Ausstellungen

Dušan Kállay – Magische Welt

Zu sehen bis 13. Februar 2022 im Panorama Museum in Bad Frankenhausen
Panorama Museum Bad Frankenhausen

Von Gerd Lindner   Erstmals in Deutschland wird der slowakische Künstler Dušan Kállay (geboren 1948 in Bratislava) mit einer repräsentativen Auswahl seines Schaffens in einem Museum vorgestellt. Neben knapp 100 druckgrafischen Blättern, die das gesamte Œuvre vom Ende des Studiums bis heute umspannen, werden Zeichnungen und Gemälde, Buchillustrationen, Bücher, bibliophile Ausgaben und Briefmarkenemissionen bis Mitte Februar 2022 im Panorama Museum Bad Frankenhausen gezeigt. Insgesamt vereint die Ausstellung ca. 140 Exponate.        

Dušan Kállay studierte nicht nur an der Akademie der bildenden Künste in Bratislava, er war ab 1990 auch für knapp 3 Jahrzehnte – ab 1994 als ordentlicher Professor – maßgeblich für die Prägung der dortigen Abteilung für freie Grafik und Buchillustration zuständig, deren Leitung er von Albín Brunovský übernahm. Mit ihm gehört er zum Kern der sogenannten ›Hložník-Schule‹, deren Kunst auf Sinnbildlichkeit und kritisch-humanistischer Welterfahrung an der Grenze von Realität und Traum, von Prosa und Poesie beruht. Im Bestreben, innere Freiheit in einer unfreien oder von mannigfachen Versuchungen angefochtenen Welt zu wahren, hat die imaginative Kunst dieser ›Schule‹ ein eigenes, vollendet vorgetragenes, metaphorisch verdichtetes Universum Gestalt werden lassen, das so traumhaft magisch wie zeitlos gültig ist und von tiefen menschlichen Werten wie einer meisterhaft beherrschten manieristischen Zeichenkunst getragen wird.

Dušan Kállay ist einer der herausragenden Protagonisten dieser Kunst. Die Varianz seines Werkes ist enorm, neben Aspekten tiefernsten Charakters stehen Momente voller Witz und Humor, was seinem Schaffen bei aller Komplexität eine souveräne Leichtigkeit, die nie trivial ist, aber auch eine grundlegende Bedeutsamkeit verleiht. Genauso vielgestaltig sind die Sparten seiner künstlerischen Tätigkeit. So erweist er sich nicht nur als ein eminenter Grafiker von intimsten Exlibris bis zu großen, repräsentativen Formaten in jeder nur denkbaren klassischen Technik, vorgetragen zudem gern in Zyklen, sondern auch als Maler und Zeichner, dazu Briefmarkengestalter und Buchillustrator, dessen Spektrum von Märchen, Sagen und Legenden über Romane und Erzählungen bis zu biblischen Visionen, Dramen und Blutigen Sonetten reicht. Auf nahezu allen Arbeitsfeldern hat er bereits höchste nationale wie internationale Preise und Auszeichnungen erlangt, was die große Wertschätzung belegt, die sein Schaffen inzwischen weltweit genießt.               

Abbildung: Museum, 1990, Radierung, 60 x 50 cm, Besitz des Künstlers
Foto: Katalog Panorama Museum


Am Anfang war das Spiel - in Altenburg

Brettspiele – Geschichte und Gesellschaft spielend entdecken! 28. November 2021 bis 6. März 2022
Altenburg Residenzschloss Sonderausstellung

Brettspiele sind Kulturgut – ein Spiegel der Zeit, in der sie entstanden und gespielt wurden. Altenburg ist dabei ein ganz besonders hell leuchtender Stern im Spieleuniversum. Hier erfand man vor über 200 Jahren das Skatspiel, hier wird eine der größten Spielkartensammlungen der Welt aufbewahrt. Nun widmet sich die Weihnachtsausstellung des Schloss- und Spielkartenmuseums im Residenzschloss Altenburg diesem ganz eigenen Kosmos.

Die Sonderausstellung macht die beliebte Freizeitbeschäftigung von den Anfängen in der ägyptischen Antike bis hinein in das digitale Zeitalter zum Thema. Anhand 50 ausgewählter Exponate wird auf Vielfalt und gesellschaftliche Bedeutung des Brettspiels über die verschiedenen Zeiten eingegangen.

Zu Beginn zeigt die Schau im Residenzschloss Altenburg früheste Brettspielvarianten. Unter den Exponaten befinden sich sodann auch Repliken der Spiele „Senet“ aus Ägypten und des „Königlichen Spiels von Ur“ aus Mesopotamien (Original im British Museum), die beide im 3. Jahrtausend v. Chr. gespielt wurden und zu den frühesten bekannten Spielen gehören. Beide Spiele rücken die Lebensreise des Menschen in die Götterwelt in den Mittelpunkt. Sie gelten als Vorläufer der noch heute beliebten Brettspiele „Backgammon“ und „Mensch ärgere dich nicht“, die den altertümlichen Spielen in der Schau gegenübergestellt werden. Damit tritt die Ausstellung zugleich in die moderne Spielewelt ein, die den Weg von den Klassikern wie Monopoly bis hin zum zeitgenössischen Autorenspiel nachzeichnet. Folglich wird auch eine Auswahl an „Spielen des Jahres“ gezeigt, die eng mit der Entwicklung hin zum Autorenspiel verknüpft sind. 

Der zweite Ausstellungsabschnitt beschäftigt sich mit dem modernen Brettspiel als Produkt der Populärkultur. Hier wird gezeigt, welche Bilder von Geschichte und Gesellschaft sich im Brettspiel ablesen lassen. Dazu werden Spiele präsentiert, die verschiedene historische Epochen abbilden und aktuelle gesellschaftliche Themen behandeln. Besondere Schwerpunkte liegen hier auf dem Verhältnis des Brettspiels zu Themen wie Energie und Klimaschutz, Kolonialismus sowie gesellschaftlicher Vielfalt und Diversität. Die vom Wandel geprägte Verbindung zwischen Spiel und gesellschaftlich relevanten Themen wird hier anhand zahlreicher Exponate nachgezeichnet und wissenschaftlich fundiert aufgearbeitet.

Auch das Spiel als Art der Wissensvermittlung wird im zweiten Ausstellungsabschnitt beleuchtet. Spiele wie das preisgekrönte „Paleo“ oder „Philosophia“ zeugen vom zunehmend pädagogischen Anspruch innerhalb der Spieleentwicklung. Damit geht die Ausstellung letztlich auch der Frage nach, ob Spiele mehr als reine Unterhaltung sind.

Passend zur Weihnachtsaustellung widmet sich ein eigens dafür eingerichteter Ausstellungsraum den Themen Winter und Weihnachtsfest und stimmt so auf das Spielen und Zusammensein in der kalten Jahreszeit ein. Abhängig von den geltenden Corona-Regeln bekommen die Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, Figuren, Würfel und Karten zu greifen, um selbst spielerisch tätig zu werden. 

An beide Themen sie schließt sich ein möglicher Blick in die Zukunft des Brettspiels an: Als chronologischer Endpunkt der Ausstellung wird der Fokus auf digitale Varianten beliebter Brettspiele gelegt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10.00 – 17.00 Uhr / Ab dem 2. Januar 2022 Dienstag bis Sonntag, 9.30 – 17.00 Uhr, Feiertage 9.30 – 17.00 Uhr

Öffnungszeiten zwischen Weihnachten und Neujahr: Freitag, 24. Dezember geschlossen, Samstag 25. Dezember, 13.00 – 17.00 Uhr, Sonntag, 26. Dezember, 10.00 – 17.00 Uhr, Montag 27. Dezember geschlossen, Dienstag, 28. bis Donnerstag, 30. Dezember 10.00 – 17.00 Uhr, Freitag, 31. Dezember 10.00 – 15.00 Uhr, Samstag, 1. Januar geschlossen

Es gelten die entsprechenden Verordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

 


Cleo-Petra Kurze: Cartoons und so.

Ausstellung im Sommerpalais Greiz
Cleo-Petra Kurze Ausstellung Sommerpalais Greiz

Das Satiricum des Sommerpalais zeigt eine Ausstellung von Cleo-Petra Kurze mit Werken ihres künstlerischen Schaffens der letzten 45 Jahre. Dazu stellt die Künstlerin Zeichnungen aus ihrem privaten Depot zur Verfügung. Erg änzt wird die Schau aus dem Bestand der Sammlung im Sommerpalais. Cleo-Petra Kurze, studierte von 1970-1975 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Von da an war sie freiberuflich als Illustratorin und Cartoonistin tätig. Sie war regelmä ßige Teilnehmerin an den Biennalen und den Triennalen der Karikatur im Greizer Sommerpalais.

Zu sehen bis 6. März 2022 / Öffnungszeiten: Di-So 10 bis 16 Uhr

Begleitend zur Ausstellung gibt es Impulsführungen, die interessante Aspekte rund um die Karikaturen in der Ausstellung in den Fokus rücken. Sie sollen den Blick für die oftmals verborgene Bedeutung von Kunst und Kulturgeschichte schärfen. Hierzu herzlich eingeladen sind Museumsbesucher und alle Neugierigen, die Kunst für sich neu erleben möchten oder in der Mittagspause den Alltag für einige Minuten gegen eine spannende Entdeckung eintauschen wollen.
Di 30. November: Der Sündenfall oder der Ärger mit Mann und Frau
Di 14. Dezember: Und zum Advent ein Märchen - Cleos Deutungen für Erwachsene
Jeweils 12.30 Uhr | Dauer: ca. 15 min.
Ermäßigter Eintritt: 3 €
Unter Einhaltung der derzeit gültigen Infektionsschutzbestimmungen.


Ein Recht auf Träume

Das Kunsthaus Apolda präsentiert Hundertwassers Werk / Von Wolfgang Leißling
Hundertwasser Ausstellung Apolda

Motto: „Schönheit ist ein Allheilmittel“. Von dem international gefeierten gebürtigen Wiener Maler, Grafiker und „Architekturdoktor“ sind ausgewählte Werke zu sehen. In der Ausstellung erwartet den Besucher ein repräsentativer Querschnitt durch das umfängliche Lebenswerk dieses in seiner Popularität einmaligen Künstlers.  Gezeigt werden Originalgrafiken und Originalposter. Mit ihnen zeigt sich deren Schöpfer solidarisch besonders mit internationalen Umweltorganisationen. Dabei lautet sein Credo: „Mit der Grafik betrete ich ein Paradies, das der Maler nicht mehr erreicht“. Nicht von ungefähr tragen seine Arbeiten in der Ausstellung poetische Titel wie „Das Recht auf Träume“ oder „Zerstückelter Sonnenuntergang“. Fotografien erinnern zugleich daran, dass sich der Künstler schon seit den 50er Jahren für eine natur- und menschengerechte Architektur engagiert. Dies von Wien bis Magdeburg, von Osaka bis Nawakawa.

Wenn es etwas gibt, dass die Freunde seiner Kunst vereint, dann sind es die satten leuchtenden Farben, dessen ungerade Linien oder die schwingenden Wände seiner Bauwerke. Heftig kritisierte Hundertwasser die ungehemmten Wachstumsdoktrinen sowie den gesellschaftlichen Konformismus. In seinem Oeuvre plädierte er gerade auch mit dem grafischen Werk in unterschiedlichen Techniken für die menschliche Sehnsucht nach Vielfalt und Schönheit in Harmonie zur Natur.

Die Exposition ist bis zum 19. Dezember Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

www.kunsthausapolda.de

Abbildung: Hundertwasser, DAS RECHT AUF TRÄUME, 1988 © 2020 NAMIDA AG, Glarus/CH

 


Bilder aus einem interessanten Land

Sparkasse Gera Greiz zeigt teilweise noch nie ausgestellte Gemälde, Zeichnungen und Cartoons von Eberhard Dietzsch

Die Sparkasse Gera-Greiz präsentiert im Beratungscenter Gera Schloßstraße bis zum 3. Dezember die Ausstellung „Eberhard (Eb) Dietzsch – Bilder aus einem interessanten Land“. Eberhard Dietzsch (1938 – 2006) unternahm in den 1970-er und 1980-er Jahren Reisen in die Sowjetunion. Seine Werke spiegeln die Faszination für Land und Leute wieder, zeigen beeindruckende Landschaften, die Ursprünglichkeit der Städte und vor allem auf einfühlsame Weise die Menschen.

Ursprünglich sollte die Ausstellung in Geras russischer Partnerstadt Rostow am Don gezeigt werden, was aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht möglich war.  Die Sparkasse Gera-Greiz folgt gern der Bitte des (Eb)-Dietzsch-Kunstfreunde e.V., die Ausstellung nunmehr in den Räumen des Handelshofes Gera der Sparkasse zu zeigen. „Corona darf nicht dauerhaft das kulturelle Leben lähmen“, erklärte Dr. Hendrik Ziegenbein, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gera-Greiz, zur Vernissage. Er lobte das Engagement des Fördervereins zur Aufarbeitung und Pflege des umfangreichen künstlerischen Erbes von Eberhard Dietzsch und würdigte das ehrenamtliche Engagement für die Städtepartnerschaft.

Die Kunstausstellung ist bis 3. Dezember bei freiem Eintritt während der Servicezeiten im Beratungscenter Schloßstraße 11 in Gera zu besichtigen.


Brückenschlag zu Gegenwartskunst im Kunstverein Gera

Ausstellung widmet sich bis zum 11. Dezember Kunstvereinen und Künstlerbünden in Thüringen

In Auseinandersetzung mit seinem historischen Vorgänger zeigt der Kunstverein Gera e.V. ausgewählte Werke thüringischer Künstler des frühen 20. Jahrhunderts in Verbindung mit Arbeiten junger Gegenwartskünstler*innen. Die als Wohnzimmerausstellung konzipierte Schau bietet Einblicke in die vielfältige Thüringer Kunstvereinslandschaft zwischen 1860 und 1945 und schafft zugleich einen Brückenschlag zum heutigen Kunstschaffen.
Die Exposition, eingebettet in ein historisches als auch ein zeitgenössisches Zimmer, beschäftigt sich zum einen mit der bewegten Geschichte der Künstlerbunds- und Kunstvereinsgründungen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, zum anderen geht sie der Frage nach, welche Bedeutung den Kunstvereinen damals und heute beizumessen war und ist. Mit Werken lokaler Kunstschaffender wie Willy Müller-Gera und Walther Klemm sollen Vertreter damaliger, in Gera vielfach beachteter Ausstellungen erneut dem Publikum zugänglich gemacht werden und wiederholt Eingang in die Ausstellungschronik des Kunstvereins Gera finden. Im fließenden Übergang werden die zeitgenössischen Arbeiten der Kunstproduzenten MINETTA, Jennifer König, Tino Geiss, Elisabeth Ehmann und Maja Behrmann die historische Kunst zugleich kontrastieren wie auch komplettieren, wodurch ein räumliches und zeitliches Durchschreiten der Kunstvereinshistorie ermöglicht werden wird.
Gezeigt werden Arbeiten von MINETTA (Erfurt), Jennifer König (Leipzig), Tino Geiss (Leipzig), Elisabeth Ehmann (Berlin) und Maja Behrmann (Berlin), sowie historische Arbeiten von Kurt Günther, Erich Drechsler, Paul Neidhardt, Alfred Ahner und anderen. Die Ausstellung entsteht im Rahmen einer im nächsten Jahr erscheinenden Publikation zum gleichlautenden Thema der Kunstvereinslandschaft.

Ausstellungsführung 3. Dezember, 17 Uhr
Kunstverein Gera e.V., Markt 8/9 | 07545 Gera
Donnerstag bis Samstag 15:00 - 18:00 Uhr

www.kunstverein-gera.de


Europäische Salongeschichte in Löbichau

Ausstellung bis Jahresende 2021 im Museum Burg Posterstein
Museum Burg Posterstein

Für kurze Zeit spielte sich in Löbichau im Altenburger Land europäische Geschichte ab: Zar Alexander I. reiste hierher, der Landesherr Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg ebenso und der damals berühmte Dichter Jean Paul blieb gleich drei Wochen. Auch Johann Wolfgang von Goethe freute sich „Nach Löbichau bin ich schönstens, und, wenn ich mir nicht zu viel schmeichle, wircklich im Ernst eingeladen“ und besuchte Löbichau und Altenburg.

In Löbichau arrangierte die Herzogin von Kurland seit 1795 bis zu ihrem Tod 1821 ein reges gesellschaftliches Leben, das Politik, Literatur, Malerei, Musik und Wissenschaft vereinte. Trotz der geografischen Nähe Löbichaus zu den geistigen Zentren in Jena und Weimar kamen die Impulse für den Löbichauer Salon nicht von dort, sondern resultierten aus Dorothea von Kurlands europäischen Verbindungen. Die Herzogin reiste viel und weilte als Gast an den Höfen in Berlin, Warschau, Neapel, St. Petersburg, Wien und Paris – eine Privataudienz beim Papst nicht zu vergessen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten nahm sie Einfluss auf die Politik ihrer Zeit – Napoleons Aufstieg und Fall sowie der Wiener Kongress sind die bewegenden Momente dieser Jahrzehnte. Wichtige Staatsmänner kannte die Herzogin persönlich, darunter den österreichischen Fürst Metternich, den russischen Zar Alexander I., den preußischen König Friedrich Wilhelm III., Napoleon und dessen Außenminister Talleyrand. Ihr Medium war die Konversation, die sie in all ihrem Facettenreichtum beherrschte und anwandte – von der diplomatischen Verhandlung bis zur erotischen Verführung.

In diesem Jahr jährt sich der Todestag der Herzogin Anna Dorothea von Kurland zum 200. Mal. Am 20. August 1821 starb die Herzogin von Kurland in Löbichau und wurde unter Anteilnahme von 7.000 Trauergästen im „Herzoglichen Begräbniß im Hain“ beigesetzt. Das Museum Burg Posterstein bemüht sich seit Jahrzehnten um die Bewahrung der Tradition des Löbichauer Salons, forscht und publiziert zum Thema und zeigt die umfangreichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum.

Die überarbeitete ständige Ausstellung zum Salon der Herzogin von Kurland in Löbichau und zur europäischen Salongeschichte nähert sich dem Thema multimedial und zweisprachig. Der Besucher selbst entscheidet, auf welche Art und wie tief er in die Zeit der Salons einsteigen möchte.


Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meisterwerke

Zu sehen bis 21. August 2022, Herzogliches Museum Gotha
Gotha Verlorene Meisterwerke Restaurierung

In einer stürmischen Dezembernacht 1979 wurden aus Schloss Friedenstein fünf wertvolle Altmeistergemälde gestohlen, die erst Anfang 2020 nach Gotha zurückkehrten. Ausgehend von diesem spektakulären Verbrechen, dem größten Kunstdiebstahl der DDR, beleuchtet die große Sonderausstellung „Wieder zurück in Gotha! Die verlorenen Meisterwerke“ die wechselhafte Geschichte der Gothaer Kunstsammlungen.

Die Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha nehmen hinsichtlich ihrer Größe und Vielfalt im mitteldeutschen Raum eine Sonderrolle ein. Aus einer jahrhundertealten fürstlichen Sammelleidenschaft erwachsen, reichen die Bestände von naturkundlichen Objekten über Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerk, Grafik, Münzen und Medaillen, antike Gegenstände, Architekturmodelle, wissenschaftliche Instrumente und Möbel bis hin zu Ethnographica und Asiatika. Flankiert werden diese Sammlungen von der Forschungsbibliothek Gotha, einer umfangreichen historischen Bibliothek mit Hand- und Druckschriften, heute selbstständiger Bestandteil der Universität Erfurt, und dem Thüringer Staatsarchiv Gotha mit zahlreichen Quellen zur Sammlungs- und Residenzgeschichte. Kunst, Natur und Wissenschaften bilden in Gotha bis heute eine integrative Einheit, die sich auf den frühneuzeitlichen Kunstkammergedanken zurückführen lässt.

Diese einst fürstlichen Sammlungen nahmen ihren Anfang mit der Einrichtung der Kunstkammer auf Schloss Friedenstein durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1601-1675) im Jahr 1653. Die nachfolgenden Fürsten erweiterten die Sammlungen stetig, sie dienten der Repräsentation, sollten aber auch Bildung und Wissenschaft fördern und waren zu diesem Zweck jedem zugänglich. Im 18. Jahrhundert wurde Gotha dann auch zu einem wichtigen Ziel für Bildungsreisende. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert begann mit dem Bau des Herzoglichen Museums die wissenschaftliche Erschließung der Sammlungen. Dem ersten 1890 in der Reyher‘schen Hofbuchdruckerei erschienenen Katalog der Gemäldegalerie von Carl Aldenhoven, dem Direktor des neu gegründeten Museums, kam dabei eine besondere Rolle zu, weil er den Gothaschen Bestand international bekannt machte.

Seit den Goldenen Zeiten mit der Eröffnung des Herzoglichen Museums 1879 mussten die Sammlungen nach 1918 und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg einschneidende Verluste hinnehmen. Drei Faktoren führten zu tiefgreifenden Reduktionen an Struktur und Substanz der Sammlungen. Zunächst war es die Herzogliche Kunststiftung selbst, die Inkunabeln der Sammlung in den Kunsthandel gab, um die Finanzierung der Stiftung zu gewährleisten. Später wurden wesentliche Sammlungsschätze nach Coburg verlagert, um diese vor dem Zugriff durch dir Rote Armee zu bewahren. Darüber hinaus kam es zu unkontrollierten Verkäufen und zu Diebstählen bis 1948. Der weitreichendste Faktor war aber der Abtransport zentraler Sammlungsteile durch die Sowjetischen Trophäenbrigaden 1946. Neben dem Museum war hiervon auch die Bibliothek betroffen.

Nach den Verlusten konnten die Sammlungen aber auch viele glückvolle Rückführungen erleben. 1958 wurden Teile der Gothaer Bestände aus der UdSSR zurückgeführt und seit den 1990er Jahren konnten die Bemühungen verstärkt werden, verloren gegangene Objekte für Gotha zurückzugewinnen. Mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Rudolf-August Oetker-Stiftung und privaten Förderern ist es über die Jahre gelungen, hochkarätige Kunstwerke wieder in die Sammlungen einzugliedern. Die jüngst erfolgte Rückkehr der fünf Meisterwerke stellt in diesem Zusammenhang einen Höhepunkt dar und lässt hoffen, dass in Zukunft weitere Inkunabeln, die für immer verloren geglaubt waren, der Öffentlichkeit in Gotha wieder präsentiert werden können.

Die Ausstellung zieht anhand von Beispielen hochkarätiger Werke der Malerei, Grafik, Numismatik und des Kunsthandwerks die abenteuerlichen und vielgestaltigen Wege der Objekte nach und zeigt die Umstände ihrer Rückkehr auf. Im Mittelpunkt stehen dabei die jüngst zurückgekehrten Gemälde des Diebstahls von 1979, die erstmals in restauriertem Zustand und in historischen Rahmen präsentiert werden. Darüber hinaus bieten historische Dokumente, von den alten Sammlungsinventaren über handschriftliche Briefe bis hin zu Stasi-Akten, den BesucherInnen die Möglichkeit, selbst auf Spurensuche zu gehen und die Geschichten der Werke nachzuvollziehen. Im Niederländer-Saal des Herzoglichen Museums ist die ursprüngliche Hängung des 19. Jahrhunderts rekonstruiert worden. Diese Petersburger-Hängung führt wie in einem Schattenkabinett vor Augen, wie erheblich die Verluste heute immer noch sind.

Ausgehend von dieser Situation arbeitet die Gothaer Provenienzforschung an einer systematischen Aufarbeitung der Verlustlinien, die neben als verschollen geltenden Objekten auch Werke betreffen, die sich heute in anderen öffentlichen oder privaten Sammlungen befinden und deren Besitzverhältnisse als gesichert gelten. Gotha kann somit exemplarisch für ein spannendes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte stehen, das bis heute nicht abgeschlossen ist.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog im Michael Imhof Verlag erschienen.

Foto: Dietrich Richter und Der alte Mann / Foto: Susanne Hörr

 


Jüdisches Leben in Rudolstadt

Ausstellung bis 9. Januar 2022 • Residenzschloß Heidecksburg (Grafisches Kabinett)

Ein Kooperationsprojekt des Schwarzburger Museumsverbundes Arnstadt, Bad Frankenhausen, Rudolstadt und Sondershausen. - Angelehnt an das Themenjahr "900 Jahre jüdisches Leben in Thüringen" beleuchtet die Sonderausstellung die jüdische Gemeinde in Rudolstadt im 18. und 19. Jahrhundert anhand des einmaligen Bestandes "Judaica" im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg.

Durch Erbprinz Friedrich Karl von Schwarzburg-Rudolstadt erhielten sie 1784 eine Handelskonzession für die schwarzburgische Oberherrschaft, die eine Ansiedlung jüdischer Familien in Rudolstadt ermöglichte. 1796 wurde die jüdische Gemeinde durch Fürst Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft anerkannt. Nach aber gerade einmal 100 Jahren löste sich 1870 die Jüdische Gemeinde Rudolstadt wieder auf. Die jüdische Familie Callmann übernahm die verbliebene Ausstattung des Synagogenraumes, welche als Stiftung im Jahre 1911 in der Städtischen Altertumssammlung aufgingen. Mit dem Ende des ersten Weltkrieges gelangten die Stücke auf die Heidecksburg, wo sie während der Zeit des Nationalsozialismus sicher verwahrt werden konnten. Als Bestand im Magazin war die Sammlung nach 1945 nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein. Erst Anfang der 1980er-Jahre erfolgte eine Erfassung der Judaica-Sammlung. Der fachliche Austausch über diesen Bestand war jedoch erst nach der Friedlichen Revolution von 1989 möglich geworden.


Natur auf Papier

Weimar: Ausstellung zum Themenjahr „Neue Natur“

Bis zum 19. Dezember präsentiert das Goethe- und Schiller-Archiv kostbare Handschriften, die das Thema Natur auf unerwartete Weise beleuchten. Briefe, Dichtungen, Zeichnungen und Kompositionen aus den bedeutendsten Beständen des Hauses können in den Vitrinen des historischen Handschriftensaals im Original bewundert und befragt werden. Ergänzende Führungen vermitteln tiefere Einblicke und erläutern Hintergründe zu verschiedenen Formen der Naturwahrnehmung.

Zu sehen sind ein eigenhändiger Entwurf Goethes zu „Faust II“, ein Plan zur Gestaltung seines Hausgartens am Stern, aber auch das für Charlotte von Stein bestimmte frühe Briefgedicht „An den Mond“ sowie eine eigenhändige Rötelzeichnung, in der Goethe die Prinzipien vulkanischer Aktivität skizziert. Einen weiteren Akzent setzt die Berechnung der beiden totalen Mondfinsternisse des Jahres 1823, mit der sich der Jenaer Mathematiker und Astronom Ludwig Schrön in Weimar empfahl. Neben Friedrich Schillers berühmtem Gedicht „Der Spaziergang“ und Ludwig Achim von Arnims Gedichtzyklus „Erinnerung an Freudentage in Weimar“ werden darüber hinaus ein Brief des Landschaftsgestalters Hermann von Pückler-Muskau gezeigt, ein Herbarium aus dem Nachlass von Franz Liszt sowie Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierfantasie über „The Last Rose of Summer“.

Zu den ausgestellten bildlichen Darstellungen gehören ein Skizzenbuch, das Louise von Göchhausen von ihrer italienischen Reise 1790 mit nach Weimar brachte sowie ein Aquarell des Schiller-Enkels Ludwig von Gleichen-Rußwurm, der zu den frühesten deutschen Impressionisten zählt. Auch der vom Hofgärtner Armin Sckell entworfene Plan zu Gestaltung der Gartenanlage des 1896 eröffneten ältesten deutschen Literaturarchivs wird zu sehen sein.

Zugleich öffnet die Ausstellung ein Fenster in die Restaurierungswerkstatt: Natur spielt sich auch unmittelbar auf dem Papier ab. Sie rückt den Buchstaben zu Leibe. Gegen nagenden Tintenfraß und Schimmelgefahren setzt das Archiv auf die Kunst der Bestandserhaltung.

Mo–Fr 9–17 Uhr, Sa–So 11–16 Uhr, Goethe- und Schiller-Archiv, Jenaer Straße 1 | 99425 Weimar. Der Eintritt ist frei.


Fragile Pracht

Grassi Museum Leipzig zeigt Glanzstücke der Porzellankunst / Museum derzeit bis 12. Dezember geschlossen!
Grassi Museum Leipzig Ausstellung

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst präsentiert in seiner Art déco-Pfeilerhalle über 400 herausragende Porzellane des 18. und 19. Jahrhunderts aus der eigenen Sammlung. Dabei sind die bedeutendsten Manufakturen sowohl mit Geschirren als auch Figuren vertreten – aus der Zeit des Barock, Rokoko, Klassizismus und Biedermeier. Schwerpunkte bilden frühe Porzellane der Manufaktur Meissen, der ersten Porzellanmanufaktur Europas, aber auch Porzellane der Thüringer Manufakturen Gera, Gotha, Limbach, Kloster Veilsdorf, Volkstedt und Wallendorf. Erstmals werden Porzellane der Meissener Manufaktur nach Pressglasvorlagen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im GRASSI Museum für Angewandte Kunst vorgestellt.

Bedeutende Schenkungen der letzten Jahre ergänzen die Präsentation. So ist beispielsweise eine Auswahl von Stücken aus der im Jahr 2015 erhaltenen Schenkung von 330 Objekten kostbarer früher Meissener Porzellane mit Höroldt-Malereien zu sehen. Ebenso gezeigt werden einige Stücke der vier Jahre später erhaltenen Kollektion von 36 außergewöhnlich detailliert bemalten Tellern der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin aus einem botanischen Service, das vermutlich für Kaiserin Joséphine von Frankreich von Napoleon Bonaparte in Auftrag gegeben worden war.
Präsentiert werden Porzellane mit Chinoiserien, Jagdszenen, Soldaten- und Schlachtendarstellungen, „Deutschen“ und „Indianischen“ Blumen, religiösen Motiven, aber auch antiken Helden sowie Göttinnen und Götter, Figuren der Commedia dell´arte und Berufsdarstellungen, des weiteren Freundschaftstassen, Tiere, Porträts und Porzellane aus Biskuitporzellan.

Zu sehen bis 9.10.2022

Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen: http://www.grassimak.de/programm/kalender/

Abbildung: Bacchant und Bacchantin, Modell: Johann Joachim Kändler, Porzellan-Manufaktur Meissen, um 1765, Porzellan, polychrom bemalt und vergoldet, Ankauf von Willy Lessauer, Berlin, 1930 (Foto: Esther Hoyer)


Glanzstücke der Ilmenauer Porzellanfabrik von 1871 bis 1971

GoetheStadtMuseum Ilmenau

Das GoetheStadtMuseum Ilmenau zeigt in seiner neuen Sonderausstellung eine Auswahl repräsentativer Porzellane der Ilmenauer Porzellanfabrik von Gründung der Aktiengesellschaft unter Hermann Stürcke im Jahr 1871 bis zur Entstehung des Neuwerkes zu Beginn der 1970er Jahre. Zu sehen sind Kaffee-, Mokka-, Tee- und Speiseservice von bedeutenden Modelleuren und Formgestaltern wie Max Renner, Robert Richter, Karl Kemedinger, Werner Winkler und Ilse Decho, die für die Ilmenauer Porzellanfabrik „Graf von Henneberg“ entworfen wurden und die zum Großteil als großzügige Schenkungen erst vor kurzem in die Museumssammlung gelangten. Das Museum hat von Dienstag bis Freitag von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Ab November ist für jeden ersten Montag im Monat, um 12 Uhr ein Mittagsintermezzo mit einem „Objekt des Monats“ geplant.

Nähere Infos https://www.ilmenau.de/de/freizeit/museen-und-kulturstaetten/goethestadtmuseum/sonderausstellung/


Achtung, Werbung!

Kunstsammlungen am Theaterplatz in Chemnitz zeigen Plakate von der Belle Époque bis in die 1960er Jahre / Ausstellung derzeit bis 12. Dezember geschlossen!

Die Ausstellung Achtung Werbung! zeigt einen repräsentativen Querschnitt der schönsten Plakate aus dem hiesigen Sammlungsbestand von der Belle Époque bis in die 1960er Jahre. Neben den wichtigsten Druckereien sind sowohl die Pio-niere als auch die führenden Künstler der Plakatkunst vertreten. Kern der opulen-ten und farbenprächtigen Schau bilden 100 Plakate zu Themen wie Reisen, Sport, Industrie, Genussmittel und Mode. Unter den Ausstellungsstücken sind beliebte Klassiker zu sehen, aber auch bislang verborgene Schätze. Während Sarah Bernhardt als Jugendstil-Göttin für ihr neues Stück oder Asta Nielsen für einen frühen Stummfilm wirbt, setzen ikonische Plakate den Funken einer Zünd-kerze, den Schriftzug eines Zigarettenpapiers oder ein seltenes Tier prägnant in Szene. Sollten die Plakate einst Freude auf einen Urlaub mit dem FDGB-Feriendienst oder eine Reise mit der Deutschen Bundesbahn wecken, sind sie heute vor allem Zeugen einer vergangenen Zeit und laden zum Betrachten ein.
Mit der Erfindung der Lithografie entwickelte sich das Plakat ab dem ausgehen-den 19. Jahrhundert zum bildmächtigen Massenmedium. Noch heute gelten Pla-kate trotz digitaler Medien als eine der wirksamsten Formen der Werbung.
Die so genannten Affichen lösten vor allem in Frankreich um 1900 eine Welle der Begeisterung (Affichomanie) und hoher künstlerischer Produktivität aus, von der ganz Europa erfasst wurde. In der Folge entstanden Plakate für Kultur, Unterhal-tung und Kommerz, aber auch für politische Propaganda. Stilistisch durchlief die Plakatgestaltung viele verschiedene Phasen. Waren zunächst nur Drucker oder Lithografen für Entwurf und Herstellung von Plakaten zuständig, widmeten sich schließlich bekannte Künstler wie Eugène-Samuel Grasset, Alfons Mucha oder Henry van de Velde der Gestaltung von Plakaten. So druckte Jules Chéret in sei-ner eigenen Druckerei nicht nur großformatige Plakate, sondern vereinfachte auch das komplizierte Druckverfahren der Farblithografie, indem er zunächst fünf, später nur drei Steinplatten verwendete. Dadurch wurde die Herstellung von Plakaten deutlich kostengünstiger. Die Sachplakate von Julius Klinger, Lucian Bernhard, Julius Gipkens und Ludwig Hohlwein lösten schließlich das Künstler-plakat zugunsten einer reduzierten Bildsprache gänzlich ab und eröffneten den Weg zu einer völlig neuen Art zu Werben. Davon profitierten auch regionale Künstler in hohem Maße. Rolf Keller etwa entwarf für die Chemnitzer Kunsthütte und den Kunstgewerbeverein farbenfrohe und fantasievolle Plakate, die als handkolorierte Unikate in der Ausstellung zu sehen und Teil einer der umfang-reichsten und ältesten Plakatsammlungen Deutschlands sind.
Dank der großzügigen Finanzierung der Ernst von Siemens Kunststiftung im Rah-men der Corona-Förderlinie konnte der Kernbestand der Schau einer aufwendi-gen Restaurierung unterzogen werden und damit die wertvolle Sammlung dem Publikum noch weiter erschlossen werden.

Zu sehen bis 20. Februar 2022


Landschaften im Licht

Ausstellung bis 16. Januar im Schiller-Museum Weimar entdeckt den deutschen Impressionisten Ludwig von Gleichen-Rußwurm

Flirrendes Sonnenlicht, die sommerlichen Strände der Normandie und sanfte Hügel vor weitem Horizont – die Ausstellung „Landschaften im Licht“ entdeckt einen der ersten deutschen Impressionisten wieder: Ludwig von Gleichen-Rußwurm (1836–1901), einen Enkel Friedrich Schillers. Als erste große Überblicksschau zeigt die zweite Hauptausstellung des Themenjahrs „Neue Natur“ bis 16. Januar 2022 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Neubewertung des deutschen Impressionismus wird Gleichen-Rußwurm als einer der herausragenden Künstler seiner Zeit wieder umfassend sichtbar. Die Ausstellung im Schiller-Museum ist in Zusammenarbeit der Klassik Stiftung Weimar mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg und dem Deutschen Literaturarchiv Marbach entstanden, die einen Großteil des künstlerischen Nachlasses verwahren. Begleitend erscheint ein umfangreicher Katalog.

Ludwig von Gleichen-Rußwurm gehört zu den Pionieren einer fortschrittlichen Malerei in Deutschland. Um 1900 würdigte ihn der Kunstkritiker Julius Meier-Graefe als denjenigen Künstler, der als Erster den französischen Impressionismus in die deutsche Malerei eingeführt habe. 1901 zeigte Paul Cassirer in seiner Berliner Galerie eine große, vielbeachtete Retrospektive. Während sich der Impressionismus in den Jahren nach seinem Tod in Deutschland durchsetzte, geriet Gleichen-Rußwurm dagegen immer mehr in Vergessenheit.
Ab 1869 studierte Ludwig von Gleichen-Rußwurm an der Weimarer Kunstschule als Schüler von Theodor Hagen. Er entdeckte früh die französische realistische Freilichtmalerei und reiste nach Barbizon. Noch vor anderen Künstlern der „Weimarer Malerschule“ fand er charakteristische Motive in der ländlichen Umgebung Weimars, die er in Ölstudien mit skizzenhaft-lockerem Pinselstrich und frischer Farbigkeit festhielt. Die Jahreszeiten mit ihren Lichtstimmungen und der Charakter der Landschaft stehen auch im Fokus seiner späteren Darstellungen ländlichen Lebens unweit des Familiensitzes Schloss Greifenstein bei Würzburg. Sie vermitteln ein Gefühl der Einheit von Mensch und Natur, das zur Zeit der Industrialisierung auch für die Landwirtschaft bereits verloren war. Ab 1873 war Gleichen-Rußwurm bei bedeutenden deutschen und internationalen Ausstellungen wie der Pariser Weltausstellung vertreten und wurde als einer der fortschrittlichsten Weimarer Freilichtmaler wahrgenommen.

Als er 1889 die ersten Gemälde Claude Monets in Weimar sah, reagierte er unmittelbar auf die neue impressionistische Bewegung. Helle Farben und eine spontan-bewegte Malweise prägen Gemälde wie „Die große Bleiche“, mit dem er im selben Jahr auch seine Motivwelt erweiterte. Nur wenig später als etwa Max Liebermann nahm er Themen aus der modernen bürgerlichen Welt auf, von städtischen Vergnügungen wie Biergärten bis hin zu den Spaziergängern in den berühmten Parkanlagen von Schloss Nymphenburg in München oder dem Würzburger Hofgarten. Nach dem Vorbild Monets oder Pissarros wandeln Gleichen-Rußwurms elegant gekleidete Damen mit rotem Sonnenschirm unter blühenden Obstbäumen, über sommerliche Wiesen oder auf kunstvoll angelegten Parkwegen.
Auch frühe Orte des Tourismus finden sich darunter wie Helgoland oder der Strand von Trouville. Die intimen, detailreichen Schilderungen des Strandlebens an der französischen Normandieküste, an der holländischen und deutschen Nordsee verraten noch nichts von den Folgen des Massentourismus. In eindrucksvollen Lichtstimmungen changieren auch sie zwischen der Darstellung eines harmonischen Einklangs von Mensch und Natur und der für den Impressionismus typischen „Malerei des modernen Lebens“.

Als moderner Künstler, Adliger und Enkel Friedrich Schillers war Gleichen-Rußwurm ein Grenzgänger zwischen den Zeiten und Kulturen mit einem ganz eigenen Blick. Mit fortschreitendem Alter wurde er immer experimentierfreudiger und ließ sich auch von öffentlicher Ablehnung nicht irritieren. In seinen späten Werken öffnete er sich für die neuesten künstlerischen Tendenzen wie den Symbolismus und Neoimpressionismus und wurde Ende der 1890er-Jahre zu den führenden Avantgarde-Ausstellungen der Secessionen in München, Berlin und Wien eingeladen. Sein letztes Gemälde „Landschaft mit Windmühle“ mit überraschend starken expressiven Zügen zeigte die dritte Ausstellung der Berliner Secession 1901 neben einigen erstmals in Deutschland ausgestellten Werken Vincent van Goghs.


Simon Weckert: Ubuntu – das andere Ich!

Zu sehen bis 9. Januar 2022 im Museum Gunzenhauser / Chemnitz

Im Museum Gunzenhauser werden Arbeiten des in Chemnitz aufgewachsenen Künstlers Simon Weckert unter dem Titel Ubuntu - The other me! präsentiert, die sich mit dem zunehmenden Einfluss künstlicher Intelligenz auf unseren Alltag befassen.

Weckert, der künstlerisch voll und ganz in der digitalen Welt beheimatet ist, wirft dort Fragen nach unserer Identität auf. Was macht unser Menschsein aus, wenn Künstliche Intelligenz, Algorithmen und Deep Learning immer mehr Aufgaben etwa im Alltag und am Arbeitsplatz übernehmen? KI dringt immer tiefer in unseren Alltag vor. Die Geschwindigkeit von technischen Veränderungen war kaum jemals so groß wie heute. Auch in der Kunst hat die sich weiterentwickelnde Technik Einzug gehalten. Mit ihrer Hilfe können Bilder erschaffen, Texte geschrieben und Musik komponiert werden. Aber wie können wir uns dabei in Abgrenzung zu Maschine positionieren? Wer produziert den Inhalt und das Wissen, das wir uns aneignen, wie beeinflusst dies unser Leben, wer profitiert davon, inwieweit überlassen wir unser Leben der Digitalisierung und KIs?

Simon Weckert erregte 2020 mit der Arbeit Google maps hacks Aufsehen, als er mit 99 eingeschalteten Smartphones, die aufgestapelt auf einem Handwagen lagen, eine Straße entlang zog. Auf Google Maps wurde daraufhin ein virtueller Stau angezeigt und folglich Autos in der physischen Welt auf eine andere Route umgeleitet, um nicht im Stau stecken zu bleiben. In der Chemnitzer Ausstellung werden diese, sowie weitere bestehende, aber auch neue für die Ausstellung geschaffene interaktive Werke präsentiert. In This [] does not exist etwa fragt der Künstler nach den äußeren Merkmalen, die uns einzigartig machen und nutzt dafür einen Algorithmus, der basierend auf einer Datenbank täuschend echte Porträts erzeugt. Wie bereits in Google maps hacks setzt sich auch die Installationen Google maps Borders mit der Wissens-, Interessens- und Machtproduktion von Online-Diensten auseinander. Bei Google Maps beobachtet Weckert, dass die Landesgrenzen von einigen Ländern unterschiedlich dargestellt werden, je nachdem, in welchem Land Google genutzt wird. Dies wirft die Frage auf, inwieweit Karten Realität abbilden oder gar erschaffen können.

Ein umfangreiches Begleitprogramm, das in Zusammenarbeit mit dem Sonderfor-schungsbereich Hybrid Societies an der TU Chemnitz entstanden ist, schlägt die Brücke zur Wissenschaft, die den Einfluss von Technik auf unseren Lebensalltag analysiert.

Künstlerführung: Mittwoch, 1. Dezember, 18:30 Uhr
Podiumsdiskussion: Mittwoch, 8. Dezember, 18:30 Uhr - Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Wohin mit dem Elektroschrott? Prof. Dr. Marlen Gabriele Arnold, BWL–Betriebliche Umweltökonomie und Nach-haltigkeit, TU Chemnitz; Sascha Förster, Geschäftsführer BEC Becker Elektrore-cycling Chemnitz GmbH; Simon Weckert, Berlin; N. N., Sächsisches Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Moderation: Martin Jähnert, Leipzig


Schloss Osterstein - Facetten einer Residenz

Sonderausstellung bis 27. Februar im Stadtmuseum Gera / Derzeit geschlossen!
Stadtmuseum Gera Schloss Osterstein

Beeindruckende Burgen und Schlösser gibt es viele in Deutschland. Der Osterstein war nicht nur ein Schloss, er war der Sitz einer Landesherrschaft, eine Residenz, und nimmt damit auch in der Thüringer Landesgeschichte eine herausgehobene Position ein. Das Schloss war der Ort, von dem aus rund 700 Jahre lang die Geschichte Geras und von Teilen Ostthüringens bestimmt und geleitet und – mit der Abdankung Heinrichs XXVII. am 11. November 1918 – auch das Ende der reußischen Monarchie besiegelt wurde.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Gera erzählt anhand von rund 150 Objekten die Geschichte des Ortes und des Schlosses von der Bronzezeit bis ins 20 Jahrhundert. Für die inhaltliche Arbeit konnten renommierte Historiker u.a. aus Dresden und Weimar gewonnen werden. So bietet die Ausstellung neue Erkenntnisse über das Alter des Bergfrieds, die Schlosskapelle, die Bedeutung der zahlreichen Hohlwege am Osterstein und die Beseitigung der Schlossruine nach 1945. - Seit Anfang des 13. Jahrhunderts bildete die Burg auf dem Hainberg den Mittelpunkt einer Teilherrschaft der Vögte von Weida. Ein Zweig der Familie nannte sich fortan Vögte von Gera. Die Vögte oder Herren von Gera – wie sie sich seit etwa 1370 nannten – starben 1550 aus. Trotz der schwierigen und gefahrvollen Zeit des Religionsstreits konnte die Greizer Linie der Vögte – die Reußen – in den Folgejahren die Geraer Herrschaft für sich gewinnen und übernehmen. Bereits 1564, nach einer reußischen Landesteilung, wurde Gera erneut die „Hauptstadt“ einer Herrschaft und Schloss Osterstein der Sitz der Herren und späteren Grafen und Fürsten Reuß jüngerer Linie. Im 19. Jahrhundert wurde der Osterstein auch zum Werbeträger und Identifikationsort. Die Geraer waren stolz auf ihr malerisch im Wald und oberhalb der Elster gelegenes Schloss. Der Blick über den Fluss nach Untermhaus und hinauf zum Schloss dürfte um 1900 das häufigste Ansichtskartenmotiv in Gera gewesen sein. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte den Untergang des Schlosses. Bei einem der letzten Fliegerangriffe auf Gera am 6. April 1945 wurde es von amerikanischen Bombern getroffen und brannte vollständig aus. Die Ruinen wurden 1962 zum größten Teil beseitigt.

Zu sehen Dienstag bis Sonntag und Feiertage 11 Uhr bis 17 Uhr

Weitere Informationen unter http://www.museen-gera.de

Foto: Stadtmuseum

 


Schauderhaft Schönes aus dem Reich der Natur

Ausstellung „Tödliche Schönheiten“ im Naturkundemuseum Gera / Derzeit geschlossen!

Wenn auch die Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters liegen mag, sieht es mit Tödlichem eindeutiger aus. Das Museum für Naturkunde in Gera präsentiert mit „Tödliche Schönheiten“ eine neue Sonderausstellung, in der attraktive Naturobjekte aus der Welt der Minerale, Pilze, Pflanzen und Tiere gezeigt werden, die es allesamt in sich haben. Der Kontrast zwischen schillernden Farben und skurrilen Formen auf der einen sowie gefährlichen Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen auf der anderen Seite weckt die Neugier auf das, was sich dahinter verbirgt. „Die Mitarbeiter des Museums für Naturkunde haben die ursprünglich für 2020 geplante Ausstellung in liebevoller Handarbeit gestaltet und prall mit aktuellem Hintergrundwissen aus Wissenschaft und Forschung gefüllt“, so Kulturamtsleiterin Dr. Claudia Tittel.

Nach einer Erläuterung zum Unterschied von Giftigkeit und Gefährlichkeit eröffnet eine Liste der 27 giftigsten Substanzen die Ausstellung – Botox und Koffein lassen grüßen. Im Reich der Minerale gibt es eine ganze Reihe beeindruckender Schönheiten mit gefährlichen Eigenschaften, die anhand von 39 Beispielen präsentiert werden. Viele davon sind Schwermetallverbindungen mit intensiven Farben, die durch ihre traditionelle Verwendung als Farbpigmente schon seit Jahrhunderten zu Vergiftungen führten, wie etwa die Beschreibung von Quecksilbervergiftungen aus der Römerzeit belegen. Von Arsenolith bis Zinnober warten ausgesuchte Stücke auf die Besucher – sicher hinter Glas. Die Gefährlichkeit des funkelnden Bergkristalls oder der filigranen Asbestminerale in den Vitrinen ist nicht gleich zu erahnen, denn sie ergibt sich erst bei ihrer Gewinnung und Verarbeitung. Darüber hinaus thematisiert die Ausstellung die Gefährlichkeit der oftmals fantastisch aussehenden radioaktiven Minerale hinsichtlich Ursache und Wirkung. Die Ausstellung gibt Hinweise und Tipps, welche Verhaltensregeln und Maßnahmen die Gefahr, die von solchen Mineralen ausgeht, entschärft.

Die meisterhaften Pilzreplikate des Museumspräparators Rainer Michelsson leiten den biologischen Teil der Ausstellung ein und zeigen ikonische und auch unbekanntere Giftpilze wie Fliegenpilz und Satansröhling, Mutterkorn und Nebelkappe, aber auch ihre essbaren Doppelgänger. Fallberichte von Vergiftungen lassen den Besucher erschaudern. Aber auch die alltägliche Gefahr, die von unsachgemäß gelagerten Lebensmitteln und ihren schimmeligen Bewohnern ausgeht, kommt nicht zu kurz. Schimmelpilze umspannen den kulturhistorischen Bogen vom Fluch des Pharaos bei der Öffnung der Grabkammer Tutanchamuns über die medizinisch bahnbrechende Entdeckung des Antibiotikums Penicillin bis hin zum Roquefort. Wo dabei die Schönheit bleibt? Der Blick ins Mikroskop verrät es.

Einige der schönsten Gartenpflanzen zählen zu dem Giftigsten, was die Natur zu bieten hat. Blauer Eisenhut, Herbstzeitlose und Roter Fingerhut erzählen Geschichten davon, was man als Kräuterhexe besser lassen sollte. Eine Vitrine widmet sich giftigem Holz und zeigt wunderschön gemaserte Baumscheiben von Goldregen, Robinie & Co. neben detaillierten Angaben zu den toxischen Inhaltsstoffen, Wirkmechanismen und Tipps für den praktischen Umgang im Kleingarten. Direkt daneben breitet ein drei Meter hohes Präparat des Riesen-Bärenklaus seine Doldenschirme über den Besuchern aus. Der Pflanzensaft eines frischen Exemplars kann bei Berührung der Blätter in Kombination mit Sonnenlicht Verbrennungen und Schockzustände auslösen.

Ein eigener Ausstellungsraum ist den Gifttieren gewidmet. Apart gemusterte Kegelschnecken, pieksige Skorpionsfische und Rochenstacheln deuten an, dass der Kampf ums Überleben in den Weltmeeren allerlei gefährliche Blüten treibt, vor denen auch Badegäste am Mittelmeer wissen sollten. Vor historischen Wandtafeln mit anatomischen Skizzen zum Giftapparat der Kreuzotter werden die in Deutschland vorkommenden giftigen Amphibien und Reptilien als lebensechte Replikate vorgestellt, während Naturbegeisterte auf den sachgerechten Umgang mit ihnen in Natura hingewiesen werden. Zugegeben, eine tödliche Gefahr ist von unseren heimischen Arten kaum zu erwarten, doch das ändert sich mit dem krönenden Abschluss der Schau: Sicher verwahrt in drei artgerecht eingerichteten Terrarien werden lebende Gifttiere gezeigt, deren Artgenossen weltweit mehrere tausend Todesopfer pro Jahr einfordern. Die Rede ist von der Schwarzen Witwe, dem Dickschwanzskorpion und einer über zwei Meter langen Indischen Kobra, der berühmten und in vielen asiatischen Kulturen verehrten Brillenschlange.

Die Ausstellung kann noch bis zum 17. Juli 2022 jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr besucht werden.

Weitere Informationen unter http://www.museen-gera.de


Offene Freundschaften

Präsentation im Nietzsche-Archiv in Weimar zeigt Arbeiten des Künstlerinnenpaars Dora Wibiral und Dorothea Seeligmüller
Nietzsche Archiv Weimar

Bis 31. März 2022 zeigt das Nietzsche-Archiv in Weimar Arbeiten der außergewöhnlichen Kunstgewerblerinnen Dora Wibiral (1876-1955) und Dorothea Seeligmüller (1876-1951). Als Schülerinnen Henry van de Veldes und Lehrerinnen an der Weimarer Kunstgewerbeschule sowie am Bauhaus gingen die beiden Künstlerinnen ihren eigenen Weg jenseits des um 1900 üblichen Frauenbilds. Wibiral und Seeligmüller lebten in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft, nahmen als aktive Mitglieder des Frauennetzwerkes um Elisabeth Förster-Nietzsche regelmäßig an Veranstaltungen im Nietzsche-Archiv teil und führten eine eigene Werkstatt. Die Intervention in der Nordveranda des Nietzsche-Archivs zeigt Arbeiten aus Metall und Email sowie typographische Entwürfe, darunter Werke aus dem 2021 erworbenen Nachlass der Kunstgewerblerinnen.

Mi–Mo | 10–18 Uhr (Sommeröffnungszeiten bis zum 1. November 2021)
Mi–Mo | 10–16 Uhr (Winteröffnungszeiten ab dem 2. November 2021)
Nietzsche-Archiv, Humboldtstraße 36 | 99425 Weimar
Die Ausstellung ist im Eintritt für das Nietzsche-Archiv inbegriffen.

Foto: Dora Wibiral und Dorothea Seeligmüller, um 1910. Fotograf unbekannt, © Klassik Stiftung Weimar


Ernst Barlach – Spiegel des Lebens

Werke aus der Sammlung Niescher in der Kunstsammlung Gera zu sehen / Derzeit geschlossen!

Bis 13. Februar präsentiert die Kunstsammlung Gera im Südflügel der Orangerie die Ausstellung Ernst Barlach – Spiegel des Lebens. Werke aus der Sammlung Niescher
Ernst Barlach (1870-1938) gehört zu den bedeutendsten Künstlern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Mehrfachbegabte wirkte nicht nur als Bildhauer, sondern auch als Grafiker und als Schriftsteller. In seiner unverwechselbaren Bildsprache, die er seit seiner Russlandreise 1906 entwickelt hatte, lotete er Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens aus, indem er menschliche Beziehungen und das Mensch-Sein an sich in all seinen Ausdrucksformen darstellte: Freude und Leid, Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Tod.
Die Ausstellung „Ernst Barlach – Spiegel des Lebens“ zeigt ausnahmslos Werke, die aus der Sammlung des ehemaligen Chemnitzer Fabrikanten Fritz Niescher stammen. Insgesamt beinhaltet diese Kollektion, die als Dauerleihgabe für die nächsten zehn Jahre in der Kunstsammlung Gera beheimatet ist, über 500 Werke vornehmlich von Künstlern der Klassischen Moderne, darunter circa 130 Arbeiten von Ernst Barlach.
Die Präsentation umfasst Zeichnungen, Druckgraphiken sowie Skulpturen und Porzellanplastiken, der Schwerpunkt liegt jedoch auf zahlreichen eindrücklichen Kohlezeichnungen. Die Spanne der präsentierten Werke reicht von frühen, dem Jugendstil und Symbolismus verhafteten Schöpfungen bis zu seinen in den folgenden Jahrzehnten geschaffenen markanten expressiven Arbeiten.
Besonderheiten

Öffnungszeiten: Di-So, Feiertag 11-17 Uhr, Kunstsammlung Gera, Orangerieplatz 1, 07548 Gera

www.museen-gera.de


Vergessene Bauhaus-Frauen

Ausstellung bis 4. Januar im Bauhaus-Museum Weimar

Das Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 verhalf den Frauen des Bauhauses zu neuer Aufmerksamkeit. Doch vieles liegt noch im Dunkeln: Von den rund 460 verzeichneten Studentinnen am Bauhaus sind nur von zwei Dritteln die Lebensdaten bekannt. Insbesondere die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 wirkte sich auf weibliche Bauhaus-Angehörige aus. Verfolgt durch das NS-Regime fanden einige den frühen Tod im Konzentrationslager. Sie wurden im Exil Opfer stalinistischer Säuberung, starben aufgrund von Krankheit oder in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs. Das Ausstellungsprojekt „Vergessene Bauhaus-Frauen. Lebensschicksale in den 1930er und 1940er Jahren“ der Universität Erfurt und der Klassik Stiftung Weimar widmet sich der Erforschung dieser Schicksale und stellt mehr als 30 Künstlerinnen bis 4. Januar 2022 im Bauhaus-Museum Weimar vor. Biografische Dokumente und künstlerische Arbeiten zeugen von dem breiten Spektrum an Gattungen und Techniken, in dem sich die Bauhaus-Frauen gestaltend engagierten. Sie waren in fast allen Werkstätten des Bauhauses vertreten, arbeiteten in den Bereichen von Architektur, Fotografie und Reklame bis zur Buchbinderei und Weberei. Zu sehen sind unter anderem Keramikarbeiten, Malerei, Skulptur und Textil-Objekte.


In Gotha sind die Saurier los

Jahreshauptausstellung bis 24. April 2022 im Herzoglichen Museum
Gotha Saurier Herzogliches Museum

Die meisten Menschen haben sofort ein Bild von gewaltigen Riesenechsen vor Augen, wenn sie den Begriff „Saurier“ hören. Doch woher kommt diese Assoziation und wieso sind Saurier in unserer Alltagskultur so gegenwärtig? Wie kann es sein, dass seit Jahrmillionen ausgestorbene Tiere, die nie ein Mensch lebend gesehen hat, in nahezu jedem Kinderzimmer zu finden sind? Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha widmet sich in der Jahreshauptausstellung diesen Fragen. Die große Sonderausstellung „Saurier – Die Erfindung der Urzeit“ im Herzoglichen Museum beantwortet die Frage, wie es sein kann, dass jedes Kind zu wissen scheint, wie Dinos und Co. ausgesehen haben – Tiere also, die seit Jahrmillionen ausgestorben sind und die nie ein Mensch lebend gesehen hat. Neben Bildern und Modellen präsentiert die Ausstellung auch zahlreiche echte Versteinerungen von Sauriern, die zu einem großen Teil aus der hauseigenen geowissenschaftlichen Sammlung stammen. Darunter befinden sich insbesondere die weltberühmten „Ursaurier“ vom Bromacker bei Tambach-Dietharz, die im Rahmen der Ausstellung endlich wieder der Öffentlichkeit gezeigt werden können.

Foto: Susanne Hörr


Zwischen Mystik, Magie und dicken Mauern – 800 Jahre Leuchtenburg

Neue Dauerausstellung zur Burggeschichte "Mythos Burg"
Gerhardt-Altenbourg-Preis 2021 Altenburg Ausstellung

Seitenroda/Thüringen. Von der Wehranlage bis zum Verwaltungssitz, vom Zuchthaus und der Irrenanstalt bis zum Ort der Freiheit und Unbeschwertheit – die Funktionen der Leuchtenburg im thüringischen Seitenroda sind überaus wechselhaft. Aber dadurch, dass die im Jahr 1221 erstmals urkundlich erwähnte Burg 800 Jahre lang durchgehend genutzt wurde, zählt sie heute zu den besterhaltenen Burgen Deutschlands. Die idyllisch auf einem Hügel über dem Saaletal thronende Anlage ist bereits seit Jahren ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem wegen des faszinierenden Ausblicks, dem Skywalk der Wünsche und den einzigartigen Porzellanwelten. Mit Wiederöffnung nach dem Lockdown wird die Burg um eine bedeutende Attraktion für die Gäste reicher: Als eigenes Geschenk zur 800-Jahr-Feier präsentiert die Leuchtenburg ihre wechselhafte Geschichte in einer neuen Dauerausstellung. Unter dem Titel „Mythos Burg – 800 Jahre Leuchtenburg“ können sich Besucher und Besucherinnen auf eine ungewöhnliche Erkundungsreise zwischen Mystik, Magie und dicken Mauern begeben und mehr über die spannende Geschichte und die unterschiedlichsten Nutzungen der Leuchtenburg erfahren.