Ausstellungen

Gustav Klimt – The Gold Experience

Kunstkraftwerk Leipzig: Klassische Kunst hautnah mit allen Sinnen auf eine vollkommen neue Art erleben - bis zum 28. Mai 2023
Gustav Klimt – The Gold Experience Kunstkraftwerk Leipzig

Die spektakuläre Ausstellung „Gustav Klimt – The Gold Experience“ setzt das Leben und Werk des Künstlers multimedial umfassend in Szene. Sie ist eine Erlebnisreise durch die symbolische, rätselhafte und sinnliche Welt des berühmten Wiener Meisters und verbindet Kunst, Architektur, Musik und Design.

Mit Eleganz und Kunstfertigkeit haben Stefano Fake & The Fake Factory Klimts Meisterwerke und zentrale Themen von Leben und Tod, Geburt und Trauer, Liebe und Frauen für die Räume des Kunstkraftwerks neu interpretiert.
Das Publikum bewegt sich in der „Gold Experience“ zwischen großen erfahrbaren Räumen, Multimedia-Installationen, Spiegelräumen, Lichtskulpturen, Dekorationen und prächtigen Ornamenten der Kaiserzeit. Das italienische Kreativstudio hat diese immersiven Räume geschaffen und wurde dabei vom „goldenen Zeitalter“ des revolutionären Künstlers inspiriert. - Die Ausstellung ist eine großartige Gelegenheit, mehr über den Künstler zu erfahren, der Ende des 19. Jahrhunderts den Beginn der modernen Malerei markierte und der Kultur seiner Zeit ein neues Gesicht gab.
Markus Löffler (Kunstkraftwerk): „Wir freuen uns, der Öffentlichkeit eine ganz neue und eigens auf unsere Räume abgestimmte Installation präsentieren zu können. Es entsteht ein partizipatorischer Raum, in dem die Besucher eine fesselnde, sensuelle, emotionale Erfahrung machen können.“
Stefano Fake (Medienkünstler): „Mit unseren multimedialen Installationen beziehen wir den Betrachter in das Geschehen ein, stellen ihn in den Mittelpunkt des Erlebnisses, bringen ihn zum Staunen, machen ihn neugierig und laden ihn ein, tiefer einzutauchen. Mir geht es um eine Hommage an einen großartigen Künstler mit den Mitteln des Museums der Zukunft.“

Die Ausstellung ist in mehrere Themenbereiche unterteilt und würdigt Klimts Geschichte und künstlerischen Werdegang mit immersiven Shows und Installationen, die von seinen berühmtesten Werken und spektakulären Maltechniken inspiriert sind. Das Publikum erlebt die Ausstellung als Parcours.

MASCHINENHALLE - GOLD EXPERIENCE
Eine Welt aus Gold und Farbe, sinnlich und einhüllend, wird mit monumentalen Projektionen und eleganten Soundtracks erschaffen, die den Betrachter in die Porträts und Landschaften des Künstlers eintauchen lässt.
Die immersive Symphonie aus Bildern und Klängen skizziert Klimts Entwicklung als Künstler, von der frühen symbolistischen Periode und den Fresken für das Burgtheater in Wien bis hin zur modernistischen und sezessionistischen Wende, dem Beethovenfries und der Schaffung ikonischer Werke wie dem Kuss und den Mosaiken des Stoclet-Palais.

KESSELHALLE – DIE UNBEKANNTE WELT VON KLIMTS LANDSCHAFTEN
Die zweite Halle der Ausstellung beherbergt eine immersive Show, die das Publikum in die abstrakten und metaphysischen Landschaften eintauchen lässt, die der Wiener Künstler in mehreren Sommern gemalt hat, die er am Attersee bei Salzburg verbrachte.

TURM
Im Turm befinden sich sechs Kunstinstallationen, die von den bedeutendsten Werken und Perioden von Klimts künstlerischer Laufbahn inspiriert sind:
1) KLIMTS ATELIER
Bei einem Besuch in Ravenna entdeckte Gustav Klimt Gold als kompositorisches Element für seine Leinwände. Sein Atelier verwandelte sich für einige Jahre in eine Art Alchemielabor, in dem der Künstler unvergessliche Meisterwerke wie „Pallas Athene“ und „Judith“ schuf.
2) GARDEN OF EDEN
Später in seiner Karriere ließ sich Gustav Klimt vom Japanismus und der Ikonografie jener japanischen Maler inspirieren, deren dekorative Themen bereits von impressionistischen Malern und Van Gogh eingeführt worden waren. Die Installation erinnert an Klimts letzte Frauenporträts, die mit vielfarbigen Natur- und Blumendekorationen gefüllt waren.
3) DER BAUM DES LICHTS
Der immersive Raum „Der Baum des Lichts“ bezieht sich auf den berühmten Lebensbaum von Klimt und entwickelt seine ikonische Kraft durch die Schaffung eines endlosen Lichterwaldes
4) THRONSAAL
Das berühmte Porträt von Adele Bloch-Bauer bildet den Hintergrund für einen interaktiven Raum, der die Besucher einlädt, in das goldene Licht einzutauchen und sich in goldener Atmosphäre zu porträtieren.
5) FRAUEN IM GOLDENEN STIL
„Es gibt kein Selbstporträt von mir. Ich interessiere mich nicht für meine eigene Person als ‚Bildgegenstand‘ – mehr für andere Menschen, insbesondere Frauen, aber noch mehr für andere Erscheinungen.“ Gustav Klimt
Gustav Klimt war zweifellos ein Frauenmaler. Wie kein anderer Künstler würdigte er in seinen Werken die weibliche Schönheit und stellte die weibliche Attraktivität in den Mittelpunkt seines Schaffens. „Diese Frauen folgen den Blicken derer, die durch ihr sinnliches und elegantes Reich gehen, um ihr edles und endloses Erbe zu betonen.“
6) SYMBOLISCHES MEER
In seinem Gemälde „Wasserschlangen“ taucht Gustav Klimt weibliche Körper in ein symbolisches Meer aus winzigen figurativen und metaphorischen Elementen. Diese immersive digitale Installation lädt das Publikum ein, in seiner Symbolik zu schwimmen.

ERDGESCHOSS – GOLD UND GLANZ
Im 20. Jahrhundert wurden Porträts von Künstlern mit Leinwänden und Pinseln angefertigt. Heute, im Zeitalter der digitalen und interaktiven Kunst, bereitet der
Multimediakünstler eine endlose Umgebung vor, die durch die Verwendung von Gold in natürlichen oder künstlichen Formen gekennzeichnet ist, die aufeinander folgen und den Betrachter umhüllen, der somit selbst zum Protagonisten der Multimedia-Installation wird.

ONLINE-TICKETS: shop.kunstkraftwerk-leipzig.com

Foto: Luca Migliore


Cartoons im Sommerpalais Greiz

Sommerpalais Greiz Klaus Vonderwerth

Noch bis 5. März zeigt das Sommerpalais einen Querschnitt des Schaffens von Rainer Schade als Karikaturist. Dabei sind die Grenzen zwischen Cartoon und künstlerischer Zeichnung häufig fließend. Und noch eine Grenze lotete der Künstler feinsinnig aus – die der DDR-Zensur. - Der 1951 geborene Leipziger gehört zu den prägenden satirischen Zeichnern der späten DDR und der Nachwendezeit. In ihm wurde frühzeitig ein aufmerksamer Beobachter erkannt, der es verstand, mal in subtiler Doppelbödigkeit, mal in konfrontativer Offenheit die Ziele seines Spotts anzugehen. Zunächst als Assistent für Grafik, nach der Wende als Professor für Malerei/Grafik war er an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle unter anderem für die Grundlagenausbildung im Fach Kunst zuständig. Neben seiner freiberuflichen Tätigkeit setzte und setzt er sich für die Leipziger Kunstszene ein.
Rainer Schade zeichnet mit Bleistift, Sepia oder Tusche, nutzt den Aquarell-Pinsel oder das Airbrush-Verfahren, koloriert, kennt als gelernter Offset-Drucker die Möglichkeiten grafischer Druckverfahren und nutzte originalgrafische Plakate, um die DDR-Zensur bei der Herstellung von Postkarten zu umgehen.
Bereits in den 1980er Jahren war Schade auf den Greizer Biennalen der Karikatur vertreten. Wiederholt wurden Werke für das SATIRICUM angekauft.
Die Ausstellung gibt einen Überblick über 50 Jahre des satirischen Schaffens, für das wichtige Bildprägungen aus dem Archiv des Künstlers und der Sammlung des Sommerpalais heranzogen wurden.
So wie damals loten Schades Arbeiten bis heute Grenzen aus – Grenzen dessen, was politisch korrekt ist, und Grenzen dessen, was wir in unserer immer noch komfortablen Wohlstandswelt als zumutbar empfinden.

Lehmanns Linse. Atelier und Cartoon

Die neue Kabinett-Ausstellung kombiniert Werke der Karikatur und Cartoon-Kunst mit dem Porträt der jeweiligen Künstler und an ihrem Arbeitsplatz. - Das Foto oben, von Matthias Lehmann, zeigt den 2016 verstorbenen Berliner Künstler Klaus Vonderwerth in seinem Atelier. Von ihm und weiteren 14 Künstlerinnen und Künstlern stammen die ausgewählten Werke in der Ausstellung.
Die neue Kabinett-Ausstellung ist bis zum 16. April zu besichtigen. Hilfe kam dafür vom sächsischen Karikaturensammler Matthias Lehmann, der in den vergangenen Jahren viele Zeichnerinnen und Zeichner besucht und diese in ihren Ateliers fotografiert hat. 15 dieser Fotos wurden für die Ausstellung mit je einem Werk aus dem Sammlungsbestand des SATIRICUMs kombiniert. Dadurch erfahren die Gäste, wie die nach Namen und Werken bekannten Künstler aussehen und an welchem Arbeitsplatz die unterhaltsamen Bildfindungen entstanden sind.
Person, Schreibtisch, Werk – eine so noch nie da gewesene Zusammenstellung, die zeigt, dass es auch im Computerzeitalter Kreativarbeitsplätze gibt, an denen es nach wie vor auf die Auge-Hand-Koordination und das zeichnerische Feingefühl ankommt.

Geöffnet dienstags bis sonntags von 10-16 Uhr, ab April bis 17 Uhr

www.sommerpalais-greiz.de


Peter Wiaderek. Haute Couture aus Ostberlin

Bis 12. Februar im Museum für Angewandte Kunst Gera

Das Museum für Angewandte Kunst Gera zeigt bis zum 12. Februar 2023 die Ausstellung „Peter Wiaderek. Haute Couture aus Ostberlin. Retrospektive“. Die Ausstellung präsentiert das über viele Jahrzehnte hinweg gewachsene facettenreiche Gesamtwerk Peter Wiadereks. Anhand von rund einhundert Modeentwürfen und –illustrationen wird eine Retrospektive auf das Schaffen des Designers eröffnet und die Verbindung zu einer bedeutenden Einrichtung der DDR, dem Modeinstitut, hergestellt. Ein einst anonymisiertes Oeuvre wird auf diesem Weg wieder mit einer Persönlichkeit verknüpft.

Die Stadt Gera kann heute auf eine lange Geschichte der Textilproduktion zurückblicken. Von den ersten Spinnereien und Webereien über die hochtechnisierten DDR-Erzeugnisse des VEB Modedruck bis hin zu den modernen Firmen der Gegenwart lässt sich die Entwicklung der Textilindustrie an dieser Stadt exemplarisch ablesen. Hier absolvierte der aus Auma stammende Modegestalter Peter Wiaderek seine Ausbildung zum Damenmaßschneider.

1975 trat Wiaderek in den Kreis der Designerinnen und Designer des in Berlin ansässigen Modeinstituts der DDR ein. Im Team entwickelte er dort Trendkollektionen auf Weltniveau, was in der Planwirtschaft der DDR eine Herausforderung darstellte. Aufgrund von materiellen Zwängen gingen nicht alle Modeentwürfe in die Umsetzung. Peter Wiadereks Entwürfe wurden in den 1980er Jahren unter anderem auf großen Modenschauen, Messen und Ausstellungen gezeigt. Sein Name fand jedoch nur selten Nennung in Modezeitschriften und Katalogen, denn „Stardesigner“ waren in der DDR nicht vorgesehen. Das Konzept des Kollektivs herrschte vor. In der Nachwendezeit ermöglichte Wiaderek sich den Anschluss an seine Designertätigkeit durch eine Professur für Modegestaltung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Bis zu seiner Emeritierung 2009 hatte er diese inne.


Luxus, Kunst und Phantasie

Herzog August von Sachsen-Coburg und Gotha als Sammler - Sonderausstellung bis 19. Februar im Herzoglichen Museum Gotha
Herzogliches Museum Gotha

Die Hälfte der Laufzeit von „Luxus, Kunst und Phantasie – Herzog August von Sachsen-Coburg und Gotha als Sammler“ ist erreicht. Die Sonderausstellung ändert damit auch ihr Erscheinungsbild, da verschiedene lichtempfindliche Objekte aus konservatorischen Gründen getauscht oder umgeblättert werden. Auch eine Leihgabe des Prinzen Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha bereichert ab sofort die Schau: Es handelt sich um ein bisher weitgehend unbekanntes Porträt Herzog Augusts. Die Schau ist noch bis zum 19. Februar im Herzoglichen Museum Gotha zu sehen.

Mit dem Exponattausch halten auch eine Baumlandschaft, die Herzog August mit Feder auf Papier gezeichnet hat, und die spiegelbildliche Version der bisher gezeigten Graphik „Herzogin Charlotte mit ihren Söhnen August und Friedrich am Denkmal des Erbprinzen Ernst“ Einzug in die Ausstellung. Andere Objekte werden durch Reproduktionen ersetzt. Jeweils eine neue Seite ist unter anderem in sechs wertvollen orientalischen Handschriften der Forschungsbibliothek Gotha zu sehen, darunter ein Osmanisches Kräuterbuch und der Diwan des Dichters Anwari aus dem 17. Jahrhundert.

Fünf neue Fächer sind zu sehen – darunter auch der älteste und bedeutendste Fächer der Sammlung, ein Radfächer aus dem 16. Jahrhundert, der vermutlich aus England oder Schottland stammt. Sein Blatt besteht aus gemustertem und schillerndem Seidenbrokat, der mit Gold- und Silberfäden durchwirkt ist.
Die chinesische Drachenrobe wird dann durch ein nicht minder beeindruckendes Objekt ersetzt: Ihren Platz nimmt ein Knabengewand („angarkha“) aus Nordindien ein, das um 1800 in der Moghulzeit gefertigt wurde. Der Oberstoff ist aus kardinalroter Seide und mit handbestickten Bordüren aus echten Saatperlen, in Feingold gefassten Rubinen und farbigen Glasperlen besetzt.

Foto: Eine Kostbarkeit aus der Moghulzeit: Das Knabengewand entstand um 1800 in Nordindien und besteht aus roter Seide, die unter anderem mit echten Saatperlen, Rubinen in Feingoldeinfassung und Glasperlen besetzt ist. © SSFG, Foto: Lutz Ebhardt

 


Hidden Places. Heimat durch das Objektiv betrachtet

Zu sehen bis 19. Februar im Hennebergischen Museum Kloster Veßra
Hennebergisches Museum Kloster Veßra

Im Rahmen des Jahresthemas „Heimat. Eine Annäherung“ begibt sich das Hennebergische Museum Kloster Veßra mit verschiedensten Formaten auf die Suche nach den vielen Perspektiven des Heimat-Begriffs. Mit Lesungen, Konzerten, Gesprächen sowie den Sonderausstellungen „Heimat geht durch den Magen“ und „Heimat. Eine Annäherung“ versucht sie die vielen Facetten von Heimat aufzuzeigen und eine Idee davon zu vermitteln, was Heimat ist, was sie sein kann und sein darf.

Das Fotokunst-Projekt „Hidden Places. Heimat durch das Objektiv betrachtet“ ist ein weiterer Baustein der Veranstaltungen und Formaten zum genannten Jahresthema. Zusammen mit der Fotokünstlerin Samantha Font-Sala (Erfurt) und dem Autor Stefan Petermann (Weimar) haben sowohl Jugendliche (9. Klasse) als auch Erwachsene seit Mai die Gelegenheit genutzt, sich fotografisch und sprachlich mit ihrer Heimat auseinanderzusetzen und nach verborgenen heimatlichen Plätzen Ausschau zu halten. Dabei ging es den Kursteilnehmer*innen zu allererst um die persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Umgebung und den Fragen: Wo komme ich her? Wo gehöre ich hin? Welche Orte wecken in mir ein heimatliches Gefühl. - Die Ergebnisse dieses Workshops werden in einer Sonderausstellung im KunstRaum des Museums präsentiert. Gedacht ist diese Ausstellung als Wanderausstellung, die nach der Schau in Kloster Veßra in anderen Einrichtungen des Landkreises Hildburghausen gezeigt werden soll.


Zwei Fotografie-Expositionen in Erfurt

Peter Runkewitz

Mit gleich zwei Foto-Ausstellungen startet das Kultur: Haus Dacheröden in das neue Jahr. Beide Expositionen haben mit Musik zu tun: Sebastian Niebius hat das Tanzen zu seinem Thema gemacht. Fotograf Peter Runkewitz zeigt Aufnahmen, die den Musiker Martin Kohlstedt porträtieren.
Sebastian Niebius ließ sich von einem Konzert von „Florence + The Machine“ im Jahr 2018 inspirieren. Ihre Songzeile „... and when you don’t know what to do, you dance!” beeindruckte ihn nachhaltig. In einer von Krisen gebeutelten Zeit sieht der Fotograf Musik als eine Einladung, die Welt für einen kurzen oder langen Moment loszulassen und sich dem Klang hinzugeben; eine Einladung, alles um sich herum zu vergessen, Melodie und Rhythmus zu spüren - und sich darin zu bewegen: Vom vorsichtigen Mitwippen im Takt bis zum entfesselten Tanz. Seine Fotografien spiegeln dies auf eine poetisch-abstrakte Weise wider. Nicht nur die tanzende Person steht in seinen großformatigen Aufnahmen im Mittelpunkt, sondern auch der Zauber der Bewegung und ihre Resonanz mit den Orten, an denen sie stattfindet.
In der Langzeit-Fotoreportage von Peter Runkewitz „beyond stage – jenseits der Bühne. 10 Jahre unterwegs mit Martin Kohlstedt“ legt der Fotograf den Fokus auf die Frage, was ein Künstler empfindet, bevor er auf sein Publikum trifft. Was geschieht hinter der Bühne? Wie verändern sich Selbst und Umfeld im Laufe der Zeit? Seit fast genau zehn Jahren sucht der Fotograf mit seiner Kamera nach Antworten. Bei mehr als 300 Gelegenheiten entstanden dokumentarische Aufnahmen des Thüringer Pianisten, Komponisten und Produzenten Martin Kohlstedt: auf der Bühne, im Backstagebereich, in den Autos der unzähligen Konzerttouren, bei Albumaufnahmearbeiten im Tonstudio, sowie bei ganz privaten Begegnungen. Die sehr persönliche und intime Fotodokumentation zeichnet ein Bild vom Werdegang des Musikers.

www.dacheroeden.de

Für die Midissage am 25. Februar hat sich auch Martin Kohlstedt angekündigt, der für ein paar Stücke am Flügel zu erleben sein wird.

Foto: Peter Runkewitz, beyond stage


Gera: Große Eberhard-Dietzsch-Ausstellung bis 2. März zu sehen

Eberhard (Eb)-Dietzsch-Kunstfreunde e.V. und Sparkasse Gera-Greiz würdigen Werk eines der universellsten Geraer Künstler
Eberhard Dietzsch Ausstellung

„Klar!? – Eb Dietzsch zum 85.“, so heißt die Ausstellung, mit der der Eberhard (Eb)-Dietzsch Kunstfreunde e.V. und die Sparkasse Gera-Greiz den Maler, Grafiker, Cartoonist und Objektgestalter Eberhard Dietzsch (1938 – 2006) würdigen. Am 3. Januar 2023 wäre Dietzsch, der als einer der universellsten Geraer Künstler gilt, 85 Jahre geworden.

66 Arbeiten vereint die Ausstellung, darunter einige, die noch niemals öffentlich präsentiert worden sind. Eberhard Dietzsch hinterließ ein umfangreiches künstlerisches Werk. Dazu zählen hunderte Bilder unterschiedlichster Genres der Malerei, ungezählte Handzeichnungen und Cartoons, dreidimensionale Objekte, Collagen, grafische und gebrauchsgrafische Arbeiten. Dr. Hendrik Ziegenbein hob das Engagement des vor gut zwei Jahren gegründeten Eberhard (Eb)-Dietzsch-Kunstfreunde e.V. hervor, der sich ehrenamtlich der Pflege dieses umfangreichen künstlerischen Nachlasses widmet. Rund 5.000 Werke konnten bisher erfasst werden, schätzungsweise 3.000 bis 4.000 müssen noch gesichtet und inventarisiert werden.

Auffällig: Eine ganze Reihe der Arbeiten trägt keinen Titel. Wenn man Dietzsch auf die namenlosen Bilder ansprach, habe er mit einem „Klar“ geantwortet, weiß Erhard Lemm, 2. Vorsitzender der Eberhard (Eb)-Dietzsch-Kunstfreunde zu berichten. Die markante Bemerkung hat der Verein aufgegriffen, als es um das Motto der aktuellen Ausstellung ging. Diese ist eine Hommage an den Künstler, vermittelt Einblicke in das vielfältige und facettenreiche Schaffen von Eberhard Dietzsch. Die GWB „Elstertal“ Geraer Wohnungsbaugesellschaft mbH steuerte zur Ausstellung eine Reihe von Dietzsch-Werken aus ihrem Bestand bei.

Nach dem Besuch der Grundschule in Reichenbach erlernte Eberhard Dietzsch den Beruf des Lithographen. Sein Wunsch, sich künstlerisch zu entwickeln, führte ihn zum Studium an die Fachschule für Angewandte Kunst nach Leipzig. 1959 begann er freischaffend in Gera als Maler, Grafiker und Karikaturist. 1964 wurde er Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR, dessen Vorsitzender er später für den Bezirk Gera wurde. 1970 bis 1973 war Eb Dietzsch Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Prof. Klaus Wittkugel.

„In den Jahren ab 1970 entstanden zahlreiche Zeichnungen zu den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Themen und zu Stadtlandschaften. Später, so etwa von 1984 an, wandte Eberhard Dietzsch sich jedoch wieder verstärkt der Malerei zu. Dies belegen Landschafts- und Städtebilder wie auch Porträts bedeutender Komponisten in den 1990-er Jahren. Auch die Kunst am Bau hatte es ihm angetan. So entstanden Mosaike an Hauseingängen in Gera-Lusan und auch das bekannt gewordene Relief an der heutigen Dix-Passage in Gera. Viele Arbeiten aus dieser Zeit zeigte er in eigenen Ausstellungen. Intensiv beteiligte er sich an Kunstausstellungen in vielen europäischen Ländern“, berichtet Dr. Matthias Hager, 1. Vorsitzender des Eberhard (Eb)-Dietzsch-Kunstfreunde e.V.

Die Ausstellung ist bis zum 2. März 2023 bei freiem Eintritt während der Öffnungszeiten in der Sparkasse, Gera, Schloßstraße 11, zu besichtigen.

Foto: Publikum zur Vernissage  (Foto: Sparkasse Gera-Greiz/Uwe Müller)


Zwischen Avantgarde und Repression

Kunstsammlungen am Theaterplatz in Chemnitz: Tschechische Fotografie 1948 – 1968 / Bis 26. Februar 2023
Kunstsammlungen Chemnitz

Die Ausstellung Zwischen Avantgarde und Repression widmet sich der tschechischen Fotografie der Nachkriegszeit und damit einem international bedeutenden, gleichwohl hierzulande noch relativ unbekannten Kapitel der Fotogeschichte unseres Nachbarlandes.

Die Jahre nach dem sozialistischen Februarumsturz 1948 in der Tschechoslowakei waren von drastischen staatlichen Repressionen und einer rigiden, dem Gebot des Sozialistischen Realismus verpflichteten Kulturpolitik bestimmt. Die folgende, vergleichsweise kurze, jedoch international ausstrahlende Phase der Liberalisierung fand mit der Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 ein jähes Ende. Ungeachtet der tiefgreifenden staatlichen Einflussnahme kam es in diesen Jahren aber auch zu einer bemerkenswerten künstlerischen Blüte. So erlebte die offiziell negierte Tradition der Avantgardefotografie der Zwischenkriegszeit – insbesondere des Surrealismus – eine breite und qualitativ hochwertige Fortsetzung. Charakteristisch ist zudem der enge Austausch zwischen Fotograf:innen und bildenden Künstler:innen.

In der Ausstellung wird dieser außergewöhnliche künstlerische Reichtum anhand von fünf ausgewählten Positionen erlebbar: Josef Sudek, Vilém Reichmann, Emila Medková, Jan Svoboda und Josef Koudelka zählen zu den bedeutenden europäischen Fotograf:innen ihrer Zeit. Die Leihgaben aus dem Kunstgewerbemuseum Prag, der Mährischen Galerie Brünn und der Sammlung Siegert (München) betten ihre Hauptwerke in den Zusammenhang der jeweiligen Werkgruppen ein. Neben poetischen, das jeweilige Motiv künstlerisch abstrahierenden Fotografien finden sich eindringliche Dokumente der Zeitgeschichte wie Josef Koudelkas Aufnahmen vom Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag 1968. In der Zusammenschau offenbart sich die grafische Qualität der dokumentarischen Bilder. Zugleich wird deutlich, wie auch die scheinbar rein poetischen Arbeiten durch die gesellschaftspolitischen Umstände ihrer Entstehung geprägt wurden. Ausgewählte Zeitschriften und Fotobücher dieser Jahre vermitteln einen Eindruck vom zeitgenössischen Erscheinungsbild des Mediums. Insgesamt ergibt sich so ein vielfältiges und überraschendes Bild der tschechischen Fotografie nach dem Zweiten Weltkrieg.
Zwischen Avantgarde und Repression ist nach Paris 1930 der zweite Teil einer Ausstellungsreihe, in der sich die Kunstsammlungen am Theaterplatz mit wichtigen Epochen und Schauplätzen der Fotogeschichte auseinandersetzen. Die Ausstellungskataloge zu dieser Reihe bieten stets auch ein Forum für die aktuelle fotohistorische Forschung des jeweiligen Gastlandes. So umfasst die aktuelle Publikation, die im Sandstein Verlag Dresden erscheint, neben einem umfangreichen Bildteil sechs Beiträge von tschechischen und deutschen Fotohistoriker:innen, in denen die Entstehungsbedingungen der Werke anschaulich werden.

Foto: Vilém Reichmann, Bombardón (aus dem Zyklus Verwundete Stadt) / Bombardón (z cyklu Raněné město), 1946, Silbergelatineabzug auf Barytpapier, 40 × 29,5 cm
Mährische Galerie, Brünn / Moravská galerie v Brně
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022


Jena: Villa Rosenthal zeigt Arbeiten von Zoya Goletz

Malereien und Grafiken zu sehen vom 2. März bis 20. April / Eintritt frei
Zoya Goletz Ausstellung Jena

Seit 2007 präsentiert Zoya Goletz künstlerische Arbeiten in Jena. Werke der Künstlerin, die sowohl landschaftliche und abstrakte Motive als auch Portraits und Stillleben beinhalten, finden nun im Zuge einer Ausstellung von Malereien und Grafiken ihren Platz in der Villa Rosenthal.

Zoya Goletz hat an der Ostsibirischen Staatlichen Akademie für Kunst und Kultur in Ulan Ude ihren Hochschulabschluss (Diplom) als künstlerische Atelierleiterin für dekorative und angewandte Kunst erworben und einen Abschluss am Burjatischen Pädagogischen College als Lehrerin für Kunst und technisches Zeichnen. „Ich gebe meinen Arbeiten gerne eine einzigartige Perspektive. So wird jedes Werk zu einem unvergesslichen Stück.“  (Z. Goletz)

Die Organisation und Umsetzung der Werkschau ist ein Projekt von Amelie Schüler, Freiwillige im FSJ Kultur 2022/23 in der Villa Rosenthal Jena. Der Eintritt zur Ausstellung – im Rahmen der regulären Öffnungszeiten des Ausstellungsbereiches sowie nach Vereinbarung – ist frei.

Foto: ©ZoyaGoletz

Veranstaltungstipp: 10. März | 20 Uhr | Jazzkonzert  mit Helmut „Joe“ Sachse & Nils Wogram


EHRENPLATZ für den Sport

Ausstellung des Sportmuseums Leipzig bis 26. Februar
Sportmuseum Leipzig

Auf dem Weg zum neuen Sportmuseum in Leipzig wird ausgewählten Schenkungen der sporthistorischen Sammlung bereits jetzt ein Ehrenplatz zuteil. In der Ausstellung »EHRENPLATZ – Eure Geschichten. Eure Schenkungen. Euer Sportmuseum!« werden diese im HAUS BÖTTCHERGÄßCHEN des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig präsentiert.

Das Sportmuseum Leipzig erhält jedes Jahr etwa 300 bis 500 Schenkungen für seine Sammlungen. Manche Dinge sind zufällige Flohmarkt- oder Dachbodenfunde, andere wiederum lange gehütete persönliche Schätze. Sportlerinnen und Sportler sowie deren Verwandte, sportlich Interessierte und nicht zuletzt Menschen, die beruflich mit Sport zu tun haben, tragen so dazu bei, dass die Sammlungen des Sportmuseums Leipzig kontinuierlich Neuzugänge verzeichnen.

Viele Schenkende wünschen sich einen Ehrenplatz für ihr Objekt in der Ausstellung des Museums. Auf dem Weg zum neuen Sportmuseum in Leipzig wird ausgewählten Schenkungen bereits jetzt in der Studioausstellung dieser Ehrenplatz zuteil: Von der Autogrammkarte bis zur Weltrekordurkunde und von der Torwartmaske bis zum Wanderpokal: Die Präsentation macht die – nicht selten verblüffenden, ja verrückten – persönlichen Geschichten hinter den Objekten und ihren Schenkungen lebendig. In der Ausstellung kommen Menschen zu Wort, die von ihrer Schenkung an das Museum erzählen, wie es dazu kam und was sie sich davon erhoffen. Überdies erklärt die Ausstellung, wie eine Schenkung von der Übergabe an das Museum bis in eine Vitrine gelangt.

Die Objekte der 28 Schenkerinnen und Schenker beschreiben Familiengeschichten oder zeigen die mitunter wundersamen Wege auf, wie die Objekte ins Museum kommen. Darüber hinaus erfährt der Gast, wie aus geschenkten Geschenken tatsächlich Museumsgut wird. Durch umfangreiches Film- Interview-Material mit den Schenkerinnen und Schenkern, Sportlerinnen und Sportlern, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden die Geschichten hinter den Objekten dokumentiert und zugänglich gemacht.

„Das Sportmuseum Leipzig, derzeit ohne ständige Ausstellung, soll 2029 im ehemaligen Schwimmstadion am Sportforum neu eröffnet werden. Mit der prächtigen, gut 100.000 Objekte umfassenden sportgeschichtlichen Sammlung kann dies längst ohne Weiteres gelingen. Dennoch gibt es Sportgeschichten, welche die Sammlung noch nicht erzählen kann. Wir ermutigen jede und jeden, dem Sportmuseum selbst Geschenke zu machen und damit ein weiteres Stück mitteldeutscher Sportgeschichte für die Nachwelt zu bewahren.“ ergänzt Aiko Wulff, Leiter des Sportmuseums Leipzig.

Die Studioausstellung wird von einem umfangreichen Programm ergänzt, u.a. finden Erzähl-Café zum Thema Fußball, Fechten & Hockey und Schwimmen statt.

www.stadtmuseum-leipzig.de

Öffnungszeiten: Di – So, Feiertage 10-18 Uhr

Zum Foto: Dr. Skadi Jennicke (Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur, Stadt Leipzig) und  Aiko Wulff (Leiter Sportmuseum Leipzig, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig) vor der Schenkung eines Tennisschlägers mit einem Autogramm von Boris Becker, 2020. (Foto: Markus Scholz)


Mit Speed durchs Kinderzimmer

Historisches Spielzeug auf Rädern im Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg
Altenburg Spielzeugausstellung

Das Schloss- und Spielkartenmuseum im Residenzschloss Altenburg zeigt bis zum 5. März die Ausstellung „Mit Speed durchs Kinderzimmer. Historisches Spielzeug auf Rädern“. Zu sehen sind Exponate aus der museumseigenen Sammlung sowie von Leihgebern aus dem mitteldeutschen Raum.

Bei der Ausstellung „Mit Speed durchs Kinderzimmer“ dreht sich alles um Tempo und Geschwindigkeit: Autos, Eisenbahnen und Fröbel-Fahrzeuge werden ebenso ausgestellt wie Pferdefuhrwerke, Bagger, Kräne und Puppenwagen. Ergänzt wird die Ausstellung um Metallbaukästen, mit denen Kinder seit Generationen ihr eigenes Spielzeug konstruieren können. Neben Exponaten aus der museumseigenen Sammlung werden in der Ausstellung auch Leihgaben aus dem Museum Priesterhäuser in Zwickau gezeigt, insbesondere historische Puppenwagen, Puppenstuben-Interieur, erzgebirgische Miniaturen auf Rädern und mechanisches Spielzeug. Per Knopfdruck können die Besucherinnen und Besucher Puppen und Puppenwagen sowie ein Karussell in Bewegung versetzen.

Aus dem Depot Pohl-Ströher zeigt das Schloss- und Spielkartenmuseum große Modelle realer Fahr- und Flugzeuge. Unter ihnen befinden sich ein Flugzeug der amerikanischen Marke Steelkraft aus dem Jahr 1942, der französische Tretroller „Scooter“ aus dem Jahr 1950 und ein Ferrari aus dem Jahr 1960. Ergänzt wird die Ausstellung durch zahlreiche Printprodukte für Kinder. Unter ihnen befinden sich zahlreiche Kinderhefte und -bücher, Adventskalender und Stammbuchbilder. Zudem schließt sich der Ausstellung eine Präsentation von Fotografien aus dem Altenburger Fotoatelier Kersten an.

Einige der ausgestellten Spielzeuge erfreuen sich noch heute großer Popularität, andere Exponate sind schon fast in Vergessenheit geraten. So bringen die Ausstellungsobjekte einerseits zum Staunen, andererseits wecken sie alte Erinnerungen. Auf jeden Falls sind sie aber ein eindrucksvolles Stück Kulturgeschichte. 

Foto: Tretautos / Altenburger Museen, Silke Arnold


I AM A.I. – Künstliche Intelligenz erklärt

Ausstellung bis 5. März im Abbe-Campus der Universität Jena
Universität Jena

Jena (JK/Uni) Wie kann ein Computer erkennen, welche Wörter ich spreche? Macht eine Künstliche Intelligenz (KI) manchmal Fehler und wie lernt ein Neuronales Netzwerk? Antworten auf diese und weitere Fragen zum Thema Künstliche Intelligenz (englisch: Artificial Intelligence, A.I.) erhalten Interessierte in der Ausstellung „I AM A.I. – künstliche Intelligenz erklärt“. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena und das Michael Stifel Zentrum Jena zeigen im Foyer des Abbe-Campus (Carl-Zeiß-Straße 3) zahlreiche interaktive Exponate. Der Eintritt ist frei.

Künstliche Intelligenz interaktiv erleben

In der Ausstellung werden neben abstrakten Konzepten auch Alltagssituationen angesprochen. Ziel ist es, der interessierten Öffentlichkeit nicht nur die Erklärung von Sachverhalten, sondern auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema KI näherzubringen. Neben Exponaten zur Sprach- und Schrifterkennung zeigt beispielsweise eine Simulation, wie KI durch Belohnungen lernt. Ein anderes Thema ist die Ethik autonomer Fahrzeuge: Macht KI den Straßenverkehr zukünftig sicherer? Interessierte können hier Entscheidungsrichtlinien vorgeben, mit deren Hilfe die KI in unvorhergesehenen Situationen reagieren kann. Außerdem kann man Neuronale Netzwerke – Kern wichtiger KI-Methoden – selbst trainieren. Sie werden mit Daten gefüttert, damit sie Muster schneller und sicherer erkennen. „Mir gefällt besonders gut, dass die Ausstellung einerseits das Potenzial von KI aufzeigt, sie auf der anderen Seite aber auch etwas entzaubert: Sie erklärt, wie Dinge funktionieren, die auf den ersten Blick fast wie Magie wirken und sie zeigt auf, wo es noch Forschungsbedarf gibt, um KI im Alltag, in der Wirtschaft und in der Wissenschaft nutzbar zu machen“, sagt die Informatikerin Prof. Dr. Birgitta König-Ries von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „In Jena wird – unter anderem im interdisziplinären Michael Stifel Zentrum für datengetriebene und simulationsgestützte Wissenschaften – zu vielen dieser Themen wissenschaftlich gearbeitet. Ausschnitte aus diesen Arbeiten werden im Rahmen eines Begleitprogramms vorgestellt. Details dazu werden nach der Weihnachtspause veröffentlicht“, ergänzt die Jenaer Expertin.

Kostenfreie Führungen

Die Entwicklung der Wanderausstellung wurde von der Carl-Zeiss-Stiftung finanziert. Das Konzept für „I AM A.I.“ entstand aus einer Kooperation der IMAGINARY gGmbH mit internationalen Partnern. „Die Idee einer interaktiven Wanderausstellung, die den Menschen die Lernweise künstlicher Intelligenz näherbringt, hat uns von Anfang an überzeugt. Zum einen ist Künstliche Intelligenz eines der wichtigsten Zukunftsthemen unserer Zeit, zum anderen bringt die Ausstellung ein hochkomplexes wissenschaftliches Thema den Menschen anschaulich näher“, sagt Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee, der auch Mitglied der Stiftungsverwaltung der Carl-Zeiss-Stiftung ist.

Ausstellung bis 5. März 2023 im Campus Ernst-Abbe-Platz (Carl-Zeiß-Str. 3) zu sehen; ausgenommen die Weihnachtsfeiertage und Silvester/Neujahr. Geöffnet ist sie Mo-Fr 6-22 Uhr, Sa 8-20, So 10-18 Uhr, Eintritt frei. Die Inhalte richten sich insbesondere an alle Neugierigen ab 12 Jahren. Schulklassen ab der 5. Klasse und andere interessierte Gruppen können sich für Führungen anmelden unter: iamai@uni-jena.de.

Foto: Blick in die interaktive Ausstellung zu KI im Campus der Universität Jena. (Foto: Janine Kalisch/Universität Jena)


Gera präsentiert „Perlen der Moderne“

Bis 19. März zu sehen: Highlights aus der Kunstsammlung Niescher in der Orangerie
Sammlung Niescher

Die Ausstellung „Perlen der Moderne“ präsentiert Highlights aus der privaten Sammlung  von Niescher, die seit 2021 für zehn Jahre als Dauerleihgabe in der Kunstsammlung Gera beheimatet ist.

Die Sammlung stammt aus dem Nachlass des Chemnitzer Unternehmers Fritz Emil Niescher (1889–1974), der zu seinen Lebzeiten eine umfangreiche Kunstsammlung aufbaute. „Es handelt sich hierbei um eine großartige Kollektion von ungefähr 520 Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen und Plastiken von etwa dreißig Künstlerinnen und Künstlern“, sagt Astrid Lindinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Orangerieplatz 1. Die Sammlung verzeichnet eine Reihe große Namen, darunter Lyonel Feininger, George Grosz, Karl Hofer, Paul Klee oder auch Karl Schmidt-Rottluff. Den Schwerpunkt der Sammlung stellen aber die umfangreichen Konvolute von Ernst Barlach und Otto Dix dar.

Fritz Niescher pflegte vor allem zu Otto Dix eine besonders enge Beziehung. Bereits in den 1920er Jahren hatte er Arbeiten von Dix in Ausstellungen gesehen und erwarb 1932 die erste Zeichnung von ihm. Im August 1933 besuchte Niescher den Künstler in seinem Dresdner Atelier. Aus dieser Begegnung erwuchs eine lebenslange freundschaftliche Bindung und Begeisterung für das Werk des Künstlers. Auch in der schweren Zeit, als die Nationalsozialisten Dix seiner Professur an der Dresdner Kunstakademie enthoben, ihn als „Entarteten Künstler“ diffamierten und ihm Ausstellungsverbot auferlegten, stand Niescher dem Maler bei. Er erteilte Dix Porträtaufträge und erwarb von ihm Gemälde, Druckgraphiken und Zeichnungen, insbesondere Silberstiftzeichnungen. Damit sicherte er einen nicht unwesentlichen Teil des Lebensunterhaltes der Familie Dix. Fast bis zu seinem Lebensende erwarb Fritz Niescher zahlreiche Werke des Künstlers.

Außerdem begeisterte er sich schon in den 1920er Jahren für Handzeichnungen Ernst Barlachs, doch war es nicht einfach, dessen Blätter zu erwerben, da der Künstler Zeichnungen nur ungern verkaufte. 1929 gelang Niescher erstmals der Ankauf einer Zeichnung von Barlach. Während der 1930er und 1940er Jahre erwarb der Sammler, der Barlach 1935 persönlich kennengelernt hatte, zahlreiche Zeichnungen und Druckgraphiken des Künstlers. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs baute Niescher seine Barlach-Sammlung gezielt weiter aus.

Mit größeren Konvoluten sind Karl Hofer und Gerhardt Marcks in der Sammlung gleichfalls prominent vertreten. Daneben finden sich auch Künstler, die dem breiten Publikum weniger vertraut sind: Eine Entdeckung sind die kleinen plastischen Arbeiten von Ludwig Gieß, dem Schöpfer des Bundesadlers (1953) im Plenarsaal des Bonner Bundestags. Aus der Hand von Renée Sintenis stammen hervorragend beobachtete Tierplastiken, die zu ihrem künstlerischen Lebensthema geworden sind. Ebenso spannend sind die kubistischen Zeichnungen Manfred Sielers. „Die exquisite Kollektion, die Fritz Niescher über die Jahrzehnte zusammentrug, belegt, dass der Sammler stets am Puls der Zeit war und einen ausgesprochenen Blick für Qualität hatte“, erklärt Astrid Lindinger weiter. Niescher stellte eine Sammlung zusammen, die einen exemplarischen Einblick in die Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ermöglicht und deren Besuch ein Muss für jeden Liebhaber avantgardistischer Virtuosität ist.

Öffnungszeiten: Di-So, Feiertag 11-17 Uhr

Abbildung: Otto Dix, Familienbild, Fritz Niescher, 1936, Mischtechnik / © VG Bild Kunst Bonn, 2023 für Otto Dix, George Grosz, Karl Schmidt-Rottluff


Jüdische Architekten der Moderne und ihr Wirken in der Welt

Zu sehen bis 30. April, Gera, Haus Schulenburg
Jean Molitor Ausstellung Gera

Haus Schulenburg zeigt großformatige schwarz-weiße Architekturaufnahmen des Berliner Fotografen Jean Molitor. Vom bekannten Potsdamer Einsteinturm (Erich Mendelsohn) über die Berliner Volksbühne (Oskar Kaufmann), die „Weiße Stadt“ in Berlin Reinickendorf (Bruno Ahrend) oder die ikonische Tankstelle von Arne Jacobson in Kopenhagen geht die Reise nach Tel Aviv mit seinen 4.000 Gebäuden der Moderne, weiter nach Havanna, bis zum Thomas-Mann-Haus von Julius Ralph Davidson in Los Angeles.

Viele Jüdische Architekten sind bis heute in Vergessenheit geraten. Sie wurden nach 1933 nicht nur verfolgt, sondern auch aus der Fachliteratur gestrichen. Architekten wie Erich Mendelsohn, Ossip Klarwein, Marcel Breuer oder Fred Forbat waren durch die politische Veränderung in Europa gezwungen zu emigrieren. Viele Schicksale verliefen tragisch. Oft wurden auch die jüdischen Bauherren totgeschwiegen und ihre Häuser enteignet.
Es ist der Verdienst von Jean Molitor, die Werke jüdischer Architekten in vielen Ländern aufgespürt und wieder sichtbar gemacht zu haben.

Seit 2008 fotografiert Jean Molitor die Architekturmoderne des 20. Jahrhunderts in etwa 40 Ländern. Das Henry van de Velde – Museum Haus Schulenburg stellte dieses Projekt 2016 erstmals unter dem Titel „bau1haus – die Moderne in der Welt“ vor und löste damit einen spektakulären Erfolg mit 34 nationalen und 8 internationalen Einzelausstellungen sowie 6 Buchpublikationen aus.

Foto: Kirche Berlin Hohenzollernplatz, Ossip Klarwein (Foto: Jean Molitor)


BESESSEN. Die geheime Kunst des Polsterns

Bis 26. März im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig
Besessen. Die geheime Kunst des Polsterns GRASSI Leipzig

Gepolsterte Sitzgegenstände sind uns allen vertraut als mehr oder weniger beständige Begleiter des Alltags. Polster sind behaglich, sie vermitteln Gebor­genheit und versprechen Komfort, sie besitzen ein spezifisches Design, behaupten oder schaffen Status und erzählen Geschichte(n). Über ihr Innenleben machen wir uns wenig Gedanken. Dabei ist ein Einblick ins verborgene Innere der Stühle und Sessel eine Reise in Geheimnisse, in geschnürte und gefederte Konstruktionen, die sich als unbekannte hand­werk­liche Meisterwerke erweisen. „BESESSEN. Die geheime Kunst des Polsterns“ spürt den Möbeln und ihrem Innenleben nach, vermittelt sinnlich und spiele­risch Wissenswertes, lädt zum vergleichenden Probesitzen ein und stellt dar, warum das Polstern immer auch Teil einer Kultur- und Sozial­geschichte ist.

Die Ausstellung vereint mehr als 100 Polstermöbel der vergangenen 400 Jahre, vom Renais­sance-Stuhl über den Ratssessel des frühen 17. Jahrhunderts, vom ersten Fitnessgerät Chamber Horse des späten 18. Jahrhunderts bis zum bewunderten Designobjekt und den Experimenten der letzten Jahrzehnte. Die Polstermöbel herausragender Gestalterinnen und Gestalter korrespondieren dabei mit anschaulichen Modellen, Texti­lien, Film- und Bilddokumenten, die die Entwicklungsgeschichte des Polsterns nachzeichnen. Anhand der ausgestellten Exponate erhält man einen exklusiven Einblick in die normalerweise verborgene Polstertech­nologie und die Arbeit herausragender Meister und Meiste­rinnen.

Foto: Sofa, Bocca, Entwurf: Studio 65, 1971, Gufram, Balangero, Turin, Löffler-Collection, Reichenschwand, © Löffler-Collection, Reichenschwand


Frithjof Kühne – Türen im Holz

Ausstellung im Haus Schulenburg in Gera bis 14. Mai
Frithjof Kühne

Frithjof Kühne absolvierte von 1960 -1963 die Fachschule für Angewandte Kunst in Magdeburg. In diesen Jahren wurde er geprägt durch eine Gruppe von Kunst- und Medizinstudenten, die nicht nur die Schönebecker Expressionistin Katharina Heise (1891 – 1964) wiederentdeckten und bekannt machten, sondern sich auch mit der „Moderne“ außerhalb des reglementierten Kunsthorizontes in Ostdeutschland auseinandersetzten. Künstlernamen wie Paul Klee, Henry Moore, Hans Arp, Constantin Brancusi oder Ossip Zadkine bestimmten die Diskussion dieser Zeit.

Schon als Student entdeckte Kühne seine Liebe zum Holz. Seitdem gräbt er seine Gedanken, Träume und Überzeugungen in Holz, besonders gern in Eichenholz, welches 1.000 Jahre in der Elbe gelegen hat. Er arbeitet langsam und sorgfältig, eine Masse bezieht sich auf eine andere, eine Rundung folgt der vorherigen, dann ein Durchbruch, versetzte Höhlungen oder gestufte Kaskaden, die bestimmte Linien auslösen. Assoziationen stellen sich ein. Ein Musikinstrument, ein Walfisch, ein Drachen, ein Ikarus mit gestutzten Flügeln, Architekturen wie von Frank Gehry, Sinnlichkeit.
Kühne respektiert das Holz in seiner Struktur und mit seinen Spannungen. Es ist sein Gegenüber, welches ihm zuliebe faszinierende Formen zulässt – bis heute. Gezeigt wird bis 14. Mai 2023 ein repräsentativer Querschnitt von Skulpturen, Holzschnitten und Zeichnungen aus seinem Lebenswerk.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-16 Uhr, Sa/So und feiertags von 14-16:30 Uhr
 
Foto: Japanisches Tempelchen, Teakholz, 15 cm, 1966 / Foto: Frithjof Kühne


Das Leben der Objekte

Farbe und Papier am Weimarer Bauhaus - bis 30. Januar
Bauhaus Weimar Ausstellung

Ich sehe was, was Du nicht siehst! Kunsthistoriker*innen und Restaurator*innen blicken auf hundert Jahre Bauhaus-Kunst auf Papier. - Fälschung oder Original? ist nur eine der Fragen, die in dieser Ausstellung gestellt werden. Zu sehen sind Arbeiten auf Papier aus dem Bauhaus-Bestand der Klassik Stiftung Weimar.

In Zeiten ständigen Wandels suchen wir nach Stabilität. Die Kunst hilft, an Ewigkeitswerte zu glauben. Doch sehen wir wirklich das, was der Künstler oder die Künstlerin schuf? Auch Werke der bildenden Kunst unterliegen der Zeit. Bauhäusler*innen zeichneten auf alles, was sich ihnen anbot, Zeitungs- oder Packpapier, alte Rechnungen und Bibliothekszettel. Die industriell erzeugten billigen Papiere lösen sich unter unseren Augen auf. Auch das Leben der Objekte ist endlich.

Die Ausstellung „Das Leben der Objekte. Farbe und Papier am Weimarer Bauhaus“ befragt Objekte nach ihrer Biographie und stellt das Spannungsfeld zwischen Ausstellen und Erhalten, in welchem sich Ausstellungsmacher*innen, Restaurator*innen und Kustod*innen ins Zentrum bewegen. Anhand praktischer Beispiele wird die Aufmerksamkeit auf Schäden an Kunstwerken auf Papier sowie die schadensbegrenzenden Möglichkeiten der Restaurierung vor Augen geführt. Untersuchungen von Originalen mit allerneusten technischen Methoden erzählen neue Geschichten aus dem Leben der Objekte und erzeugen ihrerseits faszinierende technische Bilder. Sie berichten über den Aufbau von Bildern, sind Werkzeuge beim Nachweis von Fälschungen und helfen bei der Datierung von Kunstwerken. Die Ausstellung stellt Museumsarbeit im Zusammenspiel von matrialtechnologischer und kunsthistorischer Kompetenz vor. Sie erlaubt einen Blick hinter die Kulissen unserer spannenden Tätigkeit und sensibilisiert für den Wert der fragilen Originale auf Papier.

Aktuelle Ausstellungen, Veranstaltungen und digitale Angebote kompakt im Newsletter: www.klassik-stiftung.de/newsletter


Musikinstrumente aus Gera

Sonderausstellung im Stadtmuseum Gera
Stadtmuseum Gera

Textilproduktion, Maschinenbau und Elektrotechnik haben Gera zur Großstadt gemacht. Weit weniger bekannt ist dagegen, dass auch der Bau von Musikinstrumenten in der Stadt eine lange Tradition hat und zu den wichtigen Industriezweigen zählte. Bezeichnend für den Instrumentenbau in Gera ist, dass die Protagonisten es wiederholt verstanden, kurzfristig und innovativ auf Trends zu reagieren und damit zumindest für jeweils einige Jahrzehnte enorme wirtschaftliche Erfolge und landesweite Aufmerksamkeit zu erzielen. Was ist geblieben? Mit der Ausstellung begibt sich das Stadtmuseum auf Spurensuche nach den Hinterlassenschaften einer nahezu vergessenen Industrie. Zu sehen sind rund 100 Objekte, darunter drei Tafelklaviere aus der Friederici-Werkstatt, Harmoniums der Firma Spaethe und weiterer Geraer Hersteller sowie eine Sammlung von Buttstädt-Akkordeons aus Gera- Untermhaus.

Prägend im Instrumentenbau des 18. und frühen 19. Jahrhunderts war die Familie Friederici, deren Orgeln noch heute in Kirchen Mitteldeutschlands zu finden sind. Überregional bekannt wurde die Familie aber vor allem durch ihre Klaviere. Instrumente von Friederici besaßen unter anderem die Eltern von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Wolfgang von Goethe. Der Sprung in das Industriezeitalter gelang der Firma nicht. Abgelöst wurde sie durch große Industriebetriebe mit mehreren hundert Beschäftigten wie die Klavierfabrik Wilhelm Spaethe, deren Produkte sich noch heute weltweit finden lassen. Die Firma fertigte seit den 1850er Jahren Drehorgeln und Harmonikas und spezialisierte sich Ende des Jahrhunderts auf die Herstellung von Pianos und Harmoniums. Der Erste Weltkrieg beendete die große Zeit der Klavierfabriken in Gera. Die folgenden Jahrzehnte standen ganz im Zeichen der Handharmonika- und Akkordeonproduktion. Die hierbei wohl bekannteste Geraer Firma, die Harmonikafabrik Hermann Buttstädt in Gera-Untermhaus, produzierte bis in die 1960er Jahre Akkordeons. Neben dem Instrumentenbau entwickelte sich eine bemerkenswerte Zuliefererindustrie. Die Geraer Firma Gebrüder Dix beispielsweise galt als weltweit größter Erzeuger von Stimmplatten. Die unscheinbaren Bauteile erzeugen den für Harmonikas typischen Ton. In Gera-Langenberg produzierte die 1909 gegründete Klaviaturenfabrik rund 90 Jahre lang Tastaturen für Flügel, Pianos und Harmoniums und deckte damit in der DDR nahezu landesweit den Bedarf an Klaviaturen.

Zu sehen bis 1. Mai 2023

Foto: Detail eines Tafelklaviers der Friederici-Werkstatt, um 1850 (Foto: Stadtmuseum Gera)


Kunst und Alltag in den USA

Pop-Art von Roy Lichtenstein & Robert Rauschenberg im Kunsthaus Apolda / 29. Januar bis 18. Juni
Kunsthaus Apolda

Von Wolfgang Leißling   Die Pop-Art gilt als der letzte große Stilwechsel der Kunstgeschichte. Wobei der Begriff Pop-Art manchen Zeitgenossen wohl auch an das Geräusch einer geöffneten Cola-Dose erinnert. Jedenfalls dokumentiert die Pop-Art einen radikalen Stilwechsel in Kunst, Architektur und Mode. Dass es sich dabei um keinen  einheitlichen Stil handelt, beweist einmal mehr  die Sonderausstellung „Roy Lichtenstein und Robert Rauschenberg“ mit Pop-Art aus den USA. Rund 100 Künstlerplakate sind ab 29. Januar 2023 im Kunsthaus Apolda zu sehen.
Namen sind Nachrichten: Roy Lichtenstein (1923-1997) und Robert Rauschenberg (1925-2008) gehören zu den wichtigsten Vertretern der amerikanischen Pop-Art der 1960er Jahre. Innerhalb ihres OEuvres nimmt das anspruchsvolle Künstlerplakat einen wichtigen Stellenwert ein. Dabei spiegeln diese Werke den Zeitgeist der amerikanischen Gesellschaft wider.
Die Kuratorin Susanne Flesche: „Das Ziel der Pop Art Künstler war - im Gegensatz zum bis dahin führenden Stil des abstrakten Expressionismus – die Gegenstandslosigkeit der Malerei zu überwinden, sowie Kunst und das alltägliche Leben miteinander zu verbinden, indem zitathaft oder metaphorisch auf die an Konsumgütern und Werbung immer mehr angereicherte Lebenswelt Bezug genommen wurde.“
Es war im Jahre 1959, als Robert Rauschenberg mit einer Ausstellungsankündigung das erste Künstlerplakat Amerikas schuf. Geburtsstunde zahlreicher großformatiger Künstlerplakate, die sich politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen widmeten. So arbeitete Rauschenberg u.a. für die New York Philharmonie oder das South Africa Festival und unterstützte mit den verkauften Plakaten Aids-Organisationen, machte sich gegen Apartheid stark, warb für Kinderrechte sowie den Erhalt der Umwelt. Wobei seine im Offset-Druckverfahren vervielfältigten Werke mit ihren Farb- und Motivschichtungen, in denen Typographie mit Zeichnungen, Fotografien und Zeitungsauschnitten kombiniert wurden, bestachen. Trotz angespannter politischer Lage tourten seine Plakate damals nach Mexiko, Chile, Kuba, China und sogar in die ehemalige Sowjetunion.
Seit den frühen 60er Jahren widmete sich auch Roy Lichtenstein der Pop-Art, nachdem er rund zehn Jahre vorher professionell gemalt und ein Kunststudium absolviert hatte. Er befasste sich bis dahin nicht kunstwürdigen, alltäglichen Sujets aus der Werbe- und Comicwelt. Die Kunsthistorikerin Susanne Flesche charakterisiert: „Mit der Beschränkung auf kräftige Primärfarben sowie die Auflösung in vergrößerte Rasterpunkte, den sogenannten Benday-Dots, verweist Lichtenstein auf die Bildästhetik und Herstellungstechniken der Werbebranche.“ Die bewusst eingesetzten industriell-kommerziellen Produkte trugen dazu bei, dass sich banale „Alltagswirklichkeit“ und elitäre „Kunstwelt“ einander annäherten. Wobei sich Lichtensteins strukturierte Formensprache mit ihren klaren Motiven ideal für das Medium Künstlerplakat eignete.

Die retrospektive Ausstellung des Kunstvereins Apolda Avantgarde entstand zusammen mit dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg dank der großzügigen Schenkungen des Hamburger Sammlers Claus von der Osten. Sie ist bis zum 18. Juni von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr in der  Bahnhofstraße 42 geöffnet.

Abbildungen: © Estate of Roy Lichtenstein/VG Bild-Kunst, Bonn 2022
© Robert Rauschenberg Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2022 -
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg


DIE GUTE MODERNE. Von der Passion, Design zu sammeln

Bis 8. Oktober 2023 im GRASSI Museum Leipzig
Die gute Moderne GRASSI Leipzig

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst präsentiert in seiner Art déco-Pfeilerhalle rund 600 Entwürfe von über 60 internationalen Designern und Designerinnen aus der Sammlung des Ehepaares Inge und Wilfried Funke. Lange Jahre schenkte das sammelnde Paar immer wieder kleinere Konvolute in das Museum und vermachte letztlich seine gesamte Kollektion von rund 10.000 Einzelobjekten dem GRASSI Museum für Angewandte Kunst.

Die Ausstellung zeigt einen kleinen Ausschnitt dieser vielgestaltigen Kollektion von Geschirren, Vasen, Bestecken, Möbeln, Lampen und Geräten. Gleichwohl zeichnet die Schau das Werden dieser Sammlung nach, um immer wieder das Phänomen ‚Sammeln‘ selbst zu thematisieren – Glück und Bürde zugleich.
Inspiriert durch den Besuch einer 1980 dem Designer Heinrich Löffelhardt (1901-1979) gewidmeten Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe suchten Inge und Wilfried Funke die vor allem nach dem 2. Weltkrieg vom Rat für Formgebung propagierte ‚Gute Form‘ unablässig sammelnd zu belegen und akribisch zu dokumentieren.
So entstand in fast 40 Jahren eine der größten Sammlungen zum industriellen Gebrauchsdesign des 20. Jahrhunderts: Ausgehend von den Entwürfen Löffelhardts und Wilhelm Wagenfelds sammelte das Paar die von Bauhaus und Werkbund herrührenden Entwürfe historischer Vorläufer wie Hermann Gretsch, Wolfgang von Wersin, Marguerite Friedlaender oder Trude Petri. Sie verschmähten auch die organische Nachkriegs Nierentisch-Ästhetik der Rosenthal-Entwürfe einer Beate Kuhn oder Hanns Hoffmann Lederers nicht und suchten Arbeiten von Wilhelm Braun-Feldweg, Günter Kupetz oder Hans-Theo Baumann zusammen. Sie schweiften mit Tapio Wirkkala, Stig Lindberg oder Jens Harald Quistgaard in die skandinavische Design-Moderne und sammelten darüber hinaus Arbeiten von legendären Designern wie dem Tschechen Ladislav Sutnar, dem Briten Robert Welch oder dem Amerikaner Gerald Gulotta.

Foto: Fonduetöpfe, Dansk Designs Quistgaard, 1954