzen Dr. Wilhelm Winterstein unterstützt seit 1997 engagiert die systematische Erweiterung der Bestände der Graphischen Sammlungen. Mit seiner mäzenatischen Hilfe konnten pointiert das Profil gestärkt und Glanzlichter hinzugefügt werden. Im deutschen Bereich sind es Meisterzeichnungen unter anderem von J.H.W. Tischbein, Carl Gustav Carus. Eindeutiger Schwerpunkt ist jedoch die französische Zeichenkunst des späten 18. Jahrhunderts und 19. Jahrhunderts mit bedeutenden Werken des Ateliers von Jacques – Louis David, von Eugène Delacroix, J.A.D. Ingres, Jean – Baptiste Camille Corot, Théodore Rousseau und vielen anderen. Die vier großformatigen „Goethe“ – Köpfe von Andy Warhol, Farbserigraphien, schließen zur Gegenwart auf. Die mittlerweile 40 Werke die Dank Wilhelm Winterstein in die Sammlungen gelangt sind, werden im Dialog mit 30 weiteren Werken aus den Weimarer Beständen gezeigt, um Zusammenhänge zwischen Bestand und Schenkungen herauszustellen. 

https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/delacroix-warhol/

>> Mehr zur Ausstellung auf www.klassik-stiftung.de/winterstein

 


Uta trifft Nina

Fotografien von Jürgen Sieker bis 31. Oktober 2020 in der Marienkirche am Naumburger Dom
Jürgen Sieker Fotografien Ausstellung Naumburg Nina Hagen

Lebendig, ausdrucksstark und faszinierend präsentiert die Ausstellung die vom Fotografen Jürgen Sieker geschaffene Bildserie „Uta trifft Nina“ in der Marienkirche am Naumburger Dom. In intensiven Porträtstudien werden Prominente aus Politik und Gesellschaft berühmten Kunstwerken wie den Naumburger Stifterfiguren gegenübergestellt. Mensch und Kunst scheinen auf einzigartige Weise in einen Dialog zu treten. Sie offenbaren dabei die berührende Menschlichkeit in den Kunstwerken – ebenso wie die ureigene Kunst eines jeden menschlichen Gesichts. Jürgen Sieker, der sich in den 1990er-Jahren einen Namen als Portraitfotograf gemacht hat, führt von 1999 bis 2009 einen umfangreichen Dialog zwischen der Fotografie und der Skulptur der letzten fünf Jahrtausende in den unterschiedlichsten Kulturkreisen der Erde. Schlusspunkt und aus seiner Sicht durchaus auch Höhepunkt bildet die Auseinandersetzung mit den Werken des Naumburger Meisters. In der Ausstellung „Uta trifft Nina“ werden in der Marienkirche am Naumburger Dom fotografische „Portraits“ der Skulpturen mit Prominentenportraits konfrontiert und gleichzeitig Werke des Naumburger Meisters im Kontext mit Meisterwerken der Weltskulptur präsentiert. Dabei werden dem Betrachter die beiden Wesensmerkmale, die die Naumburger Werke so einzigartig erscheinen lassen, veranschaulicht: die außerordentliche Lebendigkeit und die herausragende künstlerische Qualität.

Foto: Nina Hagen 1991 - Uta ©Jürgen SiekerBildrechte:©Jürgen Sieker